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Mit 5G im OP - Hochschule Reutlingen beteiligt sich an deutsch- französischem Forschungsprojekt im Gesundheitswesen

Ziel des deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekts ist die Integration von 5G-Mobilfunknetzen in OP-Sälen  Hochschule Reutlingen
Ziel des deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekts ist die Integration von 5G-Mobilfunknetzen in OP-Sälen Hochschule Reutlingen

Das Werk150 der ESB Business School an der Hochschule Reutlingen ist Teil
eines deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekts in der
medizintechnischen Forschung. Ziel des Projekts aus Fraunhofer-Institut
für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, dem Institute of Image-
Guided Surgery Straßburg (IHU), der ESB Business School und Kliniken in
Straßburg, Mannheim und Berlin ist die Integration von 5G-Mobilfunknetzen
in OP-Sälen. Mit verschiedenen Anwendungen möchten die Forscherinnen und
Forscher so den Überlastungen und dem Fachkräftemangel im
Krankenhaussektor begegnen.

Die ESB Business School stellt im Rahmen des Forschungsprojekts eine
moderne Entwicklungsumgebung zur Verfügung, in der ein mobiler Roboter zur
Unterstützung von Operationen entwickelt werden soll.

Die Einführung von 5G-Mobilfunknetzen in Krankenhäusern sehen die
Forschungspartner als äußerst vorteilhaft an: Die Übermittlung und
Kommunikation patientenbezogener Daten kann damit beispielsweise
effizienter und sicherer vonstattengehen. Außerdem hat der Einsatz von 5G-
Technologien das Potenzial, in vielen Bereichen des Krankenhauses das
Personal zu entlasten und Prozesse abzusichern.

Im Werk150 der ESB Business School, das bereits im Rahmen anderer Projekte
eng mit dem Fraunhofer IPA zusammenarbeitet, soll künftig an einem mobilen
Roboter geforscht werden, der die Abläufe bei Operationen unterstützt und
vereinfacht. Ein möglicher Anwendungsfall wäre die Bereitstellung von
Instrumenten, die die Chirurginnen und Chirurgen bei Operationen
benötigen. Prof. Dr. techn. Daniel Palm, Leiter des Werk150, verweist auf
die Vorzüge der Forschungsumgebung an der ESB Business School: „Das
Werk150 ist als Entwicklungsumgebung für einen solchen Roboter
prädestiniert. Unser Team verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich
der mobilen Intralogistik.“
In vielen Wirtschaftsunternehmen kommen Roboter zur Teilebereitstellung
längst zum Einsatz – auch bei den Projekt- und Forschungspartnern der ESB
Business School. Das Team des Werk150 macht sich diese Erfahrung zunutze
und passt bewährte Technologien auf die besonders sensible OP-Umgebung an.

Professor Palm sieht bei der Entscheidung der deutsch-französischen
Forschungsinitiative für das Werk150 noch einen weiteren Vorteil: „Bereits
2020 haben wir im Werk150 ein 5G-Campusnetz implementiert. Wir können eine
extrem realitätsnahe Forschungsumgebung bieten und den Roboter unter genau
den Bedingungen entwickeln, unter denen er letztendlich zum Einsatz
kommt.“

An den anderen Forschungsstätten des Gemeinschaftsprojekts entstehen
ähnliche Anwendungen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI)
unterstützen diese das Krankenhauspersonal vorrangig bei der Erfassung von
Vitalparametern und bei der Interpretation von Diagnostikbildern. Außerdem
treibt das Projekt die Fortschritte im Bereich der Telechirurgie voran.

Die in den Forschungsumgebungen entwickelten Anwendungen werden im
Anschluss in realen Testumgebungen erprobt und zur Einsatzreife gebracht.
Dazu stehen OP-Säle in Mannheim, Straßburg und an der Charité Berlin zur
Verfügung. Die Laufzeit des Projekts beträgt drei Jahre. Gefördert wird es
vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und vom französischen
Wirtschafts- und Finanzministerium.

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Luzerner Theater, Macbeth von Giuseppe Verdi, Première, 22.1.22, besucht von Léonard Wüst

Macbeth Luzerner Theater Hrólfur Saemundsson und Koenige Foto Ingo Hoehn
Macbeth Luzerner Theater Hrólfur Saemundsson und Koenige Foto Ingo Hoehn

Produktionsteam und Besetzung:
Musikalische Leitung: Hossein Pishkar Regie: Wolfgang Nägele Bühne und Kostüme: Valentin Köhler Licht: David Hedinger-Wohnlich Musikalische Assistenz und Nachdirigat: Jesse Wong Dramaturgie: Johanna Mangold , Christine Cyris Choreinstudierung: Mark Daver

