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Vortrag: Neuer Antisemitismus Ruperto Carola Ringvorlesung erinnert im Sommersemester an den Biochemiker Otto Meyerhof

Zum Thema „Neuer Antisemitismus: Eine Spurensuche“ spricht der Soziologe
Prof. Dr. Natan Sznaider, Wissenschaftler am Academic College of Tel Aviv-
Yaffo (Israel). Sein Vortrag ist Teil der Ruperto Carola Ringvorlesung
„Otto Meyerhof – Ein Wissenschaftlerleben zwischen Ruhm und Vertreibung“,
mit der die Universität Heidelberg im Sommersemester an einen der
bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts erinnert. Von 1929 an
als Forscher in Heidelberg tätig, entzogen die Nationalsozialisten Otto
Meyerhof 1935 die Lehrbefugnis und zwangen ihn zu Emigration und Flucht.
Die Videoaufzeichnung des Vortrags ist von Montag, 12. Juli 2021, an
abrufbar über heiONLINE – das zentrale Portal der Universität mit
Vorträgen, Diskussionsrunden und Veranstaltungen in digitalen Formaten,
die sich an eine breite Öffentlichkeit wenden.

Um Antisemitismus begreifen zu können, so der Referent, muss zunächst
danach gefragt werden, was damit gemeint ist – ein Gefühl, eine Haltung,
ein Gerücht oder nur ein Vorurteil über eine bestimmte soziale und
kulturelle Gruppe, die Juden genannt wird. In seinem Vortrag wird Prof.
Sznaider anhand von gängigen Antisemitismusdefinitionen den Folgen
antisemitischer Ressentiments nachgehen, die er nicht allein als jüdisches
Problem, sondern als Bedrohung für die Pluralität im globalen Zeitalter an
sich sieht. Im Antisemitismus offenbart sich der Hass auf das gleichzeitig
Universale und Partikulare der modernen menschlichen Existenz, betont der
Wissenschaftler. Natan Sznaider ist Professor für Soziologie am Academic
College of Tel Aviv-Yaffo. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören
Fragen der Holocaust-Erinnerung, die Soziologie der Emotionen, das Thema
Globalisierung und die politische Theorie von Hannah Arendt.

Der Biochemiker Otto Meyerhof, 1922 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet,
hatte an der Heidelberger Universität studiert und wurde hier auch
promoviert. 1929 übernahm er in Heidelberg die Leitung des Instituts für
Physiologie am neugegründeten Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische
Forschung und wurde zum ordentlichen Honorarprofessor der Medizinischen
Fakultät ernannt. Als sich die Arbeitsbedingungen für den jüdischen
Wissenschaftler zunehmend verschlechterten, beschloss er 1938, Deutschland
zu verlassen. Er forschte in Paris, musste jedoch 1940 über Spanien und
Portugal in die USA fliehen, wo er an der Pennsylvania University einen
Lehrstuhl für Physiologische Chemie erhielt. Otto Meyerhof starb 1951 in
Philadelphia.

Die Ruperto Carola Ringvorlesung ist Teil eines Konzepts von Fokusthemen.
Damit wird die Universität Heidelberg zweimal jährlich gesellschaftlich
relevante Forschungsfragen in unterschiedlichen Formaten an die breite
Öffentlichkeit herantragen. Die Ringvorlesung zu Otto Meyerhof wurde
gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Schmitt von der Medizinischen Fakultät
Heidelberg konzipiert. Sie ist Teil des Fokusthemas „Freund und Feind“.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen
setzen sich aus der Sicht ihrer Disziplin mit drängenden Fragen von
Antisemitismus und Diskriminierung auseinander. Die Vorträge, zu denen
aktuell keine Zuhörer in Präsenz zugelassen sind, werden aufgezeichnet und
sind als Video jeweils montags über das Portal heiONLINE abrufbar.

