Entwicklerinnen und Entwickler werden oft durch unvorhergesehene Verwendungsweisen ihrer Produkte überrascht. Forschende am KIT suchen nach Wegen, mögliche Umnutzungen von Technik besser zu antizipieren. (Grafik: Dominika Rogocka/modus media). Grafik: Dominika Rogocka/modus media
Digitale Technologien formen unseren Alltag. Bei der Gestaltung der Technik steht die reine Funktionalität im Vordergrund. Angesichts des Klimawandels oder gesellschaftlicher Fragen wandeln sich jedoch die Ansprüche von Nutzerinnen und Nutzern: Ein technisches System, das ökologischen oder moralischen Anforderungen nicht genügt, ist für viele ein schlechtes Produkt. Hersteller müssen bei der Entwicklung von Technik also über die Funktionslogik hinausgehen. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) wollen Wege für eine reflektierte Technikentwicklung und -gestaltung aufzeigen.
„Wir erarbeiten Werkzeuge und Methoden, um die digitale Revolution einerseits besser zu verstehen und sie andererseits verstärkt im Interesse der Nutzenden und der Gesellschaft zu gestalten“, sagt Dr. Bruno Gransche vom Institut für Technikzukünfte des KIT. „Ein Problem für durchdachte und bewusste Technikgestaltung ist, dass Entwicklerinnen und Entwickler häufig überhaupt nicht voraussehen können, auf welche Art und Weise die Menschen eine Technologie tatsächlich nutzen werden“, sagt der Philosoph. Diese sogenannte Multistabilität von Technik führe zu Umnutzungen und Zweckentfremdungen, aber auch zu Innovationen.
Unvorhergesehene Verwendung von Produkten
Als Beispiel nennt Gransche die Nutzung autonomer Fahrzeuge: Dass es beim Fahren von A nach B gleichzeitig möglich ist zu arbeiten, Zeitung zu lesen, Videos zu schauen oder zu schlafen, haben die Entwickler beabsichtigt. Das Drehen etwa von Sexfilmen während der Fahrt mit dem Auto-Piloten – so geschehen in einem Videoclip, der vor wenigen Jahren in den Sozialen Medien für Aufmerksamkeit sorgte – dagegen nicht. Diese Verwendung habe auch er nicht abgesehen, kommentierte Elon Musk, Gründer und Chef des amerikanischen Automobilherstellers Tesla, damals auf Twitter: „Es stellt sich heraus, dass es mehr Möglichkeiten gibt, den Autopiloten zu verwenden, als wir uns vorgestellt haben – hätte es kommen sehen sollen.“ „Autonome Autos haben also vielschichtige Auswirkungen auf den Straßenverkehr, den nicht einmal zentrale Technologietreiber durchschauen. Das gleiche gilt etwa für die Verbreitung von Digitaltechnik, KI-Systemen, oder Sprachassistenten“, erläutert Gransche.
Mögliche Umnutzung von Technik besser voraussehen
„Wer Technik gestaltet, ist zwar nicht verantwortlich dafür, welches Verhältnis die Nutzenden zu dieser tatsächlich eingehen, wohl aber dafür, welche Nutzungsmöglichkeiten und Potenziale sich bieten“, so der Experte. Entwicklerinnen und Entwickler müssten also vorab bestimmte Entscheidungen treffen, die nicht nur Nutzungsweisen bestimmten, sondern auch daraus folgende weitreichende Handlungspotenziale beeinflussten. Wer diese Komplexität bewusster und früher berücksichtigen könne, könne besser verantwortliche Innovationsstrategien entwickeln, gezielter die vielschichtigen Ansprüche der Nutzenden berücksichtigen und letztlich vorausschauender gesellschaftlichen Wandel mitgestalten. „Dafür wollen wir ihnen eine möglichst fundierte und dabei konkret handhabbare Grundlage bieten“, sagt Gransche. „Phänomene wie die Multistabilität besser zu verstehen, kann dazu einen wertvollen Beitrag leisten.“
Das Projekt „Lebensformen in Digitalisierten Lebenswelten“, kurz LeDiLe, ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,75 Millionen Euro geförderten Clusters Integrierte Forschung. Das KIT erhält davon 550 000 Millionen Euro. (mex)
Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 23 300 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der deutschen Exzellenzuniversitäten.
