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Forschung mit der Generation 65 plus: gemeinsam gesünder

Wie einfach ist es für Seniorinnen und Senioren etwas für die eigene
Gesundheit und Ernährung zu tun? Und wie können sie unterstützt werden?
Das war Thema des Forschungsprojekts GUSTO der Hochschule Coburg. Prof.
Dr. Holger Hassel und der wissenschaftliche Mitarbeiter Felix Zastrow
sprechen im Interview über Ergebnisse eines Gruppenprogramms, das sich mit
der Coronakrise immer wieder verändert hat. Jetzt endet das Projekt.
GUSTO-Gruppen wird es weiterhin geben.

GUSTO steht für „Gemeinsam gesund älter werden mit Genuss“. Worum geht es?
Zastrow: Die Förderung der Gesundheits- und Ernährungskompetenz von
Menschen ab 65 Jahren. Im Januar 2020 ist das Gruppenprogramm mit 130
Teilnehmenden bayernweit in zehn Einrichtungen gestartet. Beispielsweise
Mehrgenerationenhäuser und Begegnungsstätten. Dort trafen sich
Senior:innengruppen und bearbeiteten selbstständig Ernährungsthemen. In
den ersten Gruppentreffen standen Themen wie Öle und Fisch oder
Zubereitungstechniken und Energiedichte auf dem Programm. In der zweiten
Phase setzten die Gruppen selbstständig Ernährungsprojekte um.
Hassel: Das Besondere für mich war der soziale Austausch in Gruppen, das
gemeinsame Ausprobieren und dass die Gruppen fast ganz ohne Expert:innen
zurechtgekommen sind. Im Gruppenprogramm kamen die gemeinsamen Projekte
wie beispielsweise Gewürze und Kräuter in der Region gut an. Für alle war
die größte Herausforderung bei selbstständigen Recherchen insbesondere im
Internet die richtigen Informationen zu finden.

GUSTO musste wegen Corona zeitweise digital überbrücken – bringt der
Digitalisierungsschub, von dem so oft die Rede ist, älteren Menschen im
ländlichen Raum neue Möglichkeiten, an solchen Formaten teilzunehmen?
Hassel: Das hört sich schön an. Aber so einfach ist es leider nicht. Die
Menschen müssen sich erst einmal in das Thema hineinfinden. Auf der einen
Seite gibt es die 86-Jährige, die mit ihrer Tochter in Sidney regelmäßig
Videokonferenzen durchführt. Auf der anderen Seite trauen sich manche gar
nicht, den Computer einzuschalten. Aber wie leitet man jemanden an, dem
man im Lockdown nicht in die Augen schauen kann? Wir waren sehr froh, dass
das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege auch unser
Überbrückungsprogramm gefördert hat und wir haben dabei alles genutzt, um
die Teilnehmenden nicht zu verlieren: von der Postkarte über Telefonketten
bis zur WhatsApp-Gruppe. Aber so etwas darf nicht wie Kaugummi in die
Länge gezogen werden. Am Ende haben vier Gruppen das Projekt
abgeschlossen.

Was konnten Sie unter diesen Bedingungen herausfinden?
Zastrow: Wir haben zwei Fragebogenerhebungen durchgeführt. Die
Gesundheitskompetenz hat sich im Lauf des Gruppenprogramms verbessert.
Dabei geht es einfach gesagt darum, wie schwer oder leicht es jemandem
fällt, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und
im Alltag anzuwenden. Die Ernährungskompetenz blieb fast gleich.
Allerdings ist es möglich, dass die Teilnehmenden sich am Anfang besser
eingeschätzt haben, im Verlauf des Programms kritischer wurden und
festgestellt haben, dass noch Nachholbedarf besteht.
Hassel: Gerade bei der Ernährung spielen praktische Fähigkeiten eine große
Rolle; es ist schwierig, die Kompetenz hier objektiv zu messen. Wir haben
internationale Forschungsprojekte einbezogen und vor allem auf einem
Fragebogen holländischer Kolleginnen und Kollegen aufgebaut. Die
Messherausforderungen werden aktuell viel diskutiert und in den nächsten
Jahren wird sich da gewiss noch einiges bewegen. Das ist auch dringend
nötig: Nach dem Ernährungsbericht der Bundesregierung haben die Älteren
gleich mehrere Herausforderungen. Ein großes Problem ist, dass immer mehr
dieser Personengruppe übergewichtig werden.

