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Kreative Problemlösung als Schulwissen

Am 8. Dezember ist Tag der Bildung, eine Initiative des Stifterverbands.
Das Thema Bildung soll ins öffentliche Bewusstsein gerückt,
gesellschaftliche Diskussionen angeregt werden. Ein Interview mit
Entrepreneurship-Professor Dr. Sven Ripsas von der HWR Berlin.

Zur Person
Prof. Dr. Sven Ripsas ist Professor für Entrepreneurship an der Hochschule
für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin). Er setzt sich für mehr
ökonomische Bildung, vor allem für die Förderung des „entrepreneurial
mindsets“ in Schulen ein. Er plädiert für die Einführung eines Schulfachs
„Wirtschaft“ und Entrepreneurial Education.

Herr Prof. Ripsas, was genau fehlt in der Schule?

Deutschland gehört innerhalb der EU in Sachen Entrepreneurship Education
zu den Schlusslichtern, da es trotz der Erfolge der sozialen
Marktwirtschaft eine unerklärliche Skepsis unter Lehrer*innen gegenüber
Marktprozessen gibt. Es fehlt ein positives Narrativ. In Deutschland
denken viele beim Thema Entrepreneurship (auf Deutsch: Unternehmergeist),
nur an Geld und Männer. Dabei zielt die moderne Entrepreneurship Education
auf alle Schülerinnen und Schüler und hat das kreative Problemlösen als
Mittelpunkt. Ökonomie, Ökologie und Digitalisierung müssen vernetzt
gedacht werden. Sozial Unternehmer*innen sind genauso Vorbilder wie
Technologiegründer*innen.

Warum ist es wichtig, mehr Wirtschaft als bisher im Lehrplan zu verankern
und anders als im Fach „Wirtschaft, Arbeit, Technik“?

Ich möchte die jungen Menschen ertüchtigen, das Leben in die eigenen Hände
zu nehmen. Unabhängigkeit ist für uns alle ein wichtiges Lebensgefühl.
Nicht vom Staat oder dem Arbeitgeber abhängig zu sein, sondern das zu tun,
was ich besonders mag und gut kann, eröffnet mir eine positive
Lebenseinstellung und ein hohes Selbstwertgefühl. Entrepreneurship
Education ist Empowerment und ermöglicht reale Teilhabe.

Weshalb gehört das für Sie zum notwendigen Alltagswissen?

95 Prozent der deutschen Bildungspolitiker*innen und bestimmt auch 95
Prozent der Medienvertreter*innen und Eltern ist der Unterschied zwischen
Entrepreneur und Kapitalist unbekannt. Dabei sehen sie fast täglich, wie
Menschen mit Kreativität und Idealismus und wenig Kapital Unternehmen
gründen und Produkte und Dienstleistungen schaffen, von denen wir sehr
häufig profitieren. Eine Unternehmensgründung ist eine Herkulesaufgabe,
umso mehr, als die ökologische Nachhaltigkeit des neuen Unternehmens im
Jahr 2021 eine wichtige Rolle spielt.

Sie sind ehrenamtlicher Vorsitzender des Network for Teaching
Entrepreneurship in Deutschland. Was bringen Sie Lehrer*innen bei?

Wir helfen den Pädagog*innen, Entrepreneurship als Prozess des Entdeckens
zu verstehen. Es geht nicht um Kostenreduzierung und Ausbeutung, sondern
die kreative und sparsame Nutzung von Ressourcen und neuen Technologien,
darum, unseren Lebensstandard zu erhalten. Social Entrepreneurship ist
dabei eine fantastische Brücke, denn hier geht es vor allem um das
Gemeinwohl. Social Entrepreneurship ist genauso wichtig, wie das
gewinnorientierte Startup, das dann die Steuern zahlt, um
Sozialunternehmen zu ermöglichen.

Prof. Ripsas, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Sylke Schumann, Pressesprecherin der Hochschule für
Wirtschaft und Recht Berlin.

