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Weiterbildung: Beteiligung liegt in Deutschland unter dem selbstgesteckten Ziel

Erwachsenenbildung und das Lernen Erwachsener im nationalen
Bildungsbericht 2024

19. Juni 2024. Der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2024“
ist erschienen; Schwerpunktthema ist die berufliche Bildung. Der Bericht
beleuchtet die Entwicklung des Bildungssystems u.a. unter den Bedingungen
von fortschreitender Digitalisierung, Zuwanderung und anhaltendem
Fachkräftemangel. Er stellt Transparenz her, informiert über die
politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, benennt die
aktuellen Herausforderungen und bietet eine Diskussionsgrundlage für die
Weiterentwicklung des Bildungssystems.

Die Weiterbildungsbeteiligung lag in Deutschland im Jahr 2022 bei 54
Prozent und damit deutlich unter dem selbstgesteckten Ziel der
Bundesregierung, diese bis 2030 auf 65 Prozent bei den 25- bis unter
65-Jährigen zu erhöhen. Zwar wird der Bildungsbereich in den letzten
Jahren durch Gesetzes- und Reforminitiativen wie beispielsweise der
Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung und der Nationalen
Weiterbildungsstrategie wieder stärker zum Handlungsfeld von Arbeitsmarkt-
und Bildungspolitik. Diese Aktivitäten sollen u.a. das
Weiterbildungsangebot ausbauen und dessen Transparenz verbessern, die
Weiterbildungsbeteiligung fördern und soziale und strukturelle
Benachteiligung abbauen. Dennoch zeigen die Indikatoren und Kennzahlen des
Bildungsberichtes: es besteht weiterhin bildungspolitischer
Handlungsbedarf. Denn mit der stärkeren Digitalisierung des
Weiterbildungsangebots haben sich die Unterschiede in der
Weiterbildungsbeteiligung eher verschärft; diese Diagnose trifft auch auf
die berufliche Bildung zu, wo verschiedene Beschäftigtengruppen in sehr
unterschiedlichem Maße vom Betrieb durch Weiterbildung gefördert werden.

Der Bildungsbereich steht insgesamt vor neuen oder noch ungelösten
Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel, den Nachwirkungen der Corona-
Pandemie und dem gestiegen Bedarf an Integrationskursen, insbesondere seit
dem Beginn des Ukraine-Krieges. Prof. Dr. Josef Schrader, DIE-Direktor und
Mitglied der Gruppe der Auto-rinnen und Autoren, appelliert: „Der
nationale Bildungsbericht bietet eine Fülle von Befunden und Diagnosen,
die helfen können, bessere Möglichkeiten für das lebenslange Lernen aller
zu schaffen. Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen dies gelingt,
sollte zukünftig mehr Beachtung finden.“

Alle Ergebnisse stehen kostenlos und digital zur Verfügung:
https://www.bildungsbericht.de/

Kontakt im DIE:
Prof. Dr. Josef Schrader, https://www.die-
bonn.de/institut/mitarbeitende/346
Jonathan Kohl, https://www.die-bonn.de/institut/mitarbeitende/3014

Der Nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“ wird alle zwei
Jahre auf Basis von amtlichen Statistiken sowie sozialwissenschaftlichen
Daten und Studien erstellt. Als systematische Bestandsaufnahme des
gesamten Bildungswesens verfolgt er langfristige Entwicklungslinien und
macht auf neue Akzentuierungen aufmerksam. Er wird von einer unabhängigen
Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter der
Federführung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und
Bildungsinformation erarbeitet. Das DIE verantwortet Kapitel G:
„Weiterbildung und Lernen im Erwachsenenalter“. Die offizielle
Pressemitteilung finden Sie unter https://www.dipf.de/de/dipf-aktuell
/neues-aus-dem-dipf/das-bildungssystem-arbeitet-am-anschlag-und-steht-
unter-grossem-anpassungsdruck

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Darf ich dich anfassen? Wahlmöglichkeit steigert Wohlempfinden

Wer gefragt wird, bevor man ihn berührt, empfindet die Interaktion als
angenehmer, wie LMU-Forschende herausgefunden haben.

