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Gefährliche weiße Finger - Neue Therapie beim Raynaud-Phänomen

: (v. l.) Prof. Jaroslaw Maciaczyk und PD Dr. Valentin Schäfer therapieren am UKB Patientinnen und Patienten, die schwer am Raynaud-Phänomen erkrankt sind  J.F. Saba
: (v. l.) Prof. Jaroslaw Maciaczyk und PD Dr. Valentin Schäfer therapieren am UKB Patientinnen und Patienten, die schwer am Raynaud-Phänomen erkrankt sind J.F. Saba

Die Rheumatologie und die Neurochirurgie des
Universitätsklinikums Bonn (UKB) erforschen eine neue, vielversprechende
Therapie zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Raynaud-
Phänomen. Die neuromodulative Behandlung erzielt in einer Pilotstudie
erste, vielversprechende Ergebnisse bei Schwererkrankten.

Weiße, eiskalte Finger sind das wohl ausgeprägteste Symptom beim Raynaud-
Phänomen. Auch wenn der Name vielleicht nicht geläufig ist, tritt die
Krankheit häufig (bis zu 5 Prozent der Bevölkerung) auf. Betroffen sind
vor allem jüngere Menschen und Frauen, aber auch Männer leiden darunter.
Kälte und Stress sind die Auslöser, ebenso wie das Rauchen. Beim Raynaud-
Phänomen handelt es sich um eine Gefäßerkrankung, bei der die Blutgefäße
krampfartig verengt werden und Zehen und Finger dadurch zu wenig
durchblutet sind. Das kann im Extremfall zur Gefahr werden und zum
Absterben und Verlust einzelner Finger oder Zehen führen.

Primäres und sekundäres Raynaud-Phänomen
Während das etwa 80 Prozent aller Fälle ausmachende primäre Raynaud-
Phänomen ohne andere Krankheitssymptome auftritt, liegen bei einer
sekundären Erkrankung oft andere, vor allem rheumatologische
Grunderkrankungen vor. Leichte Fälle von Raynaud können durch
Präventionsmaßnahmen wie Schutz vor Kälte (z.B. das Tragen von
Baumwollhandschuhen), Entspannungsübungen oder Nikotinentzug therapiert
werden. „Der Leidensdruck bei Schwererkrankten ist aber oft extrem groß,
da die Anfälle unkontrollierbar und Betroffene mitunter in ihrem Alltag
stark eingeschränkt sind. Medikamente helfen meist nicht ausreichend“, so
PD Dr. Valentin Schäfer, Leiter der Sektion Rheumatologie und klinische
Immunologie am UKB.

Neue Therapie mittels Neurostimulation
Seit kurzem gibt es die Hoffnung, auf eine neue Therapiemöglichkeit. Dafür
haben sich PD Dr. Schäfer und Prof. Jaroslaw Maciaczyk, Leiter der Sektion
Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie am UKB, zusammengetan und
eine Pilotstudie ins Leben gerufen. Darin werden schwer erkrankte
Patientinnen und Patienten mit einem schweren Raynaud- Phänomen
eingeschlossen. „Die neue Therapie beinhaltet eine Rückenmarkstimulation.
Den Erkrankten wird in einer OP minimalinvasiv ein kleines Implantat in
der Nähe des Rückenmarkes eingesetzt, das Stromimpulse abgibt, die dafür
sorgen, dass die Gefäße – vor allem in den Fingern und Zehen – weiter
werden“, so Prof. Maciaczyk. Die Behandlung ist unschädlich für den Körper
und zeigt sich nach den ersten Auswertungen im Falle der vom primären und
sekundären Raynaud- Phänomen betroffenen Patienten als sehr wirksam. Wenn
die Ergebnisse sich im Laufe der Studie weiter bestätigen, bedeutet das
eine große Errungenschaft für die bisher unzureichenden
Behandlungsmöglichkeiten beim Raynaud- Phänomen.

