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„Jung & Krebs – Wissen für junge Betroffene“ – Der Podcast der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

Pünktlich zum morgigen Weltkrebstag, dem 4. Februar 2022, veröffentlicht
die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ihr neuestes
Hilfsprojekt von jungen Betroffenen für junge Betroffene. Mit dem
kostenfrei verfügbaren Podcast „Jung & Krebs – Wissen für junge
Betroffene“ schafft die Stiftung einen niederschwelligen und empathischen
Zugang zu wichtigen Tipps und Informationen im Umgang mit einer
Krebserkrankung.

Pro Jahr erkranken etwa 16.500 junge Menschen zwischen 18 und 39 Jahren an
Krebs. Eine Krebsdiagnose bedeutet für diese Patient:innen einen
gravierenden Einschnitt in die gesamte Lebens- und Zukunftsplanung. Dabei
unterscheiden sich die Problemstellungen und Herausforderungen deutlich
sowohl von Patient:innen aus dem Bereich der pädiatrischen Onkologie als
auch der Onkologie bei Erwachsenen ab 40 Jahren.

Plötzlich sehen sich die Betroffenen mit besonderen Problemen und
Entscheidungen, auch außerhalb der Krankheit, konfrontiert. Neben der
bestmöglichen medizinischen Krebstherapie rücken auch Themen wie
Kinderwunsch und Familienplanung, eine mögliche Unterbrechung des
Ausbildungsweges oder wirtschaftliche und soziale Notlagen in den
Vordergrund. Damit werden junge Betroffene oft allein gelassen.

Deshalb hat es sich die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs
seit ihrer Gründung im Sommer 2014 zur Aufgabe gemacht, Projekte und
Hilfsangebote gemeinsam mit und für junge Betroffene zu entwickeln und
umzusetzen.

„Junge Menschen, die eine Krebsdiagnose erhalten haben, besitzen im Laufe
ihrer Erkrankung ein ganz besonderes Gespür dafür, welche speziellen
Bedürfnisse sie während und nach der Therapie benötigen oder benötigt
hätten“, betont Prof. Dr. med. Diana Lüftner, Vorstand der Stiftung und
Oberärztin an der Charité Berlin, und fährt fort: „Wir haben in der
Stiftung den großen Vorteil, täglich eng mit jungen Betroffenen
zusammenzuarbeiten und sie nach ihrer Meinung und ihren Erfahrungen fragen
zu können. So entstehen authentische Tipps und Hilfen von
Krebspatient:innen für Krebspatient:innen.“

Dabei sind die Bereitstellung und das Vermitteln von Wissen zentraler
Bestandteil der Arbeit der Stiftung. Mit den Projekten „Erste-Hilfe“ und
„Wissen für Dich“ hat die Stiftung in der Vergangenheit bereits
umfangreiche Informationssammlungen angelegt. Diese Inhalte werden der
Öffentlichkeit ab dem Weltkrebstag 2022 regelmäßig in einem neuen Podcast-
Audioformat präsentiert.

Das neue Format ermöglicht neben der Zeit- und Ortsunabhängigkeit ein
Konsumieren der Inhalte sowohl on- als auch offline. Wie wichtig dieser
Aspekt für junge Betroffene sein kann, weiß auch PD Dr. med. Inken
Hilgendorf, stellv. Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung und medizinische
Expertin des TREFFPUNKTs Thüringen: „Betroffene müssen im Allgemeinen viel
Zeit in Wartezimmern verschiedener Praxen oder Klinikabteilungen und
natürlich auch während der jeweiligen Therapiezyklen überbrücken. Diese
Situationen versucht man dann oftmals so sinnvoll wie möglich zu nutzen,
recherchiert am Mobiltelefon oder auf dem Tablet und sucht sich
Informationen. Der Podcast ‚Jung & Krebs‘, den Betroffene von überall aus
hören können, ist dafür perfekt.“

Das bestätigt auch Fayez, der mit 27 Jahren die Diagnose NET
(Neuroendokriner Tumor) erhielt und sich seit vielen Jahren im TREFFPUNKT
Berlin und in den Projekten der Stiftung engagiert: „Jeder Krebspatient
kennt sich mit warten aus, und auch deshalb freue ich mich sehr über den
neuen Podcast der Stiftung. Es gibt bereits sehr viele Podcasts zu allen
möglichen Themen, aber hier versuchen wir direkt, von Patient zu Patient,
Hilfen und Informationen weiterzugeben, über die ich mich damals sehr
gefreut hätte. Die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, müssen nicht alle
machen, auf einige hätte auch ich gerne verzichtet, und daher ist eine
Weitergabe von Erfahrungen und Erlebnissen so wertvoll.“

