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Netzwerk Herzchirurginnen fördert weiblichen Nachwuchs und initiiert praxisorientierte Seminare

Rund 64 Prozent der Medizinstudierenden sind heute weiblich. Um den jungen
Nachwuchs für das Fachgebiet der Herzchirurgie zu begeistern und junge
Kolleginnen in Fort- und Weiterbildung effektiv zu unterstützen, wurde
bereits 2020 das Netzwerk der Herzchirurginnen in der Deutschen
Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. gegründet.  Es
bietet Herzchirurginnen eine fundierte Plattform für den
themenübergreifenden Austausch, praxisorientierte Workshops und die
berufliche Interessenvertretung. Geleitet wird das Netzwerk von den drei
Herzchirurginnen und Initiatorinnen Prof. Dr. Sabine Bleiziffer;
Privatdozentin Dr. Gloria Färber und Prof. Dr. Claudia Schmidtke.

Das Thema Nachwuchs in der Herzchirurgie
Nahezu jedes medizinische Fachgebiet muss sich akut mit dem Thema
Nachwuchs auseinandersetzen. „Wer das Fachgebiet der Herzchirurgie wählt,
braucht einen langen Atem“, weiß Prof. Dr. Sabine Bleiziffer, eine der
Gründerinnen des Netzwerkes Herzchirurginnen. Die leitende Oberärztin
sieht in dem Netzwerk die Möglichkeit der gegenseitigen Hilfe und
Unterstützung. Die Netzwerkgründerinnen Bleiziffer, Färber und Schmidtke
werden regelmäßig Workshops für angehende und Herzchirurginnen anbieten
und ein Mentorinnen-Programm etablieren. Die Fragen des Nachwuchses sind
allerdings genderübergreifend: Weiterbildungschancen und Karriere, Work-
Life-Balance und familiengerechtes Arbeiten beschäftigen Frauen wie Männer
in der Herzchirurgie. „Wollen wir jedoch gerade Medizinstudentinnen und
junge Ärztinnen für das Fachgebiet gewinnen und Kolleginnen fördern,
brauchen wir dieses stabile und tragende Netzwerk“, betont die Führungs-
Trias. „Das bekommen wir auch gespiegelt und die Resonanz zeigt, dass wir
hier auf dem richtigen Weg sind.“ Schmidtke fügt hinzu: „Bedenken wir,
dass derzeit das Medizinstudium in nahezu 65 % von Frauen begonnen wird,
so muss die Herzchirurgie zukünftig für Ärztinnen attraktiver werden.“
Frauenanteil in der Herzchirurgie erhöhen – weiblichen Nachwuchs fördern
Einer im Netzwerk initiierten Umfrage zufolge sind im Bundesgebiet im
Fachgebiet der Herzchirurgie 34 Prozent der Fachkräfte Assistenzärztinnen,
28 Prozent Fachärztinnen und 12 Prozent Oberärztinnen. Nur ca. 10 Prozent
der Leitungspositionen innerhalb der Herzchirurgie sind mit Frauen
besetzt. In den 78 etablierten bundesweiten herzchirurgischen Einheiten
gibt es keine einzige Chefärztin. „Die Herzchirurgie ist ein absolut
spannendes und faszinierendes Fachgebiet“, betont Herzchirurgin
Bleiziffer. „Immerhin hat sich in den letzten 10 Jahren der Frauenanteil
verdoppelt. Es geht zwar schon in die richtige Richtung, aber es bleibt
noch viel zu tun. Das gilt übrigens auch für weitere chirurgische
Fachgebiete. Frauen machen gleich gute Arbeit auf dem Fachgebiet der
Herzchirurgie. Das ist unumstritten. Jetzt müssen wir weiter daran
arbeiten, dass Frauen im herzchirurgischen Fachgebiet ankommen und vor
allem bleiben.“

