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Schadstoffe in Polargebieten – Zeit zum Handeln

Auch in der Arktis und der Antarktis steigt die Belastung durch
Schadstoffe. Das Umweltbundesamt (UBA) und das Helmholtz-Zentrum Hereon
veranstalteten gemeinsam den Workshop „Act now – Legacy and Emerging
Contaminants in Polar Regions“. Dabei kamen am 25. und 26. Januar 2022
Expertinnen und Experten aus vier Kontinenten zusammen. Sie diskutierten
über die möglichen Auswirkungen von bekannten und neuartigen Schadstoffen,
die sich in Schnee, Eis und Lebewesen anreichern.

Die zunehmende Anreicherung von Schadstoffen in den Polargebieten
erfordert ein stärkeres Engagement politischer und gesellschaftlicher
Entscheidungsträger. Durch vielfältigste Anwendungsbereiche werden in
immer größerem Maße Chemikalien produziert, die zum Teil in die Umwelt
gelangen und negative Auswirkungen auch für den Menschen haben können. Wir
sprechen heute auch vom „Chemischen Anthropozän“, dem Zeitalter, in dem
unsere Gesellschaft, die Umwelt und die menschliche Gesundheit maßgeblich
durch Chemikalien beeinflusst werden.

Ein erheblicher Anteil der Chemikalien ist sehr langlebig und kann bis in
die Arktis oder die Antarktis gelangen. Aufgrund der spezifischen
Eigenschaften der Polargebiete, den dort herrschenden tiefen Temperaturen
und sehr langsamen Abbauraten reichern sich Schadstoffe besonders stark in
den Polgebieten an und sind auch noch viele Jahrzehnte nach ihrer
Verwendung dort nachweisbar. Aufgabe der Wissenschaft ist es,
wissenschaftliche Daten bereitzustellen und Maßnahmen für nachhaltige
Lösungen zu entwickeln.

Große Expertinnenrunde

Expertinnen und Experten aus Amerika, Asien, Australien und Europa trafen
sich am 25. und 26. Januar auf dem vom Umweltbundesamt (UBA) und dem
Helmholtz-Zentrum Hereon gemeinsam veranstalteten Online-Workshop “Act now
– Legacy and Emerging Contaminants in Polar Regions“. Sie thematisierten
die möglichen Auswirkungen von sogenannten Altchemikalien („legacy
contaminants“), deren Produktion und Anwendung bereits verboten oder nur
noch in Ausnahmefällen erlaubt sind. Besonderes Augenmerk legten sie auch
auf die Vielzahl neuartiger Chemikalien („emerging contaminants“), über
deren Verhalten und Auswirkungen in der Umwelt wenig bekannt ist.

Eine entscheidende Rolle spielt die globale Erwärmung. Mit dem Schmelzen
der Gletscher und dem Auftauen von Permafrostböden werden Altchemikalien
in Polargebieten freigesetzt, die bereits lange verboten sind. Diese
können sich dann erneut in der Nahrungskette anreichern.

Grundlage für Entscheidungen

Die internationalen Expertinnen und Experten von Monitoring-Programmen,
Umweltprobenbanken und Chemikaliendatenbanken diskutierten neue
Forschungsansätze und Möglichkeiten einer verstärkten Kooperation, um die
Chemikalienbelastung in der Arktis und Antarktis zu erforschen und zu
bewerten. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Europäischen
Kommission und des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische
Schadstoffe wurden Fragen der Umweltchemikalienpolitik und deren
Auswirkungen auf die Polargebiete erörtert.

Maßgebliches Ergebnis des Workshops sind Empfehlungen für zielgerichtete
Forschungsaktivitäten, um dringende Fragen zu klären und mögliche
zukünftige Maßnahmen zur Erhaltung eines guten Umweltzustands der Arktis
und der Antarktis vorzuschlagen. Dies ist auch von besonderem Interesse
für die Ende Mai 2022 durch Deutschland in Berlin ausgerichtete Antarktis-
Vertragsstaatenkonferenz.

