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Veranstaltungen zur Ukraine an der Europa-Universität Viadrina in der Woche vom 21. bis 25. März 2022

An der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) finden aktuell
Veranstaltungen und regelmäßige Formate statt, die kulturelle und
politische Einblicke in die vom Krieg erschütterte Ukraine geben und eine
vertiefte wissenschaftliche Perspektive ermöglichen.

Expertise und Veranstaltungen im Überblick
Einen Überblick über Viadrina-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler,
die sich mit der Ukraine, deren Kultur, Geschichte, Politik und
Gesellschaft beschäftigen und die für journalistische Interviews und
fachliche Einschätzungen zur Verfügung stehen, bietet die Webseite: www.
europa-uni.de/ukraine. Hier sind auch sämtliche Hilfsangebote sowie alle
Veranstaltungen, Projekte und Initiativen der Europa-Universität zur
Ukraine zusammengefasst.

„Lesen für die Ukraine“ – Lesereihe mit ukrainischen Texten der Gegenwart
und Vergangenheit
Immer mittwochs von 18.00 bis 18.20 Uhr lädt die Viadrina gemeinsam mit
der Eberhard Karls Universität Tübingen zu der Reihe „Lesen für die
Ukraine“ ein. In Online-Sitzungen werden ukrainische Texte der Gegenwart
und Vergangenheit vorgetragen. Am Mittwoch, dem 23. März, wird aus dem
Werk des ukrainischen Schriftstellers und Philosophen Stanisław Vincenz
gelesen. Am 30. März stehen aktuelle Texte ukrainischer Autorinnen und
Autoren aus den sozialen Netzwerken im Mittelpunkt.
Interessierte erhalten nach Anmeldung an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. einen
Zugangslink. Die Veranstaltungen werden auch per YouTube-Livestream
übertragen: http://www.youtube.com/channel/UCoCQX9MO1Nyi-RVk15lvYmw.

„UKRAINE. Unerklärter Krieg“ – Ausstellung am Collegium Polonicum
Im Foyer des Collegium Polonicum in Słubice ist derzeit die Ausstellung
„UKRAINE. Unerklärter Krieg“ von Oleksandr Klymenko zu sehen. Auf 30
Tafeln zeigt der ukrainische Fotojournalist Fotos von den
Militäroperationen im Osten der Ukraine in den Jahren 2014 und 2015.
Das Collegium Polonicum präsentiert die Ausstellung im Geiste der
Solidarität mit Studierenden, Freunden und Bekannten aus der Ukraine
angesichts des aktuellen Angriffskrieges.

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SARS-CoV2-assoziierte Veränderungen der Hirnstruktur im Langzeitverlauf bei nicht-hospitalisierten Personen

Anhand von Daten der in der prä-Pandemie-Ära begonnenen, longitudinal
angelegten „UK Biobank“ konnten erstmals zerebrale MRT-Befunde vor und
nach COVID-19 bei denselben Personen erhoben und mit einer Kontrollgruppe
Nicht-Infizierter verglichen werden [1]. Im Ergebnis zeigte sich bei den
zwischenzeitlich SARS-CoV-2-Infizierten ein Rückgang an grauer Substanz im
orbitofrontalen Kortex sowie eine Abnahme der Gesamthirnmasse. Bei den
Betroffenen verschlechterten sich im Verlauf auch die kognitiven
Testergebnisse. Ob diese Veränderungen reversibel sind, ist derzeit noch
offen. Eine weitere Studie [2] zeigte eine erhöhte Rate an de novo-
Demenzen nach COVID-19 im Vergleich zu anderen Pneumonien.

