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Moralischer Universalismus: Menschheitsethos und Weltherrschaft - Hans Joas in Augsburg

Mit Hans Joas ist es im Sommersemester 2022 gelungen, einen der
bedeutendsten Soziologen der Gegenwart für die Internationale Gastdozentur
am Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg zu gewinnen. Seine
Vorträge in Augsburg sind dem Thema „Moralischer Universalismus:
Menschheitsethos und Weltherrschaft“ gewidmet und gewähren Einblicke in
sein jüngstes Buchprojekt.

Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass die Menschheit während des
größten Teils ihrer Geschichte vermutlich kein Bewusstsein von sich selbst
als einer einheitlichen Spezies hatte und gewiss nicht den moralischen
Maßstab, das Wohl aller Menschen über das des eigenen Sozialverbands zu
stellen. Wann, wo und warum aber entstand dann ein solches
„Menschheitsethos“ und wie hat es sich weiterentwickelt? Stellt es eine
Eigenheit des Christentums oder der Aufklärung und des Westens dar oder
finden wir es auch in anderen Traditionen und Kulturen?

Die Grundthese der Forschungen von Hans Joas ist, dass wir diesen
„moralischen Universalismus“ in seinen vielfältigen Formen historisch nur
in Wechselwirkung mit der Geschichte der Imperien verstehen können, d.h.
aus den Reaktionen auf deren Weltherrschaftsansprüche heraus oder als
Rechtfertigungsversuche genau dieser Imperien. Während im ersten Vortrag
der Reihe die Grundgedanken des ganzen Buchprojekts entwickelt werden,
behandelt Joas danach zwei Fallstudien. Der zweite Vortrag untersucht den
Kampf um die Abschaffung der Rassensegregation in den Südstaaten der USA
mit besonderem Augenmerk auf die Rolle des Christentums auf beiden Seiten
des Konflikts, der dritte Vortrag betrachtet die religiöse und politische
Vision Mahatma Gandhis, die darin bestand, aus indischen Traditionen einen
moralischen Universalismus zu entwickeln, der sich gegen die Herrschaft
und den zivilisatorischen Überlegenheitsanspruch des britischen Empire
richten konnte.

Hans Joas ist Soziologe und Sozialphilosoph. Seit 2014 hat er die Ernst-
Troeltsch-Honorarprofessur für Religionssoziologie an der Theologischen
Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Er wurde 1979 mit einer
Arbeit über „Praktische Intersubjektivität: Die Entwicklung des Werkes von
George Herbert Mead“ an der FU Berlin promoviert, wo er sich auch
habilitierte. 1987 folgte er einem Ruf an die Universität Erlangen-
Nürnberg. Von dort wechselte er 1990 auf die Professur für Soziologie und
Nordamerikastudien an der FU Berlin. 2002 übernahm Hans Joas die Max-
Weber-Professur und damit die Leitung des Max-Weber-Kollegs für kultur-
und sozialwissenschaftliche Studien an der Universität Erfurt. Von 2011
bis 2014 forschte Joas als Permanent Fellow am Freiburg Institute for
Advanced Studies (FRIAS). Er ist außerdem seit 2000 Visiting Professor of
Sociology and Social Thought an der University of Chicago. Gastprofessuren
führten ihn auch an andere US-Universitäten, nach Kanada, Österreich,
Schweden und Südafrika.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte von Wertentstehung
und Wertewandel, der Religionssoziologie und der Soziologie von Krieg und
Gewalt. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bielefelder
Wissenschaftspreis, der Werner-Heisenberg-Medaille, dem Hans-Kilian-Preis,
dem Max-Planck-Forschungspreis und dem Prix Paul Ricoeur. Hans Joas’ Werk
ist in viele Sprachen übersetzt und wird breit rezipiert. Zuletzt sind von
Hans Joas erschienen: „Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur
Geschichte von der Entzauberung“ (2017), „Friedensprojekt Europa?“ (2020),
„Im Bannkreis der Freiheit. Religionstheorie nach Hegel und Nietzsche“
(2020) und „Warum Kirche? Selbstoptimierung oder Glaubensgemeinschaft“
(2022).
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Öffentliche Veranstaltungen mit Hans Joas an der Universität Augsburg:

28. Juni 2022, 18:30 Uhr
Moralischer Universalismus: Gedanken zu seiner Entstehung und Entwicklung
Universität Augsburg, Gebäude H (Jura), Hörsaal 1009

