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US-Philosoph Appiah über Identitäten und Lösungen religiöser Konflikte

Der US-amerikanische Philosoph Kwame Anthony Appiah plädiert für
Pluralismus ohne Relativismus – Hans-Blumenberg-Vortrag 2024 am
Exzellenzcluster

Religiöse Konflikte lassen sich nach Einschätzung des US-amerikanischen
Philosophen Kwame Anthony Appiah durch ein pluralistisches Verständnis von
religiösen Identitäten lösen. „In Gesellschaften, die heute unvermeidlich
multireligiös sind, sollte jede Gemeinschaft und jede Person ihren eigenen
Weg in Sachen religiöse Identität gehen können“, sagte der Blumenberg-
Professor am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität
Münster am Donnerstagabend. Appiah legte jedoch Wert darauf, dass dies
nicht gleichbedeutend mit einer relativistischen Haltung sei. „Ich kann
meinen Weg für richtig halten und zugleich überzeugt sein, dass es einer
anderen Person erlaubt ist, auf ihre Art zu leben, auch wenn ich sie für
falsch halte. Das ist nach meiner Ansicht Kern einer kosmopolitischen
Haltung. Sie erfordert jedoch einen Goodwill, der nicht alltäglich ist.“

Der an der New York University lehrende Philosoph unterschied in seinem
Vortrag unter dem Titel „Ways of Belonging“ (Weisen der Zugehörigkeit)
drei Dimensionen von Religion: Glaubensüberzeugung, Praxis und Identität.
Um religiöse Konflikte zu lösen oder zu vermeiden, sei es hilfreich zu
prüfen, um welche Dimension es in einem Konflikt im Kern gehe. Appiah
illustrierte das an vielen Konflikten aus Geschichte und Gegenwart: vom
Streit um Bibel- und Koran-Auslegungen über religiöse Praktiken wie das
Kreuzzeichen im Christentum und der Tauhid-Zeigefinger im Islam bis zu
verschiedenen religiösen Haltungen etwa zu Homosexualität, Tierwohl oder
Gewalt. Er zeigte Konflikte zwischen Religionen auf und auch zwischen
ihren Strömungen, etwa innerhalb von Christentum, Islam und Hinduismus.

Glaubensüberzeugungen sind nach den Worten des Blumenberg-Professors keine
unveränderlichen Wahrheiten, vielmehr hätten sie sich stets
weiterentwickelt. „Die Geschichte der heiligen Texte war immer auch die
Geschichte ihrer Leserschaft: mit wechselnden Interpretationen.“ Heute
erfolgten Auslegungen zunehmend im Dialog mit anderen religiösen
Traditionen. In diesem Miteinander ließen sich, wo möglich, mehr
Übereinstimmungen in der Textauslegung finden als zuvor. Das könne zur
Konfliktbeilegung beitragen. „Wer allerdings Menschen mit anderer
religiöser Identität bereits feindlich gesinnt ist, wird versucht sein, an
einer Auslegung festzuhalten, die die Möglichkeiten eines Kompromisses
einschränkt.“

„In religiösen Gemeinschaften ist oft Streit, wer dazugehört und wer
nicht“

Noch wichtiger sei die alltägliche religiöse Praxis, die meist losgelöst
von Überzeugungen sei, sagte Appiah. Ob Kreuzzeichen oder Tauhid-
Zeigefinger: Schon an geringfügigen Unterschieden etwa der Gebetspraxis
ließen sich Mitglieder einer bestimmten Konfession oder Gemeinschaft
erkennen, oder auch Eindringlinge aus einer anderen. Damit bestimme die
Praxis die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gruppe und werde zum Marker
der religiösen Identität eines Menschen. Welche Praktiken und Normen eine
Gruppe kennzeichnen und welche nicht, sei oft Streitthema. „In vielen
Gemeinschaften besteht Uneinigkeit, wer dazugehört und wer nicht.“

