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Historiker Prof. Dr. Rohdewald: „Machtbalance zwischen Kriegsparteien begünstigt einen Friedensschluss“

Prof. Dr. Stefan Rohdewald  Swen Reichhold
Prof. Dr. Stefan Rohdewald Swen Reichhold

Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland über einen
Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen gestalten sich weiterhin
schwierig. Wie fanden frühere Kriege in Europa ein Ende und was hat dazu
beigetragen? Das analysiert der Historiker Prof. Dr. Stefan Rohdewald vom
Historischen Seminar der Universität Leipzig. Er hat seit 2020 den
Lehrstuhl für Ost- und Südosteuropäische Geschichte in Leipzig inne und
forscht zur Verflechtungsgeschichte des östlichen Europa und des Nahen
Ostens.

In der vergangenen Woche gab es neue Verhandlungen in der Türkei zwischen
Russland und der Ukraine. Wie könnte eine Einigung, ein Ende des Krieges,
aus historischer Perspektive aussehen?

Aus historischer Perspektive sind Friedensverträge dann erfolgreich, wenn
beide Seiten auch das Interesse an einem Frieden haben. Das setzt voraus,
dass beide Seiten zustimmen – auch die Präsidenten. Mit den Minsker
Abkommen gab es 2014/2015 eine Regelung, die von allen Seiten gebrochen
wurde und deren Umsetzung große Probleme aufwarf: Wahlen und ein
Sonderstatus für Donezk und Luhansk wären für die Ukraine nur nach dem
Abzug der dort seit 2014 versteckt aktiven Streitkräfte Russlands und nach
einer Entmachtung der Separatistenregime akzeptabel gewesen. Es hätte
sonst keine Garantie gegeben, dass dort dann tatsächlich freie Wahlen
stattgefunden hätten. Die Ukraine hatte Angst, dass das Personal, die
Beamten, die Polizei, die lokalen Truppen der seit 2014 eingerichteten
illegitimen "Volksrepubliken" einfach Teil der ukrainischen Verwaltung
geworden wären. Das hätte die Ukraine massiv destabilisiert. Seit dem 24.
Februar hat der Krieg Russlands gegen die Ukraine mit dem großflächigen
Angriffskrieg eine ganz neue Dimension angenommen. Selbst wenn sich die
russischen Streitkräfte angesichts ihres vielerorts offensichtlichen
Scheiterns jetzt auf die Linien von vor diesem Datum zurückziehen würden,
bestehen die seit 2014 von Putin geschaffenen Probleme weiterhin: Russland
weigert sich, die Annexion der Krim auch nur formal etwa wie durch die
Ukraine vorgeschlagen im Rahmen eines Moratoriums zurückzunehmen oder die
kürzliche Anerkennung der Unabhängigkeit der sogenannten Volksrepubliken
zu revidieren, was hingegen für die Ukraine inakzeptabel ist. Im Gegenteil
versucht Putin jetzt, die Gebiete innerhalb der Verwaltungsgrenzen der
Provinzen Donezk und Luhansk zu erobern und den Landkorridor zur Krim zu
konsolidieren, möglicherweise auch durch die Einrichtung weiterer
Volksrepubliken. Ohne deutlich stärkeren Druck auch durch wirklich
wirkungsvolle internationale Sanktionen wird hier ein Sinneswandel Putins
leider sehr unwahrscheinlich bleiben, eher droht die Annexion aller dieser
Gebiete.

Ist der Krieg Russlands gegen die Ukraine mit den Kriegen etwa in
Tschetschenien oder Bosnien in einer Form vergleichbar?

Auf unterschiedlichen Ebenen sind die Kriege vergleichbar. Vorausschicken
muss ich aber, dass der Krieg Russlands gegen die Ukraine zu einer anderen
Liga von Krieg zählt. Vergleichsfälle wären hier eher die großflächigen
Überfallskriege im Zweiten Weltkrieg 1939 und 1941. In der Anwendung der
Strategie der Zerstörung von Städten kann man den Krieg Russlands gegen
die Ukraine mit den beiden Tschetschenienkriegen vergleichen. Die Bilder
aus Grosny, das jahrelang durch die russischen Streitkräfte beschossen
wurde, bis kein Gebäude mehr stand, gleichen den Berichten und Bildern aus
Mariupol und Butscha. Auch Tschernihiw und Charkiw stehen unter
anhaltenden Bombardements. Erinnern wir uns an den Stadtkrieg in Syrien:
In Aleppo sah die Strategie auch der syrischen Regierung und der dort seit
2015 tätigen russischen Streitkräfte während der brutalen Zerstörung von
Stadtvierteln immer wieder Verhandlungen über humanitäre Korridore vor,
die häufig gebrochen wurden. Diese dienten dann als ein Feigenblatt
gegenüber der Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit, um den Anschein zu
erwecken, als ob man sich um Frieden bemühen würde.

