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Bei Herzschwäche unterschätzt: seelische Komplikationen

Europäische Psychokardiologie-Experten fordern im klinischen Alltag mehr
Fokus auf seelische Leiden als Folge und Verstärker der Herzinsuffizienz

Das Herz ist ein „Lebensmotor“, der unsere Organe mit lebenswichtigem
Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Schädigt ein Herzinfarkt oder ein
unbehandelter Bluthochdruck den Herzmuskel dauerhaft, so dass er an
Pumpkraft verliert und es kommt zur chronischen Herzschwäche
(Herzinsuffizienz), ist nicht nur das Herz geschädigt, sondern auch andere
Organe wie Gehirn, Nieren und Muskeln nehmen Schaden. Die Herzschwäche mit
bis zu vier Millionen Betroffenen in Deutschland schränkt deren
Lebensqualität allein mit Symptomen wie Luftnot, Abnahme der
Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Wassereinlagerungen in den Beinen massiv
ein (Infos: www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie). „Patienten mit
Herzinsuffizienz haben aber nicht nur körperliche, sondern meist auch
erhebliche seelische Probleme. Psychosoziale Risikofaktoren wie Depression
sowie soziale Isolation, Einsamkeit und traumatische Effekte aufgrund der
Erkrankung werden häufig nicht ausreichend bei der Behandlung dieser
Patienten berücksichtigt“, berichtet der Experte für Psychokardiologie
Prof. Dr. med. Karl-Heinz Ladwig vom Wissenschaftlichen Beirat der
Deutschen Herzstiftung. Dass eine medizinische Versorgung von Patienten
mit chronischer Herzinsuffizienz gerade auch diese psychosozialen Faktoren
viel mehr in die Therapie integrieren muss, fordern zwölf europäische
hochrangige Wissenschaftlicher/innen u. a. mit psychokardiologischer
Expertise, unter ihnen Ladwig, der Professor für psychosomatische Medizin
am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München ist.
Ladwig und seine Kollegen/innen haben im Auftrag der Europäischen
Gesellschaft für präventive Kardiologie (European Association of
Preventive Cardiology) in einem Positionspapier den wissenschaftlichen
Stand und die klinische Bedeutung psychosozialer Fragen für das
Krankheitsbild Herzinsuffizienz erarbeitet. Ihre Ergebnisse haben sie im
renommierten Fachjournal „European Journal of Preventive Cardiology“
(EJPC) publiziert https://doi.org/10.1093/eurjpc/zwac006 (1).

Depression und Einsamkeit zu wenig im klinischen Alltag berücksichtigt
Psychosoziale Risikofaktoren wie die Depression sind für das Entstehen und
den Verlauf der Herzinsuffizienz von Bedeutung, werden aber in der
Kardiologie noch unterschätzt. „Insbesondere die Depression und soziale
Isolation/Einsamkeit sind als Faktoren, die eine Herzinsuffizienz
begünstigen, durch zahlreiche Studien belegt. Sie werden aber im
klinischen Alltag ungenügend berücksichtigt“, gibt Prof. Ladwig zu
bedenken. „Häufig nimmt die Herzschwäche einen schwerwiegenden
Krankheitsverlauf. Das fördert bei den Patienten wiederum Episoden von
Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die erheblich belasten.“ Auf die
seelischen Komplikationen der Herzinsuffizienz zu achten und die Patienten
psychologisch zu betreuen, so Ladwig, sollte daher fester Bestandteil der
Therapie sein. Die Autoren und Autorinnen des Positionspapiers weisen
außerdem darauf hin, dass die Depression und andere psychosoziale
Stressfaktoren über verschiedene biologische Vermittlungswege (u. a.
Ausschüttung von Hormonen und neuro-endokrinen Entzündungsstoffen) zu
einer weiteren Verschlechterung der Herzinsuffizienz beitragen können.

