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Aus dem Leben gerissen - Kampagne klärt über Sepsis auf

Heute 22. Februar startet die groß angelegte Sepsis-Informationsoffensive
„Aus dem Leben gerissen“. Initiator ist das vom Innovationsausschuss beim
Gemeinsamen Bundesausschuss geförderte „SepWiss“ Projekt. Sepsis ist die
schwerste Verlaufsform einer Infektion. Neue Zahlen zeigen, dass wir in
Deutschland pro Jahr von mindestens 340.000 im Krankenhaus behandelten
Fällen und ca. 100.000 Todesfällen ausgehen müssen. Die Mehrzahl dieser
Todesfälle ist laut WHO vermeidbar: durch bessere Infektionsvorbeugung,
Kenntnis der Frühsymptome und die Behandlung als Notfall. Eine Sepsis kann
jeden treffen, besonders gefährdet sind jedoch ältere Menschen und solche
mit chronischen Erkrankungen.

Im SepWiss-Projekt haben die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die
Medizinische Hochschule Brandenburg, das Universitätsklinikum Jena, das
Robert Koch-Institut, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und
die Sepsis-Stiftung gemeinsam innovative und evidenzbasierte
Informationsmaterialien entwickelt und vorgetestet, wie etwa die weltweit
einmalige interaktive Sepsis Checkliste:
https://www.sepsis.science/checklist

„Eine Sepsis ist ein Notfall, der schnell ärztlich behandelt werden muss.
Es ist daher be-sonders wichtig, die Bevölkerung über die
Krankheitszeichen aufzuklären. Die einfach über das Handy abrufbare
Checkliste (https://www.sepsis.science/checklist) ermöglicht nicht nur,
das persönliche Sepsisrisiko einzuschätzen, sondern sie hilft auch bei der
Entscheidung, wann eine sofortige ärztliche Abklärung oder der Ruf des
Rettungsdienstes nötig sind. Diese leicht zugängliche Aufklärungskampagne
kann dazu beitragen, Leben zu retten“, erläutert der Patientenbeauftragte
der Bundesregierung, Stefan Schwartze, der die Kampagne unterstützt.

Auch die Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und
Gleichstellung Ulrike Gote unterstreicht die Wichtigkeit der Kampagne:
„Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger weiß nicht, dass Sepsis oder
Blutvergiftung nicht nur durch infizierte Wunden entsteht. Sepsis kann
durch alltägliche Infektionen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung oder
Grippe entstehen, gegen die man sich gut mit einer Impfung schützen kann.
Da viele Menschen aber nicht wissen, wer besonders anfällig für
Infektionen ist, die letztlich zu einer Sepsis führen können, begrüße ich
diese Kampagne sehr“.

„Nach England sind wir in Berlin und Brandenburg die zweite Region, die
sich zur Stärkung der Gesundheitskompetenz zum Thema Sepsis mit einer
breiten Aufklärungskampagne an die Öffentlichkeit wendet“ erklärt Prof.
Dr. Konrad Reinhart, SepWiss Projektleiter und Vorstandvorsitzender der
Sepsis-Stiftung. „Dies ist deshalb so wichtig, weil circa 80% der
Sepsisfälle außerhalb des Krankenhauses entstehen und die meisten Menschen
in Deutschland nicht wissen, dass man sich z.B. durch Impfungen gegen
Influenza, Pneumokokken oder COVID-19 auch gegen eine Sepsis schützen
kann.“, so Reinhart.

Die Plakatkampagne wird über das Jahr verteilt an verschiedenen Standorten
und zu strategisch relevanten Zeitpunkten auf das Thema Sepsis aufmerksam
machen, etwa dem World Sepsis Day am 13. September. Die Kampagne wird von
der Wall GmbH unterstützt, einem der deutschlandweit führenden
Außenwerber. Neben den City Light Postern, die man u.a. von Bus- oder U
-Bahn-Haltestellen kennt, werden ebenso digitale, animierte Motive mit
„Aus dem Leben gerissen“ - Ausreißeffekt, u. a. im Berliner U-Bahnhof
Friedrichstraße zu sehen sein.

