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DATEN LAUSCHEN – Wie die Umwelt in den Computer kommt

Wir können sie weder anfassen, noch hören, riechen oder schmecken – Daten,
die über Messinstrumente im Meer erhoben werden. Der Künstler Prof. Hannes
Rickli verfolgt seit 2012 die digitale Datenarbeit von Biolog:innen, die
am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und
Meeresforschung (AWI) das Verhalten von Fischen im Arktischen Ozean
untersuchen. In mehreren Installationen verarbeitet er die physischen
Emissionen der beteiligten Forschungsgeräte, Infrastrukturen und
Landschaften in Tönen, Bildern und Videos: Die Ausstellung DATEN LAUSCHEN
ist vom 3. Juni bis 31. Juli 2022 im Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) /
Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in Bremerhaven zu sehen.

Mit dieser künstlerischen Installation erweitert das DSM die bestehenden
Ausstellungen CHANGE NOW! und INTO THE ICE im Erweiterungsbau. Beide
führen die Wissenschaft und Forschung mit klassischen Mitteln wie
Objekten, Text, dokumentierenden Bildern und erläuternden Grafiken ein.
Hannes Ricklis Installation ist als immersives Erlebnis gestaltet, das
viele Sinne anspricht und ein buchstäbliches „Eintauchen“ in die
Datenströme und Feldforschung ermöglicht.

Die Seitenwände der Galerie im ersten Stock des Erweiterungsbaus werden
mit großformatigen Bildtafeln zu einem begehbaren Archiv gebaut. Es zeigt
den chronologischen Verlauf der Arbeit einer ferngesteuerten
Unterwasserstation im Kongsfjord vor Spitzbergen, die 2012 bis 2020 alle
30 Minuten ein stereometrisches Bildpaar aufgenommen hat. Der Fischökologe
Prof. Dr. Philipp Fischer vom AWI beobachtet dort, wie sich die Tier- und
Pflanzenwelt aufgrund des Klimawandels verändert.

Des Weiteren sind in der Installation Streams elektromagnetischer
Geräusche der Stromversorgung und der Kameras sowie Geräusche eines an der
Station installierten Hydrophons zu hören. Das hochsensible
Unterwassermikrofon überträgt die akustische Kulisse der Umgebung.

Ziel des Schweizer Künstlers ist es, die Rohdaten der Forschung medial in
den Ausstellungsraum zu übertragen und sie als Bilder und Töne unmittelbar
für das Publikum erfahrbar zu machen. Gäste sollen die Umwelt der
Klimafolgenforschung „spüren“. Sie hören Geräuschen von Schiffsmotoren,
Tieren, Gletscherbrüchen und Eisbergkollisionen „zu“.

Als Rickli 2005 für ein Kunstprojekt am Bodensee recherchierte, lernte er
den AWI-Wissenschaftler Fischer kennen, der damals eine Unterwasserstation
RemOs1 im Bodensee bei Konstanz betrieb. Nach dieser Begegnung
entwickelten beide Interesse für Medien wie Fotografie, Audio, Computer
etc., die sowohl an der biologischen wie auch an der künstlerischen
Forschung beteiligt sind. „Als Künstler nehme ich die physische
Materialität dieser Medien in den Blick, die ungehörten
elektromagnetischen Sounds der digitalen Geräte oder die elektrischen
Kurzschlüsse; all die Umstände, die zur Herstellung der wissenschaftlichen
Daten beitragen. Die ausgewerteten Diagramme sind in der Klimadebatte
dringend nötig, um Veränderungsprozesse zu verstehen und gesellschaftlich
zu verhandeln. Den Darstellungen sieht man jedoch die prekären Bedingungen
ihrer Entstehung nicht mehr an“, sagt der Medienkünstler, der an der
Zürcher Hochschule der Künste lehrt.

Rickli und Fischer entschieden, die Daten aus der Station bei Spitzbergen
für ein Kunstprojekt zu nutzen. „Für mich sind Kunst und
Naturwissenschaften wie zwei Seiten einer Münze. Es kommt nur darauf an,
welche Seite man betrachtet. Ich als Wissenschaftler extrahiere aus einem
Bild oder einem Ton eine numerische Größe, beispielsweise die Anzahl
unterschiedlicher Arten von Fischen, und leite daraus eine Zahl ab - die
Diversität. Aus künstlerischer Perspektive betrachtet ergibt sich ein ganz
anderes Bild. Diesen Wechsel des Blickwinkels finde ich als
Naturwissenschaftler faszinierend, da er die Möglichkeit erlaubt, über den
eigenen Horizont hinaus Neues zu entdecken und die eigene Wahrnehmung
immer wieder infrage zu stellen“, sagt Fischer über das Zusammenwirken von
Kunst und Wissenschaft im Projekt.

