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KIT: Hannover Messe 2022: Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen gedacht

Klimaprognosen und Risikoprävention, Datensicherheit und Künstliche
Intelligenz, Energiewende und Kreislaufwirtschaft: Um diese Themen bewegen
sich die Innovationen, die das Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
auf der Hannover Messe 2022 vom 30. Mai bis 2. Juni vorstellt. Die
Exponate und Präsentationen an den beiden Hauptständen im „Future Hub“
(Halle 2, Stand B40) und bei den „Energy Solutions“ (Halle 13, Stand D62)
zeigen, wie Forschende des KIT Digitalität und Nachhaltigkeit zusammen
denken. Aktuelle Projekte aus der Mobilitätsforschung stellt das KIT zudem
am Stand von Baden-Württemberg International (Halle 12, Stand D15) vor.

Klimaprognosen und Risikoprävention, Datensicherheit und Künstliche
Intelligenz, Energiewende und Kreislaufwirtschaft: Um diese Themen bewegen
sich die Innovationen, die das Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
auf der Hannover Messe 2022 vom 30. Mai bis 2. Juni vorstellt. Die
Exponate und Präsentationen an den beiden Hauptständen im „Future Hub“
(Halle 2, Stand B40) und bei den „Energy Solutions“ (Halle 13, Stand D62)
zeigen, wie Forschende des KIT Digitalität und Nachhaltigkeit zusammen
denken. Aktuelle Projekte aus der Mobilitätsforschung stellt das KIT zudem
am Stand von Baden-Württemberg International (Halle 12, Stand D15) vor.

Diese Presseinformation finden Sie mit Foto zum Download unter:
https://www.kit.edu/kit/pi_2022_037_hannover-messe-2022-digitalisierung-
und-nachhaltigkeit-zusammen-gedacht.php


„Digitale Technologien können zur nachhaltigen Entwicklung beitragen,
unter anderem über ressourceneffiziente Produktion oder vernetzte
Mobilität. Umgekehrt gilt es, die Digitalisierung nachhaltig zu
gestalten“, erklärt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka. „Das
KIT ist dank seiner interdisziplinären Forschung gerade in den Feldern
Information, Energie, Mobilität, Klima, Materialien sowie Mensch und
Technik für diese Herausforderungen bestens aufgestellt. Wie relevant
beispielsweise die Arbeiten zu erneuerbaren Energien, ihrer Speicherung
und Verteilung sind, zeigen aktuell die Auswirkungen des Kriegs in der
Ukraine.“

Auf der Hannover Messe 2022 vom 30. Mai bis 2. Juni unter dem Leitthema
„Industrial Transformation“ präsentiert das KIT einige Highlights aus
Forschung und Innovation. Der Präsident des KIT Professor Holger Hanselka
nimmt als Referent am „Lightweighting Summit“ des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Klimaschutz teil, der am 31. Mai unter der Schirmherrschaft
von Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck stattfindet. Im Fokus
dieser Konferenz steht die Verknüpfung des Leichtbaus mit der Wasserstoff-
Technologie – beide fördern Ressourcen- und Energieeffizienz und
unterstützen damit den Klimaschutz.

Informationen zu den Ständen und Exponaten des KIT auf der Hannover Messe
finden Sie auch in der digitalen :
https://www.sek.kit.edu/hannovermesse2022.php

Das KIT im „Future Hub“ (Halle 2, Stand B40)

Süddeutsches Klimabüro am KIT: Klimaforschung nutzbar machen für die
Gesellschaft

Wie wirkt sich der globale Klimawandel in einzelnen Regionen aus? Was
können wir tun, um ihn einzudämmen? Und wie können wir uns an die
unvermeidbaren Folgen anpassen? Zu diesen Fragen vermittelt das
Süddeutsche Klimabüro wissenschaftlich fundierte und praxisnahe
Informationen für alle, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft planen
und entscheiden. Am Messestand veranschaulicht ein interaktiver Globus die
komplexen Zusammenhänge.

