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Strukturwandel: TDG-Bündnis unter Leitung der Universitätsmedizin Halle wird mit sieben Millionen Euro gefördert

Das Projekt
Das Projekt "ADApp", mit dem App-unterstützt Medikamentenlieferungen per Drohne von Apotheken zu Patientinnen und Patienten ermöglicht werden sollen, ist in der ersten Förderphase eingereicht worden und wird weiterhin vorangetrieben. Universitätsmedizin Halle

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bestätigt die
„Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung (TDG)“ als
Zentrum für digitale Pflegeinnovation und fördert das Bündnis unter
Leitung der Universitätsmedizin Halle mit weiteren sieben Millionen Euro
bis 2025. Genutzt werden soll das Geld zur Umsetzung von weiteren
Forschungs- und Entwicklungsprojekten, die die gesundheitliche und
pflegerische Versorgungssituation in Deutschland mittels digitaler
Lösungen verbessern.

Das Besondere dabei: Eingereicht werden können Projekte unter anderem von
Vereinen und Verbänden, Firmen, Krankenkassen oder anderen Hochschulen,
das heißt aus Wirtschaft und Gesellschaft. Koordiniert werden die Projekte
von der Universitätsmedizin Halle. Insgesamt werden bis Ende 2025 auch mit
Beteiligung der Unternehmen rund 25 Millionen Euro für innovative
Forschungsvorhaben – vor allem im südlichen Sachsen-Anhalt - investiert.

„Die Entscheidung des BMBF zeigt, dass die Universitätsmedizin Halle mit
der TDG bereits in der ersten Umsetzungsphase überzeugen konnte. Die
Weiterförderung bestätigt den erfolgreichen Kurs der Medizinischen
Fakultät Halle, im Themenfeld der digitalisierten Gesundheitsversorgung
mit wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Innovationen den
Strukturwandel in der Region aktiv zu gestalten“, sagt Prof. Dr. Michael
Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät Halle.

Das Bündnismanagement unter Leitung von Dr. Karsten Schwarz von der
Universitätsmedizin Halle hat in den vergangenen zwei Jahren Forschungs-
und Entwicklungsarbeit in Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
entwickelt, die alle Teilschritte von der kreativen Idee bis zur
Verhandlung mit Krankenkassen hinsichtlich der Finanzierung einer
Innovation in der Anwendung abdeckt. „Das hat die Gutachterinnen und
Gutachter überzeugt. Die positive Evaluation seitens des BMBF und der
zusätzliche finanzielle Spielraum machen unser Bündnis der
Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung mit mehr als
100 regionalen Forschungs- und Entwicklungspartnern zum bundesweiten
Anführer im Bereich Pflegeinnovationen“, sagt Pflegeforscher und TDG-
Projektleiter Prof. Dr. Patrick Jahn von der Universitätsmedizin Halle
nicht ohne Stolz. Die Vision der TDG sei es, eine Region, die durch die
demografische Entwicklung besonders herausgefordert sei, zum
Innovationsmotor für eine digitalisierte Gesundheitsversorgung – vor allem
im Bereich der pflegerischen Versorgung – in Deutschland zu machen.

Schwerpunktmäßig sind in den vergangenen zwei Jahren 21 praxisorientierte
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben angestoßen worden, an denen 41
Partnerinnen und Partner aus Wirtschaft, Wissen und Gesellschaft in enger
Zusammenarbeit beteiligt sind. Ziel ist es, dass diese Vorhaben zu neuen
Produkten und Dienstleistungen führen, die die Versorgungs- und
Lebenssituation beispielsweise von älteren oder beeinträchtigten Menschen
verbessern, so dass diese möglichst lange möglichst autonom in ihrem
gewohnten Umfeld leben können. So wurden zum Beispiel Projekte zur
Medikamentenlieferung per Drohne (Projekt „ADApp“), eine digitale Lösung
zur Atemtherapie nach überstandener COVID-19-Erkrankung (Projekt
„DigiVID19“), für virtuelle Lehr- und Lernszenarien in der
Pflegeausbildung (Projekt „DigiCare“) oder zur Überleitung ins eigene
Wohnumfeld im Rahmen einer Rehabilitation mithilfe einer virtuellen
Begehung der Wohnung (Projekt „RehaTransHome“) umgesetzt.