Die Rauminstallation DATEN LAUSCHEN will die Forschungsprozesse in den
arktischen Regionen sicht- und erlebbar machen. Gäste dürfen sich über
faszinierende visuelle und klangliche Erlebnisse und ein experimentelles
Begleitprogramm freuen. „Die Installation nutzt den Raum als
Wirkungsverstärker und flutet Augen und Ohren mit Signalen aus der
Meeresforschung, die sonst im Verborgenen bleiben. Der sogenannte
,Stereometrie-Tunnel' verwandelt zum Beispiel die 60 Meter lange und nur
1,50 Meter schmale Galerie des Museums in einen begehbaren Datenstrom aus
über 270.000 selbstleuchtenden kleinformatigen Fotos“, sagt Christoph
Geiger, Szenograf am DSM.

DATEN LAUSCHEN entstand in Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut,
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem Kunstverein
Bremerhaven.



Programm

11.06.2022            18.00 – 24.00 Uhr Lange Nacht der Kultur, freier
Eintritt und freie Touren

-22.00 Uhr Präsentation einer audiovisuellen Session von kab an der
Lichtinstallation FRAME



08.07.22             19.00 Uhr, Sound-Walk mit Tim Shaw, Treffpunkt:
Seemannsarm DSM

09.07.22              17.00 Uhr, Sound-Walk mit Tim Shaw, Treffpunkt:
Theaterplatz

30.07.2022         15.00 Uhr, Kuratorenführung mit Hannes Rickli

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Hannes Rickli
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Energetische Gebäudesanierungen - wichtig in ganz Europa 6. European ETICS Forum in Prag: DEN plädiert für einheitliche Standards

Für eine Angleichung europäischer Standards bei Energieberatungen hat sich der Vorsitzende des Deutschen Energieberater-Netzwerks DEN e.V., Dipl.-Ing. Hermann Dannecker, beim „6. European ETICS Forum“ in Prag ausgesprochen. Er war auf Einladung der „EAE – European Association for ETICS“, dem europäischen Dachverband der WDVS-Branche (Wärmedammverbundsysteme) in die tschechische Hauptstadt gereist. Energetische Sanierung im Gebäudebereich seien elementare Bausteine zur Erreichung der Ziele des Green Deals der europäischen Kommission, sagte Dannecker im Anschluss an seinen Besuch.

 

„Das 6. European ETICS Forum in Prag zeigte deutlich: Es gibt in jedem EU-Land eigene Förderprogramme und Qualitätsansprüche.“ So beschreibt EAE-Geschäftsführer Ralf Pasker die aktuelle Situation in Europa bei der Sanierung von Bestandsgebäuden. Referenten der EAE sowie Adrian Joyce, Leiter der Kampagne „Renovate Europe“, betonten die Rolle der gebäudeindividuellen Modernisierungsfahrpläne und sogenannter One-Stop-Shops als Anlauf- und Koordinierungsstellen für sanierungswillige Gebäudeeigentümer. Pasker: „Nationale Unterschiede sind notwendig und berechtigt, um der Situation in den jeweiligen Mitgliedsstaaten Rechnung zu tragen.“

 

Weiterlesen unter: https://www.deutsches-energieberaternetzwerk.de/den-pm-10-2022/

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Verlockender Reis: Wie das Huhn zum Menschen kam und seinen Weg nach Europa fand

Neue Forschungsergebnisse verändern unser Verständnis der Umstände und des
Zeitpunkts der Domestikation von Hühnern, ihrer Ausbreitung über Asien in
den Westen und zeigen, wie sich ihre Rolle in den Gesellschaften während
der letzten 3.500 Jahre verändert hat. Experten fanden heraus, dass der
voranschreitende Reisanbau wahrscheinlich einen Prozess in Gang setzte,
der dazu führte, dass Hühner zu einem der zahlreichsten Tiere der Welt
wurden. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass Hühner zunächst als
Exoten galten und erst einige Jahrhunderte später zum "Nahrungsmittel"
avancierten.