Video „Klimawandel visualisiert“

CEDIM: Gefährdungen verstehen – Risiken abschätzen – Resilienz stärken

Stürme, Überschwemmungen, Erdbeben und andere Extremereignisse fordern
immer wieder viele Todesopfer und verursachen schwere Sachschäden. Solche
Ereignisse werden durch Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung
und die Abhängigkeit von kritischen Infrastrukturen künftig noch häufiger
auftreten. Das Center for Disaster Management and Risk Reduction
Technology des KIT, kurz CEDIM, forscht zu Ursachen, zur Prävention und
zur Bewältigung natürlicher und technischer Risiken. Am Messestand
präsentiert es seine Arbeit ebenfalls auf dem interaktiven Globus des
Süddeutschen Klimabüros.

Risklayer: Risiken analysieren und reduzieren

Risiken prägen zunehmend unseren Alltag und sind immer präsenter für die
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Jede Krise, sei sie natürlich oder
vom Menschen gemacht, verlangt das Verständnis unseres individuellen und
gesellschaftlichen Risikos. Die KIT Ausgründung Risklayer modelliert und
analysiert diese Risiken und identifiziert Lösungswege, um zukünftige
Schäden zu reduzieren, die Resilienz zu stärken und Gewinneinbußen in
Folge einer Katastrophe zu verringern. Somit wird eine Risikoabschätzung
in eine konkrete Handlungsempfehlung umgewandelt.

NoPhish: Schutz vor Phishing-E-Mails und anderen betrügerischen
Nachrichten

Betrügerische Nachrichten kommen als E-Mails, aber auch in anderen Formen
daher. Wie Nutzerinnen und Nutzer sie erkennen und sich davor schützen
können, vermittelt das NoPhish Konzept der Forschungsgruppe SECUSO am KIT.
NoPhish umfasst verschiedene Maßnahmen wie Flyer, Schulungsunterlagen,
Erklärvideos, Poster und ein Online-Spiel, die auf das Thema aufmerksam
machen, Wissen vermitteln und erklären, wie Personen, Unternehmen und
Einrichtungen sich schützen können.

Video „Absender prüfen und gefährliche Anhänge erkennen“

Aimino: Hochwertige KI-Anwendungen

Das Start-up, eine Ausgründung aus dem KIT, bietet Unternehmen Tools und
Services für eine effiziente Bereinigung vorhandener Datensätze. Darüber
hinaus kombiniert Aimino die realen Daten mit synthetischen Daten. Diese
schützen vor Datenschutzverletzungen. Mit dem von Aimino angebotenen Tool
Amelia können KI-Ingenieure zeit- und kostensparend an ihre Zwecke
angepasste synthetische Daten generieren.

Research to Business – Technologieangebote des KIT

Research to Business, die Technologiebörse des KIT, ist mit weiteren 90
Technologieangeboten am Stand des KIT vertreten. Sie zeigt Innovationen
aus dem KIT, aus denen marktfähige Produkte und Verfahren entstehen
können.

Das KIT bei den „Energy Solutions“ (Halle 13, Stand D62)

CarbonCycleLab: Energiewende und Kreislaufwirtschaft

Mehrere Institute des KIT verknüpfen im CarbonCycleLab die komplette
Prozesskette des Kohlenstoffkreislaufs der Zukunft: von Rest- und
Abfallstoffen bis zu daraus gewonnenen chemischen Grundstoffen für die
Wiederverwendung in der Chemieindustrie als Ersatz für fossile Rohstoffe.
Damit trägt das CarbonCycleLab dazu bei, die Energiewende mit einer
Kreislaufwirtschaft zusammenzuführen, um zukünftig zu einer
ressourceneffizienten, klimaneutralen und wettbewerbsfähigen Wirtschaft zu
finden. Am Messestand ist ein Modell eines für verschiedene Anwendungen
geeigneten Flugstromvergasers zu sehen; ein interaktiver Tisch erklärt die
Anlage in 3D.

NECOC: Vom klimaschädlichen Treibhausgas zum wirtschaftlich verwertbaren
Material

Ein Konsortium aus Instituten des KIT und Unternehmen hat einen
Prozessverbund entwickelt, mit dem sich negative Emissionen erzielen
lassen. Dabei wird atmosphärisches Kohlenstoffdioxid (CO2) in elementaren
Kohlenstoff (Carbon Black, C) und Sauerstoff (O2) zerlegt. Der feste
Kohlenstoff, der im Prozess in Form von mikrogranularem Pulver anfällt,
wird abgetrennt und anschließend als hochpreisiges Edukt, beispielsweise
in der Gummi-, Bau- oder Elektroindustrie, wirtschaftlich verwertet.
Wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung des Gesamtprozesses ist die
effiziente stoffliche und energetische Kopplung der Teilprozessschritte.

