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Lebensmittelwarnungen per Push-Nachricht aufs Smartphone

Bundesländer und BVL haben ihr gemeinsames Portal weiterentwickelt

Das gemeinsame Verbraucherschutzportal des Bundes und der Länder
lebensmittelwarnung.de startet nach seinem umfassenden Relaunch mit neuem
Design und neuen Funktionen. Mit im Gepäck: eine nutzerfreundliche App für
mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones.

Auf lebensmittelwarnung.de veröffentlichen die Bundesländer und das
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) schon
seit 2011 unter anderem Produktrückrufe von Unternehmen. Gemeinsam mit dem
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stellten sie am
18. Juni 2024 die verbraucherfreundlich überarbeitete Version des Portals
vor. Dank neuer Such- und Filterfunktionen lassen sich Meldungen jetzt
noch schneller finden. Sie können nach Meldungsgrund, Bundesland, Zeitraum
oder Produkttyp gefiltert werden. Hier gibt es zusätzlich zu den
bestehenden Kategorien Lebensmittel, Bedarfsgegenstände, kosmetische
Mittel sowie Mittel zum Tätowieren nun auch die Kategorie Baby- und
Kinderprodukte.

„In der neuen App können sich Verbraucherinnen und Verbraucher jederzeit
und überall automatisch per Push-Funktion über neue öffentliche Meldungen
informieren lassen“, freut sich Friedel Cramer, Präsident des BVL. Wer
eine Meldung mit Bekannten teilen möchte, kann dafür die Sozialen
Netzwerke Facebook und X, E-Mail oder Messengerdienste über die App
nutzen. „Der Relaunch der Website und der Launch der App sind ein
wesentlicher Beitrag zur Stärkung der Lebensmittelsicherheit in
Deutschland und damit zum vorbeugenden Gesundheitsschutz der Bevölkerung.“

Cramer lobt die über die Meldungen hinausgehenden Informationen. Unter den
FAQ finden Interessierte Antworten zu häufig gestellten Fragen in Bezug
auf das Portal, Informationen zur Lebensmittelüberwachung sowie den
Zuständigkeiten von Behörden und Unternehmen. Ein Glossar liefert kurze
Erläuterungen zu Gesundheitsgefahren und erläutert Schlagworte,
Fachbegriffe und Fremdwörter.

Der Bereich „Themen“ informiert außerdem zur Statistik der Meldungen und
verlinkt zu anderen behördlichen Portalen innerhalb der EU und darüber
hinaus. „Die App ist ein weiterer Baustein für einen modernen Schutz der
Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie liefert Informationen für die
Menschen schnell, direkt und unmittelbar. Insbesondere im Fall einer
aktuellen Gefahrenlage im gesundheitlichen Verbraucherschutz können
behördliche Informationen damit auf jedem Handy abgerufen werden“, so
Thorsten Glauber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und
Verbraucherschutz und in diesem Jahr Vorsitzender der
Verbraucherschutzministerkonferenz. „Die App eröffnet auch die Möglichkeit
zur interaktiven Kommunikation. Haben Nutzer spezifische Fragen zu einer
Meldung, können sie sich über die App direkt an das jeweilige Bundesland
wenden.“

Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft, gratulierte per Videobotschaft zum
gelungenen Neustart und lobte die erfolgreiche Zusammenarbeit von Bund und
Ländern. Der Alltag der Menschen sei heute viel digitaler als zum Start
von lebensmittelwarnung.de 2011. „Dem tragen die neugestalteten
Digitalangebote des Portals von nun an Rechnung. Sie sind jetzt deutlich
komfortabler und nutzerfreundlicher.“

Hintergrund:

lebensmittelwarnung.de ist die offizielle Plattform, die Verbraucherinnen
und Verbraucher deutschlandweit über Rückrufe und sonstige relevante
Meldungen zu Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen, kosmetischen Mitteln und
Mittel zum Tätowieren informiert. Die zuständigen Behörden der 16
Bundesländer und das Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (BVL) publizieren hier im Rahmen ihrer
Zuständigkeiten Informationen zu Produkten, die möglicherweise
gesundheitsgefährdend bzw. aus anderen Gründen für den Verzehr oder
Gebrauch ungeeignet sind oder Verbraucherinnen und Verbraucher täuschen
können.