Hrólfur Sæmundsson (Macbeth) Christian Tschelebiew (Banco) Susanne Elmark (Lady Macbeth) Eyrún Unnarsdóttir (Dame der Lady Macbeth) Diego Silva (Macduff) Robert Maszl (Malcolm) Sebastià Peris (Arzt / Diener / Mörder / Herold) Luzerner Kantorei (Erscheinungen) Statisterie des Luzerner Theaters (Erscheinungen) Chor- und Extrachor des Luzerner Theaters Luzerner Sinfonieorchester

Uraufgeführt wurde die Oper am 14. März 1847 im Teatro della Pergola in Florenz,
eine revidierte Fassung wurde am 21. April 1865 im Théâtre-Lyrique in Paris uraufgeführt. Die Luzerner haben sich entschieden, eine Mischung der beiden grundsätzlichen Versionen zu Inszenieren. Dafür konnte die international gefeierte dänische Sopranistin Susanne Elmark gewonnen werden und als Macbeth der isländische Bariton Hrólfur Sæmundsson.

Ab Homepage des Luzerner Theater

Ist Macht ein Fluch oder Segen? Und ist Liebe zwischen zwei Menschen immer ein positives Gefühl?

Susanne Elmark  als Lady Macbeth Foto Lars Andreas
Susanne Elmark als Lady Macbeth Foto Lars Andreas

1847 schafft der 34-Jahre junge Giuseppe Verdi auf der Basis von William Shakespeares gleichnamigem Drama mit «Macbeth» ein musikdramatisches Werk, das eine skrupellose Welt vor Augen führt. Macbeth, dem von drei Hexen der Königstitel verheissen wurde, ermordet gemeinsam mit der Lady unter seinem eigenen Dach den König, um dessen Krone und Macht an sich zu reissen. Es ist eine Welt geprägt von Macht, Terror und Mord, in der zwei Menschen, um der Herrschaft willen herrschen wollen. Hier entscheiden Willkür und Zufall über Aufstieg und Fall von Königreichen, die Skrupellosen erzwingen die Gunst der Stunde mit Gewalt.

In der Rezeptionsgeschichte der Oper wird immer wieder betont, Verdi habe im «Macbeth» auf eine Liebesgeschichte verzichtet. Für Regisseur Wolfang Nägele sind Macbeth und die Lady durch eine mächtige Liebe miteinander verbunden, die zum Katalysator der destruktiven Kräfte wird. Realitätsverlust, Wahnvorstellungen und eine symbiotische Verschmelzung sind die Folgen, die musikalisch vor allem in der zweiten Fassung von 1865 übersetzt sind. Verdis Oper spricht mit voller Wucht zu uns und erzählt von der manischen Liebe eines Paares, das die gesamte politische Welt und die Menschen um sich herum mit in den Abgrund reisst.

Aufschrei von Feministinnen zu befürchten?

Hrólfur Sæmundsson als Macbeth Symbolfoto
Hrólfur Sæmundsson als Macbeth Symbolfoto

Entgegen dem Weiblichkeitstrend, manchmal Wahn gar «Gschtürm» präsentiert das LT eine Oper, die fast ohne weibliche Stimmen auskommt, klammert man die überragende dänische Sopranistin und die Chorstimmen mal aus. Die Hexen betrachte ich hier geschlechtsneutral  als Sache, also das Hexe, plural die Hexen, da ich den Shitstorm nicht erleben möchte, wenn ich die dem weiblichen Geschlecht zuordnen würde. Obwohl sie ja in sämtlichen Märchen, siehe z.B. «Hänsel und Gretel», gendergerecht «Gretel und Hänsel», weiblichen Geschlechts sind.

Grundsätzliches zu Verdis Macbeth

Verdi wollte mit Macbeth die Tradition des «Bel canto» hinter sich lassen, wurde dafür von der Kritik als «Totengräber des italienischen bel canto» und Stimmenvernichter bezeichnet, das konnte aber den grossen Zuspruch des Publikums nicht bremsen. Verdi überarbeitete aber die erste Version, fügte mehr Chorsequenzen hinzu.

Eyrún Unnarsdóttir Dame der Lady Macbeth
Eyrún Unnarsdóttir Dame der Lady Macbeth

Die auf Shakespeare zurückgehende Schauergeschichte um das machthungrige Ehepaar Macbeth, das, durch Weissagungen ermutigt, den schottischen König und weitere Adlige umbringt, um selbst den Thron zu besteigen, interpretiert Hossein Pishkar mit einer an Alfred Hitchcock erinnernden Berechnung. Leichtigkeit und sogar Witz bilden hier die Grundlage für grauenerregende Akzente seines analytischen Dirigats.
Hrólfur Sæmundsson in der Titelrolle ist mit jeder Faser seines Körpers Macbeth: in den kantablen Momenten und in den dramatischen. Er ist ohne Zweifel ein überragender Bariton, sowohl die Stimmkultur betreffend als auch die Intelligenz seiner Interpretation. Seine Arie “Pietà, rispetto, amore” gehört zu den Stücken, die man sich wieder und wieder anhören möchte – er gibt dieser Musik, die oft zu Reißern verkommen ist, Bedeutung und Noblesse. Susanne Elmark beherrscht die Rolle der Lady Macbeth. Sie hat Sinn für der Lady`s  dämonische Seite, besonders ihre Anrufung der Hölle im ersten Akt betreffend (“Or tutti sorgete”). Sie überzeugt gequält in der großen Nachtwandelszene. Großartig ebenso ihr “Trinklied” am Ende des zweiten Aktes. Das Premierenpublikum geizte nicht mit jeweiligem Szenenapplaus.

