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TU Berlin: Die Hochschule als Vorbild - Wege hin zum klimaneutralen und nachhaltigen Campus

Online-Abschluss der Ringvorlesung zum Klimaschutz im Wintersemester
2021/22 am 7. Februar 2022

Hochschulen haben nicht nur die Aufgabe, Klimagerechtigkeit in Forschung
und Lehre stärker zu berücksichtigen, sie tragen auch als Institutionen
eine zentrale Verantwortung. Ziel sollte es daher sein, auch den Campus
nachhaltig und klimaneutral zu gestalten. Während Vorreiter-Universitäten
wie die Leuphana Universität Lüneburg schon in vielen Bereichen konkrete
Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität erarbeitet und umgesetzt
haben, entwickeln viele andere Universitäten derzeit ihre Klimaschutz-
Strategien. Dies ist deswegen sehr herausfordernd, da unterschiedliche
Handlungsfelder, wie z.B. das Gebäudedesign und -management, die Mobilität
der Beschäftigten und Studierenden, die Verpflegungsangebote auf dem
Campus und die Beschaffung, adressiert werden müssen. Dafür bedarf es auch
struktureller Veränderungen.

In der Abschlussveranstaltung der Klima-Ringvorlesung an der TU Berlin
steht der Austausch über wirksame Strategien hin zu einem klimaneutralen
und nachhaltigen Campus im Mittelpunkt. Neben der TU Berlin bringen
Vertreter*innen der Leuphana Universität Lüneburg und der Freien
Universität Berlin ihre Erfahrungen mit erfolgreichen Maßnahmen für einen
klimaneutralen Campus und bestehenden Herausforderungen ein.

Interessierte sind herzlich zum Zuhören und Mitdiskutieren eingeladen:

Zeit: Montag, 7. Februar 2022, 16.15 bis 17.45 Uhr

Ort: Die Veranstaltung wird als Zoom-Konferenz durchgeführt und die
Aufzeichnung später auf dem YouTube-Kanal der TU Berlin
(<https://www.youtube.com/user/TUBerlinTV>) zur Verfügung gestellt.

Bitte melden Sie sich für eine Teilnahme an der Online-Veranstaltung bei
Anastasia Siebenmorgen an (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.in.de). Sie
erhalten dann den Zoom-Link zur Veranstaltung per E-Mail.

Podiumsteilnehmer*innen:

Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß, Vizepräsident der TU Berlin
Barbara Münch, Leiterin des Referats Energiemanagement der TU Berlin
Marianne Walther von Loebenstein, Leiterin Sicherheitstechnische Dienste
und Umweltschutz der TU Berlin
Finn Schweden, Studentische Vereinigung Fridays for Future an der TU
Berlin
Jana Judisch, Leitung Unternehmenskommunikation des StudierendenWERKs
BERLIN
Andreas Wanke, Leiter der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie der FU
Berlin

Irmhild Brüggen, Beauftragte für Nachhaltigkeit der Leuphana Universität
Lüneburg

Moderation: Dr. Gabriele Wendorf, Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrats der
TU Berlin

Bitte melden Sie sich für eine Teilnahme an der Online-Veranstaltung bei
Anastasia Siebenmorgen an (<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.lin.de>). Sie
erhalten dann den Zoom-Link zur Veranstaltung per E-Mail.

Weitere Informationen:
<https://www.tu-
berlin.de/ztg/menue/scientists4future/tu_berlin_for_future_ringvorlesung_ws_2122/>

Das Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin organisiert
gemeinsam mit dem Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger Konsum
sowie Student*innen von Fridays for Future an der TU Berlin auch im
Wintersemester 2021/22 die TU-Ringvorlesung zum Klimaschutz. Die Online-
Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei.

  • Aufrufe: 29

Steigender digitaler Medienkonsum von Kindern – Gefahren, gesundheitliche Folgen, Lösungsvorschläge und Perspektiven

Medienkonsum und Digitalisierung bekamen mit Homeschooling und Homeoffice
eine völlig neue Dimension. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Stephan Degle
und Dr. Michaela Friedrich im Fachgebiet Augenoptik, Optometrie und Vision
Science der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) Jena wertete aktuelle
Datenerhebungen zu Nutzungszeiten sowie Studien zum Medienkonsum von
Kindern aus. Der Fokus lag auf den gesundheitlichen Auswirkungen – hier
insbesondere auf den Augen und dem Sehen. Ausgewählte Grundlagen,
Zusammenhänge und empirische Erkenntnisse sind nachfolgend dargestellt.