Ist das nicht ein gesamtgesellschaftliches Thema?
Hassel: Bei den Älteren ist es besonders deutlich ausgeprägt. Auch die
Hochbetagten, die früher zunehmend unterernährt waren, kämpfen heute eher
mit Übergewicht. Bei GUSTO versuchen wir zu erreichen, dass sich
Teilnehmende aktiv mit einer ausgewogenen Ernährung auseinandersetzen und
gemeinsam Neues ausprobieren.

Was bleibt von GUSTO?
Hassel: Der Wissenstransfer. Zum einen gibt es mit www.gusto-jetzt-
geniesse-ich.de eine schöne, informative Homepage. Zum anderen haben
Teilnehmerinnen, Teilnehmer und Einrichtungen ein Interesse daran, die
Gruppen weiterzuführen. Die Hochschule Coburg unterstützt die
Erwachsenenbildung, indem zum Beispiel die erprobten Modulhandbücher und
Schulungskonzepte für Gruppenleitungen von weiteren sozialen Einrichtungen
selbstständig genutzt werden können.

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Informationslecks in Lieferketten gefährden Geschäftsbeziehungen massiv

Effektiver Datenschutz ist essenziell für die Zusammenarbeit innerhalb
einer Lieferkette. Wenn ein Kunde durch Absicht oder Missgeschick sensible
Daten eines Lieferanten weitergibt, schadet das der Geschäftsbeziehung
massiv. Doch das ist nicht alles: Wie eine wissenschaftliche Studie zeigt,
verliert nicht nur der betroffene Lieferant das Vertrauen, sondern auch
andere potenzielle Lieferanten, die vom Informationsleck des Kunden
erfahren. Eine mögliche Zusammenarbeit wird dadurch deutlich schwieriger.

Vallendar. Informationslecks werden in Lieferketten ein immer wichtigeres
Thema, weil sie insbesondere durch die digitale Kommunikation häufiger
vorkommen. Auf der einen Seite ist der Austausch von sensiblen Daten
zwischen Unternehmen bei der Zusammenarbeit unerlässlich. Auf der anderen
Seite besteht dabei immer das Risiko, dass die Informationen eines
Unternehmens durch ein anderes unerlaubt weitergegeben werden, was der
Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig schaden kann. Bisher noch wenig erforscht
ist, wie andere Unternehmen, die nicht beteiligt sind, eine solche
Datenweitergabe wahrnehmen. Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Studie
der WHU – Otto Beisheim School of Management in Kooperation mit der
Rotterdam School of Management der Erasmus Universität, dem Haslam College
of Business der University of Tennessee und der Arizona State University.

Wie reagiert also ein Lieferant, der mitbekommt, wie ein Kunde Daten eines
anderen Lieferanten unerlaubt weitergibt? Zwei Fälle müssen unterschieden
werden: Ist für den unbeteiligten Lieferanten klar, dass es sich um ein
bloßes Versehen handelt, stellt er in erster Linie die Fähigkeit des
Kunden in Frage, sich effektiv um Datenschutz zu kümmern. Er versteht dies
als einen Mangel an Kompetenz, der in Zukunft behoben werden kann. Werden
Informationen jedoch absichtlich weitergegeben, zweifelt er an der
Integrität des Kunden, was weitaus gravierender und kaum wieder
gutzumachen ist. In beiden Fällen sinkt seine Bereitschaft deutlich,
selbst sensible Informationen mit diesem Kunden zu teilen.

Der Schaden, der entsteht, geht jedoch noch darüber hinaus. In beiden
Fällen entsteht als  Kollateralschaden ein globaler Vertrauensverlust.
Auch bei einer versehentlichen Datenweitergabe ist der beobachtende
Lieferant plötzlich nicht mehr davon überzeugt, auf die Integrität des
Kunden vertrauen zu können. Auf der anderen Seite verliert er bei der
absichtlichen Datenweitergabe auch Vertrauen in die Kompetenz dieses
Kunden.