In früheren Arbeiten wurde angenommen, dass Hühner vor bis zu 10.000
Jahren in China oder Südostasien domestiziert wurden und dass Hühner in
Europa schon vor über 7.000 Jahren vorkamen. Zwei neue Studien zeigen nun,
dass diese Annahme falsch ist. Die treibende Kraft hinter der
Domestikation von Hühnern dürfte die Einführung des Trockenreisanbaus in
Südostasien gewesen sein, wo ihr wilder Vorfahre, das rote Dschungelhuhn,
lebte. Der Trockenreisanbau wirkte wie ein Magnet, der die wilden
Dschungelhühner aus den Wäldern in menschliche Siedlungen lockte -
offenbar der Katalysator für eine engere Beziehung zwischen Mensch und
Dschungelhuhn, aus der schließlich das Haushuhn hervorging.

Der Domestizierungsprozess wird um 1.500 v. Chr. auf der südostasiatischen
Halbinsel nachweisbar. Die Forschungen deuten darauf hin, dass die Hühner
zunächst durch Asien und erst im frühen ersten Jahrtausend vor Chr. über
die von den frühen griechischen, etruskischen und phönizischen Seehändlern
genutzten Routen in den Mittelmeerraum transportiert wurden.

In Europa haben die Menschen Hühner zunächst verehrt und im Allgemeinen
nicht als Nahrungsmittel betrachtet. Die Untersuchungen haben gezeigt,
dass einige der frühesten Hühner einzeln und als vollständige Körper
bestattet und somit gar nicht geschlachtet wurden. Viele der Hühner wurden
auch zusammen mit Menschen bestattet, je nach Geschlecht der bestatteten
Person entweder Hähne oder Hennen. Erst später während der Römerzeit
wurden Hühner und Eier auch als Nahrungsmittel populär. In Britannien zum
Beispiel verzehrten die Menschen Hühner erst ab dem dritten Jahrhundert
nach Christus regelmäßig, vor allem in städtischen und militärischen
Siedlungsplätze.
Das internationale Expertenteam wertete Überreste von Hühnern aus, die an
mehr als 600 Fundorten in 89 Ländern gefunden wurden. Die Forscher:innen
untersuchten die Skelette, Fundumstände und historische Aufzeichnungen
über die Gesellschaften und Kulturen, in de-nen die Knochen gefunden
wurden. Die ältesten erhaltenen Knochen des Haushuhns wurden im
neolithischen Ban Non Wat in Zentralthailand gefunden und stammen aus der
Zeit zwi-schen 1.650 und 1.250 vor Christus.

Mittels Radiokohlenstoffdatierung gelang es dem Forscherteam das Alter von
23 Knochenfunden der frühesten Hühner aus Europa und Nordwestafrika direkt
zu bestimmen. Die meisten der Knochen waren viel jünger als bisher
angenommen. Die Ergebnisse widerlegen die Behauptung, dass Hühner in
Europa bereits 6.000 v. Chr. lebten, und deuten darauf hin, dass sie erst
um 800 v. Chr. nach Europa kamen. Nach der Ankunft im Mittelmeerraum
dauerte es dann beinahe weitere 1.000 Jahre, bis sich Hühner in den
kälteren Klimazonen Schottlands, Irlands, Skandinaviens und Islands
etablierten.

Die beiden Studien erschienen in den Zeitschriften The Proceedings of the
National Academy of Sciences USA und Antiquity.  Wissenschaftler:innen der
Universitäten München, Exeter, Cardiff, Oxford, Bournemouth und Toulouse
sowie von Forschungsinstituten in Deutschland, Frankreich und Argentinien
durchgeführt, darunter auch die Staatssammlung für Paläoanatomie München
(SNSB-SPM), waren an den Untersuchungen beteiligt.

Prof. Joris Peters von der Staatssammlung für Paläoanatomie München sowie
der LMU München sagt: "Zusammen mit der insgesamt sehr anpassungsfähigen,
im Wesentlichen auf Getreide basierenden Ernährung der Hühner spielten die
Seewege eine besonders wichtige Rolle bei der Verbreitung der Hühner nach
Asien, Ozeanien, Afrika und Europa."