Viele Studien zeigten bereits COVID-19-assoziierte Auffälligkeiten der
Gehirnstruktur. Es blieb bislang jedoch unklar, ob auch leichtere Verläufe
einer SARS-CoV-2-Infektion zu solchen Veränderungen führen können. In der
renommierten Zeitschrift Nature wurde nun eine Studie publiziert [1], die
im Rahmen der großen, longitudinalen „UK Biobank Imaging Study“ [2]
erstmals zerebrale MRT-Veränderungen bei SARS-CoV-2-infizierten Personen
untersuchte, von denen bereits vor der Pandemie ein zerebrales MRT
verfügbar war. In der 2006 begonnenen „UK Biobank Imaging Study“ wurden
seitdem über 40.000 Menschen (>45 Jahre) in vier Zentren nach
standardisierten Protokollen einer multimodalen zerebralen MRT-
Untersuchung des Gehirns unterzogen. Die Studie wurde zunächst aufgrund
der Pandemie pausiert; ab Februar 2021 wurde dann begonnen, Teilnehmende
zu einem weiteren MRT-Scan einzuladen. In der Zwischenzeit hatten viele
von ihnen eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht.

Um den potenziellen Einfluss einer SARS-CoV-2-Infektion auf die
Gehirnstruktur zu untersuchen, wurden die zwei Scans (vor und nach
COVID-19) mit nicht an COVID-19 erkrankten Teilnehmenden verglichen. Die
Verfügbarkeit der Bildgebung vor der Infektion minimierte die
Wahrscheinlichkeit, dass unbekannte präexistente Risikofaktoren oder
Auffälligkeiten später als COVID-bedingt fehlinterpretiert wurden. Auch
waren Teilnehmende mit zerebralen Zufallsbefunden im ersten Scan von der
Studie ausgeschlossen. Die Gruppen waren umfassend gematcht, d. h. es gab
keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Alter, Geschlecht,
Ethnizität, mittlerem Blutdruck, Diabetes mellitus, Gewicht/BMI, Alkohol-
und Nikotinkonsum oder dem sozioökonomischen Status („Townsend
Deprivations-Index“).

Von 785 geeigneten Personen in der Biobank (Alter 51-81) mit jeweils zwei
zerebralen MRT-Untersuchungen hatten 401 Personen zwischen den beiden
Scans eine SARS-CoV-2-Infektion erlitten, 15 von ihnen waren stationär
behandelt worden. Zwischen der Infektionsdiagnose und dem zweiten Scan
lagen durchschnittlich 141 Tage. Zur Kontrollgruppe zählten 384 Personen.
Das Intervall zwischen den beiden Gehirnscans betrug in beiden Gruppen im
Mittel 3,2 ± 1,6 Jahre.

Im Ergebnis zeigten sich signifikante longitudinale Effekte bzw. MRT-
Veränderungen in der Gruppe der zwischenzeitlich SARS-CoV-2-Infizierten.
Dazu gehörten eine Abnahme grauer Substanz und eine Abnahme des
Gewebekontrasts im orbitofrontalen Kortex (Hirnrinde im vorderen Bereich
über den Augenhöhlen) und im sogenannten parahippocampalen Gyrus (Teil des
im Schläfenlappen gelegenen limbischen Systems). Auch zeigten sich
Gewebeveränderungen bzw. -schäden in Hirnregionen, die funktionell mit dem
primären Riechkortex verbunden sind, sowie eine stärkere Abnahme der
Gesamthirnmasse. Die zwischenzeitlich SARS-CoV-2-Infizierten wiesen auch
in kognitiven Tests deutlich mehr Verschlechterungen (in der Zeit zwischen
den beiden Scans) auf als Nicht-infizierte. Diese longitudinalen
Gruppenunterschiede (in Bildgebung und Kognition) blieben auch bestehen,
wenn die 15 Teilnehmenden, die wegen COVID-19 hospitalisiert waren, nicht
in die Statistik einbezogen wurden.

Der Pathomechanismus SARS-CoV-2-assoziierter Gehirnveränderungen muss nun
weiter erforscht werden. Die Forschenden diskutieren eine Verbreitung des
Virus über olfaktorisch-neuronale Wege und entzündliche Vorgänge. Auch der
Wegfall des sensorisch-olfaktorischen Inputs aufgrund des Verlustes des
Geruchssinns (Anosmie) könnte indirekt strukturelle Veränderungen
verursacht haben, so die Autorinnen und Autoren der Studie.

