Getreidebrei und Siebenschläfer
Altertumswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena zeigen ab
9. Juli die Ausstellung „Mehr als Brot und Wein. Antike Speisen –
Alltagskost und Tafelluxus“
(Jena) Ein leckerer Siebenschläfer, gefüllt mit Hackfleisch und zum
Nachtisch eine gebratene Haselmaus mit Honig und Mohn. Was uns eher
erschauern lässt, stand bei gut betuchten römischen Aristokraten auf dem
Speisezettel. Einfache Bürger und die Legionäre nahmen eher mit „Puls“
vorlieb, einem schlichten Getreidebrei, der beinahe täglich verzehrt
wurde. Interessante Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten und
Tischsitten der Antike bietet die Ausstellung „Mehr als Brot und Wein.
Antike Speisen: Alltagskost und Tafelluxus“, die vom 9. Juli bis zum 31.
August in den Ausstellungsräumen des Instituts für Altertumswissenschaften
(Fürstengraben 25) der Friedrich-Schiller-Universität Jena gezeigt wird.
Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse standen auf dem Speiseplan
„Viele Gerichte der Römer und Griechen finden sich bis heute in
abgewandelter Form im Mittelmeerraum“, sagt Stefanie Adler,
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klassische Archäologie.
Dazu zählen Eintöpfe, Fisch und Getreideprodukte, aber auch Olivenpaste
und süßer Nachtisch. So ausgefallene Speisen wie Flamingozunge, gefülltes
Sau-Euter oder gefüllte Seeigel dürften hingegen heute nicht mehr verzehrt
werden.
Stefanie Adler sagt, die Ausstellung nehme Bezug zu einem
museumspädagogischen Modellprojekt, das sie 2019 begonnen hat. Im
ländlichen Raum in Thüringen waren dabei Kinder mit ihren Großeltern
eingeladen, die Speisen der Antike kennenzulernen. Gefördert vom
Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung im Programm
„LandKultur“, machten sich die Besucherinnen und Besucher mit den Speisen
der Antike vertraut und kochten sie nach. Eine Grundlage für diese
Küchenexperimente: das Rezeptebüchlein des Marcus Gavius Apicius, eines
römischen Feinschmeckers, der im 1. Jahrhundert gelebt hat. Darin
überliefert sind Fragmente von Rezepten, keine exakten Anleitungen.
Dennoch geben sie einen interessanten Einblick in die Kochkünste und
Vorlieben der Antike. So wissen wir dank Apicius beispielsweise, dass die
Römer Schnecken mit Milch fütterten, um sie später zu verzehren. Beliebt
waren auch damals schon mit Honig gesüßte Kuchen oder eine Form von
Quarkbällchen.
Die Ausstellung zu den antiken Essgewohnheiten thematisiert neben der
römischen Esskultur auch die Weinkultur der Griechen, ihre Haute Cuisine
und die Bedeutung von Nahrung in der Religion. Stefanie Adler erläutert,
dass es beispielsweise um den Ablauf eines Trinkgelages geht, eines
Symposions. Dabei bestimmte der Gastgeber etwa, in welchem Verhältnis der
Wein mit Wasser vermischt wurde. Den Gästen wurden auch die
Gesprächsthemen vorgegeben – und Musik, Tanz und Trinkspiele dienten der
Unterhaltung. Bei Haute Cuisine stehen die teils recht ausgefallenen
Gerichte der Oberschicht im Blickpunkt, das edle Geschirr und Tischsitten.
Im Teil Speisen für die Götter werden kultische Handlungen rund um Essen
und Trinken vorgestellt. „Bevor Wein getrunken wurde, musste zunächst den
Göttern ein Trankopfer dargebracht werden“, sagt Adler. Geopfert wurden
zudem Tiere, deren Fleisch schließlich den Armen geschenkt wurde. Für sie
war es meist die einzige Gelegenheit, fleischliche Nahrung zu sich zu
nehmen.
Die Exponate der Ausstellung „Mehr als Brot und Wein“ stammen aus dem
Phyletischen Museum und den Sammlungen der Friedrich-Schiller-Universität
Jena, von der Universität Leipzig und aus Funden, die im einstigen
römischen Kastell Saalburg in Hessen gemacht wurden. Die dort gefundenen
Austernschalen belegen, dass die Legionäre wohl nicht immer nur Puls
gegessen haben.
Zum Begleitprogramm gehört eine Kostümführung
Zum Begleitprogramm der Ausstellung, die vom 9. Juli bis zum 31. August
gezeigt wird, gehört eine öffentliche Führung durch die Schau am Samstag,
10. Juli, um 15 Uhr. Eine Woche später (17.07., 18 Uhr) wird eine
Kostümführung angeboten, bei der die Besucher Einblicke in ein römisches
Gastmahl erhalten. Für beide Führungen wird bis spätestens drei Tage
vorher um Anmeldung gebeten unter E-Mail an: antikensammlungen@uni-
jena.de.
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