Genauso sieht es auch Timur. Der junge Berliner erkrankte mit 22 Jahren an
einem Hodentumor und gibt in der ersten Folge des Podcasts einen Einblick
in die Situation junger Betroffener unmittelbar nach der Diagnose und zu
Beginn der Akutphase der Therapie: „Damals hätte ich mir einen Podcast wie
‚Jung & Krebs‘ gewünscht, der meine Situation versteht, mir hilft und mich
ablenkt. Heute daran mitwirken zu können, ist mir eine
Herzensangelegenheit.“

Die erste Staffel des Podcasts umfasst zehn Folgen, die immer am ersten
Freitag eines Monats veröffentlicht werden und sich mit verschiedenen
Aspekten des Bereichs „Jung und Krebs“ beschäftigen. Dazu gehören der
Umgang mit der Diagnose und dem sozialen Umfeld, aber auch Fragen im
Bereich der Partnerschaft und Sexualität sowie dem Kinderwunsch und der
Familienplanung. In jeder Folge trifft die Schauspielerin und
Stiftungsbotschafterin Lea Marlen Woitack Menschen, die von ihren eigenen
Erfahrungen in Bezug auf die Diagnose Krebs berichten. In den
Gesprächssituationen zwischen jungen Betroffenen bzw. Expert:innen aus dem
Netzwerk der Stiftung und ihrer Stifterin, der DGHO Deutsche Gesellschaft
für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V., sowie der Moderatorin
werden Informationen, Tipps und Tricks niederschwellig vermittelt.

„Ich habe mich riesig gefreut, mit der Stiftung zusammen diesen Podcast zu
machen. Meine Begegnungen mit den Betroffenen haben mir immer wieder neue
Perspektiven auf das Leben gegeben. Jetzt einen Rahmen zu schaffen, in dem
die jungen Menschen uns an ihrer Geschichte teilhaben lassen und sie bei
der Schilderung ihrer Erfahrungen zu begleiten, ist für mich sehr
erfüllend“, erklärt Woitack und fährt fort: „Persönlich höre ich viele
Podcasts und finde es ist ein super Medium, um Informationen auf eine
leichte und unterhaltsame Weise zu konsumieren. Deswegen hoffe ich, dass
dieser Podcast jungen Betroffenen Antworten auf ihre Fragen geben kann und
ihnen zeigt, dass sie nicht allein mit der Situation sind.“ Sie hofft
zudem, dass auch Angehörige und Ärzt:innen diesen Podcast hören. „Das
Umfeld hat unmittelbaren Einfluss auf das Leben der Betroffenen, und da
gibt es wohl für alle den einen oder anderen AHA-Effekt.“

In Kooperation mit der Produktionsfirma „Auf die Ohren“ und den
langjährigen Unterstützer:innen von Studio GOOD macht der Podcast der
Stiftung gezielt auf die Gruppe der jungen Betroffenen aufmerksam. „Uns
hat das ganzheitliche Engagement während der Produktion von Seiten der
Stiftung, Betroffenen und Expertinnen hoch erfreut. Das spürt man in jeder
einzelnen Folge durch. Hier wurde etwas mit Sinn geschaffen, und das
erfüllt nicht nur beim Hören“, empfindet Lukas Klaschinski,
Geschäftsführer von Auf die Ohren.
Der Podcast beschäftigt sich mit der Lebenswelt und den daraus
resultierenden Fragen und Problemen junger Betroffener und ist dadurch
nahbar und niederschwellig.

„Vor allem bei meiner ersten Erkrankung waren meine Familie und ich mit
der Situation überfordert. Wir mussten mühselig Informationen sammeln,
statt sie zu bekommen. Mit dem Podcast-Projekt möchte ich dazu beitragen,
dass Betroffene in der schwierigen Phase der Diagnose und Therapie schnell
und emphatisch informiert werden können“, erklärt Sebastian, der selbst
zwei Mal an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war und sich seit vielen Jahren für
andere Betroffene einsetzt.