ICODOS: Auf dem Weg zu wettbewerbsfähigen erneuerbaren Kraftstoffen

Eine Technologie, die Kohlendioxidabscheidung und Methanolsynthese
effizient kombiniert und dazu beiträgt, erneuerbare Kraftstoffe
wettbewerbsfähig zu machen, hat die KIT Ausgründung ICODOS entwickelt. Bei
der Umsetzung der Technologie wird sich ICODOS zunächst auf Biogas
konzentrieren, plant aber, sie auch für andere CO2-Punktquellen verfügbar
zu machen, beispielsweise für die Zementindustrie. Eine Pilotanlage
befindet sich aktuell im Bau und wird am KIT in das Energy Lab 2.0
integriert.

Research to Business – Technologieangebote des KIT

Research to Business, die Technologiebörse des KIT, ist mit weiteren 30
Technologieangeboten am Stand des KIT vertreten. Sie zeigt Innovationen
aus dem KIT, aus denen marktfähige Produkte und Verfahren entstehen
können.

Das KIT bei weiteren Themenständen


Eine Reihe weiterer aktueller Themen unter anderem aus der
Mobilitätsforschung stellen das KIT und seine Partner am Stand von Baden-
Württemberg International (Halle 12, Stand D15) vor.

So stellt der Demonstrator des Projekts „H2Rhein-Neckar“ einen Modell-
Betriebshof für alternative Antriebe in Heidelberg dar und zeigt die
Wasserstoffbetankung und das Nachladen der Batterie bei Brennstoffzellen-
Range-Extender-Bussen. Das Institut für Technik der
Informationsverarbeitung (ITIV) des KIT bringt sich bei der Optimierung
der Betriebsstrategie der Fahrzeuge mit neuesten KI-Verfahren ein.

Der InnovationsCampus Mobilität der Zukunft (ICM) des KIT und der
Universität Stuttgart zeigt ein Modell eines Einsitzers für kleine,
effiziente Stadtfahrzeuge, der als Versuchsträger zur Erprobung von
neuartigen Technologien wie additive Fertigung, Leichtbau mit
Fasermaterialien oder neuartige Antriebskomponenten dient. Solche
Fahrzeuge sollen auch in autonomen Car-Sharing-Flotten zur vernetzten
Mobilität der Zukunft beitragen.

Darüber hinaus präsentiert der ICM einen Laufband-Demonstrator des
Partners ITIV, der die Darstellung von realistischen Verkehrsszenarien mit
Modellfahrzeugen im Maßstab 1:14 ermöglicht. Über Sensoren erkennen die
Fahrzeuge ihre Umgebung und reagieren auf diese.

Außerdem präsentiert INERATEC nachhaltige Kraftstoffe und Chemikalien aus
Wasserstoff und CO2. Die Ausgründung aus dem KIT entwickelt modulare
Chemieanlagen für Power-to-X- und Gas-to-Liquid-Anwendungen. Wasserstoff
aus regenerativen Quellen und Treibhausgase wie CO2 werden in E-Kerosin,
CO2-neutrales Benzin oder sauberen Diesel umgewandelt.

Das KIT im Konferenzprogramm

Hannover Messe Main Stage, Halle 18, H'Up

Montag, 30.05.2022, 14:00 bis 14:45 Uhr: „Next Generation Manufacturing —
Erfolgsfaktoren in der Produktion nutzen“. Podiumsdiskussion zum Thema
"Additive Fertigung" u. a. mit Professorin Gisela Lanza vom KIT

Dienstag, 31.05.2022, 14:00 bis 17:00 Uhr: „Lightweighting Summit“. An der
Konferenz unter Schirmherrschaft von Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert
Habeck nimmt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka als Referent
teil. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Themen Leichtbau und
Wasserstofftechnologien.

Tech Transfer Conference Stage, Halle 2, Stand A60

Montag, 30.05.2022, 11:40 Uhr: „Naturkatastrophen können uns alle
treffen“. Professor Michael Kunz vom KIT sensibilisiert in seinem Vortrag
für ein richtiges Handeln im Katastrophenfall.

