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1. Lesung zum KHVVG: DDG fordert Stärkung der diabetologischen Weiterbildung und Fachkompetenz

Am 27. Juni 2024 findet im Bundestag die erste Lesung des Gesetzentwurfs
der Bundesregierung für das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz
(KHVVG) statt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist anlässlich
dieser Sitzung darauf hin, dass derzeit jährlich 3 Millionen Menschen mit
Diabetes mellitus ins Krankenhaus kommen. Sie benötigen eine
zukunftssichere stationäre diabetologische Versorgung. Dafür ist die
Finanzierung der Weiterbildung sowie die Stärkung der diabetologischen
Expertise notwendig – beides fehlt im Gesetzesentwurf bislang. Die DDG
fordert den Gesundheitsausschuss des Bundestages auf, eine öffentliche
Anhörung mit Fachgesellschaften zu kritischen Punkten abzuhalten.

„Wir unterstützen ausdrücklich die Bestrebungen des
Bundesgesundheitsministeriums, mit dem KHVVG die Behandlungsqualität in
den Krankenhäusern zu steigern, eine flächendeckende medizinische
Versorgung zu sichern und Bürokratie abzubauen“, betont DDG Präsident
Professor Dr. med. Andreas Fritsche. „Außerdem muss das KHVVG aus
Perspektive der DDG auch die Aufgabe haben, die Versorgung der stetig
steigenden Anzahl an Menschen mit Diabetes zu verbessern – und das geht
nur über eine Stärkung der diabetologischen Fachkompetenz in den
Krankenhäusern und nicht mit deren drohender Abschaffung.“ Gerade hier
weise der Gesetzesentwurf jedoch noch Lücken auf, die im Zuge des
Gesetzgebungsverfahrens dringend behoben werden sollten, so der
Diabetologe aus Tübingen.
Anlässlich der bevorstehenden ersten Lesung des KHVVG im Bundestag am 27.
Juni 2024 appelliert die DDG, die folgenden Punkte in der Beratung des
Gesetzentwurfes aufzugreifen:
Finanzierung der Weiterbildung unbedingt im Gesetz verankern!
Ohne ausreichende und gut finanzierte Weiterbildung kann es keine
hochwertige Versorgung geben. „Eine hohe Versorgungsqualität erwächst nur
aus Fachkompetenz! Für deren Vermittlung in der ärztlichen Weiterbildung
und der weiteren Gesundheitsberufe für die Diabetesversorgung muss der
Gesetzgeber den Krankenhäusern adäquate finanzielle sowie personelle
Ressourcen zuerkennen“, fordert Fritsche. Oft werde die Weiterbildung nur
mithilfe einer Querfinanzierung aus Versorgungserlösen ermöglicht. Darüber
hinaus sehen die Zeitkapazitäten der erfahrenen Fachärztinnen und
Fachärzte nicht vor, ihr Wissen mit Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung
zu teilen und diese anzuleiten. DDG Mediensprecher Professor Dr. med.
Baptist Gallwitz mahnt: „Sofern die Rahmenbedingungen für die
Weiterbildung nicht deutlich angepasst werden, wird das Gesetz sein
Kernziel, die Behandlungsqualität zu steigern, langfristig verfehlen. Denn
wer nicht in den ärztlichen Nachwuchs investiert, wird in Zukunft keine
hochwertige Versorgung sichern!“

Hochwertige Diabetesversorgung durch Fachkompetenz sicherstellen!
Für eine hochwertige Diabetesversorgung im Krankenhaus ist es auch
wichtig, dass bisherige rein diabetologische Fachabteilungen in der
geplanten Leistungsgruppe „Endokrinologie/Diabetologie“ nur mit dem
Facharztäquivalent „Diabetologin/Diabetologe DDG“ besetzt werden dürfen,
um Personalengpässen vorzubeugen. Denn nur durch diese bewährte
Weiterbildung auf Facharztniveau, die Internisten, Allgemeinmedizinern und
Pädiatern offensteht, erlangen Absolventinnen und Absolventen eine
angemessen hohe Expertise in Diagnostik und Therapie von Diabetes mellitus
Typ 1, Typ 2, Gestationsdiabetes sowie Diabetes-assoziierter Begleit- und
Folgeerkrankungen. „Die hohen Anforderungen und auch die jährlichen
Fortbildungsverpflichtungen sichern die adäquate Versorgung von Menschen
mit Diabetes“, ergänzt Fritsche.

