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Bald spannende Touristenattraktion? Studierende der HBC vermessen Burgruine Hohengenkingen

Um ein Höhenprofil des Geländes erstellen zu können, haben Studierende der HBC verschiedene Vermessungen durchgeführt.  Hochschule Biberach
Um ein Höhenprofil des Geländes erstellen zu können, haben Studierende der HBC verschiedene Vermessungen durchgeführt. Hochschule Biberach

Stein oder doch Mauerüberrest? Vor dieser Frage standen 70 Studierende des
Studiengangs Bauingenieurwesen im vergangenen Semester des Öfteren. Sie
haben das Gelände rund um die Burgruine Hohengenkingen - bei der Gemeinde
Sonnenbühl im Landkreis Reutlingen - vermessen. Von der einstigen Burg,
die vermutlich im 12. Jahrhundert vom Ortsadel Genkingen, Angehörigen der
Grafen von Achalm, erbaut wurde, ist aufgrund eines Brandes nicht mehr
viel übrig geblieben. Vermessungsarbeiten und archäologische Unterschungen
sollen nun Aufschluss darüber geben, wie die Burg einmal aussah und sie
für die Region attraktiv machen.

Auf den ersten Blick ist es ein gewöhnlicher, dicht bewachsener Waldhang.
Hier ein paar bemooste Steine und Felsen, da ein kleiner Graben. Doch wer
genauer hinsieht, erkennt auf der Bergkuppe, die etwa 1,5 Kilometer
südöstlich von Genkingen, einem Teilort von Sonnenbühl (Landkreis
Reutlingen) liegt, Mauerüberreste. Überreste der Burg Hohengenkingen -
eine von drei Genkinger Burgen. Genaue Daten zur Burg sind nicht bekannt,
es wird aber vermutet, dass die Burg im 12. Jahrhundert vom Ortsadel
Genkingen, Angehörigen der Grafen von Achalm, erbaut wurde. Um mehr über
die Höhenburg zu erfahren und sie bekannter zu machen, hat die Gemeinde
Sonnenbühl diverse Untersuchungen in Auftrag gegeben. So führen
Studierende des Studiengangs Bauingenieurwesen der Hochschule Biberach
(HBC) Vermessungsarbeiten an der Burgstätte durch.

„Unsere Aufgabe war es, das Gebiet mit zwei unterschiedlichen
Messverfahren zu vermessen. Dem tachymetrischen Messverfahren und dem
terrestrischen 3D-Laserscanning“, erklärt Lukas Bühler, der im dritten
Semester Bauingenieurwesen studiert und am Projekt beteiligt war. An vier
Terminen haben 70 Studierende das Gelände untersucht. Beim tachymetrischen
Messverfahren hat das Projektteam einzelne Punkte des Geländes, der
Höhenlage der Mauerreste und der ersichtlichen Wege aufgenommen, um einen
Geländeplan zu erstellen. „Beim 3-D-Laserscanning haben wir mit Hilfe des
Geräts eine Million Punkte pro Sekunde aufgenommen, wodurch eine sehr
große Datenmenge zustande kam“, so Matthias Hillebrand, der ebenfalls im
dritten Semester studiert. Mithilfe des Verfahrens und der gewonnen Daten
soll ein digitaler Zwilling erstellt werden, der es ermöglicht, sich
ortsunabhängig einen Überblick vom Gelände zu verschaffen.

