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Kunst im öffentlichen Raum: Neue Webseite online

n wenigen deutschen Städten stehen so viele Denkmäler und Kunstwerke im
öffentlichen Raum wie in Berlin. Wer mehr über sie erfahren möchte, kommt
an der Webseite bildhauerei-in-berlin.de nicht vorbei. Tausende Werke sind
dort verzeichnet. Die komplett überarbeitete Webseite bietet nun eine
bessere Suche, neue Inhalte im Bereich baugebundene Kunst sowie
ausgewählte 3-D-Modelle. Getragen wird sie von der Hochschule für Technik
und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) und dem Verein für die Geschichte
Berlins e. V. Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa fördert das
Projekt.

Haben Sie sich schon mal gefragt, welche Figur auf der kupfergedeckten
Kuppel des Schloss Charlottenburgs steht? Ist die Quadriga auf dem
Brandenburger Tor nicht eigentlich „nur“ eine Bauplastik? Und wie sieht es
mit den Marmorgruppen auf den Pfeilern der Schlossbrücke aus? Antworten
auf diese und weitere Fragen liefert die Datenbank „Bildhauerei in Berlin“
mit rund 3.000 Einträgen, die Mehrheit davon mit Fotos.

Die Anlaufstelle für Kunst im öffentlichen Raum

„Wir sind die Anlaufstelle für Kunst im öffentlichen Raum in Berlin und
kooperieren eng mit dem Landesdenkmalamt Berlin“, erklärt Prof. Dr.
Susanne Kähler, Expertin für Kunst- und Kulturgeschichte und Professorin
in den Studiengängen Museologie und Museumsmanagement und -kommunikation
an der HTW Berlin. Die Datenbank „Bildhauerei in Berlin“ ist nicht nur
sehr umfangreich, sondern auch wissenschaftlich fundiert: „Unsere
Informationen beruhen vielfach auf intensiven Archivrecherchen, und wir
nutzen für die Bestimmung der verwendeten Materialien das renommierte
Materialarchiv der Schweiz, die beste Sammlung und Dokumentation von
Werkstoffgruppen“, erklärt Kähler. Mit der Webseite stehen die
Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Rund 12.000
Aufrufe verzeichnet die Seite pro Monat.

Neue Funktionen

Die bisherige Webseite war seit 2019 online. Die neue Webseite bietet
neben einem neuen Design insbesondere eine Verbesserung der
Kartendarstellung für die Suche von Objekten. Mit der Funktion „Locate me“
können Seitenbesucher*innen auf dem Handy oder Tablet die eigene Position
laufend auf der Karte anzeigen lassen. Ein Popup-Fenster blendet dann die
nächstliegenden Skulpturen und Kunstwerke im Umkreis von einem Kilometer
automatisch ein. Neu ist ebenfalls die Funktion, dreidimensionale Modelle
von allen Seiten betrachten zu können. Auf der Seite ist das Werk „Die
Sinnende“ von Sabina Grzimek als Pilot eingebunden, weitere Objekte sollen
folgen.

Neu: baugebundene Kunst

Inhaltlich sind nun auch umfangreiche Datenbestände zu baugebundener Kunst
in der Datenbank zu finden. Baugebundene Kunst schließt alle
bauplastischen Gestaltungen ein. Gemeint sind zum Beispiel Friese,
Balustradenfiguren oder krönende Kuppelfiguren, die maßgeblich zum
Berliner Stadtbild gehören. Der Begriff „Kunst am Bau“ ist zwar
geläufiger, beschränkt sich jedoch auf die Verpflichtung, bei Neubauten
der öffentlichen Hand einen bestimmten Anteil der Bausumme für Kunst
aufzuwenden.
„Baugebundene Kunst ist oft mehr als bloße Dekoration und transportiert
nach außen, wofür Gebäude einst bestimmt waren oder was in ihnen vor sich
geht. Die Werke stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen Architektur und
öffentlichem Raum dar“, erläutert Kähler. Sie und ihre Mitstreiter*innen
haben bislang 224 Werke aus nahezu allen Berliner Bezirken erfasst und
auch erkundet, welche Materialien verwendet wurden – von Sandstein über
Zinkguss bis hin zu Kunststoff. "Dahinter steckt nicht nur jede Menge
Forschung, sondern auch eine völlig neue Datenstruktur der Datenbank, ein
Aufwand, den man als Seitennutzer*in so gar nicht wahrnimmt", erklärt
Prof. Dr. Dorothee Haffner. Die Professorin für Museumsdokumentation ist
verantwortlich für das Datenmanagement im Projekt.

