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Neuerscheinung: Verschiedene Blickwinkel auf „Autonomie und Selbstwirksamkeit“

„Autonomie und Selbstwirksamkeit verstehen und stärken” ist ab dem 14. Mai 2024 im Buchhandel oder über den Verlag APOLLON University Press erhältlich.
„Autonomie und Selbstwirksamkeit verstehen und stärken” ist seit dem 14. Mai 2024 im Buchhandel oder über den Verlag APOLLON University Press erhältlich.

Autonomie und das Gefühl von Selbstwirksamkeit tangieren zentrale
menschliche Bedürfnisse und beeinflussen unsere Motivation unter anderem in der
Arbeitswelt, im Bildungsbereich und im Gesundheitssektor. Im neuen, im
Verlag APOLLON University Press erschienenen Thesisband „Autonomie und
Selbstwirksamkeit verstehen und stärken“ beleuchten die Autorinnen die
beiden Konstrukte aus verschiedenen Blickwinkeln.

Selbstwirksamkeit und Autonomieerleben haben laut verschiedener Studien
nicht nur einen Einfluss auf Motivation, sie sind zudem ein Prädiktor für
Erfolg, Performanz und Lebenszufriedenheit. Eine Einschränkung der
Autonomie kann ungünstige Auswirkungen auf die Befindlichkeit, Gesundheit
sowie auf die Leistungsbereitschaft von Menschen haben. Zugleich erhöht
das Gefühl eingeschränkter Autonomie die Wahrscheinlichkeit, sich als
selbstwirksam zu erleben.
Die Autorinnen dieses Bandes betrachten die Konstrukte Autonomie und
Selbstwirksamkeit sowie ihre Bedeutungen aus verschiedenen Blickwinkeln.
Aus Sicht der Sozialpsychologie wird betrachtet, welchen Einfluss die
Wahrnehmung durch Mitmenschen auf die eigene Selbstwirksamkeit bei
Rettungskräften sowie in schulischen Kontexten haben kann. Darüber hinaus
wird den Fragen nachgegangen, welche autonomen psychischen Prozesse
Führungskräfte in ihren Entscheidungen beeinflussen und welche Rolle der
Persönlichkeitsdimension Extraversion/Introversion bei der
Emotionsregulation zukommt. Abschließend erhalten Leser:innen Einblick in
ein Setting hoch eingeschränkter Autonomie, der Pflegeausbildung im
Maßregelvollzug.

Das Fachbuch verschafft Studierenden und Interessierten ein umfassendes
Verständnis für die Bedeutung von Autonomie und Selbstwirksamkeit und
befähigt sie, praktische Implikationen abzuleiten.

Autorinnen:
Merle Dworack arbeitete nach ihrem Fachabitur und einer Ausbildung als
Tänzerin. Seit 2017 ist sie Mutter von mittlerweile zwei Kindern. Nebenher
begann sie Ende 2017 das Studium Angewandte Psychologie (B. Sc.) an der
APOLLON Hochschule.

Lisa Gruenagel absolvierte nach dem Abitur ein Pflegepraktikum in einer
Hamburger Klinik. Im Anschluss folgte ein Auslandsaufenthalt in London.
Anschließend absolvierte Lisa
Gruenagel eine Ausbildung zur Logopädin am Werner Otto Institut in
Hamburg, die sie im Oktober 2004 abschloss. Im Anschluss folgte eine
Anstellung in Berlin.

Deborah Hofer arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin
im Verkauf, in der Zug- und Kundenbegleitung sowie in der Personal- und
Arbeitslosenberatung. Parallel absolvierte sie den berufsbegleitenden
Studiengang in Angewandter Psychologie (B. Sc.) an der APOLLON Hochschule,
welchen sie 2022 abschloss.

Andrea Hofmann arbeitet seit ihrer Ausbildung zur Rettungsassistentin mit
anschließender Weiterqualifizierung zur Notfallsanitäterin im Mainzer
Rettungsdienst. 2022 schloss sie ihr Studium Angewandte Psychologie (B.
Sc.) an der APOLLON Hochschule ab. Seitdem ist sie zusätzlich zu ihrer
Arbeit im Rettungsdienst die dortige Beauftragte für das innerbetriebliche
Gesundheitsmanagement.

Katharina Nülsen arbeitete nach ihrer Ausbildung als Gesundheits- und
Krankenpflegerin (2006–2009) in der Psychotherapie und Traumatherapie.
Nach den Weiterbildungen für Ambulante Psychiatrische Pflege,
Allgemeinpsychiatrie und der Arbeit als Praxisanleiterin für Pflegeberufe
begann sie ihr Studium an der APOLLON Hochschule im Studiengang
Pflegemanagement (B. A.) (2017–2020).