Betroffene können sich zur Diagnostik und bei Interesse an der Studie in
der Rheumatologie und klinischen Immunologie, Medizinische Klinik III oder
der Sektion stereotaktische und funktionelle Neurochirurgie des UKB
melden:

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EIT Health Catapult: Vier Start-ups aus Deutschland und der Schweiz im Finale

Beim „EIT Health Catapult“ Finale erhalten vier Start-ups aus Deutschland und der Schweiz die Möglichkeit, ihre Ideen vorzustellen. Darunter die Podiumsfinalisten ThinkSono und Ebenbuild und die Zweitplatzierten (Runner-ups) Limula und mentalis.  EIT Health Regional Innovation Hub Germany-Switzerland
Beim „EIT Health Catapult“ Finale erhalten vier Start-ups aus Deutschland und der Schweiz die Möglichkeit, ihre Ideen vorzustellen. Darunter die Podiumsfinalisten ThinkSono und Ebenbuild und die Zweitplatzierten (Runner-ups) Limula und mentalis. EIT Health Regional Innovation Hub Germany-Switzerland

Beim „EIT Health Catapult“ Finale
erhalten insgesamt 21 europäische Start-ups aus der Gesundheitsbranche in
drei Kategorien die Möglichkeit, ihre Projekte vor Expert:innen und
internationalen Investor:innen zu präsentieren. Aus Deutschland und der
Schweiz haben sich vier Teilnehmer für das Finale qualifiziert – sie
erhalten die Chance auf weitere Unterstützung ihrer Projekte.

Seit sechs Jahren bringt das Accelerator-Programm „EIT Health Catapult“
innovative Ideen im Gesundheitswesen hervor. Das Programm ermöglicht
ausgewählten Start-ups, ihre Ideen in den Kategorien Biotech, Medtech und
Digital Health mithilfe des EIT-Health-Netzwerkes voranzutreiben. Frühere
Sieger des Programms konnten oftmals ein deutliches Wachstum sowie weitere
finanzielle Unterstützung durch Sponsoren verzeichnen. In diesem Jahr
fällt die Entscheidung, welches Start-up gewinnt, auf dem EIT Health
Summit am 24. Mai in Stockholm.

Pitchen um den Sieg

Zunächst treten drei Podiumsfinalisten aus jeder Kategorie auf der Bühne
gegeneinander an und stellen ihre Projekte vor. Ihnen winken Fördergelder
in Höhe von bis zu 40.000 €. Unter ihnen sind die deutschen Start-ups
ThinkSono in der Kategorie Medtech sowie Ebenbuild in der Kategorie
Digital Health. Die Zweitplatzierten aus dem vorhergegangenen Halbfinale
pitchen während des Finales ebenfalls, um ihre Projekte den anwesenden
Entscheidungsträgern aus der Industrie vorzustellen. Dazu gehören im
Bereich Biotech Limula aus der Schweiz und mentalis aus Deutschland im
Bereich Digital Health.

Innovative Ideen aus Deutschland und der Schweiz

In der Kategorie Medtech präsentiert ThinkSono aus Potsdam die weltweit
erste Software zur Erkennung tiefer Venenthrombosen (Deep Vein Thrombosis,
DVT) namens AutoDVT. Sie soll eine Verbindung zu leicht verfügbaren
tragbaren Ultraschallgeräten herstellen. Dadurch könnten beispielsweise
auch Krankenpfleger:innen eine DVT schnell erkennen, Kosten gespart und
Ergebnisse verbessert werden.

Im Bereich Digital Health tritt Ebenbuild aus München an. Ebenbuild
entwickelt eine Simulations-/KI-Software zur Generierung von hochpräzisen
Daten über die Lunge von Patient:innen. Die Sicht auf den „digitalen
Zwilling“ der Lunge ermöglicht Ärzt:innen, Patient:innen mit akutem
Lungenversagen die bestmögliche, personalisierte Therapie anzubieten.

Das Nürnberger Start-up mentalis unterstützt mithilfe einer App-basierten
Lösung die digitale Nachsorge von Patient:innen mit psychischen
Erkrankungen. Betroffene erhalten nicht nur ein individuelles Coaching,
sondern auch einen personalisierten Therapieplan.

Die Plattformtechnologie von Limula aus La-Tour-de-Peilz in der Schweiz
ermöglicht den breiten Zugang zu der neuesten Generation von
personalisierten Krebstherapien, indem diese schnell und sicher aus
patienteneigenen Immunzellen produziert werden. Das hat nicht nur eine
Reduzierung von Kosten zur Folge, sondern führt auch zu einer einfacheren
und risikoärmeren Herstellung von Zelltherapien.