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Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz entdecken neuen Therapieansatz für COVID-19

Patentübertragungsvereinbarung mit ARCA biopharma abgeschlossen

Ein Forscherteam der Universitätsmedizin Mainz hat einen neuen Ansatz zur
medikamentösen Behandlung von SARS-CoV-2-Infektionen entdeckt. Die
Wissenschaftler konnten zeigen, dass das gerinnungshemmende Protein rNAPc2
(recombinant Nematode Anticoagulant Protein c2) eine vielversprechende
Behandlungsoption bei schweren COVID-19-Verläufen darstellt. Der Wirkstoff
wirkt direkt auf die Blutgerinnung und hat das Potenzial,
Gerinnungsstörungen und damit einhergehende Entzündungen bei SARS-
CoV-2-Infektionen zu verhindern. Diese scheinen eine zentrale Rolle für
die Prognose von COVID-19-Patienten zu spielen.

Ausgehend von den Forschungsergebnissen zu rNAPc2 hat die
Universitätsmedizin Mainz jetzt eine Patentübertragungsvereinbarung mit
dem Wirkstoffinhaber ARCA biopharma abgeschlossen, die mögliche Einnahmen
mit einem Gesamtvolumen in siebenstelliger Höhe erwarten lässt.

„Die Forschung zum Einsatz von rNAPc2 bei COVID-19 zeigt einmal mehr, dass
die Universitätsmedizin Mainz Keimzelle für wegweisende wissenschaftliche
Erkenntnisse ist. Neben den Grundlagen für den COVID-19-Impfstoff von
BioNTech wurde in Mainz jetzt auch die Basis für eine neue,
erfolgversprechende medikamentöse Behandlungsmöglichkeit geschaffen“,
betont Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann, Wissenschaftlicher Vorstand und
Dekan der Universitätsmedizin Mainz.

Im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung mit der Universitätsmedizin Mainz
erhält das US-Biotechunternehmen ARCA biopharma die weltweiten
Patentrechte für die Verwendung von rNAPc2 als potenzielle Therapie bei
COVID-19. „Wir freuen uns, durch unsere Kooperation mit ARCA biopharma die
Entwicklung von rNAPc2 für die klinische Anwendung weiter voranzutreiben
und damit einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Eindämmung der
Pandemiefolgen leisten zu können“, kommentiert PD Dr. Christian Elsner,
Kaufmännischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz.

Der Vertrag beinhaltet Vorab- und Meilensteinverpflichtungen für ARCA
biopharma, die sich auf bis zu rund 1,6 Millionen Euro belaufen. Hinzu
kommen Lizenzgebühren an die Universitätsmedizin Mainz, sobald rNAPc2 die
Zulassung für die Behandlung von COVID-19-Patienten erhält und vermarktet
wird.

„Bereits zu Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie hat es Hinweise auf ein
deutlich erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln vor allem bei
Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen gegeben“, berichtet Univ.-Prof.
Dr. Wolfram Ruf, Wissenschaftlicher Direktor des Centrums für Thrombose
und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz, der die Untersuchungen
an der Universitätsmedizin Mainz geleitet hat. Die häufige
Thrombosebildung bei den Betroffenen beruhe auf einer erhöhten
Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Diese sogenannte Hyperkoagulation werde
auf eine entzündliche Reaktion (Inflammation) im Zuge der SARS-
CoV-2-Infektion zurückgeführt.

„Die thrombo-inflammatorischen Prozesse bei COVID-19 waren Ausgangspunkt
für unsere Forschung mit dem Wirkstoff rNAPc2“, erläutert Ruf. rNAPc2
greift direkt in die frühen Prozesse der Blutgerinnung ein, indem es den
sogenannten Tissue Factor (Gewebefaktor) hemmt. Beim Tissue Factor handelt
es sich um ein Protein, das die Blutgerinnung aktiviert und eine zentrale
Rolle bei der Entzündungsreaktion im Rahmen von Virusinfektionen und bei
der Virusverbreitung spielt. Damit unterscheidet sich der Wirkmechanismus
von rNAPc2 grundlegend von der Wirkweise, des bisher zur
Thromboseprophylaxe bei COVID-19-Patienten eingesetzten Gerinnungshemmers
Heparin. Als sogenanntes indirektes Antikoagulans stimuliert Heparin die
Wirkung des körpereigenen, gerinnungshemmenden Proteins Antithrombin und
hemmt damit die späteren Phasen der Blutgerinnung.

Frühere klinische und präklinische Untersuchungen, unter anderem für den
Einsatz bei der Ebola-Infektion, weisen darauf hin, dass rNAPc2 neben der
gerinnungshemmenden Wirkung auch über entzündungshemmende und antivirale
Eigenschaften verfügt.