Nachlassende Selbstfürsorge: Telemedizin und neuere Gesprächstechniken
nutzen
Auf die Psyche der meist schwer chronisch kranken Patienten kann sich der
Krankheitsprozess traumatisch auswirken. Das liegt daran, dass sich bei
der Herzinsuffizienz die Herzfunktion unvorhersehbar und rasch
lebensbedrohlich – bis hin zur Krankenhauseinweisung - verschlechtern kann
(Dekompensation). „Dieser unsicheren Situation begegnen Patienten häufig
mit einem Ohnmachtsgefühl, sie beginnen, die Krankheitsrealität zu
verleugnen. Das wiederum erschwert die Mitarbeit der Patienten deutlich“,
berichtet Ladwig. Allerdings könne dieses selbstschädigende Verhalten der
Patienten durch neue erfolgversprechende psychologische Gesprächstechniken
deutlich verbessert werden. Die Experten des Positionspapiers ermutigen
dazu, auch telemedizinische Betreuungskonzepte zu nutzen, die aber die
wichtige persönliche Begegnung von Patient/in und Arzt bzw. Ärztin nicht
ersetzen soll. Infos zur Telemedizin bei Herzschwäche sind abrufbar unter
www.herzstiftung.de/herzinsuffizienz-telemedizin

Option zu Antidepressiva: kognitive Verhaltenstherapie kombiniert mit
Bewegung
Klassische psychotherapeutische Behandlungskonzepte zeigen ebenso wie eine
Psychopharmaka-Therapie keine oder allenfalls mäßige Erfolge. Besser
wirksam sind den Wissenschaftlern zufolge Interventionen, die körperliche
Bewegungsprogramme mit kognitiver Verhaltenstherapie kombinieren. „Damit
lassen sich im Gespräch mit dem Verhaltenstherapeuten negative Denkmuster
und Defizite in der Wahrnehmung abbauen. Körperliches Training verbessert
die Durchblutung in Gehirn und Muskulatur und stärkt die körperliche und
geistige Leistungsfähigkeit der Patienten“, erklärt Ladwig. All das
kombiniert wirke sich günstig auf die Depression und ihre Symptome wie
verminderte Konzentrationsfähigkeit und Schlaflosigkeit aus.
„Zur Behandlung einer schwerwiegenden andauernden Depression sollte ein
Psychiater oder Psychosomatiker hinzugezogen werden.“ Das gilt Ladwig
zufolge ganz besonders auch für die vielen Patienten mit Herzinsuffizienz,
die einen implantierbaren Defibrillator (ICD) zum  Verhindern eines
plötzlichen Herztods durch bösartige Herzrhythmusstörungen
(Kammerflimmern) oder im fortgeschrittenen Verlauf auch ein Linksherz-
Unterstützungs-System (LVAD) benötigen. „Die psychologische Unterstützung
dieser Patienten und ihrer Angehörigen muss integraler Bestandteil des
langfristigen Behandlungsplans werden“, so die Forderung von Ladwig und
den Mitautoren/innen des Positionspapiers. Darüber hinaus sollte schon zu
einem frühen Zeitpunkt die Möglichkeit einer stationären oder ambulanten
palliativen Versorgung mit Patienten, betreuenden Angehörigen und dem
medizinisch-pflegerischen Personal besprochen werden.

(1) Literatur:

Ladwig KH et al., Mental Health-Related Risk Factors and Interventions in
Patients with Heart Failure. A Position Paper endorsed by the European
Association of Preventive Cardiology (EAPC), European Journal of
Preventive Cardiology, 2022;, zwac006,
https://doi.org/10.1093/eurjpc/zwac006

Tipp für Patienten und Angehörige: Der Ratgeber „Das schwache Herz“ (180
S.) kann kostenfrei per Tel. unter 069 955128-400 oder unter
www.herzstiftung.de/bestellung angefordert werden. Leicht verständlich
informieren Herzexperten über Ursachen, Vorbeugung sowie über aktuelle
Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten der Herzschwäche.

