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Geschichten rund ums Pastetli erzählt Herbert Huber

Ich liebe Pastetli heiss. Aber nur dann, wenn diese auch heiss serviert werden. Vor allem in einer Wirtschaft sollte die Regel gelten: Der Gast wartet auf das Pastetli und nicht umgekehrt.

Der Gast wartet auf das Pastetli und nicht umgekehrt. Will heissen: Pastetli müssen zwingend à la minute angerichtet und im Eiltempo an den Tisch gebracht werden. Egal, was drin ist. Das Gehäuse muss noch knusprig sein – auf keinen Fall pampig. Pastetli kann man gut vorbereiteten.

Vol-au-vent.

Pastetli schön präsentiert
Pastetli schön präsentiert

Nicht zu verwechseln ist das Pastetli mit der Pastete, die mit einem Mürbeteig gemacht und mit einer „Farce“ gefüllt wird. Der französische Name des Pastetlis ist Vol-au-vent. Die Legende besagt, der französische Koch Marie-Antoine Carême habe einmal eine Pastete statt mit Pastetenteig mit Blätterteig zubereitet. Als sein Gehilfe nach der Pastete im Ofen sah, sei er erschrocken und habe gerufen: «Maître, il vole au vent» («Meister, sie fliegt in die Luft»), denn aus dem flachen Teig war eine turmartige Form entstanden. Das Pastetli war geboren.

Heute kann man Pastetli-Gehäuse bequem beim Hausbäcker kaufen, wobei es da qualitative Unterschiede geben kann. Mal abzuwechseln, kann sich lohnen. Wichtiger als das Haus ist aber in den allermeisten Fällen das Innenleben, die hausgemachte Füllung.

Chügeli und Fritschi – Letzteres das Urgericht der Lozärner Fasnächtler

Brätchügeli-Pastetli mit Erbsli und Rüebli
Brätchügeli-Pastetli mit Erbsli und Rüebli
Fritschipastetli
Fritschipastetli

Diskutierte man einst mit der Grande Dame der Schweizer Gastronomie, mit Marianne Kaltenbach, zog das eine nahezu endlose Unterhaltung nach sich. Vor allem dann, wenn es um die originale Luzerner Fritschi-Pastete ging. Marianne Kaltenbach kam ins Feuer der Begeisterung, wenn jemand wusste, dass diese mit einer braunen Sauce, mit Champignons, Kalbsbärtchügeli, Kalbsragout und Weinbeeren gefüllt und die Sauce mit etwas Madeira parfümiert wird. Mit diesem Wissen konnte man bei Madame gehörig punkten. Und gedeckt müssen diese Pasteten serviert werden, keinesfalls offen. Als wir einmal in einer Luzerner Wirtschaft als Lozärner Fritschi-Pastetli ein hundskommunes Chügelipastetli vorgesetzt bekamen, zudem noch an einer weissen Sauce serviert, war Marianne trotz ansprechender Qualität des Servierten stocksauer. Zu Recht, wie ich finde. Ein Fritschi-Pasteli ist nun mal kein Chügelipastetli.

Zur Vorspeise

Apéro Pastetli
Apéro Pastetli

 

 

Als Vorspeise wurden sie auch „Bouchées“ genannt, weil sie etwas kleiner waren – oder zum Hauptgang und eben etwas grösser als Vol-au-vents serviert wurden. Pastetli gab es als Festessen, an Sonntagen im Menü, an den Geburtstagen der Grosseltern und an Leidessen. Der Grund ist einfach: Pastell sind für eine Küche wunderbar, weil alles vorbereitet werden kann. Apropos Form: So serviere ich Pastetli mal rund, viereckig, sogar herz -oder sternförmig. Der Bäcker macht’s auf Vorbestellung.

