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Zurück in den Kreislauf: Menschlicher Urin wird zu Recyclingdünger für Berliner Gemeinschaftsgärten

"Urban Cycles", ein Citizen Science Projekt zu nachhaltiger Düngung mit
urinbasiertem Recyclingdünger in Berliner Gemeinschaftsgärten, ist als
eine von 15 partizipativen Projektideen im Hochschulwettbewerb
ausgezeichnet worden.
In teilnehmenden Berliner Gemeinschaftsgärten wird ein Recyclingdünger aus
künstlichem Urin getestet - das Besondere daran ist, dass die Experimente
von den Gärtnernden selbst durchgeführt und die Ergebnisse gemeinsam mit
Forschenden ausgewertet werden. Ziel des Projekts ist es, Gärtnernden
interaktiv Wissen zu nachhaltiger Düngung zu vermitteln und sie
partizipativ in den wissenschaftlichen Prozess und
gesellschaftspolitischen Dialog zu Recyclingdüngern einzubinden.

Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) im
Rahmen des Wissenschaftsjahres ausgerufen. In diesem Jahr lautet das Thema
„Nachgefragt“ und passend dazu wurden 15 partizipative Projektideen
ausgezeichnet. Zu den diesjährigen Gewinner*innen gehört auch das Projekt
„Urban Cycles: ein Citizen Science Projekt zu nachhaltiger Düngung mit
urinbasierten Recyclingdüngern in Berliner Gemeinschaftsgärten“,
koordiniert vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in
Großbeeren.
Für die sozial-ökologische Transformation ist eine zirkuläre Betrachtung
der Dünger- und Nahrungsproduktion zentral. Eine wichtige
Nährstoffressource ist menschlicher Urin, der sich in einen sicheren,
schadstofffreien und wirksamen Recyclingdünger umwandeln lässt. Im Projekt
„Urban Cycles“ soll in Berliner Gemeinschaftsgärten ein Recyclingdünger
aus künstlichem Urin getestet werden. Den teilnehmenden
Gemeinschaftsgärten wird dafür kostenlos der vom Deutschen Luft- und
Raumfahrtzentrum (DLR) entwickelte C.R.O.P®-Dünger (Combined Regenerative
Organic Food Production) zur Verfügung gestellt. Der neue Recyclingdünger
stammt aus Forschungsanlage des DLR, die aktuell noch mit künstlichem Urin
betrieben werden. Die Gärtner*innen führen dann mit dem C.R.O.P®-Dünger
selbst Experimente durch und dokumentieren ihre Ergebnisse. In
Dialogrunden werten sie ihre Beobachtungen gemeinsam mit Forschenden aus.
Ziel des Projekts ist es, Gärtner*innen interaktiv Wissen zu nachhaltiger
Düngung zu vermitteln und sie partizipativ in den wissenschaftlichen
Prozess und gesellschaftspolitischen Dialog zu Recyclingdüngern
einzubinden. Durch offene Formate und das Prinzip “von Gärtnernden für
Gärtnernde” soll das gemeinsam erarbeitete Wissen möglichst vielen
weiteren Interessierten zugänglich gemacht werden.
Das „Urban Cycles“-Projektteam am IGZ ist eine Kooperation zwischen der
Forschungsgruppe "Gartenbausysteme der Zukunft" und dem
Wissenschaftsmanagement. Unterstützt wird das Projekt  außerdem vom DLR in
Köln.
Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) in
Kooperation mit dem Bundesverband Hochschulkommunikation und der
Hochschulrektorenkonferenz ausgerufen und vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahres gefördert. Im
Hochschulwettbewerb 2022 - Wissenschaftsjahr „Nachgefragt!“ laden junge
Forschende Bürger*innen dazu ein, sich aktiv am Forschungsprozess zu
beteiligen und gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.
Aus 270 Einreichungen hat die Jury nun die besten 15 Projektideen gekürt.
Die Gewinnerteams erhalten jeweils 10.000 Euro, um damit bis Ende des
Jahres ihre Ideen in die Praxis umzusetzen.
Für das Urban Cycles-Projektteam und die 14 andere Gewinner*innenteams
geht es nun direkt weiter: Im März nehmen sie an einem Auftakt-Workshop
von Wissenschaft im Dialog zum Thema Wissenschaftskommunikation teil, im
Laufe des Jahres folgen weitere Schulungen und Veranstaltungen, bei denen
sich die Teams auch untereinander vernetzen können.
Die Fortschritte, Erfahrungen und Ergebnisse des Projekts können über die
Projektwebsite, die sozialen Medien und den Blog des Hochschulwettbewerbs
verfolgt werden. Genaue Einzelheiten dazu werden in einer separaten
Pressemitteilung bekannt gegeben, sobald das Projektteam die ersten
Schritte unternommen hat.