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Digitaler Kampf um Aufmerksamkeit

Wissenschaftler der DHBW Karlsruhe untersuchen digitalen Medienkonsum mit
Eye Tracking-Technologie.

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, weshalb sie bestimmten Nachrichten
deutlich mehr Aufmerk-samkeit schenken als anderen. Auch die zunehmende
Beliebtheit von Social Media als Informationsquelle verändert die Art, wie
wir Nachrichten konsumieren und Meinungen bilden.
Diese Prozesse werden allerdings nur selten hinterfragt. Doch gerade in
Zeiten der Desinformation und „alternativer Fakten“ erfordert es
weitreichende Medienkompetenz, um sich den eigenen Meinungsbildungsprozess
bewusst zu machen. Wissenschaftler der DHBW Karlsruhe nutzen unter anderem
die Eye Tracking-Technologie, um Verhaltensmuster beim digitalen
Medienkonsum genauer zu analysieren. Erste Untersuchungen mit Studierenden
zeigten bereits im vergangenen Jahr interessante Erkenntnisse.

Aufmerksamkeit wird durch reißerische Mittel gelenkt

„Unser Medienkonsum folgt den Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie.“,
resümiert Michael Rasimus, Leiter des Eye Tracking-Labors der Dualen
Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe. So stehen auch Medienangebote
immer im Wettbewerb um kurze Aufmerksamkeitsspannen. Ein vorwiegend
reizgesteu-erter Prozess, der größtenteils unterbewusst abläuft. Er hat
aber maßgeblichen Einfluss auf die Auswahl der einzelnen Beiträge, die wir
täglich konsumieren und zur Meinungsbildung heranziehen.
So erhalten reißerische Überschriften und ausdrucksstarke Bilder
erwartungsgemäß überproportional viel Aufmerksamkeit. Auch Signalwörter
und -farben beeinflussen diesen selektiven Wahrnehmungsprozess. Emotionen
(Freude, Angst, Überraschung, Wut, Verachtung, etc.) wirken als
Wahrnehmungsverstärker, weshalb emotionale Nachrichten deutlich mehr
Beachtung finden als rein sachliche Beiträge. Sie bleiben eher in
Erinnerung und tragen unterschwellig zur Meinungsbildung bei, da sie
seltener rational hinterfragt werden und somit leichter durch die
Aufmerksamkeitsfilter dringen. Diese Techniken werden beispiels-weise auch
zur Steigerung der Werbewirkung eingesetzt.

Nur Überschriften werden gelesen

Aber auch das eigene Verhalten beeinflusst die Meinungsbildung. Online-
News werden vorwiegend schnell überflogen (sog. „Skimming“). Oft bleibt es
beim Anlesen der Überschriften und kurzen Teaser-Texten, ohne dass die
vollständigen Artikel abgerufen oder gar kritisch hinterfragt werden.
Gerade kostenlose News-Angebote setzen deshalb auf überzogene Schlagzeilen
(sog. „Clickbaiting“) und Zuspitzungen, um die Klick-Wahrscheinlichkeit zu
erhöhen. Doch auch beiläufig konsumierte Informationen und Stim-
mungsbilder unterliegen der Reizverarbeitung. Da ist es unerheblich, ob es
sich um journalistisch recher-chierte Inhalte handelt, oder solche, die
lediglich der Aufmerksamkeitssteigerung dienen.