Grundrezept für die Sauce: 60 gr. Butter. 4 EL Mehl. 1 dl Weisswein. 4dl. Fleischbouillon, Milch oder Gemüse Fond. 1dl Rahm. Salz und Pfeffer. Die Sauce sollte nie zu dünn sein, sonst saugt der Teig diese schnell auf und wird matschig. Zu dünn? Mit etwas Mehl Butter (beurre manié) oder Maizena nachbinden.

Ideen für die Füllung.

Pastetli mit Pilzfüllung
Pastetli mit Pilzfüllung

Für Vegetarier mit Gemüse oder Pilzfüllung. Oder gar mit einem würzigen Ratatouille.

Exotisch: Mit Poulet- und Gemüsewürfelchen an Currysauce.  Für Krustentierliebhaber: Mit Krevetten, mit Muscheln oder mit einem würzigen Fischragoût.  Edel: Mit Kalbfleisch, Milken, Champignons. Auch mit einem Pouletbrüstchen Ragoût mundet’s wunderbar. Oder einfach mit Brätchügeli.

Weitere Tipps: Die berühmten Teigdeckeli, die vor dem Aufwärmen der Pastetli rausgeschnitten wurden, nicht vergessen! Immer etwas Sauce separat servieren. Kreativ sind auch ein paar frittierte Randenscheiben oder im Ofen getrocknete Tomatenscheiben als Farbtupfer.

Text www.herberthuber.ch

Fotos: www.pixelio.de

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Lebende Fossilien in Düsseldorf: Brotpalmfarne setzen Zapfen an

Gärtner Tobias Rönsch (fast zwei Meter groß!) ist unter anderem für das Südafrikahaus im Botanischen Garten zuständig. Er steht hier neben einem weiblichen Brotpalmenfarn, der 2022 drei 50 Zentimeter große Zapfen ausgebildet hat.  HHU / Sabine Etges
Gärtner Tobias Rönsch (fast zwei Meter groß!) ist unter anderem für das Südafrikahaus im Botanischen Garten zuständig. Er steht hier neben einem weiblichen Brotpalmenfarn, der 2022 drei 50 Zentimeter große Zapfen ausgebildet hat. HHU / Sabine Etges

Botanischer Garten der HHU
Mehr als 250 Millionen Jahre alt und überaus selten: Unter anderem im
Südafrikahaus im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf (HHU) wachsen mehrere Brotpalmfarne aus der Gruppe der
Cycadeen. Diese haben nun beeindruckend große Zapfen ausgebildet, in denen
später die Samen reifen werden: Wenn die Zapfen aufplatzen, wird sich ein
farbenprächtiges Bild bieten.

Die Brotpalmfarne, botanisch Encephalartos natalensis, stammen
ursprünglich aus Südafrika. Nach der Einrichtung des Botanischen Gartens
in den 1970er Jahren wurden im Heimatland junge Pflanzen für das
Kuppelgewächshaus gekauft. Mit Bau des Südafrikahauses vor 14 Jahren sind
die südafrikanischen Brotpalmfarne dahin umgezogen, andere Palmfarne
stehen weiter im Kuppelgewächshaus.

Dr. Sabine Etges, Wissenschaftliche Leiterin des Gartens: „Inzwischen wäre
eine Anzucht aus südafrikanischen Wildsamen nicht mehr möglich, denn die
Pflanzen stehen unter strengem Artenschutz: Sie sind auf der CITES-‚Rote
Liste‘ der bedrohten Arten vermerkt.“

Die Stämme der sehr langsam wachsenden Pflanzen können bis zu 15 Meter
hoch werden. Der Lebensraum dieser lebenden Fossilien – sie kamen schon im
Erdzeitalter Perm vor 250 bis 300 Millionen Jahren vor – ist akut bedroht.
Ebenfalls wurden viele der Pflanzen gefällt, um an ihr stärkehaltiges Mark
zu kommen, und sie sind begehrte Objekte für Gärtner.

