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Ariat erweitert sein Angebot an Gummistiefeln um das Modell Kelmarsh

Ariat Logo
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Die branchenführende Country-Mode- und Schuhmarke Ariat freut sich, die neueste Ergänzung zu ihrer Gummistiefel-Kollektion vorzustellen: den Kelmarsh.  Die berühmte handwerkliche Kompetenz und die innovativen Technologien von Ariat finden auch in dem neuen Stiefel Anwendung. Das Ergebnis ist nicht nur ein äußerst praktisches und langlebiges, sondern auch ein attraktives und modisches Stück.  Der Kelmarsh ist in zwei klassischen Farbvarianten erhältlich: Marineblau mit roten Akzenten und meliertes Grau mit gelben Akzenten. Es handelt sich um einen traditionellen Stiefel mit fortschrittlichen Eigenschaften, die auf neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

 

Kelmarsh in Marineblau
Kelmarsh in Marineblau

Mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Herstellung modernster und leistungsfähiger Schuhe und Bekleidung verbindet die umfangreiche Outdoor-Kollektion von Ariat elegantes Country-Styling mit Komfort und Allwettertauglichkeit, was sich im Kelmarsh Stiefel perfekt widerspiegelt. Der vollständig wasserdichte Gummistiefel bietet robusten und stilvollen Schutz vor Nieselregen und Regengüssen.  Die ganztägige Dämpfung und der verstellbare Nylonriemenverschluss machen diesen Stiefel, der sich dank eines Features im Fersenbereich ganz einfach abstreifen lässt, zum perfekten Partner für alle Gelegenheiten – von Festivals bis hin zum Leben auf dem Bauernhof.

 

 

 

Kelmarsh in Marineblau
Kelmarsh in Marineblau

Der Kelmarsh Wellington wurde von Experten entworfen und verfügt über die 4LR®-Technologie von Ariat, die vier wichtige Vorteile bietet: Temperaturkontrolle, leichte Polsterung, Stabilität und Trittdämpfung. Ein feuchtigkeitsableitendes Innenfutter reguliert die Temperatur und sorgt für Tragekomfort und Geruchsschutz.  Eine offenzellige, gepolsterte Einlegesohle schützt Gelenke und Knochen und sorgt dafür, dass sich der Schuh ultraleicht anfühlt.  Ein Stabilitätssystem im Herzen des Stiefels stützt Ferse und Fußgewölbe, ohne die Flexibilität zu beeinträchtigen.  Ein Fersenpolster leitet den Druck ab und sorgt für eine willkommene Trittdämpfung.

   Kelmarsh in Grau
Kelmarsh in Grau

 

   Kelmarsh in Grau
Kelmarsh in Grau

Der Kelmarsh Gummistiefel ist ab Februar 2022 unter www.ariat.com/de/de zu einem Preis von 115,00 € erhältlich.

 

ÜBER ARIAT

 

Ariat International wurde 1993 von den ehemaligen Stanford MBA-Kommilitoninnen Beth Cross und Pam Parker mit dem visionären Ziel gegründet, Sportschuh-Leistungstechnologie in Reitstiefel zu integrieren. Unser Fokus darauf, innovative Technologie in Schuhe und Bekleidung zu integrieren, hat Ariat zur weltweit führenden Performance-Marke für Reiter gemacht, die stolz von den besten Reitern und Reiterinnen sowie Millionen von Menschen getragen wird, die draußen reiten und viel Zeit auf Ranchs und im Freien verbringen. Beth Cross, Mitbegründerin und CEO von Ariat, wurde 2018 zum EY Entrepreneur of the Year (Kategorie Verbraucher) für Nordkalifornien ernannt. Die Auszeichnung würdigt den Erfolg des Teams bei der erfolgreichen Skalierung eines erstklassigen, florierenden Unternehmens sowie der gleichzeitigen Förderung einer beeindruckenden Unternehmenskultur.