Algorithmen heben Themen hervor

In sozialen Netzwerken verleihen Algorithmen emotionalen, plakativen und
polarisierenden Beiträgen deutlich mehr Sichtbarkeit, da sie häufiger
kommentiert, geteilt oder geliked werden. Das kann dazu füh-ren, dass wir
uns übermäßig mit Themen beschäftigen, die objektiv betrachtet zwar wenig
Relevanz ha-ben, in unserem Netzwerk aber starke Reaktionen auslösen.
Gleichzeitig kann sich, allein aufgrund der Kontakthäufigkeit, die
Wahrheitsvermutung selbst gegenüber offensichtlich absurden Inhalten
erhöhen, weil sie einem „irgendwie bekannt“ vorkommen. So entstehen
mitunter erhebliche Wahrnehmungsverzer-rungen, die nicht selten zulasten
einer sachlichen Beurteilung oder differenzierten Sichtweise gehen.

Forschende fordern mehr digitale Medienkompetenz

Im Gegensatz zur analogen Welt sind digitale Medien deutlich komplexer und
erfordern neue Kompeten-zen. Heute sind User nicht mehr nur passive
Konsumenten von - für alle gleiche - Nachrichten. Sie selbst können durch
ihre Aktivitäten maßgeblich Einfluss auf die Erstellung, Verbreitung und
Einordnung von Beiträgen innerhalb ihrer Community nehmen. Somit beziehen
sie ihre Informationen auch jeweils aus einem persönlichen
„Nachrichtenkosmos“, der sich deutlich von anderen unterscheiden kann.
„Gerade weil wir heute Zugriff auf so viele unterschiedliche Quellen und
ungeprüfte Informationen haben, ist es umso wichtiger, dass alle das
Zusammenspiel zwischen digitalen Medien, der menschlichen Wahrneh-mung und
Meinungsbildung auch verstehen.“, gibt Rasimus zu bedenken. Digitale
Medienkompetenz wird dadurch zur Schlüsselqualifikation einer zunehmend
digitalisierten Gesellschaft, deren Erlangen sich auch positiv auf den
gesamtgesellschaftlichen Diskurs auswirken dürfte.

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Startschuss für das erste ELLIS-Institut in Tübingen

Mit der feierlichen Unterzeichnung einer Fördervereinbarung haben Baden-
Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Dr. h. c. Hans-Werner
Hector, Prof. Dr. Bernhard Schölkopf und Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor
der Universität Tübingen, am Donnerstag im Stuttgarter Neuen Schloss den
offiziellen Startschuss zum Aufbau des europaweit ersten ELLIS-Instituts
am Cyber Valley Campus in Tübingen gegeben.

Stuttgart/Tübingen, 27. Januar 2022 – Mit der feierlichen Unterzeichnung
einer Fördervereinbarung haben Baden-Württembergs Ministerpräsident
Winfried Kretschmann, Dr. h. c. Hans-Werner Hector, Prof. Dr. Bernhard
Schölkopf und Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, am
Donnerstag im Stuttgarter Neuen Schloss den offiziellen Startschuss zum
Aufbau des europaweit ersten ELLIS-Instituts am Cyber Valley Campus in
Tübingen gegeben.

Das ELLIS-Institut wird in den kommenden zehn Jahren von der Hector
Stiftung mit insgesamt 100 Millionen Euro gefördert. Damit wird das Cyber
Valley Ökosystem um ein Institut ergänzt, das international rekrutierten
und hoch qualifizierten Forschenden größtmögliche Freiräume und
außergewöhnlich attraktive und flexible Rahmenbedingungen bietet. Das
ELLIS-Institut wird aufgrund dieser Rahmenbedingungen auch international
als ein besonders attraktives Angebot wahrgenommen werden. Ziel ist es,
wissenschaftliche Talente aus der Spitzenforschung für einen Wechsel nach
Baden-Württemberg zu gewinnen. Das Land Baden-Württemberg gibt weitere 25
Millionen Euro dazu und wird zusätzlich zu seinem bisherigen Engagement im
Cyber Valley die bauliche Unterbringung sowie die Administration für das
ELLIS-Institut bereitstellen. Mit dem ELLIS-Institut entsteht damit in
Baden-Württemberg für die Erforschung der künstlichen Intelligenz (KI) ein
neuer europäischer Leuchtturm mit Modellcharakter.