Projektpartner und Förderung

Die Webseite „Bildhauerei in Berlin“ wird getragen von der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) und dem Verein für die
Geschichte Berlins e. V. Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und
hier das Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin sind
Förderer. Zu den Kooperationspartnern zählen das Landesdenkmalamt, die
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg, die
Zitadelle Spandau und das Institut für Kunst- und Bildgeschichte der
Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Geschichte hinter „Bildhauerei in Berlin“ (BiB)

Entstanden war BiB 2004 auf Initiative der Kunsthistoriker:innen Dr. Ursel
Berger, damalige Leiterin des Georg Kolbe Museums, Dr. Josephine Gabler,
damalige Leiterin der Stiftung für Bildhauerei, und des Kunsthistorikers
Dr. Marc Wellmann, damals Vorstand der Bernhard-Heiliger-Stiftung. Anfang
2013 musste die Webseite aus personellen und technischen Gründen vom Netz
genommen werden.
Im Rahmen des Förderprogramms der Senatsverwaltung für Kultur und Europa
zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
übernahm die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW Berlin)
die Aufgabe, Datenbank und Website neu zu erstellen. Wesentliche Grundlage
hierfür waren die in den Jahren 2003 bis 2016 von der Kunsthistorikerin
Dr. Susanne Kähler und dem Kunsthistoriker Dr. Jörg Kuhn im Auftrag des
Referates für Gartendenkmalpflege des Landesdenkmalamtes Berlin (LDA
Berlin) erarbeiteten Erfassungen von plastischen und skulpturalen
Denkmälern, Brunnen und Werken der bildenden Kunst im öffentlichen Raum in
Berlin.
In vier aufeinanderfolgenden Forschungsprojekten wurden Datenbank und
Webseite nach und nach erweitert. Die Projektleitung lag jeweils bei Prof.
Dr. Susanne Kähler, das Datenmanagement bei Prof. Dr. Dorothee Haffner.
Unterstützt wurden sie zuletzt durch die studentischen Hilfskräfte Layla
Fetzer und Pauline Ahrens. Extern waren u.a. Nicola Vösgen für die
wissenschaftliche Recherche beteiligt, für das Webdesign das Büro für
Gestaltung Förm sowie Prof. Dr. Jens Martin Loebel für die Programmierung
und Thomas Rosenthal für die Drohnenfotografie. Game Design Student Pascal
Nader entwickelte zuletzt die neue 3-D-Darstellung von Objekten.

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Ethisch forschen in Kriegszeiten: Wissenschaft trägt Verantwortung

Die Verantwortung der Wissenschaft, angesichts von Russlands Angriffskrieg
gegen die Ukraine faktenbasierte Einordnungen zu liefern, ist groß.
Gleichzeitig ist die ethische Herausforderung gewachsen, keinen Schaden
für die Beteiligten anzurichten. ZOiS-Forscherinnen sehen Bedarf für mehr
Dialog und Ressourcen.

Seit der russischen Invasion der Ukraine 2022 ist das öffentliche
Interesse an der Osteuropa-Forschung gestiegen. Doch wie ist Forschung zu
Politik und Gesellschaft im Krieg überhaupt möglich? Nina Frieß und Katrin
Hoffmann, Mitarbeiterinnen des ZOiS und Mitglieder der Ethikkommission am
ZOiS zeigen in einem aktuellen ZOiS Report, welchen neuen
Herausforderungen Wissenschaftler*innen ausgesetzt sind, geben Einblicke
in die Praxis der Forschungsethik am ZOiS, machen Lösungsvorschläge und
regen zur fortwährenden Reflexion ethischen Handelns in den Geistes- und
Sozialwissenschaften an.