Seit dem Start des Projekts im August 2020 bietet SepWiss umfangreiche
Fortbildungen für Gesundheitsberufe, pflegende Angehörige und
Gesundheitsdienstleister an. Erfreuli-cherweise haben sich zahlreiche
Kliniken, Selbsthilfegruppen, Krankenversicherer sowie die Ärzte- und
Apothekenkammern in Berlin und Brandenburg bereit erklärt, das Projekt als
Multiplikatoren zu unterstützen. So wird es ab Februar eine Serie von
Live-Webinaren für Pflegefachpersonen in ambulanten Diensten und Heimen in
Berlin und Brandenburg geben.

Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion. Sie entsteht, wenn
die körpereigenen Abwehrkräfte die Ausbreitung einer lokalen Infektion
nicht mehr verhindern können und die Erreger in den Blutkreislauf
eindringen. Der Körper reagiert mit einer Aktivierung der Abwehrsysteme,
insbesondere des Immun- und Gerinnungssystems. Dadurch werden jedoch auch
körpereigene Organe wie Lunge, Herz und Niere geschädigt. Es kommt zum
Multiorganversagen und zum septischen Schock. Unbehandelt verläuft eine
Sepsis immer tödlich.

Alle Informationen zu SepWiss sowie Materialien und Veranstaltungen sind
auf der Website erhältlich bzw. buchbar: https://www.sepsiswissen.de

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Mobil Krankenkasse unterstützt Präventionsprogramm der Freien Universität Berlin gegen Cybermobbing

Fast jeder fünfte Schüler in Deutschland wurde Expertinnen und Experten
zufolge schon im Internet oder in Chats über das Smartphone über einen
längeren Zeitraum hinweg beleidigt, bedroht, belästigt oder bloßgestellt.
Mit dem an der Freien Universität entwickelten wissenschaftlich geprüften
Präventionsprogramm „Medienhelden“ ermöglicht die Mobil Krankenkasse
Jugendlichen einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien. Knapp 450
Lehrkräfte, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter von etwa 350
Gymnasien, Real- und Mittelschulen in Bayern haben die Fortbildung bereits
absolviert und können das Programm im Unterricht umsetzen. „Medienhelden“
soll weiter wachsen.