„Die Daten der UK Biobank zeigen, dass es für die neurologischen Post-
COVID-Symptome ein morphologisches Korrelat gibt“, kommentiert Prof. Dr.
med. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN. „Ob die in der Bildgebung
dokumentierten Veränderungen im Verlauf reversibel sind oder im Sinne
einer Neurodegeneration langfristig persistieren, muss nun im Follow-up
weiter untersucht werden.“

Eine weitere Studie [3] beschreibt ebenfalls COVID-19-assoziierte
funktionelle zerebrale Veränderungen. Hier hatten die über 10.000
Betroffenen allerdings alle eine SARS-CoV-2-Pneumonie mit schwerem
Verlauf. Bei 3% entwickelte sich nach >30 Tagen eine neu auftretende
Demenz. Das Demenzrisiko nach einer SARS-CoV-2-Pneumonie war in dieser
Studie 30% höher (OR 1,3) als bei nicht-COVID-19-assoziierten Pneumonien.
Die Definition einer neu aufgetretenen Demenz erfolgte anhand primärer
Diagnoseschlüssel nach ICD-10-CM (F01.5, F02.8, F03.9, G30, G31, G32).
Betroffene mit dokumentierten präexistenten Demenz-Symptomen oder
kognitiven Defiziten waren ausgeschlossen. Komorbiditäten, die das Risiko
einer Demenz-Entwicklung erhöhen können, wurden in der Multivarianzanalyse
berücksichtigt (z. B. Hypertonie, Drogen-, Nikotin- und Alkoholkonsum,
bestimmte neurologische und psychiatrische Erkrankungen).

„Die Daten zeigen, dass das Virus, wenn auch zum Glück nur in seltenen
Fällen, auch im Langzeitverlauf zu Veränderungen im Gehirn führen kann.
Vor diesem Hintergrund bietet die Impfung nicht nur einen Schutz vor
schweren Akutverläufen der Infektion, sondern auch vor Folgeschäden“, so
das Fazit des Experten.


[1] Douaud G, Lee S, Alfaro-Almagro F et al. SARS-CoV-2 is associated with
changes in brain structure in UK Biobank. Nature 2022 Mar 7. doi:
10.1038/s41586-022-04569-5. Online ahead of print.
[2] https://www.ukbiobank.ac.uk/explore-your-participation/contribute-
further/imaging-study

[3] Qureshi AI, Baskett WI, Huang W et al. New Onset Dementia Among
Survivors of Pneumonia Associated with Severe Acute Respiratory Syndrome
Coronavirus 2 Infection. 2022 Infectious Diseases Society of America.
https://watermark.silverchair.com/ofac115.pdf

Pressekontakt
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o Dr. Bettina Albers, albersconcept, Jakobstraße 38, 99423 Weimar
Tel.: +49 (0)36 43 77 64 23
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft in der
gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren fast 11.000 Mitgliedern die
neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu
verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre,
Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der
gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden
gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

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Digital an Bord: Live-Vorführung der 3D-Erfassung von Museumsobjekten

Nur noch einen Klick entfernt sind Schiffsmodelle aus dem Deutschen
Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte in
Bremerhaven bald für Interessierte. Das Digitalisierungsteam bietet mit
einer neuen 3D-Anwendung spannende Erlebniswelten und testet sie mit
Besuchenden.Während Live-Vorführungen können Gäste ihre mitgebrachten
Lieblingsgegenstände scannen lassen.

Eine animierte Kogge, die auf einer Welle aus dem Smartphone schwappt –
Dr. Isabella Hodgson vom DSM freut sich über das frisch gedruckte
Plakatmotiv, das auf die neue 3D-Anwendung aus dem Museum hinweist. Kurz
nach dem Start der Ausstellungen CHANGE NOW! und INTO THE ICE steht die
hauseigene Digitalanwendung in den Startlöchern. Schiffsmodelle wurden
gescannt und können über mobile Endgeräte oder am Desktop erkundet werden.
„Uns war wichtig, dass die App als Web-Anwendung funktioniert. Sie muss
nicht runtergeladen werden und ist natürlich gratis, damit jeder sie
schnell und problemlos mit einem mobilen Endgerät oder am Desktop nutzen
kann“, erklärt Hodgson.