Aufgrund der pandemiebedingten, politischen Maßnahmen bestimmen digitale
Medien seit über zwei Jahren bei vielen Erwachsenen die Arbeit und ihre
Freizeit. 2021 stieg die tägliche Nutzung von Massenmedien bei den 14- bis
69-Jährigen auf 10,5 h täglich. Werden digitale Medien wie E-Mails,
Nachrichten und Telefonate der Individualkommunikation dazugezählt, sind
das im Durchschnitt 13 h täglich (Media Activity Guide von SevenOne
Media). Demzufolge sind wir fast den ganzen Tag „digital unterwegs“ und
selbst die Ruhe- und Schlafenszeiten sind davon betroffen. Und das ist
„normal“ für uns. Aber nicht nur bei den Erwachsenen haben die
Nutzungszeiten von Smartphone, Tablet und PC stark zugenommen - besonders
bei immer jüngeren Kindern sind steigende Nutzungszeiten zu verzeichnen.
Fakt ist: Erwachsene, Jugendliche und Kinder nutzen digitale Endgeräte in
einem bisher nicht dagewesenen Ausmaß!

Mittlerweile haben die Bundesländer Mittel zur Anschaffung von Geräten
bereitgestellt. Es ist also politisch gewollt, dass Kinder auch digital
beschult werden. Allerdings sind die finanziellen Mittel i. d. R.
ausschließlich für den Kauf von Hardware, nicht aber für Konzepte für
einen sinnvollen Umgang mit digitalen Medien. Darüber hinaus wird der
private Umgang mit digitalen Medien in Deutschland grundsätzlich nicht
reglementiert, aber der soziale Umgang in der Pandemie Situation, z. B.
durch Kontaktverbote. Auf Verstoß gegen die Maßnahmen gibt es Strafen und
Bußgelder. Jedoch gibt es kein Gesetz, was den täglichen Umgang mit
digitalen Medien für Kinder vorschreibt. Damit können auch beispielsweise
übermäßige Nutzungszeiten nicht als Ordnungswidrigkeit o. ä. verfolgt
werden. Auf der einen Seite ermöglicht die Digitalisierung die Vermittlung
von Wissen, wo Präsenzunterricht untersagt oder Quarantäne angeordnet
wird. Außerdem ermöglichen digitale Medien den Austausch von Menschen,
auch ohne reale Kontakte. Diesen Vorteilen stehen aber auf der anderen
Seite negative Effekte gegenüber - die Auswirkungen von Homeschooling und
sozial Media. In der WHO-Studie „Health Behaviour in Schoolaged Children
(HBSC)“ wurden die Auswirkungen deutlich: Je mehr Zeit die Jugendlichen
(ca. 5000 Schulkinder) vor dem Bildschirm/Display verbrachten und je
häufiger sie soziale Medien nutzten, desto häufiger traten chronische
Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Schwindel auf. Als Ursachen dafür
werden eine schlechte Körperhaltung und/oder die Ermüdung der Augen
genannt.

Da wir die meisten Informationen mit den Augen aufnehmen, leiden unsere
Augen besonders an den Folgen des täglich, hohen digitalen Konsums. Denn
die menschlichen Augen sind nicht für dauerhaftes Nahsehen auf Bildschirme
und Displays ausgelegt. Sie werden durch den dauernden Blick in die Nähe
stark belastet. Diese Gefahren für die Augen bestehen selbst für
Erwachsene an Arbeitsplätzen, die nach aktuellem Stand „ergonomisch“
gestaltet sind und natürlich auch bei Kinderaugen. Hier haben viele Kinder
weder schulisch noch privat die Möglichkeiten einer Optimierung wie
Erwachsene. Umso mehr besteht Aufklärungsbedarf für einen sinnvollen zeit-
und inhaltsbedingten Umgang mit digitalen Medien bei Kindern und
Jugendlichen sowie den Aufbau von Medienkompetenz. Obwohl wir im digitalen
Zeitalter leben, ist Medienkompetenz nicht angeboren, sondern muss erlernt
werden. Dabei geht es nicht nur um die reine Nutzung der Geräte, denn
häufig ist die Bedienung mit dem Einfingersystem auch für kleinere Kinder
unkompliziert möglich und schnell erlernbar. Es geht um die Verwendung
digitaler Medien mit einem echten Nutzen zur Informationsbeschaffung und
einen kritischen Umgang mit Informationen zur eigenen Meinungsbildung.

