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Hochschule für Musik und Theater München vergibt zum ersten Mal Gender & Diversity Award an drei Studierende

Preisträgerinnen des Gender & Diversity Award 2024: (vlnr.) Maria Emilia Ciria Buil, Marleen Uebler und Johanna Posch  HMTM
Preisträgerinnen des Gender & Diversity Award 2024: (vlnr.) Maria Emilia Ciria Buil, Marleen Uebler und Johanna Posch HMTM

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) hat am 8. Mai 2024 zum
ersten Mal den Gender & Diversity Award an drei Studierende vergeben. Die
Preisträgerinnen sind Johanna Posch, Marleen Uebler und Maria Emilia Ciria
Buil. Die Studierenden erhielten die Auszeichnung im Rahmen des Respekt-
Tags der Münchner Kunsthochschulen, der in diesem Jahr an der Bayerischen
Theaterakademie August Everding stattfand.

Johanna Posch (Bachelor Flöte, künstlerisch-pädagogische Studienrichtung)
erhält den Award für ihr Community Music Projekt »Winde« mit
benachteiligten Kindern in verschiedenen Münchner Stadtteilen.

Marleen Uebler (Master Kulturjournalismus) wird für eine Artikelserie über
Barrierefreiheit im öffentlichen und zwischenmenschlichen Bereich und das
Konzept eines dazugehörigen Podcasts ausgezeichnet.

Maria Emilia Ciria Buil (Bachelor Gesang, künstlerisch-pädagogische
Studienrichtung) bekommt den Gender & Diversity Award für die Erforschung
des Flamenco als Tanz- und Musikangebot für und mit Kindern und
Jugendlichen mit kognitiven und psychomotorischen Beeinträchtigungen als
Vorbereitung ihres Promotionsvorhabens verliehen.

Der Gender & Diversity Award ist mit insgesamt 1.500,- Euro dotiert und
wird durch eine interne Jury der HMTM (bestehend aus Lehrenden, einem
Mitglied des Gleichstellungsteams sowie zwei Studierenden) einmal jährlich
als Projektgeld für bis zu drei Abschlussarbeiten im künstlerischen,
pädagogischen und wissenschaftlichen Bereich vergeben, die dann auch
umgesetzt werden können. Mit dem Preis stärkt die HMTM die künstlerische
und wissenschaftliche Auseinandersetzung ihrer Studierenden mit den
Themenfeldern Gender, Diversität und Inklusion im Kontext der Künste. Der
Wettbewerb soll Studierende ermutigen, sich im Rahmen künstlerischer und
wissenschaftlicher Arbeiten und Produktionen explizit mit diesen Themen
auseinanderzusetzen, um so die kontinuierliche Weiterentwicklung von
gender- und diversitätsbezogener Forschung zu fördern.

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ist ein Begegnungsort
von Menschen, Ideen, Kunst und Kultur und eine Gemeinschaft von Menschen
unterschiedlicher ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft,
verschieden in Weltanschauung, körperlicher und seelischer Verfassung,
Alter, Geschlecht, sexueller Identität und Orientierung. Vor diesem
Hintergrund lebt und fördert die HMTM Diversität und setzt sich für
Antidiskriminierung und Inklusion ein. Sie versteht Diversität als
integralen Bestandteil von Qualität in Studium und Lehre. Mehr zum
Werteverständnis der HMTM: https://hmtm.de/unsere-werte/

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Bildungsmythen in der langen Geschichte der DDR: Forschungswissen kompakt aufbereitet

Bildung und Erziehung, Kindheit und Jugend in der DDR waren und sind bis
heute Gegenstand unterschiedlicher Erzählungen und Erinnerungen. Wie war
es genau und wie entstand dabei der Stoff für vielfältige Mythen? Mit
diesen Fragen befasst sich der bildungshistorische Forschungsverbund
„MythErz“. Ergebnisse seiner Arbeit sind nun auf einer digitalen
Wissensplattform frei zugänglich – darunter Analysen und viele Quellen wie
Aufzeichnungen aus dem Unterricht, Lehrfilme oder Kindheits- und
Jugenderzählungen.

„Mit der Plattform wollen wir unsere Forschungsergebnisse möglichst
anschaulich und mit vielfältigen Zugangsmöglichkeiten für die
Öffentlichkeit aufbereiten“, erläutert Prof. Dr. Sabine Reh, Direktorin
der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) des DIPF |
Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, die das
neue Portal bereitstellt.