Die Studie zeigt, dass Informationslecks weitreichendere Konsequenzen für
Lieferketten haben als bisher angenommen. Auch Unternehmen, die nicht
direkt betroffen sind, ziehen ihre Schlüsse aus einem solchen Vorfall.
Selbst eine versehentliche Datenweitergabe führt dabei zu einem
schwerwiegenden Vertrauensverlust und kann eine enorme Barriere für eine
zukünftige Zusammenarbeit werden.

Informationen zur Person:

Prof. Dr. Lutz Kaufmann
Lutz Kaufmann ist Professor und Experte für Geschäftsverhandlungen an der
WHU – Otto Beisheim School of Management. Seine Arbeiten konzentrieren
sich auf die empirische Forschung im Bereich B2B-Verhandlungen und
Beschaffungsstrategien. Lutz Kaufmann ist seit 2008 European Editor des im
Beschaf¬fungs- und Lo¬gi¬stik¬bereich weltweit führenden
wissenschaftlichen Journals, dem Journal of Supply Chain Ma¬nagement
(JSCM). Von 2010 bis 2014 war er Associate Fellow an der Saïd Business
School der University of Oxford. Er erhielt 2021 den OSCM Distinguished
Scholar Award der Academy of Management.

WHU – Otto Beisheim School of Management:

Die WHU – Otto Beisheim School of Management ist eine international
ausgerichtete, privat finanzierte Wirtschaftshochschule im
Universitätsrang mit Sitz in Vallendar und Düsseldorf. An der WHU forschen
und lehren mehr als 50 Fakultätsmitglieder in den Bereichen Management,
Finanz- und Rechnungswesen, Volkswirtschaftslehre, Unternehmertum und
Innovation, Marketing und Vertrieb sowie Supply Chain Management. Die hohe
Forschungskompetenz der WHU ist das Ergebnis einer Besinnung auf drei
wesentliche Forschungsgrundsätze: Qualität, Internationalität und
Anwendungsbezug für Lehre und Praxis.

Die Strategie der WHU fußt auf vier Kernwerten: Exzellenz, Unternehmertum,
ein starker Zusammenhalt und eine kosmopolitische Kultur. Eine Atmosphäre,
die durch Offenheit, Neugierde, Vielfalt und Chancengleichheit geprägt
ist, ist für die WHU von größter Bedeutung.

Weitere Informationen unter: https://www.whu.edu/de/

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Salmonellengefahr für Hundebesitzer

Bundesamt erinnert am Welt-Haustiertag an notwendige Hygiene

Anlässlich des Welt-Haustiertags weist das Bundesamt für Verbraucherschutz
und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf das Risiko einer Übertragung von
Salmonellen und ggf. anderen potenziell gefährlichen Mikroorganismen beim
Füttern von Hunden hin. „Das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit
Futtermitteln ist nicht nur für die Gesundheit der Tiere, sondern auch
ihrer Halter wichtig“, betont BVL-Präsident Friedel Cramer. Die richtige
Hygiene gilt für die Hände genauso wie für die eingesetzten
Haushaltsgeräte.

Krankmachende Bakterien können nicht nur bei Kontakt mit dem Hund oder
über Hundekot, sondern auch bei der Futterzubereitung und über
Hundekauartikel übertragen werden. Die Folge können schwere Magen-Darm-
Infektionen sein. Besonders für Kinder und ältere Menschen ist es
gefährlich, sich beispielsweise mit Salmonellen zu infizieren und zu
erkranken, warnt das BVL.

Beim Zubereiten von rohen Futtermitteln, insbesondere Fleischerzeugnissen,
gilt erhöhte Sorgfalt. Denn dort ist eine bakterielle Kontamination
möglich. Durch das Übertragen der Keime von solchen Futtermitteln auf die
Hände, auf Haushaltsgeräte und Küchenoberflächen können auch Speisen mit
Krankheitserregern kontaminiert werden. Deshalb sollte alles nach der
Benutzung unbedingt sorgfältig gereinigt sowie die Hände gründlich
gewaschen werden.

