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Deutsche Leberstiftung zum Weltgesundheitstag: Bewegung ist gut für die Leber und für das Klima

Mit dem Weltgesundheitstag stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
jährlich am 7. April ein globales Gesundheitsproblem in den Fokus der
Öffentlichkeit. Mit dem diesjährigen Motto „Our planet, our health“ werden
die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit thematisiert.
Anlässlich des diesjährigen Aktionstages weist die Deutsche Leberstiftung
auf das große Gesundheitsproblem der nicht-alkoholischen Fettleber bei
Kindern und Erwachsenen hin. Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen
(NAFLD) sind häufig durch mehr Bewegung vermeidbar – was in vielen Fällen
auch einen positiven Effekt auf die Umwelt hat. Somit kann
Gesundheitsschutz auch Klimaschutz bewirken.

„Die Zahl an übergewichtigen und fettleibigen (adipösen) Erwachsenen und
Kindern steigt. Übergewicht und Adipositas begünstigen die Entstehung
einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL), die das Risiko für weitere
schwere Lebererkrankungen und Leberzellkrebs erhöhen kann“, erläutert
Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Leberstiftung, und ergänzt: „Zwar steigt die Häufigkeit von Übergewicht
und Adipositas mit dem Alter an, doch eine aktuelle Studie belegt, dass
die Gewichtsprobleme bei den meisten Betroffenen schon im frühen
Erwachsenenalter beginnen. Übergewicht, das in der Kindheit entwickelt
wurde, wird meistens ein Leben lang beibehalten und häufig vergrößert.
Deswegen ist es von großer Bedeutung, dass Gesundheitsförderung und
Vorbeugung so früh wie möglich im Leben ansetzen und die Kinder und
Jugendlichen in ihren Lebenswelten erreichen. Es ist eine dringende,
gesamtgesellschaftliche Aufgabe, deren Wichtigkeit durch die Corona-
Pandemie verdeutlicht wurde. In vielen Staaten weltweit – auch in
Deutschland – in denen Gesundheitsprävention vernachlässigt wurde und die
Risikofaktoren Übergewicht und Fettleibigkeit stark verbreitet sind,
starben und sterben besonders viele Menschen.“

Dass in Deutschland die politischen Rahmenbedingungen für eine
gesundheitsförderliche Ernährung größtenteils fehlen, zeigen die
Forschungsergebnisse einer Studie der Ludwigs-Maximilians-Universität
München und des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und
Epidemiologie. Das größte Potenzial für Reformen sieht das Autorenteam in
diesen Maßnahmen: qualitativ hochwertige, gebührenfreie Schul- und
Kitaverpflegung, eine gesundheitsförderliche Mehrwertsteuerreform, eine
Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Softdrinks, eine Regulierung von
Kinder-Lebensmittelmarketing und gesundes Essen in öffentlichen
Einrichtungen.

Die Deutsche Leberstiftung und auch deutsche Fachgesellschaften für
Adipositas- und Kindermedizin machen seit vielen Jahren auf die steigende
Zahl fettleibiger Kinder aufmerksam. Mit Übergewicht und Adipositas
assoziiert ist auch bei Kindern die nicht-alkoholische
Fettlebererkrankung, die mittlerweile die häufigste chronische
Lebererkrankung im Kindes- und Jugendalter ist. Die nicht-alkoholische
Fettleber macht sich bei Kindern wie auch bei Erwachsenen am Anfang nur in
seltenen Fällen bemerkbar, doch auch ohne Krankheitssymptome ist sie ein
großes Gesundheitsrisiko. Während sich bei den meisten Lebererkrankungen
ein Leberzellkrebs aus der Leberzirrhose entwickelt, muss dies bei der
Fettleber nicht der Fall sein. Bei fast 50 Prozent der Fettleber-bedingten
Krebsfälle litten die Patienten vorher offensichtlich nicht an einer
Leberzirrhose, sondern an einer Fettleberentzündung. Bei Kindern und
Erwachsenen mit deutlichem Übergewicht sollte regelmäßig die
Lebergesundheit überprüft werden. Sind die Leberwerte im Blut (GPT, GOT
und GGT) erhöht, ist dies möglicherweise ein Hinweis auf eine
Lebererkrankung.