Weitere Infos zur Diagnose und Therapie der Herzschwäche unter
www.herzstiftung.de/herzschwaeche-therapie

Infos zur Telemedizin bei Herzschwäche:
www.herzstiftung.de/herzinsuffizienz-telemedizin

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GESIS-Azubi, der als syrischer Flüchtling nach Deutschland kam, erhält Auszubildenden-Preis der Leibniz-Gemeinschaft

Abdallah Abdeen floh 2015 gemeinsam mit seiner Frau aus seiner syrischen
Heimatstadt Damaskus nach Deutschland, lernte fließend Deutsch sprechen
und absolvierte überaus erfolgreich eine Ausbildung zum Fachinformatiker
für Systemintegration bei GESIS – Leibniz-Institut für
Sozialwissenschaften in Mannheim. Die Leibniz-Gemeinschaft prämiert jetzt
seine sehr guten fachlichen Leistungen und sein überdurchschnittliches
Engagement über die Ausbildung hinaus mit dem Auszubildendenpreis 2021.
Wir gratulieren!

Nur zwei Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland begann Abdallah Abdeen
(36) seine Ausbildung bei GESIS. „Als Flüchtling ist es nicht einfach,
einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, erinnert er sich. „Obwohl ich in
Syrien bereits das Abitur gemacht und ein Wirtschafts-Studium
abgeschlossen und danach selbstständig eine IT-Fachhandlung betrieben
habe, wurde mir hier für mein syrisches Abitur nur der deutsche
Realschulabschluss anerkannt. Entsprechend habe ich mich angestrengt,
intensiv Deutsch gelernt und bestimmt hundert Bewerbungen geschrieben, bis
ich bei GESIS dann endlich den Ausbildungsplatz bekommen habe. Geschenkt
war es nicht: ich musste einen Test machen und es gab einige Mitbewerber.
Auch die Berufsschule war anstrengend. Aber ich habe mich entschieden,
hier in Deutschland zu bleiben und mir und meiner Frau, und seit kurzem
auch unserer Tochter, ein Leben aufzubauen. Das ist meine Motivation und
ich bin GESIS sehr dankbar, dass ich hier bei allen meinen Vorhaben so gut
unterstützt werde und jetzt sogar einen festen Arbeitsplatz habe.“

Innerhalb der IT von GESIS überzeugte Herr Abdeen schnell durch sein
Engagement und brachte sich tatkräftig in die bestehenden Abläufe ein.
Sein Abschlussprojekt widmete er der Planung, Realisierung und dem Betrieb
eines bei GESIS gehosteten Audio-, Video- und Chatservers. Für seine
Leistungen am Ausbildungsplatz und in der Berufsschule erhielt er eine
offizielle Belobigung und nun auch den Auszubildenden-Preis 2021 der
Leibniz-Gemeinschaft. Nach Abschluss seiner Ausbildung konnte er bei GESIS
übernommen werden und ist jetzt unter anderem damit beauftragt, den
Prototypen eines Hadoop-Clusters in Betrieb zu nehmen, der die Forschung
bei GESIS zukünftig unterstützen wird. Sein Erfolg ermutigt Herrn Abdeen
seiner Zukunft optimistisch entgegenzusehen und perspektivisch ein
berufsbegleitendes Studium in Betracht zu ziehen.

Auch der Leiter der IT bei GESIS, Dr. Jens Wolff, freut sich über den
Erfolg: „Abdallah Abdeen hat uns durch die Vorkenntnisse, die er aus der
Zeit vor seiner Flucht mitbrachte, aber vor allem auch durch seine
Entschlossenheit, seinen unbedingten Willen und Enthusiasmus gleich
überzeugt. Sein Ausbildungsweg und sein Erfolg in der Berufsschule – und
jetzt natürlich auch die erfreuliche Auszeichnung – haben uns in unserem
Eindruck bestätigt. Wir sind froh, dass wir ihn im Anschluss an seine
Ausbildung bei GESIS halten und ihm jetzt sogar eine unbefristete
Festanstellung anbieten konnten. Den nächsten Qualifikationsschritt in
einem Fernstudium würden wir auf jeden Fall unterstützen.“

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Veranstaltung: Booster oder Dämpfer? Round Table zum Vertrauen in die Wissenschaft