Die BBF bildet gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin, der
Universität Hildesheim und der Universität Rostock den Projektverbund
„Bildungsmythen über die DDR – eine Diktatur und ihr Nachleben“ (MythErz).
Die wissenschaftlichen Arbeiten werden vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung gefördert. Die Verbundpartner untersuchen in Fallstudien
wirkmächtige Bilder und Narrative über Bildung, Erziehung und Schule der
DDR, die die Diktatur überdauerten. Sie dienten nach der Wiedervereinigung
oft auch der positiven Erinnerung und wurden in diesem Sinne verdichtet
oder verändert. Für ihre Analysen nutzen die Forschenden unerschlossene
Bild-, Text-, Ton- und Film-Quellen, darunter Kinderbuch-Illustrationen,
Ausschnitte aus Unterrichtsfilmen und Passagen aus Briefen. Die jetzt im
neuen Portal aufbereiteten Befunde richten sich an alle inhaltlich
Interessierten. Die Forschenden hoffen auf eine breite Nachnutzung der
Quellen und Daten in Forschung, Lehre und Unterricht.

Die Mythen

In den Arbeiten von MythErz werden Bildungsmythen kulturwissenschaftlich
analysiert und in ihrer Funktionsweise herausgearbeitet. Mythen sind dabei
als oft wiederholte Narrative definiert, deren einzelne Elemente und
Motive zusammen genommen für Gruppen bedeutsam und sinnstiftend sind und
um deren Deutung gerungen wird. Beispielsweise wird gezeigt, wie wichtig
in der DDR das schon ältere Narrativ von „Fortschritt durch Wissenschaft“
war. In ihm sind gesellschaftlicher Fortschritt und Wissenschaft eng
miteinander verknüpft und Naturwissenschaft wird zu einem entscheidenden
Referenzpunkt für Bildung. Der DDR-Erzählung folgend gelang die
Vermittlung wissenschaftlicher Bildung dank der angeblich
fortschrittlichen Weltanschauung des Marxismus-Leninismus besser als im
kapitalistischen Westen.

Diesem offiziellen Anspruch folgend wurde in der DDR von Beginn an Wert
auf die „Wissenschaftlichkeit“ des Unterrichts gelegt. Einen großen
Schwerpunkt bildete der naturwissenschaftliche Unterricht – nicht nur in
den oberen Klassenstufen. Das hieß vor allem, dass die Lehrkräfte den
Unterricht an wissenschaftlicher Systematik orientierten. Lehrfilme für
den Unterricht zeigten stereotype und emotional wirkende Bilder einer
ausschließlich guten, weil „parteilichen“, d.h. dem Interesse des
Sozialismus entsprechenden Naturwissenschaft und von engagierten, dem Volk
dienenden Naturwissenschaftler*innen. Zugleich vermittelten die Lehrkräfte
in Fächern wie Deutsch und Geschichte moralische Entscheidungen oder
Deutungen von Literatur häufig als wissenschaftlich begründete Tatsachen.
Die Idee eines an Wissenschaftlichkeit ausgerichteten DDR-Unterrichts
hallte über die Wende hinaus nach. Allerdings bezogen sich Lehrkräfte nach
1989 eher – und anders als in der DDR propagiert – auf das Motiv einer
neutralen Wissenschaft.

Das ist nur ein Beispiel für die auf der Plattform in ihrer Entwicklung
dargestellten Bildungsmythen. „Bildung für alle“ ist eine weitere zentrale
Erzählung, die eigentlich einen Kern-Mythos im gesamten mitteleuropäischen
Bildungswesen seit dem 18. Jahrhundert darstellt. In der DDR spielte er
aber eine besondere Rolle – etwa beim Transfer des eigenen Bildungssystems
in die sogenannten „Entwicklungsländer“ wie Mosambik. Ein anderes Beispiel
ist das Narrativ von der auch durch Bildung erreichten
„Geschlechtergerechtigkeit“, ein wichtiges Element des
Staatsverständnisses in der DDR. Die Vorstellung von Gerechtigkeit bezog
sich jedoch in erster Linie auf die Integration von Frauen in die Berufs-
und Arbeitswelt. Care- und Erziehungsarbeit blieb „Frauensache“ – wie ein
Blick auf Kinder- und Schulbuchillustrationen zeigt. Die Besucher*innen
der Plattform können sich von all diesen Mythen und ihrer Entwicklung ein
differenziertes Bild machen und sie kritisch reflektieren.