Im Bosnienkrieg wurde Sarajewo 44 Monate lang beschossen. Auch hier gab es
an der Fläche des Landes gemessen sehr viele Todesopfer und sehr hohe
Flüchtlingszahlen. Erst diese haben dann eigentlich auch die EU dazu
gebracht, stärkere Maßnahmen einzuleiten und sich stärker zu engagieren.
Dieser äußere Druck war entscheidend für den Friedensschluss in Bosnien-
Herzegowina: Die Intervention von EU und NATO erzeugten ein
Machtgleichgewicht zwischen den serbischen und kroatisch-muslimischen
Kräften, sodass ein Frieden möglich wurde. Für dieses Abkommen von Dayton
hatte man die politischen Führer der Kriegsparteien an dem Verhandlungsort
in den USA quasi eingeschlossen und sie vor die Aufgabe gestellt, sich zu
einigen mit Vorschlägen, die gemacht wurden. Von diesem Punkt einer
Einigung sehe ich Russland und die Ukraine aber noch weit entfernt.

Im Osten der Ukraine herrscht seit 2014 Krieg. Haben wir dort zu wenig
hingesehen?

In Deutschland hat man betont, dass man mit den Minsker Abkommen alles
getan hat, was Deutschland in seiner Vermittlerrolle tun konnte. Insgesamt
ist die internationale Gemeinschaft und damit auch Deutschland über die
Annexion der Krim zu schnell hinweg gegangen. Eine solche offensichtliche
Annexion einer Provinz eines Nachbarstaates hat es in Europa seit dem
Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, das hat man als Kavaliersdelikt
durchgehen lassen. Es gelten zwar seit damals auch Sanktionen, aber die
waren eher zahnlos und richteten sich nicht gegen die für den russischen
Staatshaushalt und damit das Militärbudget entscheidend wichtigen
Rohstoffexporte. Ein Fehler Deutschlands war es insbesondere, nach diesen
Ereignissen Nord Stream 2 weiter zu planen und dann zu bauen. Damit hat
man sich in einer unerträglichen Weise abhängig gemacht von russischen
Energielieferungen. Man dachte, so könnte man auch den Lieferer
kontrollieren. Doch das erweist sich jetzt als Trugschluss. Es gab von
Anfang an Kritik gegen diese Politik sowohl innerhalb Deutschlands als
auch außerhalb von Polen, Litauen, Estland, Lettland und auch in anderen
Mitgliedsstaaten der EU. Seit 2014 gibt es ein Papier der Europäischen
Kommission, in dem diese eine europäische Energie-Sicherheitspolitik
verlangt und eine ausdrückliche Reduktion von Abhängigkeiten explizit
gegenüber Russland. Dennoch hat die deutsche Regierung weiterhin
vermeintliche deutsche Interessen auch noch als europäische Interessen
bezeichnet. Tatsächlich hat sich Deutschland seither in der EU isoliert
und, wie seit langem und zu Recht befürchtet, schließlich durch Russland
erpressbar gemacht: Die aktuelle Regierung verweigert ja heute gerade
wegen dieser selbstverschuldeten Abhängigkeit wirkungsvolle Sanktionen
gegen Russland im Energiesektor.

Sie haben gesagt, Russland verfolge eine neoimperialistische Politik. Wie
passt der aktuelle Krieg da hinein?