Auswirkungen von Bewegungsmangel und dauerhafter Naharbeit

Durch intensive Mediennutzung können bei Kindern und Erwachsenen folgende
Symptome auftreten und Störungen entstehen:
-          visuelle Störungen, z. B. Beeinträchtigungen des beidäugigen
Sehens
-          systemische Störungen, z. B. Kopfschmerzen
-          physische Störungen, z. B. Nacken-Schulter-Schmerzen
-          psychische Störungen, z. B. Abhängigkeit

Dr. Michaela Friedrich: „Leider spielen die Kinder heutzutage deutlich
weniger draußen als noch vor 20 Jahren. Um Kinder in der Pandemie zu
„schützen“, wurden politisch Regelungen in Deutschland getroffen. Über die
Maßnahmen werden Kinder und Jugendliche gezwungen, häufiger ohne Bewegung
zu sein und digitale Medien zu nutzen, weil es in der Quarantäne oder im
Lockdown so angeordnet wird. Zudem die soziale Isolation. Wenig oder gar
nicht beachtet wird, welche Auswirkungen diese Maßnahmen auf die
Gesundheit und Entwicklung der Kinder haben. Eine aktuelle Studie zeigt:
in der Corona-Pandemie ist die Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen
deutlich gestiegen, im Besonderen bei Computerspielen wurde ein Anstieg um
52 % festgestellt (DAK & UKE 2021). Leider waren im Winter 2020/21 auch
alle Kinder und Jugendlichen durch die pandemiebedingten Maßnahmen wie
Schulschließungen und Kontaktreduzierungen betroffen, so dass sich viele
ihre Zeit mit digitalen und sozialen Medien „vertrieben“ haben. Wir leben
in einer Zeit, in der die Angst sehr stark dominiert. Das merken auch die
Kinder. Unsere Aufgabe sollte es sein, Perspektiven und konstruktive
Lösungsvorschläge aufzuzeigen und nicht durch „Schutzmaßnahmen“ die
gesamte Entwicklung von Kindern und Jugendlichen negativ zu beeinflussen.
Gefordert sind umso mehr Eltern, Erzieher*innen und Pädagog*innen, durch
aktive Begleitung im Umgang mit digitalen Medien, Einfluss auf die
Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu nehmen und vor allem Bewegung
und Ausgleich zu digitalen Medien anzubieten.“

Computer Vision Syndrome

Der Bewegungsmangel und die ständige Naharbeit sorgen häufig für einen
Komplex mit typischen Beschwerdemustern, die in der Wissenschaft unter den
modernen Begriffen Computer Vision Syndrome (CSV), Office Eye Syndrome
(OES) oder Digital Eye Strain (DES) zusammengefasst werden. Typische
Beschwerden sind Kopfschmerzen, Augenschmerzen, Trockene Augen,
Verspannungen und Haltungsbeschwerden sowie Unschärfe und Doppeltsehen.
Ausgelöst werden diese durch die statische Tätigkeit und eine hohe
Konzentration auf den Bildschirm/Display. Und Kinder können genau die
gleichen Beschwerdebilder bekommen wie Erwachsene, nur eben schon früher.
Und da sie sich noch im Wachstum befinden, können sich Störungen
manifestieren und zu lebenslangen Belastungen werden. Den Bezugspersonen
sind die Belastungen der Augen durch übermäßige Nutzung digitaler Medien
und die daraus resultierenden Konsequenzen frühkindlicher
Fehlentwicklungen wahrscheinlich gar nicht so bewusst oder völlig
unbekannt. Wichtig ist deshalb im Alltag von Erwachsenen und auch im
Alltag von Kindern: für Abwechslung sorgen und immer wieder mal in die
Ferne schauen. Dazu regelmäßig Pausen zu machen (auch bei Computerspielen)
und regelmäßiges bewusstes Blinzeln (schließen der Augen), damit die Augen
wieder besser versorgt werden.

