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Förderantrag bewilligt: HHN bringt noch mehr Künstliche Intelligenz in die Region

     Projekt „Transfer- und Kompetenzzentrum Industrial AI“  wird
umgesetzt

•       HHN überzeugt Carl-Zeiss-Stiftung und erhält Fördermittel in Höhe
von 999.000 Euro

Heilbronn, Dezember 2021. Die Hochschule Heilbronn (HHN) hat bei der
Ausschreibung der Carl-Zeiss-Stiftung zum Thema „Transfer -
Wissenschaftliche Durchbrüche mit Künstlicher Intelligenz in der
Produktion“ mit ihrer Idee überzeugen können: Die Stiftung fördert den
Ausbau des „Transfer- und Kompetenzzentrums Industrial AI“ an der HHN. Das
Zentrum soll insbesondere Firmen bei der Einführung Künstlicher
Intelligenz, kurz KI, unterstützen.

Die KI ist an der Hochschule Heilbronn fester Bestandteil in Forschung und
Lehre. „Die gesamten KI-Aktivitäten der Hochschule aus dem industriellen
Anwendungsfeld sollen nun im ‚Transfer- und Kompetenzzentrum Industrial
AI‘ gebündelt auftreten und in dieser Form noch besser in den Transfer
gebracht werden“, erläutert Projektleiter Professor Nicolaj Stache die
Kernaufgaben des neuen Zentrums.

Mit dem neuen „KI-Dach“ macht die HHN ihr Angebot im KI-Bereich komplett
und ist noch stärkerer Impulsgeber für die Lehre, Forschung sowie für den
essentiellen Wissensaustausch mit der Region.

KI-Expertise für alle

Die HHN setzt eine Vielzahl ihrer KI-Forschungsprojekte direkt für ihre
Partner in der Wirtschaft und deren Produktionsprozesse ein. Die HHN
vernetzt dafür ihre KI-Expert*innen mit den jeweiligen Unternehmen. Denn:
Einsätze der KI in der Produktion fällt vielen Firmen noch schwer.

Mit dem neu-prämierten Leuchtturmprojekt „Transfer- und Kompetenzzentrum
Industrial AI“, geht die HHN einen weiteren Schritt in diese Richtung und
teilt ihr Fachwissen im direkten Austausch: „Im ‚Transfer- und
Kompetenzzentrum Industrial AI‘ zeigen wir unseren Partnerfirmen anhand
von industriellen Anwendungen auf, welche KI-Einsatz-Möglichkeiten sie
haben. Zudem unterstützen wir sie in der Realisierung“, sagt Professor
Stache.

Zur Förderinitiative

In einem zweistufigen Verfahren wurden die eingereichten Projekte von
externen Fachgutachter*innen bewertet und im Anschluss von einer
Auswahlkommission zur Förderung empfohlen. Das Forschungsprojekt der HHN
wird die nächsten drei Jahre mit 999.000 Euro gefördert.

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Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik
Mit über 8.000 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten
Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr
Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und
Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau
und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und
Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit
Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis
gut vernetzt.

Ansprechpartner: Prof. Dr.-Ing. Nicolaj Stache, Professor für Messtechnik
und Sensorik im Kfz, Forschungsprofessor für Künstliche Intelligenz,
Direktor Zentrum für Maschinelles Lernen (ZML), Telefon: 07131 504 6934,
E-Mail: <nicolaj.stache@hs-heilbronn.de>,
Internet: <www.hs-heilbronn.de/zml>

Pressekontakt: Hochschule Heilbronn: Vanessa Offermann,
Telefon: 07131-504-553, E-Mail: <vanessa.offermann@hs-heilbronn.de>,
Internet: <www.hs-heilbronn.de/kommunikation>

Über die Carl-Zeiss-Stiftung
Die Carl-Zeiss-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Freiräume für
wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen. Als Partner exzellenter
Wissenschaft unterstützt sie sowohl Grundlagenforschung als auch
anwendungsorientierte Forschung und Lehre in den MINT-Fachbereichen
(Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). 1889 von dem
Physiker und Mathematiker Ernst Abbe gegründet, ist die Carl-Zeiss-
Stiftung eine der ältesten und größten privaten wissenschaftsfördernden
Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss
AG und SCHOTT AG. Ihre Projekte werden aus den Dividendenausschüttungen
der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.