Unterstützung über das Finale hinaus

Die Podiumsfinalisten kämpfen um das Preisgeld in Höhe von bis zu 40.000
€. Alle Teilnehmenden können die Gelegenheit nutzen, um sich mit
Kooperationspartnern aus dem EIT-Health-Netzwerk zu verknüpfen. Insgesamt
150 führende Partner aus dem Gesundheitswesen stehen hierbei zur
Verfügung. Darüber hinaus hat sich „EIT Health Catapult“ dieses Jahr mit
führenden Unternehmen aus dem Gesundheitswesen zusammengetan, um die
vielversprechendsten Ideen zu unterstützen. Amazon Web Services,
Astrazeneca, eg technology, Merck, McDermott Will & Emery und Lusiadas
Saude werden den Gewinnern mit ihrer Expertise und Unterstützung zur Seite
stehen.

Sichtbarkeit über Europa hinaus

Nicht nur in Europa dürfen sich die Start-ups über mehr Sichtbarkeit
freuen. Denn ein Finalist wird mit dem Alex Casta Audience Award
ausgezeichnet. Der Gewinner kann sein Logo am Nasdaq Tower am Times Square
in New York anzeigen lassen, wo es von Millionen von Menschen weltweit
gesehen wird.

Weitere Informationen zu den Finalisten finden Sie hier:
https://eithealth.eu/news-article/21-start-ups-join-eit-health-catapult-
final/

Weitere Informationen zum EIT Health Summit und dem Akkreditierungsprozess
finden Sie hier: https://summit.eithealth.eu/

Über EIT Health RIH Germany-Switzerland

Das European Institute of Innovation & Technology (EIT) ist eine
unabhängige Einrichtung der Europäischen Union, die 2008 gegründet wurde,
um Innovation und Unternehmertum in ganz Europa zu fördern. Seit 2014 ist
die Netzwerk-Initiative auch im Bereich Gesundheit in Europa aktiv. EIT
Health arbeitet zurzeit mit rund 150 Partnern aus 14 Ländern in einer
„Public-Private-Partnership“ an den Lösungen der großen Herausforderung im
Gesundheitswesen unserer Zeit. Führende Unternehmen, öffentliche
Institutionen sowie renommierte Universitäten und Forschungseinrichtungen
entwickeln gemeinsam mit Start-ups und KMU in innovativen Programmen und
Projekten neue Produkte und Dienstleistungen, die eine nachhaltige
Gesundheitsökonomie in Europa fördern. Ziel ist es, die starke Polarität
der verschiedenen Gesundheitssysteme in Europa zu überwinden, um
etablierten und auch jungen digitalen Unternehmen neue Ressourcen zu
eröffnen und ihre Ideen in gemeinsamen Produkten und Dienstleistungen für
den europäischen Markt zu realisieren.

Der EIT Health Regional Innovation Hub (RIH) Germany-Switzerland ist eines
von insgesamt acht EIT Health-Zentren in Europa und betreut in Deutschland
und der Schweiz zurzeit 26 Partner aus Industrie, Forschung und Lehre,
u.a. Roche, Abbvie, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die
Universität Heidelberg, aber auch Start-ups und KMU bei der Entwicklung
von bahnbrechenden Innovationen im Gesundheitswesen.

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Langzeitbeobachtung und Forschung am Ozeanboden

Nach einem Jahr unter Wasser wird die Sinkstoff-Falle an Bord des Forschungsschiffes gehievt.  Jan-Berend Stuut - NIOZ
Nach einem Jahr unter Wasser wird die Sinkstoff-Falle an Bord des Forschungsschiffes gehievt. Jan-Berend Stuut - NIOZ

Er ist Umwelt- und Klimaarchiv, sensibles Ökosystem und wichtig für den
globalen Kohlenstoffkreislauf: Der Ozeanboden erfüllt viele wichtige
Funktionen. Im Exzellenzcluster „Der Ozeanboden – unerforschte
Schnittstelle der Erde“ untersuchen Wissenschaftler:innen aus der U Bremen
Research Alliance unter anderem Überreste des Meeresplanktons, die aus der
lichtdurchfluteten Oberfläche zum Meeresboden gelangen. Sie offenbaren den
Forschenden, wie sich der Klimawandel auf dieses Ökosystem auswirkt.