Weiterführende Informationen:

Portal Lebensmittelwarnung:
https://www.lebensmittelwarnung.de

App für Android (Google Play Store):
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.bund.bvl.lmwapp

App für iOS (App Store):
https://apps.apple.com/app/lebensmittelwarnung-de/id6453756233

Informationen zum Portal:
https://www.bvl.bund.de/DE/Aufgaben/07_Lebensmittelwarnungen/LMwarnungen_node.html

Grafik „lebensmittelwarnung.de – Alle Meldungen auf einen Blick“:
https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/08_PresseInfothek/Presseinformationen
/lebensmittelwarnung-alle-meldungen-auf-einen-Blick.png

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Neue Umfrageergebnisse: Junge Geriaterinnen und Geriater wollen mehr forschen – ihnen fehlt aber Unterstützung im Klinik

Welche Erfahrungen, Interessen, Wünsche und Hürden haben junge
Geriaterinnen und Geriater in Bezug auf wissenschaftliches Arbeiten? Die
Junge Geriatrie – Nachwuchsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie
(DGG) – hat jetzt genau das ihre Mitglieder gefragt. Ergebnis: Das
Forschungsinteresse ist groß, wegen mangelnder Vereinbarkeit mit der
Klinikarbeit aber kaum zu realisieren. „Zudem fehlt es an Mentorinnen und
Mentoren“, sagt Dr. Anna Maria Meyer von der Klinik II für Innere Medizin
der Uniklinik Köln. Sie hat gemeinsam mit sieben anderen Autorinnen und
Autoren die Umfrage und dessen Auswertung koordiniert.

„Dabei hätten viele Befragte sogar Interesse daran gezeigt, an
multizentrischen Studien teilzunehmen oder eigene multizentrische
Forschungsprojekte zu initiieren“, erklärt Meyer im Namen der Jungen
Geriatrie.

Die genauen Ergebnisse: Von den 56 Umfrageteilnehmenden, die mehrheitlich
ihre geriatrische Weiterbildung vor weniger als fünf Jahren abgeschlossen
haben, sind 39 Prozent trotz vorhandenem Forschungsinteresse derzeit nicht
wissenschaftlich tätig. Hauptsächlich wegen fehlender
Forschungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz (39 Prozent) sowie mangelnder
Vereinbarkeit von Klinik und Forschung (38 Prozent). 34 Prozent beklagten
fehlende Mentorinnen und Mentoren. Besonderes Interesse zeigen die
Befragten an den Forschungsthemen Kognition (50 Prozent), Polypharmazie
(36 Prozent) sowie an den Themen Alterstraumatologie, Osteoporose und
geriatrische Notfallmedizin (jeweils 30 Prozent). Eine große Mehrheit von
75 Prozent würde gerne an multizentrischen Studien partizipieren, 32
Prozent der Befragten haben sogar Interesse, eigene multizentrische
Forschungsprojekte zu initiieren.

Was jetzt geschehen sollte: Barrieren in Kliniken abbauen – Potenzial
freisetzen

Im Fazit bedeutet dies: Ein signifikanter Anteil junger Geriaterinnen und
Geriater begegnet trotz vorhandenem Forschungsinteresse erheblichen
Barrieren, die einer wissenschaftlichen Tätigkeit im Wege stehen. „Durch
den Abbau struktureller Barrieren in den Kliniken könnte ein erhebliches
Potenzial freigesetzt werden – im Sinne des wissenschaftlichen
Erkenntnisgewinns. Zum Beispiel durch innovative multizentrische Studien
aus den Reihen der Jungen Geriatrie“, erklärt Anna Maria Meyer. Dies sei
auch im Sinne der Karriereförderung junger Geriaterinnen und Geriater.

Junge Geriatrie setzt sich für Strukturverbesserung ein

Die Geriatrie ist eine Zukunfts- und Wachstumsdisziplin.
Wissenschaftliches Arbeiten ist Innovationstreiber und Karrieremotor
zugleich. Beides ist angesichts der zu erwartenden dynamischen
Bedarfsentwicklung in der Altersmedizin in Deutschland von enormer
Bedeutung. Bislang gehört die Geriatrie in Deutschland nicht zu den
forschungsstarken Fächern, was nicht zuletzt auf unzureichende
universitäre Strukturen zurückzuführen sei. Die DGG-Nachwuchsgruppe Junge
Geriatrie setzt sich auch dafür ein, genau diese Strukturen zu verbessern.
Innerhalb der Arbeitsgruppe Junge Geriatrie der DGG wurde eine
Arbeitsgruppe Wissenschaft als Zusammenschluss forschungsinteressierter
Mitglieder gegründet, die als erste Arbeit die nun hier vorliegenden
Umfrageergebnisse präsentieren kann.