Wie schwierig es ist, sich bei der Vielzahl an Informationen zurecht zu
finden, weiß auch Katharina. Die junge Potsdamerin erkrankte im Februar
2018 mit 25 Jahren an Brustkrebs. Seitdem begleiten sie Nachwirkungen der
Therapie. „Sich alles durchzulesen und vor allem zu filtern, kann sehr
überfordernd sein. Mir selbst fällt es seit der Erkrankung schwer, lange
Texte zu lesen. Daher höre ich selbst in meiner Freizeit gerne Podcasts.
Dass es einen solchen nun auch für junge Erwachsene mit Krebs gibt,
ermöglicht einen Weg, sich zu wichtigen Themen komprimiert zu informieren.
Durch die Erfahrungsberichte ist ebenfalls klar: Du bist nicht allein! Das
motiviert."

Ab dem 4. Februar 2022, dem Weltkrebstag, wird der Podcast „Jung & Krebs –
Wissen für junge Betroffene“ auf allen Plattformen, die Podcasts anbieten,
verfügbar sein.

Spotify:
https://open.spotify.com/show/7Fz1FMMsQ9mhEC35lGvftW?si=mhBkymutSAyAkX84BaxzIg&nd=1
Apple:
https://podcasts.apple.com/de/podcast/jung-krebs-wissen-für-junge-
betroffene/id1607078158?l=en

Podigee:
https://jungundkrebs.podigee.io/2-1-jung-krebs-was-kommt-nun-auf-mich-zu

Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

Jedes Jahr erkranken in Deutschland nahezu 16.500 junge Frauen und Männer
im Alter von
18 bis 39 Jahren an Krebs. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit
Krebs ist Ansprechpartnerin für Patient:innen, Angehörige,
Wissenschaftler:innen, Unterstützer:innen und die Öffentlichkeit. Die
Stiftungsprojekte werden in enger Zusammenarbeit mit den jungen
Betroffenen, Fachärzt:innen sowie anderen Expert:innen entwickelt und
bieten direkte und kompetente Unterstützung für die jungen Patient:innen.
Die Stiftung ist im Juli 2014 von der DGHO Deutsche Gesellschaft für
Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. gegründet worden. Alle
Stiftungsprojekte werden ausschließlich durch Spenden finanziert. Die
Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist als gemeinnützig
anerkannt.

Die Produktionsfirma – Auf die Ohren

Auf die Ohren produziert hörbare Emotionen: einzigartige Podcasts mit
Liebe, Leidenschaft und Professionalität. Als 360 Grad Full-Service-
Produktionsfirma mit über 15 Jahren Erfahrung im Bereich Audio betreut und
übernimmt Auf die Ohren dabei jeden notwendigen Schritt bei der Entstehung
eines Podcasts. Auszug aus den aktuellen Projekten: Beats&Bones + Süßes
oder Saurier vom Museum für Naturkunde Berlin, In extremen Köpfen, Stahl
aber herzlich, 1Live der Raum.

Design von Studio GOOD

Studio GOOD ist eine Kreativagentur mit Blick auf das Gute. Seit über zehn
Jahren betreut die Agentur vor allem NGOs, Stiftungen und Institutionen
aus Kultur, Bildung und Wissenschaft. Die Schwerpunkte liegen in der
Konzeption und Gestaltung von Webseiten und mobilen Apps sowie in der
Entwicklung von Marken und crossmedialen Kampagnen. Dabei steht die
gemeinsame und vertrauensvolle Arbeit im Mittelpunkt, um überzeugende
Lösungen zu finden. Mehr Informationen und eine Auswahl guter Projekte
unter: www.studio-good.de

Spendenkonto der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs:
Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE33 1002 0500 0001 8090 01, BIC: BFSW
DE33 XXX

Die ausschließliche Nutzung der Vornamen bei den jungen Krebspatient:innen
hat datenschutzrechtliche Gründe.