30. Juni 2022, 18:30 Uhr
Das Christentum zwischen Rassismus und seiner Bekämpfung: Martin Luther
King
S-Forum der Stadtbibliothek Augsburg, Ernst-Reuter-Platz 1, 86150 Augsburg

5. Juli 2022, 18:30 Uhr
Antikolonialer Widerstand und religiöse Vision: Mahatma Gandhi
Rokokosaal der Regierung von Schwaben, Fronhof 10, 86152 Augsburg

Workshop für Master- und Promotionsstudierende
6. Juli 2022, 10:00 Uhr
Universität Augsburg, Gebäude D, Raum 2056
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Die Internationale Gastdozentur am Jakob-Fugger-Zentrum

... bietet Studierenden und Lehrenden der Universität Augsburg sowie
interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, international
ausgewiesene Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und
Kunst in Augsburg zu erleben. Mit Vorträgen, Seminaren und Debatten zu
zentralen Fragen unserer Zeit fördert die Internationale Gastdozentur den
Austausch zwischen den Dozentinnen und Dozenten, der Universität Augsburg
und der Stadtgesellschaft. Die Internationale Gastdozentur ist eine
gemeinsame Initiative der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen
Fakultäten und des Jakob-Fugger-Zentrums der Universität Augsburg.

Mit Hans Joas, der auf Einladung der Philologisch-Historischen,
Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen und der Katholisch-Theologischen
Fakultät Gast am JFZ ist, wird die Internationale Gastdozentur bereits zum
achten Mal seit ihrer Einrichtung besetzt. Ihre bisherigen Inhaber waren
der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor, der islamische
Religionspädagoge Mouhanad Khorchide, die iranisch-kanadische Soziologin
Haideh Moghissi, der Theoretiker der Postkolonie Achille Mbembe,
Bundesumweltminister a.D. und langjähriger Exekutivdirektor des
Umweltprogramms der Vereinten Nationen Klaus Töpfer, die Eltern des
Konzeptes eines kulturellen Gedächtnisses Aleida und Jan Assmann und der
Philosoph Vittorio Hösle.

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Neues Forschungsprojekt: KI-basierte Bestandsplanung bei Vor-Ort-Apotheken

Die Zahl der Vor-Ort-Apotheken ist rückläufig. Doch wie können sie mit
ihren Angeboten zur direkten Versorgung mit Medikamenten und zur
persönlichen Beratung durch Fachpersonal konkurrenzfähig gegenüber Online-
Apotheken bleiben? Daran wird im neuen Konsortialprojekt unter Leitung der
Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für
Integrierte Schaltungen IIS geforscht. Das Projekt setzt dabei auf eine
optimierte Bestandsplanung mit Künstlicher Intelligenz.

Zukunftsfähig durch KI: Wie Vor-Ort-Apotheken nachhaltig bestehen können

Vor-Ort-Apotheken sind ein wichtiger Bestandteil der gesundheitlichen
Infrastruktur. Sie unterscheiden sich von den Angeboten der Online-
Konkurrenz insbesondere durch die persönliche Beratungs- und
Betreuungsleistung. Diese Personalressourcen bilden jedoch einen
signifikanten Kostenfaktor. Wenn Vor-Ort-Apotheken in einem solchen
Wettbewerbsumfeld dauerhaft keine Nachteile erfahren möchten, müssen sie
ihre Abläufe und Finanzen möglichst effizient organisieren. D. h. zum
einen sollte möglichst wenig Kapital durch ungenutzte Waren gebunden sein
und zum anderen sollten ihre Mitarbeitenden – die pharmazeutisch-
technische Assistentinnen und Assistenten (PTAs) sowie die Apothekerinnen
und Apotheker – dort eingesetzt werden können, wo sie am meisten zur
Wertschöpfung beitragen: beim Kunden.

Wie aber können Kundenbedürfnisse bedient werden, ohne unnötig viele und
womöglich teure Medikamente auf Lager halten zu müssen? Welche Lösungen
gibt es, ohne dass dabei das Fachpersonal mit Aufgaben wie z. B.
Bestellungen und Bestandsüberprüfungen belastet wird? Effizient wäre für
die Apotheken, wenn sie ihre zukünftigen Bedarfe möglichst genau kennen
würden, mit den eigenen Beständen abgleichen könnten und die
entsprechenden Bestellungen ausgelöst würden; und das alles idealerweise
automatisiert ohne großes Zutun der Mitarbeitenden.

