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S3-Leitlinie aktualisiert: Neue Therapieempfehlungen beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) die S3-Leitlinie
„Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren“ aktualisiert.
Überarbeitet wurden insbesondere die Kapitel zur systemischen
Erstlinientherapie bei fortgeschrittener Erkrankung und zur Nachsorge. Die
Leitlinie wird als „Living Guideline“ jährlich aktualisiert.

Da betroffene Frauen oftmals keine Symptome haben, wird der Eierstockkrebs
meist spät diagnostiziert. Der Tumor kann sich dann bereits auf andere
Organe im Becken und in der Bauchhöhle ausgedehnt oder in andere
Körperstellen gestreut haben. Als Erstlinientherapie des fortgeschrittenen
Ovarialkarzinoms kommt in der Regel eine Operation infrage. Im Anschluss
soll eine Kombinationschemotherapie eingesetzt werden. Je nach
Tumorstadium soll zudem eine Erhaltungstherapie mit Angiogenesehemmern
oder PARP-Inhibitoren – und in bestimmten Fällen auch die Kombination
beider Substanzen zum Einsatz kommen, heißt es in der aktualisierten
Leitlinie. Angiogenesehemmer sind eine Wirkstoffgruppe, die unter anderem
das Tumorwachstum hemmt. PARP-Inhibitoren verhindern, dass Krebszellen
einen durch ein Zytostatikum verursachten DNA-Schaden reparieren. „Neue
Studien zeigen bei diesen Therapien eine Verbesserung des
progressionsfreien Überlebens. Daten zum Gesamtüberleben stehen hingegen
noch aus“, sagt Prof. Dr. Uwe Wagner vom Universitätsklinikum Marburg. Er
ist Koordinator der S3-Leitlinie.

Neu: Differenzierte Nachsorgekonzepte bis zum Lebensende

Der Einsatz neuer medikamentöser und operativer Therapien wirkt sich
letztendlich auch auf die Nachsorge der Patientinnen mit Ovarialkarzinom
aus. „Das ursprüngliche Nachsorgekonzept galt primär für alle Patientinnen
nach abgeschlossener Behandlung. In der überarbeiteten Fassung empfehlen
wir, die Nachsorge in verschiedenen Krankheitssituationen unterschiedlich
zu handhaben“, so Wagner. Unterschieden werden soll die Nachsorge künftig
nach Abschluss der Primär-Therapie, nach Abschluss der Rezidivtherapie und
die Nachsorge nach dem fünften Jahr für die sogenannte „Survivorship-
Gruppe“. Zusätzlich wurde eine Gruppe „Therapiemonitoring bei
Erhaltungstherapie“ eingefügt. Grundsätzlich wird empfohlen, Patientinnen
die Nachsorge lebenslang anzubieten.

Zweithäufigste tödliche gynäkologische Krebserkrankung

Die Erkrankungs- und Sterberaten für das Ovarialkarzinom nehmen in
Deutschland ab. Bedingt durch die oftmals erst späte Diagnosestellung sind
die Überlebensaussichten jedoch nicht gut. Im Jahr 2016 erkrankten 7.350
Frauen neu an Eierstockkrebs, 5.486 verstarben[1]. Nach dem Brustkrebs ist
der Eierstockkrebs somit die zweithäufigste tödliche gynäkologische
Krebserkrankung. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko kontinuierlich,
an Eierstockkrebs zu erkranken. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 68
Jahren. 5 bis 10 Prozent aller an Eierstockkrebs erkrankten Patientinnen
haben eine erbliche Vorbelastung ‒ sie weisen eine Genmutation auf, die
ursächlich für die Erkrankung ist.