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Vier Millionen Euro für europäischen Kooperationsstudiengang "Transnational German Studies"

Förderung aus dem Erasmus-Mundus-Programm der EU insbesondere für die
Ermöglichung von Studienstipendien

Das europäische Joint-Degree-Studienprogramm "Transnational German
Studies" der Universitäten von Porto, Luxemburg, Mainz und Palermo wird im
Rahmen des Erasmus-Mundus-Programms der Europäischen Union in den
kommenden fünf Jahren mit rund vier Millionen Euro gefördert. Die
Fördermittel werden in erster Linie für Studienstipendien eingesetzt.
"Diese Förderung durch die EU ist eine Auszeichnung für das Anliegen und
die Qualität unseres integrierten Masterstudiengangs – gerade im Hinblick
darauf, dass aktuell insgesamt nur wenige geisteswissenschaftliche, davon
nur drei Programme mit einem Fokus auf Literatur und Kultur gefördert
werden", betont Prof. Dr. Stephan Jolie, Vizepräsident für Studium und
Lehre der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und Mitinitiator und
Leiter des Kooperationsstudiengangs. "Unser Studiengang ist eine Reise
durch die europäische Kultur- und Literaturgeschichte und macht unseren
Studierenden die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas erlebbar. Er
bietet interdisziplinäres, internationales und interkulturelles Lernen
zugleich – immer auch mit einem klaren Blick auf Kompetenzerwerb und die
Vermittlung berufsrelevanter Fähigkeiten", so Jolie, der am Deutschen
Institut der JGU lehrt.

Der viersemestrige Masterstudiengang "Transnational German Studies" setzt
die Beschäftigung mit europäischer Kulturgeschichte in Bezug zu deutscher
Literaturgeschichte. Die Studierenden setzen sich mit zentralen Motiven
der deutschen und europäischen Literatur auseinander, um den
interkulturellen Aspekt europäischer Literatur im Allgemeinen und
deutscher Literatur im Speziellen zu untersuchen. Dabei wird
Mehrsprachigkeit als Idee und historische Tatsache in den Blick genommen,
zugleich auch praktisch unter den internationalen Studierenden gelebt,
indem die internationalen Studierenden Sprachkurse zur deutschen Sprache
beziehungsweise für die Sprachen der Aufenthaltsuniversitäten
(Italienisch, Portugiesisch, Luxemburgisch oder Französisch) besuchen.
"Gleichzeitig unterstützen wir durch die Ermöglichung des Netzwerkens mit
Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Karrierewege sowie mit
Praktika und Praxisprojekten, in denen unsere Studierenden ihr
persönliches fachliches Profil entwickeln und reflektieren, den Übergang
ins spätere Berufsleben", betont JGU-Vizepräsident Prof. Dr. Stephan
Jolie. Ermöglicht wird dieses besondere Angebot auch durch die
Zusammenarbeit mit zahlreichen außeruniversitären Kooperationspartnern aus
Wirtschaft, Medien und Kultur an allen vier Standorten. Studierende
entwickeln neben zentralen Kompetenzen für das Arbeitsleben so auch ein
persönliches berufliches Netzwerk.

Der Studiengang "Transnational German Studies" wurde im Rahmen der von der
JGU geleiteten, EU-geförderten Strategischen Partnerschaft "TALC_me"
(Textual and Literary Cultures in Medieval Europe) unter Federführung von
Prof. Jolie an der JGU entwickelt und wird nun von Prof. John Greenfield,
Preisträger des Gutenberg Teachíng Award 2014, an der Universität Porto
koordiniert. Es handelt sich um einen Joint-Master-Studiengang: Alle
Studierenden sind während der gesamten Studiendauer an allen vier
Universitäten eingeschrieben und erhalten ein gemeinsames Abschlusszeugnis
von diesen vier Universitäten.

Die Studierenden lernen vier Semester lang in gleichbleibenden Gruppen –
in jedem Semester an einer anderen europäischen Universität in einem
anderen europäischen Land. "Unsere Studierenden verbindet das gemeinsame
Ankommen und Einleben in immer wieder neuen europäischen Ländern, das
gemeinsame Lernen, das gemeinsame Erleben von Europa – das schafft starken
Zusammenhalt", so Jolie. Der Studiengang leistet damit einen wichtigen
Beitrag zur europäischen Vernetzung von Studium und Lehre an der JGU. Mit
der Universität Palermo ist auch ein Partner aus der European University
Alliance FORTHEM beteiligt, die durch die JGU koordiniert wird.

Der Großteil der pro Durchgang verfügbaren 25 Studienplätze ist für
Studierende aus Erasmus-Partnerländern aus aller Welt, also von außerhalb
des Erasmus-Raums, reserviert. Hinzu kommen Studierende aus Erasmus-
Programmländern, wobei in der Regel maximal zwei Studierende aus demselben
Land aufgenommen werden. Mit den jetzt eingeworbenen Fördermitteln der EU
können etwa 15 Studienplätze pro Durchgang mit einem Stipendien vergeben
werden; für die weiteren 10 Plätze können Bezuschussungen etwa für
Gebühren und notwendige Reisekosten bereitgestellt werden.

