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Hervorragende Berufschancen für Physician Assistants

Eine Studie des Deutschen Hochschulverbandes Physician Assistant e. V.
bestätigt die Zufriedenheit der Absolvent:innen des
Gesundheitsfachberufes.

Physician Assistants (PAs) bilden in Deutschland seit einigen Jahren ein
wichtiges Bindeglied zwischen Patient:innen, Pflegepersonal und
Ärzt:innen, indem sie delegierbare Tätigkeiten, die zuvor lediglich der
Ärztin bzw. dem Arzt vorbehalten waren, übernehmen. Dass die Mehrheit der
PAs mit dieser Berufswahl überaus zufrieden ist und denselben
Ausbildungsweg erneut wählen würde, zeigt nun eine bundesweite
Querschnittsstudie des Deutschen Hochschulverbandes Physician Assistant e.
V. (DHPA), zu dessen Mitgliedern auch die SRH Hochschule für Gesundheit
zählt.

Der DHPA führte im Jahr 2020 bei 560 Absolvent:innen des PA-Studiengangs
eine Umfrage durch, die erstmalig die Situation der ausgebildeten PAs in
Deutschland erfasste. Die hohe Beteiligung von über 50 % spricht dabei für
ein repräsentatives Ergebnis. Insgesamt gaben 94 % der Befragten an, zum
Zeitpunkt der Umfrage erwerbstätig gewesen zu sein, mit 84 % auch
überwiegend im Berufsfeld PA. Dabei arbeiteten 87 % der PAs meist in
Vollzeit. Der Großteil der Absolvent:innen (82 %) würde dasselbe Studium
wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich wieder wählen.

In Deutschland wird das Studium zum Physician Assistant seit 2005
angeboten, inzwischen sind laut DHPA über 1.000 PAs in Deutschland tätig.
Fast alle hätten ihr Studium an einer der im DHPA zusammengeschlossenen
Hochschulen absolviert. Als eines der Mitglieder bietet die SRH Hochschule
für Gesundheit ihren NC-freien Bachelor-Studiengang Physician Assistant
sowohl in Gera, Heide und Heidelberg als auch in Leverkusen an. Dabei
richtet sich das berufsbegleitende Studium mit seinen modernen Lehr- und
Lernformaten an Interessierte, die bereits über eine abgeschlossene
Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf mit unmittelbarer
Patient:innenversorgung verfügen. Durch die für die Gesundheitshochschule
der SRH typische Blockstruktur können Studierende ihr Studium ideal mit
ihrer Berufstätigkeit und privaten Anforderungen vereinbaren und das
gelernte Wissen auch direkt in ihrem Praxisalltag anwenden. Am
Wachstumsmarkt Gesundheit benötigen Unternehmen erstklassige Expertise auf
dem neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse, die evidenzbasiert und
kompetenzorientiert vermittelt werden. Entsprechend stellt die SRH
Hochschule für Gesundheit für potenzielle Praxisgeber:innen diesen
Mehrwert sicher, sodass der Gesundheitsstandort Deutschland nachhaltig vom
Berufsbild eines/einer Physician Assistant profitieren wird.

„In der akademischen Ausbildung zum Physician Assistant vermitteln wir
unseren Studierenden umfangreiches Wissen, um Ärzt:innen bei ihrer Arbeit
zu unterstützen, aber auch um eigenverantwortlich komplexe Aufgaben in der
Gesundheitsversorgung durchzuführen. So können unsere Absolvent:innen z.
B. selbstständig Wundversorgung und -verschlüsse vornehmen oder auch
orientierende Ultraschalluntersuchungen durchführen. Sie sind sowohl in
der stationären als auch in der ambulanten Versorgung tätig“, berichtet
Prof. Dr. Thomas Lichtinger, Studiengangsleiter im Bachelor-Studiengang
Physician Assistant am Campus Rheinland in Leverkusen der SRH Hochschule
für Gesundheit.

Wie PAs gerade im ländlichen Raum in die ambulante und hausärztliche
Versorgung integriert werden können, wird aktuell in einem
Forschungsprojekt am Studienzentrum Heide der SRH Hochschule für
Gesundheit untersucht. Hierbei wird auch der rechtliche Rahmen in Hinblick
auf delegationsfähige Leistungen im ambulanten Bereich überprüft.

Mehr zu Physician Assistant erfahren:
Interessierte können sich noch kurzentschlossen für den kostenfreien
Online-Infonachmittag am 10.02.2022 um 16:00 Uhr unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
anmelden. Weitere Informationen finden Sie auch unter https://www.srh-
gesundheitshochschule.de/bachelor/physician-assistant/

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/thomas-lichtinger/

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Dresdner Uniklinikum beteiligt sich an Aktion des Deutschen Kinderhospizvereins „Lasst uns Deutschland grün erleuchten“

Das Sächsische Kinderpalliativzentrum am Universitätsklinikum Carl Gustav
Carus Dresden beteiligt sich an der Aktion „Lasst uns Deutschland grün
erleuchten!“ des Deutschen Kinderhospizvereins. Mit dem am 10. Februar
grün angestrahlten Eingangsbereich des Kinder-Frauenzentrums drückt das
Klinikum seine Verbundenheit mit dem Verein und den ehrenamtlich
agierenden Helfenden aus. Allein in Dresden sind darin aktuell 51 Frauen
und Männer organisiert. Sie begleiten Familien mit Kindern beziehungsweise
Jugendlichen, die von lebensverkürzenden Erkrankungen betroffen sind. Die
Helfenden ergänzen die medizinische, pflegerische und sozialdienstliche
Versorgung der zumeist schwerstbehinderten Menschen.