 

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DGfI Stellungnahme zur Immunität gegen das SARS-CoV-2 Virus und dem Schutz vor COVID-19

Für den Aufbau eines langanhaltenden immunologischen Schutzes vor COVID-19
empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) drei
Immunisierungen mit den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen. Eine
SARS-CoV-2-Infektion kann ein Teil dieser drei Immunisierungen sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie empfiehlt aus immunologischer
Sicht eine dreifache Immunisierung als Grundlage für eine langanhaltende
Immunität und den dadurch vermittelten Schutz vor Infektion und
COVID-19-Erkrankung. Dies gilt auch für die derzeit dominierenden Omikron-
Varianten. Die Omikron-Varianten BA.1 und BA.2 können bei Geimpften
lediglich den Schutz vor Ansteckung teilweise unterlaufen, wohingegen der
Schutz vor schwerer Erkrankung weitgehend bestehen bleibt. Immunisierungen
können zwar auch durch eine nachgewiesene SARS-CoV-2-Infektion erfolgen,
wie dies z.B. für sog. Durchbruchs-infektionen zweimal geimpfter Personen
der Fall ist, sollten aber dennoch möglichst vermieden werden, denn eine
SARS-CoV-2-Infektion ist und bleibt eine Infektion mit einem
Krankheitserreger. Infektionen mit dem Omikron-Virus nach einer
dreimaligen Impfung, die derzeit durch die hohen Infektionszahlen häufiger
beobachtet werden, vermitteln eine weitere Verfestigung der
Grundimmunisierung und damit einen verbesserten Schutz vor künftigen
Infektionen. Dieser Effekt beruht u.a. auf der Verbesserung der
sogenannten mukosalen Immunität auf den Schleimhäuten des Nasen-
Rachenraums und auf der abermals verstärkten Antikörper-vermittelten
Immunantwort gegen das Spike-Protein.

In der aktuellen Diskussion wird häufig etwas vereinfacht dargestellt,
dass die Omikron-Variante mildere Krankheitsverläufe verursacht als die
zuvor bekannten SARS-CoV-2-Varianten. Dabei sollte beachtet werden, dass
dieser Effekt zu einem wesentlichen Teil durch den Impfschutz bedingt ist.
Zwei- und sogar dreifach geimpfte Personen können sich trotzdem mit der
Omikron-Variante anstecken, weil diese durch ihr teilweise verändertes
Spike-Protein zum einen besonders infektiös ist und zum anderen die lokale
Immunantwort im Nasen-Rachenraum unterlaufen kann. Daher beobachten wir
aktuell einen geringeren Schutz gegen eine symptomatische Infektion mit
Omikron, wobei dieser immer noch je nach Alter, Impfstoff und Abstand zur
3. Impfstoffdosis laut RKI Wochenbericht vom 17.02.22 bei >65% liegt [1].
In dem aktuellen Bericht aus England liegt der Schutz vor symptomatischer
Infektion 3 Monate nach der letzten Dosis je nach Impfschema bei 40-70%
[2]. Die durch drei Impfungen aufgebaute systemische Immunität durch
Antikörper, Gedächtnis-B- und T-Zellen [3], schützt aber nach wie vor sehr
gut vor einem schweren Krankheitsverlauf, da auch die Omikron-Variante
diese Schutzmechanismen kaum unterlaufen und eine Virusausbreitung im
Körper somit verhindert werden kann.

