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Musiktheaterwissenschaft praxisnah studieren: Neuer Schwerpunkt am Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold/Paderborn

Bewerbungen für das Sommersemester noch bis 21. März möglich

Zum Sommersemester 2022 erweitert die Universität Paderborn in Kooperation
mit der Hochschule für Musik Detmold (HfM) ihr Studienangebot. Ab sofort
können Studierende am Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold/Paderborn
den neuen Schwerpunkt Musiktheaterwissenschaft im Bachelorstudiengang
Musikwissenschaft wählen.

Von aktueller Performance- und Medienkunst über Oper, Tanztheater und
Musical bis hin zu Musikvideo und Filmmusik – in sechs Semestern erwerben
die Studierenden nicht nur grundlegendes Wissen über die Musikgeschichte
von der Antike bis zur Gegenwart, sondern auch breite Fachkenntnisse und
umfassende Methodenkompetenzen im Umgang mit Musik und Theater. Dabei
erleben sie außerdem die Praxis hautnah: Durch die Kooperation mit der
Opernschule der HfM und dem Landestheater Detmold werfen die Studierenden
einen unmittelbaren Blick hinter die Kulissen und begleiten Produktionen
sowohl wissenschaftlich als auch dramaturgisch. Interessierte können sich
noch bis 21. März für den Studiengang mit Start im Sommersemester 2022
bewerben. Weitere Informationen gibt es unter:
www.uni-paderborn.de/studienangebot/studiengang/musikwissenschaft-
bachelor.

Wissenschaftliches Studium in direkter Verbindung mit künstlerischer
Praxis

Das Universitätsstudium in enger Kooperation mit der Musikhochschule
ermöglicht eine direkte Verbindung von wissenschaftlicher Betrachtung und
künstlerischer Praxis. Durch das erweiterte Angebot können Studierende der
Musikwissenschaft nun zwischen zwei Schwerpunkten wählen: einer
künstlerisch-musikalischen Ausbildung, bei der die Studierenden
Instrumental-, Gesangs-, Dirigier- oder Kompositionsunterricht erhalten,
oder im Bereich Musiktheater. „Im neuen Musiktheaterschwerpunkt
profitieren Studierende von der guten Vernetzung in die regionale und
überregionale Theaterlandschaft, von der interdisziplinären Kooperation
mit anderen Fächern der Fakultät für Kulturwissenschaften wie Germanistik,
Romanistik, Anglistik, Medienwissenschaft, Populäre Musik und Medien sowie
von der intensiven Zusammenarbeit mit der Detmolder Opernschule und dem
Landestheater“, so Prof. Dr. Andreas Münzmay, Professor für
Musikwissenschaft am Musikwissenschaftlichen Seminar Detmold/Paderborn,
der die Einrichtung des neuen Studienangebots koordiniert hat. In
Projektseminaren sind die Studierenden in die Erarbeitung professioneller
Theaterproduktionen direkt eingebunden und lernen so den
Musiktheaterbetrieb unmittelbar kennen. Wissen über Dramaturgie, Regie und
Organisation stehen ebenso im Zentrum wie Repertoirekenntnisse quer durch
alle Genres und die wissenschaftliche Reflexion performativer Praxis.

„Das Musikwissenschaftliche Seminar Detmold/Paderborn ist ein
erfolgreicher Forschungsstandort und eines der größten Institute für
Musikwissenschaft an deutschen Universitäten. Daraus ergibt sich ein sehr
breites musikwissenschaftliches Lehrangebot mit außergewöhnlich vielen
individuellen Wahlangeboten für Studierende. Das Lehrangebot speist sich
dabei sehr stark aus neuester Forschung aller Kolleginnen und Kollegen und
ist dadurch sozusagen am Puls der Zeit“, so Münzmay. Im Studiengang
Musikwissenschaft stehen u. a. die Analyse von Kompositionen, Aufnahmen
und Inszenierungen sowie die kritische Auseinandersetzung mit sozialen
Funktionen von Musik, kultur- und mediengeschichtlichen Zusammenhängen,
Komponisten, Interpreten und Rezipienten im Fokus. Während die
musikwissenschaftlichen und musik-theoretischen Lehrveranstaltungen den
Hauptanteil bilden, macht der Wahlschwerpunkt etwa ein Viertel des
Studiums aus.