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So wird Weihnachten nicht zum Risiko für die Lebergesundheit: Deutsche Leberstiftung gibt Tipps

„Alle Jahre wieder …“ Dem bekannten Weihnachtslied kommt – schaut man auf
die aktuell steigenden Corona-Zahlen – eine weitere Bedeutung zu: Wie im
vergangenen Jahr wird auch die kommende Advents- und Weihnachtszeit
Corona-bedingt von besonderen Maßnahmen und Einschränkungen geprägt sein.
Viele Deutsche haben in der Pandemie zugenommen und den sogenannten
„Corona-Speck“ zugelegt. Damit die adventliche Kombination aus wenig
Aktivität und viel Leckerei nicht zusätzlich zur Gewichtszunahme führt und
damit die Lebergesundheit gefährdet, gibt die Deutsche Leberstiftung Tipps
für die kommenden Advents- und Feiertage.

Seit dem Martinstag am 11. November läuft in Deutschland die
„Gänsesaison“. Ob zu Hause oder im Restaurant, der beliebte Gänsebraten
kommt traditionell auf viele Teller, im Jahr 2020 waren es nach Angaben
des Statistischen Bundesamtes insgesamt 21.589 Tonnen. Und auch die Zahlen
für die süße Weihnacht sind beeindruckend, beispielsweise wurden im
vergangenen Jahr laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI)
100 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner verzehrt.

Schon immer wurde in der Advents- und Weihnachtszeit viel – und häufig
viel zu viel – gegessen. Bereits vor einigen Jahren lieferten britische
Forscher einen Erklärungsansatz, den sie den „Variety effect“, also
„Vielfalts-Effekt“ nannten: Je größer das Angebot unterschiedlicher
Lebensmittel auf dem Tisch ist, desto mehr wird gegessen. Die sogenannte
wahrnehmungsspezifische Sättigung bewirkt, dass unser Bedürfnis, ein
bestimmtes Nahrungsmittel zu konsumieren, sinkt, während wir es
verspeisen. Wenn jedoch wie bei den meisten Festessen in der
Weihnachtszeit weitere Alternativen auf dem Tisch stehen, erfolgen weitere
Stimulationen – und es wird weiter gegessen.

In diesem Jahr sieht der Leberexperte und Vorstandsvorsitzende der
Deutschen Leberstiftung, Prof. Dr. Michael P. Manns, die möglichen
gesundheitlichen Folgen der Adventszeit und des weihnachtlichen Schlemmens
besonders kritisch: „Auch wenn die bislang veröffentlichten Ergebnisse der
verschiedenen Studien bei den Angaben des konkreten Kilozuwachses bei
Kindern und Erwachsenen während der Pandemie variieren, kann man davon
ausgehen, dass sich der bereits vor der Pandemie deutlich erkennbare
Anstieg der Zahl übergewichtiger Menschen weiter manifestiert hat. Kinder
und Erwachsene nehmen zu viele Kalorien auf, immer öfter auch flüssig über
zuckerhaltige Getränke. Es gibt immer mehr Arbeitsplätze, die nur zu einer
geringen körperlichen Aktivität führen. Auch Kinder und Jugendliche
verbringen immer mehr Zeit sitzend am Computer oder mit dem Mobiltelefon.