Bisher frei verfügbare Informationen zur Burg sind unstimmig und häufig
falsch. Lesefunde erlauben es aber, die Laufzeit der Anlage auf die Zeit
zwischen 1200 und dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts einzugrenzen.
Man geht davon aus, dass die Burg eines Tages abgebrannt ist. Sowohl
verbrannte Mauerreste und Mörtel als auch verbrannte Holzziegel im Schutt
belegen dies. Gerade das fehlende Wissen habe den Studierenden vor Ort ein
wenig Schwierigkeiten bereitet: „Manchmal war es nicht ganz einfach zu
erkennen, ob es sich nun um einen Stein oder einen Mauerrest handelt“,
gibt Hillebrand zu. Und auch das steile Gelände sei zum Vermessen
„herausfordernd“ gewesen, nennt sein Kommilitone Felix Hund eine weitere
Schwierigkeit. Unterstützung erhielten die Studierenden stets von Prof.
Dr. Hans Quasnitza, Professor für Vermessungskunde an der Hochschule
Biberach, der vorab in Vorlesungen auf das besondere Vorhaben vorbereitet
hatte und auch vor Ort bei den Vermessungen mit seinem Expertenwissen den
Projektgruppen zur Seite stand. Vor allem die Nutzung der Geräte in der
Praxis, die sie zuvor nur aus den theoretischen Vorlesungen kannten, habe
den Studierenden Spaß gemacht. Das praktische Arbeiten ist ein großer
Bestandteil des Studiums und wichtige Voraussetzung für den Start ins
Berufsleben.

Mit ihren Vermessungen haben die Studierenden eine Grundlage geschaffen,
die für eine weitere konzeptionelle Planung wichtig ist. Die Gemeinde
Sonnenbühl erhofft sich nun weitere Antworten auf ihre Fragen, um die Burg
in die Region reintegrieren zu können. Wie kann das Bodendenkmal erhalten
werden, wie wird mit den übriggebliebenen Mauerresten umgegangen und
machen weitere Ausgrabungen Sinn? Denn zukünftig soll auf dem von dichtem
Wald umgebenen Gelände noch mehr geforscht werden. Es könnte sich ein
interdisziplinäres Projekt entwickeln, welches weiteren Hochschule und
Universitäten die Möglichkeit gibt, sich an der Forschung zu beteiligen.

Der Reutlinger „Zeit“-Journalist Wolfang Bauer, der aus der Gemeinde
Sonnenbühl kommt, gilt als Triebfeder des Projekts. Er hat eine Zeit lang
in Undingen gewohnt und die Ruine habe ihn nicht mehr losgelassen.
Gemeinsam mit Dr. Mathias Hensch vom Landesamt für Denkmalpflege im
Regierungspräsidium Stuttgart (LAD) und dem freiberuflichen Archäaologen
Dr. Sören Frommer soll nun die Geschichte und die historische Bedeutung
der Anlage erforscht werden. Neben der Hochschule Biberach ist auch die
Universität Tübingen mit ihrem Institut für Geschichtliche Landeskunde und
Historische Hilfswissenschaften beteiligt.

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H2Wood – BlackForest: Biowasserstoff aus Holz | BMBF fördert Vorhaben zur Einsparung von CO2 mit 12 Millionen Euro

Aus Holzabfällen sollen im Projekt H2Wood – BlackForest Biowasserstoff und biobasierte Koppelprodukte entstehen.  Jochen Weiblen  © Leins Aktenvernichtungs GmbH
Aus Holzabfällen sollen im Projekt H2Wood – BlackForest Biowasserstoff und biobasierte Koppelprodukte entstehen. Jochen Weiblen © Leins Aktenvernichtungs GmbH

Eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft auf der Basis von Holz ist das Ziel
des Verbundprojekts »H2Wood – BlackForest«, das vom BMBF mit 12 Millionen
Euro gefördert wird. Hierfür entwickelt das Fraunhofer IGB ein
biotechnologisches Verfahren, um aus Holzabfällen Wasserstoff und
biobasierte Koppelprodukte herzustellen. Beim Projektpartner Campus
Schwarzwald in Freudenstadt wird das Verfahren in einer eigens dafür
ausgelegten Anlage demonstriert. Um aufzuzeigen, wie der regenerative
Energieträger durch lokale Betriebe und Energieversorger genutzt werden
kann, erstellen Fraunhofer IPA und die Universität Stuttgart im Projekt
eine Wasserstoff-Roadmap für die Schwarzwaldregion.

Holz ist das wichtigste Wirtschaftsgut des Schwarzwalds. Bei der
Verarbeitung zu Möbeln und Baustoffen, aber auch beim Abbruch von Gebäuden
fallen regional beachtliche Mengen an Holzabfällen an. Diese werden
derzeit zum Teil kostenintensiv entsorgt und in Holzverbrennungsanlagen
allenfalls energetisch genutzt.