Eine Besonderheit des Studiums ist der hohe Anteil berufsfeldbezogener
Praxis in Form von Projektarbeiten, Praktika und Lehrveranstaltungen zu
(digitalen) Editions-, Präsentations- und Vermittlungstechniken. „Durch
das breite Lehrangebot eröffnen sich weitreichende Wahlmöglichkeiten zu
einem interessengeleiteten, individuellen Studium. Außerdem besteht die
Chance, während des Studiums ein Auslandsemester zu absolvieren. Der
Studiengang qualifiziert für vielfältige musik- und kulturbezogene
Berufsfelder, beispielsweise im Bereich des Musiktheaters, und bietet die
Chance, ein Masterstudium anzuschließen“, so Münzmay.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Andreas Münzmay, Musikwissenschaftliches Seminar
Detmold/Paderborn, Fon: +49 5231-975-667, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Studie von HTW Berlin und Verbraucherzentrale NRW: Bis zu 190.000 Steckersolargeräte in Deutschland im Einsatz

Der Markt für Steckersolargeräte in Deutschland ist schon jetzt deutlich
größer als bisher gedacht. Im Auftrag der Hochschule für Technik und
Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) und der Verbraucherzentrale Nordrhein-
Westfalen hat EUPD Research eine Umfrage unter den Anbietern von
Steckersolargeräten durchgeführt. Die Ergebnisse erlauben erstmals eine
Hochrechnung des Marktvolumens. Allein in den Jahren 2020 und 2021 wurden
demnach bis zu 128 000 Steckersolargeräte mit einer Leistung von bis zu 51
Megawatt verkauft. Alle bisher in Deutschland verkauften Geräte erreichen
eine Leistung von bis zu 66 Megawatt.

Steckersolargeräte mit einer Leistung von weniger als einem Kilowatt sind
bisher eher ein Nischenmarkt der Solarenergie. Dennoch gibt es immer mehr
dieser kleinen Photovoltaik-Systeme, die eine einfache Handhabung bei der
Montage und Nutzung versprechen. Erstmals wurden in einer Marktstudie
Daten zur Anbieter-, Markt- und Absatzstruktur erhoben. An der Umfrage
haben 58 von 156 in Deutschland aktiven Anbieter von Steckersolargeräten
teilgenommen.

Der Markt zeigt ein buntes Bild kleiner und großer Anbieter. Darunter sind
sowohl zahlreiche junge Unternehmen wie auch etablierte Anbieter von
Photovoltaikzubehör. Alle zusammen zeichnen das Bild eines sich dynamisch
entwickelnden Marktes: „Bisher dominieren einige größere Anbieter den
Markt, gleichzeitig sorgen neue Anbieter und die vielen kleineren
Unternehmen für einen regen Wettbewerb“, sagt Prof. Dr.  Barbara
Praetorius von der HTW Berlin, Mitautorin der Studie. Praetorius erläutert
weiter: „Drei Viertel der Geräte werden direkt an die Endnutzer*innen
verkauft. Absatzwege über die Handelsketten werden bisher noch kaum
genutzt. Für die Marktentwicklung bedeutet dies noch viel Luft nach oben.“

Neben der Marktstruktur ermittelt die Studie auch die Gesamtzahl an
Steckersolargeräten in Deutschland. Thomas Seltmann, Experte für
Photovoltaik bei der Verbraucherzentrale NRW und Initiator der Umfrage,
zeigt sich positiv überrascht: „Das Ergebnis der Studie liegt im oberen
Bereich unserer bisherigen Schätzungen.“ Dennoch sieht er dringenden
Handlungsbedarf: „Die Studie macht deutlich, dass Politik und
Netzbetreiber endlich weitere Hürden aus dem Weg räumen müssen.“ Noch
immer gibt es Streit über den normkonformen Anschluss und unangemessene
Forderungen der Netzbetreiber. „Wir müssen das dringend vereinfachen,
damit endlich auch Mieter und Wohnungsnutzer diese Strom erzeugenden
Haushaltsgeräte einfach und sicher nutzen können und damit aktiv an der
Energiewende teilhaben“, sagt Seltmann. Und Praetorius ergänzt: „Auch die
Meldeprozesse sind für Steckersolargeräte zu komplex. Nur zehn bis zwanzig
Prozent werden überhaupt angemeldet.