„Die nicht-alkoholische Fettleber ist ein vermeidbares Gesundheitsproblem
und auch eine bereits geschädigte Leber kann in einem frühen Stadium der
Verfettung durch einen veränderten Lebensstil positiv beeinflusst werden.
Die empfohlene Therapie zielt in erster Linie auf eine Lebensstil-
Veränderung mit einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung ab – die
zusätzlich noch einen weiteren positiven Effekt hat: Neben der
Lebergesundheit profitiert auch das Klima davon, wenn beispielsweise vom
Auto aufs Fahrrad umgestiegen oder eine kurze Strecke statt mit dem
E-Roller zu Fuß bewältigt oder die Treppe als Alternative zum Aufzug
genutzt wird. So bekommt das Motto „Our planet, our health“ eine weitere
Bedeutung. Bewegung ist gut für die Gesundheit und die Umwelt“, betont
Prof. Manns.

Die Deutsche Leberstiftung bietet eine aktuelle Kurzbroschüre zum Thema
„Leber und Fett“ mit Informationen und Therapie-Empfehlungen für
Betroffene und Angehörige an. Bestellmöglichkeiten und Download auf der
Serviceseite unter https://www.deutsche-leberstiftung.de.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage:
„Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im
Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D]. Weitere
Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch. Sie
können ein Rezensionsexemplar per Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> (Frau M.
Asche) anfordern.

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Corona-Pandemie: Nur die Hälfte der Bevölkerung fühlt sich gut über die geltenden Regelungen informiert

BfR-Corona-Monitor gibt einen Einblick in den Informationsstand der
Menschen in Deutschland

Seit nunmehr zwei Jahren wird ein Großteil der Medienberichterstattung von
der Corona-Pandemie dominiert. Dennoch fühlt sich die Bevölkerung in
Deutschland nicht über alle Aspekte des Coronavirus gleichermaßen
aufgeklärt. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen BfR-Corona-Monitors –
eine regelmäßige Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
So fühlen sich aktuell nur 49 Prozent der Bevölkerung gut über die aktuell
geltenden Maßnahmen informiert, 28 Prozent stufen sich als nicht gut
informiert ein. Zu den geltenden Impfempfehlungen schätzen die Menschen
ihren Informationsstand dagegen höher ein: Hier geben 64 Prozent an, gut
darüber informiert zu sein. „In diesem Zusammenhang sehen wir auch
Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen“, sagt BfR-Präsident
Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „So fühlen sich zum Beispiel die ab
60-Jährigen am besten über die aktuellen Impfempfehlungen zum Coronavirus
informiert, die Personen unter 40 dagegen über dessen Symptome.“

<https://www.bfr.bund.de/cm/343/220329-bfr-corona-monitor.pdf>

Auch beim Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zeigen sich Unterschiede.
So macht sich der Wegfall der Home-Office-Pflicht am 20. März bereits
jetzt bemerkbar: Während bei der letzen Erhebung Mitte März 34 Prozent das
Ansteckungsrisiko am Arbeitsplatz als hoch einstuften, sind dies
inzwischen 39 Prozent. Auch auf dem Weg zur Arbeit fühlen sie sich weniger
sicher: So schätzen derzeit 60 Prozent das Infektionsrisiko in
öffentlichen Verkehrsmitteln als hoch ein – sechs Prozent-punkte mehr als
vor zwei Wochen. Weitgehend unverändert blieb dagegen die Einschätzung des
Infektionsrisikos in Gastronomiebetrieben (35 Prozent) sowie in Geschäften
des täglichen Bedarfs (24 Prozent).

Zum eigenen Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus setzen die
Befragten weiterhin auf Hygiene. So geben 94 Prozent an, dass sie in den
vergangenen zwei Wochen Masken getragen haben, 71 Prozent haben sich
gründlicher die Hände gewaschen und 54 Prozent häufiger
Desinfektionsmittel genutzt. In ihrem Freizeitverhalten schränken sich die
Befragten dagegen weniger ein: 37 Prozent gaben an, innerhalb der letzten
14 Tage weniger ihr Zuhause verlassen zu haben.

Das BfR hat Fragen und Antworten zum Thema Coronavirus veröffentlicht:

<https://www.bfr.bund.de/de/kann_das_neuartige_coronavirus_ueber_lebensmittel_und_gegenstaende_uebertragen_werden_-244062.html>

Über den BfR-Corona-Monitor

Der BfR-Corona-Monitor ist eine wiederkehrende (mehrwellige)
repräsentative Befragung zur Risikowahrnehmung der Bevölkerung in
Deutschland gegenüber dem neuartigen Coronavirus. Zwischen dem 24. März
und 26. Mai 2020 wurden dazu jede Woche rund 500 zufällig ausgewählte
Personen per Telefon unter anderem zu ihrer Einschätzung des
Ansteckungsrisikos und zu ihren Schutzmaßnahmen befragt. Seit Juni 2020
wird die Befragung im Zwei-Wochen-Rhythmus mit jeweils rund 1.000
Befragten fortgeführt. Eine Zusammenfassung der Daten wird regelmäßig auf
der Homepage des Bundesinstituts für Risikobewertung veröffentlicht. Mehr
Informationen zur Methode und Stichprobe finden sich in den
Veröffentlichungen zum BfR-Corona-Monitor.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich
unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die
Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und
Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in
engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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Festakt der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft: Aufnahme des Energiewirtschaftlichen Instituts

Feierliche Aufnahme des EWI in die JRF.  © JRF e.V.
Feierliche Aufnahme des EWI in die JRF. © JRF e.V.