Beleidigt, verspottet, gehänselt und ausgeschlossen: Mobbing unter
Teenagern gibt es längst nicht mehr nur auf dem Schulhof. Die Attacken
gehen häufig in WhatsApp-Gruppen oder Klassen-Chats weiter oder fangen
erst dort an. Das Tückische: Bei Cybermobbing kann jeder mitlesen und
jeder kann mitmachen. Im Internet wird die Beleidigung zudem dokumentiert
– Monate später ist der Eintrag noch immer für alle sichtbar und für
Betroffene damit umso verletzender. „Cybermobbing kann zu massiven
Problemen führen – von Kopf- oder Bauchschmerzen, Angststörungen,
Depressionen bis hin zu Suizidgedanken“, weiß Univ.-Prof. Dr. Herbert
Scheithauer, Entwicklungspsychologe an der Freien Universität Berlin. Um
Schülern und Lehrkräften Hilfestellungen zu geben, wie sie aktiv gegen
Hass und Ausgrenzung im Netz vorgehen können und sich sicher im Netz
bewegen, hat er mit seinem Team das wissenschaftlich geprüfte vielfach
ausgezeichnete und vom „Weißen Ring“ empfohlene Präventionsprogramm
„Medienhelden“ entwickelt. Es richtet sich an Schüler der 7. bis 10.
Klassen. Bereits seit Ende 2018 bringt die Mobil Krankenkasse das Programm
an Gymnasien, Real- und Mittelschulen in Bayern, indem sie
Fortbildungskosten übernimmt. Knapp 450 Lehrkräfte, Schulpsychologen und
Schulsozialarbeiter von etwa 350 Gymnasien, Real- und Mittelschulen haben
die meist dreitägige Fortbildung inzwischen absolviert und können das
Programm im Unterricht umsetzen – in der Regel tun sie dies über einen
Zeitraum von zehn Wochen.
„Smartphones sind ein entscheidendes Hilfsmittel für das soziale Leben“
Zwölf- bis 19-Jährige in Deutschland sind jeden Tag durchschnittlich rund
vier Stunden online – das hat die Ende 2021 veröffentlichte,
repräsentative JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds
Südwest gezeigt. „Kinder und Jugendliche empfinden Smartphones als
entscheidendes Hilfsmittel für ihr soziales Leben. Soziale Netzwerke
erfüllen ihr Bedürfnis nach Kommunikation. Sie ermöglichen Kontakt mit und
zu Gleichaltrigen und bieten ihnen Möglichkeiten der Selbstpräsentation“,
erläutert Univ.-Prof. Dr. Herbert Scheithauer.
Für Cybermobbing sensibilisieren und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen
Kommt es jedoch zu anhaltenden Hänseleien, Beleidigungen oder Bedrohungen
im Netz, leiden Betroffene oft sehr darunter, Klassenkameraden schreiten
oft nicht ein. Im Rahmen von „Medienhelden“ können Schüler für die Folgen
– sowohl für Betroffene als auch für Täter – sensibilisiert und ihnen
Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Die Jugendlichen analysieren
Ursachen von Cybermobbing, beurteilen Situationen im Hinblick auf ihre
möglichen Konsequenzen und besprechen, wie sie sich vor Cybermobbing
schützen und anderen helfen können. Sie bearbeiten Aufgaben gemeinsam,
diskutieren, wie sich die virtuellen Beleidigungen anfühlen und
verständigen sich auf Verhaltensregeln gegen digitale Hetze.

Perspektivenwechsel als Erfolgsrezept

Über Rollenspiele üben die Schüler bei „Medienhelden“, sich in andere
hineinzuversetzen. Im geschützten Rahmen nehmen sie verschiedene
Perspektiven ein – Opfer, Täter oder Mitläufer. Sie berichten von ihren
Gefühlen, Gedanken, Wünschen und Handlungsspielräumen, die sie in der
jeweiligen Rolle hatten. Die Schüler erleben Reaktionen auf ihr Verhalten
und lernen, zu erkennen, wann jemand zum Opfer wird und wie sie eingreifen
können. Darüber hinaus bringen sich Schüler bei „Medienhelden“ gegenseitig
bei, wie sie sichere Social-Media-Profile erstellen – welche Daten sie
preisgeben, welche nicht. Und sie bereiten für ihre Eltern einen
Elternabend vor. Hierbei erklären sie den Erwachsenen unter anderem, wie
sie mit ihrem Kind reden können, damit dieses sich ihnen anvertraut und
keine Angst haben muss, dass die Eltern ihm das Handy entziehen.

„Das Programm bringt gute, anhaltende Erfolge“

„Wissenschaftliche Evaluationen und die Erfahrungen der vergangenen Jahre
haben gezeigt: „Medienhelden“ bringt gute, anhaltende Erfolge. Die
Akzeptanz ist hoch, da die Jugendlichen zahlreiche Maßnahmen
selbstbestimmt und mitwirkend umsetzen und ihr Wissen an Mitschüler und
Eltern weitergeben. In einer Längsschnittstudie konnten wir unter anderem
weniger Cybermobbing, mehr Empathie, ein besseres Selbstwertgefühl und ein
besseres Wohlbefinden feststellen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Herbert
Scheithauer.