Insgesamt 12,6 Millionen Euro sind über die TDG in die Projekte geflossen,
davon waren gut acht Millionen Euro Fördermittel der TDG. Die
Projektverantwortlichen der TDG begleiten eng durch die Förderlandschaft,
das spiegelt sich darin wieder, dass 83 Prozent der Mitwirkenden
Erstantragsteller in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sind und des
Weiteren rund 78 Prozent Start-Up-Beteiligung zu verzeichnen ist. Wichtige
Kriterien für die Auswahl der Projekte sind, dass diese gute
Erfolgsaussichten für eine praktische Umsetzung haben und konkrete
gesellschaftliche Probleme in der Versorgungslandschaft angehen.

Welche Projekte zur Umsetzung empfohlen werden, entscheidet ein
unabhängiger Beirat. „Ich engagiere mich für die TDG, weil Digitalisierung
im Gesundheits- und Sozialwesen in Zukunft eine zentrale Rolle spielen
wird. Und dabei geht es nicht mehr um das ‚Ob‘, sondern um das ‚Wie‘. Die
TDG bietet tolle Chancen, Digitalisierung im Interesse der Menschen in
dieser Region zu gestalten und dafür, dass die Innovationen in der Praxis
echte Probleme lösen“, sagt Sarah Theune, Beirats-vorsitzende der TDG und
Vorständin des Verbandes für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft.

Das Bündnis „Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung“
war im April 2019 im Rahmen der Pilotrunde des vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) initiierten Programmes „WIR! - Wandel durch
Innovationen in der Region“ für die Umsetzung aus etwa 100 Bewerbungen
ausgewählt worden.

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Die Universitätsmedizin Halle ist ab jetzt mit einem eigenen Auftritt im
IDW vertreten. Ab sofort erhalten Sie hierüber Informationen aus
Forschung, Lehre und Krankenversorgung der Medizinischen Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Universitätsklinikums
Halle.

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BIO-GEEC: Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt in Ecuador

Unzählige bislang noch unbekannte Tierarten leben in den Nebelwäldern Ecuadors.  Nadine Dupérré
Unzählige bislang noch unbekannte Tierarten leben in den Nebelwäldern Ecuadors. Nadine Dupérré

Unzählige bislang noch unbekannte Tierarten leben in den Nebelwäldern und
im Tropenwald Ecuadors. Doch ihr Lebensraum schrumpft rapide. Das deutsch-
ecuadorianische Forschungsprojekt BIO-GEEC etabliert unter Beteiligung des
Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels  (LIB) Maßnahmen
zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Ökosysteme. In enger
Zusammenarbeit haben Forschende unterschiedlicher Disziplinen in der
ersten Phase des Projektes einen großen Schritt zum
Biodiversitätsmonitoring und zum Schutz der Artenvielfalt in Teilen
Ecuadors getan.

Ecuador gehört zu den artenreichsten Ländern der Erde und ist Teil zweier
Biodiversitäts-Hotspots, des pazifiknahen Berggebietes Choco und der
Anden. Der Anteil endemischer Arten ist hier besonders hoch. Doch leiden
Flora und Fauna extrem unter Entwaldung und einer starken Fragmentierung
der natürlichen Lebensräume. Wo früher artenreiche Wälder standen, findet
sich heute Plantagen- und Landwirtschaft. Im Rahmen des German-Ecuadorian
Biodiversity Consortium (BIO-GEEC) wurde in den vergangenen drei Jahren
eine Basis für umfassende Schutzmaßnahmen geschaffen. Erste
Forschungsprojekte konnten umgesetzt und wissenschaftliche Infrastrukturen
aufgebaut werden.