Endlich, da sind sie! Eine Reihe von orangen Bojen taucht aus der Tiefe
des Wassers auf, tänzelt auf der Oberfläche, gar nicht weit entfernt vom
Forschungsschiff „Meteor“. Die Treibkörper sind das obere Ende einer
Vorrichtung, die auf 4.200 Metern mit einem Anker am Meeresboden befestigt
gewesen ist. Fixiert an Ketten positionierte sie zwei Trichter in 3.500
und 1.500 Metern Tiefe – Sinkstoff-Fallen, mit denen das ganze Jahr über
Proben des zum Meeresboden absinkenden Materials genommen wurden. Per
akustischem Signal hatte die Besatzung die Konstruktion gelöst, eine gute
Viertelstunde brauchten die Bojen bis an die Oberfläche.

--- „Das Observatorium ermöglicht uns, die Auswirkungen des Klimawandels
auf die Biodiversität und Produktivität des Meeres über mehrere Dekaden zu
untersuchen.“ ---

Vor der mauretanischen Küste beim Cap Blanc nimmt die „Meteor“ die
Sinkstoff-Fallen an Bord. Dies ist der Standort einer Einrichtung, von der
Professor Dr. Michal Kucera sagt, sie sei ziemlich einmalig – dem Cap-
Blanc-Observatorium. Aufgebaut wurde es 1988 auf Initiative von Professor
Dr. Gerold Wefer, Gründungsdirektor des MARUM – Zentrum für Marine
Umweltwissenschaften der Universität Bremen, einer Mitgliedseinrichtung
der U Bremen Research Alliance. Zwei Verankerungen mit Sinkstoff-Fallen
sind dort seitdem auf variablen Positionen dauerhaft vorhanden. Fast jedes
Jahr steuert ein Forschungsschiff das Gebiet an, werden die Fallen an Bord
geholt, die Proben geborgen, die Geräte gewartet und erneut auf dem
Meeresboden verankert. Auch Partnerinstitutionen aus der U Bremen Research
Alliance wie das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und
Meeresforschung, nutzen die Einrichtung.

Die Region ist voller Leben. Aus der Tiefe steigt nährstoffreiches Wasser
empor. Es trifft auf Saharastaub, den der Wind herüberträgt und der voller
Spurenelemente steckt, die das Wasser zusätzlich düngen. Dadurch reagiert
das Gebiet besonders empfindlich auf den Klimawandel und ist somit ein
perfekter Standort für Langzeitbeobachtungen. Welche Partikel von der
Wasseroberfläche erreichen zu den verschiedenen Jahreszeiten den
Meeresboden? Was passiert beim Absinken? Wie ändert sich ihre Menge und
Zusammensetzung?

„Das Observatorium ermöglicht es uns, die Auswirkungen des Klimawandels
auf die Biodiversität und Produktivität des Meeres über mehrere Dekaden zu
untersuchen. Somit können wir direkte Beobachtungen mit Datenreihen aus
der Erdgeschichte verbinden, die in Sedimenten des Ozeanbodens gespeichert
sind“, sagt Michal Kucera. „Der Ozeanboden ist eine einzigartige Quelle
von Informationen. Wir nutzen sie, um Änderungen in der Vergangenheit zu
entschlüsseln und so besser zu verstehen, was im Ozean künftig unter
bestimmten Bedingungen passieren wird.“

71 Prozent der festen Erdoberfläche macht der Ozeanboden aus, im
Durchschnitt befindet er sich 3.700 Meter unter dem Meeresspiegel. Von
einer weitgehend unerforschten Schnittstelle im System Erde, einer
empfindlichen Oase des Lebens, mit vielfältigen Funktionen für den
Planeten spricht Kucera. „Dort finden Prozesse statt, die das Klimasystem,
den globalen Kohlenstoffkreislauf und die biologische Produktivität des
Weltozeans beeinflussen.“ Der Ozeanboden ist Archiv für Umwelt- und
Klimaveränderungen, einzigartiger Lebensraum und bedrohtes Ökosystem in
einem.

--- „Ich wollte mich fachlich weiterentwickeln. Und dafür war Bremen die
richtige Stelle. In unserem Feld ist Bremen eine Größe; es ist ein Mekka
der Meeresforscher.“ ---

Der Mikropaläontologe und seine Kollegin, die Biologin Dr. Julie Meilland,
erforschen das Plankton, also Kleinstlebewesen, die sich in den
lichtdurchfluteten obersten Wasserschichten der Ozeane bilden. Sie bewegen
sich nicht aus eigener Kraft fort, sondern lassen sich treiben. Nach dem
Tod sinken die Planktonpartikel als mariner Schnee gen Boden – und werden
auf dem Weg von den trichterartigen Sinkstoff-Fallen eingefangen. An deren
unterem Ende sind 20 Flaschen auf einer Art Karussell installiert, das
sich je nach Programmierung alle 20 oder 30 Tage um eine Position dreht
und dabei eine Probe des absinkenden Materials nimmt. Dieses organische
Material wird später in Laboren des MARUM und der Partnerinstitutionen
untersucht.