Ruft zum Handeln auf: Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, Meeresbiologe am AWI und der Universität Bremen. Kerstin Rolfes
Er dokumentiert das Wissen der Welt zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosysteme und Artenvielfalt, auf Mensch und Natur: Im Februar verabschiedet die Arbeitsgruppe II des Weltklimarates ihren Sachstandsbericht – am 28.02.2022 wird dieser vorgestellt. Ko- Vorsitzender des einflussreichen Gremiums ist ein Bremer: Professor Dr. Hans-Otto Pörtner, Kooperationsprofessor vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar-und Meeresforschung (AWI) und der Universität Bremen.
Marktstraße 3 im Zentrum von Bremen, ein schmuckloses Bürogebäude unweit von Rathaus, Bürgerschaft und Dom: Unten im Erdgeschoss offeriert eine Kette ihre Kaffeeprodukte. Oben im fünften Stock wird buchstäblich Klimageschichte geschrieben, ganz unaufgeregt. Hier ist die Geschäftsstelle der Arbeitsgruppe II des Weltklimarates zu Hause. Ein Team von zwölf Mitarbeitenden unter Leitung des Meeresbiologen Hans-Otto Pörtner.
Den Stand der Forschung zum Klimawandel zusammenzufassen und zu bewerten, der Politik eine wissenschaftsbasierte Grundlage für ihre Entscheidungen zu liefern, ist die Aufgabe des Weltklimarates. 195 Staaten sind im „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) vertreten, so die englischsprachige Bezeichnung der zwischenstaatlichen, unabhängigen Institution, die 1988 von den Vereinten Nationen gegründet worden ist. In Sachstandsberichten tragen drei Arbeitsgruppen regelmäßig das Klima-Wissen der Welt zusammen.
--- „Weiterdaddeln wie bisher geht nicht. Wir sind Zeitzeugen der existentiellsten Krise des Planeten, der Natur, der Menschheit.“ ---
Im Februar ist es wieder so weit. Dann verabschiedet die Arbeitsgruppe II, deren Ko-Vorsitzender Pörtner ist, ihre Ergebnisse. „Folgen des Klimawandels, Verwundbarkeit und Anpassung“ lautet der Titel ihres Hauptberichts im 6. Berichtszyklus. Mit den Folgen des Klimawandels für Ökosysteme und Artenvielfalt, mit der Verwundbarkeit von Mensch und Natur, mit den Möglichkeiten und Grenzen der Anpassungsfähigkeit der Systeme beschäftigt er sich. Auch enthält der Bericht Prognosen etwa darüber, wie viel Lebensraum der Mensch durch den Klimawandel verliert oder wie die Mortalität durch die globale Erwärmung steigt.
Der Entwurf ist noch vertraulich, aber eine grundlegende Botschaft ist bereits jetzt klar. „Weiterdaddeln wie bisher geht nicht“, sagt Pörtner. „Wir sind Zeitzeugen der existentiellsten Krise des Planeten, der Natur, der Menschheit. Noch haben wir die Hebel in der Hand. Aber wir müssen auch bereit sein, sie zu bewegen. Mit dem Klima können wir keine Verhandlungen führen; Naturgesetze müssen wir respektieren.“
Über einen Zeitraum von drei Jahren hat das Team an der Marktstraße mit Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt kommuniziert, hat sie unterstützt in wissenschaftlichen, organisatorischen, technischen Fragen und das Wissen zusammengefügt. Etwa 280 Hauptautorinnen sind an dem Bericht beteiligt – Bio-log:innen, Geolog:innen, Umweltphysiker:innen und viele andere Disziplinen, oft die besten ihrer Zunft. Alle sind wie Pörtner auch ehrenamtlich dabei. Herausgekommen ist ein voraussichtlich gut 2000 Seiten starker Report, unterteilt in 18 Kapitel. Sie befassen sich mit einzelnen Weltregionen, mit besonders gefährdeten Systemen wie den tropischen Regenwäldern oder den Polargebieten, mit der Artenvielfalt, mit Ozeanen, der Waldwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion.
Die gut 30-seitige politische Zusammenfassung des Berichts wird im Februar auf der einwöchigen Vollversammlung des Weltklimarates mit rund 500 Regierungsvertreter:innen diskutiert. „Wir als Ko-Vorsitzende haben die Aufgabe, diesen Prozess zu koordinieren und zu leiten“, sagt Pörtner, der sich die Aufgabe mit der Südafrikanerin Debra Roberts teilt.