Herausgeber:in:
Eva Schandro ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der APOLLON
Hochschule. Sie studierte Psychologie an der University of Groningen und
an der Jacobs University Bremen. Während der Studienzeit entwickelte sie
großes Interesse an der psychologischen Forschung und der Arbeit mit
Menschen. Nach dem Studium arbeitete sie als Psychologin bei einem
Bildungswerk, wo sie arbeitssuchende, junge Erwachsene coachte und beriet.

Prof. Dr. Marcus Eckert lehrt seit 2020 an der APOLLON Hochschule. Er
studierte als ausgebildeter Lehrer selbst per Fernstudium Psychologie, im
Präsenzstudium klinische Psychologie und promovierte am Institut für
Psychologie der Leuphana Universität Lüneburg. Seine
Forschungsschwerpunkte liegen u. a. auf den Themen Emotions- und
Stressregulation, Selbstregulation und Prokrastination.

„Autonomie und Selbstwirksamkeit verstehen und stärken” ist ab dem 14. Mai
2024 im Buchhandel oder über den Verlag APOLLON University Press (www
.apollon-hochschulverlag.de) erhältlich.

„Autonomie und Selbstwirksamkeit verstehen und stärken“ – Merle Dworack,
Lisa
Gruenagel, Deborah Hofer, Andrea Hofmann, Katharina Nülsen. 1. Auflage
2024, Bremen: APOLLON University Press, Softcover – 180 Seiten – 17 x 22,0
cm – 29,90 € - ISBN: 978-3-94-3001-89-1

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Moderne IT: Fluch und Segen für die Nachhaltigkeit

Prof. Dr. Michael Müßig von der Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt  xtrakt media/Jonathan Ziegler
Prof. Dr. Michael Müßig von der Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt xtrakt media/Jonathan Ziegler

Nachhaltigkeit in der IT – Impulse und Innovationen bei einer
Vortragsreihe an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Zu einer Vortragsreihe an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt
(THWS) sind führende Köpfe der regionalen IT-Branche zusammengekommen, um
über ein drängendes Thema zu diskutieren: Nachhaltigkeit in der
Informationstechnologie. Moderiert von Prof. Dr. Michael Müßig von der
Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik der THWS bot die
Veranstaltung eine Plattform für fundierte Einblicke und zukunftsweisende
Ideen.

Dr. Thorsten Beyer, Autor und Experte für nachhaltige Webkommunikation,
eröffnete die Diskussion mit einer kritischen Reflexion über den digitalen
Fußabdruck, den Webpräsenzen hinterlassen. Angesichts des Zettabyte-
Zeitalters und des dramatischen Preisverfalls bei der Datenspeicherung
rückte Beyer den CO₂-Ausstoß, den das Internet verursacht, in den
Vordergrund. Die Zahlen seien alarmierend: 360 Gramm CO₂ pro übertragenem
Gigabyte. Ein nachhaltigeres Webdesign und die verstärkte Nutzung grüner
Hosting-Angebote sind nur einige der Maßnahmen, die Beyer vorschlägt. Eine
nachhaltige Webseitenstruktur bringe nicht nur Vorteile für das Klima,
sondern ebenso für die Suchmaschinenoptimierung und die Barrierefreiheit.

Arnulf Koch, Gründer der K&K Software AG, widmete sich dem Thema Open
Source als nachhaltige Philosophie in der IT. Koch betonte, wie Open-
Source-Modelle nicht nur zur Reduktion von Energieverbrauch und seltenen
Erden beitragen, sondern auch lokale Wirtschaftskreisläufe stärken und
soziale Gerechtigkeit fördern können.

Christoph Rockenstein, Vorstand der Rockenstein AG, präsentierte
beeindruckende Einblicke in die Praxis der Green IT. Seit der Umstellung
auf Ökostrom im Jahr 2017 hat die Rockenstein AG innovative Kühl- und
Energierückgewinnungssysteme implementiert, die zeigen, wie nachhaltige
Praktiken direkt in die IT-Infrastruktur integriert werden können.
Überschüssige Abwärme könne außerdem von anderen Unternehmen z. B. für
Gewächshäuser weiterverwertet werden.