Auf der anderen Seite gilt »grüner« Wasserstoff (H2), der mittels
Elektrolyse von Wasser mit erneuerbaren Energien hergestellt wird, als
Schlüsselelement der Energiewende. Der Bedarf an regenerativ erzeugtem
Wasserstoff für eine klimafreundliche Wirtschaft in Industrie, Verkehr und
Wärmeversorgung ist enorm. Deutschland und Europa setzen daher vor allem
auf Wasserstoffimporte aus südlichen Ländern mit ganzjährig ausreichender
Sonneneinstrahlung.

Seit August 2021 schlägt die Region Schwarzwald einen neuen Weg ein, der
die Nutzung regionaler Holzabfälle mit der Herstellung von regenerativem
Wasserstoff verbindet. »Nach dem Ansatz der Bioökonomie wollen wir
mithilfe biotechnologischer Prozesse klimaneutralen Biowasserstoff sowie
zusätzlich verwertbare Stoffe wie Carotinoide oder Proteine aus Altholz
und Holzabfällen herstellen«, erläutert Dr. Ursula Schließmann vom
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, die
das Verbundvorhaben »H2Wood – BlackForest« koordiniert. Das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt zur
Kreislaufwirtschaft regionaler Ressourcen in der Region Schwarzwald bis
Mitte 2024 mit rund 12 Millionen Euro. Partner im Forschungsverbund sind
neben dem Fraunhofer IGB auch das Fraunhofer-Institut für
Produktionstechnik und Automatisierung IPA, das Institut für industrielle
Fertigung und Fabrikbetrieb IFF der Universität Stuttgart sowie das
Centrum für Digitalisierung, Führung und Nachhaltigkeit Schwarzwald gGmbH
(Campus Schwarzwald).


Kaskadennutzung von Holz ermöglicht Klimaneutralität

»Ziel der Initiative ist es, mithilfe eines umfassenden Konzepts für eine
nachhaltige und innovative Versorgung des Schwarzwalds mit Biowasserstoff
CO2-Emissionen einzusparen und die Region bei der Erreichung ihrer
Klimaziele zu unterstützen«, führt Stefan Bogenrieder, Geschäftsführer von
Campus Schwarzwald, aus. Kohlenstoffdioxid wird dabei auf zweierlei Wegen
eingespart: Zum einen ersetzt der regenerative Biowasserstoff bisherige
fossile Energieträger, zum anderen werden Rest- und Altholz nicht nur
Wasserstoff liefern. Durch den neuen biotechnologischen Ansatz wird die
energetische Verwertung der Holzabfälle zu Wasserstoff mit einer
stofflichen Nutzung verknüpft. »Das aus dem Holz freigesetzte CO2 wird in
Form von kohlenstoffbasierten Koppelprodukten gebunden und damit zurück in
den natürlichen Kohlenstoffkreislauf geführt«, erläutert Umweltexpertin
Schließmann.


Eine Wasserstoff-Roadmap für die Region Schwarzwald

Welche Mengen an Rest- und Altholz fallen im holzverarbeitenden Gewerbe
und den Kommunen überhaupt an, wieviel Wasserstoff ließe sich daraus
erzeugen und wie groß wäre das Einsparpotenzial an CO2-Emissionen? Diesen
Fragen geht das Projektteam in Potenzialanalysen auf den Grund. Zugleich
untersuchen die Partner, wie der erzeugte Wasserstoff am besten
gespeichert, transportiert und genutzt werden kann. Denn Wasserstoff ist
nicht nur flexibler Energiespeicher, sondern auch als Kraftstoff für
Fahrzeuge, Brennstoff für Hochöfen und Brennstoffzellen sowie als
Grundstoff für zahlreiche industrielle Prozesse und chemische
Folgeprodukte einsetzbar.

»Hierzu analysieren und bewerten wir den Energieverbrauch der Industrie,
der Haushalte sowie des Nah- und Fernverkehrs und leiten daraus Potenziale
einer dezentralen Wasserstofferzeugung und -nutzung innerhalb der Region
Schwarzwald ab«, sagt Dr. Erwin Groß vom Fraunhofer IPA. »Die Ergebnisse
aller Erhebungen und Berechnungen fassen wir in einer Wasserstoff-Roadmap
für die Region Schwarzwald zusammen«, so Groß.