Ein enges deutsch-ecuadorianisches Netzwerk mit neun beteiligten
Forschungseinrichtungen engagiert sich dank BIO-GEEC inzwischen für die
Ökosystemforschung, den Umweltschutz und Anwendungen in der nachhaltigen
Landschaftsnutzung. Weitere Rahmenbedingungen für den Verbraucherschutz,
die Arbeit des Zolls und die Gesundheitsvorsorge werden aktuell
geschaffen. Erweitert wird dieses Netzwerk durch ecuadorianische
Nachwuchswissenschaftlerinnen und  -wissenschaftler, die sich im Zuge von
BIO-GEEC in wissenschaftlichen Methoden und Inhalten sowie in Feld- und
Laborarbeit fortbilden können. Mit ihnen fließt das Wissen in Unternehmen
und die Forschung, in staatliche Einrichtungen und die Politik.

„Wir haben viel in diesen drei Jahren erreicht und hoffen, dass es weiter
geht“, zieht Dr. Danilo Harms, Sektionsleiter Spinnentiere im LIB, Bilanz.
An der Seite der Botanikerinnen und Botaniker des Nees Instituts der
Universität Bonn, die vornehmlich die Hochlandsteppe der Anden mit ihrem
Ökosystem Páramo untersuchen, hat er zusammen mit Nadine Dupérré,
Sammlungsmanagerin Arachnologie, und Dr. Lars Podsiadlowski,
Wissenschaftlicher Leiter des Molekularlabors im LIB, die Forschung und
Forschungsinfrastruktur auf dem Gebiet der Spinnentiere in Ecuador
vorangetrieben.

Mit Hilfe von DNA-Barcodes und Methoden der morphologischen
Identifizierung legten die am Projekt beteiligten deutschen und
ecuadorianischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Datenbank
der Spinnentiere (Spinnen, Skorpione und ihre Verwandten) Ecuadors an.
Diese kann von Forschenden, Studierenden und Mitarbeitenden in
Naturschutzgebieten Ecuadors für angewandte Projekte genutzt werden.
Darüber hinaus werden DNA-Sequenzen und Fotos der Tiere über die neu
etablierte Web-App EcBioDiv (Ecaudorian Biodiversity) zur Verfügung
gestellt.

Mit der Erfassung der Spinnentiere wollen die Forschenden ein besseres
Verständnis für die Vielzahl der Arten und ihrer Lebensräume erhalten und
damit einen Beitrag zum Naturschutz in Ecuador leisten. Gleichzeitig haben
sie die Grundlagen für praktische Anwendungen, wie beispielsweise die
Analyse von Spinnentier-Giften, geschaffen. In Rückgriff auf eine Biobank
für Giftproben sollen die wichtigsten Charakteristika erforscht und die
Bevölkerung über relevante Arten und ihre Gifte in Ecuador informiert
werden.

Zur schnelleren und kostengünstigeren Genanalyse stellten die deutschen
Partner den ecuadorianischen Instituten hochentwickelte Pipelines für DNA-
Barcodierung von Pflanzen und Mikroben sowie Tieren bereit. Insgesamt
sammelten und identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
im Rahmen von BIO-GEEC circa 2.500 Spinnentier-Proben. Sieben neue
Vogelspinnenarten haben die Arachnologen während der ersten Phase des
Projektes bereits beschrieben. Weitere sollen folgen.

Denn während die drei Spinnentierarten Ecuadors, die für uns Menschen
hochgefährliche Gifte produzieren, bereits erforscht sind, wie die braune
Einsiedlerspinne (Loxosceles, Blutgifte), die Bananenspinne (Gattung
Phoneutria, Nervengifte) und der Dickschwanzskorpion (Gattung Tityus,
Neurotoxine), sind die Gifte vieler anderer Spinnentiere in Ecuador
gänzlich unbekannt. Daher wurden im Zuge des BIO-GEEC Projektes 300
Giftproben von 20 verschiedenen Skorpion- und Spinnenarten genommen, die
nun weiter mit Biochemikerinnen und Biochemikern an der Universität
Hamburg analysiert werden sollen.