Stellen Sie sich einen Arzt vor, der eine Routineuntersuchung bei Ihnen
durchführt: In einem Fall haben Sie die Möglichkeit anzugeben, wo Sie
während der Untersuchung am Arm berührt werden möchten. In einem anderen
Szenario fährt der Arzt mit der Untersuchung fort, ohne Sie vorher zu
fragen. Wie wirkt sich dieser kleine Unterschied auf Ihre Wahrnehmung aus?

Forschende der LMU, der Universität der Bundeswehr München und der TU
Dresden haben Hinweise darauf gefunden, wie sehr selbst bei unbedeutenden
Berührungen das vorherige Einverständnis der Betroffenen darüber
entscheidet, ob sie den Kontakt als angenehm empfinden. Die Ergebnisse
ihrer Experimente haben sie nun in einer Studie veröffentlicht, die
kürzlich im Fachmagazin Attention, Perception & Psychophysics erschienen
ist. „Normalerweise verstehen wir unter Einwilligung eher umfassendere
Handlungen, wie die Zustimmung zu einer gesamten Untersuchung, und nicht
zu einzelnen Gesten“, sagt die Doktorandin Lenka Gorman vom Cognition,
Values, Behaviour Lab an der LMU. „Unsere Versuche legen den Fokus
hingegen vor allem auf kleinere, unmittelbare Interaktionen.“

Dafür streichelte die Person, die das Experiment durchführte, sanft den
Arm der Probanden. In einem Durchgang wählten diese selbst aus, wo am Arm
sie berührt werden wollten. Um Entscheidungsfreiheit und Berührung
voneinander trennen zu können, ging es bei einer weiteren Versuchsreihe
darum, ob die Personen mit einem blauen oder einem weißen Handschuh
berührt werden wollten. Die angebotene Wahl bezog sich in diesem Fall also
nicht darauf, ob und wo die Versuchspersonen grundsätzlich berührt werden
wollten. In einem dritten Versuchsablauf schließlich wurden diese Details
vorgegeben, die Teilnehmerinnen hatten kein Mitspracherecht wo und mit
welchem Handschuh sie angefasst werden wollten.

Qual der Wahl? Keineswegs!

Die Ergebnisse sind eindeutig: Wenn die Teilnehmenden die Wahl hatten,
selbst bei irrelevanten Faktoren wie der Farbe des Handschuhs, nahmen sie
dieselbe Berührung als wesentlich angenehmer wahr. Die Ergebnisse ließen
sich für verschiedene Arten von Berührungen wiederholen, die in der Regel
grundsätzlich als wohltuend empfunden werden.

Untersuchungen der Pupillenaktivität zeigten außerdem, dass die
Entscheidungsfreiheit die physiologische Erregung der Menschen steigerte,
wenn sie eine Berührung erwarteten. „Es scheint, dass der bloße Akt des
Wählens sich positiv darauf auswirkt, wie unser Körper und unser Geist auf
intimen Kontakt reagieren", meint Gorman. Die Möglichkeit zu wählen und
zuzustimmen sei damit eine Strategie, die mit geringem Aufwand das Erleben
fürsorglicher Berührungen verbessert. Nicht nur im privaten Umgang
miteinander, sondern auch im klinischen Bereich könne diese Strategie
Anwendung finden, beispielsweise bei berührungsbasierten Therapien. „Wenn
Patientinnen und Patienten mehr Kontrolle über ihre Behandlung haben,
könnte dies einen noch größeren Nutzen bringen als bisher angenommen", so
Gorman.

Professorin Ophelia Deroy, Leiterin des LMU-Lehrstuhls für Philosophy of
Mind und eine der leitenden Forscherinnen, erklärt: „Wahlfreiheit und
Einverständnis sind nicht nur ethische Fragen, sondern auch von
grundlegender Bedeutung dafür, wie wir Dinge erleben. Wir wissen, dass die
Möglichkeit zu wählen das gleiche Dopaminsystem anspricht wie Geld, Essen,
Sex und andere Belohnungen, die wir aktiv suchen.“ Wie wichtig die
Entscheidungsfreiheit selbst bei passiven Erfahrungen sei, zeige, wie
wesentlich sie für den Aufbau starker persönlicher Beziehungen ist.

„Unsere Forschung hat aber auch ergeben, dass selbst kleine Entscheidungen
wie die Wahl einer Farbe die Menschen offener für eine Erfahrung machen
können“, sagt Deroy. „Das bringt uns zum Nachdenken darüber, warum diese
Wahlmöglichkeiten insbesondere im Marketing-Kontext angeboten werden, wo
sie dazu benutzt werden können, uns auszutricksen".