Nachhaltigkeitsziele durch KI erreichen

Dr. Toni Wagner von vAudience beleuchtete schließlich die Rolle der
künstlichen Intelligenz in der nachhaltigen IT. Wagner diskutierte, wie
KI-Technologien helfen können, Energieeffizienz zu steigern,
Ressourcenmanagement zu optimieren und durch Datenanalyse zum Umweltschutz
beizutragen. Trotz der Herausforderungen bei Energiebedarf und Nutzung von
Rohstoffen für KI-Systeme zeigte Wagners Ausführung deutlich das Potenzial
von KI als Treiber für Nachhaltigkeit. Außerdem könne KI beispielsweise
beim Artenschutz eingesetzt werden: Biodiversität und Artensterben ließen
sich besser erforschen, indem große Datenmengen gesammelt, analysiert und
integriert werden können. Auch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten
Nationen ließen sich durch den Einsatz von KI besser erreichen.

„Diese Diskussionen und Vorträge waren mehr als nur ein Austausch von
Ideen – sie waren ein Aufruf zum Handeln“, betont Prof. Dr. Müßig
abschließend. „Es ist klar, dass Nachhaltigkeit in der IT keine Option
mehr ist, sondern eine Notwendigkeit.“ Es gehe nicht mehr nur darum, was
technologisch möglich, sondern was ökologisch notwendig und ökonomisch
sinnvoll sei. Müßigs Appell: „Die Zeit zu handeln ist jetzt – lassen Sie
uns gemeinsam an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten.“

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Hochschule für Musik und Theater München vergibt zum ersten Mal Gender & Diversity Award an drei Studierende

Preisträgerinnen des Gender & Diversity Award 2024: (vlnr.) Maria Emilia Ciria Buil, Marleen Uebler und Johanna Posch  HMTM
Preisträgerinnen des Gender & Diversity Award 2024: (vlnr.) Maria Emilia Ciria Buil, Marleen Uebler und Johanna Posch HMTM

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) hat am 8. Mai 2024 zum
ersten Mal den Gender & Diversity Award an drei Studierende vergeben. Die
Preisträgerinnen sind Johanna Posch, Marleen Uebler und Maria Emilia Ciria
Buil. Die Studierenden erhielten die Auszeichnung im Rahmen des Respekt-
Tags der Münchner Kunsthochschulen, der in diesem Jahr an der Bayerischen
Theaterakademie August Everding stattfand.

Johanna Posch (Bachelor Flöte, künstlerisch-pädagogische Studienrichtung)
erhält den Award für ihr Community Music Projekt »Winde« mit
benachteiligten Kindern in verschiedenen Münchner Stadtteilen.

Marleen Uebler (Master Kulturjournalismus) wird für eine Artikelserie über
Barrierefreiheit im öffentlichen und zwischenmenschlichen Bereich und das
Konzept eines dazugehörigen Podcasts ausgezeichnet.

Maria Emilia Ciria Buil (Bachelor Gesang, künstlerisch-pädagogische
Studienrichtung) bekommt den Gender & Diversity Award für die Erforschung
des Flamenco als Tanz- und Musikangebot für und mit Kindern und
Jugendlichen mit kognitiven und psychomotorischen Beeinträchtigungen als
Vorbereitung ihres Promotionsvorhabens verliehen.

Der Gender & Diversity Award ist mit insgesamt 1.500,- Euro dotiert und
wird durch eine interne Jury der HMTM (bestehend aus Lehrenden, einem
Mitglied des Gleichstellungsteams sowie zwei Studierenden) einmal jährlich
als Projektgeld für bis zu drei Abschlussarbeiten im künstlerischen,
pädagogischen und wissenschaftlichen Bereich vergeben, die dann auch
umgesetzt werden können. Mit dem Preis stärkt die HMTM die künstlerische
und wissenschaftliche Auseinandersetzung ihrer Studierenden mit den
Themenfeldern Gender, Diversität und Inklusion im Kontext der Künste. Der
Wettbewerb soll Studierende ermutigen, sich im Rahmen künstlerischer und
wissenschaftlicher Arbeiten und Produktionen explizit mit diesen Themen
auseinanderzusetzen, um so die kontinuierliche Weiterentwicklung von
gender- und diversitätsbezogener Forschung zu fördern.