Entscheidend sei es, dass religiöse Identitäten nicht unveränderliche
Glaubensvorstellungen, sondern „wandelbare Praktiken innerhalb von
Gemeinschaften“ seien. So würden Veränderungen möglich und Konflikte
vermeidbar. Auf die Blumenberg-Professur beruft der Exzellenzcluster
Persönlichkeiten aus der internationalen Spitzenforschung, die innovative
Impulse nach Münster bringen. Am Freitag diskutiert Appiah mit Forschenden
des Exzellenzclusters auch über seine Auffassung von Kosmopolitismus und
seinen Ansatz zur Dekonstruktion von Identitäten des Glaubens, der
Hautfarbe und der Klassenzugehörigkeit. (vvm/tec)

Hans-Blumenberg-Professor Kwame Anthony Appiah

Der vielfach ausgezeichnete Kwame Anthony Appiah wurde 1954 in London
geboren und wuchs in Ghana auf. Nach dem Studium der Philosophie und der
Promotion in Cambridge lehrte er an den Universitäten Yale, Cornell, Duke
und Harvard, bevor er 2002 an die Princeton University wechselte. Seit
2014 ist er Professor für Philosophie und Recht an der New York
University. Zu den in deutscher Sprache verfügbaren Werken Appiahs zählen
Bücher wie „Der Kosmopolit. Philosophie des Weltbürgertums“ (C.H. Beck
2009) und „Identitäten. Die Fiktionen der Zugehörigkeit“ (Hanser Berlin
2019).

Hans-Blumenberg-Professur für Religion und Politik

Die „Hans-Blumenberg-Professur für Religion und Politik“ ist benannt nach
dem Münsteraner Philosophen Hans Blumenberg (1920–1996). Auf die Professur
werden Forschende aus der internationalen Spitzenforschung berufen, die
innovative Impulse nach Münster bringen, in den vergangenen Jahren etwa
Maribel Fierro (Consejo Superior de Investigaciones Científicas, Madrid,
Spanien), Sarah Stroumsa (Hebrew University of Jerusalem, Israel), Linda
Woodhead (Lancaster University, Vereinigtes Königreich), Jóhann Páll
Árnason (La Trobe University, Melbourne, Australien) und Mark
Juergensmeyer (University of California, Santa Barbara, USA).

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Tag der Intensivmedizin: DGAI und BDA sehen Weichen für die Zukunft gestellt, fordern aber finanzielle Sicherheiten

Anlässlich des Tags der Intensivmedizin am Samstag, 15. Juni,
würdigt die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin
e.V. (DGAI) gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und
Anästhesisten e.V. (BDA) die herausragende Arbeit aller Fachkräfte auf den
Intensivstationen in Deutschland. Jährlich werden auf deutschen
Intensivstationen etwa zwei Millionen Patientinnen und Patienten
behandelt, von denen weit über 90 Prozent zurück ins Leben gebracht
werden.

60 Prozent der Intensivpatientinnen und -patienten werden von
Anästhesistinnen und Anästhesisten betreut. Sie spielen eine zentrale
Rolle bei der Versorgung kritisch kranker Patientinnen und Patienten und
haben besonders während der Corona-Pandemie außergewöhnliche Leistungen
erbracht.

Die Pandemie hat auch die immense Bedeutung der Intensivmedizin in den
Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Intensivmediziner standen
im Zentrum der Bemühungen, die Versorgung der schwersten COVID-19-Fälle
sicherzustellen. „Die pandemiebedingten Herausforderungen haben gezeigt,
wie wichtig es ist, gut ausgebildete Fachkräfte und moderne Technologien
in der Intensivmedizin zu haben“, betont DGAI-Präsident Professor Dr.
Benedikt Pannen.