Prof. Naomi Sykes von der Universität Exeter sagt: "Der Verzehr von
Hühnern ist so weit verbreitet, dass die Menschen glauben, wir hätten sie
nie nicht gegessen. Unsere Erkenntnisse zeigen, dass unsere Beziehung zu
Hühnern in der Vergangenheit viel komplexer war und dass Hühner
jahrhundertelang gefeiert und verehrt wurden".

Prof. Greger Larson von der Universität Oxford sagt: "Diese umfassende
Neubewertung der Hühner zeigt erstens, wie falsch unser Verständnis von
Zeit und Ort der Hühnerdomestikation war. Und, was noch viel spannender
ist, wir zeigen, wie die Einführung des Trockenreisanbaus als Katalysator
für die Domestikation der Hühner und ihre weltweite Ausbreitung wirkte.”

Dr. Julia Best von der Universität Cardiff sagt: "Dies ist das erste Mal,
dass Radiokohlen-stoffdatierungen in diesem Ausmaß verwendet wurden, um
die Bedeutung von Hühnern in frühen Gesellschaften zu bestimmen. Unsere
Ergebnisse zeigen, dass es notwendig ist, frühe Funde direkt zu datieren,
da dies uns das bisher klarste Bild unserer frühen Interaktionen mit
Hühnern liefert."

Dr. Ophélie Lebrasseur vom CNRS/Université Toulouse Paul Sabatier und dem
Instituto Na-cional de Antropología y Pensamiento Latinoamericano, sagt:
"Die Tatsache, dass Hühner heute so allgegenwärtig und beliebt sind,
obwohl sie erst vor relativ kurzer Zeit domestiziert wurden, ist
verblüffend. Unsere Forschung unterstreicht die Bedeutung solider
osteologischer Vergleiche, sicherer stratigrafischer Datierungen und der
Einordnung früher Funde in einen breiteren kulturellen und ökologischen
Kontext".

Prof. Mark Maltby von der Universität Bournemouth sagt: "Diese Studien
zeigen den Wert von Museen und die Bedeutung von archäologischem Material
für die Erforschung unserer Vergangenheit."

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Joris Peters
Staatssammlung für Paläoanatomie (SNSB-SPM)
& LMU München
Kaulbachstr. 37 III, 80539 München
Tel: +49 (0)89 / 2180 – 5711
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
Peters J et al. (2022) The biocultural origins and dispersal of domestic
chickens. Proceedings of the National Academy of Sciences USA
https://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.2121978119

Best J et al. (2022) Redefining the timing and circumstances of the
chicken’s introduction to Europe and north-west Africa. Antiquity 2022
Vol. 0 (0): 1–15
https://doi.org/10.15184/aqy.2021.90

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Kiel Trade Indicator 05/2022: Containerschiffstaus erreichen die Nordsee

Der internationale Handel leidet wieder stärker unter den Staus und
Verzögerungen der Containerschifffahrt, die nun auch die Nordsee erreicht
haben. Laut jüngstem Datenupdate des Kiel Trade Indicator dürften im Mai
weltweit weniger Waren umgeschlagen worden sein als im Vormonat (preis-
und saisonbereinigt). Unter den großen Volkswirtschaften sticht China
positiv hervor.

Das jüngste Datenupdate des Kiel Trade Indicator für Mai weist für den
Welthandel im Vergleich zum Vormonat ein leichtes Minus von 1 Prozent aus
(preis- und saisonbereinigt). Auch für Deutschland sind die Indikatorwerte
nur schwach ausgeprägt, die Exporte liegen im roten Bereich (-1,2
Prozent), die Importe im grünen (+1,6 Prozent). Ein ähnlich
uneinheitliches und wenig eindeutiges Bild zeigt sich für die EU (Exporte:
-1 Prozent; Importe: +0,4 Prozent) und für die USA (Exporte: -1,3 Prozent;
Importe: +1,8 Prozent). China sticht unter den großen Volkswirtschaften im
Mai positiv hervor, was allerdings auch am schwachen April liegen dürfte.
Im Vergleich dürften die Exporte leicht (+2,1 Prozent), die Importe sogar
deutlich (+7 Prozent) gestiegen sein.

„Insgesamt zeigt sich der Maihandel eher verhalten und setzt die
Seitwärtsbewegung der letzten Monate fort. Der internationale Handel
leidet jedoch wieder stärker unter den Staus und Verzögerungen der
Containerschifffahrt, die nun auch die Nordsee erreicht haben“, so Vincent
Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator.