Auftaktveranstaltung der Praxisseminare:
Frauen trainieren Frauen in der Herzchirurgie
Erstmalig veranstaltete das Netzwerk der Herzchirurginnen das speziell auf
den weiblichen Nachwuchs in der Herzchirurgie ausgerichtete Seminar
Herzchirurgie-Praxis: Frauen trainieren Frauen. Im Langenbeck-Virchow-Haus
konnten zwölf Assistenzärztinnen in fortgeschrittener Weiterbildung und
junge Fachärztinnen die persönliche Weiterentwicklung der individuellen
herzchirurgischen Operationstechniken in Form von Hands-on-Übungen am
Schweineherz trainieren. Privatdozentin Dr. Gloria Färber verantwortet
dieses praktische Seminar: „Hier wurden sowohl verschiedene Anastomosen-
Techniken aus dem Bereich der koronaren Bypass-Chirurgie als auch
unterschiedliche Optionen zur Aorten- und AV-Klappen-Chirurgie individuell
zugeschnitten in Kleingruppen trainiert. Die praktischen Einheiten wurden
auf erfrischende Weise durch kurze Theorie-Parts und durch interaktives
Coaching rund um das Thema Soft-Skills, Karriere und Self-Marketing
ergänzt.“ Als weitere erfahrene und etablierte Herzchirurginnen
begleiteten Prof. Dr. med. Sabine Bleiziffer, Prof. Dr. med. Claudia
Schmidtke, Privatdozentin Dr. med. Julie Cleuziou und Dr. med. Jasmin
Hanke das Seminar als Referentinnen und Tutorinnen. Dr. med. Shirin
Mansouri und Sabine Schicke unterstützten mit Einblicken aus dem Bereich
Coaching, Karriere und Marketing. „Bereits beim ersten Seminar hätten wir
die dreifache Teilnehmerinnenzahl schulen können. Wir haben uns jedoch
bewusst für kleine Ausbildungseinheiten entschieden, die wir gezielt
trainieren können“, erklärt das Team des Netzwerk Herzchirurginnen.
„Weitere Workshops sind geplant, um den Anfragen gerecht zu werden.“

Für Frauen – das Netzwerk in der Herzchirurgie
Chancen-Gleichheit und Gleichbehandlung sollten im 21. Jahrhundert in
allen beruflichen Bereichen gegeben sein. Die Entscheidung sollte nach
Qualifikation und Qualität fallen. Im klinischen Umfeld zeigt sich oftmals
noch Verbesserungsbedarf, diesem will das Netzwerk der Herzchirurginnen
z.B. mit Workshops und Mentoring-Programmen begegnen. „Wir wollen gezielt
Ärztinnen fördern. Der Trainingseffekt in rein weiblichen Seminaren ist
deutlich höher. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt; die
Kommunikationsfähigkeit geschult“, sagt PD Dr. Gloria Färber, Beisitzerin
im Vorstand der DGTHG. Künftig soll das Mentorinnen-Programm Kolleginnen
noch individueller die Frauen in der Herzchirurgie begleiten. Ziel: Mehr
Frauen an den OP-Tisch zu bringen. Das Netzwerk will aber nicht nur die
chirurgischen Fähigkeiten fördern, sondern macht es sich darüber hinaus
zur Aufgabe, bei der Karriereplanung zu unterstützen,
Forschungsmöglichkeiten zu fördern und den Diskurs zum Thema Familie und
Beruf auf die berufspolitische Plattform der DGTHG zu heben. Dabei gehen
die gestandenen Herzchirurginnen den jungen Kolleginnen und Studierenden
mit positivem Beispiel voran. „Die Vereinbarung von Familie und Beruf ist
eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Thema ist zwar in der Politik
angekommen, dennoch braucht es Best Practice-Vorbilder und Ideen, wie
beispielsweise Forschung und Familie neben der klinischen Tätigkeit
Bestand haben können. Der Austausch von Erfahrungen und kreativen
Lösungsansätzen im Netzwerk soll jede Einzelne unterstützen“, so Prof. Dr.
Schmidtke. „Jede Kollegin ist uns herzlich willkommen, um ihre Erfahrungen
einzubringen, aber eben auch um Unterstützung zu erhalten“, so die
Herzchirurgin.