Aus Sicht Russlands hat sich die linksufrige Ukraine im 17. Jahrhundert
unter den Schutz der Zaren gestellt. Die Grenzen, die zwischen Russland
und der Ukraine völkerrechtlich weiter bestehen, sind die Grenzen
Russlands mit Polen-Litauen vor der Mitte des 17. Jahrhunderts. Aus
russischer, imperialer Sicht sind das alles verlorene Territorien, die man
zurückgewinnen will, genauso wie das Baltikum, letztlich auch
Zentralasien, Belarus oder den Kaukasus – das alles waren Teile des
Russischen Imperiums. Die auf diesen Gebieten jetzt bestehenden Staaten
hält Putin für illegitim, insbesondere, wenn sie wie die Ukraine und
anders als Russland demokratisch regiert sind. Dieses autokratische
Russische Imperium ist in den Texten Putins von zentraler Bedeutung. Er
beruft sich zudem auf Jalta, und damit auf die Teilung Europas zwischen
den Siegermächten in Einflusssphären, auch das ist imperiale Politik. Sie
wurde mit großer Mühe und auch unter Mitwirkung der Sowjetunion und später
Russlands abgelöst durch die KSZE und OSZE, d.h. durch eine im Völkerrecht
begründete, seit 1991 demokratisch legitimierte Argumentation. Alle
Grenzen Europas sind künstlich, es gibt keine seit Ewigkeiten bestehenden
und schon gar nicht ethnisch homogene Bevölkerungen nationaler Art in
Europa. Unsere heutigen Grenzen sind Resultate von Kriegen. Sie stehen
dann zur Diskussion, wenn jemand eine dieser Grenzen einseitig und
ungestraft verändern kann. Das ist eine imperiale Logik des 18. und 19.
Jahrhunderts, die man mit völkerrechtlichen Regeln eigentlich überwinden
wollte. Dabei ist es aus völkerrechtlicher Sicht völlig irrelevant, wie
alt ein Staat ist. Es geht nur darum, dass er von der Staatengemeinschaft
in seinen Grenzen anerkannt ist: sobald das zutrifft, sind diese Grenzen
sakrosankt. In dieser Logik sind alle Staaten gleichberechtigt, Russland
und Estland oder eben die Ukraine: Kein Staat hat ein Anrecht auf Gebiete
jenseits der bestehenden Grenzen. Auf diesem Prinzip ist die europäische
Friedensordnung aufgebaut, gegen die die Russische Föderation in
Transnistrien, Georgien (Abchasien und Südossetien) und in der Ukraine
seit Jahren verstößt, ja immer drastischer gegen sie vorgeht.

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Kongress-Messe LightCon: multifunktionale Leichtbaulösungen aus dem Fraunhofer LBF

Leichtbau macht Produkte wettbewerbsfähig und nachhaltig. Ihre Sicherheit
und zuverlässige Funktion muss dabei gewährleistet sein. Forschende aus
dem Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit
zeigen auf der neuen Kongress-Messe »LightCon« vom 1. bis 2. Juni in
Hannover völlig neue Ansätze des nachhaltigen und zuverlässigen Leichtbaus
(Halle 19, Stand B18). Mit dem »Batteriegehäuse im Schachbrettdesign« und
der »nachhaltigen Transportbox« und »Vibroakustischen Metamaterialien«
präsentieren sie Beispiele für effiziente Fertigungsverfahren und
funktionsintegrierte, umweltfreundliche Leichtbaulösungen. Ebenso ein
Vortrag am 1. Juni um 14.15 Uhr.

Nachhaltiger Leichtbau bedeutet innovative Zukunftstechnologie. Die
Forschenden am Fraunhofer LBF gehen bewusst immer stärker an die Grenzen
des Machbaren. Dabei entstehen eigenschaftsoptimierte, besonders leichte
Strukturlösungen für den funktionsintegrierten, intelligenten Leichtbau -
immer unter Berücksichtigung von Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und
Bezahlbarkeit der technischen Produktlösung.

Leichtes Batteriegehäuse: neues Fertigungsverfahren für integriertes
Thermomanagement

Forschende aus dem Fraunhofer LBF haben ein kosteneffizientes Leichtbau-
Batteriegehäuse aus polymerbasierten Werkstoffen entwickelte. Die
Gehäusestruktur besteht aus einem Polymerschaumkern und
endlosfaserverstärkten Thermoplasten (CFRTP) als verstärkende
Deckschichten, die mit einem neuartigen Fertigungsverfahren verbunden
werden. Gegenüber herkömmlichen Aluminiumgehäusen konnte das Gewicht um
40% gesenkt werden. Zur Vorhersage des Bauteilverhaltens während der
Herstellung wurden verschiedene Simulationsmethoden entwickelt. Die
Sicherheit und Zuverlässigkeit des Batteriegehäuses wird anhand
realitätsnaher Anforderungen im Fraunhofer LBF untersucht. Über die
Entwicklungen des Projekts »GHOST« informiert eine eigene Webseite unter
www.lbf.fraunhofer.de/ghost.

Dr. Christian Beinert, Experte für Leichtbau am Fraunhofer LBF,
präsentiert mit seinem Vortrag: »Lightweight, safe, and sustainable:
Challenges of thermoplastic composites used for battery housings« mehr
dazu am 1. Juni um 14.15 Uhr im Rahmen der Konferenz.