Auch Infektionen mit einer der bisherigen SARS-CoV-2-Varianten vermitteln
eine Immun-antwort, die sich neben dem Spike-Protein auch gegen die
anderen ca. 30 Virusproteine richtet. Eine vor der Omikron-Welle durch
natürliche Infektion erworbene Immunität schützt allerdings schlechter vor
einer Infektion mit Omikron als z.B. mit Delta (92% vs. 56% Schutz [4]).
Bei der Omikron-Variante gibt es bei erstinfizierten Personen ohne
vorherige Impfung vorläufige Hinweise auf eine geringere neutralisierende
Antikörperantwort auch gegen andere Varianten [5]. In wieweit dies bei
einer ersten Omikron-Infektion zu einer generell niedrigeren Immunität
führt, muss anhand weiterer Studien untersucht werden. Ein gravierender
Unterschied zwischen einer Infektion und einer Impfung besteht darin, dass
SARS-COV-2 einerseits versucht, die infizierten Zellen in Richtung
Virusproduktion zu manipulieren und andererseits versucht, „störende“
Immunantworten zu unterdrücken. An dieser Virus-vermittelten Manipulation
sind nach aktuellem Stand mindestens sieben virale Proteine beteiligt
[6-7]. Im Falle einer Infektion ohne vorherige Impfung können diese
Mechanismen nahezu ungehindert ablaufen, da die Immunantwort der
Virusinfektion „hinterherläuft“. Zur Verbesserung des Immunschutzes nach
einer Infektion sind daher zwei weitere Impfungen erforderlich, wie in der
16. Aktualisierung der STIKO Empfehlung zur Impfung genesener Personen
ausgeführt [8].

Bei einer Impfung mit dem Spike-Protein, das bei allen derzeit in
Deutschland eingesetzten Impfstoffen das immunisierende Antigen darstellt,
wird das Immunsystem mit seinen spezifischen Antikörpern und T-Zellen
bereits vor einer Infektion auf das Virus vorbereitet. Dieser Vorsprung
vermittelt bei immun-gesunden Personen einen effektiven und nachhaltigen
Schutz vor schweren Verläufen, da eine Virusausbreitung im Körper
weitgehend verhindert wird. Im Falle einer Infektion nach einer zwei- oder
dreimaligen Impfung wird dieser immunologische Vorsprung durch die
Verbesserung der Spike-spezifischen Antikörper- und T-Zellantworten größer
und der Schutz vor einem schweren Verlauf entsprechend effektiver.
Zusätzlich zum Spike-Protein werden bei einer Infektion Immunantworten
gegen andere Virusproteine gebildet, die gemeinsam mit den Impfantworten
den Schutz vor zukünftigen Infektionen weiter erhöhen. Aufgrund der oben
genannten Mechanismen stellen drei Impfungen den sichersten Schutz vor
schweren Krankheitsverläufen dar. Jedoch kann aus immunologischer Sicht
auch eine SARS-CoV-2-Infektion eine Immunisierung hervorrufen, die eine
der drei Impfungen ersetzen kann. Hierbei stellt die Reihenfolge erst
Impfung, dann Infektion die bevorzugte Option dar. Nach drei
Immunisierungsschritten kann auf der Basis der Immungedächtnisbildung
[8,9] nach derzeitigem Erkenntnisstand von einer langanhaltenden Immunität
ausgegangen werden, die im Falle einer Infektion mit einer der aktuellen
Varianten einen Schutz vor schwerer Erkrankung vermittelt.

Da für alle Altersgruppen ab 12 Jahren eine dritte Impfung von der STIKO
empfohlen wurde [10], gilt unser Vorschlag entsprechend für diese
Altersgruppe. Zudem empfiehlt die DGfI dringend den Ausbau der
Impfangebote für Kinder und Jugendliche!

Aufgrund momentan noch unzureichender Daten zur Wirksamkeit einer 4.
Impfung - insbesondere mit an Varianten angepassten Impfstoffen - sieht
die DGfI zum jetzigen Zeitpunkt davon ab, zu weiteren Booster-Impfungen
Stellung zu nehmen. Zur Verbesserung der Datenlage zur SARS-
CoV-2-Immunität zum nächsten Herbst ist es jedoch wichtig, rechtzeitig im
Sommer umfassende Kohorten Studien zur Bestimmung der Virus-
neutralisierenden Antikörper durchzuführen. Dies ist insbesondere bei den
über 60-Jährigen und den bekannten Risikogruppen von erheblicher
Bedeutung.