Erstmals seit Ausbruch der Pandemie stauen sich Containerschiffe auch in
der Nordsee vor den Häfen Deutschlands, Hollands und Belgiens. Hier
stecken gegenwärtig knapp 2 Prozent der globalen Frachtkapazität fest und
können weder be- noch entladen werden. In der deutschen Bucht warten etwa
ein Dutzend große Containerschiffe mit einer Kapazität von insgesamt etwa
150.000 Standardcontainern auf das Anlaufen in Hamburg oder Bremerhaven.
Vor den Häfen Rotterdam und Antwerpen ist die Lage noch dramatischer.
Dagegen hat sich der Containerschiffstau vor Los Angeles bzw. vor dem
südlichen Kalifornien wieder gänzlich zurückgebildet.

Vor Shanghai und der angrenzenden Provinz Zheijang sind gegenwärtig sogar
über 3 Prozent der globalen Frachtkapazität im Stau gebunden. Dafür
konnten aber wieder mehr Schiffe den vom Lockdown betroffenen Hafen
Shanghai verlassen, in der zweiten Maihälfte lagen die Abfahrten auf
vergleichbarem Niveau zu Chinas übrigen Häfen. Gegenwärtig liegen sie
allerdings wieder rund 15 Prozent darunter. Bisher sind wegen des
Lockdowns in Shanghai Exporte im Wert von bis zu 700 Millionen Euro von
China nach Deutschland entfallen.

„Dass in den vergangenen Wochen Exporte Shanghais trotz Lockdown-Maßnahmen
wieder gestiegen sind, zeigt aber auch, dass die Firmen dort in den
Startlöchern stehen und bei einer Beendigung des Lockdowns die Produktion
wohl wieder schnell hochfahren können“, so Stamer.

Insgesamt stecken derzeit über 11 Prozent aller weltweit verschifften
Waren im Stau. Im Roten Meer – der wichtigsten Seehandelsroute zwischen
Asien und Europa – ist die Lücke zwischen zu erwartenden und tatsächlich
verschifften Frachtmengen auf rund 16 Prozent angewachsen, nachdem sie
sich im Februar nahezu geschlossen hatte.

Die nächsten Aktualisierungen des Kiel Trade Indicator erfolgen am 21.
Juni (ohne Medieninformation) und am 6. Juli (mit Medieninformation für
die Handelsdaten im Juni 2022).

Weitere Informationen zum Kiel Trade Indicator und die Prognosen für alle
75 Länder finden Sie auf www.ifw-kiel.de/tradeindicator (https://www.ifw-
kiel.de/de/themendossiers/internationaler-handel/kiel-trade-indicator/).

Über den Kiel Trade Indicator

Der Kiel Trade Indicator schätzt die Handelsflüsse (Im- und Exporte) von
75 Ländern und Regionen weltweit sowie des Welthandels insgesamt. Im
Einzelnen umfassen die Schätzungen über 50 Länder sowie Regionen wie die
EU, Subsahara-Afrika, Nordafrika, den Mittleren Osten oder Schwellenländer
Asiens. Grundlage ist die Auswertung von Schiffsbewegungsdaten in
Echtzeit. Ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus wertet diese unter
Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz aus und übersetzt die
Schiffsbewegungen in reale, saisonbereinigte Wachstumswerte gegenüber dem
Vormonat.

Die Auswertung erfolgt zweimal im Monat. Um den 20. (mit Pressemeldung)
für den laufenden und den folgenden Monat und um den 3. (ohne
Pressemeldung) für den vergangenen und den laufenden Monat.

An- und ablegende Schiffe werden dabei für 500 Häfen weltweit erfasst.
Zusätzlich werden Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert und die
effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen.
Mittels Länder-Hafen-Korrelationen können Prognosen erstellt werden, auch
für Länder ohne eigenen Tiefseehafen.

Der Kiel Trade Indicator ist im Vergleich zu den bisherigen
Frühindikatoren für den Handel deutlich früher verfügbar, deutlich
umfassender, stützt sich mit Hilfe von Big Data auf eine bislang
einzigartig große Datenbasis und weist einen im Vergleich geringen
statistischen Fehler aus. Der Algorithmus des Kiel Trade Indikators lernt
mit zunehmender Datenverfügbarkeit dazu (machine learning), so dass sich
die Prognosegüte im Lauf der Zeit weiter erhöht.

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