Statement von Ariane Lieckfeldt, Mobil Krankenkasse, Prävention und
Gesundheits-förderung:
„Cybermobbing unter Kindern und Jugendlichen hat sich in den vergangenen
Jahren stark verbreitet. Wir erleben regelmäßig, wieviel Unwissenheit bei
vielen Schülerinnen und Schülern vor allem hinsichtlich Social Media
herrscht – dass viele Kinder und Jugendliche sich gar nicht bewusst sind,
welche Auswirkungen es hat, wenn sie Fotos, Videos oder Texte bei TikTok,
Snapchat oder in WhatsApp-Gruppen posten. Der kompetente Umgang mit Medien
ist extrem wichtig. Seit Ende 2018 haben fast 450 Lehrkräfte,
Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter in Bayern an den
„Medienhelden“-Fortbildungen teilgenommen. Das zeigt, wie groß der Bedarf
ist, die Medienkompetenz und die seelische Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen zu fördern. Unser Ziel ist es, dass das Programm
„Medienhelden“ fester Bestandteil in möglichst vielen weiterführenden
Schulen wird.“

Statement von Stephan Lehmann, Stadionsprecher des FC Bayern München,
Moderator, zweifacher Vater:
„Das ist eine wahnsinnig runde Sache. Ich bin mir sehr sicher, dass wir es
brauchen, mehr denn je und dass das Früchte tragen wird. Ich bin ein
großer Fan von „Medienhelden“. Das kann ich nur unterstützen. Ich freue
mich –, nicht nur, wenn meine Kinder, sondern alle Jugendlichen, die
dieses Programm in ihren Schulen durchlaufen –, da einfach fitter werden,
also mehr Kompetenz im Umgang mit Medien entwickeln und damit weniger
anfällig für Cybermobbing sind.“

•       Weitere Informationen unter www.medienhelden.info sowie über
Gernot Goldenbaum von der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838 55
225.
•       Hier (https://mobil-
krankenkasse.de/unternehmen/presse/pressemeldungen.html) geht es zum
Pressebereich der Mobil Krankenkasse mit umfassender Pressemappe (u. a.
mit Experten-Interview, Zahlen und Fakten, Statements) sowie Foto- und
Videomaterial.

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Nachhaltige Zukunft für Ostsee-Küstenfischerei: Projekt SpaCeParti setzt auf Reallabore um Nutzungskonflikte zu lösen

In der westlichen Ostsee ist die Küstenfischerei eng mit der
wirtschaftlichen Entwicklung von Küstengemeinden und den Auswirkungen des
Klimawandels mit dem zunehmenden Verlust von Biodiversität verknüpft. Für
eine nachhaltige Zukunft der Fischerei müssen vielfältige Interessen
berücksichtigt werden. Dazu gehören auch Raum- und Ressourcenkonflikte,
die zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen erkannt und im
gemeinsamen Dialog gelöst werden müssen. Dazu beitragen will das vom
Center for Ocean and Society an der Universität Kiel koordinierte Projekt
SpaCeParti mit der Einrichtung von sogenannten Reallaboren, in die
Nutzerinnen und Nutzer aktiv in die Forschung einbezogen werden.

SpaCeParti ist ein Vorhaben der Forschungsmission sustainMare „Schutz und
nachhaltige Nutzung mariner Räume“ der Deutschen Allianz Meeresforschung
(DAM).

Zu einem virtuellen Kick-Off des Projektes SpaCeParti (Coastal Fishery,
Biodiversity, Spatial Use and Climate Change: A Participative Approach to
navigate the Western Baltic Sea into a Sustainable Future) trafen sich
heute (Montag, 21. Februar) mehr als 25 Forschende aus sechs
Institutionen. Das im Dezember gestartete und vom Center for Ocean and
Society (CeOS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
koordinierte Forschungsvorhaben hat sich zum Ziel gesetzt, mit den beiden
Reallaboren Stein Wendtorf (Schleswig-Holstein) und Greifswalder Bodden
(Mecklenburg-Vorpommern), nachhaltige Nutzungsstrategien für die westliche
Ostsee mit dem Fokus auf Fischerei gemeinsam mit regionalen sowie lokalen
Interessensgruppen zu entwickeln. Dazu gehören Akteurinnen und Akteure aus
der kommerziellen Fischerei und der Freizeitfischerei ebenso wie
Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Tourismus, öffentliche
Verwaltung, Natur- und Umweltverbände, lokale Medien sowie Bürgerinnen und
Bürger.