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) wurde
in die Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft (JRF) in einem Festakt am 1.
März 2022 in Düsseldorf aufgenommen.

Bei der feierlichen Aufnahme hielten Prof. Andreas Pinkwart, NRW-
Wirtschaftsminister, Dr. Dirk Günnewig, Staatssekretär im NRW-
Wissenschaftsministerium und Prof. Bettina Rockenbach, Prorektorin für
Forschung und Innovation an der Universität zu Köln Grußworte:

Minister Prof. Pinkwart: „Das EWI hat sich eine hervorragende Reputation
erarbeitet. Ein Beispiel ist die DENA-Studie im vergangenen Jahr, mit der
ein wesentlicher Beitrag zur Zukunft der Energieversorgung in Deutschland
und darüber hinaus geleistet wurde. Für die politische Argumentation ist
es wichtig, sich auf solche verlässliche und national wie international
beachtete Studien beziehen zu können. Ich freue mich sehr darüber, dass
das EWI der JRF beigetreten ist und innerhalb der Forschungsgemeinschaft
gestärkt wird. Ich wünsche dem EWI und der JRF viel Erfolg bei der
Zusammenarbeit.“

Staatssekretär Dr. Dirk Günnewig: „Mit der Aufnahme des EWI erhält die JRF
eine passgenaue Verstärkung. Gemeinsam wird nun an wichtigen
Zukunftsthemen wie der Energiewende geforscht und praxisnahe Lösungen
erarbeitet, wie der rasante Wandel erfolgreich gestaltet werden kann. Das
EWI kann zufrieden und stolz sein, aufgenommen zu werden in eine
leistungsstarke Forschungsgemeinschaft. Es ist eine Auszeichnung für
bereits Erreichtes, aber auch als Auftrag zu verstehen, dieser
Gemeinschaft gerecht zu werden. In den acht Jahren, seit die Johannes-Rau-
Forschungsgemeinschaft gegründet wurde, hat sie sich in der nordrhein-
westfälischen Wissenschaft etabliert, aber auch darüber hinaus.“

Prorektorin Prof. Rockenbach: „Das EWI hat seither sowohl den
technologischen Wandel in der Energiepolitik als auch die geopolitischen
und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Fokus. Dies ist vor dem
Hintergrund des Russland-Ukraine-Konflikts besonders aktuell und wichtig.
Die Aufnahme des EWI als An-Institut der Universität zu Köln in die JRF
ist von hoher strategischer Bedeutung und markiert einen Höhepunkt der
strukturellen Entwicklung des EWI. Ich möchte allen Beteiligten ganz
herzlich zu diesem Erfolg gratulieren.“

Der Akt der Aufnahme erfolgte durch das symbolische Überreichen einer
Mitglieds-Plakette durch den Vorstand an die Institutsleitung des EWI.

Prof. Bathen, Vorstandsvorsitzender der JRF: „Die JRF ist hoch erfreut
über die erstmalige Aufnahme eines neues Mitglieds seit ihrer Gründung
2014. Das EWI hat im Aufnahme- und Evaluierungsprozess bewiesen, dass es
ein hochkarätiges, renommiertes, wissenschaftlich und wirtschaftlich
starkes Institut mit einem jungen, motivierten Team und einer
erstklassigen Institutsleitung ist. Wir freuen uns außerordentlich, das
EWI in die JRF-Familie aufzunehmen. Wir sind davon überzeugt, dass die
inhaltlichen Schwerpunkte des EWI perfekt zu unseren vier Leitthemen
passen, fruchtbare Kooperationen mit anderen JRF-Instituten zustande
kommen werden und unsere Gemeinschaft insgesamt bereichert wird.“

„Wir sind hoch erfreut über die Aufnahme in die JRF“, sagt EWI-Direktor
Prof. Dr. Marc Oliver Bettzüge. „Die Mitgliedschaft in der
Forschungsgemeinschaft verbindet uns mit komplementären und
leistungsfähigen Partnern, und das EWI kann zu den Schwerpunktbereichen
der JRF relevante Beiträge leisten.“ Überdies biete die Mitgliedschaft in
der JRF interessante und ergänzende Perspektiven für die Ausbildung des
wissenschaftlichen Nachwuchses am EWI.