Die Wissensplattform und weitere Informationen

Der Titel des neuen Online-Angebots ist „Wissensplattform zu
Bildungsmythen in der langen Geschichte der DDR“. Den Interessierten
bieten sich drei Haupteinstiegsmöglichkeiten: über die Mythen, über die
Quellen und über ein Glossar. Alle Inhalte sind miteinander verlinkt.
Inhaltlich stehen die Mythen und das reichhaltige und multimediale
Quellenmaterial im Vordergrund. Die zu Forschungszwecken akquirierte
Quellensammlung ist erstmals frei zugänglich. Für eine schnelle
Orientierung im Thema und ein leichteres Verständnis DDR-typischer
Begrifflichkeiten sorgt das Glossar. Es kann direkt als Einstieg genutzt
oder aus den Texten bei bestimmten Begriffen aufgerufen werden. Zusätzlich
ist eine Suche nach Personen und Schlagworten integriert.
https://bildungsmythen-ddr.de

Einen tieferen Einblick in die Forschungsarbeiten zu den DDR-
Bildungsmythen bieten am Samstag, 22. Juni 2024, zwei Vorträge der BBF-
Expertinnen Cäcilia von Malotki und Nele Herzog bei der Langen Nacht der
Wissenschaften in Berlin – im Haus der Leibniz-Gemeinschaft,
Chausseestraße 111, 10115 Berlin (U-Bahn-Station Naturkundemuseum), erstes
Obergeschoss:

•       18:00-18:45 Uhr
Umkämpfte Erinnerung – Schulunterricht in der DDR, wie er wirklich war?
Der Vortrag zeichnet das Thema anhand einer der ersten medialen Debatten
über Schule und Unterricht in der DDR in der Wendezeit nach: den
Diskussionen rund um das Essay der DDR-Autorin Christa Wolf „Das haben wir
nicht gelernt“ aus dem Herbst 1989.

•       21:00-21:45 Uhr
Was verraten uns alte Lehrfilme über den DDR-Schulunterricht?
An einem Originalausschnitt des Lehrfilms „Von Pädagogen für Pädagogen -
die individuellen Unterschiede“ aus dem DDR-Schulfernsehen zeigen die
Forscherinnen, was sie durch Beobachten und Kontextualisieren über den
Schulunterricht in der DDR erfahren und worauf sie achten, wenn sie
historische Quellen untersuchen und interpretieren.

Über das DIPF:
Das DIPF ist das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und
Bildungsinformation mit Standorten in Frankfurt am Main und in Berlin. Es
will dazu beitragen, Herausforderungen in der Bildung und für das
Erforschen von Bildung zu bewältigen. Dafür unterstützt das Institut
Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulen, Wissenschaft, Verwaltung und
Politik mit Forschung, digitaler Infrastruktur und Wissenstransfer.
Übergreifendes Ziel seiner Aktivitäten ist eine qualitätsvolle,
verantwortliche, international anschlussfähige und Gerechtigkeit fördernde
Bildung, die zudem bestmöglich erforscht werden kann.
https://www.dipf.de

Über die BBF:
Die BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung in Berlin ist
eine Forschungsbibliothek mit herausragenden Bibliotheks- und
Archivbeständen und einem breiten digitalen Angebot zur deutschen
Bildungsgeschichte in ihren internationalen Bezügen. Sie ist ein Zentrum
der historischen Bildungsforschung in Deutschland und gehört zum DIPF.
https://bbf.dipf.de

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Soundings #043 mit Xu Fengxia: Sanxian und Guzheng

Konzert mit der aus Shanghai stammende international agierenden Sängerin
und Musikerin auf chinesischen Zupfinstrumenten auf Einladung des
Klanglabors der KHM
Kunsthochschule für Medien Köln, Donnerstag, 27. Juni, 20 Uhr, Aula,
Filzengraben 2, 50676 Köln
Eintritt frei