Im Rahmen des Aktionstags werden in Dresden neben dem Uniklinikum auch
Gebäude auf dem Areal des „Kraftwerk Mitte“, der Kulturpalast, der
Hauptbahnhof und das Leibniz-Institut für Festkörper- und
Werkstoffforschung (IFW) Dresden angestrahlt. Die Farbe Grün steht dabei
als Zeichen der Hoffnung und der Solidarität mit den betroffenen Familien.
Zudem machen vier Bäckereien auf das Anliegen aufmerksam, indem sie Brote
mit grünen Banderolen verkaufen.

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst (AKHD) mit Sitz am Dresdner
Fetscherplatz bildet regelmäßig ehrenamtliche Begleiterinnen und Begleiter
aus, die Familien betreuen, zu denen Kinder und Jugendliche mit
lebensverkürzenden Erkrankungen gehören. Die ehrenamtlich Tätigen sind
Zuhörende, Gesprächspartnerinnen und -partner, haben Zeit zum Spielen,
oder begleiten bei gemeinsamen Ausflügen. Das Angebot richtet sich nicht
nur an das erkrankte Kind, sondern auch an die Geschwister. Für die Eltern
schaffen die ehrenamtlich Tätigen Freiräume; begleiten sie zu Terminen
oder nehmen Erledigungen ab. Dieses Angebot des Kinder- und
Jugendhospizdienstes ist für die Betroffenen in Dresden und dem Umland
kostenlos.

„Im Großraum Dresden und auch darüber hinaus werden viele Kinder und
Jugendliche mit lebensverkürzenden Erkrankungen initial oder
kontinuierlich in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des
Uniklinikums versorgt“, so Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand
des Universitätsklinikums Dresden. „Um diese Kompetenzen flächendeckend
zur Verfügung zu stellen und zu bündeln, erfolgt diese Versorgung in der
Regie des Mitte 2021 offiziell eröffneten Sächsischen
Kinderpalliativzentrums, dessen Arbeit ein wertvoller Beitrag für die
betroffenen Familien, aber auch für Kooperationspartner in der Region
ist.“ Dabei gehen die Bedürfnisse der betroffenen Familien gehen oft weit
über ärztliche, pflegerische und psychosoziale Aspekte hinaus, die in der
Regel über die zuständigen Kostenträger finanziert werden. Aufgrund der
langjährigen Erfahrungen erkennt das Team des Sächsischen
Kinderpalliativzentrums den Bedarf einer Unterstützung, wie sie vom
Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst geleistet werden kann. „Häufig
bieten wir den betroffenen Familien diesen Dienst offensiv an“, sagt Dr.
Silke Nolte-Buchholtz. Die Leiterin des Sächsischen
Kinderpalliativzentrums schätzt die nunmehr über 15-jährige Zusammenarbeit
mit dem Verein. Ein Zeichen für das vertrauensvolle Miteinander ist die
regelmäßige Teilnahme der drei AKHD-Koordinatorinnen an den
Fallkonferenzen des Zentrums. Beim kontinuierlichen Austausch wird nicht
nur über gemeinsam betreute Patienten und Familien gesprochen. Hier
entscheiden die Teams beider Institutionen auch darüber, ob den vom
Kinderpalliativzentrum versorgten Kindern und ihre Familien das Angebot
des AKJHD gemacht werden soll und ob die von dem ehrenamtlichen Dienst
begleiteten Familien der Palliativmedizin bedürfen.

Der Aktionstag „Lasst uns Deutschland grün erleuchten!“

Die Kinder- und Jugendhospizarbeit soll mit einer bundesweiten Aktion
einmal im Jahr in ganz Deutschland sichtbar gemacht werden. Anlass ist der
vom Deutschen Kinderhospizverein e. V. initiierte „Tag der
Kinderhospizarbeit“ am 10. Februar, ein bundesweiter, jährlich
stattfindender Gedenktag, der auf die Situation von jungen Menschen mit
lebensverkürzender Erkrankung aufmerksam macht. Die Farbe Grün hat für den
Deutschen Kinderhospizverein e. V., als Wegbereiter der Kinder- und
Jugendhospizarbeit in Deutschland, eine wichtige, symbolische Bedeutung.
Jährlich beteiligen sich immer mehr Menschen, öffentliche wie private
Einrichtungen an der Beleuchtungsaktion und setzen bundesweit ein starkes
Signal der Verbundenheit und Solidarität. Darunter sind auch der Rheinturm
in Düsseldorf, das Kleisthaus in Berlin, die Jahrhunderthalle in Bochum,
das Historische Museum in Frankfurt, der Maximilianpark in Hamm.

In diesem Jahr ist erstmals Dresden mit dabei. Teilnehmen werden der
Kulturpalast, das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung
(IFW) Dresden, das Sächsische Kinderpalliativzentrum des
Universitätsklinikums Dresden (Eingang des Universitäts Kinder-
Frauenzentrums – Haus 21) sowie der Dresdner Hauptbahnhof. Darüber hinaus
leuchten auf dem Gelände des Kraftwerk Mitte die Staatsoperette, das
„theater junge generation“, das Haus der Medienkultur sowie das
Energiemuseum ab 17 Uhr zum Sonnenuntergang in Grün. Der Aktionstag
erinnert an die Gründung des Deutschen Kinderhospizvereins e.V., der am
10. Februar 1990 erfolgte. Seit vielen Jahren finden an diesem Tag
besondere Aktionen statt. Es geht vor allem darum, auf die Lage der
erkrankten Kinder und ihrer Familien aufmerksam sowie die Arbeit der
Hospizdienste bekannter zu machen.

Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Dresden (AKHD)

Der Dienst wurde 2006 unter dem Dach des Deutschen Kinderhospizverein e.V.
gegründet. Der gemeinnützige, auf Spenden angewiesene Verein begleitet
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer lebensverkürzenden
Erkrankung ebenso wie deren Familien. Ab dem Zeitpunkt, an dem die
Diagnose feststeht, können die Ehrenamtlichen die Betroffenen und ihre
Familien begleiten – im Leben, im Sterben und über den Tod des Kindes
hinaus. Aktuell begleitet der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst
Dresden 27 Familien in der Landeshauptstadt und im Umkreis von 50
Kilometern.

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Rückblick 1. Junges Forum Dr. Rainer Wild-Stiftung

Die 6 Ws, was, wann, wo, wie, warum und mit wem wir essen sind Kern des
Leitgedankens der interdisziplinären Perspektive auf gesunde Ernährung als
zielführendes Verständnis, das die Arbeit der Dr. Rainer Wild-Stiftung
ausmacht. Mit der
Leitfrage umrahmten die 6 Ws den wissenschaftlichen Diskurs des Online-
Debüts einer
neuen Veranstaltungsreihe für Nachwuchswissenschaftler:innen. Sechs
Absolventinnen erhielten am 21.01.2022 beim 1. Jungen Forum Dr. Rainer
Wild-Stiftung eine Plattform, um ihre wissenschaftlichen
Arbeiten vor einem Fachpublikum aus über 60 Teilnehmenden zu präsentieren.

Heidelberg, 21.01.2022 – Zum Auftakt in das neue Jahr begrüßte Frau Dr.
Silke Lichtenstein, Geschäftsführerin und wissenschaftliche Leiterin der
Dr. Rainer Wild-Stiftung, die Gäste und Referentinnen des 1. Jungen
Forums. Es sei der Dr. Rainer Wild-Stiftung zugleich ein wichtiges
Anliegen und eine große Freude, Studierenden und Multiplikatoren, die am
Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen, eine eigene Plattform für den
interdisziplinären Wissenstransfer und –austausch zu schaffen. In diesem
Sinne lautete das Ziel des neuen Formates, jungen Menschen einen Raum zu
bieten, um Arbeiten vorzustellen und miteinander darüber fachübergreifend
zu diskutieren.

Es geht um das große Ganze, das Gemeinsame

Mit einem Vortrag zur aktuellen Ernährungssituation führte Dr. Silke
Lichtenstein in das bunte Programm des Tages ein. Der Beitrag stellte die
gesellschaftlichen Entwicklungen in den Vordergrund, verknüpfte so
verschiedenen Vortragsthemen miteinander und ordnete sie der derzeitigen
Ernährungsrealität in Deutschland zu. Dabei hob sie das Potenzial des
umfassenden wissenschaftlichen Verständnisses von gesunder Ernährung
hervor, das auch die Arbeit der Dr. Rainer Wild-Stiftung leite. Für Dr.
Lichtenstein besteht kein Zweifel, dass „dieser Ansatz der zielführende
Weg ist, um die Herausforderungen, die die notwendige Transformation
unseres Ernährungssystems bereithält, zu bewältigen“. Ohne fach-
übergreifende Herangehensweise sei es kaum realistisch, trag- und
zukunftsfähige Konzepte für die gesunde Ernährung von Morgen zu
entwickeln. Dabei verdeutlicht sie eines ganz besonders: Der Stiftung geht
es um das Große und Ganze und darum zu verbinden, um so das gemeinsame
Fortkommen zu unterstützen. Dazu müssten alle relevanten Aspekte von
Gesundheit und Ernährung einfließen, damit „wissenschaftlich Fundiertes
nicht an der Realität scheitert, wie in der Vergangenheit oft der Fall“,
fasst Dr. Lichtenstein zusammen. Zudem seien insbesondere der jüngeren
Generation die Themen Klimawandel, Tierwohl und die Sicherung der
Ernährungsversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung wichtig, doch um
gemeinsam die Zukunft der gesunden Ernährung erfolgreich zu gestalten,
braucht es auch die Erfahrung und Unterstützung Älterer.

Krisen verändern. Was kommt? Was bleibt?