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ist ein Begegnungsort
von Menschen, Ideen, Kunst und Kultur und eine Gemeinschaft von Menschen
unterschiedlicher ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft,
verschieden in Weltanschauung, körperlicher und seelischer Verfassung,
Alter, Geschlecht, sexueller Identität und Orientierung. Vor diesem
Hintergrund lebt und fördert die HMTM Diversität und setzt sich für
Antidiskriminierung und Inklusion ein. Sie versteht Diversität als
integralen Bestandteil von Qualität in Studium und Lehre. Mehr zum
Werteverständnis der HMTM: https://hmtm.de/unsere-werte/

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Bildungsmythen in der langen Geschichte der DDR: Forschungswissen kompakt aufbereitet

Bildung und Erziehung, Kindheit und Jugend in der DDR waren und sind bis
heute Gegenstand unterschiedlicher Erzählungen und Erinnerungen. Wie war
es genau und wie entstand dabei der Stoff für vielfältige Mythen? Mit
diesen Fragen befasst sich der bildungshistorische Forschungsverbund
„MythErz“. Ergebnisse seiner Arbeit sind nun auf einer digitalen
Wissensplattform frei zugänglich – darunter Analysen und viele Quellen wie
Aufzeichnungen aus dem Unterricht, Lehrfilme oder Kindheits- und
Jugenderzählungen.

„Mit der Plattform wollen wir unsere Forschungsergebnisse möglichst
anschaulich und mit vielfältigen Zugangsmöglichkeiten für die
Öffentlichkeit aufbereiten“, erläutert Prof. Dr. Sabine Reh, Direktorin
der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) des DIPF |
Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, die das
neue Portal bereitstellt.

Die BBF bildet gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin, der
Universität Hildesheim und der Universität Rostock den Projektverbund
„Bildungsmythen über die DDR – eine Diktatur und ihr Nachleben“ (MythErz).
Die wissenschaftlichen Arbeiten werden vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung gefördert. Die Verbundpartner untersuchen in Fallstudien
wirkmächtige Bilder und Narrative über Bildung, Erziehung und Schule der
DDR, die die Diktatur überdauerten. Sie dienten nach der Wiedervereinigung
oft auch der positiven Erinnerung und wurden in diesem Sinne verdichtet
oder verändert. Für ihre Analysen nutzen die Forschenden unerschlossene
Bild-, Text-, Ton- und Film-Quellen, darunter Kinderbuch-Illustrationen,
Ausschnitte aus Unterrichtsfilmen und Passagen aus Briefen. Die jetzt im
neuen Portal aufbereiteten Befunde richten sich an alle inhaltlich
Interessierten. Die Forschenden hoffen auf eine breite Nachnutzung der
Quellen und Daten in Forschung, Lehre und Unterricht.

Die Mythen

In den Arbeiten von MythErz werden Bildungsmythen kulturwissenschaftlich
analysiert und in ihrer Funktionsweise herausgearbeitet. Mythen sind dabei
als oft wiederholte Narrative definiert, deren einzelne Elemente und
Motive zusammen genommen für Gruppen bedeutsam und sinnstiftend sind und
um deren Deutung gerungen wird. Beispielsweise wird gezeigt, wie wichtig
in der DDR das schon ältere Narrativ von „Fortschritt durch Wissenschaft“
war. In ihm sind gesellschaftlicher Fortschritt und Wissenschaft eng
miteinander verknüpft und Naturwissenschaft wird zu einem entscheidenden
Referenzpunkt für Bildung. Der DDR-Erzählung folgend gelang die
Vermittlung wissenschaftlicher Bildung dank der angeblich
fortschrittlichen Weltanschauung des Marxismus-Leninismus besser als im
kapitalistischen Westen.

Diesem offiziellen Anspruch folgend wurde in der DDR von Beginn an Wert
auf die „Wissenschaftlichkeit“ des Unterrichts gelegt. Einen großen
Schwerpunkt bildete der naturwissenschaftliche Unterricht – nicht nur in
den oberen Klassenstufen. Das hieß vor allem, dass die Lehrkräfte den
Unterricht an wissenschaftlicher Systematik orientierten. Lehrfilme für
den Unterricht zeigten stereotype und emotional wirkende Bilder einer
ausschließlich guten, weil „parteilichen“, d.h. dem Interesse des
Sozialismus entsprechenden Naturwissenschaft und von engagierten, dem Volk
dienenden Naturwissenschaftler*innen. Zugleich vermittelten die Lehrkräfte
in Fächern wie Deutsch und Geschichte moralische Entscheidungen oder
Deutungen von Literatur häufig als wissenschaftlich begründete Tatsachen.
Die Idee eines an Wissenschaftlichkeit ausgerichteten DDR-Unterrichts
hallte über die Wende hinaus nach. Allerdings bezogen sich Lehrkräfte nach
1989 eher – und anders als in der DDR propagiert – auf das Motiv einer
neutralen Wissenschaft.