Die Digitale Kuratorin koordiniert das Werk des Programmierers Luca Junge
und des Designers Dennis Hoffmann und schaut stolz auf ihr Smartphone, wo
die FEHMARNBELT in einem animierten Meer schaukelt. Das detailgetreue
Digitalisat lässt sich leicht mit den Fingern größer ziehen und drehen.
Wer die runden Icons anwählt, erhält mehr Informationen über die
technischen Daten des Modells, das Original-Schiff und seine Funktion.
„Wir haben bewusst Schiffsmodelle ausgewählt, die für verschiedene
Themenbereiche stehen: Die CHALLENGER ist ein Forschungsschiff, die
FEHMARNBELT war ein Feuerschiff und die H. H. MEIER ein
Seenotrettungskreuzer. Die Schiffstypen machen es uns möglich, die
unterschiedlichen Facetten der Schifffahrt zu zeigen und an ihnen
physikalische Prozesse, die Aspekte der Navigation oder der Sicherheit
exemplarisch zu erläutern“, sagt die Digitalisierungsexpertin. Des
Weiteren können ein Containerschiff, ein historisches Passagierdampfer und
die Schiffsausrüstung der BESAN EWER ANNA erkundet werden.

Gespannt ist sie, wie die Gäste und Nutzer:innen auf die Anwendung
reagieren. Das neue Digitalerlebnis bringt das Objekt dicht an die
Betrachtenden. „Eine App lebt von den Ideen der Nutzer:innen, deshalb
setzen wir auf die Gäste und deren Meinungen“, sagt Hodgson. Eine spätere
Verwendung der App in Schulen wünscht sie sich. Lernende und Lehrende
können die 3D-Modelle betrachten und auf Grundlage der Informationen neues
Wissen erarbeiten, das ebenfalls in der App abgelegt werden kann: "So
werden ständig neue Aspekte zum Thema Schifffahrt ergänzt."

Bevor die App ins Klassenzimmer zieht, möchte das Digital-Team die
Anwendung den Museumsgästen vorstellen. Am Samstag, 26. März, gibt Hodgson
von 17 bis 18.30 Uhr Einblicke, wie Digitalisierung im Schifffahrtsmuseum
funktioniert. Dabei zeigt sie auch die App und führt live
Digitalisierungen durch. "Wer möchte, kann einen 20 bis 30 Zentimeter
großen Gegenstand mitbringen, um ein digitales Abbild zu erhalten."
Weitere Führungen sind für den 8. und 22. Mai geplant.

Live-Vorführung „Vom 3D-Scan zum AR-Erlebnis“:
Samstag, 26. März, von 17 bis 18.30 Uhr,
Sonntag, 8. Mai, von 11 bis 12.30 Uhr,
Sonntag, 22. Mai, 13 bis 14.30 Uhr
Die Teilnahme ist gratis, es muss nur ein Zeitfenster-Ticket unter
www.dsm.museum/ticket gebucht werden.

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Nahrungsmittelkrise durch Ukraine-Krieg erfordert Handeln: weniger Tierprodukte, grünere EU-Agrarpolitik

Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auf das weltweite Nahrungsmittelsystem
aus, zusätzlich zu der direkten humanitären und sicherheitspolitischen
Krise durch die russische Aggression. Die Ukraine und Russland sind
wichtige Erzeuger von Getreide und Düngemittel, doch ihre Exporte drohen
unterbrochen zu werden. Die Entscheider und Entscheiderinnen in der
Agrarpolitik - wie die am Montag tagenden EU-Ministerinnen und Minister -
sollten jedoch nicht abrücken von einer nachhaltigeren Landwirtschaft, nur
um die Getreideproduktion zu steigern, argumentiert ein Team von
Forschenden in einer heute veröffentlichten Erklärung.  Sie schlagen drei
Schlüsselmaßnahmen zur Bewältigung der Krise vor

Die Forschenden betonen, dass eine Änderung der Nachfrageseite zu einem
widerstandsfähigeren und nachhaltigeren globalen Ernährungssystem führen
kann, anstatt sich nur auf die Angebotsseite - etwa für Tierfutter - zu
konzentrieren.