Für diese Verknüpfung von Forschung und lokalen Expertinnen und Experten,
die in diesem Umfang in bestehenden Forschungsprojekten zum ersten Mal in
diesen Regionen umgesetzt werden soll, wurden zwei Standorte gewählt, die
durch massiv abgesenkte Fangquoten und räumliche Nutzungskonflikte
besonders betroffen sind. In Stein Wendtorf hat der Dorsch die größte
ökonomische Bedeutung für die küstennahe Fischerei. In Greifswald wiederum
zielt die Fischerei hauptsächlich auf den Fang von Hering ab. In den
vergangenen Jahren sanken die sogenannten Laicherbiomassen beider Arten,
d.h. die Anzahl der nachwuchsproduzierenden Elterntiere. Das hat zu
strukturellen Veränderungen beider Standorte geführt. Gleichzeitig sind
diese Regionen von hohem touristischen Interesse, wertvolle Habitate für
den Naturschutz oder werden als potenzielle Räume für die Produktion von
erneuerbaren Energien ausgewiesen.

„Die Küstenökosysteme an der westlichen Ostsee stehen enorm unter Druck“,
sagt Prof. Dr. Marie-Catherine Riekhof, Verbundkoordinatorin des Projektes
am Center for Ocean and Society (CeOS) des Forschungsschwerpunkts Kiel
Marine Science (KMS) an der Universität Kiel. „Ihre Biodiversität ist
gefährdet unter menschlichen Einflüssen wie Klimawandel oder
Eutrophierung. Besonders die küstennahe Fischerei steht vor großen
Herausforderungen. Um für das gesamte Ökosystem und die Menschen vor Ort
tragfähige Lösungen zu entwickeln, brauchen wir neue Forschungsmethoden.
Diese müssen den komplexen und ineinandergreifenden Herausforderungen
gerecht werden,“ so Riekhof, CAU-Professorin für Politische Ökonomie des
Ressourcenmanagements mit Schwerpunkt auf Meeres- und Küstenressourcen.
„Reallabore haben sich in der Nachhaltigkeitsforschung bewährt und werden
am Center for Ocean and Society als ein wirkungsvolles Konzept für die
partizipative Forschung eingesetzt. Gesellschaftliche Akteurinnen und
Akteure von Beginn an in die Forschung einzubeziehen ist zukunftsweisend
und eine große Chance für stark genutzte Küstenökosysteme wie die Ostsee“,
ergänzt Dr. Christian Wagner-Ahlfs, Koordinator für transdisziplinäre
Forschung im Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KMS).

Eine große Herausforderung wird es sein, die Infrastruktur aufzubauen und
die Akteurinnen und Akteure an einen Tisch zu holen. „Wir greifen dafür
auf bestehende Netzwerke zurück und auch auf Verbindungen aus langjährigen
Forschungsaktivitäten an der Ostsee,“ erläutert Wagner-Ahlfs. Dr. Heike
Schwermer, Postdoktorandin im Center for Ocean and Society, berät die
beiden Reallabore als Fischereiexpertin: „Wir möchten wissenschaftliches
und politisches Handlungswissen erarbeiten, um die Fischerei in der
westlichen Ostsee in eine nachhaltige Zukunft zu lenken. Dazu müssen wir
gleichzeitig die Bedürfnisse des Schutzes der biologischen Vielfalt, des
Tourismus und der Erzeugung erneuerbarer Energien berücksichtigen.“

Um dieses Vorhaben umzusetzen, erforschen die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler die Dynamiken der biologischen Vielfalt in der westlichen
Ostsee und füllen hierbei Wissenslücken zu Rekrutierungsprozessen von
Dorsch und Hering. Neben der Entwicklung von Nahrungs- und
Fischereimodellen zielt das Projekt ferner auf die Entwicklung dynamischer
Anpassungspfade ab. Ein besseres Verständnis der politischen und
sozioökonomischen Prozesse soll in politischem Handlungswissen enden und
so einen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung des sozial-ökologischen Systems
der westlichen Ostsee leisten.