Heterogenität ist ein Erfolgsfaktor in der Arbeitswelt
Eine gesündere und arbeitsklimaverbessernde Gruppendynamik und eine
verbesserte Entscheidungsqualität gehen mit gemischten Teams einher. Dies
bestätigte das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW)/2017) und die
Unternehmensberatung McKinsey mit ihrer Studie „Diversity wins“ in
Kooperation mit der Allbright-Stiftung, die für 1039 Unternehmen in 15
Ländern durchgeführt wurde. Demnach ist Heterogenität ein Erfolgsfaktor in
der Arbeitswelt. Es lohnt sich also, geschlechtergerecht zu sein.
Arbeitsklima, Umgangston und Kommunikation sind laut dieser Studie
positiver.

DGTHG unterstützt das Netzwerk
„Als Netzwerk sind wir fest in der DGTHG etabliert“, sagen die
Fachärztinnen Bleiziffer, Färber und Schmidtke. „Hier erfahren wir die
Unterstützung, die notwendig ist, um unser Anliegen weiter voranzubringen:
Den weiblichen Nachwuchs im Fachgebiet Herzchirurgie qualitativ und
quantitativ zu stärken.“ Die Chirurgie im Allgemeinen ist bekannt als
Fachgebiet, das Mut und Forschungsdrang erfordert. Dies kann und wird sie
jetzt auch bei der Frauenförderung in der Herzchirurgie beweisen können –
und müssen.
Dabei betonen die etablierten Herzchirurginnen mit einem Augenzwinkern:
„Im Klinikalltag bilden wir natürlich auch Männer aus…!“

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Dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen entgegenwirken

Schnuppervorlesung zum Thema „Lean Hospital – Management aus der
Automobilindustrie für das Gesundheitswesen“ am 25. Februar 2022, um 17:00
Uhr.

„Das Gesundheits- und Sozialsystem steht neben Fachkräftemangel unter
zunehmendem Kostendruck“, weiß Prof. Dr. habil. Bernhard Elsner,
Studiengangsleiter im Weiterbildungs-Master Gesundheits- und
Sozialmanagement an der SRH Hochschule für Gesundheit, zu berichten. Eine
mögliche Lösung dieses Problems kommt, überraschenderweise, aus der
Automobilproduktion: das sogenannte „Lean Management“. Ursprünglich kam
diese, aus dem mittelalterlichen Handwerk in Japan entlehnte, Methode
erstmals in den 1960er Jahren bei der Firma Toyota zum Einsatz. Hierbei
wurde der Fokus auf menschengerechte Arbeit mit dem Ziel gerichtet, dass
Sicherheit, Gesundheit, Effizienz, geringe Losgrößen, kurze Durchlaufzeit,
geringe Lagerbestände, intelligente Automatisierung im Fokus stehen
sollten. Es zeigt sich in der Anwendung, dass die japanische
Automobilindustrie dadurch zeitweise um den Faktor 4 produktiver war als
die europäische oder amerikanische.

Mit dem Ziel der Personalgewinnung durch bessere Arbeitsbedingungen,
Kosten- und Zeiteinsparungen hat das Gesundheitswesen diesen Ansatz unter
der Bezeichnung Lean-Hospital-Ansatz adaptiert. Um Interessierten dieses
Thema näherzubringen, wird Prof. Dr. habil. Bernhard Elsner eine
kostenfreie Schnuppervorlesung im Rahmen des Themenjahres „365 Tage
Leidenschaft für Gesundheit“ zum Trend „Lean-Hospital-Management aus der
Automobilindustrie für das Gesundheitswesen“ am 25. Februar 2022 um 17:00
Uhr halten.