Auch Hundekauartikel können Krankheitserreger verbreiten: Im Europäischen
Schnellwarnsystem (RASFF) warnten die deutschen Überwachungsbehörden im
Jahr 2020 in etwa 10 % der Meldungen zu Salmonellen im Futtermittelsektor
vor Salmonellen in Hundekauartikeln. Für Hundebesitzer kann auch der
Kontakt mit den Kauartikeln und die Verbreitung der Krankheitserreger auf
diesem Wege ein Infektionsrisiko darstellen.

Hintergrund:

Über das RASFF informieren sich die EU-Mitgliedstaaten und assoziierte
Staaten gegenseitig über mögliche gesundheitsgefährdende Lebensmittel,
Futtermittel und Lebensmittelkontaktmaterialien wie Verpackungen, Geschirr
oder Besteck. Die entsprechenden Produkte können so schnellstmöglich vom
Markt genommen und die Verbraucher geschützt werden.

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Festkonzert mit Oliver Schnyder – in memoriam Alexander Schaichet, Tonhalle Zürich, 25.1.22, besucht von Léonard Wüst

Das ZKO im grossen Saal der Tonhalle Zürich
Das ZKO im grossen Saal der Tonhalle Zürich

Besetzung und Programm:

Oliver Schnyder (Klavier)
Zürcher Kammerorchester
Willi Zimmermann (Violine & Leitung)

Willy Burkhard Toccata für Streichorchester op. 55
Johann Sebastian Bach Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll BWV 1052
Dmitri Schostakowitsch Zwei Stücke für Streicher op. 11
Wolfgang Amadeus Mozart Klavierkonzert Nr. 26 D-Dur KV 537 «Krönungskonzert»

Martin Vollenwyder
Martin Vollenwyder, Präsident Tonhallegesellschaft

Begrüsst wurde das zahlreich erschienene Publikum  von Martin Vollenwyder, Präsident des Verwaltungsrats der Tonhalle Gesellschaft AG mit einigen Informationen über den gebürtigen Ukrainer Alexander Schaichet, Gründer des ZKO, dem dieses Konzert gewidmet war und  von Kathrin Martelli, Präsidentin des Vereins ZKO mit Dankesworten für die Unterstützung des ZKO, die besonders in diesen schweren Zeiten äusserst wertvoll gewesen sei.

Willy Burkhard Toccata für Streichorchester op. 55

Kathrin Martelli Präsidentin des Vereins ZKO
Kathrin Martelli Präsidentin des Vereins ZKO

Die Aufführung der Toccata für Streichorchester op. 55 schliesslich unterstreicht den
grossen Stellenwert, den Schaichet der Schweizer Musik seiner Gegenwart zuwies.
Ein bedeutsames Zeichen dafür ist, dass Willy Burkhard, einer der zentralen Kom-
ponisten der Schweiz des 20. Jahrhunderts, seine Toccata Alexander Schaichet und
dem Kammorchester Zürich widmete, die es 1939 auch zur Uraufführung brachten.

 

Zum Orchester an sich: Das "Kammerorchester Zürich" (1920-1943) wurde von Alexander Schaichet gegründet , und später, zum von Edmond de Stoutz 1946 gegründeten "Zürcher Kammerorchester".

Information von Herrn Louis de Stoutz, Sohn des Orchestergründers Edmond de Stoutz:
 

Zwischen 1943 und 1946 existierte kein Kammerorchester ähnlichen Namens in Zürich. Ende 1946 begann mein Vater mit einigen Studienkollegen in der Freizeit zu musizieren. Als von Freunden Interesse für Engagements aufkam gab sich dieses Ensemble zunächst den Namen "Hausorchester Vereinigung Zürich". Für das erste Konzert im Ausland, am 21. Mai 1951 in Mailand, traten sie unter dem Namen "Orchestra da Camera di Zurigo" auf und überlegten sich dann, den schrecklichen alten Namen durch "Zürcher Kammerorchester" zu ersetzen. Bevor sie dies taten versicherte sich Edmond de Stoutz persönlich bei Herrn Schaichet, dass dieser nichts gegen den zwar unterschiedlichen, doch ähnlichen Namen hatte. Schaichet gab ihm sofort sein Einverständnis.