Forschung zu und in der Ukraine: Noch mehr Sensibilität unter erschwerten
Bedingungen

In der Ukraine haben Wissenschaftler*innen viel zu bedenken:  während der
russischen Angriffe sich und andere nicht gefährden, die Zeit und
Aufmerksamkeit der Forschungsteilnehmer*innen nicht über Gebühr zu
beanspruchen, re-traumatisierende Fragen vermeiden. Ganz praktische, für
Außenstehende leicht zu übersehende Überlegungen, wie die Einberechnung
von Akkulaufzeiten während Stromengpässen gehört nun ebenfalls zu
verantwortungsbewusster Forschung.
Tetiana Skrypchenko, Soziologin aus der Ukraine und ZOiS-
Gastwissenschaftlerin schildert im Report, wie wichtig die Fortsetzung des
Wissenschaftsbetriebs während des Krieges dennoch ist: „Die ersten Studien
gaben den Menschen die Möglichkeit, ihre Gedanken zu äußern, lieferten der
ukrainischen Wissenschaft wichtige Analysedaten, stärkten die Moral und
den Zusammenhalt der Gesellschaft und der Streitkräfte und gaben unserem
Team ein Gefühl von Sinnhaftigkeit und Stabilität.“

Forschung zu Russland: Selbst im Exil riskant

Forschungsaufenthalte in Russland sind für Mitarbeiter*innen des ZOiS, das
den Angriffskrieg klar verurteilt hat, momentan unmöglich. Die Einstufung
des ZOiS als „unerwünschte Organisation“ durch die russische
Generalstaatsanwaltschaft schränkt die Zusammenarbeit mit russischen
Staatsangehörigen massiv ein. ZOiS-Wissenschaftler*innen  versuchen
deshalb, ihre Forschung zu Russland auf andere Weise fortzusetzen, etwa
indem sie sich auf  Migrant*innen aus Russland konzentrieren. ZOiS-
Forscherinnen Tsypylma Darieva und Tatiana Golova geben dabei zu bedenken:
„Verfolgung endet nicht an der russischen Staatsgrenze: Transnationale
Repression und die Angst davor nehmen insbesondere in Ländern des
postsowjetischen Raums zu.“ Der sensible Umgang mit personenbezogenen
Daten steht hier besonders im Vordergrund, kollidiert aber stellenweise
mit Anforderungen von Ethikkommissionen nach schriftlicher Einwilligung
der Forschungsteilnehmer*innen.

Wissenschaft in der Öffentlichkeit: Wenn objektive Erkenntnisse
politisiert werden

In Krisensituationen sind Wissenschaftler*innen als Expert*innen gefragt.
Die Vermittlung ihres Wissens bedarf Fingerspitzengefühls, da
Forschungsergebnisse zu heftigen Kontroversen führen und sogar
instrumentalisiert werden können.
Die Komplexität sozialwissenschaftlicher Themen findet nicht in allen
medialen Formaten Platz und steht lautstark geäußerten, aber weniger
fundierten Meinungen gegenüber. Manche Forscher*innen schrecken deshalb
davor zurück, Stellung zu beziehen. „Wissenschaft als per se unpolitisch
darzustellen greift zu kurz. Idealerweise beteiligen sich
Wissenschaftler*innen in Krisensituationen am öffentlichen Diskurs,
reflektieren über die unterschiedlichen Räume, in denen sie kommunizieren,
und thematisieren dabei offen, in welcher Kapazität und auf welcher
Grundlage sie Stellung beziehen“, äußert sich Gwendolyn Sasse, die
wissenschaftliche Direktorin des ZOiS, im Report.