Dass aufgrund bestehender Hürden gerade die aussichtsreichsten
Anwendungsfälle wie Balkone und Terrassen in Mehrfamilienhäusern noch kaum
erschlossen werden, zeigt ein anderes Ergebnis der Studie: „Wir hatten
bereits vermutet, dass der Balkon nicht die größte Rolle beim Montageort
des Solarmoduls spielt. Nur jedes dritte Gerät ist dort zu finden. Die
Hälfte der Geräte wird mit einer Aufständerung auf das Flachdach oder in
den Garten gestellt,“ sagt Praetorius. „Dies lässt darauf schließen, dass
die Mieter*innen bislang noch nicht gut erreicht werden.“ Wer die
Nutzer*innen  von Steckersolargeräten derzeit sind und welche Präferenzen
sie haben, ist Gegenstand einer aktuell laufenden Nutzer*innen-Umfrage der
HTW Berlin.

--

Die Studie wurde im Rahmen des IFAF geförderten Projektes PV.plug-inTools
erstellt.
https://solar.htw-berlin.de/forschungsgruppe/pv-plug-intools/
Gefördert durch das Institut für angewandte Forschung Berlin (IFAF):
https://www.ifaf-berlin.de/

Im Rahmen des Projekts Energie2020plus klärt die Verbraucherzentrale NRW
über die effiziente Nutzung von erneuerbaren Energien auf. Das Projekt
wird gefördert mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der
Europäischen Union.

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Welt-Adipositas-Tag am 4. März 2022: Übergewicht in Zeiten der Corona-Pandemie

Externe Hilfe bei der Gewichtsreduktion für adipöse Personen während der Corona-Pandemie besonders wichtig

Weltweit steigt die Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht seit Jahren kontinuierlich an – auch in Deutschland [1]. Die Corona-Pandemie scheint diesen Trend noch einmal verschärft zu haben. Wie eine Umfrage von The 1:1 Diet by Cambridge Weight Plan [2] zeigt, hat mehr als jeder dritte Befragte in Deutschland während der Corona-Beschränkungen an Gewicht zugelegt. Übergewicht (Body-Mass-Index / BMI 25-29,9 kg/m²) und Adipositas (BMI ≥30 kg/m²) gelten als Mitursache für eine Reihe von körperlichen und gesundheitlichen Beschwerden sowie die Entwicklung von chronischen Krankheiten.  
 
Der Welt-Adipositas-Tag („World Obesity Day”) am 4. März gewinnt durch COVID-19 an Wichtigkeit. Denn die pandemiebedingten Einschränkungen während der Corona-Wellen führen vielfach zu einem Mangel an Beschäftigungs- und Sportmöglichkeiten. So kam es gemäß der Umfrage von The 1:1 Diet bei 38 Prozent der Befragten in Deutschland während der COVID-19-Lockdowns zu einer Gewichtszunahme. Besonders stark betroffen sind diejenigen, die sich selbst als übergewichtig einschätzen: 46 Prozent der etwas Übergewichtigen und fast ebenso viele der stark Übergewichtigen (47 Prozent) kämpfen mit zusätzlichem Gewicht aus den Lockdown-Phasen.
 
40 Prozent der befragten Männer und Frauen in Deutschland sind nach eigenen Angaben übergewichtig und 13 Prozent sogar stark übergewichtig. Frauen zeigen eine größere Tendenz zu „stark übergewichtig“ (16 Prozent) als Männer (11 Prozent).
 