„Die enge Zusammenarbeit zwischen Forschenden unterschiedlicher
Disziplinen und Länder ist die Projektarbeit der Zukunft“, betont Harms.
„Expertinnen und Experten aus Ecuador und Deutschland haben unter einer
Zielsetzung eng zusammengearbeitet, jeder hat sein Spezialwissen
eingebracht und geteilt. Wir haben die Basis gelegt, um zukünftig
gemeinsam die Lebensräume in Ecuador zu erforschen und besser schützen zu
können.“

BIO-GEEC wird finanziert durch den „Deutschen Akademischen Austausch
Dienst“ (DAAD) und die „Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit” (GIZ) und in enger Zusammenarbeit mit dem ecuadorianischen
„Instituto Nacional de Biodiversidad” (INABIO) umgesetzt.

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ISM-Professor Dr. Christoph Feldmann zum Thema Impf-Logistik in Afrika

Prof. Dr. Christoph Feldmann  ISM
Prof. Dr. Christoph Feldmann ISM

Mit der Corona Pandemie ist das Problem der
medizinischen Unterversorgung in Afrika wieder in den Fokus der
Weltöffentlichkeit gerückt. Politiker wie Bundespräsident Frank-Walter
Steinmeier und die WHO fordern den Aufbau eigener Produktionsstätte in
Afrika, um Covid-19, aber auch andere tödliche Krankheiten wie Malaria zu
bekämpfen. ISM-Professor Christoph Feldmann, ehemaliger Chefstratege für
internationale Lieferketten bei Pfizer und Roche, erklärt, woran es bei
der Pharma-Versorgung in Afrika hakt und weshalb er den neuen Ansatz der
„BioNtainer“ genial findet.

Woran hapert es bei der medizinischen Versorgung in Subsahara-Afrika?

Das Problem der Arzneimittel ist nicht primär ein Produktions- oder
Finanzierungsproblem, sondern ein Logistikproblem. Die Arzneimittel kommen
nicht unversehrt bei den Patienten an.

Was sind die größten Stolpersteine bei der Verteilung von Arzneien in
Subsahara-Afrika?

Wir Europäer übersehen gern, dass Afrika keineswegs eine homogene Region
ist, sondern aus sehr heterogenen Kulturen und Ländern mit
unterschiedlichen Sprachen besteht, die jeweils unterschiedliche
Zulassungs- und auch Importregelungen für die Einführung von Arzneimitteln
haben. Bei neuen Medikamenten, bei denen ja langjährige Stabilitätsdaten
noch nicht vorliegen können, besteht oft nur ein Zeitfenster von wenigen
Wochen nach der Herstellung für den Import ins Land des Patienten. Auch
ist die Logistik zwischen den unterschiedlichen Regionen dieses großen und
bevölkerungsreichen Kontinents in vielen Fällen nur über
Luftfrachtdrehkreuze außerhalb Afrikas möglich. Im feucht-heißen Klima
Subsahara-Afrikas ist zudem die Einhaltung der Kühlkette eine immense
Herausforderung, nicht nur beim Transport. Selbst Krankenhäuser mit
Notfallgeneratoren gelingt es bei Stromausfällen nicht immer, die
Kühlschränke ohne Unterbrechung zu betreiben. Insbesondere in der
Regenzeit sind zudem viele Flächenregionen, wo die meisten
behandlungsbedürftigen Patienten leben, sehr schlecht erreichbar. Das
stellt besonders bei der Bekämpfung von Malaria, aber auch bei den meisten
anderen Krankheiten, ein Riesenproblem dar.

Weshalb bauen die Pharma-Firmen nicht eigene, lokale Produktionsstätte in
Afrika?