Postmoderne Klagemauer an der Plaza de Mayo

Macbeth Luzerner Theater Susanne Elmark als Lady Macbeth Foto Ingo Hoehn
Macbeth Luzerner Theater Susanne Elmark als Lady Macbeth Foto Ingo Hoehn

Neben einigen substantiellen, gar etwas vulgären  Einfällen zu Beginn, etwa der teilweise entblössten Darstellung des Königs und anderen Edelleuten ( mit Windeln bekleidet, an Rollator schreitend etc.) oder der zweiten “Erscheinung” in der Hexennacht, ist die Inszenierung von Wolfgang Nägele mit treffenden Symbolen «garniert»: Der sich teilweise aufrichtende Boden wird von den Schott*innen später als Pinwand genutzt, um die Fotos von Ermordeten und Verschollenen anzupinnen, eine postmoderne Klagemauer, vor der die schottischen Bürger*innen ihre Verluste, die Ermordung ihrer Führer beklagen, eine Szene, erinnernd an die argentinischen Mütter, die «Madres de Plaza de Mayo»,  die sich auf dem Platz vor dem Regierungsgebäude versammelten, um an den Verlust ihrer Männer und Kinder unter der Militärdiktatur zu erinnern und protestieren.  Bedrückend die düstere Gesamtwirkung der Bühne, wo sich trauernde, verloren wirkende Gestalten bewegten.

Der Baritonvulkan von der Feuerinsel und seine ebenfalls skandinavische Sopranistinnen Bühnenkollegin sangen  und spielten überragend

Macbeth Luzerner Theater_Hrólfur Saemundsson Susanne Elmark Foto Ingo Hoehn
Macbeth Luzerner Theater_Hrólfur Saemundsson Susanne Elmark Foto Ingo Hoehn

Der isländische Gastbariton Hrólfur Sæmundsson singt kräftig und dann fast lyrisch schwermütig. Susanne Elmark meistert mühelos und schnell den Wechsel von gurrenden Tiefen zu höchsten Tonlagen. Verdi ging es in dieser noch frühen Oper bereits schon weniger um Schöngesang, sondern um abgründige, oft expressive Effekte. Auch Diego Silva als Macduff überzeugte. Für Sängerinnen ist die Lady Macbeth eine besondere Rolle. Sie ist die einzige wirklich präsente Frauenrolle in diesem Werk. Und sie ist – seltenst für das 19. Jahrhundert – diejenige, die die Fäden zieht. Mal abgesehen von den Hexen als Schicksalsbild – gesungen von einem vielstimmig durchscheinend und verführerisch reinen Chor zum hervorragend plastisch musizierenden Luzerner Orchester unter Hossein Pishkar.

Chor des Luzerner Theaters
Chor des Luzerner Theaters

Aber zurück zu Elmark. Sie bestimmt die ersten beiden Akte. Vom grausamen Kalkül zum Machtrausch, den sie ins Psychotische kippen lässt. Ihre Stimme ist wahnsinnig vielsagend. Sie verfügt über ein beinahe gurrendes Vibrato in den Höhen, wenn sie bezirzt, ohne je schrill oder hart zu werden. Sie lässt die Koloraturen überschnappen wie ein Wahnsinn, der sich ankündigt. Sie sirrt und summt die Chorlinien mit, während des Festes im zweiten Akt und ist da psychisch eigentlich schon am Ende. Hrólfur Sæmundsson als Macbeth geht dazu den umgekehrten Weg. Die ersten beiden Akte ist er fahl im Gesicht und gesanglich noch etwas zurückhaltend. Lässt der Kraft der Frau allen Raum, den sie braucht, um derart zu beeindrucken. Später dann, im Duett mit einem in Höchstform agierenden Diego Silva  als Macduff, gibt er dem Macbeth mehr Profil. Aber so lange die Frau an seiner Seite ist, ist sie das Zentrum, politisch und strategisch.