Forschungspläne und Budgets verantwortungsbewusst gestalten

Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte und Haltungen bedroht
sind, ist wissenschaftlicher Sachverstand gefragt. Dabei gilt es, einen
Ausgleich zwischen  ethischen Anforderungen und der Forschungspraxis unter
sich ständig verändernden, schwierigen Bedingungen zu finden. Die
Autorinnen des Reports machen auf den Bedarf an zeitlichen, personelle und
materiellen Ressourcen aufmerksam. Institutionen sind dabei gefragt, den
dafür notwendigen Rahmen zu schaffen. Auch die Politiker*innen und
Förderorganisationen, die budgetäre Bedingungen für die Forschungsprojekte
festlegen, sollten sich dieser hohen Anforderungen bewusst sein.

Originalpublikation:
Nina Frieß, Katrin Hoffmann: Osteuropaforschung in der Verantwortung:
Forschungsethik während Russlands Krieg gegen die Ukraine, ZOiS Report
2/2024.

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Energie aus Weinbau-Biomasse

TH Köln berechnet Potenzial für Wärme- und Kälteerzeugung

Bei der Weinherstellung fallen Reststoffe wie Trester – der feste bis
breiartige Rückstand nach dem Pressen der Trauben – und Rebholz nach dem
Schneiden der Reben an. Diese bleiben bislang weitgehend ungenutzt. Wie
die Biomasse verwertet werden könnte, um Wärme und Kälte für die
Weinbauwirtschaft zu erzeugen und so fossile Energieträger zu ersetzen,
hat die TH Köln in einem Forschungsprojekt untersucht.

„In der deutschen Weinbauwirtschaft werden überwiegend konventionelle
Brennstoffe wie Erdgas und Heizöl eingesetzt, um die technischen Anlagen
zur Herstellung und Kühlung des Rebensaftes zu betreiben. Doch gerade in
den Anbaugebieten fallen große Mengen organischer Reststoffe an, die
Energie emissionsärmer bereitstellen könnten. Im Projekt haben wir eine
Studie zum theoretischen und technischen Biomassepotenzial umgesetzt.
Basierend auf diesen Erkenntnissen haben wir eine Umfrage durchgeführt, um
eine valide Datengrundlage zu haben“, erklärt Projektleiter Thomas
Mockenhaupt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Cologne Institute for
Renewable Energy der TH Köln.

Dazu befragten die Forschenden zunächst mehrere Weinbaubetriebe zu
möglichen Hemmnissen bei der Umsetzung eines Anlagenkonzeptes zur
energetischen Nutzung von Weinbau-Biomasse. „Als mögliche Hürden nannten
die Betreiber*innen unter anderem die Rentabilität der Anlagen durch
notwendige Investitionen sowie regulatorische Herausforderungen,
insbesondere die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte für Staub und
Kohlenstoff“, berichtet Mockenhaupt. Anschließend analysierten die
Wissenschaftler*innen in zwei ausgewählten Winzereien die jährlich
anfallenden Biomassemengen, die vorhandene technische Infrastruktur und
den Energieverbrauch.

Bewährte Technologie weiterentwickeln

Um das energetische Potenzial für die beiden Weinbaubetriebe in der Praxis
zu erproben, entwickelten die Forscher*innen der TH Köln eine etablierte
Strohballenvergaser-Technologie weiter. In diesem
Kleinballenbiomassevergaser werden Strohballen mit einem Durchmesser von
60 bis 70 Zentimetern in einer Kammer unter Sauerstoffmangel verglüht. In
einer zweiten Kammer wird Luft zugeführt, in der das Gas verbrannt wird.

Dabei entsteht Wärme, die über einen Wärmetauscher an die umgebenden
Wasserrohre abgegeben wird. Ein Teil der anfallenden Wärme wird über eine
Absorptionskälteanlage in Nutzkälte umgewandelt.