Intensivzentren ermöglichen digital vernetzte Patientenversorgung

Vor diesem Hintergrund sei die Einführung der sogenannten
„Intensivzentren“, die im vergangenen Herbst vom Gemeinsamen
Bundesausschuss (G-BA) beschlossen wurde, ein bedeutender Fortschritt in
der Intensivmedizin. Kliniken, die die strengen Anforderungen erfüllen,
können nun künftig finanzielle Zuschläge erhalten, wenn sie besondere
Aufgaben wahrnehmen. Dazu zählen die Übernahme einer Mentorenfunktion für
andere Kliniken, das Angebot von Fort- und Weiterbildungen sowie die
Beratung anderer Krankenhäuser via telemedizinischer Fallkonferenzen und
Visiten. „Der Beschluss ermöglicht eine innovative und digital vernetzte
Patientenversorgung und gewährleistet, dass Intensivmedizin dauerhaft und
strukturell fest verankert zur Stabilität des deutschen Gesundheitssystems
beiträgt“, erklärt der DGAI-Präsident.

Durch die strukturierte Vernetzung von regionalen Versorgern mit den
intensivmedizinischen Leuchttürmen können auch hochkomplexe
Therapieverfahren zeitnah allen Patientinnen und Patienten innerhalb des
Netzwerkes zur Verfügung gestellt werden. „So wird z.B. auch die
Durchführung der ECMO-Therapie beim akuten Lungenversagen, welche während
der Pandemie eine genuine Aufgabe der größeren Kliniken war, Bestandteil
des Portfolios dieser intensivmedizinischen Zentren sein. Dies wird die
Versorgungsqualität sowohl bei der initialen Patientenauswahl, als auch
bei der eigentlichen ECMO-Behandlung nachhaltig verbessern“, ist sich
Prof. Dr. Thorsten Brenner, Sprecher der Sektion Intensivmedizin der DGAI,
sicher.

Einsatz von Tele-Intensivmedizin kann Sterblichkeit signifikant reduzieren

Die Einführung der Intensivzentren wird auch der Telemedizin einen
deutlichen Vorschub leisten, zeigt sich Prof. Dr. Gernot Marx überzeugt.
Er ist Leiter der Klinik für Intensivmedizin und Intermediate Care am
Universitätsklinikum Aachen und wird ab 2025 die Präsidentschaft der DGAI
übernehmen. „Telemedizin ermöglicht eine direkte Interaktion rund um die
Uhr über weite Entfernungen zwischen Intensivmedizinern und medizinischen
Teams, die Patienten in Krankenhäusern oder Arztpraxen ohne direkten
Zugang zu den intensivmedizinischen Experten betreuen.

Auf diesem Weg kann höchste medizinische Expertise schnell und
unkompliziert flächendeckend verfügbar gemacht werden“, erläutert er.
Studien konnten bereits zeigen, dass sich durch Tele-Intensivmedizin
sowohl die Sterblichkeit als auch die Komplikationsrate und die
Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation sowie im Krankenhaus signifikant
reduzieren lassen. „Dies macht Telemedizin in der Intensivmedizin zu einer
der beeindruckendsten Innovationen der letzten 20 Jahre“, unterstreicht
Prof. Dr. Hendrik Bracht, Schriftführer des wissenschaftlichen
Arbeitskreises Intensivmedizin (WAKI) der DGAI.

Als federführende Fachgesellschaft arbeitet die DGAI daher derzeit auch am
Update der Leitlinie „Telemedizin in der Intensivmedizin“, die in diesem
Zusammenhang gleich auf S3-Niveau angehoben werden soll. Ziel ist es, eine
nationale standardisierte elektronische Datenerfassung mittels Telemedizin
für die universitäre Forschung zu etablieren und dauerhaft zu
unterstützen. „Pro Patient und Stunde erheben wir 1000 Daten, das ist ein
Datenschatz, den wir natürlich schützen müssen, aber der uns zugleich
enorme Möglichkeiten bietet – zum Beispiel, um bestimmte Muster zu
erkennen und genau danach zu behandeln“, erläutert Prof. Marx. „Das hilft
uns in der Zukunft, Patientinnen und Patienten so individuell wie möglich
zu behandeln und ihre Überlebenschancen somit deutlich zu erhöhen.“