Seit Dezember 2020 wird der Wirkstoff in einer internationalen,
multizentrischen klinischen Phase 2b-Studie von ARCA biopharma bei
stationär behandelten COVID-19-Patienten mit erhöhten Blutgerinnungswerten
untersucht. Dabei soll herausgefunden werden, ob durch eine Behandlung mit
rNAPc2 Thrombosen besser verhindert werden können als durch die
Standardtherapie mit dem Gerinnungshemmer Heparin.

„Basierend auf unseren Forschungsergebnissen erhoffen wir uns durch die
Therapie mit rNAPc2 nicht nur eine bessere Verhinderung der Thrombosen bei
COVID-19-Patienten, sondern auch eine verbesserte Unterdrückung der mit
der Gerinnungsaktivierung einhergehenden Entzündungsreaktion“, sagt Ruf.

Wenn sich rNAPc2 in den klinischen Studien bei COVID-19 als erfolgreich
erweist, könnte dies eine Anwendung bei weiteren thrombo-inflammatorischen
Erkrankungen ermöglichen. Dazu zählt unter anderem das Antiphospholipid-
Syndrom (APS), eine schwerwiegende Komplikation, die bei
Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes auftreten
kann.

Neben der Arbeitsgruppe des CTH von Professor Ruf sind insbesondere
Wissenschaftler des Instituts für klinische Chemie und
Laboratoriumsmedizin der Universitätsmedizin Mainz unter der Leitung des
Direktors Univ.-Prof. Dr. Karl Lackner sowie die Stabsstelle
Technologietransfer der Universitätsmedizin Mainz an dem Projekt
beteiligt.

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Save CO2 Neuartige Schlacken aus der Stahlindustrie als Ressource nutzbar machen

Stahl- und Zementindustrie arbeiten seit jeher eng zusammen. Nebenprodukte aus der Eisen- und Stahlproduktion kommen beispielsweise in der Baubranche zum Einsatz und sparen dort wertvolle Primärrohstoffe und CO2-Emissionen ein. Aufgrund geplanter Prozessinnovationen bei der Roheisenproduktion entstehen veränderte Nebenprodukte, deren Eigenschaften aktuell noch unbekannt sind. Im gerade gestarteten Verbundprojekt SAVE CO2 arbeitet Fraunhofer UMSICHT mit vier Partnern beider Industrien unter der Leitung des FEhS - Institut für Baustoff-Forschung e.V. gemeinsam daran, die zukünftig erzeugten Eisenhüttenschlacken für die Zement- und Baustoffindustrie weiterzuentwickeln und so auch in Zukunft CO2-Emissionen zu verringern und Ressourcen zu schonen. Das auf vier Jahre angelegte Projekt ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme »KlimPro-Industrie« und verfolgt das Ziel, eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft aufzubauen und die Rohstoffabhängigkeit zu verringern.

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Import von grünem Wasserstoff: Hochschule Anhalt und Fraunhofer IMWS erhalten 750.000 Euro

Zusammen mit koreanischen Forschungspartnern untersuchen und erforschen
die Hochschule Anhalt und das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von
Werkstoffen und Systemen IMWS die Möglichkeiten und Bedarfe eines
zukünftigen Imports von grünem Wasserstoff.

Der Studiengang Logistik und Luftverkehrsmanagement an der Hochschule
Anhalt und das Fraunhofer IMWS haben sich erfolgreich um ein insgesamt
fünfjähriges Vorhaben zur Errichtung eines deutsch-koreanischen
Forschungsnetzwerkes und Aufbau einer Forschungspräsenz in Korea beworben.
Das Vorhaben »H2DeKo« ist am 1. Juli 2021 gestartet und wird mit Mitteln
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Höhe von mehr als
750.000€ gefördert.

Forschen für eine nachhaltige Energieentwicklung
Das geplante Verbundprojekt soll kooperative, Deutsch-Koreanische
Forschungsvorhaben und Bildungsnetzwerke zum Themenkomplex Logistik von
grünem Wasserstoff (H2) anstoßen. Dazu soll gemeinsam eine
Forschungspräsenz in Korea aufgebaut werden, begleitet von jährlichen
Workshops und intensivem Austausch von wissenschaftlichem Personal. Nach
Abschluss der Förderung wird durch Einbindung möglicher
Industriefinanzierung eine nachhaltig, in die koreanische
Forschungslandschaft eingebundene Präsenz, der deutschen Partner
angestrebt.