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Das Kind hat eine Tablette verschluckt – was tun?

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die Vergiftungsrisiken durch
Medikamente der Eltern oder Großeltern

Medikamente gehören zum Alltag vieler Familien und leisten meist gute
Dienste bei Fieber, Schmerzen und bei vielen weiteren Erkrankungen. Doch
die bunte Herztablette in Omas Handtasche oder die Blutdruckpille auf dem
Nachttisch der Eltern kann sich für Kinder schnell in eine gefährliche
Bedrohung verwandeln, warnt die Stiftung Kindergesundheit in ihrer
aktuellen Stellungnahme: Arzneimittel bilden den Hauptanteil der rund
220.000 jährlichen Anfragen an die bundesweit acht
Giftinformationszentren. Besonders beunruhigend: Die Zahl der durch
Medikamente bedingten Vergiftungen und Vergiftungsverdachtsfällen nimmt in
den letzten Jahren immer mehr zu.

„Neugierigen Kleinkindern gelingt es trotz aller Vorsicht der Eltern immer
wieder, Dinge in die Hand und in den Mund zu bekommen, wovon sie tunlichst
die Finger lassen sollten“, sagt Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold
Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Lange Erklärungen
nützen meist wenig und auch Verbote sind schnell vergessen. Deshalb
sollten gefährliche Substanzen für Kinder unerreichbar aufbewahrt bleiben
– auch Medikamente gehören hinter Schloss und Riegel!“. Für die
Aufbewahrung von Medikamenten sollten abschließbare Medikamentenschränke
oder Kosmetikkoffer mit Zahlenschloss benutzt werden, empfiehlt die
Stiftung Kindergesundheit.

Zu den Vergiftungsunfällen kommt es, anders als vielfach vermutet, meist
nicht dann, wenn das Kind längere Zeit unbeobachtet ist, sagt die Stiftung
Kindergesundheit. Viel häufiger seien Situationen, in denen die Eltern
kurz abgelenkt sind, zum Beispiel weil es an der Tür klingelt, das Handy
läutet, die Milch überkocht oder die Mutter oder der Vater dringend auf
die Toilette müssen. Schon diese wenigen Minuten können umtriebige
Kleinkinder nutzen, um eine Tablette zu schnappen und in den Mund zu
befördern.

Tabletten sind keine „Bonbons“!
Medikamente werden von Kindern leicht mit Süßigkeiten verwechselt. „Wenn
jemand in der Familie oder das Kind selbst Arzneimittel einnehmen muss,
sollten die Tabletten auf keinen Fall als ‚Bonbons‘, ‚Guddi‘ oder
‚Zuckerl‘ bezeichnet werden“, betont Professor Berthold Koletzko und fügt
ergänzend hinzu: „Auch flüssige Medikamente sollten niemals als
‚Fruchtsaft‘ oder ‚süß‘ angepriesen werden, um sie dem Kind schmackhaft zu
machen! Solche Verharmlosungen erhöhen die Gefahr, dass herumliegende
Medikamente in einem unbeobachteten Augenblick vom Kind geschluckt oder
getrunken werden“.

Die Stiftung Kindergesundheit weist außerdem auf eine selten bedachte
Gefahrenquelle hin, nämlich auf den Haushalt von Opa und Oma. Der ist
nämlich leider nur selten kindersicher: Die von den Großeltern benötigten
Medikamente werden häufig sichtbar auf einem Tisch oder in einem leicht
zugänglichen Schrank aufbewahrt. Auch die Taschen von Oma und Opa werden
von Kindern unbemerkt durchstöbert und die bunten vermeintlichen
Süßigkeiten probiert.

Zu den für Kinder gefährlichen Arzneimitteln zählen vor allem Medikamente,
die gegen Herzrhythmusstörungen genommen werden wie z. B. Antiarrhythmika,
Betablocker oder Kalziumantagonisten. Riskant sind auch starke
Schmerzmittel wie Opiate, Diabetesmittel, sowie hohe Dosen von Paracetamol
und von Nasentropfen mit dem Wirkstoff Xylometazolin. In den meisten
Fällen unbedenklich ist dagegen das Naschen der Verhütungspille der
Mutter.