Insgesamt bietet die Studie neue Einblicke in die Art und Weise, wie
Wahlmöglichkeiten unsere Erfahrungen auf einer grundlegenden Ebene prägen,
mit direkten Auswirkungen auf Beziehungen, Wohlbefinden und eine effektive
Kommunikation.

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EU-Strukturpolitik: Erfolgskontrolle zu wenig glaubwürdig

Die EU-Kohäsionspolitik soll die wirtschaftlichen und sozialen
Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten verringern. Es fehlen jedoch
eindeutig definierte Ziele und einheitliche Standards für die Evaluierung
der Programme. Evaluierungen werden in der Regel von nationalen oder
regionalen Verwaltungsbehörden in Auftrag gegeben, die ein Interesse daran
haben, den Erfolg ihrer Programme zu beweisen. Das verringert die
Glaubwürdigkeit der Erfolgskontrollen.

Zu diesen Ergebnissen kommt ein Team des ZEW Mannheim und des ifo
Instituts auf Basis von Daten der Cohesion Open Data Platform, die mehr
als 2.500 Evaluierungen der Mitgliedstaaten aus den letzten beiden
Programmperioden enthält. Die Forscher empfehlen, ein europäisches
Beratungsgremium zur Evaluierung der Strukturpolitik einzusetzen.

„Die EU-Kohäsionspolitik benötigt eine transparente und unparteiische
Evaluation, um sicherzustellen, dass die Mittel effizient eingesetzt und
die angestrebten Ziele erreicht werden“, erklärt Friedrich Heinemann,
Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche
Finanzwirtschaft“. „Die Anwendung fortschrittlicher Evaluierungsmethoden
und die Förderung der faktischen Unabhängigkeit der evaluierenden Personen
sind Schlüsselfaktoren für eine effektive Kohäsionspolitik in der EU.“
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung,
ergänzt: „Bisherige Evaluierungen, die diese Standards nicht erfüllen,
berichten teils unrealistisch hohe Wirkungen der Kohäsionspolitik und
verwenden dafür wenig geeignete Methoden.“

Transparenz und Objektivität müssen hergestellt sein

Die Forscher/innen fordern, dass die Methoden zur Evaluierung genauer
definiert werden müssen. Außerdem sind die Mitgliedstaaten zu
verpflichten, ausreichende Ressourcen für ihre Evaluierungsprozesse
bereitzustellen. Zudem sollte ein „Evaluierung zuerst“-Prinzip eingeführt
werden, nach dem die Anpassungen von Kohäsionsprogrammen auf den
Ergebnissen früherer Evaluationen basieren. Darüber hinaus wird die
Einführung einer „Charta für Gutachter/innen“ empfohlen, die
Mindeststandards für Evaluationen festlegt. All diese Forderungen zielen
darauf ab, die Transparenz von Evaluierungsprozessen zu erhöhen, um eine
fundierte Entscheidungsfindung und eine effektive Nutzung von
Evaluierungsergebnissen zu gewährleisten.

Mehr grenzüberschreitende Evaluationen

In Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten sehen die
Forscher/innen deutliches Potenzial für weitere Verbesserungen. Derzeit
fehlt es an grenzüberschreitenden Teams bei der Erarbeitung von
Evaluationen. Dazu schlagen sie vor, bei Ausschreibungen
Mindestanforderungen an die Internationalität von Evaluationsteams zu
stellen, wenn es um große Kohäsionsprogramme geht. Auch sollten die
Evaluationen der Mitgliedstaaten einem Peer-Review unterworfen werden, in
das auch Expert/-innen aus anderen Mitgliedstaaten einbezogen werden.