Im Gegensatz zu anderen Massengütern werden insbesondere biochemische
Medikamente (wie z.B. Impfstoffe) in hochkomplexen Hightech-Anlagen
hergestellt, die hohe regulatorische Qualitätsanforderungen erfüllen
müssen. Ihre Herstellungskosten sind entsprechend hoch, während die
Transportkosten aufgrund des leichten Gewichts der Arzneimittel niedrig
sind. Es war in der Vergangenheit deshalb effizienter, Medikamente an
wenigen (häufig nur weltweit einer) Produktionsstätten zumeist in den USA
und Europa herzustellen. Auch das Problem der Sicherstellung der hohen
Qualität und der Zulieferer für Bestandteile der Inhaltsstoffe und
Produktions- und Verpackungsmaterialien konnte so kostengünstiger gelöst
werden.

BioNtech hat letzte Woche vorgefertigte Impfstofffabriken in Containern
vorgestellt, die neben Covid-19 Impfstoffe auch Impfstoffe gegen Malaria
und Tuberkulose vor Ort in verschiedenen Regionen Afrikas produzieren
sollen. Wie beurteilen Sie diesen Ansatz?

Je länger ich über diese Lösung nachdenke, umso besser finde ich die Idee.
BioNtechs Lösung ist ein wirklich neuer und smarter Ansatz um den
Bedürfnissen der unterschiedlichen Stakeholder, aber auch der Firma selbst
gerecht zu werden. Der Ansatz berücksichtigt nämlich mehrere Aspekte,
welche die Verteilung in Afrika normalerweise erschweren:
•       Zum einen sind die Container alle gleich aufgebaut. Ich vermute
deshalb, dass sie nur einmal eine Zertifizierung durchlaufen müssen,
selbst wenn die Container an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden.
Dann muss nur einmal geprüft und belegt werden, dass die Container und
Prozesse in Ordnung sind und den Qualitätsstandards voll entsprechen.
•       In den Containern mitgeliefert werden bereits die notwendigen
Bauteile und Materialien für die Produktion der Impfstoffe, das Problem
der Zulieferer entfällt damit. Die Impfstoffe werden aber dennoch erst vor
Ort hergestellt, dadurch werden die Lieferketten stark verkürzt und die
Verteilung ist trotz der relativ kurzen Haltbarkeit ohne Importhindernisse
umsetzbar.
•       Da die Produktion in den Containern vermutlich an den etablierten
Distributionsstandorten wie Senegal (französisch-sprachiges Westafrika),
Ruanda (englisch-sprachiges Ostafrika) und Südafrika (südliches Afrika)
direkt in jeder der verschiedenen Regionen Afrikas stattfindet, kann
dadurch bereits ein großer Teil der Kühlkette gespart und vor Ort besser
optimiert werden. Dies kommt bei Covid-19-mRNA-Impfstoffen besonders zum
Tragen, da bei diesen ja nur für relativ kurze Zeiträume die normale
Kühlkette von +2 bis +8 Grad ausreicht und für eine längere Lagerung und
Transport sogar -80 Grad erforderlich sind.
•       Ein weiterer Vorteil ist, dass in den Produktionsanlagen
verschiedene Impfstoffe hergestellt werden sollen. Somit gibt es auch eine
gewisse Flexibilität und einen hohen Patientennutzen für den Einsatz
dieser Container-Produktionsstätten, auch für die Zeit nach Covid-19.
•       Schliesslich sind die lokalen Produktionen für die beteiligten
Länder auch aus ökonomischer Sicht attraktiv, da sie Steuereinnahmen,
Investitionen in die Infrastruktur, Arbeitsplätzte und einen gewissen
Know-how-Transfer versprechen. Vielleicht ist damit auch eine Perspektive
für die Entwicklung von weiteren Medikamenten vor Ort gegeben, da sich so
wesentlich einfacher und kostengünstiger auch lokale (klinische) Studien
durchführen lassen. Schliesslich gibt es eine ganze Reihe tödlicher und
leider «vergessener Tropenkrankheiten» unter denen große
Bevölkerungsgruppen in Afrika (und Lateinamerika) leiden und gegen die es
bislang noch keinerlei Medikamente gibt.
•       Der einzige Punkt, der mich mit Blick auf Covid-19 etwas skeptisch
stimmt, ist die Zahl von 50 Millionen Impfstoffdosen pro Jahr, die in
einem Container hergestellt werden können. Das hört sich zwar nach viel
an, aber ist bei einer Milliarde Einwohner bei Weitem nicht genug. Da
bräuchte es also schon einige dieser „BioNtainer“, um das Virus zu
besiegen.