Finanzielle Sicherheiten sind wichtig

Als Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Anästhesistinnen und
Anästhesisten e.V. (BDA) warnt Prof. Dr. Grietje Beck jedoch im Zuge der
bevorstehenden Krankenhausreform vor finanziellen Engpässen auch in der
Intensivmedizin. „Wir haben bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass
Anästhesiologie und Intensivmedizin im Gesetzesentwurf nicht ausreichend
abgebildet werden“, erklärt sie. Ändere sich an dieser Ausgestaltung
nichts, droht dem Fachbereich eine Unterfinanzierung. BDA und DGAI haben
daher vorgeschlagen, anästhesiologische und intensivmedizinische Kosten im
Zuge der Reform als separate Vorhaltekostenanteile zusätzlich zu den
sonstigen Vorhaltekosten auszugliedern.

Anlässlich des Tages der Intensivmedizin macht Prof. Beck deutlich: „Die
Arbeit aller Fachkräfte in der Anästhesiologie und Intensivmedizin
verdient höchste Anerkennung und Unterstützung – sowohl auf fachlicher als
auch auf politischer Ebene.“ Die Einführung von Intensivzentren und die
Förderung von Telemedizin seien wichtige Schritte in die richtige
Richtung. Nun liege es an der Politik, die finanziellen Sicherheiten dafür
zu schaffen.

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KI-Podcast soll Autonomie im digitalen Zeitalter stärken

Der Podcast „Autonomie & Algorithmen: Freiheit im Zeitalter von KI“
startet als Projekt des Wissenschaftsjahres 2024. Ziel ist es, Hörende zu
befähigen, den Einsatz künstlicher Intelligenz selbstbestimmt
mitzugestalten. Hinter dem Podcast stehen Prof. Dr. Benjamin Paaßen von
der Universität Bielefeld und Dr. Christiane Attig von der Universität zu
Lübeck. Das Wissenschaftsjahr 2024 steht unter dem Schlagwort „Freiheit“
und ist eine Initiative vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
und Wissenschaft im Dialog.

Intelligente Systeme sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie
unterstützen beim Schreiben, empfehlen Inhalte in sozialen Medien und
assistieren bei medizinischen Diagnosen. Egal ob risikoarm oder
risikoreich: Für einen selbstbestimmten Umgang mit Künstlicher Intelligenz
ist es nötig, zu verstehen, wie diese Systeme funktionieren und wo ihre
Grenzen liegen.

Erste Folge zu KI in der Bildung

Die Auftaktfolge des Podcasts widmet sich dem Einsatz von KI im
Bildungssystem. „Der Einsatz von KI-Systemen in der Bildung betrifft alle:
Schüler*innen, Studierende, Lehrkräfte und Bildungsinstitutionen“, sagt
Benjamin Paaßen, Juniorprof. für Wissensrepräsentation und Maschinelles
Lernen. „Intelligente tutorielle Systeme können Lerninhalte
personalisieren und Lehrkräfte bei der Erstellung von Materialien
entlasten. Institutionen können durch Learning Analytics Lücken im
Curriculum erkennen.“ Ingenieurpsychologin und Projektleiterin Christiane
Attig ergänzt: „KI-Systeme werden nicht verschwinden, daher müssen sich
Individuen und Institutionen mit der Transformation auseinandersetzen, um
die Potenziale der KI zu nutzen.“

Expert*innen geben Einblicke in die Forschung

In jeder Folge kommen renommierte Expert*innen aus der KI-Forschung zu
Wort. In der ersten Folge sind Professor Dr. Niels Pinkwart, Stefanie
Kaste und Timm Lutter zu Gast. Niels Pinkwart forscht an der Humboldt-
Universität zu Berlin und leitet das Educational Technology Lab am
Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Berlin.
Stefanie Kaste ist stellvertretende Geschäftsführerin der Initiative D21,
einem bundesweiten gemeinnützigen Netzwerk für die Digitale Gesellschaft.
Timm Lutter leitet die Arbeitsgruppe Digitale Bildung und ist
Präsidiumsmitglied der Initiative D21.