„Mit dem ELLIS-Institut zünden wir die nächste Stufe im Cyber Valley. Wir
machen dieses Institut zu einem Knotenpunkt im gesamten ELLIS-Netzwerk,
einem Netzwerk, in dem sich Spitzenforscherinnen und -forscher aus ganz
Europa zusammenfinden. Dies mit genau einem festen Standort: dem Cyber
Valley hier bei uns in Baden-Württemberg. Das ELLIS-Institut wird künftig
die besten Köpfe der Wissenschaft aus aller Welt anziehen – die Stars der
Szene, aber genauso unseren wissenschaftlichen Nachwuchs“, so
Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Wer ans ELLIS-Institut kommt, den
erwartet dort größtmögliche Beinfreiheit, bestmögliche Ausstattung, ein
inspirierendes Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft und die heißesten
Themen der KI-Szene. Mit der großzügigen Förderung der Hector Stiftung von
100 Millionen Euro über die nächsten zehn Jahre wird ELLIS ein echtes
Forschungs-Eldorado in Baden-Württemberg.“

Der Stifter Dr. h. c. Hans-Werner Hector begründet sein Engagement für das
ELLIS-Institut so: „KI wird zur Schlüsseltechnologie für viele
Forschungsbereiche wie Medizin, Produktionsprozesse, Klimaschutz und
Verkehr – um nur einige zu nennen. Aufgrund der unterschiedlichsten
Anwendungsbereiche wird unser Leben zukünftig stark von ihr beeinflusst.
Deutschland sollte im Forschungsbereich KI eine wichtige Rolle einnehmen.
Daher möchten wir mit unserer Stiftung diese Entwicklung unterstützen.“

Private Finanzierung kann öffentliche Forschung entscheidend voranbringen

Bernhard Schölkopf, der als Direktor am Max-Planck-Institut für
Intelligente Systeme in Tübingen maßgeblich an der Gründung von Cyber
Valley 2016 und dem Europäischen Laboratorium für Lernen und Intelligente
Systeme (ELLIS) zwei Jahre später beteiligt war, wird dem neuen ELLIS-
Institut als Gründungsdirektor vorstehen. „Zukünftige Systeme werden mit
der Komplexität der Welt umgehen, indem sie aus Beobachtungen lernen – von
der Astronomie über die Klimaforschung bis hin zur Medizin. Um diese zu
gestalten, haben wir das Cyber Valley und die ELLIS-Initiative gegründet.
Ich war sehr dankbar für die Gelegenheit, mich mit Dr. Hans-Werner Hector
umfassend über diesen Paradigmenwechsel austauschen zu können, und ich bin
nun dankbar für seine großzügige Unterstützung. Seine Vision und Tatkraft
fallen hier auf fruchtbaren Boden. Ich hoffe, dass das ELLIS-Institut
viele talentierte Menschen nach Baden-Württemberg bringen wird, weit über
unsere Grenzen hinaus ausstrahlt, und zu einer KI beiträgt, die auf
unseren europäischen Werten beruht“, sagte Schölkopf.

„Es ist großartig, dass die Hector Stiftung mit der außerordentlich
großzügigen Förderung des ELLIS-Instituts ihr Engagement am
Forschungsstandort Tübingen weiter ausbaut“, ergänzte Rektor Engler.
„Schon mit dem 2014 gegründeten Hector Institut für Empirische
Bildungsforschung an der Universität Tübingen zeigte die Stiftung, dass
sie zukunftsweisende Akzente für die Profilbildung des Standorts zu setzen
vermag und bewies, dass zusätzliche private Finanzierung öffentliche
Forschung entscheidend voranbringen kann. Das ELLIS-Institut ist ein
wichtiger Schritt, um den Standort Tübingen in der europäischen Spitze
eines Forschungsfeldes zu positionieren, das für die weitere Entwicklung
von Gesellschaft und Wirtschaft von essentieller Bedeutung ist. Zudem wird
ELLIS wesentlich dazu beitragen, das Cyber Valley Ökosystem dauerhaft zu
einem Leuchtturm in der EU und darüber hinaus zu etablieren.“