Zunehmende Kurzsichtigkeit

Prof. Dr. Stephan Degle berichtet: „Bei Schülern und Studierenden sehen
wir sowohl in der optometrischen Forschung als auch in der Praxis, dass es
in den vergangenen Monaten in zahlreichen Fällen zur einer
,coronabedingten´ starken Zunahme von Kurzsichtigkeit kommt. Dabei hat der
Anstieg von Kurzsichtigkeit nichts direkt mit der Sehschärfe zu tun,
vielmehr ist er die Folge davon, dass die Kinder so viel mehr in der Nähe
schauen und weniger Bewegung haben. Auch wenn Kurzsichtigkeit selbst keine
Krankheit ist, so ist es wichtig einem raschen Anstieg gezielt
entgegenzuwirken. Denn ein schneller Anstieg kann fatale Folgen für die
Augengesundheit haben und irreparable Schäden bewirken.“ Mit speziellen
Brillengläsern und Kontaktlinsen sowie gezielten Augenübungen kann das
Voranschreiten der Kurzsichtigkeit gehemmt werden. Wichtig dabei ist, dass
die Korrektion der Kurzsichtigkeit nicht nur für die Ferne bestimmt wird,
sondern vor allem für die Nähe. In vielen Fälle ist eine zusätzliche
Nahunterstützung sinnvoll. Darüber hinaus ist vor allem eine
Verhaltensänderung notwendig, z. B. kontrollierter Umgang mit digitalen
Medien statt passiver Nutzung.

Spezielle Brillengläser und Kontaktlinsen für den „entspannten“ Umgang mit
digitalen Medien

Sogenannte „digitale“ Brillengläser ermöglichen sowohl bei Erwachsenen als
auch bei Kindern ein „entspannteres“ Sehen bei Tätigkeiten an Bildschirmen
und Displays. Sie haben große Blickfelder und ermöglichen scharfes Sehen
auch bei mehreren Bildschirmen und in verschiedenen Entfernungen. Sie
können bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Erwachsenen eingesetzt
werden, sowohl wenn eine Korrektion „nur“ für die Ferne oder „nur“ für die
Nähe notwendig ist.

Blaulicht als Gefahr

Digitale Medien in der Freizeit werden oft vor allem abends verwendet.
Mittlerweile wurde jedoch nachgewiesen, dass Kinder und Jugendliche
schlechter und weniger schlafen, wenn sie am Abend Smartphone, Tablet und
Co benutzt haben. Viele von ihnen wissen nicht, dass das blaue Licht, was
Bildschirme und Displays ausstrahlen, die Produktion des Schlafhormons
Melatonin reduziert. Das natürliche Tageslicht hat in Abhängigkeit der
Tageszeit ein unterschiedliches Lichtspektrum. Am Tag enthält es mehr
Blauanteile, am Abend mehr Rotanteile. Demzufolge sollte bei Tätigkeiten
an digitalen Medien die Beleuchtung so gewählt werden, dass sie durch
Tageslicht bzw. tageslichtähnliche Leuchten eine natürliche Umgebung
ermöglicht. Licht mit hohem Blauanteil tagsüber zu verwenden, regt den
Organismus an. Displays mit hohem Blaulichtanteil sollten jedoch am Abend
vermieden werden, denn das Blaulicht, das Bildschirme und Displays
abstrahlen, hält wach. Deshalb sollten digitale Endgeräte spätestens eine
halbe Stunde vor der Schlafenszeit ausgeschaltet und nicht im Schlaf- oder
Kinderzimmer abgelegt werden, damit der Tag-Nacht-Rhythmus stabil bleibt
und keine Schlafstörungen entstehen. Nicht immer ist ein Verzicht auf
digitale Medien möglich. Sollen oder müssen digitale Endgeräte am Abend
durch Jugendliche oder Erwachsene verwendet werden, unterstützen Programme
zur Anpassung der Farbtemperatur. Dann helfen zum einen qualitativ gute
Monitore, wie sie z. B. von Grafikern verwendet werden oder auch Software,
die Blaulichtanteile ein wenig reduziert.  Zum anderen gibt es auch
spezielle Brillengläser, die Blaulichtanteile wegnehmen.