An dieser Arbeit beteiligt sind: Dr. Maela Caudal (Altersmedizinisches
Zentrum am Cellitinnen-Krankenhaus St. Marien Köln), Dr. Stefan Grund
(Geriatrisches Zentrum am Universitätsklinikum Heidelberg, Agaplesion
Bethanien Krankenhaus Heidelberg), Professor Maximilian König (Klinik und
Poliklinik für Innere Medizin D – Geriatrie, Universitätsmedizin
Greifswald), Dr. Bendix Labeit (Klinik für Neurologie, Medizinische
Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Dr. Thea Laurentius
(Klinik für Altersmedizin (Medizinische Klinik VI), Uniklinik RWTH
Aachen), Dr. Anna Maria Meyer (Klinik II für Innere Medizin, Uniklinik
Köln), Varvara Moskiou (Klinik für Geriatrie und Altersmedizin, Charité –
Universitätsmedizin Berlin) und Dr. Johannes Trabert (Medizinisch-
Geriatrische Klinik, Agaplesion Markus Krankenhaus, Frankfurt am Main).

Mehr Informationen zur Jungen Geriatrie der DGG gibt es unter:
https://www.dggeriatrie.de/jungegeriatrie

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RatSWD warnt vor drohender Entgelterhöhung bei Forschungsdatenzentren des statistischen Verbundes

Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) äußert Besorgnis über
die geplante Anpassung der Gebührenstruktur bei den Forschungsdatenzentren
(FDZ) der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Der
Wissenschaftliche Beratungskreis (WBK) der FDZ hatte auf eine geplante
erhebliche Erhöhung der Gebühren für Daten und zugehörige Dienstleistungen
hingewiesen.

Anlass für die Änderung der Gebührenstruktur ist das Verfehlen der
festgelegten Refinanzierungsquoten durch die FDZ der Länder. Dies wird u.
a. auf kontinuierlich steigende Kosten für die Datenbereitstellung bei
seit 2011 konstanten Nutzungsentgelten zurückgeführt.

Die Lösung kann aus Sicht des RatSWD nicht in einer erheblichen Erhöhung
der Kosten für die Datennutzenden bestehen, denn bereits jetzt stellen die
Gebühren für die Datennutzung durch die Wissenschaft und insbesondere für
kleinere und nicht finanzstarke Einrichtungen eine Hürde dar. Stattdessen
sollte eine forschungsfreundliche Lösung in Zusammenarbeit mit der
Wissenschaft, den Wissenschaftsressorts der Länder und den
Dienstaufsichten der Statistischen Landesämter erarbeitet werden.
Gleichfalls regt der RatSWD eine Diskussion über eine Erhöhung der
Ressourcen für FDZ und für eine gesetzliche Verankerung der FDZ in den
Statistischen Ämtern über das Forschungsdatengesetz an.

Die vollständige Stellungnahme steht auf der Webseite des RatSWD zum
freien Download zur Verfügung: https://www.konsortswd.de/wp-
content/uploads/RatSWD-Stellungnahme-Entgelterhoehung.pdf

Originalpublikation:
https://www.konsortswd.de/wp-content/uploads/RatSWD-Stellungnahme-
Entgelterhoehung.pdf

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Das Bildungssystem arbeitet am Anschlag und steht unter großem Anpassungsdruck

Wie der aktuelle nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2024“
zeigt, steht das Bildungssystem vor großen Herausforderungen. Dazu zählen
der Mangel an Fachpersonal, eine unzureichende Finanzierung, ein hoher
Transformationsbedarf durch Zuwanderung und Digitalisierung, stagnierende
und zum Teil sogar sinkende Schulleistungen sowie anhaltende soziale
Ungleichheiten. Zugleich ist in einigen Bildungsbereichen die Nachfrage
höher als das Angebot. Eine stärkere Abstimmung zwischen Politik,
Verwaltung, Praxis und Wissenschaft erscheint geboten. Das macht auch das
Schwerpunktkapitel des Berichts zur beruflichen Bildung deutlich.