Cyber Valley in Tübingen wird weiter ausgebaut

Vor wenigen Wochen hatte die Landesregierung Baden-Württembergs mit einer
Investition von 180 Millionen Euro den Weg freigemacht für den Ausbau des
Cyber Valley Campus am Standort Tübingen um mehrere Gebäude. Eines dieser
geplanten Gebäude („Cyber Valley III“, Maria-von-Linden-Straße 8) wird
künftig unter anderem die Heimat des ELLIS-Instituts sein. Mit Cyber
Valley – einem zentralen Element der KI-Strategie des Landes – wird seit
2016 in einer gemeinsamen Initiative von Wissenschaft und Wirtschaft in
Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg und der Max-Planck-Gesellschaft
ein international führender Forschungsstandort im Bereich des maschinellen
Lernens, des maschinellen Sehens und der Robotik aufgebaut. Cyber Valley
ist mit seinen Standorten in Stuttgart und Tübingen bereits an seinem
fünften Geburtstag im Dezember 2021 eine der größten
Forschungskooperationen Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Exzellente Grundlagenforschung wird mit interdisziplinärer und
industrieller Forschung und einer lebhaften Gründerszene zu einem
Innovationsökosystem zusammengeführt.

Der Forschungsschwerpunkt in Tübingen liegt auf dem Aufbau lernender
Systeme, die der Vielseitigkeit und Robustheit natürlicher intelligenter
Systeme nahekommen. Viele KI-basierte Anwendungen sind auf ein
spezifisches Problem festgelegt, funktionieren aber nicht mehr, wenn sich
dieses Problem verändert. Sie können keine kausalen Zusammenhänge
erkennen. In Tübingen wird an Ansätzen geforscht, diese Lücke zu
schließen.

ELLIS-Institut soll die weltweit besten KI-Talente anziehen

Eines der Ziele in Tübingen ist es auch, mit dem neuen ELLIS-Institut eine
Forschungseinrichtung zu gründen, die die weltweit größten Talente im
Bereich des maschinellen Lernens anzieht und hält. Mit den „Hector Endowed
ELLIS Fellowships“ werde es künftig noch besser möglich, hoch
qualifizierte und weltweit begehrte Forschende aller Karrierestufen
anzuziehen, größtmögliche Freiräume sowie flexible Rahmenbedingungen zu
bieten. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sollen bestmögliche
Bedingungen geboten werden, um zukunftweisende Grundlagenforschung zu
betreiben und mit ihrer Forschung zu Durchbrüchen in Anwendungsgebieten
beizutragen“, so Schölkopf.

Die geförderten Hector Endowed ELLIS Fellows finden in Cyber Valley eine
hervorragende Forschungsumgebung und leistungsstarke
Wirtschaftsunternehmen vor. Insbesondere ist eine enge Kooperation mit dem
Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) und der Universität
Tübingen vorgesehen, etwa in Form von gemeinsamen Berufungen, Promotionen
und bei der Nutzung von Infrastruktur. MPI-IS und Universität betreiben
heute bereits das gemeinsam von Bund und Land geförderte KI-
Kompetenzzentrum Tübingen AI Center, eines der fünf KI-Kompetenzzentren
Deutschlands.

Dem ELLIS-Institut in Tübingen sollen weitere Institute im Rahmen der
ELLIS-Initiative an anderen Standorten in ganz Europa folgen. Ziel von
ELLIS ist es, langfristig eine pan-europäische Forschungsorganisation
aufzubauen, die es mit den führenden KI-Standorten weltweit aufnehmen
können und deren Institute jeweils als Nukleus eines hochgradig
innovativen lokalen Ökosystems fungieren.