Montag, 30.05.2022, 12:55 Uhr: „Nachhaltig ist noch lange nicht
resilient“. Dr. Andreas Schäfer vom KIT erklärt, warum Resilienz den
Unterschied machen kann zwischen Niedergang und einer Rückkehr zur
Normalität.

Dienstag, 31.05.2022, 09:55 Uhr: „Anwendung von regionalen Klimamodellen
zur Zukunftssicherung am Beispiel der Forstwirtschaft“. Gemeinsamer
Beitrag von Dr. Hans Schipper vom KIT und Dr. Thomas Freudenmann von der
EDI GmbH, einer Ausgründung aus dem KIT.

Mittwoch, 01.06.2022, 15:05 Uhr: „Datenzentrierte Künstliche Intelligenz“.
Wie Unternehmen die Hoheit über ihre Daten behalten können, erklärt Dr.
Duc Tam Nguyen von der Aimino GmbH, einer Ausgründung aus dem KIT

Diese und weitere Vorträge unter:
https://www.sek.kit.edu/hannovermesse2022.php?tab=%5B6540%5D#tabpanel-6540
(or)

Weitere Informationen:

Digitale Pressemappe des KIT zur Hannover Messe 2022:
https://www.sek.kit.edu/hannovermesse2022.php

Aktuelle Ausgabe des Forschungsmagazins lookKIT mit den Themen zur
Hannover Messe: https://www.sek.kit.edu/downloads/lookkit-202201.pdf

Online-Dossier „Nachhaltig digital“: https://www.kit.edu/kit/nachhaltig-
digital.php


Hannover Messe 2022: https://www.hannovermesse.de
Lightweighting Summit des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Klimaschutz: https://www.hannovermesse.de/de/presse/pressemitteilungen
/hannover-messe/lightweighting-summit-stellt-leichtbau-wasserstoff-in-

mittelpunkt

  • Aufrufe: 23

300 Wissenschaftler*innen veröffentlichen Communiqué mit Handlungsempfehlungen an G7

Auf dem Think7 Summit treffen sich noch bis morgen mehr als 300
Wissenschaftler*innen aus G7-Ländern und darüber hinaus, um Lösungen für
die großen globalen Herausforderungen zu präsentieren.

Berlin, 23. Mai 2022. Die Gruppe der G7 soll enger mit den Staaten der G20
zusammenarbeiten, um multilaterale Organisationen zu stärken und einem
Rückfall in eine polarisierte Welt entgegenzuwirken. Zudem ist es wichtig,
dass die G7 Maßnahmen ergreift, um das Kriegsende in der Ukraine zu
erreichen. So lauten zentrale Empfehlungen führender Think Tanks aus den
G7-Ländern – der Think7 – an die Bundesregierung als G7-Vorsitzende. Diese
Empfehlung ist Teil des Abschlusscommuniqués, das die Think7 heute in
Berlin vorgelegt haben. Auf dem Think7 Summit treffen sich noch bis morgen
mehr als 300 Wissenschaftler*innen aus G7-Ländern und darüber hinaus, um
Lösungen für die großen globalen Herausforderungen zu präsentieren.
Das Communiqué fasst rund 70 Papiere der Think7 zusammen, in denen
Politikempfehlungen für den G7-Gipfel auf Schloss Elmau vorgelegt werden.
So sprechen sich die Autor*innen in ihrer zweiten zentralen Empfehlung für
gemeinsame Standards zur Messung des menschlichen Wohlbefindens aus, die
neben wirtschaftlichen Kriterien auch den Zustand der Umwelt und den
sozialen Zusammenhalt berücksichtigen. Das sei die Voraussetzung dafür,
dass die G7 gemeinsam mit VN, OECD und G20 für einen weltweiten
Systemwechsel eintreten können, der das menschliche Wohlbefinden innerhalb
der ökologischen Grenzen des Erdsystems in den Fokus stelle, heißt es im
Communiqué.
Die dritte zentrale Empfehlung der Think7 an die G7 lautet, dass die
Arbeit der Staatengruppe künftig kontinuierlicher von Wissenschaft und
Zivilgesellschaft begleitet werden solle – bisher wechseln Zusammensetzung
und Ziele der verschiedenen G7 Engagement Groups mit jedem neuen
G7-Vorsitz.
Die russische Invasion in die Ukraine hat die geopolitische Realität, auf
der unser multilaterales System fußt, dramatisch verändert. Um die
globalen Herausforderungen zu bewältigen, ist gemeinschaftliches Handeln
dringend notwendig. Vor diesem Hintergrund fordern die Think7, sich für
die Stärkung des Multilateralismus einzusetzen und die G20 als wirksames
Forum für die Lösung globaler Probleme zu erhalten. Die G7 müsse sich in
Zusammenarbeit mit der G20 entschieden gegen einen Rückfall in eine
polarisierte Weltordnung wehren. Dazu zähle auch, dass sich die G7 zu
substanziellen Maßnahmen verpflichten und die G20 auffordern, ihre Kräfte
zu bündeln: Es gilt die zahlreichen, durch den Krieg in der Ukraine
verursachten, Krisen in den verwundbarsten Ländern zu lindern – so etwa
steigenden Lebensmittelpreise und der zunehmenden Staatsverschuldung
entgegenzuwirken.
Ausgerichtet an den Schwerpunkten der G7-Agenda der Bundesregierung geben
die Think7-Forscher*innen unter anderem folgende Empfehlungen:
1.      Nachhaltiger Planet: Gründung offener und inklusiver Klima-Clubs,
die Beendigung der Subventionen für fossile Brennstoffe bei gleichzeitiger
Ausweitung der Klimafinanzierung für Entwicklungsländer.