Xu Fengxia entwickelt, erneuert und verändert ständig ihre musikalische
Sprache. Sie vereint die regionalen Opernidiome Chinas, die rhythmischen
Muster der traditionellen Perkussionsinstrumente, den mongolischen
Kehlgesang und die tibetischen Gesänge mit den Rhythmen des Jazz. Diese
ethnischen Musikelemente verschmelzen mit den charakteristischen Klängen
chinesischer Instrumente, wodurch sie eine einzigartige Kombination von
Gesang und Instrumenten schafft. Schon mit 7 Jahren begann Xu Fengxia das
Studium chinesischer Zupfinstrumente. Sie studierte mit großem Erfolg an
der Shanghaier Musikhochschule. Danach arbeitete sie als Solistin im
Orchester für Chinesische Musik Shanghai und gab Solokonzerte auf bis zu
vier Instrumenten.
Seit ihrer Übersiedlung nach Deutschland ist sie höchst erfolgreich in
verschiedenen Bereichen tätig. Im Jahr 2009 bekam beim Jazzpott der Stadt
Essen und für ihre Duo-CD Black Lotos den Preis der Deutschen
Schallplattenkritik. Seit kurzem widmet sie sich auch der Komposition,
z.B. für Streichquartett oder ein Jazzquartett mit dem Namen „Shanghai
Blue Sky“.

Die Sanxian ist ein traditionelles chinesisches Zupfinstrument mit einer
Geschichte von etwa 100 Jahren. Sie hat drei Saiten, was ihrem Namen
"Sanxian" entspricht. In Opern wie Kunqu, Huaihai-Oper und Da Xianzi-Oper
sowie in Kunstformen wie Danxian, Dagushu und Sanxianshu ist sie das
Hauptinstrument. Sie wird auch in der Peking-Oper als Teil der "San
Dajian", im Jiangnan Sizhu als "Ba Dajian", in der kantonesischen Musik
als "Wu Jiantou" und im Nanguan als "Shang Si Guan" verwendet. Aufgrund
ihres einzigartigen Klangs nimmt sie in ethnischen Orchestern eine
wichtige Stellung ein. Es gibt zahlreiche Ensemblewerke, die aus
Opernbegleitmusik und Guqin-Stücken adaptiert wurden, sowie eine Fülle von
Solo-Stücken mit charakteristischem Sanxian-Stil. Die Sanxian besteht aus
dem Korpus (einschließlich Kopf, Hals, Korpus und Membran) und dem
Saitensystem (einschließlich Saiten, Wirbel, Steg und Plektrum).

Zhen (筝) auch bekannt als chinesisches Guzheng(古筝-Gu /Alte .Zheng /Klang )
ist ein Verwandter von Khanom und hat eine mehr als 2.500-jährige
Geschichte. Alte Zithern bestehen aus 13 Saiten mit Seiden- und
Darmsaiten. Moderne Zithern sind 1,6 m lang und haben normalerweise 21
Saiten. Sie bestehen aus drei Materialien. Die innerste besteht aus
Stahldraht, die mittlere aus chemischer Baumwolle und die Außenseite ist
mit Nylondraht umwickelt. 21stege. Der Hauptkörper der Zither besteht aus
einer rechteckigen hohlen Holzkiste mit einer kleinen Kiste oben rechts,
die geöffnet werden kann. Sie dient zum Stimmen.

Originalpublikation:
https://www.khm.de/termine/news.5767.soundings-043-xu-fengxia-sanxian-und-
guzheng/

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Neugestaltung der Südfassade der Alice Salomon Hochschule Berlin durch die Schriftstellerin Maxi Obexer

Auf Beschluss des Akademischen Senats wird die Fassade alle fünf Jahre
durch einen neuen Beitrag aus dem Kreis der Poetik-Preisträger_innen
verändert

Noch in diesem Jahr wird eine neue Südfassade der Alice Salomon Hochschule
Berlin alle Hochschulangehörigen und die Menschen in Marzahn-Hellersdorf
begrüßen. Heute gab die Hochschule bekannt, dass eine Gestaltung der
Schriftstellerin und Poetik-Preisträgerin Maxi Obexer das derzeitige Werk
Barbara Köhlers ablösen wird. Die Bekanntgabe erfolgte im Rahmen der
öffentlichen Veranstaltung „Ein öffentlicher Text: Wie gestalten wir die
Südfassade der Hochschule?“.

Die Hochschule folgt damit dem Beschluss des Akademischen Senats aus dem
Jahr 2018, der festlegt, dass die Wandgestaltung der Südfassade der
Hochschule alle fünf Jahre durch einen neuen Beitrag aus dem Kreis der
Poetik-Preisträger_innen verändert wird. Nach Barbara Köhler zeichnete die
ASH Berlin die Künstler_innen Christoph Szalay (2019), Lioba Happel (2021)
und Maxi Obexer (2023) mit dem Alice Salomon Poetik Preis aus.