„Was sich in den Untersuchungen der unter Pandemiebedingungen veränderten
Essgewohnheiten zeigt, ist mit Vorsicht positiv zu betrachten“, betont
Frau Dr. Lichtenstein. Dass im Lockdown mehr selbst und mit frischen
Zutaten gekocht wurde als vorher ist evident. Auf einen echten Wandel
einer Norm deutscher Esskultur deuten die Absatzzahlen von Obst und Gemüse
im ersten Lockdown hin, während der Fleischabsatz im Einzelhandel
stagnierte. Die sprunghaft gestiegenen Zahlen könnten dafür sprechen, dass
deutsche Verbrauchende gesundheitliche Sicherheit im Verzehr Obst und
Gemüse suchen und nicht mehr im Fleisch, das die Rolle als Kraftspender
lange innehatte. Dies lasse positive Prognosen für das Neue Normal zu, so
Dr. Lichtenstein. Darüber hinaus habe auch der Verzicht auf das bis dato
selbst verständliche Essen außer Haus viele Menschen schmerzhaft erleben
lassen, welche elementaren Funktionen Essen bzw. Mahlzeiten im Alltag
erfüllen. Über Mahlzeiten und Einkauf ließen sich etwa Solidarität,
Zusammenhalt, Kontrolle und Freiheit in der Lebensgestaltung, Sinnlichkeit
und Kreativität ausleben, allesamt wichtige Bedürfnisse im
salutogenetischen Sinne. Das Erleben von Essen bzw. Esspraktiken als
wertvolle Ressource, aus denen sich Kraft zur Bewältigung der Krise
schöpfen lassen. Daraus entfaltete sich eine neue Dimension, der schon
seit den 2010er Jahren zu beobachtender steigender Bewusstheit für den
Wert gesunder Ernährung, über reine Nährwerte hinaus. Aus diesem
Ernährungsbewusstsein wuchsen bei einem immer größeren Anteil der
deutschen Gesamtbevölkerung schon seit Jahren die Ansprüche an die
Qualität von Lebensmitteln. Statistiken weisen darauf hin, dass in
Deutschland mehr und mehr Geld für Essen ausgegeben wird, als das Narrativ
vom typisch deutschen Geiz beim Essen glauben machen will. Auch in der
Krise setzte sich dieser Trend bis jetzt fort.

„Alle diese ersten Hinweise sprechen für positive Aussichten auf der Seite
von Verbrauchenden im Hinblick auf eine gesunde Ernährung“, schlussfolgert
Dr. Lichtenstein. Auch, wenn die Frage, ob sich diese Entwicklungen fest
im Neuen Normal etablieren werden noch nicht beantwortet werden kann,
seien sie dennoch gute Grundlagen für alle die, die sich von Berufswegen
um gesunde Ernährung bemühen.

Zwischen Fitness-Shake und Bio-Ei. Welche wissenschaftlichen Fragen
stellen sich bezüglich der gesunden Ernährung von morgen?

Als Prädiktoren eines Wandels der deutschen Esskultur könnten auch die
Daten einer Studie in der sogenannten Generation Z verstanden werden. Der
Wunsch nach gesundem und (verantwortungs-)bewussten Essen sei für die
meisten jungen Menschen ein Muss und dabei seien wechselseitige Einflüsse
der Generationen wahrscheinlich, etwa zwischen Töchtern bzw. Söhnen und
den Eltern, stellte Dr. Lichtenstein fest. Junge Menschen achten auf hohe
und vielseitige Qualitätsmerkmale, die wichtigsten haben mit den Folgen
des eigenen Konsums zu tun. Nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch
die des Planeten, die von Tier und Umwelt, stünden im Fokus der jungen
Generation. Auffallend sei weiterhin die starke Polarisierung dieser
Ansprüche So schwanken die Befragten beispielsweise zwischen der Präferenz
regionaler und biologisch erzeugter Produkte und veganen bzw. High
Protein, die als Ersatz- bzw. Fitnessprodukte oft hochverarbeitet und mit
Zusatzstoffen versetzt, ebenfalls hohe Attraktivität besitzen. Das spricht
dafür, dass junge Menschen „gesunde Ernährung als Spannungsfeld erleben,
unter anderem zwischen High-Tech und Bio“, beschreibt Frau Dr.
Lichtenstein diese Diskrepanz, der sie laut der Umfragen jedoch mit
Pragmatismus begegnen. Diese globale Perspektive sowie der Wunsch nach
äußerer und innerer Selbstoptimierung sind respektive einer gesunden
Ernährung auch wichtige Anhaltspunkte für die wissenschaftlichen
Fragestellungen. Auf diese gilt es sich in der Ernährungsforschung und
allen anderen Disziplinen vorzubereiten.

Brotschmierzentrale und Essen außer Haus. Was ist eigentlich noch in der
Küche los?

„Die Küche dient heutzutage nicht mehr ausschließlich der Ausführung von
Essenspraktiken“, so beginnt Dr. Julia von Mende mit der Vorstellung ihrer
Dissertation. Die Architekturtheoretikerin untersuchte in ihrer
Doktorarbeit die Bedeutung des Raums Küche in der Zeit vor der Pandemie
und wählte damit eine Herangehensweise an das Thema Ernährung, die vom
naturwissenschaftlichen Ansatz erst einmal weit entfernt scheint.

Mit den Ergebnissen ihrer qualitativen, empirischen Untersuchungen, zu
denen sie jeweils Zeichnungen anfertigte, gibt Dr. von Mende Aufschluss
darüber, was sich in einer Zeit des stetig steigenden Außer-Haus-Verzehrs
vor der Pandemie in den Küchen abspielte. Entgrenzung, Zeitnot und
Überforderung konnten als wesentliche Resultate gesellschaftlicher
Beschleunigung beobachtet werden. Dieses Phänomen führe zu Inversionen im
Raum Küche, welche Frau Dr. von Mende am Beispiel eines selbstgebauten
Stehtischs einer Männer-WG feststellen konnte. Der Stehtisch, von den
Männern liebevoll „Brotschmierzentrale“ genannt, ist zwar selbst gebaut,
seine Funktion liege aber ausschließlich darin sich schnell ein Brot für
unterwegs zu schmieren. Aus einem anderen Beispiel, in dem eine defekte
Mikrowelle weiter ihren Platz in der Küche wahren durfte, schloss Dr. von
Mende die Nutzung dieser Küche als einen konservativen Raum. Zudem konnte
sie eine Entgrenzung von Küche und Stadt durch ein Heraustragen von Essen
oder der Esseneinladung im Restaurant statt zu Hause, beobachten. Auch
fanden sich Überlagerungen, wie beispielsweise bei einem Wasch-Café oder
Verschränkungen von Küche und Stadt, indem sich die Wohnung durch das
Aufstellen eines professionellen Vollautomaten zu einer Art Coffeeshop
entwickelte, das Mittagessen allerdings außer Haus eingenommen wurde. In
einigen Fällen scheine sogar das Ästhetische einer Küche wichtiger als das
Funktionelle zu sein, wie sie an einem Beispiel einer Büroküche, die zum
Veranstaltungsraum für Arbeitsmeetings wurde, feststellen konnte.