Nicht erbrechen lassen!
Wenn ein Kind in einem unbeaufsichtigten Augenblick ein Medikament
geschluckt oder getrunken hat, sollte man gleich versuchen, seinen Mund
mit Wasser auszuspülen, um die Reste aus dem Mund zu entfernen. Danach
sollte man dem Kind sofort viel zu trinken geben: ein Glas Leitungswasser,
Tee oder Saft. Damit wird die eingenommene Substanz zumindest verdünnt.

Wichtig: Keine Milch zu trinken geben! Milch beschleunigt unter Umständen
die Giftaufnahme durch den Darm.

Kinder, die Medikamente zu sich genommen haben, sollten auf keinen Fall
zum Erbrechen gebracht werden, betont die Stiftung Kindergesundheit. Es
besteht sonst die Gefahr, dass das Erbrochene in die Lungen gerät und zu
einer Lungenentzündung führt.

Gewarnt wird auch vom „Hausmittel“ Salzwasser: Zu viel Salz kann gerade
bei kleinen Kindern zu einer gefährlichen Verschiebung der Elektrolyte und
sogar zu einer lebensbedrohlichen Natriumvergiftung führen.

Nicht zögern, Giftnotruf anrufen!
Die häufigsten Symptome für die meisten Vergiftungen sind Übelkeit,
Erbrechen und Durchfall. Bei Vergiftungen mit Medikamenten können auch
Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit bis hin zu einem komaähnlichen
Tiefschlaf auftreten, auch Störungen von Atmung und Kreislauf sind häufig.

Doch selbst beim leisesten Verdacht, das Kind könnte gefährliche Mengen
einer giftigen Substanz eingenommen haben, sollte man auf keinen Fall erst
auf eventuelle Anzeichen einer Vergiftung warten, sondern sofort handeln.
Das heißt: Sich so schnell wie möglich mit einem Arzt oder mit einem der
Giftinformationszentren in Verbindung setzen. Diese können den anrufenden
Eltern meist sofort erklären, ob eine akute Gefahr besteht und was
gegebenenfalls zu unternehmen ist. Sie vermitteln auch die Information, ob
ein Arzt- oder Krankenhausbesuch notwendig ist.

Hat man die Nummer nicht zur Hand oder treten bereits Symptome einer
Vergiftung auf, wählt man besser gleich die 112.

Die meisten Unfälle mit Medikamenten sind glücklicherweise harmloser als
befürchtet, betont die Stiftung Kindergesundheit. Dennoch sollte der
Verdacht auf eine mögliche Vergiftung nie auf die leichte Schulter
genommen werden: Es sollte in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden.

Welche Fragen stellt der Giftnotruf?
•       Wer ist betroffen? Kind, Erwachsener?
•       Was wurde eingenommen? Genaue Bezeichnung des Mittels (was steht
auf der Packung), Firma, Name des Produkts.
•       Wie viel wurde eingenommen? Wie viel Stück waren in der Packung?
Wie viel ist noch vorhanden? Wie viel kann das Kind maximal eingenommen
haben? Wie war es verpackt?
•       Wie wurde es eingenommen? Geschluckt? Eingeatmet?
•       Wann wurde es eingenommen?
•       Wie alt ist das Kind?
•       Wie viel wiegt das Kind ungefähr?
•       Wie geht es dem Kind?  Husten?  Erbrechen? Muskelzuckungen?
Berauscht? Benommen? Schmerzen?
•       Name und Telefonnummer (für Rückfragen)?

Giftnotruf: Diese Nummern sollten Sie kennen
Die Giftinformationszentren sind unter folgenden Telefonnummern zu
erreichen: Berlin 030/19240; Bonn 0228/19240; Erfurt 0361/730730; Freiburg
0761/19240; Göttingen 0551/19240; Homburg/Saar 06841/19240; Mainz
06131/19240; München 089/19240; Wien +43-1-406 43 43; Zürich +41-44-251 51
51.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR hat eine App als Informations-
und Nachschlagewerk für Vergiftungsunfälle bei Kindern und für deren
Vermeidung entwickelt. Im Notfall kann direkt aus der App ein für das
jeweilige Bundesland zuständiges Giftinformationszentrum angerufen werden.
Die BfR-App wurde für Smartphones mit den Betriebssystemen Android und iOS
entwickelt. In den jeweiligen App-Stores steht sie kostenlos zum Download
zur Verfügung.