Im Anschluss an den feierlichen Teil wurde in einem inhaltlichen Teil die
energiewirtschaftliche Situation in Deutschland im Zuge der Energiewende
in einem Tandemvortrag des EWI beleuchtet. Bei einer anschließenden
Podiumsdiskussion tauschten sich WissenschaftlerInnen der JRF-Institute
EWI, ZBT und Wuppertal Institut und des Düsseldorfer Instituts für
Energierecht über Perspektiven der Energieforschung in NRW sowie den sich
daraus ergebenden Herausforderungen und Potentialen interdisziplinärer
Forschung aus.

Der Aufnahme ging ein einjähriger Prozess voraus. Mitte Dezember votierte
eine außerordentliche Mitgliederversammlung der JRF unter Vorsitz des
Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
einstimmig für den Beitritt des Kölner Instituts. Das EWI wird
institutionell vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium
gefördert und ist ein An-Institut der Universität zu Köln.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und Bildergalerie unter:
https://jrf.nrw/veranstaltung/festakt-ewi/

Zur Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft:

Die Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft ist die Forschungsgemeinschaft des
Landes NRW. Aktuell zählt sie 16 wissenschaftliche Institute mit mehr als
1.500 MitarbeiterInnen in NRW und einem Jahresumsatz von über 110
Millionen Euro. Gegründet hat sich der gemeinnützige Verein 2014 als
Dachorganisation für landesgeförderte, rechtlich selbstständige,
außeruniversitäre und gemeinnützige Forschungsinstitute. Unter dem
Leitbild „Forschung ‚Made in NRW‘ für Gesellschaft, Wirtschaft, Politik“
arbeiten die JRF-Institute fachübergreifend zusammen, betreiben eine
gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit, fördern wissenschaftlichen Nachwuchs und
werden von externen GutachterInnen evaluiert. Neben den wissenschaftlichen
Mitgliedern ist das Land NRW ein Gründungsmitglied, vertreten durch das
Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Weitere Informationen unter:
www.jrf.nrw

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Pufferspeicher für „grüne“ Energie - Einfacher Aufbau macht Alkalimetall- Iod-Batterie wettbewerbsfähig

Funktionsprinzip der Flüssigmetall-Batterie: Beim Entladen (li.) gibt Lithium Elektronen ab und löst sich in der Salzmischung, beim Laden (re.) gibt Iod beim Übergang in die molekulare Form Elektronen ab. Graphitfilz (unten) fungiert als Elektronenleiter.  HZDR/blaurock
Funktionsprinzip der Flüssigmetall-Batterie: Beim Entladen (li.) gibt Lithium Elektronen ab und löst sich in der Salzmischung, beim Laden (re.) gibt Iod beim Übergang in die molekulare Form Elektronen ab. Graphitfilz (unten) fungiert als Elektronenleiter. HZDR/blaurock

Ein unscheinbarer Stahlzylinder – rund sieben Zentimeter im Durchmesser
und zehn Zentimeter hoch – könnte der Energiewende einen dringend
benötigten Schub verleihen. Denn die Flüssigmetall-Batterie, die Dr. Juhan
Lee und sein Team am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR)
entwickelt haben, glänzt vor allem durch ihren einfachen und
kostengünstigen Aufbau. Die Jury des HZDR-Innovationswettbewerbs zeigte
sich zudem beeindruckt, dass sich die Batterie am Ende ihrer Lebenszeit
gut recyceln lässt. Die Preisverleihung findet am 8. März statt.

Die Idee für das innovative Batteriekonzept hatte Juhan Lee während seiner
Arbeit am Projekt SOLSTICE (Sonnenwende). Bei dem Vorhaben, das die
Europäische Union über das Forschungsprogramm Horizont 2020 mit acht
Millionen Euro fördert, wollen Wissenschaftler*innen des HZDR zusammen mit
ihren Projektpartnern neuartige Stromspeicher auf der Basis von flüssigem
Natrium und flüssigem Zink entwickeln.