Aussergewöhnlich beeindruckende Stimmen

Macbeth Luzerner Theater Szenenfoto von Foto Ingo Hoehn
Macbeth Luzerner Theater Szenenfoto von Foto Ingo Hoehn

Von den Stimmen an diesem außergewöhnlichen Premierenabend kann man nicht genug bekommen: Christian Tschelebiew muss als Banco mit edlem Bass viel zu früh sterben, und Robert Maszl kommt erst am Schluss als rächender Malcolm richtig zum Zug, wenn das ganze Imperium Macbeths in mächtigen Gefühlsausbrüchen untergeht. Zuvor hat sich Susanne Elmarks Lady in der Schlafwandel-Szene eher innig und verletzlich gezeigt und verschwindet fast nebenbei. Der Kommentar von Macbeth, “Was bedeutet schon ein Leben?” bekommt auf diese Weise großes Gewicht, genauso wie sein Schluss-Fluch auf “la vile Corona” – die “niederträchtige Krone” – besonders überzeugend wirkt. Hrólfur Sæmundsson singt auf diesem sehr hohen Niveau, begleitet vom Luzerner Sinfonieorchester in nicht enden wollender Perfektion. Die großen Chorszenen – von den Hexen bis zum gegen den Unterdrücker aufbegehrenden Volk – sind exzellent gearbeitet und schaffen Gänsehautmomente mit feinsten Nuancen und mächtigen Fortissimi. Das, mit Ausnahme eines hängenden Lichtervorhanges, gänzlich schwarz-düstere Bühnenbild ist perfekt auf die Musik abgestimmt.

Perfektion bis zum bitteren Ende

Robert Maszl als Malcolm
Robert Maszl als Malcolm

Auch im dritten Akt gelingt erneut ein optimales Zusammenspiel von Szene und Musik, wenn sowohl Macbeth, als auch der bereits gestorbene Banco und zuletzt die ekstatisch wirkende Lady Einblicke in ihr Seelenleben gewähren. Da entfaltet Verdis Musik eine faszinierende Kraft, auch  ganz ohne Gesang. Besonders berührend auch alle Szenen mit den Kinderdarstellern, die auch gesanglich glänzten.

Luzerner Sinfonieorchester
Luzerner Sinfonieorchester

Zu Macbeth allgemein  passt ein Zitat von Hannah Arendt:

«Macht aber besitzt eigentlich niemand, sie entsteht zwischen Menschen, wenn sie zusammen handeln, und verschwindet, sobald sie sich wieder zerstreuen.»

Fazit: Eine herausragende, trotz der sehr düsteren Shakespearegeschichte, strahlende Galavorstellung der Protagonisten, die das Premierenpublikum restlos begeisterte, und die von ebendiesem mit einer langanhaltenden «Stehenden Ovation» belohnt wurde.

Die Akteurinnen verdanken die Standing Ovation Foto Sandra Neumeister
Die Akteurinnen verdanken die Standing Ovation Foto Sandra Neumeister

 

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.luzernertheater.ch     Ingo Hoehn

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Ganztagsschule: Forschungsstand und Entwicklungsperspektiven in der Übersicht

Der Ausbau der Ganztagsschulen wird seit mehr als 15 Jahren in Deutschland
stark vorangetrieben. Ein weiterer Anstieg der Ganztagsangebote und ihrer
Nutzung ist zu erwarten, wenn ab 2026 der Rechtsanspruch auf ganztägige
Förderung für Grundschulkinder eingeführt wird. Die Entwicklung wurde und
wird von vielfältigen Forschungsarbeiten begleitet. Mehrere
wissenschaftliche Einrichtungen haben den Stand des so erarbeiteten
Wissens nun systematisch ausgewertet und in einer frei verfügbaren
Broschüre aufbereitet.

Die Autor*innen nehmen sechs Themenfelder in den Blick: 1.
Schulentwicklung und Lernkultur an Ganztagsschulen in Deutschland, 2.
Leitung und Steuerung im Ganztag, 3. Den Wandel mitgestalten:
Partizipation, Innovationsbereitschaft und die neue Rolle von Lehrkräften
an Ganztagsschulen, 4. Multiprofessionelle Kooperation, 5. Außerschulische
Akteure im Ganztag, 6. Individuelle Entwicklung von Schüler*innen –
Wirksamkeit von Ganztagsschule in Deutschland. Die Wissenschaftler*innen
fassen jeweils den Stand der Forschung zusammen. Dabei benennen sie
zentrale Erkenntnisse und weisen auf noch vorhandene Wissenslücken hin.
Die Broschüre bietet zudem in allen Kapiteln eine Liste der ausgewerteten
Literatur und der in diesem Zusammenhang relevanten Forschungsprojekte.

„Ziel der jetzt veröffentlichten Forschungsbilanz ist, das vorhandene
Wissen festzuhalten und Impulse für weitere wissenschaftliche Arbeiten
sowie für gezielte Fördermaßnahmen zu geben. Zugleich sollen alle, die
sich vor Ort in der ganztägigen Bildung und Betreuung engagieren, von den
Fachkenntnissen profitieren. Für diesen Wissenstransfer wurde die
Broschüre anschaulich aufbereitet und jedes Kapitel mit konkreten
Handlungsempfehlungen versehen“, erläutert Prof. Dr. Kai Maaz,
Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für
Bildungsforschung und Bildungsinformation. Das Institut hat die Erstellung
der Handreichung koordiniert. Ebenfalls beteiligt waren das Deutsche
Jugendinstitut, das Institut für Schulentwicklungsforschung an der
Technischen Universität Dortmund, die Justus-Liebig-Universität Gießen,
die Pädagogische Hochschule Freiburg und die Universität Kassel. Die
Arbeiten wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Systematisches Vorgehen, verdichtete Kernbefunde