Die Ko-Vorsitzenden sind dann weniger als Wissenschaftler:innen gefragt, sondern als Diplomat:innen, als Vermittler:innen – und als Personen mit dem Hammer. Wort für Wort, Zeile für Zeile des Entwurfs werden debattiert. „Sie glauben gar nicht, was da noch an Wünschen kommen kann“, sagt der 66 -jähri-ge mit einem leichten Stöhnen. Ist Einigung über eine Formulierung erzielt, lässt er wie bei einer Auktion den Hammer niedersausen. Dann springt die gelbe Schrift für strittige Formulierungen um auf Grün.
Der Bericht ist ein Konsensprodukt, natürlich. Er wird gemeinsam verabschiedet von Wissenschaft und Regierungen, fließt in deren Handeln mit ein. „Wir haben direkten Zugang zu den Regierungen und können Informationen unmittelbar in den Politikprozess einschleusen. Das ist der große Vorteil des Weltklimarats“, sagt Pörtner. Ein Vetorecht habe die Politik nicht. „Die Wissenschaft hat das letzte Wort. Die Wünsche der Regierungen können nie so weit gehen, dass sie wissenschaftlichen Aussagen verändern.“
Pörtner engagiert sich seit Langem für den Weltklimarat. Zunächst als Autor, später als Leitautor für das Kapitel Ozeansysteme. Als er 2015 gefragt wurde, ob er sich als Ko-Vorsitzender zur Wahl stellen wolle, zögerte er nicht lange. Nach Professor Dr. Ottmar Edenhofer vom Potsdam- Institut für Klimafolgenforschung ist er erst der zweite Deutsche an der Spitze einer Arbeitsgruppe.
Das ist nicht nur eine Auszeichnung für ihn als Wissenschaftler und Person, sondern auch für das AWI sowie insgesamt für den Wissenschaftsstandort Bremen und die U Bremen Research Alliance. Der Biologe kam 1995 ins Bundesland Bremen, übernahm dort die Leitung der Forschungsgruppe für Integrative Ökophysiologie am AWI. Obwohl es an Anfragen aus anderen Wissenschaftsstandorten nicht mangelte, blieb er in Bremen. „Wir haben am AWI über die Jahre Forschungsmöglichkeiten aufgebaut, die sich nicht überall finden“, meint Pörtner.
Ein weiterer Faktor für sein Bleiben ist der enge Austausch der Wissenschaft im Bundesland Bremen. Als Kooperationsprofessor ist Pörtner gleich für zwei Mitgliedseinrichtungen der U Bremen Research Alliance tätig: für das AWI und für die Universität Bremen, an der er lehrt und Promovierende betreut. „Gute Wissenschaft geht nur gemeinsam, über die Grenzen der Disziplinen und Institutionen hinweg. Dafür ist die Allianz ein sehr gutes Beispiel.“
Mittelpunkt seiner Forschung sind der Naturraum Ozean und die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben im Meer. Drei zentrale Faktoren bestimmen die Veränderungen: der Temperaturanstieg, die zunehmende Sauerstoffarmut und die Versauerung durch die steigende Aufnahme von Kohlendioxid. „Tiere sind spezialisiert auf ein begrenztes Temperaturfenster. Der antarktische Fisch stirbt bei drei Grad Celsius den Hitzetod“, sagt er. Eine Folge der Erwärmung ist die Artenwanderung. Die Wechselwirkungen zwischen den Arten ändern sich, neue Ökosysteme entstehen. „Wie funktionieren sie? Das ist eine von vielen Fragen, die ich beantworten möchte.“
--- „Gute Wissenschaft geht nur gemeinsam, über die Grenzen der Disziplinen und Institutionen hinweg. Dafür ist die Allianz ein sehr gutes Beispiel.“ ---
Im Weltklimarat hat es Pörtner mit Kolleg:innen ganz verschiedener Disziplinen zu tun. Dabei geht es nicht nur um naturwissenschaftliche Fragen, sondern auch um die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Klimakrise, etwa beim Fischfang. „Man muss die interdisziplinären Zusammenhänge sehen und die Scheuklappen seines Fachs überwinden“, beschreibt Pörtner eine Anforderung an seine Arbeit. So hat er im Sommer 2021 gemeinsam mit dem Weltbiodiversitätsrat eine Studie vorgelegt, die den Dreiklang aus Emissionsschutz, nachhaltigem Artenschutz und sozialer Gerechtigkeit erstmals thematisierte. „Dass wir diesen Zusammenhang aufgezeigt und mit Fakten etabliert haben – darauf bin ich stolz.“ Nicht weniger stolz ist er, mitgeholfen zu haben, die Ozeane in den Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen zu verankern. „Für die Meeresforschung ist das ein großer Erfolg.“