Weiterführender Link:
https://transnationalgermanstudies.eu/ – Masterstudiengang "Transnational
German Studies"

Lesen Sie mehr:
https://www.magazin.uni-mainz.de/8312_DEU_HTML.php – JGU-Magazin: "Mit dem
Mittelalter in die Zukunft" (26.09.2017) ;
https://www.uni-mainz.de/presse/61935.php – Pressemitteilung "EU-
Kooperationsprojekt unter Führung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
erarbeitet internationales Studienprogramm in der Mediävistik (23.09.2014)

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Neuer MPEG-Standard mit Fraunhofer HHI-Technologie: MPEG glTF 2.0-Erweiterung ermöglicht animierbare Avatare

Nach zwei Jahren Standardisierungsarbeit hat die Moving Picture Experts
Group (MPEG) ihre Arbeit zur Scene Description mit einer Erweiterung des
„Graphics Language Transmission Format“ (glTF) abgeschlossen. Die neue
Erweiterung ermöglicht es, erstmals volumetrisches Video und Audio in eine
immersive Szene zu integrieren. Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut
(HHI) war maßgeblich an der Forschung und Entwicklung des neuen Standards
beteiligt. Neben dem Fraunhofer HHI waren Unternehmen wie Qualcomm, Nokia,
Interdigital, Intel, TNO, Sony, Philips und Xiaomi mit einzelnen Beiträgen
aktiv in den Standardisierungsprozess eingebunden.

Der glTF-Standard ist weit verbreitet. Er wurde von der Khronos Group für
die Beschreibung dreidimensionaler Modelle und Szenen entwickelt. Die
Khronos Group ist ein Industriekonsortium von über 150 branchenführenden
Unternehmen. Sie entwickelt fortschrittliche, lizenzfreie
Interoperabilitätsstandards für 3D-Grafik, Augmented und Virtual Reality,
parallele Programmierung, Vision Acceleration und Maschinelles Lernen. Die
MPEG-Erweiterung baut auf der glTF-Version 2.0 auf und ermöglicht es unter
anderem, Videotexturen, animierte Meshes und räumliches Audio in glTF zu
integrieren. Durch diese Neuerungen können nun auch volumetrische Videos
mit dem glTF-Format an Endgeräte übertragen werden.

Teil der MPEG-Erweiterung ist die vom Fraunhofer HHI entwickelte Mesh-
Linking-Technologie. Sie ermöglicht es, den hohen Realismus von
volumetrischen Videos mit der Animierbarkeit von Computergrafikmodellen zu
kombinieren. Fotorealistische virtuelle Personen können nun in Mixed-
Reality-Szenen integriert werden, um mit den Nutzenden zu interagieren.
Zum Beispiel kann ein fotorealistischer Avatar jetzt aktiv den
Blickkontakt mit einem*r Nutzer*in halten. Bisher war das nur mit
Computergrafikmodellen möglich, nicht aber mit den viel realistischer
aussehenden, aber komplexeren volumetrischen Videoinhalten.

„Wir haben unsere langjährige Erfahrung und Expertise auf dem Gebiet der
Computergrafik in den Standardisierungsprozess eingebracht,“ sagt Prof.
Peter Eisert, Leiter der Abteilung „Vision and Imaging Technology“ am
Fraunhofer HHI. „Die Grundidee ist, die Bewegung von
Computergrafikmodellen auf den volumetrischen Scan zu übertragen.“ Dafür
wird zunächst die Geometrie des Computermodells an den volumetrischen Scan
angepasst. Nach diesem Anpassungsprozess wird die Übereinstimmung zwischen
den beiden Formaten berechnet, so dass die Animationen des
Computergrafikmodells auf den volumetrischen Scan übertragen werden
können.