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Neuer Ausblick IMK hebt Konjunkturprognose leicht an: BIP steigt 2024 um 0,1 Prozent, 2025 um 0,9 Prozent

Die deutsche Konjunktur kann sich langsam aus ihrer Schwächephase lösen.
In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um durchschnittlich 0,1
Prozent wachsen, im nächsten um 0,9 Prozent. Positive Impulse für die
Wirtschaftsentwicklung kommen vor allem vom privaten Konsum als Folge von
gesunkener Inflation und höheren Lohnabschlüssen. Ab der zweiten Hälfte
2024 ziehen auch die Exporte und die Ausrüstungsinvestitionen an. Zu
diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung in seiner neuen
Konjunkturprognose*.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist stabil, die Zahl der Erwerbstätigen
nimmt in diesem Jahr um durchschnittlich 0,2 Prozent und 2025 um 0,1
Prozent zu. Bei leicht wachsendem Arbeitskräfteangebot steigt allerdings
gleichzeitig auch die Arbeitslosigkeit leicht: im Jahresmittel 2024 um
rund 150.000 Personen und 2025 um weitere 35.000. Die Arbeitslosenquote
beträgt 5,9 Prozent und 6,0 Prozent – nach durchschnittlich 5,7 Prozent
2023. Die Inflationsrate wird im Jahresdurchschnitt 2024 mit 2,4 Prozent
wieder nahe am Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen
und es mit 2,0 Prozent im Jahresmittel 2025 erreichen.

Gegenüber seiner vorherigen Prognose vom März hebt das IMK die
Wachstumserwartung beim BIP für dieses Jahr um 0,4 Prozentpunkte und für
2025 um 0,1 Prozentpunkte an. Hintergrund für den etwas positiveren
Ausblick sind in erster Linie technische Gründe: Das Bruttoinlandsprodukt
im ersten Quartal 2024 ist höher ausgefallen als erwartet, außerdem hat
das Statistische Bundesamt den BIP-Verlauf für das vergangene Jahr nach
oben revidiert, sodass sich nun eine verbesserte Ausgangslage für die
deutsche Wirtschaft ergibt. Darüber hinaus verbessern sich auch die
Rahmenbedingungen insgesamt leicht: Der Welthandel dürfte in diesem Jahr
um 3 Prozent zunehmen, im nächsten Jahr um 3,5 Prozent. Die Europäische
Zentralbank, die auf ihrer Sitzung im Juni erste Zinssenkungen beschlossen
hat, wird diesen Kurs wohl fortsetzen. Für Ende 2024 rechnen die
Ökonom*innen mit einem EZB-Einlagenzins von drei Prozent. Die
Finanzpolitik des deutschen Staates allerdings werde einen „merklich
restriktiven“ Charakter haben, unter anderem, weil Maßnahmen zur
Abfederung der Energiekrise auslaufen: Die gesamtstaatlichen Einnahmen
nehmen 2024 um 3,9 Prozent und 2025 um 4,6 Prozent zu, die Ausgaben um 3,7
und 2,7 Prozent.

Als „Motor der Konjunktur“ dürfte sich der private Verbrauch erweisen,
erwarten die IMK-Forschenden. Laut ihren Berechnungen legen die
Bruttolöhne und -gehälter dank leicht steigender Beschäftigung und
dynamischer Lohnzuwächse in diesem Jahr nominal um 5,2 Prozent und im
nächsten Jahr um 3,7 Prozent zu. Allerdings wird es noch einige Monate
dauern, bis die privaten Konsument*innen das „Vorsichtsprinzip“ ablegen,
das sich viele in der Phase hoher Inflation angewöhnt haben. Infolgedessen
wird die Sparquote zunächst noch leicht steigen, dann wieder sinken. Der
reale private Konsum wird 2024 um 0,7 Prozent und 2025 um 1,9 Prozent
steigen und damit gesamtwirtschaftlich jeweils den „maßgeblichen
Wachstumsbeitrag“ liefern.

Als mögliche Risiken für die verhalten positive Entwicklung nennt das IMK
weitere Eskalationen der Kriege in der Ukraine und Nahost sowie
Handelskonflikte zwischen den USA, China und dem Euroraum. Es könnte aber
auch besser als erwartet laufen – wenn es zwischen Russland und der
Ukraine oder Israel und der Hamas zu Verhandlungslösungen kommen sollte.

Kerndaten der Prognose für 2024 und 2025 (siehe auch die Tabelle in der
pdf-Version dieser PM; Link unten)

– Arbeitsmarkt –

Die schwache, aber positive konjunkturelle Dynamik bringt ein leichtes
Wachstum der Erwerbstätigkeit. Die Zahl der Erwerbstätigen legt 2024
jahresdurchschnittlich um 0,2 Prozent und 2025 noch um 0,1 Prozent zu.
Gleichzeitig wächst die Arbeitslosigkeit leicht. Bei den
Arbeitslosenzahlen prognostiziert das IMK im Jahresdurchschnitt 2024 einen
Anstieg um rund 150.000 Personen, so dass im Jahresmittel rund 2,76
Millionen Menschen arbeitslos sein werden. Das entspricht einer Quote von
5,9 Prozent. Für 2025 veranschlagen die Forschenden eine weitere
geringfügige Zunahme der Arbeitslosigkeit um rund 35.000 auf knapp 2,8
Millionen Personen und eine Quote von 6,0 Prozent.