Thermisch isolierende Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen und
Rezyklaten

Eine Forschergruppe aus dem Fraunhofer LBF hat neuartige Lösungen für
nachhaltige Transportboxen entwickelt. Um eine ultraleichte Lösung zu
demonstrieren, wurde eine Box mit additiv gefertigten bionischen
Strukturen in Kombination mit kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffen
gebaut. Die Integration von Crash-Strukturen ist für den Transport
empfindlicher Lasten möglich. Da diese Boxen noch nicht nachhaltig sind,
konstruierte sie auch eine ökologisch sensible Lösung, aus 100 Prozent
natürlichen Bestandteilen: eine Box mit Biomaterialkombinationen,
beispielsweise aus Wiesengras mit Flachsfasern, gebunden mit Biopolymer.
Boxen können auch aus 100 Prozent Recycling-Materialien bestehen, die im
Sandwichaufbau gefertigt werden. Die äußeren Schichten sind aus
rezykliertem PET (Polyethylenterephthalat) oder aus Organoblech aus
naturfaserverstärktem rezyklierten PP (Polypropylen). Für den Innenbereich
eignen sich Polyurethan, Korkschrott, Altmatratzen oder auch
Reißfaservlies aus Alttextilien. Aufgrund ihrer isolierenden Eigenschaften
sind die im Fraunhofer LBF entwickelten Boxen ideal für den Transport von
beispielsweise warmen Mahlzeiten geeignet.

Neben der Anwendung in Transportboxen für Lastenfahrräder sind die neuen
Materialien vielseitig einsetzbar, etwa für Thermomanagement im
Fahrzeuginterieur oder als Verkleidungselemente in Bussen und Bahnen. Auch
der Bausektor kann profitieren oder die Möbel-, Sport- und
Freizeitbranche.

Neue Leichtbaupotenziale durch vibroakustische Metamaterialien

Damit Maschinenbau und Mobilität noch wirtschaftlicher werden, müssen die
dort eingesetzten Komponenten effizienter hergestellt und leichter
gestaltet sein. Bei solchen Konstruktionen treten jedoch oft
Schwingungsprobleme auf. Im Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und
Systemzuverlässigkeit LBF werden Anwendungen mit vibroakustischen
Metamaterialien für das optimierte strukturdynamische Verhalten
entwickelt. Vibroakustische Metamaterialien stellen eine neuartige
Maßnahme zur Schwingungsminderung dar und versprechen Vorteile in der
Beeinflussung des Schwingungsverhaltens gegenüber konventionellen
Maßnahmen. Beispiele gibt es auf der LightCon und Hannover Messe
(Fraunhofer-Stand Halle 5, Stand A06) zu sehen.

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Erste Hilfe für Deutschlands Wohlstand

Deutschlands Wohlstand ist in Gefahr. Dieses düstere Bild malt die Studie
Perspektiven 2030 der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Deloitte. Mehr
erwerbstätige Frauen, mehr Digitalisierung und mehr Firmengründungen
können das Blatt jedoch wenden. Woran scheitert es und womit können
Politik und Wirtschaft den Turbo zünden? Prof. Dr. Petra Arenberg, Prof.
Dr. Stefan Müller und Prof. Dr. Bernhard Küppers von der SRH
Fernhochschule – The Mobile University zeigen Perspektiven auf.

Frauen mehr Arbeitszeit ermöglichen
Frauen haben ein hohes Bildungsniveau und ihre Einarbeitung gelingt
leicht. Die durchschnittliche Arbeitszeit von Frauen ist aber wegen
Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitquoten niedrig. Kein Wunder bei
mangelnder Kinderbetreuung oder eingeschränkten
Wiedereinstiegsperspektiven. Unternehmen müssen weit mehr als gute
Bezahlung oder Homeoffice-Regelungen anbieten. Eltern brauchen Sicherheit,
dass ihre Kinder betreut sind. Prof. Dr. Petra Arenberg forscht zu
Karrierehindernissen von Frauen und meint: „Hier sind Arbeitgeber mit der
Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen, Unterstützung im
Krankheitsfall, zum Beispiel durch ausreichende Personalreserve und
Kindernotfallbetreuung, oder Sonderurlaub gefordert. Eine Haushaltshilfe,
Fahrservices und vor allem eine individuelle Gestaltung der Arbeitszeiten
und des Arbeitsortes schaffen ebenfalls Anreize.“

Innovationen als Schlüssel in der Digitalisierung
Der Ausbau der digitalen Infrastruktur hierzulande läuft schleppend. Im
weltweiten Vergleich weist Deutschland allerdings immer noch einen hohen
Anteil an Produkt- und Technologie-Innovation auf. Um die
Wettbewerbsfähigkeit in der digitalen Welt nicht zu verlieren, muss
Deutschland mit Nachdruck grundlegende Infrastrukturen für Bereiche wie
E-Commerce, FinTech, Smart Cities und Bildungstechnologien (EdTech)
schaffen. Prof. Dr. Stefan Müller, Experte für Digitalisierung, weiß:
„Gerade in der digitalen Ökonomie wandelt sich auch die Innovation.
Innovation im Bereich Prozesse, Services, Customer Experience und
Geschäftsmodellen gewinnt an Bedeutung. Es gilt die Innovationskraft
insbesondere in "neuen" Innovationsbereichen zu stärken.“