Mit KI die Bestandplanung optimieren und Ressourcen schonen

Hier kann KI helfen, denn mit Künstlicher Intelligenz ist es möglich,
automatisiert optimale Entscheidungen zu treffen. Deshalb wurde das
Projekt »KIBA – KI-basierte Bestandsplanung für Apotheken« initiiert: In
diesem Projekt soll mit einer KI-basierten Prognose der Bedarf an
einzelnen Medikamenten vorhergesagt werden. Dabei werden sowohl saisonale
Komponenten als auch Muster, z. B. die regelmäßige Abnahme durch
Stammkunden, berücksichtigt. Ein mathematisches Optimierungsmodell
verbindet anschließend diese Prognose mit anderen Restriktionen, u. a. der
Lagergröße, und liefert so den Apotheken die optimale Bestellentscheidung.
Auf diese Weise können Kundenbedarfe direkt bedient und gleichzeitig die
Kapitalbindung durch Waren im Lager niedrig gehalten werden.

Das im Projekt entwickelte Verfahren soll fast vollständig automatisiert
ablaufen, sodass sich das Apothekenpersonal wieder auf seine Kernaufgaben
wie die Beratung fokussieren kann.

Die praktische Umsetzung des entwickelten Verfahrens wird im
Projektverlauf mit einem Demonstrator getestet. Inwieweit das Ergebnis auf
andere Apotheken und deren Prozesse übertragen werden kann, ist eine
weitere Forschungsfrage, an der gearbeitet wird.

Projektpartner ist die Trevisto AG (Nürnberg) als IT-Beratung. Als
Anwendungspartner sind die ABF, Apothekerin Eva Schreier e.K. (Fürth) und
Konzept-A Konzepte für Apotheken GmbH (Hausen, Oberfranken) sowie als
Software-Partner die NOVENTI Health SE (München) Teil des Konsortiums.

Das Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt »KIBA – KI-basierte Bestandsplanung für Apotheken«
läuft von 2022 bis 2024 und wird vom Bayerischen Staatsministerium für
Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und dem Bayerischen
Verbundforschungsprogramm (BayVFP) – Digitalisierung gefördert.

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Statement: Drei Prozent der mittelständischen Unternehmen sind durch Cyber-Angriffe bereits gefährdet worden

Auf der Bundespressekonferenz in Berlin wurde gestern (07.06.22) der
Verfassungsschutz-bericht für das Jahr 2021 vorgestellt. Statement zum
Thema Cyberkriminalität von Prof. Dr. Volker Wittberg, Leiter des FHM-
Instituts für Cybersicherheit und digitale Innovationen in Düren:

„Was wir derzeit erleben ist eine Kriminalitätsverschiebung – weg von den
klassischen Angriffen und Einbrüchen, hin zu Cyberangriffen und
-einbrüchen. Das ist für Cyber-Angreifer umso leichter, da sie häufig auf
ungeschützte Objekte treffen. Stahltüren und Zäune schützen das Objekt des
Angriffs bei Cyberkriminalität nicht, meistens sind ins-besondere
mittelständischen Unternehmen ungeschützt und leichtes Opfer. Wir gehen
davon aus, dass circa dreiviertel der mittelständischen Unternehmen
bereits Opfer eines Cyberangriffs waren und es mitunter vielleicht nicht
gemerkt haben, bzw. keinen echten Schaden davongetragen haben.
Andererseits sind drei Prozent der Unternehmen durch Cyberangriffe bereits
in ihrer Existenz gefährdet worden und haben ernstzunehmende
Schwierigkeiten bekommen.“

Prof. Dr. Volker Wittberg
Leiter des Instituts für Cyber Security und digitale Innovationen

Über das Institut für Cybersicherheit und digitale Innovationen

In Deutschland gibt es seit Juni 2021 das Institut für Cybersicherheit und
Digitale Innovatio-nen, welches die Fachhochschule des Mittelstands (FHM)
gemeinsam mit der britischen University of Gloucestershire gegründet hat.
Am gemeinsamen Campus der beiden Hoch-schulen in Düren werden Fach- und
Führungskräfte unter anderem in den Studiengängen B.A. Cyber and Computer
Security und dem M.A. Cyber Security ausgebildet. Prof. Dr. Volker
Wittberg ist Leiter des Instituts für Cybersicherheit & digitale
Innovationen der Fach-hochschule des Mittelstands (FHM).