Aufbau von Medienkompetenz und sinnvoller altersentsprechender Umgang mit
digitalen Medien

Die Nutzung digitaler Medien ist grundsätzlich nichts Schlechtes und
sollte nicht pauschal abgelehnt werden. Aber es kann nicht davon
ausgegangen werden, dass Menschen, und vor allem Kinder, automatisch von
sich aus damit sinnvoll umgehen können. Medienkompetenz muss erlernt
werden und ist demzufolge altersentsprechend unterschiedlich. Wesentliche
Punkte zum Aufbau von Medienkompetenz und für einen sinnvollen,
altersentsprechenden Umgang mit digitalen Medien sind eine zeitlich
begrenzte und inhaltlich bezogene Nutzung digitaler Endgeräte, eine
sinnvolle Gestaltung der Umgebungsbedingungen während der Nutzung (z. B.
durch höhenverstellbaren Stuhl) und die Vorbildwirkung von Bezugspersonen.

Weitere Tipps für einen sinnvollen Umgang mit digitalen Medien:

- Taschenbuch mit eigener Kinderbroschüre „ENTSPANNT am Smartphone, Tablet
und PC für KINDER“, Friedrich Michaela und Degle Stephan, ISBN:
978-3-942873-60-4, NEUERSCHEINUNG (2022) im DOZ-Verlag (www.doz-verlag.de)

- Broschüre „Entspannt am Bildschirm - Praxis-Tipps für Computer,
Smartphone & Co.“, Degle Stephan und Friedrich Michaela (2019), erhältlich
im DOZ-Verlag (www.doz-verlag.de)

- Allgemeines zum Bildschirmarbeitsplatz: www.ergoptometrie.de.

Als hochaktuelle Fachtagung zum Thema „Haltung und Bewegung, Myopie und
Blaulicht“ findet das 5. INTERBILD Symposium am Donnerstag, den 2. Juni
2022 an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena statt.

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Olympische Gedanken

Drei Fragen, drei Experten, drei Perspektiven: Kann China den Charakter
der Völkerverständigung ausleben? Wie beeinflusst die Pandemie den
sportlichen Erfolg? Überwiegen Vorfreude oder Skepsis?

Auch kurz vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in China bleibt
das Großevent umstritten: Menschenrechtsverletzungen, eingeschränkte
Meinungsfreiheit, Corona-Restriktionen, Aspekte der Nachhaltigkeit,
zweifelhafte Fairness. Inwieweit kann man bei diesen Themen dem
eigentlichen Olympischen Gedanken noch gerecht werden?

Wir haben drei Experten befragt, wie sie auf diese besonderen Olympischen
Spiele blicken: Prof. Dr. Markus Breuer, Prorektor der SRH Hochschule
Heidelberg und Geschäftsführer des Arbeitskreises Sportökonomie e. V.,
Prof. Dr. Frank Musolesi, Dekan der Fakultät für Angewandte Psychologie
und Leiter des Studiengangs Sportpsychologie, sowie Prof. Hanns Michael
Hölz, Präsident von Snowboard Germany und Professor an der SRH Hochschule
Heidelberg im Studiengang BWL. So haben wir drei unterschiedliche
Perspektiven eingefangen:

Herr Prof. Breuer, welche immensen Herausforderungen stellt sich China bei
der Ausrichtung der Spiele? Wird es dem Land gelingen, den Charakter der
Völkerverständigung auszuleben?

„China verfolgt mit der Ausrichtung der Spiele das Ziel, an Soft Power zu
gewinnen, wie es andere Staaten – bspw. Katar – in gleicher Weise tun. Ob
diese Strategie erfolgreich ist, hängt aber nicht nur von der chinesischen
Regierung ab, sondern insbesondere auch von der Weltöffentlichkeit. Wenn
die Olympischen Spiele in Peking nur als Sportereignis gesehen werden und
die lokale Organisation beispielsweise für die perfekte Durchführung
gelobt wird, sind die Ziele Chinas erreicht. Wenn die Weltöffentlichkeit
die Spiele aber als Anlass nimmt, Menschenrechtsverletzungen und andere
problematische Aspekte noch stärker zu thematisieren, dann wird das Kalkül
der Staatsführung auch nicht aufgehen. Olympia kann als Instrument genutzt
werden, um politischen Druck auszuüben, und jeder von uns muss sich
überlegen, welche Stellung man beziehen möchte.“

Herr Prof. Musolesi, was bedeutet eine olympische Beteiligung in China für
die Sportler:innen unter Corona-Bedingungen? Wie beeinflusst die Pandemie
den Erfolg im Sport?