Verfahren und Demonstrationsanlage zur Produktion von Biowasserstoff

Bislang existiert keine Anlage, die Biowasserstoff in größerem Maßstab
herstellt. Am Fraunhofer IGB werden daher die dazu notwendigen Prozesse
entwickelt und experimentell untersucht, bevor sie in einer integrierten
Anlage am Campus Schwarzwald in Freudenstadt umgesetzt werden können. Der
erste Schritt und Voraussetzung für die biotechnologische Umwandlung ist
die Vorbehandlung des Alt- und Restholzes.

»Wir stehen hier vor einer ziemlichen Herausforderung, denn Holzabfälle
aus Hausabbruch, Möbelbau und Baustoffproduktion, darunter Span- oder MDF-
Platten, enthalten Klebstoffe wie Harze und Phenole oder auch Lacke. Diese
chemischen Bestandteile müssen wir zunächst entfernen, damit die Bakterien
und Mikroalgen, also die Akteure der biotechnologischen
Wasserstoffproduktion, ihre Arbeit erledigen können«, erläutert
Schließmann. Zudem muss das Holz noch in seine Bausteine zerlegt und die
hierbei gewonnene Cellulose in einzelne Zuckermoleküle gespalten werden,
welche den wasserstoffproduzierenden Mikroorganismen als Futter dienen.

Für die biotechnologische Umwandlung der Holzzucker werden am Fraunhofer
IGB zwei Fermentationsverfahren etabliert und miteinander verknüpft. Das
eine setzt auf wasserstoffproduzierende Bakterien, welche die Zuckerarten
zu CO2, organischen Säuren und Ethanol verstoffwechseln. Die
Stoffwechselprodukte der Bakterien stellen die Nahrung für die Mikroalgen
dar. Diese synthetisieren daraus Carotinoide oder Proteine als
Koppelprodukte und setzen dabei ebenfalls Wasserstoff frei.

Zum Projekt

Das Projekt H2Wood – BlackForest wird vom 1. August 2021 bis zum 31. Juli
2024 mit einer Gesamtsumme von 12 Millionen Euro durch das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des
Ideenwettbewerbs »Wasserstoffrepublik Deutschland« gefördert.

Projektpartner

- Campus Schwarzwald
Der Campus Schwarzwald ist in der Region Schwarzwald der Ansprechpartner
für Lehre, Forschung und Technologietransfer der Maschinenbau- und
produzierenden Industrie mit Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung,
Führung und Nachhaltigkeit. Gemeinsam mit der Universität Stuttgart führt
der Campus die Experteninterviews zur Datenerhe-bung der
Wasserstoffkreislaufwirtschaft im Schwarzwald durch. Diese Interviews
bilden die Basis für weitere Konzepte der technischen Realisierung zur
Erzeugung von grünem Wasserstoff sowie deren wirtschaftlichen Verwertung.
Das im Projekt H2Wood – BlackFo-rest entstehende Umsetzungskonzept sieht
den Aufbau und den Verbundbetrieb der vom Fraunhofer IGB konzipierten
Anlage zur Erzeugung von Biowasserstoff zentral am Campus Schwarzwald in
Freudenstadt vor.

- Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB,
Stuttgart
Das Fraunhofer IGB entwickelt Verfahren, Technologien und Produkte für
Gesundheit, nachhaltige Chemie und Umwelt. Mit der Kombination
biologischer und verfahrenstech-nischer Kompetenzen und dem Systemansatz
der Bioökonomie trägt das Institut zu einer nachhaltigen
Kreislaufwirtschaft und intakten Umwelt bei. Im Projekt ist das Institut
für die Entwicklung und Realisierung der Demonstratoren zur Fraktionierung
und Verzucke-rung von Holz sowie zur biotechnologischen Konversion zu
Wasserstoff und CO2-basierten Koppelprodukten zuständig.

- Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA,
Stuttgart
Organisatorische und technologische Aufgaben aus der Produktion sind
Forschungs-schwerpunkte des Fraunhofer IPA. Methoden, Komponenten und
Geräte bis hin zu kompletten Maschinen und Anlagen werden entwickelt,
erprobt und umgesetzt. Ziel der Forschung des Instituts ist die
wirtschaftliche Produktion nachhaltiger und personalisierter Produkte. 16
Fachabteilungen arbeiten interdisziplinär, koordiniert durch sechs Ge-
schäftsfelder, vor allem mit den Branchen Automotive, Maschinen- und
Anlagenbau, Elektronik und Mikrosystemtechnik, Energie, Medizin- und
Biotechnik sowie Prozessin-dustrie zusammen.

- Universität Stuttgart, Institut für Industrielle Fertigung und
Fabrikbetrieb IFF
Das IFF ist eng mit dem Fraunhofer IPA verbunden und arbeitet in
gemeinsamen Projek-ten institutsübergreifend zusammen. Zudem lehrt und
forscht das IFF u. a. im Bereich der industriellen Produktion und
betrachtet hier verschiedene Energiesysteme. Hierbei spielen
Produktionsstrategien sowie Wertschöpfungsnetze eine ebenso große Rolle
wie neue Methoden der KI zur Flexibilisierung der Produktion und wie KI im
Produktionsum-feld flächendeckend zum Einsatz kommen kann. Das
Projektportfolio des IFF erstreckt sich dabei von der Erarbeitung
konkreter technologischer Lösungen über Simulationen und Konzeptstudien
bis zu Stakeholderprozessen und der Politikberatung.

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Der Inbegriff des Services oder Service inbegriffen, fragt sich Herbert Huber

Service inbegriffen. Vor 48 Jahren wurde das Trinkgeld eigentlich klar geregelt.
Service inbegriffen. Vor 48 Jahren wurde das Trinkgeld eigentlich klar geregelt.

Ab wann eigentlich ist in der Schweiz Service im Gastgewerbe inbegriffen? Und wie steht es heute mit den «Übertrinkgeldern» neudeutsch: Over Tipps? Vor Einführung «Service inbegriffen» im Jahre 1974 war die Verunsicherung in der Schweiz extrem gross. Sowohl beim Service-Personal als auch bei den Gästen. Es gab nämlich gar keine Regeln. Allmählich erhielt das Personal einen rechtlichen Anspruch auf zehn Prozent. Es sei oft entwürdigend gewesen, sagte eine Café-Angestellte damals der Presse, auf das Wohlwollen des Gastes angewiesen zu sein und gewissermassen als Bittsteller am Tisch zu stehen, bis das Trinkgeld ausgerechnet und bezahlt war.

Es war einmal

Startbereit für einen inbegriffenen Service
Startbereit für einen inbegriffenen Service

Auch wir haben diese Zeit erlebt. Als Angestellte und dann als Unternehmer. So verdiente ich zum Beispiel in den 1960iger Jahren als Kellner Praktikant 280 CHF pro Monat. Zusätzlich gab es aus der Trinkgeld Kasse (dieses musste man melden und abgeben, mit Datum versehen und von welchem Gast). Ein Verstoss gegen diese Regel konnte zur fristlosen Entlassung führen. Ende Monat wurde der ganze Betrag nach «Hierarchie» Punkten verteilt. Denn der «Maître» schaufelte ja weit mehr in das Kässeli als wir «Gangos».

Service inbegriffen
Service inbegriffen

Als wir 1967 selbständige Unternehmer wurden, herrschte ein föderalistisches Trinkgeld Chaos. Damals kostete ein Halbliter Epesses einen «Fünfliber» und ein «Füfzgi» war bereits ein fürstliches Trinkgeld. An den Wirte-Versammlungen ging es zu und her wie in Gotthelfs Chäserei in der Vehfreude . Ein Sündenfall sei es «Service inbegriffen» einzuführen. Man könne doch nicht den Gästen, ohne zu fragen, das Trinkgeld auf die Rechnung «tätschen». Man werde dann schon sehen, wie die Leistungen wie, aus dem Mantel helfen, oder an den Platz begleiten und freundlich lächeln bald einmal der Vergangenheit angehören täten. Die Luft im Versammlungs Säli war ob des von Villiger gesponserten Stumpen Rauches zum Abstechen dick. Nicht einmal das offerierte Zvieri Plättli und der kühlende Wein vermochten die erhitzten Gemüter abzukühlen.