Köpfe vor Kapital bei Unternehmensgründungen
Liegt der Schlüssel im Kapital oder den Köpfen? Die Rahmenbedingungen für
Innovationen und Start-ups in Deutschland sind weltweit führend. Kapital
ist vorhanden, die Wirtschaft intakt und Kaufkraft bei den privaten
Haushalten vergleichsweise hoch. Herausforderung ist es, die besten Köpfe
zu finden und zu ermutigen, ihre Vision zu verwirklichen. Prof. Dr.
Bernhard Küppers, Experte für Entrepreneurship, dazu: „Gute Köpfe findet
man, indem man sie machen lässt. Eine Idee ist nur so gut, wie sie
umgesetzt wird. Ein entsprechendes Ökosystem für Entrepreneure ist das A
und O. Entrepreneurship muss in die Lehre integriert und die Gründung
frühzeitig durch Profis gefördert werden.“

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Politikberatung im deutsch-polnischen Vergleich – Europa-Universität lädt zu internationaler Konferenz

Wo verläuft die Grenze zwischen wissenschaftsbasierter Politikberatung und
Lobbyismus? Und wie unterscheidet sich die politische Expertenkultur in
Polen und Deutschland? Diesen Fragen geht die Konferenz
„Politikberater*innen und Lobbyist*innen im politischen
Entscheidungsprozess. Politische Expertenkultur im Vergleich“ nach, die am
Mittwoch, dem 1. Juni 2022, von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr, im Collegium
Polonicum in Słubice stattfindet.

Die Professur für Vergleichende Politikwissenschaft der Europa-Universität
Viadrina Frankfurt (Oder) und die Fakultät für Politikwissenschaft und
Journalismus der Adam-Mickiewicz-Universität (AMU) laden gemeinsam zu der
öffentlichen Veranstaltung ein.

„Obwohl in Polen und Deutschland Lobbyismus in der Öffentlichkeit eine
durchaus negative Konnotation hat, wird dieser in Deutschland überwiegend
als Teil der weitgefassten und legitimen Politikberatung aufgefasst. In
Polen hingegen wird stark differenziert zwischen wissenschaftsbasierter
Politikberatung und interessengeleitetem Lobbying“, beschreibt Dr. Artur
Kopka eine Erkenntnis des 2016 gestarteten Forschungsprojektes, das mit
der Konferenz seinen Abschluss findet.

Dr. Artur Kopka (Viadrina) und Prof. Dorota Piontek (AMU) haben mit ihren
Teams die politische Entscheidungsfindung untersucht und nach den
Maßstäben von Legitimität und Legalität von Politikberatung gefragt. Die
Konferenz stellt in vier Diskussionsrunden die Projektansätze und
Forschungsergebnisse vor. Im Fokus stehen die Rolle der Medien bei den
Beratungsprozessen, die unterschiedlichen Beratungsressourcen der
Abgeordnetenbüros und die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung an
politischen Konsultationsprozessen.

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Interessierte sind herzlich
eingeladen, an der Veranstaltung live vor Ort oder per Livestream
teilzunehmen. Eine Anmeldung ist erforderlich; Konferenzsprachen sind
Deutsch, Polnisch und Englisch. Alle Vorträge und Diskussionsrunden werden
simultan gedolmetscht.

https://wim.amu.edu.pl/de/anmeldung/

Hintergrund

Das 2016 gestartete, zweiteilige Forschungsprojekt „‘Wissen ist Macht‘:
Grenzen der Politikberatung und des Lobbyismus im politischen
Entscheidungsprozess“ wird von der Deutsch-Polnischen
Wissenschaftsstiftung gefördert.
Im ersten Teil des Projektes konzentrierten sich die Wissenschaftler
zunächst auf die Wahrnehmung von deutschen und polnischen
Parlamentsabgeordneten. In einem zweiten Schritt rückte die Perspektive
der beratenden Expertinnen und Experten in den Fokus. Deutschland und
Polen dienen als Fallbeispiele für das Verhältnis „alter“ und „neuer“
Mitglieder der Europäischen Union, sodass die festgestellten Befunde eine
Forschungsgrundlage für eine auf weitere Länder bezogene vergleichende
Forschung darstellen können.

https://wim.amu.edu.pl/de/startseite/

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