Sabine Etges: „Der Name Palmfarn ist irreführend, denn die Pflanzen
gehören weder zu den Palmen noch zu den Farnen. Aber ihre Wuchsform und
die gefiederten Blätter erwecken leicht den Eindruck einer solchen
Verwandtschaft.“ Tatsächlich gehören sie zu einer eigenen Pflanzenklasse
unter den Samenpflanzen, den Cycadopsida. Sie zählen neben den Koniferen
und den Ginkgo-Gewächsen zu den sogenannten Nacktsamern.

Bei den Cycadeen befinden sich männliche und weibliche Blüten auf
verschiedenen Pflanzen. So gibt es auch in Düsseldorf Brotpalmfarne
beiderlei Geschlechtes. Die männlichen Pflanzen bilden in ihren Zapfen
Pollen, die von Käfern und anderen Insekten zu den weiblichen Pflanzen
getragen werden. Dort wächst ein Pollenschlauch zur Eizelle und entlässt
Spermazellen mit Geißeln.

Die Zapfen haben jetzt ihren großen Auftritt: Seit März 2021 entwickelt
eine weibliche Pflanze drei Zapfen, eine männliche fünf. Jeder dieser
Zapfen ist mittlerweile gut einen halben Meter groß. Es kann über ein Jahr
dauern, bis die Samen reif sind und die Zapfen aufbrechen. Dann ist ein
weiteres beeindruckendes Schauspiel zu erwarten: Die rund fünf Zentimeter
großen, leuchtend roten Samen sitzen dicht an dicht an der Außenhülle des
Zapfens, während innen eine lange Spindel zurückbleibt.

„Die Zapfenbildung ist ein seltenes Ereignis: Da die Zapfen so groß sind,
muss die Pflanze viel Energie aufwenden, um so viel Biomasse zu erzeugen.
Das schafft sie nicht jedes Jahr. Zuletzt war dies in Düsseldorf 2014 der
Fall, 2015 öffneten sich dann die Zapfen“, erinnert sich Dr. Etges.

Aber woher kommt nun der Begriff „Brot“ in den deutschen Pflanzennamen?
Tatsächlich kann aus dem Mark im Inneren der Stämme und auch aus den Samen
eine stärkehaltige Substanz gewonnen werden. Doch sie ist nur essbar, wenn
diese auch ausreichend gekocht werden, sonst sind die Samen und andere
Pflanzenbestandteile äußerst giftig.

Wer noch mehr über den faszinierenden Brotpalmfarn wissen möchte: Im Blog
duesselbotanica, der regelmäßig über Highlights und Wissenswertes aus dem
Botanischen Garten berichtet, erschien gerade ein Beitrag „Winterzeit ist
Sommerzeit“ über das Südafrikahaus.

Der Botanische Garten der HHU

Der rund acht Hektar große Botanische Garten wurde 1979 eröffnet. Er dient
der Bevölkerung ganzjährig als Stätte der Bildung und Erholung, der
Pflanzenforschung und der Studierendenausbildung an der HHU. Die
umfangreichen, größtenteils öffentlichen Pflanzensammlungen werden als
Arbeits- und Anschauungsmaterial für Forschung und Lehre vor allem in der
Biologie und der Pharmazie genutzt.

Ein besonderer Schwerpunkt des Düsseldorfer Botanischen Gartens ist die
sogenannte Kalthauskultur. In ihrem Zentrum steht das Wahrzeichen des
Gartens, das 1.000 Quadratmeter große Kuppelgewächshaus mit einer Höhe von
18 Metern. Es beherbergt Pflanzen des Mittelmeerraums und der Kanaren,
aber auch solche aus Ozeanien, Asien und Amerika.

In den Jahren 2004 und 2008 wurde die Einrichtung um zwei neue Gebäude
erweitert, die Orangerie und das Südafrikahaus. Neben dem großen
Sammlungs- und Forschungshaus und Versuchsflächen betreibt der Botanische
Garten auch die hochmodernen Forschungsgewächshäuser auf dem Dach des
Biologie-Neubaus.
Die im Botanischen Garten zu entdeckende Pflanzenwelt ist äußert
vielfältig. Dort finden sich äußerst seltene Pflanzen wie die Wollemie,
von denen in Ursprungsland Australien nur circa 100 ausgewachsene
Exemplare wild in einem sehr kleinen, gut geschützten Gebiet vorkommen. In
Düsseldorf wird damit ein Beitrag zur Erhaltung bedrohter Arten und zur
Sicherung der Biodiversität geleistet.