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Das Leibniz-Institut für Psychologie feiert sein 50-jähriges Bestehen

50 Jahre psychologische Information und Dokumentation an der Universität
Trier

Nach knapp zweieinhalb Jahren Pandemie und Homeoffice kamen die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Psychologie
(ZPID) am vergangenen Freitag in den Trierer Viehmarktthermen erstmals
wieder als Team zusammen. “Der wichtigste Gast des Tages sind die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Institut in den letzten 50
Jahren mit ihren Produkten stetig weiterentwickelt haben”, brachte es
Direktorin Prof. Dr. Claudia Dalbert auf den Punkt. Sie selbst begleitet
das Institut seit knapp 50 Jahren. “Dieser Abend ist für uns alle ein
Familientreffen, ein Freundestreffen.” Gemeinsam mit den Freundinnen und
Kooperationspartnern der Leibniz-Gemeinschaft fand ein Abend mit regem
Austausch statt.

“Das ZPID gibt es nicht ohne die Universität Trier, sie ist Teil der
Universität Trier”, betonte Claudia Dalbert. Aus dem 1972 begonnenen
Projekt zur psychologischen Information und Dokumentation mit fünf
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der Universität Trier bildete sich in
den vergangenen fünfzig Jahren ein internationales Infrastrukturinstitut.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigte die erfolgreiche Entwicklung des
ZPID und betonte die besondere Bedeutung des Instituts in der deutschen
Forschungslandschaft und für den Wissenschaftsstandort Trier. „Mit dem
ZPID verfügt Rheinland-Pfalz über eine herausragende Infrastruktur für
Forschende und Praktizierende im Bereich der Psychologie und der
angrenzenden Fächer. Mit seinen Diensten, Onlineanwendungen und
Datenbanken unterstützt es den gesamten wissenschaftlichen Arbeitsprozess
und hat zudem seine eigene Forschung kontinuierlich ausgeweitet. Ich danke
allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, aber auch den Freunden des ZPID
in Universität, Beirat und Fachgesellschaften für ihren Beitrag zu dieser
Erfolgsgeschichte“, so die Ministerpräsidentin.

Geschäftsführer Dr. Gabriel Schui, der selbst bereits 22 Jahre Teil des
Instituts ist, ließ dessen Geschichte Revue passieren. Gerade in den
Anwendungen für Forschende in der Psychologie wurde deutlich, wie sehr das
Institut von der rasanten technischen Entwicklung profitieren konnte.
Während in den Anfangsjahren Literaturlisten noch per Paket aus den USA
versandt wurden, konnte in den späten achtziger Jahren ein Akustikkoppler
PC und Telefonleitung verbinden, um Daten zu übertragen. Wenig später
bildete das Internet die Basis aller Produkte und Dienstleistungen des
ZPID.
Gastredner Prof. Dr. Karl-Heinz Renner, 2. Vizepräsident der Deutschen
Gesellschaft für Psychologie (DGPs), verwies auf zahlreiche Projekte und
auch Potenziale der Zusammenarbeit beider Institutionen: “Ich selbst habe
schon früh als Student und auch später in Forschung und Lehre vom ZPID
profitiert. Wir alle in der Psychologie können stolz sein, das ZPID zu
haben.”

Heute bietet das Institut mit einem mehr als 60-köpfigen Team eine
Informations- und Dokumentationsinfrastruktur für die Psychologie in den
deutschsprachigen Ländern an. Es unterstützt – orientiert an einem
idealtypischen Forschungszyklus – den gesamten wissenschaftlichen
Arbeitsprozess von der Literaturrecherche und Studienplanung über die
Datenerhebung und -auswertung bis hin zur Dokumentation, Archivierung und
Publikation von Ergebnissen. Es ist dem Gedanken der Open Science
verpflichtet und versteht sich als Public-Open-Science-Institut für die
Psychologie. Seine Ursprünge sind noch heute im Namen ZPID, „Zentrum für
Psychologische Information und Dokumentation“, sichtbar. Dieses Akronym
hatte sich das Projekt vor über 50 Jahren gegeben.

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