Zitierte Literatur:
[1] RKI-Wochenbericht vom 17.02.22
[2] https://www.gov.uk/government/publications/covid-19-vaccine-weekly-
surveillance-reports

[3] Wratil, P. R. et al. Three exposures to the spike protein of SARS-
CoV-2 by either infection or vaccination elicit superior neutralizing
immunity to all variants of concern. Nat Med 1–1 (2022)
doi:10.1038/s41591-022-01715-4.
[4] Heba Altarawneh et al. Protection afforded by prior infection against
SARS-CoV-2 reinfection with the Omicron variant.
https://doi.org/10.1101/2022.01.05.22268782
[5] https://doi.org/10.1101/2022.02.10.22270789;
[6] Schultze JL, Aschenbrenner AC. COVID-19 and the human innate immune
system. Cell. 2021 Apr 1;184(7):1671-1692. doi:
10.1016/j.cell.2021.02.029.
[7] Sette A, Crotty S. Adaptive immunity to SARS-CoV-2 and COVID-19. Cell.
2021 Feb 18;184(4):861-880. doi: 10.1016/j.cell.2021.01.007.
[8] Philip et al. SARS-CoV-2 mRNA vaccination elicits a robust and
persistent T follicular helper cell response in humans, Cell, Volume 185,
Issue 4, 2022: 603. https://doi.org/10.1016/j.cell.2021.12.026.
[9] Radbruch, A., & Chang, H. D. (2021). A long-term perspective on
immunity to COVID. Nature 595, 359-360.
[10] Epidemiologisches Bulletin 22. Januar 2022 (16. Änderung der STIKO
Stellungnahme)

Prof. Dr. Christine S. Falk (Präsidentin),
Prof. Dr. Carsten Watzl (Generalsekretär)
Prof. Dr. Reinhold Förster (Vizepräsident)
Prof. Dr. Thomas Kamradt (Vizepräsident)
Prof. Dr. Diana Dudziak (Öffentlichkeitsarbeit)

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Zurück in den Kreislauf: Menschlicher Urin wird zu Recyclingdünger für Berliner Gemeinschaftsgärten

"Urban Cycles", ein Citizen Science Projekt zu nachhaltiger Düngung mit
urinbasiertem Recyclingdünger in Berliner Gemeinschaftsgärten, ist als
eine von 15 partizipativen Projektideen im Hochschulwettbewerb
ausgezeichnet worden.
In teilnehmenden Berliner Gemeinschaftsgärten wird ein Recyclingdünger aus
künstlichem Urin getestet - das Besondere daran ist, dass die Experimente
von den Gärtnernden selbst durchgeführt und die Ergebnisse gemeinsam mit
Forschenden ausgewertet werden. Ziel des Projekts ist es, Gärtnernden
interaktiv Wissen zu nachhaltiger Düngung zu vermitteln und sie
partizipativ in den wissenschaftlichen Prozess und
gesellschaftspolitischen Dialog zu Recyclingdüngern einzubinden.

Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) im
Rahmen des Wissenschaftsjahres ausgerufen. In diesem Jahr lautet das Thema
„Nachgefragt“ und passend dazu wurden 15 partizipative Projektideen
ausgezeichnet. Zu den diesjährigen Gewinner*innen gehört auch das Projekt
„Urban Cycles: ein Citizen Science Projekt zu nachhaltiger Düngung mit
urinbasierten Recyclingdüngern in Berliner Gemeinschaftsgärten“,
koordiniert vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in
Großbeeren.
Für die sozial-ökologische Transformation ist eine zirkuläre Betrachtung
der Dünger- und Nahrungsproduktion zentral. Eine wichtige
Nährstoffressource ist menschlicher Urin, der sich in einen sicheren,
schadstofffreien und wirksamen Recyclingdünger umwandeln lässt. Im Projekt
„Urban Cycles“ soll in Berliner Gemeinschaftsgärten ein Recyclingdünger
aus künstlichem Urin getestet werden. Den teilnehmenden
Gemeinschaftsgärten wird dafür kostenlos der vom Deutschen Luft- und
Raumfahrtzentrum (DLR) entwickelte C.R.O.P®-Dünger (Combined Regenerative
Organic Food Production) zur Verfügung gestellt. Der neue Recyclingdünger
stammt aus Forschungsanlage des DLR, die aktuell noch mit künstlichem Urin
betrieben werden. Die Gärtner*innen führen dann mit dem C.R.O.P®-Dünger
selbst Experimente durch und dokumentieren ihre Ergebnisse. In
Dialogrunden werten sie ihre Beobachtungen gemeinsam mit Forschenden aus.
Ziel des Projekts ist es, Gärtner*innen interaktiv Wissen zu nachhaltiger
Düngung zu vermitteln und sie partizipativ in den wissenschaftlichen
Prozess und gesellschaftspolitischen Dialog zu Recyclingdüngern
einzubinden. Durch offene Formate und das Prinzip “von Gärtnernden für
Gärtnernde” soll das gemeinsam erarbeitete Wissen möglichst vielen
weiteren Interessierten zugänglich gemacht werden.
Das „Urban Cycles“-Projektteam am IGZ ist eine Kooperation zwischen der
Forschungsgruppe "Gartenbausysteme der Zukunft" und dem
Wissenschaftsmanagement. Unterstützt wird das Projekt  außerdem vom DLR in
Köln.
Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) in
Kooperation mit dem Bundesverband Hochschulkommunikation und der
Hochschulrektorenkonferenz ausgerufen und vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahres gefördert. Im
Hochschulwettbewerb 2022 - Wissenschaftsjahr „Nachgefragt!“ laden junge
Forschende Bürger*innen dazu ein, sich aktiv am Forschungsprozess zu
beteiligen und gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.
Aus 270 Einreichungen hat die Jury nun die besten 15 Projektideen gekürt.
Die Gewinnerteams erhalten jeweils 10.000 Euro, um damit bis Ende des
Jahres ihre Ideen in die Praxis umzusetzen.
Für das Urban Cycles-Projektteam und die 14 andere Gewinner*innenteams
geht es nun direkt weiter: Im März nehmen sie an einem Auftakt-Workshop
von Wissenschaft im Dialog zum Thema Wissenschaftskommunikation teil, im
Laufe des Jahres folgen weitere Schulungen und Veranstaltungen, bei denen
sich die Teams auch untereinander vernetzen können.
Die Fortschritte, Erfahrungen und Ergebnisse des Projekts können über die
Projektwebsite, die sozialen Medien und den Blog des Hochschulwettbewerbs
verfolgt werden. Genaue Einzelheiten dazu werden in einer separaten
Pressemitteilung bekannt gegeben, sobald das Projektteam die ersten
Schritte unternommen hat.

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Das Kind hat eine Tablette verschluckt – was tun?

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die Vergiftungsrisiken durch
Medikamente der Eltern oder Großeltern

Medikamente gehören zum Alltag vieler Familien und leisten meist gute
Dienste bei Fieber, Schmerzen und bei vielen weiteren Erkrankungen. Doch
die bunte Herztablette in Omas Handtasche oder die Blutdruckpille auf dem
Nachttisch der Eltern kann sich für Kinder schnell in eine gefährliche
Bedrohung verwandeln, warnt die Stiftung Kindergesundheit in ihrer
aktuellen Stellungnahme: Arzneimittel bilden den Hauptanteil der rund
220.000 jährlichen Anfragen an die bundesweit acht
Giftinformationszentren. Besonders beunruhigend: Die Zahl der durch
Medikamente bedingten Vergiftungen und Vergiftungsverdachtsfällen nimmt in
den letzten Jahren immer mehr zu.