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin ist mit über 11 500
Studierenden eine der großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften –
mit ausgeprägtem Praxisbezug, intensiver und vielfältiger Forschung, hohen
Qualitätsstandards sowie einer starken internationalen Ausrichtung. Das
Studiengangsportfolio umfasst Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts- und
Sicherheitsmanagement sowie Ingenieurwissenschaften in über 60
Studiengängen auf Bachelor-, Master- und MBA-Ebene. Die HWR Berlin
unterhält 195 aktive Partnerschaften mit Universitäten auf allen
Kontinenten und ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 – Alliance for
Excellence“. Als eine von Deutschlands führenden Hochschulen bei der
internationalen Ausrichtung von BWL-Bachelorstudiengängen und im Dualen
Studium belegt die HWR Berlin Spitzenplätze in deutschlandweiten Rankings
und nimmt auch im Masterbereich vordere Plätze ein. Die HWR Berlin ist
einer der bedeutendsten und erfolgreichen Hochschulanbieter im
akademischen Weiterbildungsbereich und Gründungshochschule. Die HWR Berlin
unterstützt die Initiative der Hochschulrektorenkonferenz „Weltoffene
Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“.

http://www.hwr-berlin.de

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Wissenschaftsreflexion - ein Forschungsschwerpunkt stellt sich vor

Neue Ausgabe des Forschungsmagazins der Leibniz Universität Hannover ist
erschienen

Wissenschaftliche Forschung und wissenschaftliche Expertise sind in den
vergangenen Jahren immer mehr Teil gesellschaftlicher Diskussionen und
Grundlage von gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen geworden. Der
„wissenschaftliche Blick“ ist auch im Alltag oft präsent, der Begriff der
„Wissensgesellschaft“ verdeutlicht diese Entwicklung. Gleichzeitig sind
einerseits immer noch sehr viele Menschen von diesen Diskursen
ausgeschlossen und haben nicht die Möglichkeit, von Erkenntnissen zu
profitieren oder an ihnen teilzuhaben. Andererseits gibt es Bewegungen in
der Gesellschaft, die die Bedeutung von Hochschule und Wissenschaft
generell in Frage stellen und ihren steigenden Einfluss ablehnen.

Hier setzt das „Forum Wissenschaftsreflexion“ an. Der Forschungsbau der
Leibniz Universität Hannover, der in den kommenden Jahren in Hannovers
Nordstadt entstehen wird, wird der interdisziplinären
wissenschaftsreflektiven Forschung einen Ort geben. Die Spannungsfelder,
zwischen denen sich Wissenschaft positionieren und behaupten muss, sind
enorm und bedürfen der Analyse – das schließt die Reflexion über die
eigenen Strukturen und Verfasstheit ein. Die Fragestellungen des
Forschungsschwerpunkts der LUH sind interdisziplinär ausgerichtet und
werden im Kern von der Philosophie, der Soziologie, der Politik-, Rechts-
und Volkswirtschaftslehre betrachtet und von weiteren Disziplinen wie
Geschichtswissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Linguistik, Literatur-
oder Kulturwissenschaft ergänzt.

Das Unimagazin gibt einen Einblick in das entstehende „Forum
Wissenschaftsreflexion“. Nach einer umfassenden Einleitung in das Thema
widmet sich ein erster Teil den Ergebnissen der Studierendenforschung und
erläutert beispielsweise Wege an die Hochschule und fragt, warum Kinder
von Nicht-Akademikerfamilien nach wie vor seltener studieren.
Anschließend werden epistemische und ethische Erkundungen zu so
unterschiedlichen Themen wie „Corona als Jahrhundert-Herausforderung“, der
Diskriminierung von speziellen Bevölkerungsgruppen durch Algorithmen oder
der strukturellen Entwicklung von Hochschulen dargestellt.
Im dritten Teil nehmen die Autorinnen und Autoren gesellschaftliche und
wissenschaftsinterne Widersprüche auf. So wird die Infragestellung
wissenschaftlichen Wissens in den Blick genommen ebenso wie der Vorschlag,
Drittmittel in der Forschung per Losverfahren zu verteilen.
Das Unimagazin ist auch digital verfügbar. Sie finden das Heft ab sofort
online unter <http://www.uni-
hannover.de/de/universitaet/veroeffentlichungen/unimagazin/>
Das Unimagazin gibt es auch in einer neuen App der Leibniz Universität für
das Smartphone oder Tablet. Dort finden Sie die Berichte in angepasstem
Format, auch das Lesen im Browser ist möglich. Sukzessive werden die
bereits archivierten Ausgaben eingestellt. Sie können sich die Anwendung
im Apple App Store und im Google Play Store laden:
<https://apps.apple.com/de/app/leibniz-uni-hannover/id1502549658>
<https://play.google.com/store/apps/details?id=com.pressmatrix.leibnizuni>

Die Inhalte des Magazins:

Eva Barlösius/Torsten Wilholt
Was ist, was will und wozu braucht es Wissenschaftsreflexion?
Eine Einleitung

ERGEBNISSE AUS DER STUDIERENDENFORSCHUNG

1.      Stephan Thomsen/Johannes Trunzer
Ökonomische Analyse der Bologna-Reform
Methodische Überlegungen

2.      Christian Imdorf/Nadine Bernhard/Nadine Dörffer
Wege an die Hochschule
Können berufliche Schulen Zugänge zu einer akademischen Bildung sozial
öffnen?