BOOSTER ODER DÄMPFER? ÜBER DAS GESELLSCHAFTLICHE VERTRAUEN IN DIE
(LEBENS-)WISSENSCHAFTEN WÄHREND DER PANDEMIE – UND DANACH

Die Stiftung Charité lädt zu einem digitalen Round Table am 29. März 2022
(16.30 Uhr) ein, der die Blickwinkel der Lebenswissenschaften, der
Wissenschaftskommunikation, der medialen Berichterstattung und der
wissenschaftsbasierten Politikberatung auf das Thema Vertrauen vereint.

Die Lebenswissenschaften und benachbarte Disziplinen haben Wesentliches
zum Verständnis und zur Beherrschbarkeit der SARS-CoV-2-Pandemie
beigetragen. Insbesondere in den ersten Monaten der Pandemie schlug sich
dies in hohen Vertrauenswerten für Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler nieder. Inzwischen deutet jedoch vieles darauf hin, dass
es sich eher um einen kurzfristigen Boom gehandelt haben könnte und auch
das Misstrauen an einigen Stellen angewachsen ist. Zumindest hat das in
der Pandemie deutlich gesteigerte Interesse an den Lebenswissenschaften
nicht per se ein Mehr an öffentlichem Vertrauen in ebenjene Wissenschaften
mit sich gebracht.
Vor diesem Hintergrund lädt die Stiftung Charité zu einem Round Table ein,
der die Blickwinkel der Lebenswissenschaften, der
Wissenschaftskommunikation, der medialen Berichterstattung und der
wissenschaftsbasierten Politikberatung vereint. Waren die
Pandemieerfahrungen bis heute eher ein Booster oder ein Dämpfer für das
Vertrauen der Öffentlichkeit in das Wissenschafts- und Gesundheitssystem?
Wie ist die Wissenschaftskommunikation der letzten zwei Jahre zu bewerten?
Welche Rolle haben dabei die klassischen und die sozialen Medien gespielt?
Welchen Einfluss spielen aber auch staatliche Institutionen sowie
Politikerinnen und Politiker und die Art und Weise, wie sie ‚die
Wissenschaft‘ für sich in Anspruch nehmen? Was macht wissenschaftliche
Institutionen und Personen in den Augen der Öffentlichkeit überhaupt
glaubwürdig und was lässt sich hieraus auch für die Zeit nach der Pandemie
lernen?

Mit Prof. Dr. Sandra Ciesek (Leiterin des Instituts für Medizinische
Virologie, Universitätsklinikum Frankfurt), Prof. Dr. Heyo K. Kroemer
(Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin und
Mitglied des ExpertInnenrates der Bundesregierung zu COVID-19), Nicola
Kuhrt (freie Wissenschaftsjournalistin und Co-Gründerin von MedWatch.de),
Prof. Dr. Senja Post (Professorin für Wissenschaftskommunikation und
wissenschaftliche Leiterin des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft
und Studium Generale, Karlsruher Institut für Technologie), Prof. Dr.
Silke Schicktanz (Professorin für Kultur und Ethik der Biomedizin,
Universitätsmedizin Göttingen und Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg,
Delmenhorst) und Markus Weißkopf (Geschäftsführer der Wissenschaft im
Dialog gGmbH).

Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Jan-Martin Wiarda, freier
Journalist für Bildung und Wissenschaft. Sie findet vollständig digital
statt. Mehr Informationen hier: https://www.stiftung-charite.de/round-
table Eine frühzeitige Anmeldung wird erbeten: https://www.eventbrite.de/e
/booster-oder-dampfer-round-table-zum-vertrauen-in-die-wissenschaft-
tickets-274845750037