Alljährlichen besuchen rund 70.000 Bürgerinnen und Bürger den Botanischen
Garten. Er ist für die Öffentlichkeit von März bis Oktober täglich und von
November bis Februar montags bis freitags geöffnet. Den Besuchenden steht
ein kostenfreier Audioguide zur Verfügung, der sie auf Rundgängen zu allen
Besonderheiten führt.

Mit einem vielfältigen Vortrags- und Führungsprogramm werden
Pflanzeninteressierte jeden Alters an die Geheimnisse, die im Garten zu
finden sind, herangeführt und die Bedeutung von Pflanzen für die
menschliche Zivilisation verdeutlicht. Mit diesem Wissenstransfer ist der
Botanische Garten in das Selbstverständnis der HHU als Bürgeruniversität
eingebunden.

Unterstützt wird die Arbeit durch den Freundeskreis, mit dessen Hilfe
bereits viele Projekte realisiert werden konnten.

Ebenso ist der Botanische Garten eine Ausbildungsstätte für Gärtnerinnen
und Gärtner. Bis zu zehn Auszubildende erlernen in der Fachrichtung
„Staudengärtnerei“ den Betrieb eines wissenschaftlich orientierten
Gartens.

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Abwehrmechanismen in rassismuskritischen Trainings der Sozialen Arbeit

Louisa Tolu Obisesan, Absolventin der Frankfurt UAS, wird für ihre Bachelor-Arbeit mit dem Henriette-Fürth-Preis 2021 des gFFZ ausgezeichnet.
Louisa Tolu Obisesan, Absolventin der Frankfurt UAS, wird für ihre Bachelor-Arbeit mit dem Henriette-Fürth-Preis 2021 des gFFZ ausgezeichnet.

Louisa Tolu Obisesan, Absolventin der Frankfurt UAS, erhält Henriette-
Fürth-Preis 2021
Wissenschaftler/-innen haben erkannt, dass viele weiße Menschen eine
Abwehrhaltung beim Thema Rassismus einnehmen. In welcher Form diese
sogenannte „White Fragility“ – das Unbehagen – auch ein strukturelles
Problem in der Sozialen Arbeit darstellt, untersuchte Louisa Tolu Obisesan
in ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel „Professional Fragility?
Abwehrmechanismen (weißer) Sozialarbeiter*innen in rassismuskritischen
Trainings“. Für diese wird der Absolventin des Bachelor-Studiengangs
Soziale Arbeit der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt
UAS) nun der Henriette-Fürth-Preis 2021 verliehen. Die Auszeichnung wird
jährlich vom Gender- und Frauenforschungszentrum der Hessischen
Hochschulen (gFFZ) für herausragende Abschlussarbeiten zur Frauen- und
Genderforschung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften verliehen und
ist mit einem Preisgeld von 500 Euro dotiert. Obisesans Thesis wurde von
Prof. Dr. Kathrin Schrader und Prof. Dr. Sarah Elsuni betreut. Das gFFZ
zeichnet mit dem Preis nicht nur die Absolventin aus, sondern würdigt auch
die Arbeit der Betreuenden.

Die Verleihung des Henriette-Fürth-Preises 2021 findet am 7. Februar 2022
im Rahmen einer digitalen Lehrveranstaltung des Bachelor-Studiengangs
Soziale Arbeit statt. Interessierte Personen können sich für die
Veranstaltung beim gFFZ per E-Mail an Nathalie Reum unter <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>
anmelden und erhalten anschließend die Zugangsdaten.