„Angesichts der vielschichtigen Herausforderungen für das Bildungssystem
gilt es, bereichsübergreifend alle Aktivitäten und Ressourcen klug,
kohärent und nachhaltig miteinander zu verzahnen. Denn das System arbeitet
vielerorts bereits am Anschlag, nicht zuletzt aufgrund stetiger Aus- und
Umbaumaßnahmen und der angespannten Situation beim Fachpersonal“, sagt
Professor Dr. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-
Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Sprecher der
für den Bildungsbericht verantwortlichen Gruppe von Wissenschaftler*innen.
Er fügt hinzu: „Verschiedene weitreichende Entwicklungen bringen
zusätzlichen Anpassungsdruck mit sich. So stellt etwa die Integration von
Personen mit Flucht- und Migrationserfahrung inzwischen eine Daueraufgabe
und große Herausforderung dar, für die es bislang keine nachhaltigen
Konzepte gibt. Bildungsprozesse müssen zudem vermehrt digital gestaltet
und der Kulturwandel durch die Digitalisierung mitgedacht werden.“

Der nationale Bildungsbericht wird alle zwei Jahre auf Basis von amtlichen
Statistiken und sozialwissenschaftlichen Daten und Studien erstellt. Als
systematische Bestandsaufnahme des gesamten Bildungswesens analysiert auch
die aktuelle Ausgabe langfristige Entwicklungen und benennt neue Impulse.

Übergreifende Trends im Bildungssystem:

Die finanziellen Investitionen in Bildung steigen, decken aber nicht
ausreichend den Bedarf. In den vergangenen zehn Jahren sind die Ausgaben
für Bildung um 46 Prozent gestiegen. Bezogen auf die Wirtschaftskraft
Deutschlands ist ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt allerdings nur um 0,2
Prozentpunkte angewachsen. Um über alle Lebensphasen hinweg ein
hochwertiges Bildungsangebot zu sichern, müsse das Bildungssystem flexibel
und bedarfsorientiert ausfinanziert werden, so die Autor*innengruppe.

Die Zahl der Bildungseinrichtungen lag 2022 um 6 Prozent über dem Stand
von 2012. Auch die Anzahl der Bildungsteilnehmer*innen hat sich 2022 im
Vergleich zu 2012 erhöht – auf 17,9 Millionen Personen. Die Expansion von
Bildungsangeboten hält also bei teils steigender Nachfrage an. In einigen
Bereichen, etwa bei der Ganztagsbetreuung, übersteigt die Nachfrage
oftmals das Angebot.

Insgesamt wird das Bildungssystem stetig, aber eher reaktiv als proaktiv
um- und ausgebaut. Gerade in den vergangenen zwei Dekaden seien viele
Maßnahmen ergriffen worden, um Bildungsangebote auszuweiten, ihre Qualität
zu verbessern und große Förderprogramme auf den Weg zu bringen. Diese
könnten jedoch allenfalls Impulse geben, aber keine strukturbildenden
Maßnahmen auf rechtlicher Grundlage ersetzen, heißt es in dem Bericht.

„Vor dem Hintergrund großer gesamtgesellschaftlicher Veränderungen gilt
es, einen Verständigungsprozess darüber anzustoßen, welche Ziele,
Verantwortlichkeiten und Aufgaben das Bildungssystem und seine
Institutionen übernehmen können und sollen“, sagt Kai Maaz. „Insgesamt
müssen die Strukturen für die Steuerung des Bildungswesens so gestaltet
sein, dass alle relevanten Akteur*innen abgestimmt und auf Augenhöhe
zusammenarbeiten können – innerhalb und zwischen den Bildungsbereichen.
Wichtig ist dabei, auf geteilte Ziele hinzuarbeiten und zu evaluieren, ob
diese erreicht werden.“ Er spricht sich für ein wissenschaftsbasiertes
Monitoring-System aus, das es noch nicht in allen Bundesländern gibt, das
es aber ermöglichen würde, Daten von der Individualebene bis auf die
Systemebene zu aggregieren. Das könne helfen, steuerungsrelevante
Informationen zu individuellen Lernverläufen und den Wirkungen von
Bildungsreformen zu generieren und den Aufwand in den
Bildungseinrichtungen zu minimieren.