2.      Wirtschaftliche Stabilität und Transformation: Schaffung eines
Rahmenwerks für Entschuldung, das allen Ländern den benötigten
fiskalischen Spielraum verschafft, um auf die Folgen der COVID-19-Krise
und des Kriegs in der Ukraine zu reagieren. Außerdem sollten die G7-Länder
globale Finanzströme mit den Klima- und Nachhaltigkeitszielen in Einklang
bringen. Indikatoren zur Wohlstandsmessung sollten über das
Bruttoinlandsprodukt hinausgehen und soziale und ökologische Dimensionen
berücksichtigen – um die Wirksamkeit von Maßnahmen der wirtschaftlichen
Transformation zu bewerten.

3.      Gesundes Leben: Die Forscher*innen benennen die Notwendigkeit zur
Einrichtung eines Global Health Compact 2030. Dieser müsse sich auf die
Stärkung der globalen Gesundheitsarchitektur, Investitionen in die
Pandemievorsorge und -reaktion entlang des Leitbildes von planetarer
Gesundheit sowie den Aufbau eines globalen, auf Gerechtigkeit
ausgerichteten Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationssystems im
Bereich der globalen Gesundheit konzentrieren.

4.      Investitionen in eine bessere Zukunft: Mehr Engagement der G7 bei
der Umsetzung der globalen Agenda für nachhaltige Entwicklung und
Erschließung auch weiterer finanzieller Mittel dafür aus innovativen
Quellen, etwa über eine neue globale Steuerbasis mit einem
Mindeststeuersatz, einer Mehrwertsteuer oder eine
Finanztransaktionssteuer. Eine andere Empfehlung in diesem Themenkomplex
ist es, eine Partnerschaft der G7 mit Afrika anzustreben und entsprechende
Dialog- und Kooperationsformate mit den Schwerpunkten Gesundheit, Klima
und Wirtschaftswachstum einzurichten.

5.      Starkes Miteinander: Die G7-Staaten müssen soziale Werte,
Zusammenhalt und Solidarität durch friedensschaffende Prozesse fördern,
beispielsweise durch den Dialog zwischen verschiedenen Gruppen und
Institutionen, einschließlich Bildungseinrichtungen. Gleichzeitig
empfiehlt das Think7-Communiqué eine die Rechte Bürger in der digitalen
Wirtschaft zu stärken, etwa bei der Kontrolle darüber, wer Zugang zu den
von ihnen in der digitalen Wirtschaft erzeugten personenbezogenen Daten
hat.