„In psychologischer Hinsicht sind die Olympischen Winterspiele in Peking
eine enorme Belastung für die teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler.
Auf der einen Seite freuen sich die Athleten auf den Wettkampf. Viele
haben ihre Karriere darauf ausgerichtet, einmal an Olympischen Spielen
teilzunehmen. Auf der anderen Seite haben wir das Corona-Virus, das sich
mit großer Wahrscheinlichkeit wettbewerbsverzerrend auswirken wird.
Insbesondere die Null-Covid-Strategie der chinesischen Führung lässt
befürchten, dass über Quarantäneregelungen massiv in die Wettbewerbe und
damit in die Medaillenvergabe eingegriffen wird. Statt Freude und
Zuversicht könnten sich Misstrauen und Angst über die Spiele legen.“

Herr Prof. Hölz, nach den vielen Diskussionen und den sicherlich
begründeten Bedenken: Welches Gefühl überwiegt so kurz vor Beginn:
Vorfreude oder Skepsis?

„Um Emotionen freizusetzen, muss man sich von den Dingen lösen, die diese
einschränken. Wenn man sich andauernd mit Problemen und Bedenken
auseinandersetzt, kommt man nicht zu einer guten Abwägung zwischen
Freiheit und Verantwortung. Ich sage oft: Sport wird auch entschieden in
den 20 cm zwischen dem linken und dem rechten Ohr. Und wenn im Kopf die
Belastung zu groß ist wegen des Umfeldes, der politischen Situation, der
aktuellen Gesundheitsthemen im Umfeld der Pandemie – dann kann man als
Athletin oder Athlet nicht wie beabsichtigt performen! Dennoch glaube ich,
dass es ganz enorm wichtig ist, dass wir natürlich Meinung und Kritik zu
Menschenrechten, Nachhaltigkeit und sportlich fairen Spielen äußern und
sie an den Stellen platzieren, wo sie notwendig ist. Aber dann im
Wettbewerb zu sagen: `Jetzt konzentrieren wir uns auf den Sport, sind
dankbar und stolz dabei zu sein und haben Spaß dabei´, das sind die
Faktoren, von denen ich glaube, dass sie unsere Athletinnen und Athleten
in deren Disziplin wirklich voranbringen und zum sportlichen Erfolg
führen.“
Für ausführlichere Interviewanfragen stehen die drei Experten gerne den
Medien zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich dazu an
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Markus Breuer: https://www.srh-hochschule-
heidelberg.de/hochschule/hochschulteam/markus-breuer/
Prof. Dr. Frank Musolesi: https://www.srh-hochschule-
heidelberg.de/hochschule/hochschulteam/frank-musolesi/

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DiGA und Innere Medizin: DGIM-AG legt Auswertung vor

Digitalisierung in der Inneren Medizin
Was kann die „App auf Rezept“ leisten? DGIM-Arbeitsgruppe legt
Expertenkonsens vor

Seit etwas mehr als einem Jahr ist es möglich, Digitale
Gesundheitsanwendungen (DiGA) auf Rezept zu verordnen. Voraussetzung dafür
ist, dass sie als Medizinprodukte mit CE-Zertifikat zugelassen sind und
bereits einen medizinischen Nutzen oder eine Verbesserung der
Patientenversorgung nachgewiesen haben oder dies innerhalb eines Jahres
wahrscheinlich ist. In diesem Fall erhalten sie eine vorläufige Zulassung.
Doch wie steht es um den tatsächlichen Nutzen in der Praxis?

Wie lassen sich die neuen Anwendungen in die ärztliche Diagnostik und
Therapie einbinden? Welche rechtlichen Aspekte gibt es und was kann
speziell die Innere Medizin von DiGA erwarten? Die Arbeitsgruppe „Digitale
Gesundheitsanwendungen“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V.
(DGIM) hat sich einen ersten Überblick verschafft und in der
Fachzeitschrift „Der Internist“, dem offiziellen Organ der DGIM,
veröffentlicht.