Personalmangel:

Die Rekrutierung von Fachpersonal gestaltet sich in vielen
Bildungsbereichen weiterhin sehr schwierig. Beispiel
Kindertageseinrichtungen: Dort ist die Zahl des pädagogischen Personals in
den vergangenen zehn Jahren zwar um 54 Prozent gestiegen. In
Westdeutschland wird dennoch eine bis 2035 anhaltende Personallücke
erwartet. In Ostdeutschland kann der Personalbedarf inzwischen
weitestgehend gedeckt werden, allerdings stellt sich der Personal-Kind-
Schlüssel ungünstiger dar als in den westdeutschen Bundesländern.

Im schulischen Sektor waren 2023 unter allen neuangestellten Lehrkräften
12 Prozent Seiteneinsteiger*innen ohne klassische Lehramtsausbildung – mit
deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern. Für
Lehrberufsqualifikationen, die im Ausland erworben worden sind, bestehen
in den Bundesländern unterschiedliche Anforderungen für deren Anerkennung.
Lediglich in 14 Prozent der Fälle werden die Qualifikationen als voll
gleichwertig anerkannt. Bei zwei Dritteln aller Anträge wird die
Anerkennung an die Erfüllung einer Ausgleichsmaßnahme, zum Beispiel
Sprachkurse, gekoppelt.

In der beruflichen Bildung ist die Lehrkräftesituation ebenfalls sehr
angespannt, zumal mehr als die Hälfte der Lehrenden bereits 50 Jahre und
älter ist. Auch im Weiterbildungssektor fehlt Lehrpersonal: 65 Prozent der
Einrichtungen berichteten von wachsenden Problemen, geeignete Fachkräfte
zu finden.

„Der Mangel an Lehrpersonal in den verschiedenen Bildungsbereichen bettet
sich in einen allgemeinen Fachkräftemangel in allen Berufen und Sektoren
ein. Hier braucht es kreative Ansätze, jedoch dürfen diese eine
ausreichende Professionalisierung des Bildungspersonals nicht aus dem
Blick verlieren“, so die Einschätzung von Kai Maaz.

Bildungserfolg und soziale Ungleichheit:

Internationale und nationale Bildungsstudien haben gezeigt, dass die
Schulleistungen sowohl im Primarbereich als auch in der Sekundarstufe I
stagnieren oder sogar zurückgehen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen,
die die Mindeststandards im Lesen – dem Kompetenzbereich, der die
Voraussetzung für anschlussfähiges Lernen in anderen Fächern und höheren
Klassenstufen darstellt – nicht erreichen, ist insgesamt und im
internationalen Vergleich groß. Am Ende der Schulzeit verließen 2022
erneut mehr Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluss. Das
sind 6,9 Prozent gegenüber 5,7 Prozent im Jahr 2013.

Sozial bedingte Ungleichheiten in der Bildungsbeteiligung und dem
Bildungserfolg bestehen weiterhin in erheblichem Maße. Nur 32 Prozent der
Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien erhalten eine
Gymnasialempfehlung, verglichen mit 78 Prozent aus privilegierten
Familien. Diese Disparitäten verringern sich deutlich, wenn man die
Schulleistungen und Schulnoten berücksichtigt. Dennoch zeigen sich
erhebliche Unterschiede in der Umsetzung der Gymnasialempfehlung: Während
nur 7 Prozent der Kinder aus privilegierten Familien trotz Empfehlung kein
Gymnasium besuchen, sind es bei benachteiligten Familien 17 Prozent.