Für drei Sonderberichte des Weltklimarates im 6. Berichtszyklus trug Pörtner bislang Mitverantwortung, zur globalen Erwärmung um 1,5 Grad, zu Landsystemen sowie zu Ozeanen und der Kryosphäre, den gefrorenen Systemen der Erde. Welche Wirkung auf das Klima er sich von dem Bericht erhofft? „Dass wir es schaffen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Wir sind in den zehn entscheidenden Jahren der Klimapolitik. Wenn wir jetzt nicht die Dinge umdrehen, wird uns das Klima möglicherweise davonlaufen.“
In diesem Jahr steht noch ein weiterer Bericht an, der die Ergebnisse der drei Arbeitsgruppen des Weltklimarates zusammenfasst. Im November dann folgt die UN-Klimakonferenz in Ägypten. 2023 endet seine Amtszeit. Doch der Klimawandel schreitet weiter fort, und mit ihm das Berichtswesen. Ist das 1,5 Grad-Ziel noch erreichbar? Pörtner ist verhalten optimistisch. „Ja“, sagt er, die Betonung liege jedoch eindeutig auf „noch“. Und dann folgt das Aber: „Wir müssen bereit sein für eine tiefgreifende Transformation, und zwar jetzt. Was zu tun ist, ist bekannt.“
Originalpublikation: Impact – Das Wissenschaftsmagazin der U Bremen Research Alliance
In der U Bremen Research Alliance kooperieren die Universität Bremen und zwölf Forschungsinstitute der vier deutschen Wissenschaftsorganisationen sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz - alle mit Sitz im Bundesland.
Das seit 2019 erscheinende Magazin Impact dokumentiert die kooperative Forschungsstärke der Allianz und ihre gesellschaftliche Relevanz. „Aufklärer der Klimakrise: Bremen im Weltklimarat“ wurde in Ausgabe 5 (Januar 2022) veröffentlicht.
ICH LAUF UM DEIN LEBEN: SPENDENLAUF 2021 für die Kinder-Herztransplantation Copyright: DGTHG
Über 2.300 Läuferinnen und Läufer an Aktion "Ich lauf um Dein Leben" beteiligt. Im Rahmen der diesjährigen Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler e.V. (DGPK) wurde dem Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler ein Spendenscheck über die Gesamtsumme von 67.295,18 € aus der Aktion „Ich lauf um Dein Leben“ übergeben. Über 2.300 Läuferinnen und Läufer haben sich im vergangenen Jahr an diesem virtuellen Spendenlauf beteiligt, um den Fokus der Öffentlichkeit auf Familien zu richten, in denen eine Herztransplantation ansteht.
„Die Spende soll dafür genutzt werden, Familien zu unterstützen, die sich in dieser schwierigen Situation befinden und – neben der Sorge um das betroffene Kind – auch mit finanziellen Sorgen zu kämpfen haben“, erklärt Kai Rüenbrink, Sprecher des Aktionsbündnisses bei der Scheckübergabe. „Nicht selten warten die kleinen Patienten aufgrund fehlender Spenderorgane viele Monate in der Klinik auf den lebensrettenden Eingriff. Hier möchte das ABAHF schnelle und unbürokratische Hilfe leisten und damit ein wenig den Druck von den Schultern dieser Familie nehmen“, betont Rüenbrink: „Wir bedanken uns bei den Organisatoren der beiden Fachgesellschaften, vor allem aber bei den vielen aktiven Läufer:innen für die überwältigende Unterstützung der Aktion „Ich lauf um Dein Leben“. Insbesondere in Zeiten, in denen viele eher an sich als an ihre Mitmenschen denken, sei dieses Engagement aller Beteiligten für andere Menschen in einer Notlage etwas ganz besonders Wertvolles.
