Der Schutz von Ressourcen lässt sich studieren: Nachhaltige Ingenieurwissenschaft an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Photovoltaik, Wasserstoffspeicher, Lebenszyklusanalysen: Der
verantwortungsbewusste Umgang mit Ressourcen erfordert technische
Lösungen. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) hat einen ganzen
Ingenieurstudiengang unter das Thema Nachhaltigkeit gestellt.
Projektwochen, Laborpraktika, Praxissemester und gemeinsame Projekte mit
der Industrie garantieren die Praxisnähe – ab Tag eins des Studiums.
Einschreibungen sind noch bis 30. September möglich.
Antonia Schelnberger ist es nicht egal, wie es in ihrem Stadtviertel
aussieht. Die Bonnerin engagiert sich in einem Arbeitskreis, der sich um
die Begrünung der Straßenränder kümmert. Ihre alltäglichen Wege legt sie
zumeist mit dem Fahrrad zurück. Bei der Ernährung ihrer Familie ist es ihr
wichtig, möglichst Bio-Lebensmittel zu verwenden. Zu Nachhaltigkeit gibt
es keine Alternative, ist sie überzeugt, „wenn wir als Menschheit
überleben wollen.“
Unter Nachhaltigkeit versteht die junge Mutter von zwei Kindern nicht
alleine die persönliche Lebensführung. Ihr Ziel ist es, als Ingenieurin am
Ausbau der erneuerbaren Energien zu arbeiten.
Den Studiengang, der Ingenieurwissenschaften mit Nachhaltigkeit vereint,
hat Antonia Schelnberger an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gefunden. Den
Bachelor hat sie im März abgeschlossen, mittlerweile studiert sie im
Master-Studiengang. Ihr Schwerpunktthema ist die Speicherung von
erneuerbarem Strom in Form von Wasserstoff. FlexHyx nennt sich das
Projekt, bei dem fortgeschrittene Studierende wie Antonia Schelnberger
Systeme mit Metallhydridspeichern modellieren und Netzwerke simulieren.
Seit Sommer 2021 auch Master-Studiengang
Der Studiengang „Nachhaltige Ingenieurwissenschaft“ an der H-BRS setzt
insbesondere auf die Themenfelder erneuerbaren Energien, Energieeffizienz
und Umwelttechnik. Für den ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund sorgen
neben einem soliden Grundlagenstudium Module wie Mess- und
Regelungstechnik oder Thermodynamik. In sieben Semestern führt der auf dem
Campus Sankt Augustin angesiedelte Studiengang zum Abschluss „Bachelor of
Engineering“. Daran kann sich der Master-Studiengang anschließen, der in
der Regel drei Semester beansprucht. Diesen hat die H-BRS im Sommer 2021
neu eingerichtet.
„Wir müssen bei der Entwicklung neuer Technologie von Beginn an im Blick
haben, wie sich deren Produktion und Anwendung auf die Umwelt auswirken.
Daher stellen wir uns und den Studierenden immer wieder die Frage, wie wir
die ökologischen und gesellschaftlichen Folgen einbeziehen und mitbedenken
können. Das ist das Besondere am Studiengang Nachhaltige
Ingenieurwissenschaft – hier lernt man beides – Technologien entwickeln
und ihre Folgen reflektieren“, sagt Prof. Stefanie Meilinger.
Im Fach „Erneuerbare Energien“ etwa lernen die Studierenden im ersten
Semester, wie Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien funktionieren und
welche Bedeutung Solarenergie, Windkraftwerke und Wasserkraft für die
Energiewende haben. Schon nach den ersten drei Monaten im Studium können
die Studierenden Photovoltaik-Anlagen für Hausdächer technisch auslegen
und deren Wirtschaftlichkeit berechnen.
Der Nachhaltigkeitsaspekt durchzieht dabei als Leitidee das gesamte
Studium. In Vorlesungen und Seminaren werden ökologische, soziale und
ökonomische Aspekte der unterschiedlichen Technologien diskutiert.
Praxisnahe Ausbildung im Vier-eins-Modell
Als Hochschule für angewandte Wissenschaften legt die H-BRS großen Wert
darauf, die Ausbildung praxisnah und lösungsorientiert zu gestalten. In
jedem Semester finden drei Projektwochen statt, jeweils im Wechsel mit
vier Vorlesungswochen. Vier-Eins-Modell nennt sich das prämierte Konzept,
das es nur an der H-BRS gibt.
Die Projekte, die die Studierenden in Gruppen bearbeiten, werden zunehmend
anspruchsvoller. Dies können der Bau einer Drohne, der Umbau eines
Motorrades auf Elektroantrieb oder die Ökobilanzierung eines
Haushaltsgeräts sein. Das fünfte Semester wird als Praxissemester oder
alternativ als Studiensemester an einer ausländischen Hochschule
durchgeführt. In einem mindestens 20-wöchigen Praktikum wenden die
Studierenden ihr erlerntes Wissen an, um ingenieurmäßige Aufgaben in der
betrieblichen Praxis zu lösen. Abschlussarbeiten können in Kooperation mit
Unternehmen oder Forschungsinstituten geschrieben werden.
Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Nachhaltige
Ingenieurwissenschaft sind für viele Branchen qualifiziert. Berufe im
Arbeitsumfeld der Energieerzeugung und -verteilung sowie Tätigkeiten in
Industrieunternehmen, Planungsbüros und der Energieberatung stehen zur
Auswahl. Darüber hinaus finden sich Arbeitsplätze in der
Produktentwicklung, im Produktmanagement der produzierenden Industrie, bei
Stadtwerken, Behörden und Gemeinden.
Antonia Schelnberger jedenfalls ist entschlossen, ihr Wissen über
Energieumwandlung, Brennstoffzellen und Sektorenkopplung im Sinne
künftiger Generationen einzusetzen. „Mit dem Studium kann ich“, sagt sie,
„Teil des Umbaus unserer Gesellschaft sein.“
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