„Louisa Tolu Obisesan wagt sich in ihrer Abschlussarbeit an ein heikles
Thema, denn sie geht der Frage nach, wie es eigentlich in der Profession
Soziale Arbeit praktisch aussieht mit den hochgehaltenen Selbstansprüchen
der multikulturellen Offenheit und antirassistischen Haltung. Damit
liefert sie einen wertvollen Beitrag nicht nur für die anti-rassistische
Fachdebatte in der Sozialen Arbeit, sondern auch für andere
gesellschaftliche Institutionen“, begründet Prof. Dr. Lotte Rose,
Geschäftsführerin des gFFZ, die Auszeichnung Obisesans. „Ihre Studie
stellt darüber hinaus eine ‚Blaupause‘ für die fachliche
Auseinandersetzung mit anderweitigen Herrschafts- und
Diskriminierungsverhältnissen dar. Dies gilt auch für den professionellen
Umgang mit Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Altersdiskriminierung
(Ageismus), Diskriminierung von Personen mit Beeinträchtigungen
(Ableismus) oder Körper-Diskriminierung (Bodyismus).“

Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen in rassismuskritischen
Trainings für Sozialarbeiter/-innen untersuchte Obisesan, inwiefern es
unter Sozialarbeiterinnen und -arbeitern letztlich die gleiche „White
Fragility“ gibt, die weiße Menschen befällt, wenn sie sich mit ihren
eigenen Rassismen konfrontiert sehen. Obisesan zeichnet in ihrer Arbeit
nach, wie schwierig es für weiße Menschen allgemein und soziale Fachkräfte
im Besonderen sei, die eigenen Verstrickungen in rassistische Praktiken
und Strukturen zu sehen und auszuhalten. Sie fühlen sich, so die
Absolventin, häufig tief verletzt, an den Pranger gestellt sowie in ihren
Werten angegriffen. Hierdurch würden sie Abwehrmechanismen mobilisieren.
Während die Auseinandersetzung hiermit die entscheidende
rassismuskritische Bildungsressource für weiße Menschen sei, stelle sich
für schwarze Teilnehmende die Frage, ob diese sich auch mit diesen
Emotionen der weißen Teilnehmenden beschäftigen sollten. Obisesan bezieht
hier klar Stellung: Kreisen die Trainings vorrangig um die weiße
„Fragility“, würden rassistische Machtverhältnisse schlicht reproduziert
werden. Aus diesem Grund plädiert sie für getrennte Trainings, die auf die
Bedürfnisse der jeweiligen Teilnehmenden abgestimmt sind.

„Auch wenn es für die Soziale Arbeit ernüchternd sein mag, von Louisa Tolu
Obisesan einen kritischen Spiegel vorgehalten zu bekommen, wird doch genau
dieses dringend gebraucht: Nur so kann fachliche Weiterentwicklung in
einer Profession stattfinden, die sich als Menschenrechtsprofession
begreift und ihren Beitrag dazu liefern will, eine Welt zu schaffen, in
der das Leben aller gut ist –unabhängig von der ethnischen Herkunft, von
Besitz und Bildungsstand, sexueller Orientierung, Alter, Gesundheit,
Fähigkeit, Religion und Aussehen und schließlich auch unabhängig vom
Geschlecht“, ergänzt Rose. „Dies ist ganz im Sinne der Namensgeberin des
Preises: Henriette Fürth, die sich zeit ihres Lebens als Publizistin,
Sozialpolitikerin, Frauenrechtlerin und Sozialwissenschaftlerin für
soziale Gerechtigkeit starkgemacht hat.“

Obisesans Abschlussarbeit kann auf der Webseite des gFFZ unter
<https://www.gffz.de/publikationen/abschlussarbeiten-und-weitere-
veroeffentlichungen> eingesehen werden.