Podcast als Wegweiser für informierte Entscheidungen zu KI

„Mich haben die Gespräche sehr optimistisch gestimmt", so Attig. „Oft ist
der öffentliche Diskurs von den Standpunkten großer Tech-Konzerne und
dystopischen Szenarien bestimmt. Wir hoffen, mit unserem Podcast ein
Angebot zu schaffen, um sich über verschiedenste KI-Systeme differenziert
zu informieren und zu verstehen, woran im deutschsprachigen Raum in ganz
verschiedenen Disziplinen geforscht wird.”

Benjamin Paaßen stellt fest: „KI-Systeme können die menschliche Autonomie
befördern oder bedrohen – je nachdem, wie sie gestaltet und eingesetzt
werden. Daher wollen wir im Wissenschaftsjahr 2024 dazu beitragen, dass
Menschen über KI-Systeme in ihrem Umfeld informiert mitbestimmen können.“

Neue Podcast-Episoden erscheinen jeden Monat. In diesem Monat gibt es eine
Ausnahme und es werden zwei Episoden veröffentlicht: Anlässlich der
Europawahl haben Christiane Attig und Benjamin Paaßen eine Sonderfolge
aufgenommen. Darin sprechen sie über generative KI im Superwahljahr. Die
nächste Folge erscheint voraussichtlich am 28. Juni.

Bei dem Podcast „Autonomie & Algorithmen“ handelt es sich um eines von
zwei Bielefelder Projekten, die im Wissenschaftsjahr 2024 – Freiheit –
gefördert werden. Das Verbundprojekt „WiFrei“ soll Bürger*innen die
Bedeutung von Wissenschaftsfreiheit unter anderem mit einer Ausstellung
und Dialog-Veranstaltungen nahebringen. Für das Projekt kooperieren die
Konfliktakademie „ConflictA“ der Universität Bielefeld und das Historische
Museum Bielefeld.

Wissenschaftsjahr 2024 – Freiheit

Das Wissenschaftsjahr ist eine Initiative des Bundesministeriums für
Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD).
Das Thema des Wissenschaftsjahres 2024 ist Freiheit. Denn sie ist von
grundlegendem Wert und heute in lange nicht vorstellbarer Weise bedroht.
Zwei Jubiläen unterstreichen in diesem Jahr ihre Bedeutung für
Deutschland: 75 Jahre Grundgesetz und 35 Jahre Mauerfall. Das
Wissenschaftsjahr 2024 beschäftigt sich daher mit verschiedenen
Dimensionen von Freiheit. Was genau ist Freiheit? Hängen Freiheit und
Demokratie zusammen? Wo fängt Freiheit an? Mit vielfältigen Angeboten zum
Mitmachen bietet das Wissenschaftsjahr einen Rahmen, um
generationenübergreifend über Freiheit, ihren Wert und ihre Bedeutung zu
diskutieren – miteinander und mit der Wissenschaft. Über Freiheit von
heute, morgen und weltweit.

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Bald 70 KI-Ausgründungen: Cyber Valleys Start-up-Netzwerk wächst weiter – Millionen-Investitionen für KI-Gründer

Bei den Cyber Valley Days ab dem 19. Juni präsentieren sich erfolgreiche
KI-Start-ups aus dem Ökosystem des Innovationscampus. Anwendungsgebiete
reichen vom Gesundheitswesen über die Mobilität bis zur Robotik. Weiterhin
läuten der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann
und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski die nächste Phase von Cyber
Valley ein. Mit dem ELLIS-Institut eröffnen sie einen weiteren Leuchtturm
für die Erforschung Künstlicher Intelligenz (KI).

Rund um den KI-Innovationscampus Cyber Valley ist eine einzigartige
Community für Start-ups im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) entstanden.
Beim Transfer von der KI-Forschung in die Anwendung unterstützt das „Cyber
Valley Start-up Network“ Gründerinnen und Gründer im Land. Das Modell ist
überaus erfolgreich: Mehrere der bislang 67 Ausgründungen haben
Millionensummen von internationalen Investoren eingeworben. Bei den Cyber
Valley Days vom 19. bis zum 21. Juni präsentieren sich Start-ups aus dem
Netzwerk und stellen aktuelle KI-Trends vor. Der 21. Juni markiert den
Beginn einer neuen Phase des Innovationscampus Cyber Valley. Bei einem
Festakt wird das europaweit erste ELLIS-Institut durch Ministerpräsident
Winfried Kretschmann und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski
eröffnet.