Die Handreichung bezieht sich auf veröffentlichte Ergebnisse aus
Forschungsprojekten und Studien, die seit Beginn des Investitionsprogramms
„Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) im Jahr 2003 durchgeführt wurden.
Das IZBB bildete quasi den Startpunkt für den verstärkten Ausbau von
Ganztagsschulen in Deutschland. Der Untersuchungszeitraum endet mit dem
Abschluss der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) im Jahr
2019, der größten mit diesen Fragen befassten Untersuchung. Für die Suche
nach relevanten Veröffentlichungen nutzte das wissenschaftliche Team die
wichtigsten Forschungsdatenbanken der Erziehungswissenschaft, der
Psychologie und der Soziologie. Kriterien für die Aufnahme in die
Übersicht waren der Bezug zu den thematischen Aspekten des Ganztags sowie
die Qualität des Forschungsdesigns und der Datenanalyse.

Das Abschlusskapitel der Broschüre verdichtet noch einmal die Kernbefunde
der Forschung und die Schlussfolgerungen für die Praxis und die
Wissenschaft. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass sich qualitativ
hochwertige außerunterrichtliche Angebote positiv auf die Motivation, das
Wohlbefinden und letztlich auch die Notenentwicklung der Kinder und
Jugendlichen auswirken können. Klar wird aber auch, dass viele Fragen noch
nicht ausreichend geklärt sind und Potenzial für weitere Forschung bieten.
Zu klären ist etwa, wie der gesamte Sozialraum eines
Ganztagsschulstandorts stärker in Entwicklungen einbezogen werden kann und
wie sich weitere Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Kindern und
Jugendlichen erschließen lassen.

•       Die gesamte Broschüre zum Forschungstand finden Sie hier:

<www.dipf.de/de/forschung/pdf-forschung/steubis/gts-bilanz_broschuere>

•       Weitere Angaben zu dem Projekt, in dessen Rahmen die Broschüre
erstellt wurde, finden Sie hier:

<www.empirische-bildungsforschung-bmbf.de/de/3046.php>

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Weltkrebstag 2022: Versorgungslücken schließen – auch in Pandemiezeiten

In den letzten zwei Jahren der COVID-19-Pandemie ist sehr deutlich
geworden, wie herausfordernd es ist, das gewohnte Spektrum einer
exzellenten ambulanten und stationären Versorgung von Patient*innen mit
Krebserkrankungen zu gewährleisten.

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. hat seit Beginn der COVID-19-Pandemie als „Stimme der Onkologie“ die
Sicherstellung der Versorgung wesentlich befördert, beispielsweise durch
die Erstellung von Handlungsempfehlungen und Leitlinien und darüber hinaus
durch eine intensive Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen
medizinischen Fachgesellschaften und Patientenorganisationen wie das Haus
der Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband e. V.

Was ist das langfristige Ziel? Ziel muss es sein, eine exzellente
Versorgung für alle Patient*innen – unabhängig von geographischem
Standort, Schulabschluss, Ausbildung, Einkommen, Ethnizität, Geschlecht,
sexueller Orientierung, Alter, Behinderung, Lebensstil oder anderen
individuellen Faktoren sicherzustellen. Denn trotz beeindruckender
Fortschritte in der Krebsvorsorge, -diagnose und -behandlung stoßen
Menschen immer wieder an Grenzen der Versorgungsgerechtigkeit. Die auf
drei Jahre angelegte Kampagne ‚Close the care gap‘ widmet sich in jedem
Jahr einem spezifischen Fokus. Ziel des diesjährigen Weltkrebstages ist
es, die weiterhin bestehenden Versorgungslücken zu beschreiben und besser
verstehen zu lernen (‚realizing the problem‘). In den kommenden zwei
Jahren folgen ‚uniting our voices and taking action‘ und ‚together, we
challenge those in power‘. Die DGHO als wissenschaftliche medizinische
Fachgesellschaft ist dem Fortschritt verpflichtet und sieht es als eine
ihrer wesentlichen Aufgaben an sicherzustellen, dass Innovationen des
Fachgebiets rasch in die Regelversorgung von Patient*innen integriert und
dabei allen Betroffenen zugänglich gemacht werden. Insofern trägt die DGHO
das Anliegen des Weltkrebstages mit und möchte das Bewusstsein für das
Thema Versorgungslücken in der Breite wecken.