In das Projekt SpaCeParti eingebunden sind die Universität Hamburg mit dem
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) und mit
demExzellenzcluster CLICCS, das Deutsche Zentrum für integrative
Biodiversitätsforschung (iDiv), die Universität Leipzig, das GEOMAR
Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, das Thünen-Institut für
Ostseefischerei Rostock sowie das Leibnitz-Institut für ökologische
Raumentwicklung (IÖR), Dresden. Das Projekt wird im Rahmen der
Forschungsmission „Schutz und nachhaltige Nutzung mariner Räume“ der DAM
für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
gefördert.

Über die DAM-Forschungsmission sustainMare „Schutz und nachhaltige Nutzung
mariner Räume“

Die Forschungsmission sustainMare „Schutz und nachhaltige Nutzung mariner
Räume“ der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) untersucht die
ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Nutzung und
Belastung an Nord-und Ostsee. Zwei Pilotvorhaben und fünf Verbundprojekte,
darunter das vom Center for Ocean and Society (Kiel Marine Science/KMS der
Universität Kiel) koordinierte Projekt SpaCeParti, entwickeln in einem
breiten, transdisziplinären Ansatz wissenschaftlich fundierte
Handlungsoptionen für die nachhaltige Nutzung von Meeresressourcen und
Ökosystemleistungen. Ziel ist es, einen guten Umweltzustand in marinen
Systemen unter Einbindung von Nutzern und Entscheidern aus Politik,
Behörden und Wirtschaft zu erreichen. Die gesamte Mission wird vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 25 Millionen
Euro für drei Jahre gefördert.

Über Kiel Marine Science (KMS)

Kiel Marine Science (KMS), das Zentrum für interdisziplinäre
Meereswissenschaften an der CAU widmet sich der interdisziplinären
Erforschung der Meere an der Schnittstelle von Mensch und Ozean. Dabei
bündeln die Forschenden ihre Expertise aus unterschiedlichen natur- und
gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen und untersuchen die Risiken
und Chancen, die das Meer für den Menschen bereithält und bilden die
nächste Generation fachübergreifend aus. Gemeinsam mit Akteuren außerhalb
der Wissenschaft arbeiten sie weltweit und transdisziplinär an Lösungen
für eine nachhaltige Nutzung und den Schutz des Ozeans. https://www.kms
.uni-kiel.de/de

Links:
Deutsche Allianz Meeresforschung https://www.allianz-meeresforschung.de/
Center for Ocean and Society (CeOS)
https://oceanandsociety.org/de/startseite

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China-Geschäft könnte für deutsche Unternehmen zum Problem werden

Die Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen fließen verstärkt nach
China. Dies gilt insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe wie etwa der
Automobilindustrie. US-Unternehmen halten sich dagegen überwiegend von dem
Land fern. „Deutsche Firmen befinden sich auf dem Weg zu einer
gefährlichen Abhängigkeit vom Wohlwollen der chinesischen Führung. Sie
dienen dem geopolitischen Machtanspruch Chinas, wenn sie ihr Know-how in
das Land transferieren, und können von heimischen Firmen verdrängt
werden“, sagte Rolf J. Langhammer, Handelsforscher am IfW Kiel anlässlich
einer aktuellen Analyse.