„Mit diesem Konzept zur Nutzung von Biomasseabfällen wie Rebholz und
Trester anstelle konventioneller Brennstoffe wie Erdgas und Heizöl wäre es
möglich, Energie für den spezifischen Bedarf der Weinbaubetriebe zu
erzeugen, zum Beispiel zur Kühlung bei der Lagerung oder zur Nutzung von
Wärme für die Erhaltung der Produktfeuchtigkeit“, erläutert Felipe Torres,
ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem Projekt.

Berechnungen und Simulationen belegen Potenzial

Um die Annahmen zu validieren, berechneten die Forschenden das
Biomassepotenzial für die energetische Verwertung, unterteilt in Rebholz
und Trester. Mit Hilfe einer Software wurde der Verbrennungsprozess mit
unterschiedlichen Sauerstoff- und Biomasseanteilen simuliert. „Im Jahr
2020 gab es dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
zufolge in Deutschland etwa 15.000 große Weinbaubetriebe. Bei der
Produktion von rund neun Millionen Hektolitern Wein pro Jahr, so die
Zahlen vom BMEL, bleiben unter anderem Trester, Rebholz und Abwässer als
Reststoffe zurück. Pro Hektoliter Wein entstehen laut den beiden
Weinbaubetrieben etwa 25 Kilogramm Trester; hochgerechnet ergibt dies pro
Jahr etwa 230.000 Tonnen Trester mit einem energetischen
Frischmassepotenzial von etwa 1.468 Terajoule (TJ). Rund 308.000 Tonnen
Rebholz liefern ein weiteres jährliches Biomassepotenzial von 2.793 TJ. In
Summe stehen also aus den Restbiomassen Trester und Rebholz insgesamt
4.261 TJ zur Verfügung“, berichtet Torres. Dies entspreche dem jährlichen
Strom- und Wärmebedarf von mehr als 47.000 Einfamilienhäusern. „Das zeigt,
welches enorme energetische Potenzial die vorhandenen Weinbaubiomassen
haben. Denn mit der bislang energetisch ungenutzten Biomasse könnten die
rund 43.000 Weinbaubetriebe jeweils mehr als ein Einfamilienhaus autark
mit Energie versorgen“, erklärt Torres.

Neben Wärme und Kälte könnte über eine angeschlossene Heißgasturbine auch
Strom erzeugt werden, um die Winzereien möglichst unabhängig von
Energieimporten und Strombezug aus dem Netz zu machen. Zusätzlich könnte
die verbleibende Asche als Dünger im Weinberg eingesetzt werden. „Die
vollständige Verwertung der Reststoffe vor Ort wäre ein gelungenes
Beispiel für die Kreislaufwirtschaft“, so Mockenhaupt abschließend.

Über das Projekt

Das Forschungsprojekt „Projekt EWB – Energie aus Weinbaubiomasse“ wurde
unter der Leitung von Thomas Mockenhaupt vom Cologne Institute for
Renewable Energy der TH Köln durchgeführt. Die Projektlaufzeit betrug
dreieinhalb Jahre. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
förderte das Vorhaben im Rahmen des „Zentralen Innovationsprogramms
Mittelstand“ (ZIM) mit 59.914 Euro.

Die TH Köln zählt zu den innovativsten Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften. Sie bietet Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland ein inspirierendes Lern-,
Arbeits- und Forschungsumfeld in den Sozial-, Kultur-, Gesellschafts-,
Ingenieur- und Naturwissenschaften. Zurzeit sind rund 23.500 Studierende
in etwa 100 Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Die TH Köln
gestaltet Soziale Innovation – mit diesem Anspruch begegnen wir den
Herausforderungen der Gesellschaft. Unser interdisziplinäres Denken und
Handeln, unsere regionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten
machen uns in vielen Bereichen zur geschätzten Kooperationspartnerin und
Wegbereiterin.