Mangelndes Wissen rund um Adipositas
Die Herausforderungen bei der Prävention gegen starkes oder krankhaftes Übergewicht, Adipositas (auch als „Fettsucht“ oder „Fettleibigkeit“ bezeichnet), liegen oft im mangelhaften Wissen rund um die Risiken der Erkrankung. Dabei gelten Übergewicht und Adipositas als Risikofaktoren für eine Reihe chronischer Krankheiten wie Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs [3]. Zudem erhöht gerade starkes Übergewicht die Wahrscheinlichkeit für einen schweren COVID-19-Verlauf. Nicht nur die Hospitalisierungsrate liegt bei adipösen Menschen höher, sondern auch das Todesrisiko [4]. Welche Gefahren ein sehr stark erhöhtes Gewicht mit sich bringt, ist aber 15 Prozent der von The 1:1 Diet in Deutschland Befragten nicht bewusst. Besonders in der jüngeren Bevölkerungsgruppe, der sogenannten Generation Z (1994-2001), gibt jeder Sechste (17 Prozent) an, nicht ausreichend über mögliche Folgen informiert zu sein.
 
Durch eine rechtzeitige Aufklärung über die Gefahren von Adipositas können Betroffene vor schwerwiegenden Folgen bewahrt und zu einer erfolgreichen Lebensumstellung motiviert werden, wie der Fall von Olaf Döring zeigt. Nach jahrelangen erfolglosen Diätversuchen wog er 140 kg (BMI 41,8), die ihn stark belasteten.
 
„Schlank bin ich noch nie gewesen, auch als Junge nicht. Doch im Mai 2020 erreichte mein Gewicht durch Corona-Lockdown und Wochen im Homeoffice schließlich seinen traurigen Höhepunkt“, erzählt Olaf Döring. „Mein Arzt warnte mich eindringlich vor den gesundheitlichen Schäden und ein Mediziner im Bekanntenkreis riet mir sogar zu einer Magen-OP. Das alles belastete mich psychisch sehr. Mir war klar, dass ich etwas ändern musste, auch angesichts der Risken durch Corona. Auf meiner Suche nach Hilfe stieß ich auf The 1:1 Diet. Danach ging alles ganz schnell. Durch die Unterstützung meines Beraters schaffte ich es, in nur 20 Wochen 30 kg abzunehmen – bald werden es 45 kg sein. Heute bin ich endlich wieder glücklich, gesünder und stecke voller Energie, die mir dabei hilft, neue Ziele zu erreichen und meine Träume zu verwirklichen.“
 
Externe Hilfe in Zeiten von COVID-19 besonders wichtig
Generell fällt etwa der Hälfte (51 Prozent) der Umfrageteilnehmer in Deutschland das Abnehmen schwer. Doch besonders in ungewöhnlichen Zeiten wie der Corona-Pandemie bleibt der Kampf gegen die Pfunde vielfach auf der Strecke. Besonders wichtig sind deswegen Anlaufstellen für Abnehmwillige sowie ein motivierendes Umfeld, das eine Gewichtsabnahme aktiv begleitet. Allgemein geben 46 Prozent der Befragten in Deutschland an, das Durchhalten eine Diät falle ihnen leichter, wenn sie Unterstützung erfahren.
 
„Unsere jahrzehntelange Erfahrung und zahlreiche veröffentlichte Forschungsergebnisse zeigen, dass externe Unterstützung entscheidend ist, um den Erfolg einer Diät zu optimieren“, so Mark Gilbert, Ernährungsberater bei The 1:1 Diet. „Deswegen sind persönliche Berater, die alle unsere Slimmer individuell während des Abnehmprogramms betreuen und motivieren, ein integraler Bestandteil unseres Steps Plan. In Zeiten von Corona natürlich auch virtuell über Videochat.“
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Umweltakteure stark von Idealismus, nicht apokalyptischem Denken getrieben