“Die weltweite Ernährungsunsicherheit wird nicht durch eine Einschränkung
des Nahrungsmittelangebots verursacht. Sie wird durch ungleiche Verteilung
verursacht. Es gibt mehr als genug Nahrungsmittel, um die Welt zu
ernähren, auch jetzt bei diesem Krieg. Allerdings wird das Getreide an
Tiere verfüttert, als Biokraftstoff verwendet oder einfach verschwendet,
anstatt hungrige Menschen zu ernähren", so Sabine Gabrysch, Forscherin am
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sowie an der Charité
Berlin, eine der Mitautorinnen. “Jetzt Umweltvorschriften aufzuweichen, um
die Lebensmittelproduktion zu steigern, würde die Krise nicht lösen. Es
würde uns vielmehr noch weiter von einem robusten Ernährungssystem
entfernen, das gegen künftige Schocks gewappnet ist und eine gesunde und
nachhaltige Ernährung ermöglicht.”

In einer Erklärung, die von mehr als 200 Experten und Expertinnen aus
mehreren Ländern unterzeichnet wurde, schlagen die Forschenden drei Hebel
vor, um die kurzfristigen Schocks zu bewältigen und gleichzeitig die
menschliche Gesundheit und eine langfristige nachhaltige Entwicklung zu
gewährleisten:

(1) Beschleunigung der Umstellung auf eine gesündere Ernährung mit weniger
tierischen Erzeugnissen in Europa und anderen Ländern mit hohem Einkommen,
wodurch sich die für Tierfutter benötigte Getreidemenge verringern würde;
(2) Steigerung der Produktion von Hülsenfrüchten und weitere
Ökologisierung der EU-Agrarpolitik, auch um die Abhängigkeit von
russischem Stickstoffdünger und Erdgas zu verringern;
(3) Verringerung der Lebensmittelverschwendung, da beispielsweise die
Menge an vergeudetem Weizen allein in der EU etwa der Hälfte der
Weizenexporte der Ukraine entspricht.

Weitere kurzfristige Maßnahmen der europäischen Regierungen sollten die
Bereitstellung von Mitteln für das Welternährungsprogramm zum Kauf von
Getreide umfassen und die Aufrechterhaltung des Handels einschließlich des
Handels mit Lebensmitteln von und nach Russland, heißt es in der
Erklärung. Die sozialen Sicherungssysteme sollten in der gesamten EU
gestärkt werden, um negative Auswirkungen der steigenden
Lebensmittelpreise für arme Haushalte zu vermeiden.

"Dieser schreckliche Krieg zwingt uns, etablierte Praktiken zu überdenken.
Das gilt insbesondere auch im Ernährungssektor, der bereits jetzt
Schockwellen erlebt, die von den Märkten übertragen und durch die
Verwerfungen in der Ukraine und in Russland verursacht werden", sagt Marco
Springmann von der Universität Oxford, ebenfalls einer der Mitautoren.
"Die Diskussion über Ernährungsumstellungen angesichts des Krieges ist
wichtiger, als es auf den ersten Blick scheinen mag, denn durch eine
stärker pflanzlich basierte Ernährung anstelle von Fleisch wären in der
Welt letztlich mehr Nahrungsmittel verfügbar, einfach weil die
Tierproduktion ineffizient ist. Wir können und sollten auf die
kurzfristige Krise in einer Weise reagieren, die auch geeignet ist, die
langfristigen Krisen des Welternährungssystems zu bewältigen."

Weblink zum Statement: https://zenodo.org/record/6366132

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Twitter: @PIK_Klima
www.pik-potsdam.de

Wer wir sind: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist
eines der weltweit führenden Institute in der Forschung zu globalem
Wandel, Klimawirkung und nachhaltiger Entwicklung. Natur- und
Sozialwissenschaftler erarbeiten hier interdisziplinäre Einsichten, welche
wiederum eine robuste Grundlage für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft
und Zivilgesellschaft darstellen. Das PIK ist ein Mitglied der Leibniz-
Gemeinschaft.

Originalpublikation:
Veröffentlichung: Pörtner, Lisa M., Lambrecht, Nathalie, Springmann,
Marco, Bodirsky, Benjamin Leon, Gaupp, Franziska, Freund, Florian, Lotze-
Campen, Hermann, & Gabrysch, Sabine. (2022). We need a food system
transformation – in the face of the Ukraine war, now more than ever. [DOI:
10.5281/zenodo.6366132]

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