Erfolgreich zur Führungskraft
„Der sich beschleunigende soziale und demografische Wandel in unserer
Gesellschaft fordert hoch qualifizierte Expert:innen im Gesundheits- und
Sozialmanagement“, betont Prof. Dr. habil. Bernhard Elsner. Als
Studiengangsleiter des berufsbegleitenden Masters ist ihm bewusst, dass
gerade angehende Manager:innen im Gesundheits- und Sozialwesen flexibel
studieren müssen. Im Rahmen ihres 15-jährigen Bestehens hat sich die SRH
Hochschule für Gesundheit auf berufsbegleitende Studienmodelle
spezialisiert. „Aus diesem Grund können Studierende ihre Tätigkeit ideal
mit dem Studium und privaten Anforderungen vereinen. Auch die Möglichkeit,
diesen Master-Studiengang ohne Bachelor-Abschluss zu studieren, bildet
eine Realität ab, die sich an den Ansprüchen der angehenden Manager:innen
orientiert“, argumentiert Prof. Dr. habil. Claudia Luck-Sikorski,
Präsidentin der SRH Hochschule für Gesundheit.

Potenzielle Studierende können den Master-Studiengang Gesundheits- und
Sozialmanagement an drei Campus, in Gera, Hamburg und Leverkusen, der
Gesundheitshochschule der SRH studieren.

Wir haben Ihr Interesse geweckt?
Interessierte sind herzlich willkommen und melden sich bitte im Vorfeld
kostenfrei unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder direkt über die Webseite an.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/bernhard-elsner/

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Altersmediziner präsentieren Fünf-Punkte-Plan: „Wir wollen neue Konzepte und Strategien entwickeln“

Professor Rainer Wirth hat einiges vor im ersten Jahr als Präsident der
Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Er hat der Fachgesellschaft
einen Fünf-Punkte-Plan verordnet, um die Herausforderungen der Geriatrie
wissenschaftlich und politisch zu begleiten. „Neben der anhaltenden
Coronapandemie gibt es noch viele weitere Themen, die für alte und
hochaltrige Patienten relevant sind“, so Wirth, Direktor der Klinik für
Altersmedizin und Frührehabilitation am Marien Hospital Herne –
Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Dazu zählt: die
Behandlungsergebnisse von alterstraumatologischen Patienten durch die
strukturierte Zusammenarbeit mit Unfallchirurgen zu verbessern.

Zudem wird er nun zum dritten Mal in Folge den Jahreskongress der DGG
federführend mitorganisieren. Im Interview spricht er darüber, was ihn und
den Vorstand seit der Wahl im September beschäftigt hat, wo er politische
Maßnahmen für notwendig hält – und er spricht natürlich darüber, welche
Ziele die Fachgesellschaft mit Hilfe der aktiven Mitglieder in 2022
erreichen sollte.

Herr Professor Wirth, welche Aufgaben haben die ersten Wochen Ihrer
Präsidentschaft geprägt?

Im Wesentlichen ging es mit Hochdruck um den neuen Veranstaltungsort des
Gemeinschafts-Kongresses von Geriatern und Gerontologen. Was einfach
klingt, ist mit den Nebenwirkungen der Corona-Pandemie nicht ganz so
einfach. Die bereits zugesagten Räumlichkeiten der Universität in Halle
stehen uns wegen Baumaßnahmen in diesem Jahr nicht zur Verfügung, viele
alternativ angeschaute Orte entsprechen nicht dem, was wir brauchen. Nicht
zuletzt gab es oft auch Termin- und Interessenskollisionen mit bereits
parallel stattfindenden Medizinkongressen. Daher bedauere ich auch, dass
unser nun festgelegter Kongress-Termin mit der Jahrestagung der
Psychologen kollidiert. Aber an der Goethe-Universität in Frankfurt waren
die freien Zeiträume im September auch sehr begehrt und wir sind
letztendlich froh, dass wir nun vom 12. bis 15. September wieder einen
Präsenz-Kongress planen können. Und ich muss sagen: Ich freue mich richtig
darauf, in diesem Jahr viele Kollegen aller Wahrscheinlichkeit nach auch
wieder persönlich zu treffen.