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Deepfakes: Neue Studie zeigt Chancen und Risiken für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf

Eine neue Studie des Fraunhofer ISI im Auftrag von TA-SWISS widmet sich
dem Themenkomplex »Deepfakes«: Dabei wurde zunächst der technologische und
forschungsseitige Stand mit Blick auf Deepfakes zusammengetragen und deren
Wahrnehmung in der Schweizer Bevölkerung untersucht. Darüber hinaus
analysierte die Studie mögliche Auswirkungen im Journalismus, Recht,
Politik und Wirtschaft und leitet daraus Handlungsempfehlungen für diese
Bereiche ab.

Dass »Deepfake«-Technologien künftig einen festen Platz in der
Alltagskultur haben dürften, stellt die Studie »Deepfakes und manipulierte
Realitäten« gleich zu Beginn ihres Fazits klar und spricht mit Blick auf
die täuschend echten Fälschungen in Audio- oder Videoform von einer in
Zukunft »veränderten medialen Realität«. Allerdings kommen Deepfakes bzw.
»synthetische Medien« momentan noch relativ selten vor, weshalb die Studie
zunächst über den aktuellen technologischen Stand von Deepfake-
Technologien aufklärt und den Wissenstand hierzu in der Schweizer
Bevölkerung näher untersucht.

Erstellung von Deepfake-Inhalten ist bereits heute möglich

Die technische Herstellung von Deepfakes hat in den vergangenen Jahren
beachtliche Fortschritte gemacht und dürfte sich in den kommenden Jahren
rasant verbessern. So ist schon heute eine breite Palette an Deepfake-
Inhalten mittels KI-basierter Text-, Bild- oder Audiogeneratoren
herstellbar – vorausgesetzt ausreichendes Datenmaterial (zum Beispiel
Sprachsamples oder Gesichtsfotos) und genügend Computerleistung sind
vorhanden. Damit lassen sich dann Sprechweise, Gesichtsausdruck und sogar
Körperbewegungen eines Menschen nachahmen. Deepfake-Audioinhalte mit hoher
Qualität sind auch aktuell schon mit vergleichsweise geringem Aufwand
produzierbar. Die Erstellung von Deepfake-Videos ist heute noch mit
größerem Aufwand verbunden – rasante Fortschritte in der Entwicklung von
KI-Videogeneratoren werden künftig jedoch auch die einfache Erstellung von
glaubwürdigen Deepfake-Videos ermöglichen.

Mittels einer repräsentativen Befragung von über 1.300 Personen
untersuchte die Studie, wie die Schweizer Bevölkerung Deepfakes wahrnimmt,
welche Erfahrungen sie hiermit sammelte und wie sie Chancen und Risiken
von Deepfake-Technologien beurteilt. Die Studienergebnisse zeigen, dass
»Deepfake« für viele der Befragten ein noch unbekannter Begriff ist –
lediglich etwa die Hälfte hat schon davon gehört oder bereits selbst
Deepfakes gesehen. Nur eine sehr kleine Minderheit konnte bereits
Erfahrungen mit dem Erstellen (2%) und Verbreiten (3%) von Deepfakes
sammeln. Ein Versuch im Rahmen der Studie verdeutlichte, dass die
befragten Personen Deepfakes kaum von realen Videos unterscheiden konnten,
insbesondere dann nicht, wenn diese von guter bis sehr guter Qualität
waren. Auch assoziierten die befragten Personen Deepfakes stark mit
Risiken und weniger mit Chancen. Allerdings bestimmte die gewählte
Begrifflichkeit auch die Richtung des Diskurses: War von »synthetischen
Medien« die Rede, fielen die Bewertungen durch die Befragten positiver aus
als wenn von »Deepfakes« die Rede war.