Über ELLIS:
Das Europäische Laboratorium für Lernen und Intelligente Systeme (ELLIS)
soll die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen KI nachhaltig sichern,
indem es das Fachwissen von Spitzenforscher:innen auf dem Gebiet des
maschinellen Lernens und verwandter Gebiete auf dem gesamten Kontinent
bündelt. Die Ende 2018 gegründete ELLIS-Initiative hat sich schnell zu
einem paneuropäischen Netzwerk entwickelt, das 34 Forschungseinheiten an
erstklassigen Einrichtungen in 20 Ländern umfasst, darunter vier in Baden-
Württemberg (Freiburg, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen). Derzeit gibt es
14 ELLIS-Forschungsprogramme sowie ein pan-europäisches
Doktorandenprogramm, das im September 2020 gestartet ist. Mit diesen und
weiteren Initiativen wollen die Mitglieder des ELLIS-Netzwerks Exzellenz
in der Grundlagenforschung fördern. Dies wird europäische
Wissenschaftler:innen in die Lage versetzen, die technologische und
gesellschaftliche Revolution des 21. Jahrhunderts mit menschenzentrierter,
nutzbringender KI aktiv zu gestalten.

Über Cyber Valley:
Cyber Valley ist Europas größtes Forschungskonsortium im Bereich der
künstlichen Intelligenz mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie. Das
Land Baden-Württemberg, die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Max-Planck-
Institut für Intelligente Systeme, die Universitäten Stuttgart und
Tübingen sowie Amazon, BMW AG, Daimler AG, IAV GmbH, Dr. Ing. h.c. F.
Porsche AG, Robert Bosch GmbH und ZF Friedrichshafen AG sind die
Gründungspartner dieser Initiative. Seit 2019 ist zudem die Fraunhofer-
Gesellschaft Cyber Valley Partner. Unterstützt wird Cyber Valley zudem von
der Christian Bürkert Stiftung, der Gips-Schüle-Stiftung, der Vector
Stiftung und der Carl-Zeiss-Stiftung.

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Warum Schwangere sich gegen Covid impfen lassen sollten

Medizinerinnen und Mediziner aus der Klinik für Frauenheilkunde und
Geburtshilfe am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bestätigen
die Ergebnisse einer internationalen Studie zu den Folgen einer Covid-
Infektion bei Schwangeren. Demnach haben ungeimpfte Schwangere ein weitaus
höheres Risiko sich zu infizieren, schwer oder schwerst zu erkranken. „Es
ist uns ein großes Anliegen, dass sich Schwangere impfen lassen“, sagt
Klinikdirektorin Prof. Pauline Wimberger. Unsichere Schwangere sollten
sich an ihren Gynäkologen wenden und alle offenen Fragen ansprechen. „Die
Impfung ist der beste Schutz für die Frauen und die ungeborenen Kinder“,
sagt sie.

Dies unterstreicht auch Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am
Uniklinikum: „Weiterhin ist es uns sehr wichtig, dass sich viele Menschen
für eine Impfung entscheiden und sich auch boostern lassen. Das gilt auch
für Schwangere. Die Impfung ist der beste Schutz, den es gegen einen
schweren Verlauf der Infektion gibt. Die Zahlen der Studie belegen dies.“
Das Geschehen auf der Covid-19-Intensivstation des Dresdner Uniklinikums
illustriert dies auf dramatische Weise: In den vergangenen Monaten kamen
zwei Babys von schwer an Covid-19 erkrankten Müttern hier per
Kaiserschnitt in der extremen Frühgeburtlichkeit zur Welt.