Über die Stiftung Charité:
Die Stiftung Charité ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung
bürgerlichen Rechts. Sie wurde 2005 von der Unternehmerin Johanna Quandt
mit dem Auftrag gegründet, die Innovationskraft und Exzellenz der
traditionsreichen Berliner Universitätsmedizin zu unterstützen. Seither
versteht sich die Stiftung Charité als Förderin und kreative Impulsgeberin
für die Lebenswissenschaften in Berlin. Sie unterstützt Vorhaben im
gesamten Spektrum von Forschung, Lehre, Gesundheitsversorgung sowie
Wissens- und Technologietransfer. Bei ihren Aktivitäten stellt sie
Menschen mit ihren Talenten in den Mittelpunkt. Seit 2014 setzt die
Stiftung Charité im Rahmen ihrer „Privaten Exzellenzinitiative Johanna
Quandt“ zusätzlich in besonderem Maße auf die Förderung von herausragenden
Personen in allen Phasen der wissenschaftlichen Entwicklung vom Studium
bis zur Professur. Weitere Informationen: www.stiftung-charite.de

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Neue Strategie für die Nutzung von genetischen Informationen darf der Erhaltung der Biodiversität nicht schaden

DSMZ/IPK: Forschende machen sich für eine vernünftige internationale
politische Lösung der freien Nutzung "digitaler Sequenzinformationen"
stark

41 Forschende aus 17 Ländern bieten in einer aktuellen Veröffentlichung in
der renommierten Fach-zeitschrift Nature Communications einen Kompromiss
zum kontroversen Thema Nutzung „digitaler Se-quenzinformationen“ im Rahmen
des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Biodiversität) an.
Die Wissensschaffenden erklären, warum eine politische Lösung für digitale
Sequenzinformationen (DSI) zwingend erforderlich ist, und schlagen eine
Vorgehensweise vor, der die Erhaltung der Biodiver-sität unterstützen und
gleichzeitig die freie Nutzung der genetischen Daten weiterhin erlauben
würde. Sie stellen einen politischen Prozess vor, der eine positive
Rückkopplungsschleife und somit Anreize für die betroffenen Länder
schafft, digitale Sequenzinformationen über die dort vorhandene
biologische Vielfalt zu generieren, weiterzugeben und gleichzeitig den
geforderten Vorteilsausgleich zu erhalten. Die Autoren argumentieren, dass
ein solches Vorgehen "multilateral" sein muss, um erfolgreich zu sein. Das
bedeutet, dass die Nationen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten und sich
auf gemeinsa-me Regeln einigen müssen. Die Autoren fordern die politischen
Entscheidungsträger auf, mit den For-schenden, die auf DSI angewiesen
sind, bei der Entwicklung dieser multilateralen Regelung zusam-
menzuarbeiten, damit eine politische Lösung die wichtige
Biodiversitätsforschung nicht behindert. Prof. Dr. Jörg Overmann,
Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung
für Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH: "Wenn eine politische Lösung
auf diesen wissenschaftli-chen Fakten beruht, kann sie den Schutz der
Biodiversität, die internationale Zusammenarbeit sowie die Entwicklung
fördern und gleichzeitig einen gerechten Vorteilsausgleich
gewährleisten.".

“Die biologische Vielfalt ist ein natürliches Reservoir, von dem die
Sicherstellung unserer Ernährung und unserer Gesundheit als auch das
Wohlbefinden im Allgemeinen abhängen. Dennoch ist sie bedroht. Um sie zu
erhalten und ihren Verlust zu stoppen, sollte ein offener Zugang zu Daten
für Biowissensschaffenden in Verbindung mit einer fairen und gerechten
Aufteilung der Vorteile ihrer Nutzung das Kernstück einer globalen
politischen Lösung sein.”, sagt Prof. Dr. Halima Benbouza, Direktorin des
National Council of Scientific Research and Technologies in Algerien. Es
besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass dringend internationale
Maßnahmen erforderlich sind, um die fortschreitende Zerstörung der
biologischen Vielfalt unseres Planeten aufzuhalten. Die Ver-tragsparteien
des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die biologische Vielfalt
(CBD, https://www.cbd.int/) verhandeln derzeit über den globalen Rahmen
für die Biodiversität nach 2020, der die Bemühungen zum Schutz unseres
Planeten in den kommenden Jahrzehnten bestimmen wird. Es sind
Meinungsverschiedenheiten darüber aufgetreten, wie Daten aus genetischen
Ressourcen, die als digitale Sequenzinformationen bekannt sind, in dem
neuen Rahmenwerk zu behandeln sind.