Alle hier genannten Empfehlungen der Think7 sowie viele weitere können im
Communiqué nachgelesen werden. Dieses kann unter www.think7.org
heruntergeladen werden.
Die Think7 sind eine von mehreren Engagement Groups der deutschen
G7-Präsidentschaft. Die Gruppe entwickelt und unterbreitet
forschungsbasierte Politikempfehlungen zur Unterstützung der
G7-Präsidentschaft. Der Think7-Prozess begann Anfang des Jahres mit einer
virtuellen Auftaktkonferenz. Er wurde in vielen Arbeitsgruppensitzungen
sowie auf dem Global Solutions Summit fortgesetzt und findet nun mit dem
Think7 Summit in den Berliner Räumen der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie
der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik seinen Abschluss. Der
Think7-Prozess wird gemeinsam von der Global Solutions Initiative und dem
Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) während der deutschen
G7-Präsidentschaft 2022 koordiniert, die dafür vom Bundeskanzleramt
mandatiert worden sind.
www.think7.org

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Zero-Impact Vehicles: Was Motoren leisten müssen, damit sie die Luftqualität nicht negativ beeinflussen

Ein von der FVV initiiertes Forschungsvorhaben zeigt: Wenn Fahrzeuge mit
Verbrennungsmotoren sehr strenge Abgasgrenzwerte einhalten, beeinflussen
sie die Luftqualität nicht mehr negativ. Allerdings ist der maximal
zulässige Emissionswert für einzelne Fahrzeuge von der jeweiligen Fahr-
und Verkehrssituation abhängig.

Die Vorschriften für maximal zulässige Abgasemissionen sollen in Europa
weiter verschärft werden. Vor diesem Hintergrund untersuchte ein kürzlich
abgeschlossenes Forschungsvorhaben [1] der FVV eine nur auf den ersten
Blick einfache Frage: Wie weit müssen die Emissionen von Fahrzeugen mit
Verbrennungsmotor abgesenkt werden, damit diese keinen negativen Einfluss
mehr auf die Luftqualität haben? Dafür korrelierte ein Forscherteam um
Prof. Dr.-Ing. Stefan Hausberger von der Technischen Universität Graz für
zwei Luftschadstoffe – Partikel und Stickoxide – die Fahrzeugemissionen
mit den an verschiedenen Standorten gemessenen Immissionen, also der
Schadstoffkonzentration in der Luft. Als Zielwert wurde ein im Umweltrecht
übliches Relevanzkriterium verwendet: Wenn die Emission einer technischen
Anlage einen Beitrag von weniger als drei Prozent an der lokal zulässigen
Gesamtbelastung verursacht, ist keine weitere
Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Hausberger erläutert: „Mit
diesem Ansatz können wir die Emissionsgrenzwerte definieren, die ein Zero-
Impact Vehicle zwingend einhalten muss.“

Um den Beitrag der Fahrzeugemissionen auf die Luftqualität zu bestimmen,
haben die Forscher zunächst anhand von Daten der Messstelle „Stuttgarter
Neckartor“ ein Simulationsmodell kalibriert. Dieses zeigt: Wenn die
gesamte Fahrzeugflotte auf die derzeit geltenden Abgasgrenzwerte Euro 6d
final umgestellt würde, sänke der Schadstoffgehalt in der Luft drastisch –
bei den Stickoxiden beispielsweise um 93 Prozent gegenüber den Messwerten
aus dem Jahr 2016. Das Drei-Prozent-Kriterium würde jedoch verfehlt.

Dafür, dass das Drei-Prozent-Kriterium bei der Immission an einem
bestimmten Ort der Welt eingehalten werden kann, sind nicht nur die
Emissionen aller Fahrzeuge in der unmittelbaren Umgebung der Messstelle
relevant. Es sind auch die jeweilige Verkehrssituation, die Bebauung und
sogar das Wetter zu berücksichtigen. Anhand von Luftqualitätsdaten aus
ganz Europa haben die Forscher deshalb mehrere Extremszenarien modelliert.
Dazu gehörte eine mehrspurige städtische Zufahrtsstraße, die von 75.000
Fahrzeugen pro Tag befahren wird, genauso wie Stop-und-Go-Verkehr auf der
Autobahn, ein Autobahnabschnitt ohne Tempolimit sowie eine Passstraße mit
einer Steigung von mehr als zehn Prozent. Für das alpine Szenario wurden
zudem verschiedene Fahrweisen berücksichtigt.