Kai Maaz: „Soziale Bildungsungleichheiten ziehen sich durch die Biographie
bis in die Erwachsenenbildung hinein. Vor allem, dass bei der Wahl von
Bildungsangeboten Unterschiede nach sozialer Herkunft bestehen, stellt
eine unverändert große Problemlage dar. Hier muss man wirksam
gegensteuern, begleitend und auch präventiv. Das erfordert wiederum einen
systemischen Blick auf das Bildungsgeschehen und eine lebenslaufbezogene
Perspektive. Wir sollten uns außerdem bewusst machen, dass soziale
Bildungsungleichheiten nicht ausschließlich dort entstehen, wo sie in
Bildungsstudien sichtbar werden, sondern auch und vor allem schon in der
frühen Kindheit.“

Schwerpunktkapitel „Berufliche Bildung“:

In seinem Schwerpunktkapitel widmet sich der nationale Bildungsbericht der
beruflichen Bildung – in den drei Bereichen Berufsausbildung,
Hochschulbildung und Weiterbildung. „Die berufliche Bildung stellt sich
als lebenslanger Prozess dar, der unter sehr heterogenen Bedingungen
erfolgt“, fasst Kai Maaz die Analysen zusammen. Die berufliche
Orientierung im Jugendalter ist von zentraler Bedeutung, da am Ende der
Schulzeit erstmals ein Beruf gewählt wird, der zu den fachlichen
Interessen und Kompetenzen passen sollte. Diese Passung ist entscheidend
für den weiteren Bildungsverlauf. Bisherige Befunde deuten darauf hin,
dass sich Jugendliche trotz zahlreicher Informationsangebote nicht
ausreichend auf die Berufswahl vorbereitet fühlen. Es besteht daher
weiterhin Forschungsbedarf zur Wirkung von Angeboten zur beruflichen
Orientierung.

Auch die Maßnahmen im Übergangssektor sollten stärker evaluiert werden.
Befunde zeigen aber, dass einige Jugendliche, die zunächst nicht in eine
Ausbildung einmünden, ihre Chancen verbessern können. Dies gilt
insbesondere bei Maßnahmen mit starker Betriebsanbindung oder wenn die
Jugendlichen einen ersten Schulabschluss nachholen. Die Qualität der
beruflichen Bildung wird insgesamt nicht systematisch gesteuert und
evaluiert. Beim Einstieg in die Ausbildung oder das Studium kommt es
häufig zu Verzögerungen und Kompromissen. Einmal begonnen, verlaufen beide
aber in der Mehrheit der Fälle ohne Unterbrechungen. Nach dem Abschluss
einer Berufsausbildung oder eines Studiums gelingt überwiegend ein
Übergang in eine angemessene Erwerbstätigkeit.

Ausgewählte Ergebnisse im Bereich der beruflichen Bildung:

•       Erstmals seit 1995 standen im Jahr 2022 mehr Ausbildungsplätze zur
Verfügung als nachgefragt wurden – jedoch bei anhaltenden großen
Problemen, Angebot und Nachfrage passgerecht zusammenzubringen.
•       Gut zwei Drittel der Jugendlichen mit maximal Mittlerem
Schulabschluss, die eine Ausbildung aufnehmen, beginnen diese nicht im
eigentlichen Wunschberuf und gehen Kompromisse ein – etwa hinsichtlich
Einkommen oder Arbeitszeiten. 8 Prozent der Auszubildenden nimmt sogar
erheblich schlechtere Bedingungen in Kauf. 20 Prozent können wiederum
bessere Bedingungen im Ausbildungsberuf erzielen.
•       78 von 100 Kindern von Akademiker*innen nehmen später ein Studium
auf. Haben die Eltern keinen Studienabschluss, schaffen dagegen nur 25 von
100 Kindern den Übergang ins Studium.
•       Der Anteil formal gering qualifizierter Erwachsener, die nicht
über einen beruflichen Abschluss oder eine Hochschulreife verfügen, liegt
mit 17 Prozent unverändert hoch. Überdurchschnittlich viele Personen aus
dieser Gruppe (40 Prozent) entstammen selbst bildungsfernen Elternhäusern.
•       In der Weiterbildung steigt der Anteil digitaler Lernformate: 35
Prozent der non-formalen Weiterbildungen wurden 2022 rein online, 20
Prozent anteilig online und 45 Prozent vollständig in Präsenz
durchgeführt.
•       Im Nachgang der Corona-Pandemie engagierten sich Unternehmen nicht
so aktiv in der Weiterbildung wie zuvor. So waren im ersten Halbjahr 2022
etwa 42 Prozent der Betriebe weiterbildungsaktiv. Im Vergleichszeitraum
2019 waren es noch 55 Prozent.

Weitere Informationen und der gesamte aktuelle Bericht:
<www.bildungsbericht.de>

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