„Auch wenn es sich bei dem Stromspeicher meines Kollegen Juhan Lee
strenggenommen um eine Hochtemperatur-Batterie handelt, arbeitet sie doch
bei einer angenehm niedrigen Betriebstemperatur“, sagt Dr. Tom Weier vom
Institut für Fluiddynamik des HZDR, einer der Mitinitiatoren von SOLSTICE.
„Die Arbeitstemperatur des geschmolzenen Salzes liegt bei etwa 240 Grad
Celsius.“ Für tragbare Geräte wie Smartphones oder Laptops ist sie deshalb
nicht geeignet. Und auch für Kraftfahrzeuge ist sie wegen des flüssigen
Zellinventars und der nötigen Wärmedämmung eher unpraktisch. Aber das
stört nicht, denn die Forscher*innen zielen mit ihrer Batterie ohnehin auf
ein ganz anderes Anwendungsgebiet ab.

„Das hohe Potential von Flüssigmetall-Batterien wie der unseren liegt
dort, wo große Anlagen ständig Energie speichern und wieder abrufen“,
erläutert der Materialwissenschaftler Juhan Lee. „Nämlich als
Pufferspeicher zur Stabilisierung des Energiesystems.“ Das ist besonders
deshalb wichtig, da erneuerbare Energiequellen wie Sonne und Wind nicht
grundlastfähig sind. Das heißt, sie stehen nicht rund um die Uhr
gleichmäßig zur Verfügung. „An solche Pufferspeicher werden einige
Anforderungen gestellt“, erklärt Weier „Sie müssen günstig in der
Herstellung sein und sich einfach skalieren lassen. Beide
Herausforderungen soll unser neuer Batterietyp in Zukunft meistern.“

Membranlose Flüssigmetall-Batterie

Die Batterie besteht derzeit noch aus einem Nickelschwamm mit
eingebettetem Lithium als Anode, einem keramischen Isolator und einer
Salzmischung, die bei Betriebstemperatur flüssig ist. Zur Ableitung der
Elektronen im unteren Zellbereich dient ein Graphitfilz. Komplizierte
Membranen, die bei anderen Batteriekonzepten nötig sind, gibt es hier
nicht. Beim Entladevorgang gibt das im Nickelschwamm eingebettete Lithium
Elektronen ab und löst sich im Salz. Beim Ladevorgang läuft dieser Prozess
in umgekehrter Richtung ab, sodass der Nickelschwamm am Ende wieder mit
metallischem Lithium gefüllt ist. Im unteren Bereich der Zelle geht Iod
von der ionischen in die molekulare Form über und tauscht dabei Elektronen
mit dem Graphitfilz aus.

Der einfache Aufbau hat gleich mehrere Vorteile: Selbst für eine
Serienproduktion wären keine Hightech-Fertigungslinien erforderlich. Der
Preis der Batterie basiert also zum größten Teil auf den Kosten des
Materials – und die sind vergleichbar mit denen bewährter
Batterietechnologien. Auch am Ende ihrer Lebenszeit kommt der einfache
Aufbau zum Tragen, denn beim Recycling lässt sich die Batterie sehr leicht
in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen.

Nachhaltigkeit durch einfaches Recycling

„Andere Batteriekonzepte basieren auf ziemlich intensiven Materialmixen
auf Nanometer-Ebene“, erklärt Weier. „Um diese beim Recycling wieder
auseinanderzubekommen, bedarf es zum einen intelligenter Lösungen, zum
anderen ist dafür aber auch viel Energie notwendig. Das ist bei unserem
Konzept anders.“ An ihrem Lebensende angekommen, wird die Batterie geladen
und abgekühlt. Das Salz verfestigt sich und das Lithium liegt als massives
Metall vor. Die einzelnen Materialien können entnommen und dem
Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden. „Für uns ist das ein
hervorragendes Beispiel von Nachhaltigkeit über den gesamten
Lebenszyklus“, freut sich der Forscher.

Einfacher Aufbau, kostengünstige Produktion und nachhaltig vom ersten bis
zum letzten Ladevorgang – das alles sind Argumente, mit denen Juhan Lee
und sein Team jetzt auch beim HZDR-Innovationswettbewerb punkten konnten.
Bei diesem traten Anfang Dezember 2021 30 Wissenschaftler*innen in elf
Teams mit ihren innovativen Ideen an, die Preisverleihung findet am 8.
März statt. „Wir freuen uns sehr darüber, dass wir die Jury mit unserem
Ansatz überzeugt haben“, sagt der Materialwissenschaftler. „Denn als einer
der Gewinner erhalten wir durch das Technologiemanagement des HZDR und
Partnereinrichtungen wie dresden|exists oder die HighTech-Startbahn
wertvolle Unterstützung für die Weiterentwicklung unserer Idee bis hin zur
Marktreife.

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