Damit es in den kommenden Wochen nicht zu einer weiteren Gewichtszunahme
kommt, sollte über ein verändertes Ess- und Trinkverhalten nachgedacht
werden. Oftmals werden tradierte Muster beispielsweise beim Ausrichten der
Festtagsspeisen nur weitergeführt, weil es „schon immer so“ war. Die
fettigen und süßen Gerichte, die nach alten Rezepten zubereitet werden,
vergrößern oftmals das Risiko für Übergewicht. Starkes Übergewicht ist
eine der Hauptursachen für die Entstehung einer nicht-alkoholischen
Fettlebererkrankung (NAFLD), der bei Erwachsenen und Kindern am stärksten
zunehmenden Lebererkrankung in Deutschland. Eine Fettleber kann sich
entzünden (Fettleberhepatitis) und aus einer chronischen Leberentzündung
kann sich eine Leberfibrose (Bindegewebsvermehrung) entwickeln, die eine
Leberzirrhose (Vernarbung der Leber) zur Folge haben kann. Die
Fettleberhepatitis führt zu einem erhöhten Risiko, einen Leberzellkrebs zu
entwickeln. Und wir dürfen nicht vergessen, dass starkes Übergewicht
gleichzeitig auch einer der Risikofaktoren für einen schweren
COVID-19-Verlauf ist.“

Die von Prof. Manns angesprochenen alternativen Möglichkeiten beim Essen
und Trinken während der Advents- und Weihnachtszeit – und
selbstverständlich auch während der anderen elf Monate im Jahr – sind
vielfältig: Das Wichtigste ist Maßhalten. Auch langsam und bewusst zu
essen ist entscheidend, denn das Sättigungsgefühl setzt erst nach circa 15
Minuten ein. Salate, leichte Suppen und Gemüse sind gesunde und
kalorienarme Bestandteile einer Mahlzeit. Auf bunten Tellern sollten
Nüsse, Trockenfrüchte und frische Früchte den größten Anteil ausmachen.
Und beim selber Backen hat man die Möglichkeit, den Zuckeranteil zu
reduzieren oder mit einer Zuckeralternative zu arbeiten. Damit nicht nur
die reine Schokolade verzehrt wird, können auch Erdbeeren oder Weintrauben
auf Spieße gesteckt werden und in flüssige Schokolade gedippt werden.

Ganz wichtig ist zudem ausreichende Bewegung. Anstatt sich vor den
Fernseher oder den Computer zu setzen, sollte nach den Mahlzeiten ein
ausgiebiger Spaziergang an der frischen Luft oder eine Radtour gemacht
werden.

Wie gefährlich fehlende Bewegung gerade in der Vorweihnachtszeit und
während der Festtage sein kann, erklärt Prof. Manns: „Eine dänische Studie
belegt, dass die Gesamt-Cholesterol-Werte nach Weihnachten und Neujahr oft
erhöht sind. Der LDL-Wert – Low Density Lipoprotein, das „schlechte
Cholesterin“ – war sogar um 20 Prozent erhöht. Der Anteil des LDL-
Cholesterins ist ein entscheidender Faktor bei der Entstehung von Herz-
Kreislauf-Erkrankungen. Eine Fettstoffwechselstörung gilt als eine der
größten Risikofaktoren für die Entstehung von Arteriosklerose, besser
bekannt als Verkalkung der Blutgefäße. Obwohl Weihnachten eigentlich das
Fest der Liebe sein soll, wird es immer mehr zum Fest der ungesunden
Ernährung. Wer seinen Liebsten wirklich mit einem Geschenk etwas Gutes tun
möchte, das sich nachhaltig positiv auf die Gesundheit und speziell auf
die Lebergesundheit auswirken kann, der verschenkt „Das Leber-Buch“, das
kürzlich in der vierten, aktualisierten und deutlich erweiterten Auflage
erschienen ist. Verständlich und anschaulich erläutert der bewährte
Ratgeber aktuell und umfassend die lebenswichtigen Aufgaben sowie die
möglichen Erkrankungen der Leber und die entsprechenden Behandlungen. Und
auch das wichtige Thema Ernährung wird in der neuen Auflage ausführlich
behandelt. Nur wer gut über seinen Körper und die Organfunktionen
informiert ist, kann ein lebergesundes Leben führen.“

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage:
„Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im
Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D]. Weitere
Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch. Sie
können ein Rezensionsexemplar per Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> (Frau M.
Asche) anfordern.