„Mit der neuen MPEG-Erweiterung ist das glTF 2.0-Format in der Lage,
fotorealistische volumetrische Videos mit der Flexibilität eines
Computergrafikmodells zu liefern,“ sagt Yago Sanchez, Wissenschaftler in
der Gruppe „Multimedia-Kommunikation.“ „Mit diesen Informationen kann ein
kompatibler glTF-Player das volumetrische Video nun frei animieren.“

„MPEG ist immer auf der Suche nach Technologien, die höchste Qualität
liefern und die bisherigen Anwendungsmöglichkeiten eines Standards
erweitern. Wir sind daher stolz darauf, dass wir unsere Technologien in
den neuen Standard einbringen konnten und es so ermöglichen, animierbare
volumetrische Videos in glTF 2.0 zu integrieren,“ kommentiert Dr.
Cornelius Hellge, Gruppenleiter „Multimedia-Kommunikation“ am Fraunhofer
HHI.

Nach der MPEG-Sitzung im Januar 2022 wird der „Final Draft Industrial
Standard“ (FDIS) des „Scene Description Standard“ veröffentlicht. Damit
ist der Standard technisch fertig gestellt und muss nur noch von den
führenden Standardisierungsorganisationen ISO, dem weltweiten
Zusammenschluss der nationalen Standardisierungsorganisationen, und IEC,
der Internationalen Elektrotechnischen Kommission, formal ratifiziert
werden.

2022 wird sich das Fraunhofer HHI darauf konzentrieren, die MPEG-
Erweiterung in Richtung Interaktivität für immersive Szenen
weiterzuentwickeln. Die Forschenden haben bereits eine Live-Demonstration
entwickelt, die das Potenzial der neu standardisierten Technologie
aufzeigt.

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FHWS-Studierende bringen die Themen Assistenz und Aphasie multimedial in die Öffentlichkeit

Das Teilhabegesetz schafft für Menschen mit Behinderungen mehr
Selbstbestimmung – fünf Projekte zeigen Optionen auf

Das Thema Krankheit und Behinderung kann jeden erreichen – Studierende des
Vertiefungsbereichs „Soziale Arbeit und Behinderung“ haben in einem
Service-Learning-Seminar mit zwei Trägern der Behindertenhilfe
zusammengearbeitet. Entstanden sind multimediale Präsentationen, die die
Themen Aphasie, den Verlust des Sprechvermögens oder Sprachverstehens,
sowie die Angebote der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB)
von Assiston e.V. verständlich und öffentlich machen. In einer
Abschlussveranstaltung präsentierten die Studierenden der Fakultät
Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule für angewandte
Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ihre Resultate. Geleitet wurde das
Seminar von Prof. Dr. Dieter Kulke.

Aphasie – Kommunikationsgruppe und Video

Ein studentisches Trio hat für das Zentrum für Aphasie und Schlaganfall
Unterfranken in Bad Brückenau eine Kommunikationsgruppe eröffnet,
durchgeführt und abschließend evaluiert. Die Gruppe wurde online für
Menschen mit Aphasie an fünf Terminen angeboten, um die Kommunikation
anzuregen. Angesiedelt zwischen Selbsthilfegruppe und Sprachtherapie, soll
es zu keinem hierarchischen „Schüler-Lehrer-Modus“ kommen, sondern zu
einem professionell konzipierten und angeleiteten „spielerischen“
Miteinander. Die Ziele des Angebots:

die seelische Belastung zu minimieren
das soziale Netzwerk zu erweitern
Anerkennung vermittelt zu bekommen
den Selbstwert zu steigern
Autonomie und Stärke zu gewinnen und
die Sprache zu optimieren.

Die Teilnehmenden der Kommunikationsgruppe hatten nach den Sitzungen die
Möglichkeit, anzugeben, inwieweit ihnen das studentische Angebot zugesagt
hat. Die Kommunikationsgruppe wird nach Abschluss des Seminars vom Zentrum
für Aphasie und weitergeführt. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit soll die
Zusammenarbeit zwischen Zentrum für Aphasie und FHWS Arbeit und
fortgesetzt und die Arbeit der Kommunikationsgruppen für Menschen mit
Aphasie auf ihre Wirksamkeit und Bedeutung für die Teilnehmenden weiter
erforscht werden.