Das ist nur ein Beispiel für die auf der Plattform in ihrer Entwicklung
dargestellten Bildungsmythen. „Bildung für alle“ ist eine weitere zentrale
Erzählung, die eigentlich einen Kern-Mythos im gesamten mitteleuropäischen
Bildungswesen seit dem 18. Jahrhundert darstellt. In der DDR spielte er
aber eine besondere Rolle – etwa beim Transfer des eigenen Bildungssystems
in die sogenannten „Entwicklungsländer“ wie Mosambik. Ein anderes Beispiel
ist das Narrativ von der auch durch Bildung erreichten
„Geschlechtergerechtigkeit“, ein wichtiges Element des
Staatsverständnisses in der DDR. Die Vorstellung von Gerechtigkeit bezog
sich jedoch in erster Linie auf die Integration von Frauen in die Berufs-
und Arbeitswelt. Care- und Erziehungsarbeit blieb „Frauensache“ – wie ein
Blick auf Kinder- und Schulbuchillustrationen zeigt. Die Besucher*innen
der Plattform können sich von all diesen Mythen und ihrer Entwicklung ein
differenziertes Bild machen und sie kritisch reflektieren.

Die Wissensplattform und weitere Informationen

Der Titel des neuen Online-Angebots ist „Wissensplattform zu
Bildungsmythen in der langen Geschichte der DDR“. Den Interessierten
bieten sich drei Haupteinstiegsmöglichkeiten: über die Mythen, über die
Quellen und über ein Glossar. Alle Inhalte sind miteinander verlinkt.
Inhaltlich stehen die Mythen und das reichhaltige und multimediale
Quellenmaterial im Vordergrund. Die zu Forschungszwecken akquirierte
Quellensammlung ist erstmals frei zugänglich. Für eine schnelle
Orientierung im Thema und ein leichteres Verständnis DDR-typischer
Begrifflichkeiten sorgt das Glossar. Es kann direkt als Einstieg genutzt
oder aus den Texten bei bestimmten Begriffen aufgerufen werden. Zusätzlich
ist eine Suche nach Personen und Schlagworten integriert.
https://bildungsmythen-ddr.de

Einen tieferen Einblick in die Forschungsarbeiten zu den DDR-
Bildungsmythen bieten am Samstag, 22. Juni 2024, zwei Vorträge der BBF-
Expertinnen Cäcilia von Malotki und Nele Herzog bei der Langen Nacht der
Wissenschaften in Berlin – im Haus der Leibniz-Gemeinschaft,
Chausseestraße 111, 10115 Berlin (U-Bahn-Station Naturkundemuseum), erstes
Obergeschoss:

•       18:00-18:45 Uhr
Umkämpfte Erinnerung – Schulunterricht in der DDR, wie er wirklich war?
Der Vortrag zeichnet das Thema anhand einer der ersten medialen Debatten
über Schule und Unterricht in der DDR in der Wendezeit nach: den
Diskussionen rund um das Essay der DDR-Autorin Christa Wolf „Das haben wir
nicht gelernt“ aus dem Herbst 1989.

•       21:00-21:45 Uhr
Was verraten uns alte Lehrfilme über den DDR-Schulunterricht?
An einem Originalausschnitt des Lehrfilms „Von Pädagogen für Pädagogen -
die individuellen Unterschiede“ aus dem DDR-Schulfernsehen zeigen die
Forscherinnen, was sie durch Beobachten und Kontextualisieren über den
Schulunterricht in der DDR erfahren und worauf sie achten, wenn sie
historische Quellen untersuchen und interpretieren.

Über das DIPF:
Das DIPF ist das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und
Bildungsinformation mit Standorten in Frankfurt am Main und in Berlin. Es
will dazu beitragen, Herausforderungen in der Bildung und für das
Erforschen von Bildung zu bewältigen. Dafür unterstützt das Institut
Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulen, Wissenschaft, Verwaltung und
Politik mit Forschung, digitaler Infrastruktur und Wissenstransfer.
Übergreifendes Ziel seiner Aktivitäten ist eine qualitätsvolle,
verantwortliche, international anschlussfähige und Gerechtigkeit fördernde
Bildung, die zudem bestmöglich erforscht werden kann.
https://www.dipf.de

Über die BBF:
Die BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung in Berlin ist
eine Forschungsbibliothek mit herausragenden Bibliotheks- und
Archivbeständen und einem breiten digitalen Angebot zur deutschen
Bildungsgeschichte in ihren internationalen Bezügen. Sie ist ein Zentrum
der historischen Bildungsforschung in Deutschland und gehört zum DIPF.
https://bbf.dipf.de

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