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Anwendungen im medizinischen Bereich, deren Hauptfunktion auf einer
digitalen Technologie beruht und die in erster Linie von Patienten benutzt
werden, werden als DiGA bezeichnet. „Meist handelt es sich dabei um
Smartphone- oder Computer-Apps, aber auch Webanwendungen oder andere
Programme können als DiGA fungieren“, erklärt Professor Dr. med. Martin
Möckel, ärztlicher Leiter der Notfallmedizin/Zentrale Notaufnahmen und der
Chest Pain Units am Campus Mitte und am Virchow-Klinikum der Berliner
Charité. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe Digitale
Gesundheitsanwendungen/KI in Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für
Innere Medizin, die für den Beitrag im Internisten verantwortlich
zeichnet. Von herkömmlichen Gesundheits-Apps unterscheiden sich DiGA durch
eine CE-Zertifizierung sowie die Tatsache, dass ihr Anbieter den
medizinischen Nutzen oder eine sogenannte „patientenrelevante Struktur-
und Verfahrensverbesserung in der Versorgung“ nachweisen muss. „Auch die
Kosten sind ein Faktor, denn diese müssen primär von den gesetzlichen und
privaten Krankenkassen getragen werden und die Hersteller selbst dürfen
keine Werbung schalten“, so Möckel.

Gesundheits-Tracking und Alltags-Helfer

Bis Mitte Dezember – dem Zeitpunkt, zu dem Möckel und seine Kolleginnen
und Kollegen den Übersichtsbeitrag verfassten – waren auf den Seiten des
Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 24 DiGA
gelistet. „Naheliegende Anwendungsbereiche sind Tracking-Funktionen, die
automatisch Bewegung oder Puls erfassen oder es erlauben, in Tagebuchform
Ernährung, Gewicht oder spezifische Beschwerden zu vermerken“, erläutert
der Berliner Experte.
„Einige DiGA erstellen aus diesen Daten auch Arztreports, die wertvolle
Informationen für die individuelle Behandlung liefern können“, sagt
Möckel. Andere Apps unterstützen die Patienten gezielt im Alltag mit
detaillierten Anleitungen zu Bewegungsübungen oder Ratschlägen für eine
gesunde Lebensweise. Unter den 24 bis Mitte Dezember 2021 gelisteten DiGA
war allerdings nur eine, die gezielt eine internistische Erkrankung – die
Adipositas – adressierte, sowie eine weitere mit Bezug zu rheumatischen
Erkrankungen. „Hier besteht eindeutig Nachholbedarf seitens der
Hersteller“, so Möckel.

Fehlende Testmöglichkeiten für Ärzte, offene Fragen zu Anwendungsbereichen

Dies gilt auch für die bislang nicht vorgesehenen Testmöglichkeiten für
Ärzte. „In der BfArM-Liste finden sich zwar Angaben zu den Indikationen,
für die die jeweilige App entwickelt wurde. Um zu entscheiden, ob sie für
einen bestimmten Patienten geeignet ist, muss der Arzt oder die Ärztin die
App jedoch selbst testen können“, sagt Möckel. Hierfür, und um dem
Patienten die App am Bildschirm erklären zu können, wäre ein möglichst
unbefristeter Testzugang sinnvoll. Zudem sprechen die bisherigen
Anwendungen hauptsächlich niedergelassene Ärztinnen und Ärzte an, für den
stationären Bereich sind sie nicht vorgesehen. „Im Rahmen des
Entlassmanagements könnten sie jedoch auch für Klinikärzte interessant
sein“, sagt Möckel. Noch gibt es hier aber keine Erfahrungen mit der
Verordnungspraxis.

Unabhängig vom Setting dürfe der Einsatz von DiGA keinesfalls dazu führen,
dass das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gestört werde.
„DiGA können das Spektrum der Medizinprodukte in Zukunft sicherlich
bereichern. Klar ist aber auch, dass sie die Behandlung und Medikation
durch den behandelnden Arzt nur unterstützen, das heißt ihre Anwendung
unter der Kontrolle des Arztes bleiben muss“, betont Professor Dr. med.
Markus M. Lerch, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des LMU-
Klinikums München und Präsident der DGIM.

Das Paper der AG DiGA ist unter
<https://www.springermedizin.de/praktische-anwendung-digitaler-
gesundheitsanwendungen-diga-in-de/20040790?fulltextView=true> kostenfrei
einsehbar.

Pressemitteilung online:
<www.dgim.de/fileadmin/user_upload/PDF/Pressemeldungen
/20220203_DGIM_PM_DiGA-Paper_F.pdf>

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