Appell an den Bundestag
Die DDG hat den bisherigen Gesetzgebungsprozess intensiv begleitet und
ihre Positionen in Stellungnahmen auch gemeinsam mit anderen
Fachgesellschaften eingebracht. „Bislang wurden unsere Vorschläge jedoch
unzureichend aufgegriffen“, so Fritsche. Die DDG fordert daher nun die
Abgeordneten des Bundestags dazu auf, in dieser „heißen“ Phase der
Gesetzgebung die Fachgesellschaften und die Krankenhausgesellschaft
intensiver in den Prozess einzubinden, um die zukünftige bedarfsgerechte
Versorgung sicherzustellen und bestehende Lücken auszubessern. „Der
Gesundheitsausschuss sollte im Lesungsverfahren jetzt noch einmal auf die
Fachgesellschaften zugehen und die Anliegen derjenigen hören, die täglich
in den Kliniken ihre ärztliche Expertise für die Versorgung der Menschen
mit Diabetes einsetzen“, so Fritsche.

Die ausführlichen Forderungen der DDG können Interessierte hier
(https://www.ddg.info/politik/veroeffentlichungen/gesundheitspolitische-
veroeffentlichungen) einsehen.

Hintergrundinfos:
Pressemitteilung DDG: Medizin gehört in die Hände derjenigen, die sie am
besten verstehen (https://www.ddg.info/presse/2024/zum-geplanten-
krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz-khvvg-anlaesslich-der-anhoerung-
der-bundeslaender-im-bundesgesundheitsministerium-bmg-am-17-april-2024
)

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Bessere Versorgung von Nierentransplantierten

Ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-
Essen hat in einer Studie gezeigt, wie Menschen nach einer
Nierentransplantation besser versorgt werden können. Ihre Erkenntnisse
sollen helfen, das Risiko eines potentiell tödlichen Nierenversagens nach
einer Transplantation zu verringern. Aufgelegt wurde die Studie von Prof.
Dr. Lars Pape von der Universität Duisburg-Essen und Prof. Dr. Mario
Schiffer aus dem Universitätsklinikum Erlangen. Die Studie wurde vom
Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit 5,4 Millionen Euro
gefördert und in mehreren deutschen Nierentransplantationszentren
durchgeführt.

Die Wissenschaftler:innen um Prof. Dr. Lars Pape und Prof. Dr. Mario
Schiffer untersuchten anhand der Daten von 1.010 Teilnehmenden die
multimodale und interdisziplinäre Behandlung nach einer
Nierentransplantation. Im Fokus stand die Wirksamkeit des Nachsorge-
Programms „NierenTX-360-Grad“. Das neue Konzept vereint den Einsatz von
Fallmanager:innen vor Ort sowie digitale Ansätze, Sporttherapien und
sogenannte Adhärenz-Coachings. Das umfasst eine möglichst intensive
Betreuung der Patient:innen, zum Beispiel durch individuelle Motivation
und psychologische Unterstützung bei der Bewältigung von Ängsten. „Unsere
Studie zeigt, dass das Ergebnis einer Nierentransplantation durch dieses
Nachsorge-Programm signifikant verbessert werden kann“, sagt Prof. Dr.
Pape, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II des
Universitätsklinikums Essen.

Die Studienteams konnten zudem nachweisen, dass die verbesserte Nachsorge
der Transplantierten, die 12 Monate nach der Operation oder später in das
NierenTX-360-Grad-Programm aufgenommen wurden, signifikante Wirkung zeigt.
Um die Ergebnisse noch weiter spezifizieren zu können, werden im nächsten
Schritt die Biomarker von Studienteilnehmer:innen untersucht. Dieses
Vorhaben ist Teil des Großprojekts IMMEDIATE, das von 12
wissenschaftlichen Einrichtungen in der Europäischen Union (EU),
Großbritannien sowie Israel durchgeführt und von der EU mit 6,2 Millionen
Euro bis 2026 gefördert wird.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Lars Pape, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II,
UKE, Tel. 0201/723-2810, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2024.102652 Studienergebnisse:
eClinicalMedicine, Vol. 73, Juli 2024

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Leuphana qualifiziert für die Arbeit in Kulturorganisationen

Die Leuphana Universität Lüneburg hat ihr kulturwissenschaftliches
Studienangebot um einen Bachelor für die Arbeit in Kunst- und
Kulturorganisationen erweitert. Das neue, international ausgerichtete
englischsprachige Programm verbindet klassische und aktuelle Sozial- und
Kulturtheorie mit zentralen Fragen des kulturellen Lebens unserer Zeit. Ob
etwa eine Ausstellung zum Klimawandel, die Rückgabe von Raubkunst aus
Museen oder die Rolle der Gender-Thematik für die Musikwelt:
Kulturwissenschaften sind gefordert, um die richtigen Voraussetzungen für
die Beschäftigung mit in unserer Gesellschaft teilweise sehr kontrovers
diskutierten Themen zu schaffen.