Die Ergebnisse der für die verschiedenen Orte durchgeführten Simulationen
variieren stark. Im dichten städtischen Verkehr dürfte ein Zero-Impact-Pkw
durchschnittlich 6,7 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen. Im
Stop-and-Go-Verkehr auf der Autobahn wären es sogar nur 2,0 Milligramm pro
Kilometer. Aufgrund der deutlich geringeren Fahrzeuganzahl würde das Drei-
Prozent-Kriterium beim Befahren der Passstraße hingegen sogar dann
eingehalten, wenn die Emission auf bis zu 74 Milligramm pro Kilometer
stiege. „Die europäische Emissionsgesetzgebung kennt
fahrsituationsbezogene Grenzwerte bislang nicht“, sagt Hausberger. „Unsere
Ergebnisse zeigen allerdings, dass für die Luftqualität nicht einzelne
Extremsituationen ausschlaggebend sind, sondern vor allem der
Alltagsverkehr in urbanen Ballungsgebieten maßgebend ist. Extreme
Fahrsituationen könnten daher auch mit höheren Emissionsgrenzwerten
berücksichtigt werden“

Bestätigt wird diese Aussage durch weitere Simulationen, die innerhalb des
Vorhabens für urbane Ballungsräume durchgeführt wurden. So zeigt sich,
dass mit einer zu 100 Prozent aus Zero-Impact-Fahrzeugen bestehenden
Flotte die Stickoxidemissionen am Stuttgarter Neckartor nurmehr auf dem
Niveau der ohnehin vorhandenen Hintergrundbelastung läge.

Hinweise zum Forschungsprogramm
1 | FVV-Forschungsvorhaben Nr. 1407: Definition und Anforderungen von
"Zero-Impact-Emissionsniveaus" aus der Perspektive der Luftgüte.
Durchgeführt an der Technischen Universität Graz mit Unterstützung der
Beratungsgesellschaften FVT, Graz, und Aviso, Aachen. Abgeschlossen am 31.
März 2022.

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Mini-Löhne für Arbeit im Knast: FH-Dortmund-Professorin kämpft um mehr Anerkennung für Inhaftierte

Vor dem Bundesverfassungsgericht vertritt Prof. Dr. Christine Graebsch,
Juristin und Kriminologin an der Fachhochschule Dortmund, einen
Inhaftierten bei seiner Verfassungsbeschwerde gegen die Entlohnung von
Arbeit im Strafvollzug. Derzeit würden Stundenlöhne unter 2 Euro gezahlt,
nur ein Bruchteil des aktuellen Mindestlohns (9,82 Euro). Und: Arbeit im
Gefängnis bringt keine Rentenpunkte. Altersarmut ist die Folge. Dabei
hätten die Verfassungsrichter schon 1998 erklärt, dass Arbeit ein wichtig
für die Resozialisierung sei. „Dazu gehört auch die Anerkennung von
Arbeit“, betont Christine Graebsch, die an der FH Dortmund zum Thema
Strafvollzug und Resozialisierung forscht und lehrt im Interview.

INTERVIEW:
___

Frau Professorin Graebsch, warum streiten Sie für eine bessere Bezahlung
der Arbeit von Gefangenen im Strafvollzug? Wird hinter Gittern wirklich
mehr Geld benötigt, schließlich werden Essen und Unterbringung gestellt
und durch den Staat bezahlt?

Prof. Dr. Christine Graebsch: Stimmt, Sie bekommen ein Bett, eine Toilette
in der Zelle und Essen. Aber bei Letzterem haben sie zum Beispiel keine
Auswahl. Wenn sie etwas anderes wollen, können sie sich beim
Anstaltskaufmann ergänzend versorgen. Dieser hat ein Monopol und nimmt
höhere Preise als der Supermarkt draußen. Das ist die Realität. Außerdem
müssen Gefangene für Strom bezahlen, für Telefon, Kaffee und
Hygieneartikel oder damit sie ein Fernseh-Leihgerät in der eigenen Zelle
nutzen können. Für all dieses gehen Gefangene für einen Stundenlohn von
ein bis zwei Euro arbeiten. Und: mehr als die Hälfte dieses Arbeitslohns
geht oftmals für Schulden drauf – etwa ausstehende Gerichtskosten. Für die
meisten Gefangenen ist der Staat der Hauptgläubiger.
___

Die Menschen wurden aber auch rechtskräftig verurteilt und sitzen nun mal
eine Strafe ab…