Ein wichtiger Bestandteil des Planktons sind Foraminiferen, deren
Kalkgehäuse sich am Meeresboden ablagern. Mithilfe von Überresten dieser
planktonischen Einzeller lässt sich der Zustand des Planktons in
vorindustrieller Zeit rekonstruieren. Vergleicht man die Zusammensetzung
der Fossilien mit Material aus Sinkstoff-Fallen, zeigt sich, dass seit
Beginn der Industrialisierung und dem damit einhergehenden Klimawandel
ganze Artengemeinschaften des Planktons ihre angestammten Gebiete bereits
verlassen haben. „Durch die Langzeit-beobachtung können wir die
Einwanderung neuer Arten, das Verschwinden anderer und damit die
Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität nachvollziehen“, sagt
Kucera.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Kohlenstoffkreislauf: Ein Teil des
Planktons bindet Kohlendioxid und nimmt es mit auf den Meeresboden. Wie
viel dieses Treibhausgases wird dort gespeichert? Und wie genau
funktioniert der Transfer von Kohlenstoff von der Ozeanoberfläche bis zum
Meeresboden? An dieser „biologischen Pumpe“ forscht Julie Meilland. Auch
ihr Spezialgebiet sind die Foraminiferen und der Kohlenstoff, den sie in
ihren Schalen am Meeresboden speichern.

Julie Meilland und Michal Kucera forschen im Exzellenzcluster „Der
Ozeanboden – unerforschte Schnittstelle der Erde“. In diesem Verbund
arbeiten Wissenschaftler:innen verschiedenster Disziplinen der
Meereswissenschaften aus der Region Bremen zusammen. Unter ihnen befinden
sich Forschende aus mehreren Einrichtungen der U Bremen Research Alliance,
wie dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und
Meeresforschung, dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, dem
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung und eben dem MARUM der
Universität Bremen, unter dessen Dach der Exzellenzcluster angesiedelt
ist.

Finanziert von Bund und Ländern sollen solche Cluster international
sichtbare Spitzenforschung ermöglichen. Wer diesen Status erreichen will,
muss gut sein, sehr gut sogar, denn der Wettbewerb um die Förderung ist
intensiv. „Dass wir das geschafft haben, ist auch eine Bestätigung der
gezielten, klugen und verlässlichen Unterstützung des Schwerpunktes
Meereswissenschaften durch das Land Bremen“, meint Kucera. „Der große
Vorteil des Clusters ist, dass wir uns langfristig auf unsere Forschung
konzentrieren können, ohne alle zwei Jahre neue Förderungsanträge stellen
zu müssen.“ Und er hilft, dringend benötigte und teure Infrastrukturen
mitzufinanzieren, wie etwa das MARUM-Observatorium vor Cap Blanc oder
Spezialgeräte, mit denen die Forschenden Bohrkerne aus dem Ozeanboden
gewinnen.

Kucera, aufgewachsen weitab jeden Ozeanes in der Tschechoslowakei, kam
über das Studium der Geologie zur Meeresforschung. Nach Promotion in
Göteborg sowie Stationen in den USA, in England und Tübingen, wechselte er
vor zehn Jahren nach Bremen.  „Ich wollte mich fachlich weiterentwickeln.
Und dafür war Bremen die richtige Stelle. In unserem Feld ist Bremen eine
Größe; es ist ein Mekka der Meeresforscher.“ Nicht viel anders war das bei
Julie Meilland, gebürtige Französin, die über Stationen in Norwegen und
Frankreich nach Bremen kam.

2025 wird erneut über die Exzellenzstrategie und damit die Fortführung des
Clusters entschieden. „Das Klima“, prognostiziert Kucera, „wird sich
weiter ändern. Es wird sich schneller ändern. Umso wichtiger wird es sein,
die Auswirkungen auf den Ozean und das Leben im Meer weiter zu beobachten
und zu untersuchen.“ Je länger die Beobachtungsreihen werden, desto besser
können die beobachteten Veränderungen zugeordnet, verstanden und
prognostiziert werden. Das Cap-Blanc-Observatorium bietet dafür ideale
Voraussetzungen.