Mit den Worten: „Räumliche Neuzuordnungen nehmen Fahrt auf“, schließt Dr.
von Mende ihren Vortrag und eröffnet eine rege Diskussion über die
Kontroverse zwischen dem Rückzug ins Private und gleichzeitigem Wunsch
nach Repräsentation des eigenen Haushalts.

Ernährungserhebungen geben nicht nur Aufschluss darüber „was wir essen“

„Weitere Anstrengungen sind notwendig“, dieses Fazit zieht Laura Hoffmann
aus den Ergebnissen ihrer Masterarbeit, in der sie sich mit validierten
Erhebungsmethoden zum Ernährungsassessment in Beratung und Therapie
befasste. Die systematisch angelegte Literaturrecherche und anschließende
Aufbereitung nach Publikationsstandards ergab 31 auswertbare Studien zu
den drei Erhebungsmethoden, 24 h-Recall, Ernährungsprotokoll und
fotobasierte Erhebung.

Die Auswertung lieferte drei zentrale Ergebnisse, die Laura Hoffmann den
interessierten Teilnehmenden vorstellt: Zum einem war ein deutlicher Trend
zu digitalen Erhebungsmethoden erkennbar. Hier liege der Vorteil besonders
in der Unabhängigkeit vom Interviewer, der Möglichkeit des zeitlich
geringen Abstands zwischen Mahlzeit und Dokumentation und der
automatisierten Auswertung, erklärt Hoffmann. Aus der Untersuchung des
Einflusses der unterschiedlichen Methoden auf Qualität und Quantität der
Nahrungserhebung ergab sich kein Hinweis darauf, dass einzelne Nährstoffe
mit einer der untersuchten Methoden besonders gut oder schlecht erhoben
wurden. Zudem ließe sich der Anspruch an Instrumente zur Erfassung
häufiger Indikationen in der Ernährungstherapie und -beratung zur Eignung
sowohl bei Gesunden als auch Kranken ableiten. „Alle drei Methoden können
nur eingeschränkt empfohlen werden“, schlussfolgert Hoffmann, denn die
Validität der Erhebungsinstrumente sei nur unter Berücksichtigung
unterschiedlicher Kriterien gegeben. Zudem liege der Fokus der Anwendung
dieser Methoden in der Ernährungsepidemiologie und nicht in der Beratung.

Zum Abschluss ihrer Präsentation gibt Hoffmann den Teilnehmenden noch
Empfehlungen zum qualitätsgesicherten Einsatz der untersuchten
Erhebungsinstrumente mit auf den Weg. Hierbei betont sie die Notwendigkeit
der Beachtung der Merkmale der jeweiligen Klient:innen vor dem Einsatz
eines Erhebungsinstruments. So sollte beispielsweise die im
Erhebungsinstrument verfügbare Getränke- und Lebensmittelauswahl zum
kulturellen Hintergrund der Klient:innen passen, um auf diese Weise
personalisierte Ernährungserhebungen durchführen zu können. Zusätzlich
weist sie auf die allgemeine Empfehlung einer Hilfestellung bzw. Schulung
für die Klient:innen vor der Anwendung hin. Insgesamt komme auch
prozessbegleitendem und evidenzbasiertem Handeln im Umgang mit
Erhebungsmethoden große Bedeutung zur Beantwortung der 6 Ws zu. Was wir
essen spielt offensichtlich bei der Ernährungserhebung eine zentrale
Rolle. Ein gut geplantes Ernährungsassessment nach standardisierten
Prozessabläufen, wie beispielsweise dem Dietetic Care Process könne
allerdings auch zur Beantwortung der übrigen Ws beitragen, betont
Hoffmann. Damit entlässt sie die Teilnehmenden in einen lebhaften
Austausch über Chancen und Schwierigkeiten bei der Anwendung digitaler
Erhebungsinstrumente in der Ernährungsberatung und -therapie.

Trotz sinkender Zufuhr – Zuckerkonsum bei Kindern und Jugendlichen noch zu
hoch!

„Eine Angst vor Zucker in der Kinderernährung ist zwar nicht notwendig,
allerdings sollte Zucker durchaus als kritischer Nährstoff betrachtet
werden“, so das Fazit von Dr. Ines Perrar im Hinblick für diese
Bevölkerungsgruppe aus den Ergebnissen ihrer Doktorarbeit.