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Welche Rolle spielt Ökostrom beim Laden von E-Autos?

Eine neue Untersuchung des Fraunhofer ISI widmet sich der Frage, wie stark
Ökostrom-Verträge unter Nutzer:innen von Elektrofahrzeugen in Deutschland
verbreitet sind. Dabei wurde sowohl der Anteil an Ökostromverträgen für
das Laden Zuhause, auf der Arbeit und an öffentlichen Ladestationen sowie
der ökologische Anspruch der Verträge näher beleuchtet. Darüber hinaus
wurden die Werte für Deutschland in Bezug zum EU-Durchschnitt gesetzt.

Elektrofahrzeuge spielen für die Erreichung der deutschen Klimaziele eine
entscheidende Rolle – ihre Klimabilanz hängt aber wesentlich vom
verwendeten Ladestrom ab. Legt man die CO2-Emissionen des deutschen
Stromnetzes für Berechnungen zugrunde, zeigen verschiedene Studien schon
eine hohe Einsparung an Treibhausgasemissionen. Besteht der beim
Ladevorgang verwendete Strom hingegen komplett aus erneuerbaren Quellen,
reduziert sich der CO2-Fußabdruck auf bis zu 75% gegenüber konventionellen
Fahrzeugen – und die tatsächliche Umweltbilanz von Elektrofahrzeugen
verbessert sich nochmals deutlich.

Vor diesem Hintergrund befragte ein Autorenteam des Fraunhofer ISI und der
ESA² GmbH insgesamt 867 Nutzer:innen von Elektrofahrzeugen in Deutschland
zu deren bevorzugten Ladeorten sowie ob sie beim Laden auf Ökostrom
zurückgreifen.

Ökostromverträge unter Nutzer:innen von E-Fahrzeugen weit verbreitet

Die Ergebnisse zeigen, dass 59% der Befragten in Deutschland ihre
Elektrofahrzeuge bevorzugt Zuhause laden (EU-Durschnitt: 64%). Von den
Elektrofahrzeug-Nutzer:innen besitzen 84% einen Ökostromvertrag (EU: 63%),
was deutlich über dem Durschnitt der deutschen Haushalte liegt, von denen
2020 nur 30% einen solchen Vertrag besaßen. Gründe für den hohen Anteil
sind ein geäußertes hohes Umweltbewusstsein sowie die staatliche Förderung
von Wallboxen, die 2021 an den Abschluss eines Ökostromvertrags geknüpft
war.

Aber auch das Laden am Arbeitsplatz, das auf 14% (EU: 18%) der
Ladevorgänge zutrifft, ist der Befragung von Flottenmanager:innen zufolge
ähnlich häufig an Ökostromverträge (D: 81%; EU: 60%) geknüpft. Dies gilt
ebenfalls für öffentliche Ladepunkte, wie die Auswertung diverser
Datenquellen zeigt: So liegt der vertraglich vereinbarte Ökostromanteil an
öffentlichen Normalladestationen in Deutschland bei mindestens 85% (EU:
62%) und bei öffentlichen Schnellladestationen bei mindestens 75% (EU:
57%). Der Anteil von Ökostromverträgen fällt damit an allen drei Ladeorten
in Deutschland sehr hoch aus.

Unterschiedlich anspruchsvolle Ökostromverträge

Große Unterschiede zeigten sich allerdings bei den ökologischen Ansprüchen
der Ökostromverträge: Angebote können etwa ausschließlich auf
Herkunftsnachweisen beruhen, wobei in der Regel Altanlagen zur Produktion
erneuerbaren Stroms ohne räumlichen oder zeitlichen Bezug zur Stromabnahme
dem Ökostromvertrag zugeordnet werden. Dem stehen ambitionierte
Ökostromverträge mit hohen ökologischen Ansprüchen gegenüber, die sich
über extern zertifizierte Ökostromlabels nachweisen lassen. Viele der
Befragten machten keine Angaben zu den Labels oder wussten schlicht nichts
darüber. Dies könnte an den variierenden Anforderungen und der Vielzahl
unterschiedlicher Labels liegen. Staatliche Vorgaben könnten hier für mehr
Transparenz und eine größere Akzeptanz von anspruchsvollen
Ökostromverträgen sorgen.