Forschende haben eine lange und erfolgreiche Geschichte des offenen
Austauschs von digitalen Sequenzinformationen über wissenschaftliche
Online-Datenbanken. Diese Kultur der gemeinsamen Nutzung ist ein zentrales
Element der Biodiversitätsforschung und hat technologische Fortschritte in
unter-schiedlichen Bereichen wie Medizin, Lebensmittelsicherheit und
umweltfreundliche Energieerzeugung ermöglicht. Online-Datenbanken
enthalten digitale Sequenzinformationen von Hunderttausenden von
Organismen und werden täglich erweitert. Diese weit verbreiteten
Ressourcen ermöglichen die wissenschaftliche Reproduzierbarkeit,
Transparenz und den Fortschritt. Die gemeinsame Nutzung von digitalen
Sequenzinformationen war beispielsweise entscheidend für die schnelle
Entwicklung von SARS-CoV-2-Tests und -Impfstoffen. "Fortschritt und
Wissenschaft sind heute nur möglich, weil die Forschenden auf Daten frei
zurückgreifen können! Die Open-DSI-Revolution mit ihrem freien Datenfluss
über Ländergrenzen hinweg hat zu einer Demokratisierung der
wissenschaftlichen Praxis geführt und den freien Zugang zu genetischen
Sequenzinformationen für die biomedizinische Forschung und die Überwachung
sowie den Schutz der Biodiversität ermöglicht.", betont Prof. Dr. Ibon
Cancio von der Plentzia Marine Station (PiE-UPV/EHU), EMBRC-Spanien.
---
Die Autoren der Publikation sind Mitglieder im DSI Scientific Network
(https://www.dsiscientificnetwork.org/), einer Forschenden-Gruppe aus
verschiedenen Ländern, die in der DSI-Debatte übereinstimmende Standpunkte
vertreten und sich für vernünftige politische Lösungen in dieser wichtigen
Frage einsetzen.

Pressekontakt DSMZ: PhDr. Sven-David Müller, Pressesprecher
Telefon: ++49 (0)531/2616-300, Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Pressekontakt IPK: Christian Schafmeister
Telefon: ++49 (0)39482-5461, Mail: schafmeister@ipk-gatersleben.de

Über das Leibniz-Institut DSMZ: Das Leibniz-Institut DSMZ – Deutsche
Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH ist die weltweit
vielfältigste Sammlung für biologische Ressourcen (Bakterien, Archaea,
Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen, Pflanzenviren, genomische
bakterielle DNA sowie menschliche und tierische Zellkulturen). An der DSMZ
werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen gesammelt, erforscht und
archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft ist die DSMZ mit
ihren umfangreichen wissenschaftlichen Services und biologischen
Ressourcen seit 1969 globaler Partner für Forschung, Wissenschaft und
Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig anerkannt, die erste registrierte
Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr. 511/2014) und nach Qualitätsstandard
ISO 9001:2015 zertifiziert. Als Patenthinterlegungsstelle bietet sie die
bundesweit einzige Möglichkeit, biologisches Material nach den
Anforderungen des Budapester Vertrags zu hinterlegen. Neben dem
wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das zweite Standbein der
DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-Süd
beherbergt mehr als 79.000 Kulturen sowie Biomaterialien und hat knapp 200
Beschäftigte. www.dsmz.de

Über die Leibniz-Gemeinschaft: Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 97
selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den
Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum-
und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-
Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch
relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte
Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind
oder unterhalten wissen-schaftliche Infrastrukturen und bieten
forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt
Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-
Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft,
Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge
Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der Leibniz-
WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und
Ausland. Sie unterliegen einem

transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer
gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der
Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen
rund 20.500 Personen, darunter 11.500 Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 2 Milliarden Euro.
www.leibniz-gemeinschaft.de

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