– Weltwirtschaft und Außenhandel –

Die Weltwirtschaft erholt sich 2024 und 2025 moderat, auch weil die
Inflation global gesunken ist und weitere Zinssenkungen der Notenbanken in
Aussicht stehen. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum steigt von 0,7
Prozent 2024 auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr. Die BIP-Entwicklung in den
USA verlangsamt sich zwar, allerdings auf vergleichsweise hohem Niveau:
2024 legt die US-Wirtschaft um 2,2 Prozent und 2025 um 1,7 Prozent zu. Die
deutschen Exporte erhalten so etwas stärkere Impulse von wichtigen
Handelspartnern, was sich allerdings erst im kommenden Jahr im
Durchschnittswert der Statistik niederschlägt: Im Jahresdurchschnitt 2024
sinken die Ausfuhren noch minimal um 0,2 Prozent, 2025 legen sie dann um
2,9 Prozent zu. Die Importe sinken in diesem Jahr um durchschnittlich 1,1
Prozent, im kommenden Jahr steigen sie um 4,0 Prozent.

– Investitionen –

Die Ausrüstungsinvestitionen werden laut IMK-Prognose zunächst nur
verhalten, dann aber zunehmend kontinuierlich ausgeweitet. Ähnlich wie bei
den Exporten schlägt sich die Erholung 2024 statistisch zwar im
Verlaufswert nieder, aber noch nicht im Durchschnitt, der 2024 negativ
bleibt: Im Jahresmittel gehen die Investitionen um 2,0 Prozent zurück, was
allerdings auch mit einem statistischen Sondereffekt aus 2023
zusammenhängt. Im kommenden Jahr legen sie hingegen um 3,1 Prozent zu.
Dazu tragen die anziehenden Ausfuhren ebenso bei wie Investitionen in
Klimaschutz und die Modernisierung von Energieversorgung und Produktion.
Ein weiterer Faktor sind die wachsenden Ausgaben für Verteidigung, die als
öffentliche Investitionen verbucht werden. Die Bauinvestitionen sinken
wegen hoher Kosten und Zinsen weiter. Nach einem Rückgang um 2,0 Prozent
im Jahresdurchschnitt 2024 fallen sie 2025 noch einmal um
jahresdurchschnittlich 1,8 Prozent, wobei sich im Jahresverlauf eine
leichte Belebung andeutet.

– Privater Konsum –

Bei gesunkener Inflation und stärkeren nominalen Lohnsteigerungen, unter
anderem durch höhere Tarifabschlüsse, und bei leicht steigender
Erwerbstätigkeit steigen die real Verfügbaren Einkommen der Haushalte
wieder. Für 2024 und 2025 erwartet das IMK einen Zuwachs um jeweils 1,2
Prozent im Jahresdurchschnitt. Das wirkt positiv auf den Konsum. Die
privaten Konsumausgaben wachsen im Jahresmittel 2024 real um 0,7 Prozent.
2025 legen sie um 1,9 Prozent zu.

– Inflation und öffentliche Finanzen –

Für 2024 rechnet das IMK mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von
2,4 Prozent. 2025 beruhigt sich das Inflationsgeschehen noch weiter, im
Jahresmittel liegt die Teuerungsrate bei 2,0 Prozent.

Die Steuereinnahmen steigen 2024 eher langsam, nicht zuletzt als Folge
verschiedener steuerlicher Entlastungen. 2025 nehmen sie dann etwas
stärker zu. Das öffentliche Budget wird 2024 ein Defizit von 2,3 Prozent
aufweisen. Für das kommende Jahr geht das IMK für die öffentlichen
Finanzen von einem restriktiveren Kurs aus. Das bremst die Konjunktur,
lässt aber kurzfristig auch das Defizit weiter sinken auf 1,4 Prozent im
Jahresdurchschnitt 2025.

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