Prof. Graebsch: Früher war die Arbeit im Gefängnis auch als Strafe
gedacht, denn Arbeit im Strafvollzug gibt es viel länger als das
Resozialisierungsprinzip im Grundgesetz. Heute aber soll Arbeit Teil der
Resozialisierung sein. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits 1998
gesagt, dass Arbeit und Entlohnung der Inhaftierten zum Ziel haben, den
Wert der Arbeit für ein eigenverantwortliches, straffreies Leben zu
erkennen. Ich habe nie verstanden, wie das jemand bei diesen Löhnen
erkennen können soll. Das ist ein Widerspruch im System.
___

Aus dem Strafvollzug kommt das Argument, dass mit der Arbeit im Gefängnis
kein Gewinn gemacht wird und höhere Löhne nicht mehr marktfähig wären.
Stimmt das nicht?

Prof. Graebsch: Es ist der falsche Ansatz. Wenn die Resozialisierung
Aufgabe des Staates ist, dann ist die Wirtschaftlichkeit der
Gefangenarbeit nicht relevant. Anders gesagt: Wenn Arbeit ein Faktor der
Resozialisierung ist und ebendiese Resozialisierung ein Ziel der
Inhaftierung –, dann kann man nicht sagen, das ist uns jetzt zu teuer.
___

Wie könnten Alternativen zu den geringen Löhnen aussehen?

Prof. Graebsch: Es gibt andere Modelle, über die auch vor dem
Bundesverfassungsgericht gesprochen wurde. In Österreich etwa bekommen
Inhaftierte mehr Geld, müssen davon aber einen Teil der Haftkosten
begleichen. Dieses sogenannte Bruttoprinzip gibt es in Deutschland bereits
für Freigänger, die außerhalb der Haftanstalt in einem Arbeitsverhältnis
stehen oder für Inhaftierte, die Renten beziehen. Auch sie müssen einen
Haftkostenbeitrag abführen. Möglichkeiten der nicht-finanziellen
Anerkennung von Gefangenenarbeit wäre auch das Erlassen der Prozesskosten-
Schulden, der -Aufbau von Rentenansprüchen oder eine Verkürzung der
Haftzeit.
___

Wirkt sich die Arbeit im Gefängnis derzeit nicht auf die spätere Rente
aus?

Prof. Graebsch: Nein. Das war in den 70er-Jahren mal vorgesehen, ist aber
nie umgesetzt worden – aus finanziellen Gründen. Es gab immer wieder
Ansätze, aber dann wurden Verantwortungen zwischen Bund und Land hin und
her geschoben und am Ende passierte nichts. Für Langzeitgefangene ist das
besonders relevant, die haben viele Jahre in Haft gearbeitet. Für sie gibt
es derzeit auch keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Einzig in die
Arbeitslosenversicherung sind Inhaftierte einbezogen.
___

Im Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht ging es weniger um konkrete
Mindestlohnsätze, sondern mehr um den Begriff „Anerkennung“. Warum?

Prof. Graebsch: Resozialisierung ist derzeit über weite Strecken nur eine
Ausrede. Aber wenn wir Resozialisierung in einer kriminologisch-modernen,
dem heutigen Stand der Forschung angemessenen Weise verstehen, dann müssen
wir Arbeit mit Anerkennung verbinden. Es wäre zum Beispiel sinnvoll, dass
Gefangene von ihrem Lohn Unterhaltsverpflichtungen oder auch
Opferentschädigungen selbst bezahlen können. Das macht einen großen
Unterschied, den wir in der Sozialen Arbeit als Selbstwirksamkeit
bezeichnen. Es ist eine andere Erfahrung, wenn das Geld für das Kind vom
eigenen Lohn und nicht vom Staat kommt. Vor allem aber entspricht es auch
dem Würdegedanken des Grundgesetzes, geleistete Arbeit anzuerkennen.
___

Was erhoffen Sie sich von dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts?

Prof. Graebsch: Das Gericht kann kein bestimmtes Verfahren oder Modell
vorschreiben, sondern nur erklären, welche Möglichkeiten der Anerkennung
von Gefangenenarbeit in Betracht kommen. Das hat das
Bundesverfassungsgericht schon 1998 getan, aber bis heute hat sich wenig
geändert. Ich wünsche mir, dass das Gericht deutliche Worte findet, die
zumindest die Debatte über die Entlohnung von Gefangenen in Bewegung
bringen können.

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