Themen für den Kongress gibt es sicherlich genug?

Ganz sicher haben wir genug zu besprechen! Auf der wissenschaftlichen
Ebene ist sehr viel passiert in den vergangenen Jahren. Und ich kann
versprechen: Es geht nicht nur um Corona, sondern auch um die vielen
anderen Facetten der Geriatrie. Für das umfangreiche Programm, das wir
gerade planen, haben wir auch extra einen zusätzlichen Hörsaal angemietet.

Können Sie uns schon verraten, wen wir als Keynote-Speaker zu erwarten
haben?

Die einzelnen Keynote-Speaker geben wir erst später bekannt – es stehen
auch noch nicht alle final fest. Fest steht aber unsere Festrednerin: Ich
freue mich wirklich sehr, dass wir dafür Judith Campisi gewinnen konnten.
Sie ist eine renommierte amerikanische Alternsforscherin. Als Professorin
für Biogerontologie arbeitet sie am Buck Institute for Research on Aging
nördlich von San Francisco. Ich bin schon sehr gespannt auf ihren Vortrag
am ersten Kongress-Abend, in dem sie zu unserem Kongress-Motto Resilienz
und Vulnerabilität einen Bogen von der Grundlagenforschung bis hin zur
praktischen Anwendung spannen wird.

Wäre auch ein Hybrid-Kongress denkbar – also online wie vor Ort, sodass
möglichst viele Interessierte teilnehmen?

Wir haben uns darüber natürlich Gedanken gemacht. Aber finanziell wäre ein
Hybrid-Modell mit Präsenz und Online-Abbildung für uns aktuell nicht zu
stemmen. Sollte der medizinische Sektor im kommenden September wieder über
alle Maßen strapaziert sein durch die anhaltende Pandemie, werden wir das
komplette Programm als Online-Kongress stattfinden lassen. Derzeit gehen
wir aber zuversichtlich davon aus, dass wir uns alle in Frankfurt treffen
können – und den persönlichen Austausch halte ich obendrein auch für
wichtiger denn je.

Der Kongress ist eine große Aufgabe. Welche Ziele haben Sie sich darüber
hinaus für das erste Jahr Ihrer DGG-Präsidentschaft gesetzt?
cc
Als wissenschaftliche Fachgesellschaft ist es mir persönlich wichtig, dass
wir die vielen Facetten der Altersmedizin aktiv begleiten. Dafür habe ich
einen persönlichen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt und diesen als gemeinsame
Zielvorgabe mittlerweile auch mit dem Vorstand abgestimmt. Wichtig ist mir
klarzustellen: Die brennenden Themen unserer Fachgesellschaft können wir
nur im Team voranbringen – im Vorstand wie auch in den einzelnen
Arbeitsgruppen. Darauf baue ich.

Welche fünf Punkte – also Themen und Ziele – sind das genau?

Zuerst wollen wir jetzt die Arbeit der Arbeitsgruppen der DGG intensiver
fördern. Durch die Pandemie ist in den vergangenen Jahren zu viel liegen
geblieben. Professor Bauer hatte diese Aufgabe während seiner
Präsidentschaft bereits erkannt und wichtige Impulse im Sinne der AG-
Förderung gesetzt. Leider hat uns die Pandemie dann einen Strich durch die
Rechnung gemacht. Nun werden wir die AG-Sprecher und den neuen Vorstand
enger vernetzen. Dazu gibt es nun ein erstes Online-Treffen, wo wir
weitere Schritte verabreden möchten. Zudem sollen die Arbeitsgruppen auch
finanziell unterstützt werden – mit bis zu 2.000 Euro im Jahr. Der Betrag
kann für die inhaltliche Arbeit, Reisekosten oder auch für Gebühren von
Open-Access-Publikationen von AG-Projekten genutzt werden. Für
umfangreichere Forschungsprojekte wird auf Antrag auch mehr Geld zur
Verfügung gestellt. Auch gibt es ab sofort einen festen Ansprechpartner
für AG-Angelegenheiten im Vorstand. Dies ist der jeweilige Präsident-
elect, aktuell also Professor Gosch aus Nürnberg.