Das Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF) Um in der Öffentlichkeit mit einer Stimme für eine bessere Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern und deren Familien einzutreten und ihnen noch effektiver zu helfen, haben sich 2014 auf Initiative der Deutschen Herzstiftung e. V. sechs bundesweit tätige Patientenorganisationen zum „Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler“ (ABAHF) zusammengeschlossen. Die Organisationen sind: Bundesverband Herzkranke Kinder e.V., Bundesverein Jemah e.V., Fontanherzen e.V., Herzkind e.V., Interessengemeinschaft Das Herzkranke Kind e.V. und die Kinderherzstiftung der Deutschen Herzstiftung e.V.
Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft Hans-Christian Plambeck
Das Weizenbaum-Institut, das die digital vernetzte Gesellschaft untersucht, kann seinen Weg fortsetzen. Eine hochrangig besetzte Evaluierungskommission hat ihm eine hohe Forschungsqualität und eine stark ausgeprägte Interdisziplinarität bescheinigt. Sie empfiehlt dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Institut ab September für weitere drei Jahre zu fördern. Die Kommission lobt den Fortschritt beim Aufbau des Instituts, das 2017 gegründet worden ist.
Am Weizenbaum-Institut arbeiten rund 180 Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen. Partner des Verbundprojekts sind die vier Berliner Universitäten, die Universität Potsdam, Fraunhofer Focus und das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin und – seit 2019 – der Weizenbaum-Institut e.V.
Von der Evaluierungskommission wird die Forschungsqualität „durchweg als positiv eingeschätzt“, so der jetzt veröffentlichte Bericht. Die Interdisziplinarität als „Wesensmerkmal“ des Instituts zeigt sich in der Zusammensetzung der 21 Forschungsgruppen. Das Spektrum der untersuchten Themen reicht von digitaler Bildung über Sharing Economy, datenbasierten Geschäftsmodellen, digitaler Demokratie und Öffentlichkeit, nachhaltige Digitalisierung bis hin zu Fragen der digitalen Sicherheit und Normsetzung. Um die interdisziplinäre Forschung zu fördern, hat das Weizenbaum-Institut 2021 ein wissenschaftliches Journal gegründet. Außerdem organisiert es jährlich eine internationale Konferenz. 2022 wird das Thema „Digitale Souveränität“ im Mittelpunkt stehen.
Die Kommission stellt fest, dass die gesellschaftliche Relevanz der Forschungsthemen „sehr hoch“ ist und während der Corona-Pandemie weiter zugenommen hat. Hervorgehoben wird das Weizenbaum-Forum, eine monatliche Diskussionsrunde, zu dem das Weizenbaum-Institut Gäste einlädt, um mit ihnen aktuelle Fragen und neue Forschungsergebnisse zu diskutieren. Der Namensgeber des Instituts, der in Berlin geborene Joseph Weizenbaum, Computerpionier und -kritiker, wäre 2023 hun-dert Jahre alt geworden. Zum Jubiläum plant das Institut Veranstaltungen, die sein Werk und die Bedeutung seiner kritischen Thesen für die Gegenwart würdigen. Der Bericht geht auch auf die gute Vernetzung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene ein und auch auf die Erfolge in der Nachwuchsförderung.
Mit dem Evaluierungsbericht „haben wir ein gutes Zeugnis auf dem Tisch liegen, sodass wir mit viel Zuversicht in die Zukunft blicken können“, so der geschäftsführende Direktor des Weizenbaum-Instituts Christoph Neuberger, der an der Freien Universität Publizistik- und Kommunikationswissen-schaft lehrt. „Die intensive Aufbauarbeit trägt Früchte“, ergänzt der stellvertretende geschäftsführende Direktor Sascha Friesike, Professor für digitale Innovationen an der Universität der Künste. „Wir wollen nun bald eine dauerhafte Einrichtung werden, welche die Digitalisierungsforschung in der Region bündelt und international sehr sichtbar ist.“
Auch der Ausschuss Wissenschaft und Forschung des neu konstituierten Abgeordnetenhauses hat sich im Februar mit dem Weizenbaum-Institut befasst. Senatorin Ulrike Gote betonte in der Sitzung, dass das Weizenbaum-Institut, „obwohl es sehr jung ist, schon jetzt eine Erfolgsgeschichte ist“. Das Land Berlin finanziert neben dem BMBF das Institut, das seinen Sitz an der Hardenbergstraße in Berlin hat.