Seit den 1990er Jahren steigt die Zahl an Tochterunternehmen und
Produktionsstätten deutscher Firmen in China kontinuierlich an. Eine
Analyse von Rolf J. Langhammer, Handelsforscher am IfW Kiel, zeigt, dass
zuletzt rund 7 Prozent der gesamten Auslandsinvestitionen Deutschlands in
China getätigt wurden, dies entspricht etwa 89 Mrd. Euro (Datenbasis
2019). Im Jahr 2000 waren es noch nur rund 1 Prozent. (R. J. Langhammer:
Reluctant US vs Ambitious German Direct Investment in China – the Tale of
Two Strategies / https://www.ifw-kiel.de/index.php?id=17025&L=1).

Im Verarbeitenden Gewerbe, also etwa in den Bereichen Chemie, Maschinenbau
oder Automobil, stiegen die Auslandsinvestitionen in China von gut 2
Prozent im Jahr 2000 auf zuletzt sogar 14 Prozent (61 Mrd. Euro). Alleine
die Autoindustrie investierte jüngst 24 Prozent aller ihrer ausländischen
Geldanlagen in China (26 Mrd. Euro).

Demgegenüber meiden die USA als weltgrößter Auslandsinvestor bislang diese
Wachstumsregion, sie setzen stattdessen auf Investitionen in Europa. 2020
flossen nur rund 2 Prozent aller Auslandsinvestitionen nach China (110
Mrd. Euro). Bei Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes waren es gut 6
Prozent (54 Mrd. Euro). Im Jahr 2000 lag der Anteil der US-
Auslandsinvestitionen in China gleichauf mit denen Deutschlands, also bei
insgesamt rund 1 Prozent bzw. 2 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe.

„Die Zurückhaltung US-amerikanischer Firmen ist umso erstaunlicher, als
China seit vielen Jahren eine der am dynamischsten wachsenden Weltregionen
ist und Firmen einen äußerst lukrativen Absatzmarkt bietet. Außerdem
gewährt China ausländischen Firmen in den letzten Jahren auch allmählich
Zugang zum Dienstleistungssektor, in dem US-Firmen weltweit führend sind.
Ganz offenbar sind die Bedenken zu groß, von China für den Wissenstransfer
oder das Ausspähen sensibler und sicherheitsrelevanter Informationen
ausgenutzt zu werden”, so Langhammer.

Die USA führen Investitionskontrollen zum Schutz der nationalen Sicherheit
nicht nur gegenüber ausländischen Unternehmen durch, die sich in den USA
niederlassen wollen. Auch die Expansion von US-Unternehmen außerhalb der
USA wird reguliert, um sicherzugehen, dass dadurch nicht sensible
Informationen in ausländische Hände fallen können. Deutschland dagegen
reguliert über das Außenhandelsgesetz nur die Aktivitäten ausländischer
Firmen im Inland, nicht die Investitionen inländischer Firmen im Ausland
wie etwa in China. China drängt ausländische Unternehmen dazu, den eigenen
Markt weniger durch Handel, als über Tochterunternehmen vor Ort zu
beliefern.

„Chinas Ziel ist es, sich vom Ausland und speziell dem systemischen
Rivalen USA unabhängiger zu machen und Schlüsseltechnologien selbst
produzieren zu können. Dafür braucht das Land Know-how, das es bislang
noch nicht hat. Ausländische Investoren müssen sich vergegenwärtigen, dass
sie diesem Ziel dienen sollen und durch heimische Anbieter abgelöst
werden, sobald diese über die notwendigen Technologiekenntnisse verfügen“,
so Langhammer. „Deutsche Unternehmen vor allem aus der Automobilindustrie
haben in China lange Jahre Gewinne gemacht, nun kann die Abhängigkeit vom
chinesischen Markt zum Problem werden. Sie haben chinesischen Firmen das
nötige Know-how geliefert, um von diesen zukünftig ersetzt werden zu
können, und China damit zu einer mächtigeren Verhandlungsposition im
geopolitischen Wettstreit verholfen.“

Zum Kiel Policy Brief: R. J. Langhammer: Reluctant US vs Ambitious German
Direct Investment in China – the Tale of Two Strategies / https://www.ifw-
kiel.de/index.php?id=17025&L=1

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