Prof. Dr. Martin Wietschel, der am Fraunhofer ISI das Competence Center
Energietechnologien und Energiesysteme leitet, weist darauf hin, dass die
Nutzer:innen von Elektrofahrzeugen „zusätzlich zu Ökostromverträgen häufig
eine eigene Photovoltaikanlage mit eigenem Stromspeicher beim Ladevorgang
nutzen. Unter den Befragten gab mit 48% fast die Hälfte an, auch eine PV-
Anlage zu besitzen“. 71% der Befragten haben Wietschel zufolge auch einen
konventionellen Pkw mit Verbrennungsmotor durch ein Elektrofahrzeug
ersetzt, was ihr hohes Umweltbewusstsein nochmals unterstreicht.

Entwicklung des Anteils an Ökostromverträgen ist offen

Laut Dr. Sabine Preuß, die am Fraunhofer ISI die Umfrage koordinierte,
bleibt allerdings für die Zukunft offen, wie sich der Anteil an
Ökostromverträgen, PV-Anlagen und Batteriespeichern angesichts steigender
Zulassungszahlen von Elektrofahrzeugen entwickeln wird: „Es ist sowohl
denkbar, dass der Anteil von Ökostrom beim Laden weiter zunimmt, weil er
zu einer sozialen Norm wird und das Umweltbewusstsein entscheidend prägt.
Da aber gleichzeitig auch der Anteil der Menschen steigt, die weniger
Möglichkeiten haben, beim Laden von Elektrofahrzeugen auf selbst
generierte erneuerbare Stromquellen zurückzugreifen – etwa weil sie in
Mietwohnungen wohnen und keine PV-Anlagen installieren können – ist ebenso
ein sinkender Anteil von Ökostromverträgen vorstellbar.“ In diesem Fall
könnte das Laden am Arbeitsplatz und an öffentlichen Schnell- und
Normalladestationen zunehmen und die dortigen Ökostromtarife an Relevanz
für den ökologischen Fußabdruck von Elektrofahrzeugen gewinnen. Auch hier
könnten weitere staatliche Vorgaben zu einem höheren Anteil von Ökostrom
führen.

Zukünftige Untersuchungen sollten berücksichtigen, dass aktuell verstärkt
Stromtarife auf den Markt kommen, die ausschließlich für das Laden von
Elektrofahrzeugen konzipiert sind. Für eine positive Treibhausgasbilanz
von Elektrofahrzeugen sollten sie auf Ökostrom beruhen, der hohen
ökologischen Anforderungen genügt.

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„Good news and bad news - Psychische Gesundheit im Alter“ – Vortrag in der Reihe „Science & Society“

Jeder Mensch altert. Aber jeder Mensch altert individuell, sodass wir uns
alle voneinander unterscheiden. Das trifft auch auf die psychische
Gesundheit zu. Im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe „Science &
Society“ spricht die Gerontopsychologin Prof. Dr. Eva-Marie Kessler am 24.
Februar 2022 (Beginn: 16.00 Uhr) über die „Psychische Gesundheit im
Alter“; wie sie sich verändert und welche Herausforderungen in der
Gesundheitsversorgung damit verbunden sind. Die Veranstaltung findet als
Online-Meeting statt und wird vom Leibniz-Institut für Alternsforschung
(FLI) und dem Leibniz-Forschungsverbund Healthy Ageing zusammen mit dem
Beutenberg-Campus Jena e.V. organisiert.

Jena. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind für die psychische
Gesundheit bestimmte Fähigkeiten, wie die Selbstreflexion und
Selbstidentität, von großer Bedeutung. Diese so genannten
Lebenskompetenzen haben sich in Forschung und Praxis als besonders
relevant für die psychische Gesundheit von älteren Menschen erwiesen. Doch
mit dem Altern verändert sich auch die psychische Gesundheit. Eine
positive Nachricht dabei ist, dass trotz nachlassender körperlicher
Vitalität, der Abnahme der fluiden Intelligenz und kleiner werdender
sozialer Netzwerke schwere depressive Erkrankungen im Alter nicht häufiger
vorkommen. Gerade „junge Alte“ sind oft mit ihrem Leben zufriedener als
junge Erwachsene. Negativ hingegen ist, dass im Altersverlauf
Demenzerkrankungen deutlich zunehmen und sich auch die Suizidrate erhöht.
Doch wie verändert sich die psychische Gesundheit im Alter? Welche
Einflussgrößen gibt es und kann man sie im Alter bewusst fördern? Diese
und weitere spannende Fragen werden im Rahmen der nächsten Veranstaltung
der öffentlichen Vortragsreihe „Science & Society“ (Zoom-Meeting) näher
diskutiert.