Versorgungslücken schließen: Durch effizienten Wissenstransfer

Die Hämatologie und Onkologie ist eine der innovativsten Fachdisziplinen
in der gesamten Medizin. Seit Jahren erlebt das Fachgebiet einen
dramatischen Wissenszuwachs. Dabei nehmen die Tiefe und der Detailgrad des
Wissens stetig zu. Die sich kontinuierlich ändernden Diagnostik- und
Therapiestandards müssen daher seitens der wissenschaftlichen
medizinischen Fachgesellschaften so aufbereitet und den ärztlichen
Kolleg*innen zur Verfügung gestellt werden, dass sie in ihrem klinischen
Alltag auf diese für die ihnen anvertrauten Patient*innen relevanten
Informationen zugreifen können. „Die rasche Integration von Innovationen –
besonders in der medikamentösen Therapie – in die flächendeckende
Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hämatologischen und
onkologischen Erkrankungen ist ein wichtiges Ziel, für dessen Realisierung
wir uns als wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaft einsetzen und
damit unseren Beitrag zum Fortschritt in der Krebsmedizin beitragen“,
erläutert Prof. Dr. med. Hermann Einsele, Geschäftsführender Vorsitzender
der DGHO und Direktor der Medizinischen Klinik II des
Universitätsklinikums Würzburg. Gemeinsam mit den Schwestergesellschaften
aus Österreich und der Schweiz sowie Kolleg*innen anderer Fachgebiete
definiert die DGHO mit den Onkopedia-Leitlinien den Stand des
medizinischen Wissens und setzt damit evidenzbasierte Medizin in aktuelle
Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie von hämatologischen und
onkologischen Erkrankungen um. „Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit
mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer und die zügige Aktualisierung
der Onkopedia-Leitlinien tragen wir dazu bei, dass möglichst viele
Patientinnen und Patienten von den modernen Behandlungsstrategien
profitieren können“, so Prof. Dr. med. Andreas Hochhaus, Vorsitzender der
DGHO und Direktor der Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie
des Universitätsklinikums Jena. „Wenn wir – entsprechend dem Motto des
Weltkrebstags – mögliche, bestehende Lücken in der Versorgung von
Patientinnen und Patienten schließen wollen, dann müssen wir durch eine
wissensgenerierende Versorgung evidenzbasierte, maßgeschneiderte und
patientenzentrierte Konzepte in der Prävention, Früherkennung, Therapie,
Rehabilitation und Nachsorge kontinuierlich weiterentwickeln und – wenn
nötig – anpassen“, ergänzt Einsele.

Gründung des Arbeitskreises Diversitäts- und Individualmedizin in der DGHO

Wissenschaftliche Studien, die im Rahmen der COVID-19-Pandemie
durchgeführt worden sind, konnten u. a. zeigen, dass zum Beispiel Faktoren
wie Geschlecht, Ethnie oder Alter einen wesentlichen Einfluss auf den
Erkrankungsverlauf von Patient*innen haben. Die Frage, ob und inwieweit
diese Einflussfaktoren auch bei hämatologischen und onkologischen
Erkrankungen von Relevanz sind, war einer der primären Fragestellungen des
im Jahr 2021 gegründeten DGHO-Arbeitskreises ‚Diversitäts- und
Individualmedizin‘ (AK DIM). „Wir brauchen dringend mehr Erkenntnisse zum
Einfluss von individuellen Faktoren auf den Verlauf, die Therapierbarkeit
und das Management von Krebserkrankungen“, betont Prof. Dr. med. Marie von
Lilienfeld-Toal vom Universitätsklinikum Jena und Vorsitzende des
Arbeitskreises. Für die DGHO hat dieser neue Fokus unmittelbare Relevanz
im Sinne der Erweiterung der wissenschaftlichen Perspektiven und der
Verbesserung der Versorgung von Patient*innen. Dabei umfassen individuelle
Aspekte beispielsweise zunächst biologische Faktoren wie Geschlecht,
Ethnie, Alter, Gewicht oder genetische Polymorphismen und darüber hinaus
sozioökonomische Faktoren wie Bildungsstand, Einkommen oder
Familienstatus. Diese sozioökonomischen Aspekte sollen hinsichtlich ihres
Einflusses auf die Biologie und den Verlauf hämatologischer und
onkologischer Erkrankungen sowie die Verträglichkeit und Steuerung von
entsprechenden Therapien näher untersucht werden. „Durch die Analyse der
Einflüsse von Diversitätsaspekten soll eine – im umfassenden Sinne –
individuelle Medizin in der Krebsheilkunde ermöglicht werden“, erläutert
Prof. Dr. med. Anne Letsch vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und
stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises. Dieser soll
projektbezogen arbeiten und vor allem als Plattform für wissenschaftliche
Kooperationen für die Erstellung von Meta-Analysen, Registern, klinischen
Studien und Leitlinienempfehlungen und durch Symposien,
Fortbildungsveranstaltungen und die Publikation von Artikeln die
Wahrnehmung dieses Themas sowohl in der Fach- als auch in der
Laienöffentlichkeit erhöhen. Mit Blick auf das Motto des diesjährigen
Weltkrebstages betont Prof. Dr. med. Monika Engelhardt vom
Universitätsklinikum Freiburg und Mitglied des Arbeitskreises: „‚Close the
gap‘ heißt für mich, die Schwerpunkte 2022 bis 2024 ‚realizing the
problem, uniting voices und challenging those in power‘ interdisziplinär
anzugehen und die Versorgung von Menschen mit Krebs zu verbessern. Hier
will der Arbeitskreis Individual- und Diversitätsmedizin der DGHO einen
Beitrag leisten.“

Was können wir aus der Pandemie lernen?