An der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner
Ovarialtumoren“ waren 30 Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt.
Die Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar: https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/ovarialkarzinom/

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier
herunterladen: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Quellen:
1: Krebs in Deutschland für 2015/2016, Robert Koch-Institut, Berlin 2019,
einsehbar unter
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2019/krebs_in_deutschland_2019.pdf?__blob=publicationFile

Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 31 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home/

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG)
ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland.
Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und
Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach und seine
Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe
weiterzuentwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die
DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die
gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen
Gremien. Mehr: https://www.dggg.de/

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GFZ-Taskforce am Vulkanausbruch auf La Palma

Lavastrom erreicht das Meer, zahlreiche Erdbeben erschüttern die Insel –
GFZ schickt Team, um weitere Daten zu erheben

Das Deutsche GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) hat eine Taskforce
gegründet und ein Team nach La Palma entsandt, um einen Beitrag zur
schnellen Einschätzung der Vulkaneruptionen und Erdbeben auf der Insel zu
liefern. Gemeinsam mit spanischen Institutionen untersuchen die
Forschenden das Zusammenspiel der Eruption mit den Beben und
Oberflächenverformungen. Sie nutzen dazu Messgeräte vor Ort ebenso wie
Satellitenaufnahmen und die Infrastruktur und Software von GEOFON.

Nach fünfzig Jahren Ruhephase und einer drei Jahre andauernden seismisch
aktiven Phase begann am 13. September 2021 eine neue Vulkaneruption am
Cumbre Vieja auf der Insel La Palma. Mit Satellitenradar stellten die
Forschenden des GFZ großräumige Verformungen fest, die auf einen
Druckanstieg in der Tiefe hindeuten. Der Ausgangspunkt der Eruption lag an
der mittleren Westflanke des vulkanischen Rückens von Cumbre Vieja, nur
unweit nördlich der Eruption des Jahres 1949. Der Lavastrom ist inzwischen
6300 Meter lang, teils über 1000 Meter breit und an manchen Stellen 25
Meter mächtig, hat mehr als 600 Häuser und zahlreiche Straßen zerstört.
Die Lava erreichte die Küste am 28. September 2021.

Der GFZ-Vulkanforscher Thomas Walter sagt: „Wie wir von unserem Team vor
Ort hören, ist die Lage dort noch immer angespannt. Nicht nur, dass
gewaltige Aschewolken am Eruptionskrater entstehen, der Kontakt der über
1000 Grad Celsius heißen Lava mit dem Meerwasser lässt das Wasser
verdampfen und auch die darin enthaltenen Salzmoleküle. Diese reagieren zu
teils giftigen und ätzenden Gasen.“ Er warnt daher ausdrücklich davor,
ohne Schutzausrüstung in die Nähe zu gehen. Man muss mit weiteren Gefahren
rechnen, wie plötzliche Dampfgasexplosionen oder feinste Asche und
Glaspartikel, die durch den starken Wind über viele Kilometer verfrachtet
werden. Das sich neu bildende Delta im Meer wächst zusehends, kann aber
unvorhergesehen wieder nachgeben und abbrechen.

Die Erdbeben verlagern sich mit steigenden Magnituden wieder nach Süden,
ins Zentrum der Cumbre Vieja. Die komplexen Ereignisse sind nicht leicht
zu entschlüsseln. Deshalb hat das GFZ ein Team mit Expert*innen
zusammengestellt, um sowohl mit Daten aus der Fernerkundung und
Computeranalysen als auch mit vor Ort erhobenen Daten die Lage
einzuschätzen. Nicole Richter, Alina Shevchenko und Carla Valenzuela
Malebran, Forscherinnen aus der GFZ-Taskforce und der Sektion Erdbeben-
und Vulkanphysik, sind bereits wenige Tage nach Beginn der Eruption
aufgebrochen. Sie hatten zahlreiche wissenschaftliche Instrumente wie
Seismometer, Neigungsmesser, Drohnen und Thermalkameras im Gepäck.