Endlich Einigung in Sicht

Große Gruppe von Kellner und Kellnerinnen in der Reihe stehend
Große Gruppe von Kellner und Kellnerinnen in der Reihe stehend

Nun 1974 einigten sich der Wirte Verband, der Hotelier-Verein, die Organisation der alkoholfreien Betriebe mit der Gewerkschaft der Hotel- und Restaurant-Angestellten (Union Helvetia) darauf, «Service inbegriffen» einzuführen. Im Vertag stand aber auch «Dem Bedienungspersonal ist es untersagt, auf zusätzliche Bediengelder «auszugehen.»

Damals noch Serviertöchter genannt
Damals noch Serviertöchter genannt

Fazit: Es ist heute üblich, dass der «zufriedene» Gast aufrundet. Mit Betonung auf «zufriedener» Gast. Doch niemand ist verpflichtet dies zu tun. Schlechter Stil ist es, wenn sich der Gast bei mangelhaftem Service mit Kleinstbeträgen rächt: Dann sollte er lieber gar nichts geben. Ausserdem: «Man bestraft guten Service nicht mit Trinkgeld-Entzug wegen schlechter Küche». Durchaus stilvoll ist es, die gastgeberischen Leistungen auch verbal zu loben.

Nennt man sie heute immerhin  Kellnerinnen, auch mal einfach Bedienung
Nennt man sie heute immerhin Kellnerinnen, auch mal einfach Bedienung

So lässt man die «Overtipps» bar auf dem Tisch liegen oder legt sie in die Mappe oder auf den Teller mit der Rechnung. Es sind meistens 5 – 10 % des Rechnungsbetrages.  Bei Bezahlung mit Kreditkarte gebe ich zum Beispiel das Trinkgeld separat. Kommt die Küche zu kurz? In einem Betrieb, wo harmonischer Teamgeist gelebt wird, landen die «Overtipps» in einem separaten Kässeli. Entscheidet der Arbeitgeber über die Verteilung, braucht es aber die Zustimmung aller Mitarbeitenden. Somit kann sichergestellt werden, dass diese immer gleich und fair abläuft.

Trailer zum Schweizer Film  “Service inbegriffe”

https://youtu.be/uVVfAlV3rwY?t=12

Text www.herberthuber.ch

Fotos: www.pixelio.de

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www.gabrielabucher.ch    www.leonardwuest.ch www.maxthuerig.ch

Service inbegriffen 1
Service inbegriffen
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Konzert Reihe Luzern #Zeugheersaal 3. Konzert “Arabischer Sommer” | Steinway Prizewinner Concert, 3.4.2022, besucht von Léonard Wüst

Steinway Prizewinner Concert Impression Foto Fabrice Umiglia
Steinway Prizewinner Concert Impression Foto Fabrice Umiglia

Besetzung und Programm:
Claire Huangci Piano
Daniel Dodds Violine
Dominik Fischer Viola
Alexander Kionke Violoncello
RICHARD STRAUSS
“’s Deandl is harb auf mi” für Streichtrio TrV 109
RICHARD STRAUSS
Arabischer Tanz für Klavierquartett TrV 169
HANS SOMMER
Klavierquartett g-Moll (1870/1884), schweizerische Erstaufführung
ROBERT SCHUMANN
Klavierquartett Es-Dur op. 47

Allgemeines zu Kammermusik

Kammermusik ist die Königin der schönen Künste. Das intime Zusammenspiel im kleinen Ensemble schult das Gehör, fördert die Empathie, trainiert die Synchronität und hält für die Mitwirkenden wahrlich erhabene emotionale Momente bereit. Der Mensch als soziales Wesen gelangt hier zur vollen künstlerischen Entfaltung und erlernt in feinsten Nuancen, was sich später zum Beispiel auf das Zusammenspiel in einem Orchester in positivster Weise übertragen lässt.