Wäre dann nicht auch eine Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses
sinnvoll?

Genau das haben wir vor und das bringt mich zum zweiten Punkt: Wir wollen
die Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsforum Geriatrie, das seit 2014
gezielt den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Geriatrie fördert, besser
mit unseren Aktivitäten verzahnen. Das Forum leistet wichtige Arbeit und
dafür brauchen wir auch einen fest verankerten Platz in unserer
Fachgesellschaft. Wie das genau aussehen kann, planen wir gerade mit dem
Vorstand des Wissenschaftsforums. Deren mit 1.000 Euro dotierter Bethesda-
Forschungspreis soll auch in diesem Jahr wieder im Rahmen unseres
Kongresses verliehen werden. Auch die Ausschreibungen für die Stipendien
zur Teilnahme an der EAMA, der European Academy for Medicine of Ageing,
gehen in die gleiche Richtung.
Mit der Nachwuchsförderung einher geht auch mein dritter Zielpunkt: Wir
wollen die Arbeitsstruktur der DGG effizienter gestalten. Manche
Mitglieder monieren, dass so manche Zuständigkeit nicht immer klar ist
oder die Wege zu Entscheidungen im Vorstand zu lang sind. Daher arbeiten
wir gerade daran, vorhandene Strukturen weiterzuentwickeln.

Abgesehen von den internen Zielen: Was hat sich die DGG politisch
vorgenommen?

Damit beschäftigen sich die letzten beiden Punkte unserer Agenda für
dieses Jahr: Wir werden die Ausgestaltung des geriatrischen Co-Managements
bei hüftgelenksnahen Frakturen genau beobachten. Hier sind Unfallchirurgen
seit vergangenem Jahr verpflichtet, mit Geriatern zusammenzuarbeiten. In
dem entsprechenden Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, dem G-BA,
sind nach unserer Ansicht noch nicht alle Punkte klar definiert. Hier geht
es nicht nur um Voraussetzungen für die entsprechende Abrechnung einer
Behandlung, sondern um ganz konkrete Einbeziehung des geriatrischen Know-
hows. Damit beschäftigt sich der fünfte und letzte Punkt unserer Ziele:
Wir wollen mit einer neuen, einheitlichen Zertifizierung die Grundlage und
einen Anreiz dafür schaffen, dass in Deutschland mehr
Alterstraumatologische Zentren mit denselben hohen Qualitätsstandards
eingerichtet werden. Grundsätzlich gilt für uns: Wir wollen neue Konzepte
und Strategien für die geriatrische Behandlung entwickeln und verbreiten.

Aber was genau stört Sie an den aktuellen Zertifizierungen?

Stören trifft es nicht ganz. Es ist vor allem nicht hilfreich beim Aufbau
und der Weiterentwicklung dieser Zentren, wenn es weiterhin
unterschiedliche Zulassungsverfahren gibt – derzeit eines über den
Bundesverband Geriatrie sowie eines über die DGU, die Deutsche
Gesellschaft für Unfallchirurgie. Zusammen mit beiden Einrichtungen
arbeitet die DGG nun an einer gemeinsamen Zertifizierung. Dies garantiert
einheitliche Standards, die Behandlung erfolgt bundesweit nach den immer
gleichen Kriterien und zudem können wir damit dann auch endlich ein
einheitliches, zentrales Datenregister aller Alterstrauma-Zentren schaffen
und geriatrisch relevante Inhalte dort integrieren.