Bereits die Reise gestaltete sich überraschend und schwierig, der
Flughafen auf La Palma wurde kurzfristig gesperrt, es folgte ein Umweg
über Teneriffa. Inzwischen sind die GFZ-Forscherinnen vor Ort
eingetroffen, die ersten Stationen sind online und laufen. Diese Arbeiten
wurden möglich durch die Zusammenarbeit innerhalb des GFZ und sind eng mit
den Aktivitäten anderer Institute in Spanien und in Deutschland verzahnt.
Beispielsweise planen Wissenschaftler*innen des GFZ und des Helmholtz-
Zentrums für Ozeanforschung GEOMAR in Kiel eine kombinierte Vermessung der
Ereignisse an Land (GFZ) und im Meer (GEOMAR). Auch werden die ersten
seismischen Daten nun am GFZ empfangen und gleichzeitig an den Partner IGN
in Spanien übertragen. Das erleichtert die Lagebestimmung der zunehmenden
Erdbeben. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Sie zeigen eine
Anhäufung der Erdbeben in rund 12 km Tiefe, weit entfernt vom
Eruptionsherd. Weisen sie auf eine Magmakammer hin? Wie hängen die
Eruptionen mit den Erdbeben und der Oberflächenverformung zusammen? Das
sind die Fragen, denen die Vulkanolog*innen und Geophysiker*innen des GFZ
gemeinsam mit ihren spanischen und deutschen Kolleg*innen nachgehen.
Thomas Walter: „Noch ist es zu früh zu sagen, ob und wie sich dieser
Ausbruch entwickeln wird, ob es weitere Eruptionszentren gibt – wie üblich
bei vergangenen Ausbrüchen auf La Palma – oder ob der Vulkan sich wieder
bald zur Ruhe legt. Der große Erfolg der Wissenschaft und Behörden ist
bereits jetzt, dass es trotz der relativ großen Eruption und Zerstörung
bei Sachschäden blieb.“

Hintergrund:

Die Kanarischen Inseln entstanden durch Vulkanismus und zeigten noch in
ihrer jüngeren geologischen Vergangenheit morphologische und strukturelle
Änderungen, wie große Explosionen, Rutschungen ganzer Inselflanken, oder
auch Kalderen. Sieben der acht Inseln (alle außer La Gomera) können als
vulkanisch aktiv bezeichnet werden. Die Inseln sind wahre Giganten:
Zwischen einer Million und zwanzig Millionen Jahre alt, erheben sie sich
bis zu 3715 m hoch über dem Meer. Der weitaus größere Teil liegt jedoch
unter Wasser und drückt lokal sogar die Ozeankruste ein. Damit haben die
Vulkane der Kanarischen Inseln oftmals mehr als hundert Kilometer
Durchmesser. Wie die Spitze eines Eisbergs ragt auch La Palma aus dem
Meer.

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Die Freude an der eigenen Ernte – Studie zum Anbau von Essbarem in Privatgärten

Hochschule Geisenheim untersucht den privaten Anbau von Obst und Gemüse

In diesen Wochen fahren Landwirte, Gärtnerinnen und Winzer die letzte
Ernte ein. Die offizielle Erntebilanz des
Bundeslandwirtschaftsministeriums für 2021 fällt durch unbeständiges
Wetter teilweise enttäuschend aus.

Daneben haben aber auch Millionen von Hobbygärtnerinnen und -gärtner auf
ihren Parzellen gewerkelt und gewirtschaftet. Die Hochschule Geisenheim
hat untersucht, wie der private Anbau von Essbarem aussieht und welche
Veränderungen durch Corona es dabei gegeben hat. Dafür wurden Ende Mai 510
Personen aus allen Bevölkerungsgruppen, d. h. anteilig nach Alter,
Geschlecht, Einkommen und Region befragt.

„Knapp die Hälfte aller Befragten produziert selbst Obst, Gemüse oder
Kräuter zu Hause“, so Prof. Dr. Kai Sparke und Dr. Mira Lehberger, Autor
und Autorin der Studie. „Allerdings spielt der Zugang zu einem Garten, wie
z. B. Haus-, Klein- oder Gemeinschaftsgarten, eine entscheidende Rolle für
die Anzucht von Gemüsepflanzen und insbesondere Obstgehölzen, die
tiefgründige Böden benötigen. Bei Befragten mit eigenem Garten liegt der
Anteil der Hobby-Produzierenden bei ca. 65 Prozent. Personen ohne eigenen
Garten erzeugen immerhin zu knapp 21 Prozent Essbares, zumeist Kräuter in
Balkonkästen und Töpfen.“ Auch der Trend zum Hochbeet ist in der Studie
messbar geworden. In fast jedem zweiten Garten ist mittlerweile ein
solches vorhanden.