3.      Sandra Buchholz/Monika Jungbauer-Gans
Soziale Herkunft hat starken Einfluss
Warum Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien seltener studieren

EPISTEMISCHE UND ETHISCHE ERKUNDUNGEN

4.      Dietmar Hübner/Uljana Feest/Mathias Frisch
Big Data, Machine Learning
- und diskriminierende Algorithmen?

5.      Thomas Reydon
Aspekte evolutionären Denkens in der interdisziplinären Forschung
Eine Analyse aus der Wissenschaftsphilosophie

6.      Mathias Frisch
Die „Jahrhundert-Herausforderung“ Corona
Ethische und wissenschaftsphilosophische Aspekte

NEUE FORSCHUNGSPERSPEKTIVEN

7.      Nils Hoppe/Matthew Sample
Wissenschaftsreflexion und Normativität
Neues Forschungsfeld soll Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion
liefern

8.      Leonie Weißenborn
Was man aus ‚institutional research‘ lernen kann
Am Beispiel der Forschung zur Einführung des Tenure-Track-Verfahrens

9.      Anna Kosmützky
Konkurrenz und Kooperation in der Wissenschaft
Traditionelle Muster und moderne Formen wissenschaftlicher
Wissensproduktion

GESELLSCHAFTLICHE UND WISSENSCHAFTLICHE WIDERSPRÜCHE

10.     Eva Barlösius/Eva Ruffing
Drei Formen der Infragestellung wissenschaftlichen Wissens und
wissenschaftlicher
Expertise
Eine Heuristik

11.     Axel Philipps
Lotto in der Wissenschaft
Zur Idee, Drittmittel für Forschungsvorhaben zufällig zu verteilen

12.     Roni Deger
Binnendifferenzierung der Professur
Interdisziplinäre Analysen zum Hochschulrecht und hochschulischer Praxis

13.     Vitus Püttmann/Stephan Thomsen
Zwischen externen Erwartungen und Risiken
Die Beteiligung von Wissenschaftler*innen am öffentlichen Diskurs

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Festtage sind brandgefährlich für Kinder!

Sicherheitstipps der Stiftung Kindergesundheit zur Vorbeugung und
Behandlung von Verbrennungen

Der besonderen Faszination des Kerzenlichts können sich nur wenige
Erwachsene entziehen – Kinder erliegen ihr ganz und gar. Ihre Begeisterung
für alles, was brennt, bürdet den Eltern gerade in der Zeit von Advent und
Weihnachten eine besondere Verantwortung auf, betont die Stiftung
Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme: Sie müssen ihrem Kind
einerseits den vorsichtigen Umgang mit dem offenen Feuer beibringen, zum
anderen müssen sie aber Vorkehrungen treffen, um Schlimmes zu verhüten.

„Die besinnlichen Tage des Advents mit ihrer stimmungsvollen Atmosphäre
und dem warmen Licht der Kerzen haben für Kinder auch heute noch nichts
von ihrer Faszination verloren“, sagt Professor Dr. Berthold Koletzko,
Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Leider verwandelt sich die
Idylle nur zu oft in eine brandheiße Gefahr: Verbrennungen gehören zu den
häufigsten Unfällen im Kindesalter und leider auch zu den gefährlichsten.
Jedes Jahr erleiden etwa 7.500 Kinder so schwere Brandverletzungen, dass
sie in Kliniken stationär behandelt werden müssen. In der Weihnachtszeit
ist die Gefahr besonders hoch. Deshalb ist es besonders wichtig, dass alle
Kinder frühzeitig lernen: Mit Feuer spielt man nicht, denn Feuer ist
gefährlich“.