 

 

Alexander Schaichet 1962
Alexander Schaichet 1962

Perfekter Einstieg in den Konzertabend mit den Sätzen Präludium, Aria und Finale aus dem Werk des Schweizer Komponisten. Die Musiker, alle, ausser den Cellist*innen stehend, interpretierten die Sätze beschwingt leicht und mit sichtlicher Spielfreude, den das Publikum mit langanhaltendem Applaus honorierte.

Johann Sebastian Bach Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll BWV 1052

Der Konzertflügel wird an den richtigen Platz gerollt, der Klavierhocker davor postiert und schon betritt der ganz in schwarz gekleidete Solist Oliver Schnyder die Bühne, empfangen von einem warmen Willkommensapplaus.

  • Ursprünglich als Cembalokonzert komponiert. Wenn das neue Instrument nicht einfach ein großes Cembalo mit 16-Fuß-Register gewesen war, könnte es sich um ein Lauten- oder Gambenclavier oder ein großes Pantalon in Flügelform gehandelt haben. Das Hammerklavier war bis in die 1740er Jahre noch nicht weit genug entwickelt, um Bachs Ansprüche zu befriedigen, und wurde auch 15 Jahre später allgemein nur als Solo- und Kammermusikinstrument angesehen. Das dreisätzige Werk ist wie folgt geschrieben:
  • Allegro ¢ d-Moll
  • Adagio 3/4 g-Moll
  • Allegro 3/4 d-Moll
Festkonzert in memoriam Alexander Schaichet
Festkonzert in memoriam Alexander Schaichet

Den Kopfsatz verwendete Bach 1726 in der Kantate BWV 146 als Vorspiel, den zweiten Satz für den Eingangschor „Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen“, indem er vier Singstimmen in den Konzertsatz hineinkomponierte. Das tänzerische Finale diente ihm zwei Jahre später als Sinfonia zur Kantate BWV 188 „Ich habe meine Zuversicht“. Die reichen Verzierungen der Solostimme im Mittelsatz verdecken ein wenig die Tatsache, dass sie und die Linie der ersten Violine einander imitieren. Der Schweizer Starpianist vergrub sich in die sehr verschachtelte, fugenähnliche Partitur, interpretierte diese aber nie verbissen ernst, aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Das Orchester, geleitet von Konzertmeister Willy Zimmermann bewegte sich jederzeit auf Augen – bzw. Notenhöhe mit dem Solisten und begleitete diesen kongenial.

Geballte Energie verbunden mit Werktreue

Tonhalle Zürich grosser Konzertsaal
Tonhalle Zürich grosser Konzertsaal

Ein Ausbund an Energie wird hier inszeniert. Das d-Moll Klavierkonzert wird zum atemlos-düsteren Krimi, in dem einem das Manisch-Bohrende der Tonrepetitionen erstmals so richtig bewusst wird. Die vielbeschworene Partitur Treue und “Korrektheiten” der historischen Aufführungspraxis werden zur selbstverständlichen Nebensache – angesichts solcher Spielfreude, die auch rabiate Zugriffe nicht scheut. Für das wunderschön gespielte Bachstück ernteten die Musiker langanhaltenden Beifall Bevor man sich in die Foyers in die Pause begab.

 

 

 

 

 

 

 

 

Dmitri Schostakowitsch Zwei Stücke für Streicher op. 11

Tonhalle Zürich grosser Konzertsaal
Tonhalle Zürich grosser Konzertsaal

Während das erste Stück, das «Präludium» noch grosse Bezüge zu Bach aufweist, weist das anschliessende «Scherzo» schon auf Schostakowitschs, damals noch Student, kommende wilde Art, später in die berühmte Doppelbödigkeit führenden Weg hin. Im vergleich zu späteren Werken nicht düster, geheimnisvoll, sondern schon fast locker heiter, so auch interpretiert vom hervorragenden Orchester und belohnt mit entsprechendem Applaus.