In welchen Bereichen der wissenschaftlichen Praxis wünschen Sie sich denn
noch mehr Aktivität?

Das betrifft die wissenschaftliche Agenda unserer Hochschulen und ihrer
Lehrstühle. Wir können damit zufrieden sein, dass in den letzten Jahren
immer mehr Lehrstühle für Geriatrie eingerichtet worden sind. Nun muss es
diesen Lehrstühlen noch mehr gelingen, wichtige wissenschaftliche Impulse
in der Altersmedizin zu setzen. Die Konkurrenz ist groß, da sich
mittlerweile fast alle Fächer verstärkt mit dem Altern beschäftigen. Unser
Augenmerk als Fachgesellschaft liegt nun eher darauf, mehr junge Menschen
für die Altersmedizin und die wissenschaftliche Arbeit zu begeistern. Hier
könnten stellenweise sicher noch bessere Rahmenbedingungen geschaffen
werden, damit gerade ambitionierten Nachwuchswissenschaftlern eine
attraktives Arbeitsumfeld geboten wird, in dem sie forschen können und
eine gute klinisch geriatrische Ausbildung erhalten.

Sie haben also keine akuten Wünsche an die Geriatrie-Lehrstühle?

Doch, einen Wunsch hätte ich: Nämlich, dass sich möglichst viele aktiv am
Netzwerk Universitätsmedizin, kurz NUM, beteiligen. Diese neue Initiative
schafft eine einmalige Gelegenheit, die Arbeit der geriatrischen
Lehrstühle zu vernetzen und abzustimmen, wo dies sinnvoll und notwendig
ist. Von den Ergebnissen könnten wir in der Praxis und Forschung
profitieren.

Gibt es noch weitere Projekte, die Sie für Ihre Amtszeit ins Auge gefasst
haben?

Ja definitiv. Dies ist aber kein Punkt für ein Jahr, sondern eine Aufgabe,
die alle Präsidenten und Vorstände der DGG kontinuierlich begleitet hat
und auch mich weiter beschäftigen wird. Aus meiner Sicht ist durch die
aktuelle Zusatzbezeichnung Geriatrie unzureichend abgegrenzt, welche
inhaltlichen und formalen Voraussetzungen jemand mitbringen muss, um das
Fach Geriatrie in der Krankenversorgung zu vertreten. Zwar hatte die
Bundesärztekammer in ihrer letzten Musterweiterbildungsordnung von 2018
richtigerweise eingegrenzt, dass diese Zusatzbezeichnung Geriatrie nur von
Fachärzten für Innere Medizin, Neurologie, Allgemeinmedizin, Physikalische
und Rehabilitative Medizin oder Psychiatrie und Psychotherapie erworben
werden kann. Doch ist diese Musterweiterbildungsordnung in den
Landesärztekammern sehr unterschiedlich umgesetzt worden und in manchen
Kammerbezirken kann jeder Arzt und jede Ärztin aus jeder Fachdisziplin die
Zusatzbezeichnung Geriatrie erwerben und dann gegebenenfalls auch eine
solche Abteilung leiten.

Aber ist das im Sinne der Geriatrie überhaupt sachgerecht?

Das halte ich für alles andere als sachgerecht. Ich kann mir ehrlich
gesagt nicht vorstellen, wie ein Chirurg ein fundiertes
Multimedikationsmanagement betreiben soll, um nur eines von vielen
möglichen Beispielen zu nennen. Die Geriatrie braucht flächendeckend eine
höherwertige Qualifikation, wie zum Beispiel den Schwerpunkt in der
Inneren Medizin, den es in wenigen Bundesländern bereits gibt oder einen
eigenen Facharzt für Geriatrie. Mindestens muss aber der Inhalt der
aktuellen Musterweiterbildungsordnung flächendeckend umgesetzt werden.
Dieses Thema werden wir als Vorstand ebenfalls neu aufgreifen und eine
längerfristige Strategie für die Verbesserung der Situation entwickeln.