Passendes Ambiente für Weltklassemusikerlebnis

Daniel Dodds Violine und Leitung
Daniel Dodds Violine und Leitung

Im prächtigen Zeugheersaal  kann man sich sehr gut vorstellen, welche Atmosphäre jeweils in den feudalen Salons der «Haute Volée» in Paris, Wien, Berlin, Prag oder Budapest entstand, wenn die begüterten Gastgeber zu einer Kammermusik Soirée baten. Etwas, was sich auch , wenn halt in kleinerem und anderem Rahmen, die letzten zwei Jahre während der Pandemie, in abgeänderter Form zutrug. So gaben Popgrössen und YouTube Stars online per livestream Konzerte für eine erlesene Schar ihrer Fans und Followers, ab und zu gar exklusiv für einzelne Personen, es gab auch Musiker*innen, die in Privatwohnungen physisch präsent Konzerte gaben.

Konzert auch zu sehr «kundenfreundlicher» Zeit

Pianistin Claire Huangci Foto Mateusz Zahora
Pianistin Claire Huangci Foto Mateusz Zahora

Die Kammermusikkonzertreihe der Festival Strings Lucerne hat sich bereits sehr gut etabliert und kommt bei Musikliebhaber*innen sehr gut an. Auch die Aufführungszeit um 17.00 Uhr ist ideal, so bleibt auch noch Zeit um anschliessend mit einem feinen Nachtessen den Sonntag perfekt zu machen.

Intendant Hans –  Christoph Mauruschat begrüsste die zahlreich erschienenen Gäste und zeigte sich erfreut, dass man jetzt wieder im «normalen» Modus konzertieren könne, was natürlich das Konzerterlebnis für Besucher wie auch für Musizierende erheblich erfreulicher mache.

Richard Strauss “’s Deandl is harb auf mi” für Streichtrio TrV 109

So «harb» (Altweaner Ausdruck für bös) war das etwa sechseinhalbminütige Werk überhaupt nicht, im Gegenteil erfreuten die typisch Strauss’ schen  Klänge die Konzertbesucher mit der musikalischen Umsetzung der Lebensfreude der Donaustädter, dies noch ohne Mittun der Pianisten, die sich aber auch schon auf ihren Hocker am Konzertflügel gesetzt hatte und so startbereit war für ihr mitspielen im nun folgenden kurzen akustischen Ausflug in den Orient.

Richard  Strauss Arabischer Tanz für Klavierquartett TrV 169

Alexander Kionke Violoncello
Alexander Kionke Violoncello

Der Festmarsch D-Dur TrV 136 (von 1884?) zur silbernen Hochzeit seiner Großeltern (mit einem dem Ständchen eng verwandten Trio) ist ein frischer Vorbote der späteren Märsche aus den 1920er-Jahren. Die Zwei Stücke TrV 169 wurden 1893 kurz nach dem ‘Guntram’ in Weimar komponiert und zeigen einen gänzlich anderen Komponisten, insbesondere die Nummer 1, ‘Arabischer Tanz’. Man hat das Gefühl, hier beweist uns einer schon vor 120 Jahren, was Multi-Kulti, was Crossover bedeutet – hier fühlen sich die Streicher, die kongenial von der Pianistin unterstützt werden, sichtlich in ihrem Element und agieren entsprechend schwungvoll bei dem rasanten Kamelritt durch die Sanddünen der Wüste. . Egal wem Sie diese Miniatur vorlegen – kaum jemand wird auf den Namen des Komponisten kommen.

 

 

 

 

 

 