Frau Prof. Eva-Marie Kessler (MSB Medical School Berlin, Hochschule für
Gesundheit und Medizin) erläutert in ihrem Vortrag „Psychische Gesundheit
im Alter – Gute und schlechte Nachrichten“ wichtige Einflussgrößen auf die
psychische Gesundheit und stellt die Wirksamkeit psychotherapeutischer
Ansätze vor, um kognitive, affektive und sozial-kommunikative Ressourcen
bei Menschen mit Demenz zu fördern. Denn, obwohl die Wirksamkeit
psychotherapeutischer Ansätze, wie beispielsweise der
Lebensrückblicktherapie oder der Kognitiven Stimulationstherapie -
entgegen gängiger Vorurteile - sehr gut belegt ist, sind ältere Menschen
mit psychischen Erkrankungen in der Gesundheitsversorgung oft äußerst
schlecht versorgt.

Für die Gerontopsychologin besteht die Prävention und Gesundheitsförderung
im Bereich des psychischen Alterns im Kern darin, das kulturelle
„Hinterherhinken“ hinter den vielfältigen Potentialen dieser Lebensphase,
was in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen zu beobachten ist, zu
überwinden. Eng damit verbunden ist die notwendige Absage an die kulturell
tief verankerte Auffassung, dass das Leben im höheren Lebensalter weniger
wertvoll ist als in anderen Lebensphasen.

Die Beschreibung konkreter Therapiesituationen im Vortrag erlaubt dabei
einen anschaulichen Einblick in die Entwicklungspotentiale im Alter,
selbst beim Vorliegen psychischer Erkrankungen. Denn für das Lernen und
sich (Weiter)Entwickeln gibt es keine Altersgrenze; bis ins hohe Alter
kann man Kompetenzen entwickeln und stärken.

Die Referentin

Prof. Dr. Kessler ist seit 2015 Professorin für Gerontopsychologie an der
MSB Medical School Berlin, wo sie auch das Amt der Prorektorin für
Interdisziplinarität und Wissenstransfer innehat. Sie ist Psychologische
Psychotherapeutin und Leiterin des Spezialbereichs „Psychotherapie im
Alter“ an der MSB Hochschulambulanz. 2006 promovierte sie an der Jacobs
University Bremen. Für ihre Habilitation im Jahr 2014 an der Universität
Heidelberg wurde sie mit dem Margret-und-Paul-Baltes-Preis der Deutschen
Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie ausgezeichnet. Aktuell ist sie
Koordinatorin der Interessengruppe „Klinische Gerontopsychologie und
Psychotherapie im höheren Lebensalter“ der Deutschen Gesellschaft für
Psychologie (DGPs).

Zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Kessler gehören: Psychische
Gesundheit und Wohlbefinden im Alter, Altersbezogene Stereotype,
Einstellungen und Diskriminierung sowie die psychologischen Potentiale von
Generationenbeziehungen. In ihrem aktuellen, vom Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Projekt „Age_ISM
- Altersbilder und Diskriminierung“ befragt sie bevölkerungsrepräsentativ
2.000 Personen ab 16 Jahren zu ihren Einstellungen gegenüber älteren
Menschen und dem Älterwerden.

Öffentliche Vortragsreihe „Science & Society“

Die zweimal jährlich stattfindende öffentliche Vortragsreihe „Science &
Society“ erweitert die in Jena betriebene naturwissenschaftlich-
medizinische Grundlagen-forschung zum Altern um gesellschaftliche und
soziale Aspekte und wird vom Leibniz-Institut für Alternsforschung –
Fritz-Lipmann-Institut (FLI) und dem Leibniz-Forschungsverbund Healthy
Ageing zusammen mit dem Beutenberg-Campus Jena e.V. organisiert.

Zu der Veranstaltung sind alle Interessenten herzlich eingeladen.

REGISTRIERUNG

Der „Science & Society“-Vortrag findet online via Zoom-Meeting statt
(Beginn: 16.00 Uhr).
Sie können sich unter folgendem Link registrieren:

Zoom Meeting
https://zoom.us/j/94108486852?pwd=VXhFSjJCT25qTEFxVi9QWitjM1k5dz09
Meeting ID: 941 0848 6852

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

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