Personen, die Obst oder Gemüse anbauen, sind überwiegend weiblich, sie
haben höhere Einkommen zur Verfügung und wohnen ländlicher als Befragte,
die nicht selbst anbauen. Das Alter hingegen spielt keine Rolle.

„Bei einem Drittel der Freizeitgärtnerinnen und -gärtner hat der Anbau in
der Corona-Pandemie zugenommen“, so Sparke und Lehberger. „Neben der
allgemein gestiegenen Wertschätzung für regionale Produkte in der Corona-
Pandemie hat auch der eigene Hobby-Anbau einen Corona-Schub bekommen.“

60 Prozent der Befragten freuten sich über ihren letzten Ernteerfolg, nur
das Wetter, Schädlinge und ein geringer Ertrag trübten noch den Erfolg“,
stellen Sparke und Lehberger fest. „Interessant ist: Personen, die
Lebensmitteln grundsätzlich eine hohe Wertschätzung entgegenbringen,
können sich noch mehr über ihre eigene Ernte freuen.“

Die Studie ist kostenfrei zum Download verfügbar auf der Homepage der
Hochschule Geisenheim:
https://www.hs-geisenheim.de/forschung/institute/frischproduktlogistik
/professur-fuer-gartenbauoekonomie/dies-und-das/


Autor und Autorin der Studie:
Prof. Dr. Kai Sparke und Dr. Mira Lehberger arbeiten an der Professur für
Gartenbauökonomie der Hochschule Geisenheim und forschen insbesondere zu
menschlichem Verhalten in Bezug auf Garten und gärtnerische Produkte.

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Neue Governance-Instrumente könnten die Glaubwürdigkeit von Energieeffizienz-Zielen erhöhen

Am Anfang dieses Jahres stellte die Europäische Kommission ihr Klima- und
Energiepaket »Fit for 55« vor. Der Vorschlag enthält neue Instrumente zur
Erreichung der EU-Energieeffizienz-Ziele und zielt gleichzeitig darauf ab,
die Mitgliedstaaten an die erhöhten Klimaziele zu binden. Eine neue Studie
von Stefan Scheuer Consulting und Fraunhofer ISI untersucht die
vorgeschlagenen Governance-Instrumente innerhalb der aktualisierten
Energieeffizienz-Richtlinie (Energy Efficiency Directive, kurz: EED) und
gibt Empfehlungen zur Verbesserung der Wirkung des Pakets.

Den Weg zur Klimaneutralität zu ebnen, ist einer der Hauptgründe für die
Verbesserung der politischen Instrumente der EU. Die vorgeschlagene
Neufassung der Energieeffizienz-Richtlinie erhöht daher das EU-Ziel für
die Energieeffizienz, macht das Ziel auf EU-Ebene verbindlich und führt
potenziell leistungsfähige Instrumente zur Steuerung des Ziels ein. Die
neue Studie bewertet die kritischen Punkte bei der Steuerung der EED und
gibt Empfehlungen, wie die in der Studie ermittelten erheblichen
Energieeffizienz-Potenziale in der Praxis realisiert werden können.

Ein neuer Zielverteilungsschlüssel für die Energieeffizienz-Richtlinie

Das zentrale Steuerungsinstrument ist eine Formel zur Aufteilung der EU-
Energieeffizienz-Ziele für 2030 auf die Mitgliedstaaten. Eine solche
Zielaufteilung ist für die Energieeffizienz neu, wurde aber bereits
erfolgreich für erneuerbare Energien, Klimaziele und die Verordnung zur
Lastenteilungsentscheidung (Effort Sharing Regulation) verwendet. Die
vorgeschlagene EED-Neufassung enthält einen gemeinsamen Korrekturfaktor,
der zur Anpassung der nationalen Ziele und zur Vermeidung einer Lücke zum
EU-Ziel verwendet werden könnte. Allerdings ist der Rechtstext unklar, ob
dies beabsichtigt ist und wie es in der Praxis funktionieren würde.