Wolfgang Amadeus Mozart Klavierkonzert Nr. 26 D-Dur KV 537

Oliver Schnyder Solist am Piano Foto Marco Borggreve
Oliver Schnyder Solist am Piano Foto Marco Borggreve

Das 26. Klavierkonzert trägt den allgemein verwendeten Beinamen Krönungskonzert, da es zur Kaiserkrönung Leopolds II. 1790 in Frankfurt entstand. Dort wurde es am 15. Oktober zusammen mit dem 19. Klavierkonzert KV 459 in einem Festkonzert gespielt.

Das Intro des Orchesters, inzwischen durch Bläser und Schlagwerk erweitert, mit der Streuung des Themas dauert über zweieinhalb Minuten, bevor der Solist am Piano zum ersten Mal in die Tasten greifen kann.

 

 

 

 

Tonhalle Zürich grosser Konzertsaal
Tonhalle Zürich grosser Konzertsaal

Der Kopfsatz beginnt eher verhalten in piano, bevor feierliche Trompetenklänge das Orchestertutti einläuten. Ein zweites ebenfalls zunächst piano vorgetragenes Thema wirkt verschmitzt und zieht einen längeren Nachsatz mit sich, welcher jedoch kaum als eigenständiges drittes Thema zu bewerten ist. Die folgende Soloexposition beginnt mit dem solo vorgetragenen ersten Thema und erweitert anschließend das zweite Thema erheblich. Die folgende Durchführung geht zunächst motivisch vor, endet jedoch nahezu improvisatorisch. Die musikalische Gestaltung ist nicht von gewohnter Qualität, sondern beschränkt sich oftmals auf Tonleiterläufe. Einzig der Beginn der Durchführung besteht durch eine Wendung nach Moll aus dramatischen Elementen. Die Reprise verläuft im Wesentlichen regelgerecht und führt relativ unvermittelt zur Solokadenz. Der Satz endet anschließend mit einem ungewöhnlich kurzenSchlussritornell mit einigen festlichen Akkorden.

 

 

 

 

Tonhalle Zürich grosser Konzertsaal
Tonhalle Zürich grosser Konzertsaal

Im Finalsatz in Form eines, von Mozart oft verwendeten grossen Rondos, stellt das Soloklavier ein einfaches, vergnügtes Thema vor, welches vom Orchester mit Paukenakzentuierungen aufgenommen wird. Das erste Couplet wendet sich kurzzeitig nach a-Moll und besteht vor allem aus Tonleiterläufen des Solisten. Anstelle eines zweiten Couplets fügt Mozart eine kleine Durchführung ein, wie er das bereits in einigen Konzerten getan hatte, und verquickt somit Rondo Form und Sonatensatzform. Diese Durchführung verwendet hauptsächlich das Komplementärthema und moduliert von h-Moll über B-Dur nach G-Dur. Es folgt die Wiederholung des ersten Couplets, welche mittels eines Eingangs des Soloklaviers zur Wiederkehr des Refrain Themas überleitet. Eine feierliche Coda beendet das Rondo.

Schnyder moduliert nuancenreich setzt perlende Läufe, abgestreift die Bach`sche Ernsthaftigkeit des ersten Konzertteils, gewichen Mozart `scher Unbekümmertheit und Lebensfreude. Pure Spiellust erzeugt diese optimistische Komposition bei den Protagonisten, die sich perfekt ergänzen, der quirlige Tastenvirtuose, unterstützt vom Orchester, lässt seiner Spielfreude freien Lauf, setzt markante akustische Duftnoten und glänzt ebenso mit seiner ausgereiften Technik wie mit seinem ausgeprägten Einfühlungsvermögen.

Das Auditorium verdankte diesen Hörgenuss mit stürmischem, langanhaltendem Applaus und liess nicht locker, bis Schnyder noch eine kurze Zugabe gewährte. Ein Konzert, das dem Widmungsempfänger Alexander Schaichet sicher ebenso viel Freude bereitet hätte wie dem zufriedenen Auditorium im prachtvollen  grossen Tonhalle Saal.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:    www.zko.ch

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