Zurück in den Kreislauf: Menschlicher Urin wird zu Recyclingdünger für Berliner Gemeinschaftsgärten
"Urban Cycles", ein Citizen Science Projekt zu nachhaltiger Düngung mit
urinbasiertem Recyclingdünger in Berliner Gemeinschaftsgärten, ist als
eine von 15 partizipativen Projektideen im Hochschulwettbewerb
ausgezeichnet worden.
In teilnehmenden Berliner Gemeinschaftsgärten wird ein Recyclingdünger aus
künstlichem Urin getestet - das Besondere daran ist, dass die Experimente
von den Gärtnernden selbst durchgeführt und die Ergebnisse gemeinsam mit
Forschenden ausgewertet werden. Ziel des Projekts ist es, Gärtnernden
interaktiv Wissen zu nachhaltiger Düngung zu vermitteln und sie
partizipativ in den wissenschaftlichen Prozess und
gesellschaftspolitischen Dialog zu Recyclingdüngern einzubinden.
Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) im
Rahmen des Wissenschaftsjahres ausgerufen. In diesem Jahr lautet das Thema
„Nachgefragt“ und passend dazu wurden 15 partizipative Projektideen
ausgezeichnet. Zu den diesjährigen Gewinner*innen gehört auch das Projekt
„Urban Cycles: ein Citizen Science Projekt zu nachhaltiger Düngung mit
urinbasierten Recyclingdüngern in Berliner Gemeinschaftsgärten“,
koordiniert vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in
Großbeeren.
Für die sozial-ökologische Transformation ist eine zirkuläre Betrachtung
der Dünger- und Nahrungsproduktion zentral. Eine wichtige
Nährstoffressource ist menschlicher Urin, der sich in einen sicheren,
schadstofffreien und wirksamen Recyclingdünger umwandeln lässt. Im Projekt
„Urban Cycles“ soll in Berliner Gemeinschaftsgärten ein Recyclingdünger
aus künstlichem Urin getestet werden. Den teilnehmenden
Gemeinschaftsgärten wird dafür kostenlos der vom Deutschen Luft- und
Raumfahrtzentrum (DLR) entwickelte C.R.O.P®-Dünger (Combined Regenerative
Organic Food Production) zur Verfügung gestellt. Der neue Recyclingdünger
stammt aus Forschungsanlage des DLR, die aktuell noch mit künstlichem Urin
betrieben werden. Die Gärtner*innen führen dann mit dem C.R.O.P®-Dünger
selbst Experimente durch und dokumentieren ihre Ergebnisse. In
Dialogrunden werten sie ihre Beobachtungen gemeinsam mit Forschenden aus.
Ziel des Projekts ist es, Gärtner*innen interaktiv Wissen zu nachhaltiger
Düngung zu vermitteln und sie partizipativ in den wissenschaftlichen
Prozess und gesellschaftspolitischen Dialog zu Recyclingdüngern
einzubinden. Durch offene Formate und das Prinzip “von Gärtnernden für
Gärtnernde” soll das gemeinsam erarbeitete Wissen möglichst vielen
weiteren Interessierten zugänglich gemacht werden.
Das „Urban Cycles“-Projektteam am IGZ ist eine Kooperation zwischen der
Forschungsgruppe "Gartenbausysteme der Zukunft" und dem
Wissenschaftsmanagement. Unterstützt wird das Projekt außerdem vom DLR in
Köln.
Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) in
Kooperation mit dem Bundesverband Hochschulkommunikation und der
Hochschulrektorenkonferenz ausgerufen und vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahres gefördert. Im
Hochschulwettbewerb 2022 - Wissenschaftsjahr „Nachgefragt!“ laden junge
Forschende Bürger*innen dazu ein, sich aktiv am Forschungsprozess zu
beteiligen und gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.
Aus 270 Einreichungen hat die Jury nun die besten 15 Projektideen gekürt.
Die Gewinnerteams erhalten jeweils 10.000 Euro, um damit bis Ende des
Jahres ihre Ideen in die Praxis umzusetzen.
Für das Urban Cycles-Projektteam und die 14 andere Gewinner*innenteams
geht es nun direkt weiter: Im März nehmen sie an einem Auftakt-Workshop
von Wissenschaft im Dialog zum Thema Wissenschaftskommunikation teil, im
Laufe des Jahres folgen weitere Schulungen und Veranstaltungen, bei denen
sich die Teams auch untereinander vernetzen können.
Die Fortschritte, Erfahrungen und Ergebnisse des Projekts können über die
Projektwebsite, die sozialen Medien und den Blog des Hochschulwettbewerbs
verfolgt werden. Genaue Einzelheiten dazu werden in einer separaten
Pressemitteilung bekannt gegeben, sobald das Projektteam die ersten
Schritte unternommen hat.
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