Christoph Szalay und Maxi Obexer beteiligten sich am Prozess der
Neugestaltung der Südfassade. Sie stellten Ende April 2024 ihre Entwürfe
erstmals in einer hochschulinternen Veranstaltung vor und tauschten sich
mit Studierenden, Lehrenden, Mitarbeitenden sowie der Jury des Poetik
Preises aus. Die Resonanzen aus dieser Veranstaltung haben die
Preisträger_innen bei der Weiterentwicklung ihres Vorschlags
berücksichtigt. Die Jury des Poetik Preises tagte am 30. Mai und beriet
sich über die Vorschläge von Christoph Szalay und Maxi Obexer. Die Wahl
fiel auf den Text „von den dächern“ von Maxi Obexer:

sie alle hier, wir
können es sein, bedroht
betroffen, berufen, sogleich
zu anderen werden
allein, wie sich finden
und nicht vergessen
dass wir liebende sind

wo ist das außen, wenn wir es suchen
wer ist das außen, wenn wir es lieben

Die Begründung der Jury lautet: „Im Ergebnis haben wir uns für den Entwurf
von Maxi Obexer entschieden. Wir halten ihn für eine gelungene
Intervention im öffentlichen Raum, die Anlässe zur Kommunikation und
Interaktion bietet. Wir sehen darin eine Auseinandersetzung mit dem Ort
und ein Bewusstsein für die Haltung der Hochschule, die wir uns gewünscht
haben.“

Maxi Obexer sagt: „Es war mir wichtig, einen Textkörper zu schaffen, in
dem kein Gegenüber einem anderen gegenübersteht, in dem die sprachliche,
noch so subtil gesetzte Abgrenzung aufgehoben ist, in dem es ein Wir gibt,
ohne zu vereinnahmen, oder wo Bedrohte und Betroffene von den Berufenen
per se nicht unterschieden sind.“

Die heutige Präsentation der zukünftigen Fassadengestaltung wurde von
einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm begleitet. Zunächst stellten zwei
ASH-Studierende ausgewählte Texte von Barbara Köhler in einer
performativen Lesung vor. Beim anschließenden Round-Table diskutierten
ASH-Rektorin Bettina Völter und ASH-Professorin Jutta Hartmann mit dem
Kunstwissenschaftler, Kurator sowie Leiter des Museums Morsbroich Jörg van
den Berg und der Autorin und Poetik-Preisträgerin Maxi Obexer über das
Werk Barbara Köhlers und ihre Bedeutung für die ASH Berlin sowie über
Kunst im öffentlichen Raum und die Rolle, die Maxi Obexer hier einnimmt.
Die Moderation übernahm Jury-Mitglied, Lyriker sowie Mitbegründer der
Lettrétage Tom Bresemann. Nach der Diskussion präsentierte Maxi Obexer den
Text für ihre Fassadengestaltung. Zum Abschluss der Veranstaltung weihten
die Gäste die neue Barbara-Köhler-Gedenktafel im Sockelbereich der Fassade
ein. Auf der 1x1,4 Meter großen Edelstahl-Tafel ist das Gedicht von
Barbara Köhler und ihr Kommentar dazu zu sehen. Sie wurde neben der Tafel
mit dem Gedicht „avenidas“ und einem erläuternden Text von Eugen Gomringer
angebracht.

Über Poetik-Preisträgerin Maxi Obexer
Die Schriftstellerin Maxi Obexer drückt sich in verschiedenen Genres aus.
Ihr zuletzt veröffentlichtes Hörspiel „Im Auge des Sturms“ (WDR 2024)
wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Hörspiel des Monats. Dem
vielbeachteten Radio-Essay „Über Tiere schreiben / Über Tiere sprechen“
(DLF 2023) folgte kürzlich der Roman „Unter Tieren“ im Weissbooks Verlag.
Die politische Autorin beschäftigte sich sehr früh mit den Themen Flucht
und Migration; ihr Theaterstück und Hörspiel „Illegale Helfer“ wurde
weltweit nachgespielt und mit zahlreichen Preisen versehen. Für ihren
autobiografischen Roman „Europas längster Sommer“ wurde Obexer für den
Bachmannpreis nominiert. Im Januar 2023 erhielt Maxi Obexer den Alice
Salomon Poetik Preis. Die Jury zeigte sich besonders beeindruckt davon,
dass sich Obexers Texte „keiner gefälligen Stilistik beugen. Sie spiegeln
vielmehr Obexers eigenwilliges Leiden an der Welt, ihre Wut, ihr
Engagement wider.“

Über die Neugestaltung der Südfassade
Hier finden Sie den Beschluss des Akademischen Senats zur Neugestaltung
der Südfassade vom 23. Januar 2018 im Wortlaut und die ausführliche
Begründung der Hochschulleitung für ihren Vorschlag. Im Jahr 2017 erzielte
die Ausschreibung zur (Neu-)Gestaltung der Südfassade eine hohe
Medienresonanz und wurde kontrovers diskutiert. Für einen Überblick haben
wir unter www.ash-berlin.eu/fassadendebatte die Presseartikel zur Fassade
als Linksammlung zusammengestellt.