Politikwissenschaftlerin: 50 Jahre nach „Grenzen des Wachstums“ des Club
of Rome dominiert in der Umweltbewegung mehrheitlich das Prinzip Hoffnung
– Auch Gruppen wie „Letzte Generation“ mit Blockadeprotesten idealistisch
geprägt – Religiöse Umweltakteure zu fundamentalen Änderungen bereit –
„Religion ist aber nicht nur grün“ – Podcastfolge 10

Prinzip Hoffnung: Trotz fast aussichtsloser Umweltsituation speist sich
das Engagement der europäischen Umweltbewegung selbst 50 Jahre nach dem
Club-of-Rome-Papier „Grenzen des Wachstums“ laut Forscherinnen zumeist aus
Idealismus. „Auch Gruppen wie die ‚Letzte Generation‘ mit ihren Blockaden
sind idealistisch geprägt, auch wenn sie auf apokalyptische Szenarien
verweisen“, sagt die Politikwissenschaftlerin Prof. Doris Fuchs vom
Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der WWU und Sprecherin des
Zentrums für Interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung (ZIN). „Schon die
Club-of-Rome-Schrift basierte auf der Hoffnung, dass sich Politik und
Bevölkerung zu mehr Nachhaltigkeit bewegen lassen. Selbst nach Jahrzehnten
fast vergeblicher Appelle tragen idealistische Motive die Bewegung. Dabei
sind neue und drastischere Protestformen zu erwarten, das Gros der
Bewegung wird jedoch keine Radikalisierung im Sinne eines ‚Öko-Terrorismus
tragen‘“, so Fuchs, die zu weltanschaulichen Grundlagen insbesondere von
religiös motivierten Umweltakteuren forscht. Diese gewönnen an Einfluss in
der Umweltpolitik auf UN- und EU-Ebene. Religiöse und nichtreligiöse
Akteure hätten dabei keine weltanschaulichen Konflikte: Bei beiden speise
sich das Engagement oft sowohl aus wissenschaftlicher Information als auch
Naturverbundenheit.

„Religiös motivierte Akteure leisten einen spezifischen Beitrag: Viele
sind aufgrund ihrer tief verwurzelten Werte zu einem fundamentalen
Umdenken bereit“, führt Doris Fuchs aus. Die Idee der immateriellen Basis
eines erfüllten Lebens gehört zu ihren Kernbotschaften. Damit erinnern sie
auch an die genügsamere Lebensweise der Großeltern- und
Urgroßelterngeneration und können Ansätze von Gruppen wie ‚Fridays for
Future‘ und ‚Extinction Rebellion‘ bereichern.“ Die Verantwortung für
Gottes Schöpfung lebe vom Glauben und Handeln. „Der Rückgriff auf alte
religiöse Denktraditionen begründet innovative Forderungen eines
nachhaltigen Lebensstils“, so die Forscherin. „Religion heißt aber nicht
automatisch Umweltbewusstsein, wie das Beispiel evangelikaler Klimaleugner
zeigt.“ Fuchs äußerte sich im Themenjahr „Tradition(en)“
(https://go.wwu.de/5logz) des Exzellenzclusters, das die Entstehung und
Neuinterpretation von Traditionen beleuchtet. Im Podcast spricht sie über
ihre Forschung sowie Wirtschaftswachstum als Ideologie
(https://go.wwu.de/fgw25).

Religionsvertreter sprechen oft mit einer Stimme und mobilisieren breit
für Transformation

Ein zentrales Motiv religiöser Akteure aus Christentum oder Islam ist laut
Doris Fuchs insbesondere die Nächstenliebe, die als Auftrag zur
Gerechtigkeit gegenüber künftigen Generationen und dem globalen Süden
verstanden wird. „Die päpstliche Enzyklika ‚Laudato si'‘ über die
Erschöpfung natürlicher Ressourcen sowie die ‚Islamische Erklärung zum
globalen Klimawandel‘, beide erschienen vor dem Pariser Klimagipfel 2015,
trugen zu einer erkennbar stärkeren Mobilisierung in Gemeinden und auf
politischer Ebene bei“, führt die Forscherin aus.