Zur Erreichung der CO2-Neutralität der Volkswirtschaften in Deutschland
und Korea ist die Erzeugung von H2 mittels Elektrolyse mit regenerativ
gewonnenem Strom eine notwendige Voraussetzung. Dabei sind die vorhanden
und geplanten Photovoltaik- und Windkraft-Kapazitäten sowohl in
Deutschland als auch in Korea nicht ausreichend, um alle Bedarfe aus
Industrie oder privaten Haushalten zu decken. Erhebliche Importmengen von
H2 aus Ländern, in denen ausreichend Kapazität an regenerativ erzeugter
elektrischer Energie verfügbar gemacht werden kann, sind für beide Länder
zwingend erforderlich.

Beide Länder haben daher einen ähnlichen Forschungsbedarf zu notwendigen
Voraussetzungen und Anforderungen für die gesamte logistische Kette von
grünem H2 vom Erzeugerland über die relevanten Transportwege zum
Bestimmungsland und der inländischen Distribution.

Das Ziel der Hochschule Anhalt dabei: die Initiierung, Organisation und
forschungsadministrative Begleitung der Deutsch-Koreanischen
Wissenschaftszusammenarbeit. Der Präsident der Hochschule Anhalt,
Professor Jörg Bagdahn, sagt dazu: »Diese Förderzusage ist ein weiterer
Baustein in der Ausweitung unserer Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet
der nachhaltigen Energieforschung und schließt an unsere langjährigen
erfolgreichen Kooperationen mit koreanischen Partnern an. Der
Masterstudiengang Logistik und Luftverkehrsmanagement hat einen
Forschungsschwerpunkt im Bereich der Wasserstofflogistik und ergänzt mit
diesem geförderten Vorhaben die forschungsstrategische Ausrichtung der
Hochschule Anhalt.«

Kooperative Forschungsvorhaben sowie Projekte zur Wasserstofflogistik
anzustoßen und Forschungspräsenz in Korea zu etablieren, wird das Ziel des
Fraunhofer IMWS sein. Die stellvertretende Institutsleiterin Dr.-Ing.
Sylvia Schattauer unterstrich dazu: »Wasserstoff ist in Deutschland und
international als Schlüsselelement für die Transformation der
Energiesysteme und eine nachhaltige Industrie erkannt worden. Durch die
Zusammenarbeit mit exzellenten Partnern aus einem forschungsstarken Land
wie Südkorea wollen wir Synergiepotenziale heben und durch die
entstehenden Netzwerke der deutschen Industrie einen verbesserten Zugang
zu diesen Märkten verschaffen.«

Über die Hochschule Anhalt
Die Hochschule Anhalt hat sich seit ihrer Gründung am 1. Oktober 1991 zu
einer der forschungsstärksten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften im
Bundesgebiet und zu einem ingenieurwissenschaftlichen Zentrum für
angewandte Forschung und Entwicklung in Sachsen-Anhalt entwickelt. Der
Studiengang Master Logistik und Luftverkehrsmanagement bearbeitet
Forschungsprojekte speziell unter den Aspekten Digitalisierung und
Nachhaltigkeit und hat dem Thema Wasserstoff als zukünftiger alternativer
Energieträger als einen besonderen Schwerpunkt gewidmet.

Über das Fraunhofer IMWS
Das Fraunhofer IMWS in Halle (Saale) bietet mikrostrukturbasierte
Diagnostik und Technologieentwicklung für innovative Werkstoffe, Bauteile
und Systeme. Für seine Partner in der Industrie und für öffentliche
Auftraggeber verfolgt das Fraunhofer IMWS das Ziel, zur beschleunigten
Entwicklung neuer Werkstoffe beizutragen, Materialeffizienz und
Wirtschaftlichkeit zu steigern sowie Ressourcen zu schonen. Mit dem
Projekt „H2DeKo“ und zahlreichen weiteren Aktivitäten unterstützt das
Fraunhofer IMWS die Etablierung einer effizienten Wasserstoffwirtschaft.

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