Das gFFZ verleiht den Henriette-Fürth-Preis seit 2003. Der Jury gehören
Vertreterinnen der beteiligten hessischen Hochschulen sowie Personen aus
der Kommunalpolitik an. In der diesjährigen Bewerbungsrunde für den
Henriette-Fürth-Preis waren 11 studentische Thesis-Studien eingereicht
worden. Der Preis geht bereits zum siebten Mal an eine Absolventin bzw.
einen Absolventen der Frankfurt UAS. Namensgeberin des Preises ist
Henriette Fürth (1861-1938), die in Gießen als Tochter jüdischer Eltern
geboren wurde. Die Publizistin, Sozialpolitikerin und Frauenrechtlerin
lebte in Darmstadt und Frankfurt am Main.

Weitere Informationen sowie die aktuelle Ausschreibung zum Henriette-
Fürth-Preis finden sich unter: <https://www.gffz.de/das-zentrum/henriette-
fuerth-preis
>.

Zum gFFZ:
Das gFFZ – das Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen
Hochschulen – ist eine gemeinsame Einrichtung der Frankfurt University of
Applied Sciences, der Technischen Hochschule Mittelhessen, der Hochschulen
Darmstadt, Fulda und RheinMain sowie der Evangelischen Hochschule
Darmstadt. Das gFFZ hat es sich als Ziel gesetzt, Forschungsvorhaben zur
Frauen- und Genderforschung an hessischen Fachhochschulen zu unterstützen,
ein Netzwerk der in der Frauen- und Genderforschung tätigen Lehrenden,
Studierenden und Mitarbeitenden aufzubauen und zu pflegen sowie den
wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich Frauen- und Genderforschung zu
fördern. Zudem unterstützt das gFFZ die Hochschulen bei der Umsetzung von
Gender Mainstreaming Prozessen und sorgt für eine enge Vernetzung der
Frauen- und Genderforschung an den Hochschulen mit Institutionen der
Frauen- und Genderforschung im deutschsprachigen Raum, mit anderen
Institutionen und mit der beruflichen Praxis.

Weitere Informationen unter: <www.gffz.de>

Kontakt: gFFZ – Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen
Hochschulen Dr. Hanna Haag, Telefon: +49 69 1533-3150, E-Mail:
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

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Neue Destillationsanlage der Superlative: Multiple Trennwandkolonne halbiert Energie- und Investitionskosten

Die einzigartige Multiple Trennwandkolonne erstreckt sich im Technikum der Universität über drei Etagen  Elvira Eberhardt  Universität Ulm
Die einzigartige Multiple Trennwandkolonne erstreckt sich im Technikum der Universität über drei Etagen Elvira Eberhardt Universität Ulm

An der Universität Ulm ist eine weltweit einmalige Destillationsanlage in
Betrieb gegangen. Die Multiple Trennwandkolonne schafft so viele
Trennprozesse wie drei bislang eingesetzte Anlagen in der Chemischen
Industrie. Dabei halbiert das Ulmer Unikat die Energie- und
Investitionskosten. Die Multiple Trennwandkolonne steht im neuen Technikum
der Universität: Sie erstreckt sich über drei Etagen und ist fast zehn
Meter hoch.

Ulmer Chemieingenieure haben eine hochleistungsfähige und vor allem
nachhaltige Destillationsanlage in Betrieb genommen. Die weltweit
einzigartige Multiple Trennwandkolonne bewältigt ebenso viele chemische
Trennprozesse wie drei übliche Destillationsanlagen in der Industrie.
Dabei verbraucht die Ulmer Kolonne nur halb so viel Energie; die
Investitions- und Betriebskosten sind deutlich niedriger. Die Destillation
ist ein Kernprozess der chemischen Industrie, der etwa zehn Prozent des
globalen Energieverbrauchs ausmacht.

Sie ist fast zehn Meter hoch und erstreckt sich über drei Etagen: Im neuen
Technikum der Universität Ulm steht die erste Multiple Trennwandkolonne
der Welt. Lange Zeit war strittig, ob der Betrieb einer so komplexen
Destillationsanlage überhaupt möglich ist. Doch nach viereinhalb Jahren
Forschungsarbeit an der Uni Ulm ist die Umsetzung geglückt. „Unsere
Machbarkeitsstudien sind sehr vielversprechend. Die Multiple
Trennwandkolonne erlaubt die Auftrennung eines Gemisches, für das bisher
drei Destillationsanlagen erforderlich waren. Dabei ist der
Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent reduziert", erklärt Professor Thomas
Grützner vom Institut für Chemieingenieurwesen.