Die zweite studentische Gruppe realisierte einen Videopodcast „Der Aphasie
eine Stimme geben“, der während dem „Aphasie 4.2“-Online-Kongress vom 25.
bis 27. März 2022 gezeigt wird. Aus drei Perspektiven heraus – der des
Aphasikers Matthias Reimund, der Angehörigen Beate Steffens sowie des
Leiters der Berufsfachschule für Logopädie Würzburg, des Diplom-Logopäden
Markus Heinzl Mania. In zwanzig Minuten erläuterten die Interviewten,
welche Auswirkungen die Aphasie haben kann, welche Therapien zum Einsatz
kommen, welche positiven Effekte die Sprachbeeinträchtigung haben kann.
Matthias Reimund hat für sich herausgefunden: „Die Langsamkeit tut gut.“
Der Link zu dem Video ist ab Kongressbeginn auf der Seite des Kongresses
eingestellt (Aphasie Unterfranken).

Heino Gövert und Ursula Peichl, beide Sozialpädagogen im Zentrum für
Aphasie und Schlaganfall Unterfranken, haben die Zusammenarbeit mit den
Studierenden sehr begrüßt und würden sich auch in der Zukunft auf
Kooperationsprojekte mit der Hochschule freuen.

Assistenzstammtisch, Budget und öffentliche Präsenz

In einem zweiten Projekt mit der EUTB von Assiston e.V. haben sich drei
studentische Teams mit folgenden Aspekten wissenschaftlich
auseinandergesetzt:

der Gründung eines Assistenzstammtisches zum Austausch und zur Diskussion
rund um die Themen Assistenz und persönliches Budget
der Erarbeitung und multimedialen Aufbereitung von Infomaterial zum
persönlichen Budget, auch in einfacher Sprache, sowie
der Präsenz der Organisation im Rahmen eines Fundraisingprojekts auf der
dafür spezialisierten Plattform www.betterplace.org und auf Social-Media-
Kanälen
Für alle drei Projekte wurden zunächst auf wissenschaftlicher Grundlage
Konzeptionen erarbeitet, die dann in die Praxis bzw. konkrete
Medieninhalte umgesetzt wurden.

Zum Hintergrund:

Das Bundesteilhabegesetz sieht für Menschen mit Behinderungen bis 2023
viele Verbesserungen vor. Es werden mehr Möglichkeiten der Teilhabe und
eine umfassendere Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen
geschaffen. Menschen mit Behinderungen, die Eingliederungshilfe beziehen,
können mehr von ihrem Einkommen und Vermögen behalten. Ein wichtiger
Baustein des Bundesteilhabgesetzes ist die Ergänzende unabhängige
Teilhabeberatung (EUTB), die neu in das SGB IX aufgenommen wurde. Sie
unterstützt und berät Menschen mit Behinderungen, von Behinderung bedrohte
Menschen, aber auch deren Angehörige unentgeltlich zu Fragen der
Rehabilitation und Teilhabe. In Würzburg wird EUTB neben Assiston e.V.,
von dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V., der
Blindeninstitutsstiftung (Teilhabeberatung Sehen Plus), dem
Integrationsfachdienst Würzburg sowie von WüSL - Selbstbestimmt Leben
Würzburg angeboten.

Auch werden die Möglichkeiten der Teilhabe am Arbeitsleben, an Bildung und
der sozialen Teilhabe optimiert. So können Assistenzleistungen wie
beispielsweise die Begleitung für sehbehinderte Personen in Anspruch
genommen werden. Das umfassende Gesetzespaket tritt in vier zeitversetzten
Reformstufen bis 2023 in Kraft und ist noch nicht sehr bekannt. Um es
besser kennenzulernen sowie deren Vorteile zu nutzen, steht künftig ein
Stammtisch für Assistenznehmende, Assistenzgebende und Interessierte zur
Verfügung. Dort soll neben einem Austausch und einer Vernetzung auch
individuelle Fragen beantwortet werden können (Kontakt:
info[at]assiston.de).

Die Kooperationsprojekte sind durch die Koordinationsstelle Service
Learning zustande gekommen. Im Rahmen von Service Learning Projekten
erschließen sich die Studierende neue Erfahrungsräume und übernehmen
gesellschaftliche Verantwortung. Währen des Ehrenamts können sie ihr
Wissen anwenden, vertiefen und reflektieren. Gleichzeitig decken die
Studierende durch das Engagement einen Nutzen der zivilgesellschaftlichen
Organisation ab. Neben der Stärkung des fachlichen Wissens hilft Service
Learning auch bei der Erweiterung verschiedener Schlüsselkompetenzen,
Berufsbefähigung und Befähigung zu bürgerschaftlichen Teilhabe der
Studierenden.

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