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Auswirkungen von Corona auf Kinder- und Jugendhilfe in Bayern

Prof. Dr. Mechthild Wolff von der Hochschule Landshut war im
Sozialausschuss des Bayerischen Landtags als Expertin eingeladen und
informierte dort über die Situation der Kinder- und Jugendhilfe in Bayern.
Sie machte darauf aufmerksam, dass junge Menschen in der Corona-Pandemie
vergessen wurden, und forderte eine starke Lobby – sowohl für Kinder und
Jugendliche als auch für die Kinder- und Jugendarbeit.

Welche Auswirkungen hat Corona auf die Kinder- und Jugendhilfe in Bayern?
Um diese Frage ging es bei der Anhörung von Sachverständigen im Ausschuss
für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie, der am 25. November in
München tagte. Als Expertin eingeladen war dabei unter anderem Prof. Dr.
Mechthild Wolff, Leiterin des Studiengangs „Soziale Arbeit in der Kinder-
und Jugendhilfe“ an der Hochschule Landshut.

Kinder und Jugendliche brauchen stärkere Lobby

Prof. Wolff machte darauf aufmerksam, dass junge Menschen in der Corona-
Pandemie vergessen wurden, und forderte eine starke Lobby – sowohl für
Kinder und Jugendliche als auch für die Kinder- und Jugendarbeit. Die
Bedürfnisse der jungen Menschen seien nicht in die Planung von Maßnahmen
zur Eindämmung der Pandemie miteinbezogen worden, ebenso wenig wie die
Bedarfe in Kinder- und Jugendeinrichtungen. „Nach Corona können wir nicht
einfach zur Tagesordnung übergehen und so tun, als müssten keine
Konsequenzen aus der Pandemie gezogen werden“, so die Landshuter
Professorin, die gemeinsam mit freien Trägern und der öffentlichen
Jugendhilfe den „Runden Tisch Jugendhilfe in Landshut“ ins Leben gerufen
hat, für den sie sprach.

Mehr Angebote erforderlich

Corona habe massive psychosoziale Folgen vor allem für diejenigen, die
vorher schon benachteiligt waren. Daher sei es wichtig, gerade jungen
Menschen niederschwellige Angebote für Freizeit, Treffen, Kontakte und
Austausch zu eröffnen: „Junge Menschen brauchen mehr Angebote offener
Kinder- und Jugendarbeit, sie brauchen den Austausch unter jungen Menschen
an sicheren Orten, die nicht leistungsorientiert sind.“ Zudem forderte
Wolff mehr Beteiligung von jungen Menschen in den kommunalen
Jugendhilfegremien und der Jugendhilfeplanung.

Fachkräftemangel und mangelhafte Digitalisierung

Darüber hinaus habe die Corona-Pandemie strukturelle Mängel in den
stationären Erziehungshilfen wie in Jugendwohngruppen oder Wohnheimen
offengelegt. So hat sich gezeigt, dass nicht alle dort Zugang zu Internet
hatten, was sich auf die Teilnahme am digitalen Schulunterricht ausgewirkt
hat. „Wir brauchen darum auch in Bayern dringend eine
Digitalisierungskampagne in der Kinder- und Jugendhilfe, um vor allem
Benachteiligten eine Teilhabe zu ermöglichen“, bekräftigte Wolff. Zudem
sei mehr Personal nötig, um traumatisierte oder herausfordernde junge
Menschen individuell unterstützen zu können.