Die Destillation zählt zu den wichtigsten Prozessen der Chemischen
Industrie: Etwa zehn Prozent des globalen Energiebedarfs gehen auf das
Konto dieses Trennprozesses – von der Rohölaufbereitung bis zur
Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe. Zweck des Vorgangs ist nicht nur
die Aufreinigung chemischer Produkte, sondern auch das Recycling von
Lösemitteln.
Von einem zukünftigen Einsatz der Multiplen Trennwandkolonne würden
Industrieunternehmen enorm profitieren: Die neuartige Destillationsanlage
kann ein Gemisch in vier reine Komponenten trennen. Im Vergleich zu bisher
eingesetzten Verfahren sind die Investitionskosten nur etwa halb so hoch.

Professor Thomas Grützner, der die Multiple Trennwandkolonne mit seinem
Team erstmals umsetzen konnte, hat selbst viele Jahre in der Chemie-
Industrie gearbeitet und ist mit Destillationsprozesse bestens vertraut:
„Nach meinem Wechsel an die Universität Ulm habe ich sofort mit der
Entwicklung der neuartigen Destillationsanlage begonnen“, erinnert sich
der Chemieingenieur. Zunächst arbeiteten Thomas Grützner und sein Team mit
mathematischen Modellierungen und Computersimulationen, um insbesondere
das dynamische Verhalten der Anlage zu verstehen. Hätten die Forschenden
Prozesse einer bislang in der Industrie eingesetzten Trennwandkolonne auf
ihr Großgerät übertragen, würde das „Anfahren“, also die Inbetriebnahme,
jedes Mal mehr als einen Tag dauern. Dank aufwändiger Computersimulationen
ist die Beprobung der Multiplen Trennwandkolonne nun schon nach wenigen
Stunden möglich.

Vor anderthalb Jahren konnten die Chemieingenieurinnen und -ingenieure den
Bau der weltweit ersten Multiplen Trennwandkolonne in Auftrag geben – wozu
nur wenige europäische Anbieter in der Lage waren. Zeitgleich musste das
neue Technikum an der Universität Ulm fertig gestellt werden: In einer
explosionsgeschützten Umgebung konnte die Destillationsanlage der
Superlative im September 2021 in den Testbetrieb gehen. Das Großgerät mit
einer Heizleistung von 10 kW verfügt über 70 verbaute Sensoren. Der Druck
innerhalb der Anlage kann bis zum Vakuum eingestellt werden – je nachdem
welches Gemisch getrennt werden soll.
Derzeit lernen die Ulmer Forschenden die Multiple Trennwandkolonne sicher
zu bedienen, verschiedene Reinheitsgrade einzustellen und auf Störungen zu
reagieren. Dabei stehen sie in engem Kontakt mit internationalen
Forschungseinrichtungen und potenziellen Anwenderinnen und Anwendern in
der Chemischen Industrie.

„Wenn die Multiple Trennwandkolonne Anwendung in der Industrie findet,
trägt unsere Forschung massiv zum Klimaschutz bei. Auf chemische
Trennprozesse, die einen relevanten Teil des globalen Energiebedarfs
ausmachen, werden Unternehmen auch in Zukunft nicht verzichten können. Die
Multiple Trennwandkolonne weist den Weg, wie dieser grundlegende Vorgang
energieeffizienter werden kann. Mit unserer Anlage wollen wir
demonstrieren, dass der Betrieb funktioniert", resümiert Thomas Grützner.

Die neuartige Destillationsanlage hat etwa 600 000 Euro gekostet – die
Hälfte wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.
Außerdem unterstützte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) das
Projekt.

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