Hans Sommer Klavierquartett g-Moll , schweizerische Erstaufführung

Dominik Fischer Viola
Dominik Fischer Viola

Da noch nie gehört, schwierig zu beurteilen, aber immer spannend, bis anhin wenig beachtete Perlen deutschen Musikschaffens zu entdecken und mutig, ebensolche zu programmieren.Das Werk gefällt durch einen schönen Dialog zwischen Streichern und Klavier. Der zweite Satz ist sehr lyrisch, und es gibt in ihm längere Solopassagen für das Klavier. Sommers Tonsprache klingt einem gänzlich vertraut in den Ohren. Zwar entstand das Stück zwischen 1870 und 1884, also in unmittelbarer Nähe zu den Klavierquartetten op. 25 und 26 von Johannes Brahms, sein Stil steht aber vor allem in deutlicher Nähe zu Beethoven. Die Behandlung der Streichinstrumente lässt immer wieder an dessen späte Streichquartette denken und die solistischen Stellen des Klaviers, z. B. der Beginn des zweiten Satzes, wecken immer wieder Assoziationen an Beethovens Sonatenschaffen. Das Stück zeichnet sich mitunter aber auch durch einen sehr elegischen und schwärmerischen, „romantischen“ Ton aus. Äußerst auffällig sind kontrapunktisch gestaltete Passagen, die immer wieder in eine vollstimmige Akkordik oder in ein Unisono münden. Man wird, sofern einem dieses Urteil beim ersten Hören zusteht, Sommers Klavierquartett wohl kaum ein besonders innovatives Werk nennen können, aber seine Mittel beherrscht er souverän und bringt sie mit großem Klangreiz zur Wirkung, ein Reiz, der aber beim eher unscheinbaren, unspektakulären  Finale völlig fehlt und den Effekt hat, dass kaum jemand mitbekommt, dass hier das Werk endet und so das applaudieren vergisst, was wiederum die ausgezeichneten Musiker sichtlich verwirrt und ratlos dastehen lässt, bevor sie sich hinter der Bühne  in eine kurze Pause begeben.

ROBERT SCHUMANN Klavierquartett Es-Dur op. 47

„Schrecklich schlaflose Nächte – wie immer!“ und fünf Wochen intensiven Komponierens verdankt das Klavierquartett Es-Dur op. 47 sein Entstehen. Dennoch ist das Werk kein rauschafter Abschluss von Robert Schumanns sogenanntem Kammermusikjahr 1842 geworden, sondern ein zurückgenommener, fast schon verträumter Blick ins Innere des Komponisten. Hier ist wenig von der Opulenz des kurz vorher entstandenen Klavierquintetts op. 44 zu spüren – trotz der gemeinsamen Tonart Es-Dur.

Zurückhaltende, trotzdem expressive Kammermusik

Claire Huangci Foto Fabrice Umiglia
Claire Huangci Foto Fabrice Umiglia

Kein triumphales Zurschaustellen klanglicher Möglichkeiten, kein Klavierkonzert mit obligatem Streichquartett: mit einer Stimme weniger schafft Schumann im Klavierquartett mehr Kammermusik. Ein ebenso zartes wie dichtes Gewebe wird hier gesponnen; Streicher und Klavier verschmelzen – ganz ohne pianistische Vorherrschaft – zu einem organischen Gesamtklang. Mal ein schöner Dialog von Alexander Kionkes Cello und Claire Huangcis Klavier, gefolgt von einem akustischen Flirt der Pianistin mit Daniel Dodds an der Violine. Ebenso schrieb Robert Schumann auch ein paar schöne Sequenzen für die Viola von Dominik Fischer in die Partitur.

Clara Schumann, die das Werk zusammen mit dem Geiger Ferdinand David und Niels Wilhelm Gade an der Bratsche aus der Taufe hob, war „wahrhaft entzückt von diesem schönen Werke, das so jugendlich.“ Die vier Protagonist*innen auf der Bühne agierten äusserst souverän, harmonisch, mit purer Spiellust und sichtlichem Vergnügen, ein Vergnügen, dass auch das begeisterte Auditorium mit ihnen teilte und später in einem stürmischen, langanhaltendem  Schlussapplaus auch ausdrückte.

Einmal mehr ein Highlight in der Kammermusikreihe der Strings, dem, da bin ich mir sicher, noch einige folgen werden im dafür bestens geeigneten Zeugheerrsaal des Luzerner Schweizerhofs

Text: www.leonardwuest.ch Fotos:  https://www.fsl.swiss/ Fabrice Umiglia

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Das Quartett geniesst den verdienten Schlussapplaus Foto Fabrice Umiglia
Das Quartett geniesst den verdienten Schlussapplaus Foto Fabrice Umiglia

 

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