Es ist erfahrungsgemäß nur wenig sinnvoll, Kindern jeden Umgang mit dem
Feuer zu verbieten, betont die Stiftung Kindergesundheit. Im Gegenteil:
Der Reiz des Verbotenen steigert nur noch den Wunsch zu zündeln. Besser
ist es, wenn schon kleine Kinder unter genauer Anleitung der Eltern
lernen, wie man ein Streichholz oder ein Feuerzeug richtig anzündet
(nämlich im richtigen Abstand vom Körper) und wie man mit einer Kerze
umgeht.

Kind allein mit Kerzen – ein absolutes „No-go“!
Um eines freilich kommen die Eltern nicht herum: Sie müssen ihrem Kind von
Anfang an einschärfen, dass es nur dann Feuer anzünden darf, wenn
Erwachsene dabei sind. Allein mit Streichhölzern oder Kerzen zu hantieren
ist strengstens verboten. Damit diese Empfehlung auch eingehalten wird,
sollte man Kinder niemals mit brennenden Kerzen alleinlassen,
unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit. Aber auch die Kerzen selbst
sollten nie unbeobachtet bleiben: Schon eine leichte Zugluft kann genügen,
um Adventskranz, Gardinen, Tapeten oder den Christbaum in Flammen aufgehen
zu lassen.

Besonders häufig brennen Adventskränze und Christbäume, wenn die
Tannennadeln schon ausgetrocknet sind. Wenn irgendwo „ein Lichtlein
brennt“, sollte ein Feuerlöscher oder wenigstens ein Eimer mit Wasser oder
Sand stets griffbereit sein. Adventskränze und Weihnachtsbäume sollten
nicht in der Nähe von Heizkörpern aufgehängt oder aufgestellt werden. Der
Abstand zu Vorhängen und anderen brennbaren Textilien muss groß genug
sein.

Maßnahmen zur Verhütung von Brandunfällen
Damit die weihnachtlichen Klänge im Radio nicht von den Martinshörnern der
Feuerwehr übertönt werden, macht die Stiftung Kindergesundheit in ihrer
aktuellen Stellungnahme auf weitere wichtige Regeln beim Umgang mit
Kerzenfeuer im Advent und zu Weihnachten aufmerksam:

•       Nehmen Sie sich viel Zeit, um Ihrem Kind den richtigen Umgang mit
Feuer zu erklären.
•       Stellen Sie Kerzen nur in intakten Metallhaltern auf. Achten sie
dabei auf ausreichenden Abstand zu Ästen und brennbarem Adventschmuck.
•       Steigen Sie beim Anzünden von Kerzen nicht auf Stühle oder Tische.
•       Lassen Sie die Kinder (und auch Haustiere!) nicht aus den Augen,
wenn Kerzen brennen.
•       Adventskranz oder Weihnachtsbaum mit brennenden Kerzen sollten Sie
auf keinen Fall auch nur für kürzeste Zeit unbeaufsichtigt lassen. Löschen
Sie die Kerzen immer beim Verlassen des Zimmers.
•       Ein Feuerlöscher, ein Wassereimer oder ein Eimer mit Sand sollte
für den Notfall stets griffbereit stehen. Denken Sie daran: Trockene
Christbäume können schlagartig in Flammen stehen, es bleibt dann keine
Zeit mehr, Wasser zu holen.
•       Der Weihnachtsbaum darf Fluchtwege (Türe und Fenster) nicht
versperren.
•       Verwenden Sie für den Weihnachtbaum statt Kerzen lieber geprüfte
LED-Kerzen oder LED-Lichterketten (mit dem VDE- oder GS-Prüfsiegel).
•       Installieren Sie Rauchwarnmelder!

Und wenn doch etwas passiert ist
Eine wichtige Faustregel für die Behandlung von Verbrennungen und
Verbrühungen lautete früher: Die verbrannte Stelle mindestens zehn Minuten
lang unter fließendes kaltes Wasser halten, um ein „Nachbrennen“ zu
verhindern. Diese Regel lernten Autofahrer in ihrem Erste-Hilfe-Kurs für
den Führerschein, so steht es vielleicht noch in manchen Ratgebern für
Laien und Fachpersonal.

Heute heißt es aber: Bloß nicht zu viel kühlen! Es besteht sonst die
Gefahr einer Unterkühlung, die für das Brandopfer sogar lebensgefährlich
werden kann, warnen Experten.