Namentlich im Islam habe das Engagement zugenommen: „Viele vom Klimawandel
unmittelbar betroffene Menschen leben in islamisch geprägten Regionen wie
Nordafrika oder dem Mittleren Osten. In Deutschland sind muslimische
Umweltschutzvereine wie HIMA entstanden, das Abrahamische Forum
organisiert religiöse Naturschutztage.“ Im umweltpolitischen Diskurs der
Europäischen Union (EU) und den Klima- und Nachhaltigkeitsgipfeln der
Vereinten Nationen gewönnen neben den christlichen nun verstärkt auch
andere Religionsvertreter an Einfluss. „Sie vertreten gemeinsame Werte:
Hinduisten, Katholiken wie Muslime sehen Gott in der Natur, die Natur gilt
als Gotteswerk.“ Damit sei Religion in der Umweltpolitik ein einigender
Faktor, der aber auch Akteure ohne religiöse Rückbindung adressiere.

„Religionsvertreter können über eine glaubensbezogene Ansprache auch
Menschen erreichen, die sich sonst von Umweltaktivisten, gerade von
radikalen Protestformen, eher nicht angesprochen fühlen“, sagt Doris
Fuchs: „Mit ihrer hoffnungsvollen Haltung erreichen sie viele Gläubige
weltweit.“ Dabei können religiöse Akteure ein Fundament für breites und
langfristiges Engagement legen. „Eine gesellschaftliche Transformation
braucht tief verwurzelte Werte, die zu einer grundlegenden Änderung des
persönlichen Lebensstils und gesellschaftlicher Werte motivieren“, betont
die Forscherin. „Hierzu leisten Religionen einen spezifischen Beitrag.“

„Religion ist nicht nur grün“

Der Zuwachs von religiösen Impulsen in der Umweltpolitik dürfe aber nicht
über gegenteilige Haltungen hinwegtäuschen: „So wie viele Klimaleugner aus
dem evangelikalen Spektrum stammen, ist etwa in Lateinamerika das Konzept
des Wohlstandsevangeliums stark vertreten. Wachstum und Wohlstand gelten
hier als Zeichen Gottes Gnade, nicht als Umweltgefahr“, erläutert Doris
Fuchs. „Religiöse Positionen zur Nachhaltigkeit speisen sich aus
unterschiedlichen Traditionslinien: Die religiöse Traditionslinie der
Bewahrung der Schöpfung steht für Nachhaltigkeit, ebenso die Verantwortung
für (auch zukünftige) Nächste, während der Ansatz, der Mensch möge sich
die Erde untertan machen, weiteren Ressourcenverbrauch rechtfertigen
will.“

Doris Fuchs leitet am Exzellenzcluster das Projekt „Religion als Ressource
in der europäischen und internationalen Klimapolitik“
(https://go.wwu.de/0byse) und hat jüngst zusammen mit der
Politikwissenschaftlerin Hannah Klinkenborg eine Studie
(https://go.wwu.de/01gkf) zu glaubensbasierten Beiträgen in der EU-
Klimapolitik veröffentlicht. Sie plädiert für eine Ausweitung der
umweltpolitischen Dialoge mit Religionsvertretern innerhalb der EU und der
Vereinten Nationen sowie stärkere mediale Präsenz. „Vor 50 Jahren sprachen
wir von den Grenzen des Wachstums, inzwischen von der
Postwachstumsgesellschaft. Ein gebündeltes Engagement der Religionen kann
dazu beitragen, eine breite Bevölkerung für die mit der EU-Klimapolitik
und dem Green Deal angestrebte Klimaneutralität bis 2050 zu aktivieren.“
(apo/vvm)

Originalpublikation:
Klinkenborg, Hannah; Fuchs, Doris. 2021. ‘Religion: A resource in European
climate politics? An examination of faith-based contributions to the
climate policy discourse in the EU.’ Zeitschrift für Religion,
Gesellschaft und Politik online. doi: 10.1007/s41682-021-00082-0.

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