Wäre die Aufhebung des Patentschutzes der mRNA-Impfstoffe demnach nicht
die bessere Lösung, um eine globale Pandemie auch in ärmeren Ländern zu
bekämpfen?

Diese Forderung halte ich für problematisch. Mit dem alleinigen Aufheben
des Patentschutzes wäre es nicht getan. Auch das gesamte Herstell-Know-how
müsste offengelegt werden, damit eine zeitnahe Herstellung durch Dritte
vor Ort überhaupt möglich wäre. Damit würde man aber von einem innovativen
Start-up wie BioNtech erwarten, sich vor den Mitbewerbern (insbesondere
auch in den Industrieländern) bis auf die Unterhose auszuziehen. Wo zieht
man hier die Grenze? Wenn BioNtech zusätzlich auch zur Weitergabe der
Zulassungsdossiers und -lizenzen gezwungen würde, käme das einer
Enteignung gleich.
Die pharmazeutische Forschung wird in der Regel vom jeweiligen Pharma- und
Biotech-Unternehmen selbst finanziert mit im Vergleich zu anderen Branchen
nur sehr wenig staatlicher Forschungsförderung. Auch wenn Covid-19 hierbei
eine Ausnahme darstellt, darf man nicht vergessen, dass die Entwicklung
eines neue Wirk- oder Impfstoffes ca. eine Milliarde US-Dollar kostet.
Wenn man den Unternehmen nicht die Chance gibt, das Geld im – ja höchst
unsicheren – Erfolgsfall wieder zu refinanzieren, wird man in Zukunft
niemanden mehr finden, der bereit ist, Geld in die Entwicklung von
Wirkstoffen zu investieren. Wenn als Folge der Covid-19 Krise aber die
Pharma-Logistik in Afrika durch Projekte von Pharma-Firmen wie BioNTech
oder der WHO verbessert wird, wäre das nicht nur für die Menschen in
Afrika eine positive Entwicklung, sondern ein starkes Zeichen für die
ganze Welt – auch ohne Aufweichung des Patentschutzes.

Prof. Dr. Christoph Feldmann ist Professor für International Procurement,
Logistics & Supply Chain Management an der International School of
Management (ISM) in Frankfurt. Vor seiner Tätigkeit als Hochschullehrer
war er Chefstratege für internationale End-to-end-Lieferketten bei Pfizer
und Roche sowie Hauptgeschäftsführer von Europas größtem Fachverband für
Einkauf, Logistik und Supply Chain Management, dem Bundesverband
Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). Innovative
Versorgungsmodelle und -strukturen für eine verbesserte
Arzneimittelversorgung aller Patient*innen weltweit, in Industrie- und
Schwellenländern, insbesondere auch in Afrika, war und sind
Tätigkeitsschwerpunkt und Herzensanliegen von Prof. Dr. Feldmann.

Kontaktvermittlung via Karin Gessler: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. / Tel.: +49
69.66 05 93 67-47

Hintergrund:
Die International School of Management (ISM) ist eine staatlich
anerkannte, private Hochschule in gemeinnütziger Trägerschaft und zählt zu
den führenden privaten Hochschulen in Deutschland. An Standorten in
Dortmund, Frankfurt/Main, München, Hamburg, Köln, Stuttgart und Berlin
wird in kompakten und anwendungsbezogenen Studiengängen der
Führungsnachwuchs für international orientierte Wirtschaftsunternehmen
ausgebildet. Zum Studienangebot gehören Vollzeit-Programme,
berufsbegleitende und duale Studiengänge sowie ab Herbst 2021 das
Fernstudium. In Hochschulrankings schafft es die ISM mit hoher
Lehrqualität, Internationalität und Praxisbezug regelmäßig auf die
vordersten Plätze. Das internationale Netzwerk umfasst rund 190
Partnerhochschulen.