Eine Schwangerschaft ist für viele Frauen eine aufregende Zeit, die auch
von Unsicherheit und Ängsten geprägt ist. Das gilt besonders während der
Corona-Pandemie. Die Sorge sich selbst zu infizieren, vor
Kontaktbeschränkungen während oder kurz nach der Geburt sowie fehlenden
Austausch mit anderen Schwangeren macht es vielen werdenden Müttern nicht
einfach. Hinzu kommen immer wieder Fragen, ob und wann eine
Coronaschutzimpfung möglich ist und wie sich diese auf das ungeborene Kind
auswirken könnte. Dabei sind die Ängste vor einer Impfung in den
allermeisten Fällen unbegründet. Die Ständige Impfkommission empfiehlt
seit dem 17. September eine Covid-Schutzimpfung 2021 für Schwangere ab dem
zweiten Schwangerschaftsdrittel, das heißt ab der 14.
Schwangerschaftswoche, und für Stillende. Noch ungeimpften Schwangeren
wird demnach die Impfung mit zwei Dosen des mRNA-Impfstoffs von Biontech
im Abstand von drei bis sechs Wochen ab dem zweiten
Schwangerschaftsdrittel empfohlen. Wenn die Schwangerschaft nach bereits
erfolgter Erstimpfung festgestellt wurde, sollte die Zweitimpfung erst ab
dem zweiten Schwangerschaftsdrittel vorgenommen werden. Dieser Empfehlung
bekräftigen Medizinerinnen und Mediziner aus der Klinik für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Dresden.

Die Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monaten hat das
geburtshilfliche Team bewegt, alle ambulanten und stationären Frauen eine
Impfung anzubieten. „Wenn wir schwangere Covid-Patientinnen auf der
Intensivstation sehen, dann sind diese alle ungeimpft“, sagt
Klinikdirektorin Prof. Pauline Wimberger. In den vergangenen Monaten
wurden auf der Covid-19-Intensivstation des Dresdner Uniklinikums zwei
Babys in der extremen Frühgeburtlichkeit per -Kaiserschnitt entbunden. In
beiden Fällen waren die Mütter ungeimpft und hatten einen so schweren
Krankheitsverlauf, dass sie ins künstliche Koma versetzt und über Wochen
maschinell beatmet werden mussten. „Die ersten Lebenswochen eines
Neugeborenen sind ganz wichtig für die Bindung zwischen Mutter und Kind.
Diese Beziehungserfahrungen spielen eine wichtige Rolle bei der weiteren
seelischen und körperlichen Entwicklung des Kindes“, sagt Prof. Wimberger.
„Es ist tragisch, wenn durch eine fehlende Impfung die Mutter und
möglicherweise auch das Kind in eine lebensbedrohliche Situation geraten
und über die Infektionskrankheit hinaus anhaltende Schäden davontragen.“
Die Zahlen der letzten Monate sprechen bezüglich der schützenden Wirkung
der Covid-19-Impfung von einer klaren Sprache. Sie reduziert die Gefahr
einer Infektion deutlich. Falls sich Geimpfte dennoch infizieren,
reduziert das Vakzin die Schwere der Erkrankung und die Dauer einer
stationären Behandlung deutlich.

Eine Studie in Schottland, die in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“
veröffentlicht wurde, bestätigt diese Beobachtungen. Seit dem Start des
schottischen Impfprogramms im Dezember 2020 wurden bis Oktober 2021 91.183
Schwangerschaften bei 87.694 Frauen analysiert. Das Ergebnis: Ungeimpfte
Schwangere müssen bei einer Corona-Infektion wesentlich häufiger im
Krankenhaus behandelt werden als geimpfte, zudem infizieren sie sich
weitaus häufiger als geimpfte Schwangere. Dabei kann eine Infektion
erhebliche Folgen nicht nur für die werdende Mutter, sondern auch für das
ungeborene Kind haben. „Es kann zu Fehl- oder zu Totgeburten kommen. Es
kann auch notwendig werden, die Schwangerschaft frühzeitig zu beenden, um
die Mutter zu schützen, was dann mitunter eine extreme Frühgeburtlichkeit
mit all ihren Folgen bedeuten kann.“ sagt die Ärztin.

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