Mit den Definitionen der verschiedenen Zuckerarten, Gesamtzucker,
zugesetzter Zucker und freier Zucker, leitet Dr. Perrar die Vorstellung
ihrer Dissertation ein. Ziel der Untersuchungen war es, detaillierte Daten
zur Zuckerzufuhr von Kindern und Jugendlichen zu liefern und diese in
Verbindung mit Alters- und Zeittrends zu setzen. Dafür wertete sie Daten
der DONALD-Studie von Kindern zwischen 3 und 18 Jahren von 1985 bis 2016
aus.

Anhand von Diagrammen veranschaulicht Dr. Perrar den Teilnehmenden die
Ergebnisse ihrer Dissertation. Sowohl bei der Zufuhr von Gesamtzucker als
auch von freiem Zucker war ein Anstieg bis zum Jahr 2005 zu verzeichnen.
Auf eine anschließende Stagnation folgte schließlich eine stetige Abnahme
der Zuckerzufuhr seit 2010. Zusätzlich konnte eine Reduktion der
Zuckerzufuhr mit zunehmendem Alter festgestellt werden. Dabei seien auch
die Zuckerquellen altersspezifisch, erklärt Dr. Perrar. Stammt der
verzehrte Zucker bei den jüngeren Kindern noch überwiegend aus
Süßigkeiten, Säften und Milchprodukten, so scheint der Zucker bei den
Älteren eher durch gesüßte Getränke zugeführt zu werden. Eine mögliche
Fehlerquelle dieser Daten liege allerdings in der Erhebungsmethode des
Selbstberichts, gibt Dr. Perrar zu. Um diesen potenziellen Fehler
kontrollieren zu können, hat sie zusätzlich Daten zur Zuckerausscheidung
im Urin erhoben. Die gemessenen Biomarker bestätigen die seit 2010
sinkende Zuckerzufuhr. Deutlich gezeigt habe sich dennoch, dass die Zufuhr
zu jeder Zeit und in allen Altersgruppen über den Empfehlungen der World
Health Organization sowie der Fachgesellschaften lag.

„Diese Ergebnisse schaffen entscheidendes Wissen über die Zuckerzufuhr von
Kindern und Jugendlichen und können damit als Grundlage für Public Health
Maßnahmen dienen“, mit dieser bedeutenden Anmerkung schließt Perrar ihren
Vortrag. Im anschließenden Austausch waren unter anderem die ausgeprägtere
Süßpräferenz von Kindern sowie die damit einhergehende Erziehungsaufgabe
der Eltern von Interesse, sowie die vorsichtig positiven Trends, die sich
in neueren und repräsentativen Erhebungen unter deutschen Kindern und
Jugendlichen nachvollziehen lassen.

Klimaschutz im Ernährungsbereich: Eine radikale Transformation ist
dringend notwendig!

„Unser Anliegen ist es, Kompetenzen für den nachhaltigen Konsum zu
schaffen“, betonen Noёle Josephine Dittrich und Nina Förster. Deshalb
entschieden sich die beiden in einer gemeinsamen Masterarbeit ein
Unterrichtsmanual zum Klimaschutz im Ernährungsbereich zu entwickeln. Die
Relevanz dieses Themas war aufgrund des planetaren Wandels und der damit
einhergehenden Überschreitung von ökologischen Grenzen nie größer als zur
jetzigen Zeit. Durch eine nachhaltige Ernährung, die sowohl die
Bedürfnisse der heutigen aber auch der zukünftigen Generationen sichert,
könne eine Menge erreicht werden. Denn Ernährung trage mit einem Anteil
von ca. 15% zur gesamten Treibhausgasemission der Erde bei.

„Die Entwicklung des Manuals erfolgte in drei Phasen“, erklärt Dittrich.
Dabei kamen sowohl qualitative als auch quantitative Untersuchungsmethoden
zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein auf didaktischen Prinzipien basiertes
Unterrichtsmanual mit vorgeplanten Unterrichtseinheiten zu verschiedenen
Themenbausteinen. Durch dazugehörige Videos sowie Hörspieltexte, die
unkompliziert über QR-Codes abrufbar sind, können die Lehrkräfte aus einem
großen Repertoire an unterschiedlichen und zeitgemäßen Lehrmethoden
schöpfen. Drei quantitative Befragungen von Schüler:innen und Lehrer:innen
nach punktueller Durchführung der Unterrichtseinheiten im schulischen
Kontext dienten der Evaluation. Diese zeige, dass ein Transfer des
erworbenen Wissens in den Alltag möglich sei. Zudem könne die Einstellung
zu nachhaltiger Ernährung positiv gestärkt werden, schlussfolgert Förster.
Die anschließende Diskussion dreht sich insbesondere um das Thema des
verantwortungsvollen Umgangs mit Fleisch und inwiefern das entwickelte
Unterrichtsmanual darauf eingeht.

Das Lehrmaterial hat verschiedene Anknüpfungspunkte an den Bildungsplan in
Baden-Württemberg und wurde für das Fach Alltagskultur, Ernährung,
Soziales der Sekundarstufe I der Klassen 7-10 entwickelt. Aktuell arbeite
man an der Weiterentwicklung sowie Publikation des Manuals.

Faszination Obst: Die Forschung ist noch lange nicht am Ende

„Der Konsum von Obst ist dem von Fruchtsaft, vor allem zuckergesüßten
Säften, zur Prävention von Diabetes mellitus Typ 2 (DMT 2) zu bevorzugen“,
schließt Franziska Lumpp aus den Ergebnissen ihrer Arbeit. Die
diabetesbezogenen Kosten liegen derzeit bei sieben Milliarden Euro pro
Jahr weltweit und verzeichnen damit genau wie die Diabetes-Prävalenz von
9,3 Prozent unter den 20-79-Jährigen einen steigenden Trend. Diese Zahlen
deuten neben der leidenden Lebensqualität der Betroffenen auf einen
dringenden Handlungsbedarf in diesem Feld sowohl in der Forschung als auch
in der Ernährungsbildung hin.