Deepfakes werden in erster Linie als Risiko betrachtet

Weiterhin untersuchte die Studie auch die aktuelle und zukünftige Rolle
von Deepfakes im Justizwesen, Journalismus, in der Politik sowie in der
Wirtschaft, wobei hier mit Vertreter:innen der jeweiligen Bereiche Expert
:innen-Interviews und Umfragen geführt oder Literaturrecherchen
durchgeführt wurden. Im Journalismus und in der Politik werden Deepfakes
in erster Linie als Risiko betrachtet und häufig auch dem Themenkomplex
Desinformation zugeordnet. Die interviewten Journalist:innen betonten
besonders die Wichtigkeit einer Sensibilisierung des Publikums für
Deepfakes sowie die Notwendigkeit der Wissensvermittlung zur Überprüfung
von Inhalten und ihrer Echtheit. Schweizer Parlamentarier:innen und
Angehörige der Bundesverwaltung äußerten in einer separaten Umfrage die
Sorge, dass Deepfakes negative Auswirkungen auf die Funktionsträger:innen
selbst, die Demokratie und die politischen Institutionen nehmen könnten
und es gegenwärtig nur selten konkrete Schutzmaßnahmen gibt.

Dass Deepfakes aber mehr als nur Risiko und Desinformation sein können,
zeigen die Analysen zu den Bereichen Recht und Wirtschaft: Während einige
Anwendungsfälle von Deepfake-Technologien klar ins rechtlich Unerlaubte
fallen, sind Deepfakes in anderen Fällen von der Meinungs-, Informations-
und Kunstfreiheit oder dem Urheberrecht geschützt. Insbesondere beim Blick
auf den Einsatz von Deepfake-Technologien in der Wirtschaft macht die
Studie deutlich, dass diese auch enormes kreatives und ökonomisches
Potenzial besitzen. Dennoch sehen die befragten Personen aus der
Wirtschaft durchaus die Gefahr, die von Deepfakes ausgehen und weisen auf
Einsatzmöglichkeiten im Bereich der Wirtschaftskriminalität wie
Identitätsbetrug und Identitätsdiebstahl, Rufschädigung von Unternehmen,
Täuschung von Mitarbeitenden oder Einsatzzwecke im Rahmen der Wirtschafts-
und Industriespionage hin.

Studie benennt vier zentrale Empfehlungen

Dr. Murat Karaboga, Autor der Deepfake-Studie am Fraunhofer ISI, leitet
die folgenden Handlungsempfehlungen aus der Studie ab: »Unsere Studie
zeigt, dass zur Adressierung der durch Deepfakes verursachten oder
verstärkten Herausforderungen eine Verknüpfung unterschiedlicher Maßnahmen
erforderlich ist. Dabei müssen Staat, Bevölkerung, Organisationen sowie
Medien Hand in Hand vorgehen. Eine erste Empfehlung unserer Studie lautet
daher, dass das Vorantreiben der staatlichen Bemühungen zur
Plattformregulierung, die auch eine Löschung oder Sperrung gemeldeter
Deepfakes sowie ein Meldesystem rechtswidriger Inhalte inklusive
entsprechender Transparenzvorgaben umfassen, unerlässlich für einen
nachhaltigen Umgang mit Deepfake-Technologien in der Schweiz sind.
Zweitens sollte die Selbstverantwortung von Bürgerinnen und Bürgern durch
entsprechende Bildungsangebote verbessert werden, wobei der Unterstützung
von Opferberatungsstellen und der Förderung und Vermittlung von
Medienkompetenz eine besondere Rolle zukommt. Drittens sollten sich
Organisationen in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen
auf die zunehmende Allgegenwart von Deepfakes vorbereiten und etwa interne
Risikoabschätzungen vornehmen und präventive sowie reaktive Maßnahmen
eruieren. Eine vierte Empfehlung zielt auf den Journalismus ab, der durch
das Hochhalten journalistischer Standards zur besseren Erkennung von
Deepfakes und ihrer unmittelbaren Aufklärung der Bevölkerung über
gefälschte Inhalte beitragen kann. Wichtig ist schließlich auch:
Angesichts der enormen Geschwindigkeit der technologischen
Weiterentwicklung sollten sich die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
dieser Dynamik bewusst werden und darauf einstellen, neue Entwicklungen zu
erkennen und mit adäquaten weiteren Schritten und Maßnahmen zu reagieren.«

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