An der aktuellen, unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für
Kinderchirurgie erstellten „Leitlinie zur Behandlung thermischer
Verletzungen im Kindesalter“ haben Vertreter von 13 Fachgesellschaften und
Verbänden mitgearbeitet. Die Experten sind sich einig: Die Behandlung der
verbrannten Stelle mit Wasser ist lediglich bei kleinflächigen
Verbrennungen und nur für kurze Zeit von Nutzen, um die akuten Schmerzen
zu lindern. Als Vergleichsgröße für kleinflächige Verbrennungen gilt die
Handfläche des Betroffenen.

Das Wasser sollte nur handwarm und nicht kalt und schon gar nicht eiskalt
sein. Eine zu lange und übermäßige Kaltwasserbehandlung führt zu einer zu
starken Auskühlung.

Bei kleinen Kindern ist Kühlung tabu!
Selbst dieses Zugeständnis an die bisher gültige Praxis gilt nur für
Erwachsene und größere Kinder. Bei kleinen Kindern, Babys oder
Neugeborenen ist Kühlung generell tabu! Auch wenn Bereiche am Körperstamm
oder am Kopf betroffen sind, muss auf eine Kühlbehandlung ganz verzichtet
werden, lautet die dringende Empfehlung der aktuellen Leitlinie.

Eine weitere Änderung der bisherigen Empfehlungen betrifft den Einsatz von
kühlenden Gels oder Packungen, die sich in vielen häuslichen Verbandkästen
finden und von Apotheken angeboten werden. „Verbrennungs-Gel-Kompressen
und Kühlpacks bieten keine evidenzbasierten Vorteile“, urteilt die neue
Leitlinie, „sie erhöhen möglicherweise das Risiko einer weiteren Senkung
der Körpertemperatur“.

Finger weg von Omas Hausmitteln!
Die Auflage von feuchten Kompressen mit physiologischer Kochsalzlösung ist
ausreichend. Trockene Verbände sind dagegen unbedingt zu vermeiden: Sie
kleben und lassen sich nur unter Schmerzen wieder entfernen. Das Auftragen
irgendwelcher alter „Hausmittel“ wie etwa Butter, Öl, Honig oder Mehl
sollte auf jeden Fall unterbleiben, ergänzt die Stiftung Kindergesundheit.
Solche Stoffe vermindern den Sauerstoffzutritt zum geschädigten Gewebe und
dienen überdies als Nährboden für Keime. Das vergrößert die
Infektionsgefahr.

„Je jünger das Kind, um so eher gehört es bei einem Brandunfall ins
Krankenhaus“, betont Professor Dr. Berthold Koletzko: „Sind die
Verbrennungen schwer, sollte es in einer auf Verbrennungen spezialisierten
Kinderklinik oder in einem Verbrennungszentrum behandelt werden“. Bis zum
Eintreffen des Notarztes muss das Kind vor Auskühlung geschützt werden,
zum Beispiel mit einer wärmenden Decke und durch warme Raumtemperatur. Das
Warmhalten ist auch während des Transports unabdingbar.

Wie schwer ist die Verbrennung?
Verbrennungen und Verbrühungen ersten Grades betreffen nur die obersten
Hautschichten. Die Haut ist gerötet, schmerzhaft, berührungsempfindlich
oder geschwollen. Es gibt keine Blasen.

Verbrennungen zweiten Grades erfassen auch tiefere Hautschichten. Es kommt
zur Blasenbildung und einer Verschorfung der Oberfläche.

Bei Verbrennungen dritten Grades ist die Wundfläche weißgrau oder mit
einem bräunlich schwarzen Verbrennungsschorf überzogen. Manche Hautstellen
sind regelrecht verkohlt.

Langwierige Folgen für Körper und Seele
Brandunfälle im Kindesalter sind enorm stressige und schmerzhafte
Ereignisse mit oft langwierigen Folgen für Körper und Seele. Kinder, die
einen Verbrennungs- oder Verbrühungsunfall erlitten haben, benötigen
intensive schmerzstillende Maßnahmen, um lang dauernde psychische
Spätfolgen des traumatischen Erlebnisses möglichst zu verhindern.