„Neugierigen Kleinkindern gelingt es trotz aller Vorsicht der Eltern immer
wieder, Dinge in die Hand und in den Mund zu bekommen, wovon sie tunlichst
die Finger lassen sollten“, sagt Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold
Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Lange Erklärungen
nützen meist wenig und auch Verbote sind schnell vergessen. Deshalb
sollten gefährliche Substanzen für Kinder unerreichbar aufbewahrt bleiben
– auch Medikamente gehören hinter Schloss und Riegel!“. Für die
Aufbewahrung von Medikamenten sollten abschließbare Medikamentenschränke
oder Kosmetikkoffer mit Zahlenschloss benutzt werden, empfiehlt die
Stiftung Kindergesundheit.

Zu den Vergiftungsunfällen kommt es, anders als vielfach vermutet, meist
nicht dann, wenn das Kind längere Zeit unbeobachtet ist, sagt die Stiftung
Kindergesundheit. Viel häufiger seien Situationen, in denen die Eltern
kurz abgelenkt sind, zum Beispiel weil es an der Tür klingelt, das Handy
läutet, die Milch überkocht oder die Mutter oder der Vater dringend auf
die Toilette müssen. Schon diese wenigen Minuten können umtriebige
Kleinkinder nutzen, um eine Tablette zu schnappen und in den Mund zu
befördern.

Tabletten sind keine „Bonbons“!
Medikamente werden von Kindern leicht mit Süßigkeiten verwechselt. „Wenn
jemand in der Familie oder das Kind selbst Arzneimittel einnehmen muss,
sollten die Tabletten auf keinen Fall als ‚Bonbons‘, ‚Guddi‘ oder
‚Zuckerl‘ bezeichnet werden“, betont Professor Berthold Koletzko und fügt
ergänzend hinzu: „Auch flüssige Medikamente sollten niemals als
‚Fruchtsaft‘ oder ‚süß‘ angepriesen werden, um sie dem Kind schmackhaft zu
machen! Solche Verharmlosungen erhöhen die Gefahr, dass herumliegende
Medikamente in einem unbeobachteten Augenblick vom Kind geschluckt oder
getrunken werden“.

Die Stiftung Kindergesundheit weist außerdem auf eine selten bedachte
Gefahrenquelle hin, nämlich auf den Haushalt von Opa und Oma. Der ist
nämlich leider nur selten kindersicher: Die von den Großeltern benötigten
Medikamente werden häufig sichtbar auf einem Tisch oder in einem leicht
zugänglichen Schrank aufbewahrt. Auch die Taschen von Oma und Opa werden
von Kindern unbemerkt durchstöbert und die bunten vermeintlichen
Süßigkeiten probiert.

Zu den für Kinder gefährlichen Arzneimitteln zählen vor allem Medikamente,
die gegen Herzrhythmusstörungen genommen werden wie z. B. Antiarrhythmika,
Betablocker oder Kalziumantagonisten. Riskant sind auch starke
Schmerzmittel wie Opiate, Diabetesmittel, sowie hohe Dosen von Paracetamol
und von Nasentropfen mit dem Wirkstoff Xylometazolin. In den meisten
Fällen unbedenklich ist dagegen das Naschen der Verhütungspille der
Mutter.

Nicht erbrechen lassen!
Wenn ein Kind in einem unbeaufsichtigten Augenblick ein Medikament
geschluckt oder getrunken hat, sollte man gleich versuchen, seinen Mund
mit Wasser auszuspülen, um die Reste aus dem Mund zu entfernen. Danach
sollte man dem Kind sofort viel zu trinken geben: ein Glas Leitungswasser,
Tee oder Saft. Damit wird die eingenommene Substanz zumindest verdünnt.

Wichtig: Keine Milch zu trinken geben! Milch beschleunigt unter Umständen
die Giftaufnahme durch den Darm.