Originalpublikation:
Impact – Das Wissenschaftsmagazin der U Bremen Research Alliance

In der U Bremen Research Alliance kooperieren die Universität Bremen und
zwölf Forschungsinstitute der vier deutschen Wissenschaftsorganisationen
sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz - alle mit
Sitz im Bundesland.

Das seit 2019 erscheinende Magazin Impact dokumentiert die kooperative
Forschungsstärke der Allianz und ihre gesellschaftliche Relevanz.
„Langzeitbeobachtung und Forschung am Ozeanboden“ wurde in Ausgabe 5
(Januar 2022) veröffentlicht.

https://www.uni-
bremen.de/fileadmin/user_upload/sites/research_alliance/Impact_Magazin_U_Bremen_Research_Alliance_Ausgabe_5_Januar_2022.pdf.pdf

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Cybersicherheit: Fraunhofer IOSB-AST präsentiert KI-Lösung zur automatisierten Echtzeit-Erkennung von IT-Angriffen

André Kummerow im Leittechnik-Labor des Fraunhofer IOSB-AST beim Test der KI-Algorithmen.  Martin Käßler  Fraunhofer IOSB-AST
André Kummerow im Leittechnik-Labor des Fraunhofer IOSB-AST beim Test der KI-Algorithmen. Martin Käßler Fraunhofer IOSB-AST

Selten war die Bedrohung für die
Energieversorgungssysteme durch Cyberangriffe so groß wie in letzten
Wochen und Monaten. Fraunhofer-Forscher*innen haben nun erfolgreich ein
KI-basiertes Verfahren entwickelt, mit welchem der Netzwerkverkehr
zwischen elektrischem Netz und Leitsystem automatisiert und in Echtzeit
auf auffällige Muster bzw. Anomalien geprüft werden kann.

Trotz hoher Anforderungen im Rahmen gesetzlicher Vorgaben wie dem IT-
Sicherheitsgesetz oder der Einführung von IT-Sicherheitsmanagementsystemen
(ISMS) bleiben Energieversorger im Fokus von Cyberangriffen. Besonders
sensibel sind dabei die für einen sicheren Netzbetrieb zuständigen
Netzleitwarten.

In Ihnen werden täglich tausende Daten und Messwerte analysiert, daraus
kritische Betriebssituationen erkannt und entsprechende Schalt- und
Regelvorgänge abgeleitet. Verschafft sich ein Angreifer hier von außen
Zugriff und werden z.B. Messwerte absichtlich manipuliert, kann das zu
falschen Schalthandlungen bis hin zum Black-Out als Worst-Case-Szenario
führen.

Für einen sicheren Netzbetrieb sind daher neue Ansätze notwendig, die
automatisiert und in Echtzeit sämtliche Netzwerk- und Prozessinformationen
zwischen Netz- und Leitsystem überwachen und auf Manipulationen prüfen. Im
vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderten
Forschungsprojekt „Digital-Twin-zentrische Dienste und Applikationen für
den dynamischen Betrieb und den Schutz des zukünftigen
Energieversorgungssystems“ (HyLITE) haben Forscher*innen des Fraunhofer
IOSB-AST nun eine passende Lösung entwickelt.

Das Ergebnis ist eine KI-unterstützte, intelligente Überwachungslösung für
Netzleitsysteme, welche zunächst das Normalverhalten auf Mess- und
Kommunikationsebene automatisch anlernt. Die Software kann dabei nicht nur
die aktuelle Betriebssituation sowie technische Ausfälle oder Störungen,
sondern auch Anomalien in den Messwerten bzw. dem Datenverkehr zwischen
elektrischem Netz und Leitsystem erkennen.

Damit ist eine ganzheitliche Überwachung des Netzbetriebs und der
eingesetzten Kommunikationsmittel für den verantwortlichen Operator in
Echtzeit möglich. Der Zugang erfolgt über eine web-basierte
Echtzeitvisualisierung, die einen schnellen Überblick über die KI-
gestützte Anomaliebewertungen ermöglicht.

Die KI-Lösung soll nun potenziellen Kunden zur Integration in den
Netzbetrieb zur Verfügung gestellt werden. Bei Interesse können Sie sich
gerne per E-Mail an André Kummerow unter andre.kummerow@iosb-
ast.fraunhofer.de wenden.

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