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Zehn Jahre Master der Tanz- und Bewegungstherapie

Der Studiengang Tanz- und Bewegungstherapie an der SRH Hochschule Heidelberg feiert Jubiläum: Seit 10 Jahren lernen die Studierenden, wie Bewegung heilen kann.  SRH Hochschule Heidelberg
Der Studiengang Tanz- und Bewegungstherapie an der SRH Hochschule Heidelberg feiert Jubiläum: Seit 10 Jahren lernen die Studierenden, wie Bewegung heilen kann. SRH Hochschule Heidelberg

Zum Jubiläum des einzigartigen Master-Studiengangs an der SRH Hochschule
Heidelberg kamen Gründer, Netzwerkpartner, Studierende und Alumni zusammen
und feierten ihre Leidenschaft fürs Tanzen, Helfen und fürs Leben.

Ein Studiengang feiert Geburtstag: Seit zehn Jahren bietet die SRH
Hochschule Heidelberg das Master-Programm Tanz- und Bewegungstherapie an –
ein im deutschsprachigen Raum einzigartiger Studiengang. Der Berufsverband
der Tanztherapeut:innen Deutschlands (BTD) nahm dieses Jubiläum zum
Anlass, seine Mitgliederversammlung in diesem Jahr an der SRH Hochschule
Heidelberg abzuhalten.

Ins Leben gerufen hat den Studiengang Tanz- und Bewegungstherapie Prof.
Dr. Sabine Koch, die mit ihrer Kollegin Prof. Dr. Elisabeth Manders die
einzige Professorin für Tanz- und Bewegungstherapie im deutschsprachigen
Raum ist. 150 Absolventinnen und Absolventen sind mittlerweile in der
Praxis tätig, kehren aber immer noch gerne an ihre Alma Mater zurück, so
wie auch – wenn auch Pandemie-bedingt zum Teil nur digital – anlässlich
des Jubiläums.

Ob bei Parkinson, Depression, Autismus, Angst oder Schizophrenie: Bei
vielen psychischen oder physischen Erkrankungen hilft die Tanz- und
Bewegungstherapie. Wie und warum - damit beschäftigt sich Koch seit ihrem
Psychologie-Studium an der Universität Heidelberg, in dem die
Embodimentforschung bereits ihr Schwerpunkt war. Ihr evidenzbasierter
Forschungsansatz ist von großer Bedeutung für die in Deutschland noch
recht junge künstlerische Therapieform. Denn auch wenn die Akademisierung
der Gesundheitsberufe weiter voranschreitet, fehlt bei Fächern wie Tanz-
und Bewegungstherapie oder auch Ergo- und Physiotherapie oftmals die
Anerkennung, auch seitens der Krankenkassen. So betonte Dr. Marianne
Eberhard-Kaechele, Vorstand des BTD, Koch gegenüber: „Du bist eine
Pionierin. Wir sind dankbar, dass du für uns kämpfst!“

Praxiserfahrung und ihre wissenschaftliche Fundierung – auf diesen Beinen
steht der Studiengang Tanz- und Bewegungstherapie seit zehn Jahren sehr
stabil. Die interdisziplinäre Ausrichtung an der Fakultät für
Therapiewissenschaften und die Vernetzung mit zahlreichen Praxispartnern
in der ganzen Welt sorgen für eine große internationale Tragweite des
Studiengangs, der mittlerweile auch sehr erfolgreich als
englischsprachiger Track angeboten wird. Sherry Goodill, Professorin für
künstlerische Therapien an der Drexel University in Philadelphia, USA, ist
aktuell DAAD-Gastdozentin an der SRH Hochschule Heidelberg: „Mit
Studierenden aus Nationen von Korea bis Brasilien, von Lettland bis nach
Zypern ist dieser Studiengang global vernetzt“, sagte sie. „Das Programm
und die Forschung an der SRH Hochschule Heidelberg hat weltweit eine
herausragende Bedeutung für die Tanztherapie.“

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