Nach einer systematischen Literaturrecherche schloss sie elf Studien in
ihre Auswertung ein, anhand derer sie ihre Hypothese untersuchte, die
besagt, dass der Konsum von Obst, nicht aber von Fruchtsaft, das Risiko
eines DMT 2 senke. Dabei kam Lumpp zu folgenden Ergebnissen: Eine hohe
Vitamin C-Konzentration habe einen risikoreduzierenden Einfluss auf die
Erkrankung.  Dagegen sei kein signifikanter Unterschied zwischen Obst- und
Fruchtsaftkonsum auf den Blutzuckerspiegel zu beobachten. Zudem erläutert
Frau Lumpp, dass es einen Hinweis auf einen geschlechterspezifischen
Einfluss verschiedener Obstsorten gäbe. So habe Obst aus gemäßigtem Klima
einen protektiven Effekt bei Frauen und tropische Früchte würden das
Risiko bei Männern erhöhen. Bei Fruchtsaft konnte sie einen Unterschied
zwischen verpacktem und frischem Saft herausfinden. Pro Portion verpacktem
Fruchtsaft erhöhe sich das Risiko an einem DMT 2 zu erkranken um 33
Prozent.

Den zu Unterschied zwischen dem Konsum von Obst und Fruchtsaft greift
Lumpp in der Diskussion ihrer Ergebnisse auf und bringt ihn in den
Zusammenhang mit höheren Gehalten an sekundären Pflanzenstoffen sowie
Ballaststoffen in ganzen Früchten. Da die Hypothese weder abgelehnt noch
bestätigt werden konnte, lautet das abschließende Fazit: „Weitere
Forschung ist notwendig!“

Ein kritisches Hinterfragen von Studien ist erforderlich

Dr. Silke Lichtenstein rundet die Veranstaltung mit der Erinnerung daran
ab, wie wichtig es sei, sich mit Ernährungsstudien differenziert
auseinander zu setzen Bei der Fülle unterschiedlichster Einflüsse auf die
Pathogenese ernährungsabhängiger Erkrankungen sei dies besonders wichtig,
so Dr. Lichtenstein. Abschließend ermutige sie, vordergründig Ernährung
als Potenzial zur Gesunderhaltung zu verstehen - wie anfangs gezeigt - und
die Rolle als Krankmacher adäquat, aber nicht überzubewerten. Auch, weil
die Reduktion von Ernährungsrisiken nicht zwangsläufig Gesundheit bedeute.
Gerade für die positiven Seiten seien Ernährungsforscher:innen doch die
besten Botschafter:innen und sehr viele Menschen seien heute mehr als
bereit dafür.

„Das war Women Power in der Wissenschaft“, bedankt sich Frau Jana Dreyer,
die durch das Programm führte, und weist bereits auf den nächsten Termin
der Dr. Rainer Wild-Stiftung, das „Heidelberger Ernährungsforum“ am 25.
und 26. März 2022, hin. Dr. Lichtenstein habe besonders die
wertschätzenden, lebhaften Diskussionen sowie das interdisziplinäre
Miteinander genossen und freue sich auf alle kommenden Veranstaltungen in
diesem Jahr. Ihre Eindrücke der heutigen Veranstaltung beschreibt sie
folgendermaßen: „Es ist ein Geschenk mit Ihnen am Bildschirm zu sitzen“.

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Kalt härten mit VIS und UV-A: Glasfaserverstärkte Leichtbaukomponenten ressourcenschonend herstellen

In den Branchen Mobilität, Transport und Bauwesen werden seit einigen
Jahren immer häufiger Leichtbaukomponenten eingesetzt, um Betriebskosten
zu senken und Energieaufwände zu reduzieren. Der Bedarf an großflächigen
Bauteilen aus Faserverbundkunststoffen (FVK) wächst daher ständig.
Konventionelle FVK erreichen ihre Endfestigkeit durch energieintensive
Wärmezufuhr. Hier setzt das Projekt »C³ – ColdCureComposites« unter
Leitung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT in Aachen
an. Ergebnis aus dem Projekt ist eine neue Produktionsanlage für ein
kalthärtendes Faserverbundhalbzeug, die den Produktionsprozess
beschleunigt und gleichzeitig Energie und Ressourcen einspart.

Sie besitzen ein hohes Potenzial für den Leichtbau, elektrische
Isolationseigenschaften und sind besonders korrosionsbeständig:
Faserverbundkunststoffe werden in vielen Industrien eingesetzt. Oft
handelt es sich um glasfaserverstärkte Duroplaste, aus denen zum Beispiel
Windradflügel, Rümpfe für Sportboote, Antennen-, Laternen- und
Oberleitungsmasten sowie Rohrsysteme hergestellt werden. Obwohl sie
vielfältig einsetzbar sind, haben duroplastische Kunststoffe allerdings
einige Nachteile bei der Verarbeitung.