Zum Fünf-Jahres-Rhythmus
Der Fünf-Jahres-Rhythmus entspricht – wenn man die Masterstudiengänge
hinzuzählt – in etwa der durchschnittlichen Studiendauer unserer
Studierenden. So werden – neben den Verwaltungsangestellten, den
wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen und den Lehrenden der Hochschule –
auch die meisten Studierenden den Prozess der Entscheidung über eine neue
Wandgestaltung miterleben und mitdiskutieren können.

Über Vorschlagsrecht und Beteiligung
Die durch die Jury des Poetik Preises gewählten Preisträger_innen haben
die Möglichkeit, entweder gemeinsam eine Wandgestaltung vorzuschlagen oder
jeweils eigene Vorschläge einzubringen. Alle Vorschläge werden in einer
hochschulöffentlichen Veranstaltung den Hochschullehrer_innen,
Verwaltungsmitarbeiter_innen, akademischen Mitarbeiter_innen und
Studierenden der ASH Berlin sowie der Jury des Poetik Preises vorgestellt
und dort besprochen. Diese Veranstaltung eröffnet die Möglichkeit, den
Austausch zwischen den Preisträger_innen und der Hochschulöffentlichkeit
über die Verbindung des Werkes mit der Alice Salomon Hochschule Berlin
oder auch über die Bedeutung von Kunst und Wissenschaft und deren
jeweilige Eigenständigkeit zu vertiefen.

Die Preisträger_innen entscheiden selbst, ob und inwieweit sie (unter
anderem) dieses Forum nutzen möchten, um eine fertige Arbeit als Vorschlag
für die Fassade vorzustellen oder ihren Vorschlag ggf. weiter zu
entwickeln. Dabei ist es z.B. denkbar, dass die Wandgestaltung
partizipativ und/oder gemeinsam von mehreren Preisträger_innen entwickelt
wird, dass ein_e Künstler_in mehrere Vorschläge als Alternativen einbringt
oder dass ein eingereichter Vorschlag nach der Veranstaltung modifiziert
wird. Wenn es nach fünf Jahren mehrere Vorschläge von Preisträger_innen
zur Wandgestaltung gibt, wird die Jury des Poetik Preises den Vorschlag
auswählen, der dann an der Südfassade realisiert wird.

Durch die Dokumentation des Prozesses und der jeweiligen Realisierungen an
der Südfassade kann eine Geschichte des Poetik Preises geschrieben werden,
die auch als Teil einer Geschichte partizipativer Prozesse an der ASH
Berlin erzählt werden kann. Damit wird die Verbindung des Poetik Preises
mit der ASH Berlin gestärkt und die Identifikation der
Hochschulangehörigen mit dem Alice Salomon Poetik Preis erhöht. Der 5
-Jahres-Rhythmus ermöglicht zudem die Auseinandersetzung mit den
Spannungsfeldern: Kontinuität und Wandel sowie Hochschuldemokratie und
Freiheit der Kunst konstruktiv zu bearbeiten. Dies beinhaltet auch die
kritisch-produktive und kreativ-lernende Auseinandersetzung mit der Kunst
ihrer Preisträgerinnen und Preisträger. Das Selbstverständnis der
Hochschule prägt nun weniger die jeweilige Arbeit an der Wand als vielmehr
der Austausch darüber und der regelmäßige Wechsel von Arbeiten ganz
unterschiedlicher Künstler_innen.

Über den Alice Salomon Poetik Preis
Mit dem Alice Salomon Poetik Preis zeichnet die ASH Berlin alle zwei Jahre
Künstlerinnen und Künstler aus, die durch ihre besondere Formensprache und
Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie
akustischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und
wirken. Verbunden ist die Auszeichnung mit einem Preisgeld in Höhe von
6.000 Euro, mit einer Dozentur und mit der Möglichkeit, die Südfassade der
Hochschule neu zu gestalten.

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