„Angesichts aktueller Zahlen, die auf einen möglichen Rückgang neu
diagnostizierter Krebserkrankungen seit Beginn der COVID-19-Pandemie
hinweisen, ist es notwendig, potenzielle Versorgungsdefizite in den Fokus
zu rücken“, so die Forderung von Hedy Kerek-Bodden, Vorsitzende Haus der
Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband e.V. Hinzukommen seitens der
Patient*innen sozioökonomische und individuelle Faktoren, die einen
optimalen Krankheitsverlauf negativ beeinflussen können, und die in der
Bundesrepublik Deutschland bisher zu wenig untersucht sind. Das Haus der
Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband e. V. unterstützt daher die angelaufene
Studie zu Krebs und Armut des OECI (Organisation of European Cancer
Institutes). Auch in diesem Sinne ist das Motto des Weltkrebstages 2022
‚Close the care gap‘ – also Versorgungslücken schließen – zu
interpretieren.

Die aktuelle SARS-CoV-2-Pandemie hat den Einfluss beispielsweise
ethnischer und sozioökonomischer Faktoren auf die Ausprägung von
Infektionserkrankungen unterstrichen, und zahlreiche wissenschaftliche
Untersuchungen konnten den signifikanten Einfluss von Geschlecht,
sozioökonomischen und ethnischen Faktoren auf das SARS-
CoV-2-Infektionsrisiko und die COVID-19-Erkrankungsschwere in multiplen
Bevölkerungsgruppen zeigen. Insbesondere äußert sich dies in einem
ungünstigeren Verlauf bei Erkrankten männlichen Geschlechts sowie bei
Menschen mit einem geringen sozioökonomischen Status. Übertragen auf
Krebserkrankungen liegen Daten aus Deutschland vor, die einen Zusammenhang
zwischen sozioökonomischer Benachteiligung und der Entwicklung von
Krebserkrankungen zeigen. „Um diese Determinanten besser zu verstehen und
moderne Diagnostik, innovative Therapien und umfassende unterstützende
Angebote an die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen, sind
weitere Untersuchungen dringend erforderlich“, betont Einsele.

Klinische Studien: Essenziell für den medizinischen Fortschritt

Um den Einfluss von Diversitätsaspekten systematisch zu evaluieren, sind
klinische Studien unabdingbar. In Studien zur Arzneimittelzulassung werden
zum Teil unter dem Oberbegriff ‚spezielle Populationen‘ bereits bestimmte
Gruppen von Patient*innen getrennt analysiert. Meist erfolgt dabei eine
Differenzierung hinsichtlich Alter, Geschlecht, ethnischer Subgruppen und
medizinischer Faktoren wie beispielsweise eingeschränkter Leber- oder
Nierenfunktion. Allerdings bestehen weiterhin große Lücken, so z. B. bei
Erkenntnissen zu älteren Patient*innen, die seltener in klinische Studien
eingeschlossen werden. Auch gibt es noch keinen Konsens über die
notwendigen Daten für ethnische Subgruppen. Die fehlende Repräsentation
von entsprechenden Kohorten in klinischen Studien ist in der
wissenschaftlichen Literatur wiederholt beschrieben worden. Der
International Council for Harmonisation of Technical Requirements for
Pharmaceuticals for Human Use (ICH) hat zu einigen Themen Richtlinien
formuliert, die in der Arzneimittelprüfung Anwendung finden sollen. Oft
gelten allerdings noch immer Ausschlusskriterien, z. B. orientiert an das
kalendarische Alter, und funktionelle Kriterien werden kaum
berücksichtigt. Dabei wächst das Bewusstsein zunehmend, dass die Prüfung
von Arzneimitteln allein an eng definierten Populationen (kaukasisch,
mittleres Alter etc.) nicht ausreicht, und damit auch die Intention, hier
intensiviert Forschung zu betreiben. Eine wichtige Forderung des
Arbeitskreises DIM der DGHO ist daher die Analyse bestehender Daten zur
Aufdeckung bisher nicht erkannter Einflüsse diverser Subgruppen, die
Entwicklung adäquater Untersuchungsmethoden und die Definition
einheitlicher Qualitätsanforderungen für entsprechende Studien.