Berufliche Perspektiven für junge Menschen

Zuletzt legte Wolff dar, dass durch die Corona-Pandemie vor allem junge
Volljährige, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz waren,
ausgebremst wurden. Diese jungen Menschen bräuchten berufliche
Perspektiven und Einstiegshilfen in die Berufswelt, um am
gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Dabei kritisierte die
Professorin, dass in Bayern ausgerechnet im nächsten Jahr ein Programm zur
Berufseinstiegsbegleitung für junge Menschen wegfallen soll. Dies sei in
diesem Zusammenhang ein Skandal. Es brauche im Gegenteil zusätzliche
solcher Programme sowie starke Bündnisse zwischen Jugendhilfe,
Jugendsozialarbeit, Jugendberufshilfe, der Agentur für Arbeit und
örtlichen Betrieben, betonte Wolff und verknüpfte diese Forderung mit
einem Appell an die Mitglieder des Ausschusses: „Treten bitte auch Sie für
eine starke Lobby für die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe ein!“

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DIVI fordert umgehend bundesweit einheitliche Maßnahmen zur größtmöglichen Kontaktbeschränkung

Die Lage in der Pandemie war aus Sicht der Intensiv- und Notfallmedizin
noch nie so bedrohlich und ernst wie heute. Schon vor Weihnachten werden
wir mehr als 6.000 Patienten mit COVID-19 auf den Intensivstationen
behandeln müssen – und damit wird das bisherige Allzeithoch des letzten
Jahres mit Sicherheit deutlich überschritten. Allein in der vergangenen
Woche haben wir mehr als 2.300 intensivpflichtige Patienten neu
aufgenommen. 886 Covid-19-Patienten sind verstorben.

Und die Situation setzt sich unverändert fort. Das Gesundheitssystem,
insbesondere die Intensivstationen, sind vielerorts bereits überlastet,
sodass erneut schwerstkranke Patienten von Ost nach West und Süd nach Nord
verlegt werden müssen. Aber auch diese Strategie verschafft uns nur
kurzfristig Zeit. Das ist keinesfalls eine Lösung.

Als Intensiv- und Notfallmediziner sehen wir keine andere Möglichkeit, als
sofort bundesweit einheitliche notbremsende Maßnahmen zur größtmöglichen
Kontaktbeschränkung zu fordern. Das kann – wenn notwendig – auch ein
zeitlich begrenzter Lockdown sein.
Wir brauchen konkrete Maßnahmen, um die aktuelle dramatische pandemische
Entwicklung umgehend zu stoppen. Als Grundlage hierfür muss die
epidemische Lage nationaler Tragweite als Gesetz reaktiviert werden, um
bundeseinheitliche Maßnahmen schnell durchsetzen zu können.
Um unsere Patienten und Mitarbeiter zu schützen und die Kliniken vor dem
Kollaps zu bewahren, müssen bzw. muss ebenfalls – insofern medizinisch
vertretbar – umgehend

1.      alle bundesweit nicht dringend medizinisch notwendigen Eingriffe
und Behandlungen nicht mehr vorgenommen werden und das Personal in die
Intensiv- und Notfallbereiche umgesetzt werden.
2.      mindestens 1 Million Impfungen und Booster-Impfungen pro Tag
verabreicht werden.
3.      die Impfpflicht für alle Erwachsenen umgesetzt werden, um eine
sehr wahrscheinliche fünfte und sechste Welle verhindern zu können.

Hierbei gilt es, aus den Fehlern vorheriger Lockdowns zu lernen und vor
allem die vulnerablen Gruppen wie Kinder- und Jugendliche sowie
Hochbetagte fest im Blick zu behalten. Schließungen von Kitas und Schulen
sollten im Rahmen allgemeiner Maßnahmen weitestgehend vermieden sowie nur
angesichts besonders bedrohlicher Infektionslagen vorgenommen werden.
Angesichts der neu festgestellten Omikron-Variante – und in dem Wissen,
noch kaum Kenntnisse über diese zu besitzen – gilt es aber mehr denn je,
umsichtig und vorausschauend zu handeln.
Wir brauchen eine leistungsstarke Intensiv- und Notfallmedizin zur
Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit. Diese können wir aber nur
aufrechterhalten, wenn die Politik jetzt umgehend handelt! Hier braucht es
konkrete wie auch nachhaltige Maßnahmen.

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