Drei Schwerpunktbereiche prägen das neue Angebot inhaltlich:
Kulturorganisation, Analyse gesellschaftlicher Phänomene und
Kunstwissenschaft. Studierende lernen zunächst wissenschaftliche
Arbeitsweisen und -methoden kennen und wenden sie dann in einem
Lehr-/Forschungsprojekt praktisch an, zumeist in direkter Zusammenarbeit
mit einer Kulturorganisation. Dazu gehört auch die Fähigkeit, Daten zu
sammeln, etwa durch Befragungen oder Interviewstudien, und sie für die
Beantwortung einer konkreten Fragestellung auszuwerten.

Das Studium bereitet auf eine Tätigkeit im globalen, vernetzten Kunst-,
Medien- und Kultursektor vor, ermöglicht aber auch die Fortsetzung mit
einem Masterstudium im In- und Ausland, dem dann der Einstieg in eine
internationale akademische Laufbahn folgen kann. Das neue Bachelor-
Programm „Cultural Studies: Organization, Society, and the Arts“ wird
erstmals zum kommenden Wintersemester angeboten. Bewerbungen sind noch
möglich bis zum 15. Juli 2024.

Weitere Informationen zum Studienprogramm:
https://www.leuphana.de/college/bachelor/cultural-studies.html

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Wie viel Rassismus und Diskriminierungserfahrungen gibt es im Kontakt mit der Polizei?

Das Projekt RaDiPol setzt bei der Untersuchung den Fokus auf Betroffene.
Das Projekt „Rassismus und Diskriminierungserfahrungen im
Polizeikontakt“ (RaDiPol) an der Goethe-Universität wird im Juli mit dem
Forschungsprozess beginnen. RaDiPol untersucht die Erfahrungen und
Wahrnehmungen von rassistischer sowie anderer Formen menschenfeindlicher
Diskriminierung durch die Polizei mit einem Fokus auf Perspektiven hiervon
Betroffener. Dabei werden drei Hauptziele verfolgt:
•          Die Erhebung von Umfang und Struktur rassistischer
Diskriminierung durch die Polizei aus Perspektive der Betroffenen;
•          Die Darstellung der Folgen für die Betroffenen und ihr
Verhältnis zur Polizei und (Mehrheits-)Gesellschaft;
•          Die Untersuchung des polizeilichen Umgangs mit der Problematik
des Rassismus bzw. der Bedeutung dieses Umgangs für die polizeiliche
Arbeit.

Hierfür werden quantitative und qualitative Methoden kombiniert: Es wird
in mehreren deutschen Großstädten eine repräsentative
Bevölkerungsbefragung zum Thema durchgeführt und über qualitative Expert
:innen-Interviews erweitert und vertieft. Durch diesen multimethodischen
Ansatz sollen Betroffenenperspektiven in unterschiedlichen Facetten
erfasst werden. Zudem sollen Fokusgruppen mit Polizist:innen durchgeführt
werden, um ein besseres Verständnis innerpolizeilicher Perspektiven auf
und Umgangsweisen mit Rassismus und Diskriminierung zu erhalten.

Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Professor für Kriminologie und Strafrecht
an der Goethe-Universität, betont: „Rassismus und Diskriminierung durch
die Polizei haben nicht nur für die Betroffenen einschneidende Folgen, sie
haben auch eine Signalwirkung in die Gesellschaft hinein.“ Gleichzeitig,
so der Co-Leiter, sei die „Polizei bei der Auseinandersetzung mit
Rassismus und Diskriminierung in den eigenen Reihen noch am Anfang“,
weswegen die empirische Untersuchung des Themas im Rahmen des RaDiPol-
Projekts einen wichtigen Schritt darstellt.

Das Projekt RaDiPol hofft, die öffentliche Diskussion sowie die bestehende
Forschung mit belastbaren Erkenntnissen über Häufigkeit, Art und Weise von
rassistischen Diskriminierungserfahrungen und -wahrnehmungen im
Polizeikontakt erweitern und ergänzen zu können. Dies ist von
außerordentlicher Relevanz für die Befassung mit der Rolle der Polizei in
der Gesellschaft und ihrem Verhältnis zu marginalisierten Gruppen und
Communities, für die Fortentwicklung professioneller Polizeiarbeit, für
den Umgang mit den Folgen diskriminierenden Verhaltens und für die
Entwicklung von Lösungen für damit verbundene Probleme.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es ist ein Kooperationsprojekt der
Professur für Kriminologie und Strafrecht der Goethe-Universität Frankfurt
und der Professur für Kriminologie und Soziologie der Hochschule der
Akademie der Polizei Hamburg.

Weitere Informationen über das Projekt, seine Ziele und laufende Arbeiten
unter <https://radipol.uni-frankfurt.de/dev/>

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