C³ – ColdCureComposites: Gemeinsam forschen für effizientere FVK-
Produktion

Zusammen mit den Projektpartnern entwickelt das Aachener Fraunhofer IPT im
Projekt »C³ – ColdCureComposites« eine Produktionsanlage und die
dazugehörigen Fertigungsprozesse, um ein neues, kalthärtendes
Faserverbundhalbzeug aus Glasfasern herzustellen und weiterzuverarbeiten.
Sogenannte GFK-Towpregs, also vorimprägnierte Glasfaserbündel, können
durch verschiedene Lege- oder Wickelverfahren zur Herstellung von
Leichtbaustrukturen verwendet werden.

Das Konsortium von »C³ – ColdCureComposites« bildet die gesamte
Wertschöpfungskette für die Herstellung und Qualifizierung des neuen
Materials ab. Das Fraunhofer IPT und die beteiligten Unternehmen bündeln
ihre Expertise, um strahlenhärtende Kunststoffe herzustellen, individuelle
Bestrahlungsmodule und Produktionsanlagen auszulegen und zu fertigen sowie
FVK-Bauteile in unterschiedlichen Produktionsverfahren herzustellen.
Darüber hinaus prüfen und qualifizieren sie die Prozesse, Materialien und
Bauteile. Die Anlage, die im Projekt entstanden ist, ist einfach
skalierbar und kostengünstig in Betrieb zu nehmen. Damit ermöglicht sie
eine ressourcenschonende Produktion von GFK-Towpregs in größerem Maßstab.

Energieeinsparungen durch kalthärtende Harze

Bauteile aus konventionellen duroplastischen FVK müssen in großen
beheizten Druckkammern, sogenannten Autoklaven, ausgehärtet werden, um
optimale mechanische Eigenschaften zu erzielen. In der Produktion von
Leichtbaukomponenten ist dies zeitaufwändig und verursacht hohe Kosten.
Als Alternative zu konventionellen FVK, die ihre Endfestigkeit mittels
Wärmezufuhr erreichen, setzen die Projektpartner auf strahlenhärtende
Harze, die bei Raumtemperatur aushärten.

Durch eine kurzzeitige Bestrahlung mit Licht im sichtbaren (VIS) oder
UV-A-Spektrum mit hoher Energiedichte und geeigneter Wellenlänge härtet
das Material aus – der Energieaufwand und die Kosten reduzieren sich
erheblich, der Prozess ist einfach zu regeln. Bereits die einfache
Integration von UV-LEDs kann die Effizienz bestehender
Herstellungsprozesse deutlich verbessern und eignet sich auch für das
Nachrüsten bereits vorhandener automatisierter Produktionsanlagen.

Weiterer Vorteil: Neues Halbzeug ist ungekühlt lagerfähig

Einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber konventionellen FVK-
Halbzeugen mit Duroplastmatrix identifizierten die Forscherinnen und
Forscher: Duroplastische Halbzeuge müssen bei bis zu -18 °C gekühlt
gelagert werden, um ein vorzeitiges Vernetzen und Aushärten des Materials
zu verhindern. Das Halbzeug aus dem neuen Material muss stattdessen
lichtgeschützt lagern, erfordert aber keine ständige energieintensive
Kühlung. Durch die Verwendung lichtundurchlässiger Trägerfolien bei der
Herstellung der kalthärtenden GFK-Towpregs erreichen die Projektpartner
von »C³ – ColdCureComposites«, dass die Halbzeuge vor Gebrauch weniger
aufwändig gelagert werden können.

Wie gut es funktioniert, zeigen industrierelevante Demonstratorbauteile

Die Forscherinnen und Forscher untersuchen die Materialeigenschaften des
neuen Halbzeugs mithilfe mechanischer Prüfungen. Darüber hinaus erproben
sie im Legeverfahren, wie gut sich das neue Material weiterverarbeiten
lässt. Ein weiterer großer Schritt ist es, das entwickelte Material in
industriellen Testanwendungen einzusetzen und zu validieren. Das
hergestellte vorimprägnierte Faserverbundhalbzeug verwenden sie in
verschiedenen Demo-Bauteilen wie Platten und Rohren. Das Aushärten der
Towpregs geschieht, ähnlich wie bei Thermoplast-Tapes, direkt während der
Verarbeitung. Die Zykluszeiten verkürzen sich damit deutlich und die
Produktionskosten sinken.

Um zu gewährleisten, dass die strahlenhärtenden Towpregs und das
Matrixmaterial nach Projektende industriell vielfältig eingesetzt werden
können, evaluieren die Partner unterschiedliche Verarbeitungsmethoden, zum
Beispiel das automatisierte Tapelegen und Tapewickeln sowie den manuellen
Laminataufbau in offenen Werkzeugformen.

Zum Projekt »C³ – ColdCureComposites«

Das Projekt »C³ – ColdCureComposites« wird durch Mittel des Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 2014-2020 gefördert. Es läuft unter
dem Förderkennzeichen EFRE-0801148 von November 2019 bis Oktober 2022.

Beteiligte Forschungseinrichtungen und Industriepartner

- Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT, Aachen –
Konsortialführung, Spezifikation der geplanten Arbeiten,
Prozessentwicklung
- Boldt & Co. Vertriebs OHG, Wermelskirchen – Systempartner für die
Harzentwicklung
- Gluetec Industrieklebstoffe GmbH & Co. KG, Greußenheim (Bayern) –
Entwicklung und Herstellung von Industrieharzen
- Novacom Verstärkte Kunststoffe GmbH, Aachen – Demonstration und
Validierung
- Polyscale GmbH & Co. KG, Aachen – Systementwicklung zur Verarbeitung des
UV-härtenden Towpregs

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