Außerdem wäre es den Mitgliedstaaten gestattet, bei der Festlegung der
nationalen Energieeffizienz-Ziele von den Ergebnissen der
Energieeffizienz-Formel abzuweichen. Die in der Studie vorgenommene
Überprüfung der Klima- und Energievorschriften ergab, dass verbindliche
nationale Beiträge die EU-Ziele erreichen können, wenn sie durch eine
starke Governance ergänzt werden. Daher sollten die nationalen Beiträge
nach ihrer Festlegung durch die Mitgliedstaaten angepasst werden, um
sicherzustellen, dass die übergeordneten europäischen Ziele erreicht
werden.

Reihenfolge der Anwendung von Instrumenten ist wichtig

»Dieser Vorschlag ist ein Sprung für die Glaubwürdigkeit der EU-
Energieeffizienz-Politik«, sagt Stefan Scheuer, Direktor von Stefan
Scheuer Consulting. »Die Steuerungsinstrumente werden vorgeschlagen, um
ein neues und verbindliches EU-Ziel zu erreichen. Aber sie müssen in die
richtige Reihenfolge gebracht werden, so dass am Ende der Zielzuteilung
der Schraubenschlüssel zur Hand ist, um die Schraube anzuziehen. Eine
erweiterte CO2-Bepreisung in Verbindung mit dem Sozialen Klimafonds kann
den Rückenwind für Investitionen in die Energieeffizienz liefern und das
Vertrauen stärken, dass die EU dieses Mal ihre Ziele einhalten wird«.

Wirtschaftliche Rentabilität von Energieeinsparungen nimmt zu

Im Vergleich zu den jüngsten Referenzprojektionen erhöht das Ziel der EU,
die Energienachfrage bis 2030 um 9% zu senken, das derzeitige Ziel für die
Endenergienachfrage von 32,5% auf 36% und das Ziel für die
Primärenergienachfrage auf 39%. Dennoch ist ein noch größerer Ehrgeiz
erforderlich, um die Klimaneutralität in einem Zeitrahmen zu erreichen,
der mit dem 1,5°C-Ziel vereinbar ist. Matthias Reuter vom Fraunhofer ISI
bekräftigt: »Unsere Bewertung zeigt, dass das wirtschaftliche
Energieeinsparpotenzial wächst, da effiziente Technologien wirtschaftlich
werden, und die EU doppelt so weit kommen würde wie vorgeschlagen, indem
sie den End- und Primärenergiebedarf um 17% bzw. 18% gegenüber den
Referenzprojektionen senken würde.«

Höhere Energieeffizienz kann wirtschaftlich schwächeren Haushalten helfen

Über die EED hinaus enthält das Paket zusätzliche neue Elemente, die die
Erreichung von Energieeffizienz-Zielen durch CO2-Bepreisungssysteme für
Gebäude und Verkehr fördern. Eine höhere CO2-Bepreisung und ein
verstärktes Wiederverwenden der so erzielten Einnahmen machen noch mehr
Energiesparpotenziale wirtschaftlich. Wolfgang Eichhammer vom Fraunhofer
ISI fasst zusammen: »Die Mitgliedstaaten müssen diese Potenziale
ausschöpfen, um die negativen sozialen Auswirkungen höherer Energiepreise
abzumildern und auf dem Weg zur Klimaneutralität voranzukommen. In
Verbindung mit strengen Anforderungen an die Rückführung von Einnahmen
durch den neuen Sozialen Klimafonds kommt dies auch wirtschaftlich
schwachen Haushalten zugute, indem ihre Energierechnungen durch
Verbesserungen der Energieeffizienz gesenkt werden«.

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