Kinder, die Medikamente zu sich genommen haben, sollten auf keinen Fall
zum Erbrechen gebracht werden, betont die Stiftung Kindergesundheit. Es
besteht sonst die Gefahr, dass das Erbrochene in die Lungen gerät und zu
einer Lungenentzündung führt.

Gewarnt wird auch vom „Hausmittel“ Salzwasser: Zu viel Salz kann gerade
bei kleinen Kindern zu einer gefährlichen Verschiebung der Elektrolyte und
sogar zu einer lebensbedrohlichen Natriumvergiftung führen.

Nicht zögern, Giftnotruf anrufen!
Die häufigsten Symptome für die meisten Vergiftungen sind Übelkeit,
Erbrechen und Durchfall. Bei Vergiftungen mit Medikamenten können auch
Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit bis hin zu einem komaähnlichen
Tiefschlaf auftreten, auch Störungen von Atmung und Kreislauf sind häufig.

Doch selbst beim leisesten Verdacht, das Kind könnte gefährliche Mengen
einer giftigen Substanz eingenommen haben, sollte man auf keinen Fall erst
auf eventuelle Anzeichen einer Vergiftung warten, sondern sofort handeln.
Das heißt: Sich so schnell wie möglich mit einem Arzt oder mit einem der
Giftinformationszentren in Verbindung setzen. Diese können den anrufenden
Eltern meist sofort erklären, ob eine akute Gefahr besteht und was
gegebenenfalls zu unternehmen ist. Sie vermitteln auch die Information, ob
ein Arzt- oder Krankenhausbesuch notwendig ist.

Hat man die Nummer nicht zur Hand oder treten bereits Symptome einer
Vergiftung auf, wählt man besser gleich die 112.

Die meisten Unfälle mit Medikamenten sind glücklicherweise harmloser als
befürchtet, betont die Stiftung Kindergesundheit. Dennoch sollte der
Verdacht auf eine mögliche Vergiftung nie auf die leichte Schulter
genommen werden: Es sollte in jedem Fall ärztlicher Rat eingeholt werden.

Welche Fragen stellt der Giftnotruf?
•       Wer ist betroffen? Kind, Erwachsener?
•       Was wurde eingenommen? Genaue Bezeichnung des Mittels (was steht
auf der Packung), Firma, Name des Produkts.
•       Wie viel wurde eingenommen? Wie viel Stück waren in der Packung?
Wie viel ist noch vorhanden? Wie viel kann das Kind maximal eingenommen
haben? Wie war es verpackt?
•       Wie wurde es eingenommen? Geschluckt? Eingeatmet?
•       Wann wurde es eingenommen?
•       Wie alt ist das Kind?
•       Wie viel wiegt das Kind ungefähr?
•       Wie geht es dem Kind?  Husten?  Erbrechen? Muskelzuckungen?
Berauscht? Benommen? Schmerzen?
•       Name und Telefonnummer (für Rückfragen)?

Giftnotruf: Diese Nummern sollten Sie kennen
Die Giftinformationszentren sind unter folgenden Telefonnummern zu
erreichen: Berlin 030/19240; Bonn 0228/19240; Erfurt 0361/730730; Freiburg
0761/19240; Göttingen 0551/19240; Homburg/Saar 06841/19240; Mainz
06131/19240; München 089/19240; Wien +43-1-406 43 43; Zürich +41-44-251 51
51.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR hat eine App als Informations-
und Nachschlagewerk für Vergiftungsunfälle bei Kindern und für deren
Vermeidung entwickelt. Im Notfall kann direkt aus der App ein für das
jeweilige Bundesland zuständiges Giftinformationszentrum angerufen werden.
Die BfR-App wurde für Smartphones mit den Betriebssystemen Android und iOS
entwickelt. In den jeweiligen App-Stores steht sie kostenlos zum Download
zur Verfügung.

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