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Der Weg in die datengetriebene Zukunft leicht gemacht

Expert*Innen aus Praxis und Forschung entwickeln Werkzeug im Projekt
AnGeWaNt
„Die sogenannte Hybridisierung unterstützt die Wettbewerbsfähigkeit der
Betriebe und generiert mehr Wertschöpfung. Viele Unternehmen stehen vor
oft den gleichen Hürden in der Umsetzung,“ so Nicole Ottersböck,
wissenschaftliche Expertin des ifaa. Um diese zu meistern, ist in dem
Projekt AnGeWaNt ein Kit entstanden, das Unternehmen hilfreiche Werkzeuge,
Methoden und Hinweise an die Hand gibt. Modell in dem Forschungsprojekt
des BMBF stehen drei Unternehmen, die ihre Produkt-basierten
Geschäftsmodelle um digitale Dienste erweitert haben. Hier geht´s zum
Download: https://www.angewant.de/transferkit/

Was kann das sogenannte Transfer-Kit? Drei ausgewählte
Anwendungsbeispiele:

1.      Geschäftsmodellentwicklung –  aber wie?
Seit Jahrzehnten verkaufen die Betriebe in AnGeWaNt physische Produkte,
wie eichfähige Waagen, Nutzfahrzeuge oder Anbauteile für Nutzfahrzeuge.
Digitale, hybride Geschäftsmodelle daraus abzuleiten, erfordert einen
Blick über den Tellerrand. Unterschiedliche Herangehensweisen können bei
der Geschäftsmodellentwicklung unterstützen.
Zum Beispiel:
Unternehmen nehmen die Perspektive der Kunden an:
Welche Bedarfe haben die Kunden? Daraus lassen sich Geschäftsmodelle
erweitern.
Welche technischen Möglichkeiten gibt es? Ausgehend von der technischen
Basis können Projektteams neue Ideen zur Hybridisierung entwickeln.

Drei Methoden der Geschäftsmodellentwicklung wurden im Projekt entwickelt
und getestet. Die Anleitungen zur Durchführung der Methoden können im
Transfer-Kit kostenfrei heruntergeladen werden. Eine Auswahlhilfe
beantwortet die Frage, welche Methode für welches Unternehmen passend ist.

2.      Sind meine Strukturen und Prozesse noch geeignet?
Wenn sich das Geschäftsmodell verändert und zusätzlich digitale Smart
Services angeboten werden sollen, sind dann bestehende Arbeitsabläufe und
Schnittstellen weiterhin die effizienteste Möglichkeit der
Aufgabenbearbeitung? Oder müssen neue Strukturen geschaffen werden? Das
Transfer-Kit unterstützt hier mit Methoden, die helfen alteingesessene
Prozesse auf den Prüfstand zu stellen und neu zu denken.

3.      Neue Aufgaben: Wer kann sie meistern? It´s all about Data!
Nahezu in allen Arbeitsbereichen entstehen neue Aufgaben und
Kompetenzanforderungen. Dazu gehören Aspekte wie die Sicherstellung der
Datenverfügbarkeit und des Datentransfers beispielsweise über
Webplattformen oder die Datenanalyse, um hilfreiche Informationen aus den
Daten gewinnen zu können. Das AnGeWaNt-Transfer-Kit enthält Methoden und
Instrumente zur Erfassung von Veränderungen, neuen Anforderungen an die
Belegschaft und gibt Hinweise wie neue Kompetenzen aufgebaut werden
können.
Hier gelangen Sie zum AnGeWaNt- Transfer-Kit
https://www.angewant.de/transferkit/
Im Frühjahr 2022 erscheint die AnGeWaNt-Broschüre. Diese dient Unternehmen
als Leitfaden zur Gestaltung hybrider Wertschöpfung.

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