Die oft unabwendbare Narbenbildung kann eine lebenslange Stigmatisierung
des betroffenen Kindes verursachen und oft wiederholte
Korrekturoperationen bis in das Erwachsenenalter nach sich ziehen. Das
erfordert eine enge Zusammenarbeit der an der Betreuung beteiligten
Fachleute, betont die Stiftung Kindergesundheit. Deshalb sollte die
Behandlung von brandverletzten Kindern und die Betreuung ihrer Eltern
interdisziplinär durch ein Team aus Kinderchirurgen, Kinder- und
Jugendärzten und Pflegenden in Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten,
Ergotherapeuten, Orthopädietechnikern und Psychologen erfolgen.

Die meisten Unfälle sind keine Zufälle, unterstreicht Professor Berthold
Koletzko: „Sie ereignen sich nur selten aus heiterem Himmel, sondern
entstehen oft aus zunächst harmlos erscheinenden Situationen. Viele
Unfälle lassen sich durch umsichtige Kontrolle und Überwachung der Kinder,
durch liebevolle Erziehung und Aufklärung und durch die vorausschauende
Gestaltung einer kindgerechten Umwelt verhindern oder zumindest in ihren
Folgen mildern“.

Ausführliche Informationen zum Thema Brandunfälle bietet im Internet die
"Elterninitiative brandverletzte Kinder" auf der Seite www.paulinchen.de.

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Lisa Herzog erhält den Schader-Preis 2022

Der Senat der Schader-Stiftung hat am 12. November 2021 in Darmstadt die
Schader-Preisträgerin für 2022 ausgewählt. Mit dem Preis wird die
Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Lisa Herzog
ausgezeichnet.

Lisa Herzog ist Direktorin des Centre for Philosophy, Politics and
Economics der Universität Groningen in den Niederlanden. Der mit 15.000
Euro dotierte Schader-Preis würdigt Gesellschaftswissenschaftlerinnen und
Gesellschaftswissenschaftler, die aufgrund ihrer wegweisenden
wissenschaftlichen Arbeit und durch ihr vorbildliches Engagement im Dialog
mit der Praxis einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme
geleistet haben.

„Lisa Herzog ist eine der herausragenden Denkerinnen der Gegenwart, die
sich mit grundlegenden Fragen an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und
Philosophie befasst. Ihre Arbeiten zur Philosophie des Marktes, zu
Theorien der Gerechtigkeit und zur Wirtschaftsethik sind wegweisend“,
begründet Angelika Nußberger, Verfassungsrechtlerin an der Universität zu
Köln und Sprecherin des Senats der Schader-Stiftung, die Entscheidung für
die kommende Preisträgerin. „Sie tritt ein für eine menschenwürdige Arbeit
und plädiert für eine verantwortungsvolle Verteilung von Ressourcen, da
Ungleichheit die Demokratie gefährde. Mit ihren Schriften und
Stellungnahmen zu aktuellen Themen leistet sie einen wesentlichen Beitrag
zum gesellschaftspolitischen Diskurs der Gegenwart“, so Nußberger weiter.

„Ich freue mich sehr über diesen Preis, der auf den Dialog zwischen
wissenschaftlicher Arbeit und Gesellschaft fokussiert - ein Thema, das
mich sowohl praktisch als auch als Forschungsthema sehr interessiert“, so
die Preisträgerin Lisa Herzog in einer ersten Reaktion.

Lisa Herzog, geboren 1983, studierte Philosophie, Volkswirtschaftslehre,
Politologie und Neuere Geschichte in München und Oxford. Nach Stationen in
München, St. Gallen, Frankfurt am Main und Stanford ist sie seit 2019
Professorin für Politische Philosophie und seit 2021 Direktorin des Centre
for Philosophy, Politics, and Economics an der Universität Groningen.

Der Schader-Preis wird im Juni 2022 in Darmstadt überreicht. Verliehen
wird er vom Senat der Schader-Stiftung, dem die Preisträgerinnen und
Preisträger der vergangenen Jahre angehören: Prof. Dr. Armin Nassehi
(2021), Prof. Dr. Dorothea Kübler (2020), Prof. Dr. Christoph Möllers
(2019), Prof. Dr. Otfried Jarren (2018), Prof. Dr. Nicole Deitelhoff
(2017), Prof. Dr. Christine Landfried (2016) und Prof. Dr. Dres. h.c.
Angelika Nußberger (2015). Mit der Annahme des Schader-Preises gehört Lisa
Herzog nun selbst sieben Jahre dem Senat der Schader-Stiftung an.

Die Schader-Stiftung fördert seit 1988 den Dialog zwischen
Gesellschaftswissenschaften und Praxis.

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