Klinische Studien: Das Thema der diesjährigen DGHO-Frühjahrstagung

Im Zentrum der diesjährigen virtuellen Frühjahrstagung der DGHO (16.
Februar, 9. und 30. März 2022) steht der Austausch über die
Herausforderungen, die mit der Konzeption, Durchführung und Interpretation
klinischer Studien einhergehen. Die virtuelle Frühjahrstagung bietet somit
ein ideales Forum, um Aspekte der Diversitäts- und Individualmedizin in
der Hämatologie und Onkologie zu adressieren. PD Dr. med. Annamaria Brioli
vom Universitätsklinikum Greifswald und Gründungsmitglied des
Arbeitskreises DIM präzisiert zu dem Thema klinische Studien und
Versorgungslücken: „Wenn wir die Themen des Weltkrebstages 2022 bis 2024
konkret denken, heißt das zunächst, ein Bewusstsein für bestehende
Versorgungslücken zu schaffen. Im weiteren Schritt (‚uniting our voices
and taking action‘) bedeutet es, dass auch Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler aufgerufen sind, marginalisierte Personengruppen in
klinische Studien zu integrieren und klinische Forschung damit so zu
gestalten, dass sie für alle Bevölkerungsgruppen offen ist. Schließlich
meint ‚together, we challenge those in power‘, dass alle Menschen mit
Krebs sowohl in Forschung als auch in der Versorgung bestmöglich
berücksichtigt werden.“

Krebserkrankungen nehmen kontinuierlich zu

Die Prävalenz von Krebserkrankungen nimmt kontinuierlich zu. Dies wird vor
allem durch die demografische Entwicklung und die damit einhergehende
steigende Lebenserwartung der Bevölkerung mit höherer Wahrscheinlichkeit
an Krebs zu erkranken erklärt. Auch ein verstärktes Screening sowie
verbesserte Diagnosemethoden tragen dazu bei, Krebserkrankungen
frühzeitiger zu erkennen. „Nicht zuletzt haben sich in den vergangenen
Jahren und Jahrzehnten aber vor allem auch die
Überlebenswahrscheinlichkeiten im Falle von Krebserkrankungen verbessert,
wodurch sich die Zahl der Patientinnen und Patienten weiter erhöht“,
betont Hochhaus. Ende 2017 lebten in der Bundesrepublik Deutschland mit
4,65 Millionen mehr Menschen als je zuvor mit der Diagnose Krebs. Aktuelle
Daten vom November 2021 zeigten nach Bereinigung um demografische
Einflüsse zudem einen leichten Rückgang der Krebssterblichkeit. Ein
Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Krebssterblichkeit lässt sich somit
in Deutschland derzeit nicht nachweisen. Allerdings ist mit sichtbaren
Auswirkungen von Pandemiemaßnahmen auf Krebserkrankungen, insbesondere auf
die krebsbedingte Sterblichkeit, zu rechnen. Diese erfreuliche Entwicklung
ist größtenteils den konkreten Umsetzungen neuer wissenschaftlicher
Erkenntnisse durch die Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen zu verdanken.
‚Close the care gap‘ kann somit auch als Aufforderung verstanden werden,
mehr Bewusstsein für Ungleichheiten im Gesundheitssystem zu schaffen – und
zwar sowohl auf der Ebene der Patient*innen als auch auf der Ebene der
Mitarbeitenden. So stellt die Care-Arbeit in einem Großteil der Welt trotz
ihrer Notwendigkeit und ‚Systemrelevanz‘ einen Niedriglohnsektor dar, in
welchem überwiegend Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen
arbeiten.

Auch hier gilt es, Versorgungslücken zu schließen, denn eine zeitgemäße
Betreuung von Menschen mit Krebserkrankungen braucht ein gesundes,
kompetentes und ausgeruhtes Personal. Dass es genau hieran mangelt, konnte
in den letzten Monaten deutschlandweit flächendeckend beobachtet werden.
Hier sind dringend – auch seitens des Gesetzgebers – adäquate
Gegenmaßnahmen erforderlich.

Über die DGHO

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 3.800 Mitglieder,
die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer
Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und
Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der
Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und
Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement
fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen
und Patienten im Fachgebiet. In mehr als 30 Themen-zentrierten
Arbeitskreisen engagieren sich die Mitglieder für die Weiterentwicklung
der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie.
Informationen unter: https://www.dgho.de

Über das HKSH-BV

Das Haus der Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband e.V. (HKSH-BV) wurde 2015
gegründet und vereint zehn bundesweit organisierte Krebs-
Selbsthilfeverbände mit etwa 1.500 Selbsthilfegruppen. Sie decken die
Krebserkrankungen von ca. 80 Prozent aller von Krebs betroffenen Menschen
in Deutschland ab. Das HKSH-BV vertritt bei Interessen von gemeinsamer
Bedeutung seine Mitgliedsverbände national und international gegenüber
Entscheidern in der Gesundheitspolitik. Das HKSH-BV ist gemeinnützig und
wird umfassend von der Stiftung Deutsche Krebshilfe gefördert. Es ist
unabhängig von Interessen und finanziellen Mitteln der Pharmaindustrie und
anderer Wirtschaftsunternehmen des Gesundheitswesens.
Informationen unter: https://www.hausderkrebsselbsthilfe.de/

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