„Start-ups sind Innovationsgeneratoren und -motoren. Sie tragen KI-
Anwendungen in die Gesellschaft – vom Gesundheitswesen über den
Mobilitätsbereich bis in die Landwirtschaft“, sagte
Wissenschaftsministerin Petra Olschowski am 14. Juni in Stuttgart. „Unser
Innovationscampus Cyber Valley bietet Gründerinnen und Gründern optimale
Bedingungen: Monatlich schließen sich drei bis fünf neue Start-ups dem
Netzwerk an – darunter Neugründungen von KI-Forschenden, aber auch
bestehende junge Unternehmen. Mit ihrer Innovationskraft stärken diese
Entrepreneurinnen und Entrepreneure den Forschungs- und
Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg weiter. Als Wissenschaftsministerium
haben wir die Gründung von Cyber Valley mit angestoßen; und auch in
Zukunft unterstützen wir unseren KI-Innovationscampus nach Kräften.“

KI-Gründungsstandort Baden-Württemberg

„Künstliche Intelligenz ist in der Anwendung komplex und extrem
schnelllebig. Gründungswillige entwickeln ihre Ideen dort, wo sie die
besten Rahmenbedingungen finden – darunter ein internationales und
thematisch diverses Umfeld, Zugang zu Rechenleistung und Anschub-Kapital.
Also dort, wo bereits Zukunft entsteht, wie an den exzellenten
Wissenschaftsstandorten in Baden-Württemberg”, sagte Rebecca C. Reisch,
Geschäftsführerin der Cyber Valley GmbH.
Als Ergänzung zum Start-up Network unterstützt der AI Incubator
Gründungswillige im Umfeld des Innovationscampus Cyber Valley. Innerhalb
von acht Wochen lernen KI-Forschende und weitere Gründungsinteressierte,
ihre Geschäftsmodelle auszubauen und erfolgreich auf den Markt zu bringen.
Dabei stehen ihnen erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Start-
up-Coaches zur Seite: Derzeit wird bereits die vierte Kohorte aus 25
Gründerinnen und Gründern begleitet. Die Carl-Zeiss-Stiftung finanziert
den AI Incubator.

„KI wird die Art und Weise wie wir arbeiten, kommunizieren, lernen oder
spielen rapide verändern – und Deutschland muss an der Spitze dieses
Wandels stehen, um unsere Lebensqualität zu erhalten. Dieser Wandel wird
von innovativen Start-ups vorangetrieben. Cyber Valleys Mission ist es,
die Grundlage für wissenschaftliche Durchbrüche zu schaffen und Start-ups
zu fördern, die die KI-Zukunft anführen werden”, so Michael Black,
Sprecher von Cyber Valley und Direktor am Max-Planck-Institut für
Intelligente Systeme in Tübingen.

Millionen-Investitionen in KI-Start-ups: Drei Beispiele

Auch bei Investoren sind die KI-Start-ups des Cyber Valley erfolgreich:

•       Im Jahr 2023 sammelte NEURA Robotics, ein Anbieter neuartiger
kognitiver Roboter, in zwei Finanzierungsrunden 65 Millionen Euro ein.

•       Das Esslinger Start-up MARKT-PILOT hat eine Lösung für dynamische
und marktorientierte Ersatzteilpreise entwickelt. Zum vierten
Gründungsjubiläum gab das junge Unternehmen eine der größten
Series-A-Finanzierungsrunden mit 40 Millionen Euro bekannt.

•       Erst kürzlich hat der Anbieter von „Octomind“, einer KI-gestützten
End-to-End-Testplattform für Entwicklerteams, 4,8 Millionen Euro an Seed-
Kapital erhalten.

Cyber Valley Days 2024: 19. bis 21. Juni

Die knapp 70 Start-ups des Netzwerks sind in verschiedensten Branchen
aktiv – beispielsweise im Gesundheitsbereich, in der Bauindustrie, auf dem
Gebiet Mobilität oder in der Landwirtschaft. Diese Vielfalt beleuchten die
Cyber Valley Days, ein dreitägiges Event vom 19. bis zum 21. Juni. Der
Fokus des Programms liegt auf Entrepreneurship und wissenschaftlicher
Innovation in den Bereichen Künstliche Intelligenz und moderne Robotik. Am
Mittwoch, 19. Juni, präsentieren sich die Start-ups sowie weitere
Mitglieder der Cyber Valley Community in Stuttgart. Im Anschluss pitchen
die Teams des AI Incubators ihre KI-Geschäftsideen vor potenziellen
Investorinnen und Investoren.

Beim Finale am 21. Juni wird in Anwesenheit von Ministerpräsident Winfried
Kretschmann und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski das neue Institut
des „European Laboratory for Learning and Intelligent Systems” (ELLIS)
eröffnet. Dieses europaweit erste ELLIS-Institut stärkt den
Innovationscampus Cyber Valley als international sichtbaren Leuchtturm für
die Erforschung Künstlicher Intelligenz weiter. Die talentiertesten KI-
Forschenden der Welt können hier ihre Ideen und Entwicklungen in einem
optimalen Umfeld vorantreiben. Die Eröffnung des ELLIS-Instituts steht
zudem für den Beginn der nächsten Phase des Innovationscampus Cyber
Valley.

Anmeldung für Medienvertreterinnen und -vertreter zum Festakt mit ELLIS-
Eröffnung am Freitag, 21. Juni, über Rebecca Beiter, Director
Communications & Society Cyber Valley GmbH: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Hintergrundinformationen

Über Cyber Valley

Cyber Valley ist der erste Innovationscampus des Landes, verortet in der
Region Stuttgart/Tübingen. Im Jahr 2016 ist Cyber Valley als gemeinsame
Initiative von Land, Wissenschaft und Wirtschaft gestartet. Das Ziel:
Baden-Württemberg im Bereich KI ganz nach vorne zu bringen. Dabei
verbindet der Innovationscampus exzellente Grundlagenforschung und
praktische Anwendung. Das wissenschaftliche Rückgrat bilden drei
akademischen Gründungspartner: die Universitäten Stuttgart und Tübingen
sowie das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme. Dazu kommen
weitere namhafte Partner aus Wirtschaft und Forschung.
Heute gilt Cyber Valley als Europas größtes Zentrum für Künstliche
Intelligenz und moderne Robotik. Die KI-Forschenden sind führend im
maschinellen Lernen sowie in Bereichen wie Computer Vision. Der
Innovationscampus fördert zudem die Gründung von KI-Start-ups und
verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit Innovation und
Technologietransfer. Die KI-Forschenden unterstützen die kritische
Reflexion der ethischen und sozialen Auswirkungen von Künstlicher
Intelligenz und streben eine Zukunft an, in der das Potenzial
intelligenter Systeme zum Wohle der Gesellschaft ausgeschöpft wird.

Über das Cyber Valley Start-up Network

Mit dem Start-up Network baut Cyber Valley eine lebendige Community von
KI-Entrepreneuren auf und fördert diese. Mitglieder erhalten exklusiven
Zugang zu Veranstaltungen und einem vielfältigen Netzwerk aus KI-
Forschenden, Investorinnen und Investoren sowie weiteren Start-up-
Gründerinnen und -Gründern. Voraussetzung ist eine Verbindung zu Cyber
Valley – darunter fallen beispielsweise Mitglieder oder Alumni der Cyber
Valley Community oder Gründungen mit Sitz in Baden-Württemberg. Die
Geschäftsmodelle müssen im Kern intelligente Systeme sein.

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