417 Menschen das Augenlicht gerettet
Seit einem Jahr verbessert die Gewebebank im Klinikum Stuttgart die
deutschlandweite Versorgung mit Augenhornhauttransplantaten.
Seit einem Jahr ist die Gewebebank Stuttgart in Betrieb und die
Mitarbeiterinnen konnten bereits über 600 Augenhornhautspenden bearbeiten.
Davon wurden 417 Augenhornhauttransplantate[1] erfolgreich zur
Transplantation abgegeben. Eröffnet wurde die Gewebebank im Mai 2023 von
der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) und dem
Klinikum Stuttgart.
„Wir freuen uns sehr darüber, dass die Gewebebank Stuttgart so gut
gestartet ist und schon nach einem Jahr maßgeblich zur Patientenversorgung
in Deutschland beiträgt. Ganze 417 Patientinnen und Patienten konnten wir
so schon mit einem Augenhornhauttransplantat zeitnah und sicher versorgen.
Neben den Spenderinnen und Spendern und ihren Angehörigen gilt unser Dank
auch den engagierten Kolleginnen vor Ort, die sich schnell und gut in die
Prozesse eingearbeitet haben“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der
DGFG.
Die Augenhornhauttransplantation ist weltweit die am häufigsten
durchgeführte Transplantation. Allein in Deutschland erhalten jährlich
über 9.000 Menschen ein Transplantat aus einer Augenhornhautspende[2].
Mehr als die Hälfte dieser Transplantate stammt aus dem bundesweiten
Netzwerk der DGFG. So konnte die gemeinnützige Organisation 2023 insgesamt
mehr als 5.000 Augenhornhäute zur Transplantation abgeben[3]. Obwohl die
Spendezahlen in Deutschland seit Jahren steigen, warten weiterhin tausende
Patient:innen auf ein geeignetes Transplantat[4]. Sie leiden an genetisch
bedingten Hornhauterkrankungen, z.B. Hornhautdystrophien, Trübungen der
Hornhaut aufgrund von Infektionen oder an schweren Hornhautschäden,
verursacht durch Unfälle, Verbrennungen oder Verätzungen. Die
Hornhauttransplantation ist dabei oft die letzte Möglichkeit, die Sehkraft
dieser Patient:innen wiederherzustellen und ihnen klare Sicht zu schenken.
Verbesserte Versorgung in Stuttgart und deutschlandweit
In der Augenklinik am Klinikum Stuttgart werden viele
Augenhornhauttransplantate aus dem Netzwerk der DGFG direkt
transplantiert. „Durch die neue Gewebebank am Klinikum Stuttgart können
mehr Hornhautspenden gewonnen, aufbereitet und transplantiert werden.
Durch die räumliche Nähe und fachliche und technische Kooperation können
wir Hornhäute in noch besserer Qualität und in größerer Zahl als bisher
anbieten. Durch die gesteigerte Entnahmequote können wir auch mehr
Menschen mit einem Hornhauttransplantat helfen, wodurch die Wartezeit
deutlich gesenkt werden konnte. Seit dem Start der Gewebebank Stuttgart
haben wir fast 100 Hornhauttransplantationen durchgeführt. Wir sind also
auf einem sehr guten Weg, dennoch warten allein im Klinikum Stuttgart noch
immer fast 100 Personen auf eine Hornhauttransplantation. Wenn sich die
Spendenbereitschaft weiterhin so positiv entwickelt, können wir auch
diesen Patient:innen hoffentlich zeitnah helfen“, erläutert Prof. Dr.
Florian Gekeler. Er ist Ärztlicher Direktor der Augenklinik im Klinikum
Stuttgart und Ärztlicher Leiter der Gewebebank Stuttgart.
Mehr Gewebespenden im Raum Stuttgart in 2023
Auch die Zahl der Menschen, die in Stuttgart nach ihrem Tod Gewebe
gespendet haben, hat 2023 weiter zugenommen. So haben die
Koordinator:innen der DGFG vergangenes Jahr im Raum Stuttgart 128
Gewebespenden durchgeführt – rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Durch
diese selbstlose Spende konnten 273 Gewebetransplantate gewonnen
werden[5], die nun die Lebensqualität von Menschen in Stuttgart und
deutschlandweit verbessern. Zu dieser positiven Entwicklung trägt die neue
Gewebebank direkt vor Ort bei. „Um die deutschlandweite Versorgung mit
Gewebetransplantaten zu verbessern, ist der Ausbau der Kapazitäten in der
Aufbereitung entscheidend. Die Etablierung der Gewebebank Stuttgart ist
hier ein wichtiger Schritt, den wir gerne mit unserem langjährigen
Partner, dem Klinikum Stuttgart, weiter vorantreiben möchten“, betont
Martin Börgel. Durch die neue Gewebebank in Baden-Württemberg haben sich
Transportwege verkürzt und die für die Spende zur Verfügung stehenden
Zeitfenster konnten leichter eingehalten werden. So werden auch
Gewebespenden aus dem Umland von Stuttgart schneller bearbeitet und in
hoher Qualität zur Transplantation abgegeben. Außerdem wird mit weiteren
Kliniken in der Region eine Kooperation für die Gewebespende angestrebt –
schließlich ist jeder Mensch ein möglicher Gewebespender oder eine
mögliche Gewebespenderin.
Die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) fördert seit
1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland. Auf Basis des
Gewebegesetzes von 2007 sind alle Tätigkeiten und Ablaufprozesse der
Gewebespende gesetzlich geregelt. Für alle Gewebezubereitungen gilt das
Handelsverbot. Die DGFG vermittelt ihre Transplantate über eine zentrale
Vermittlungsstelle mit einer bundesweiten Warteliste. Jede medizinische
Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Als
unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft wird die DGFG ausschließlich von
öffentlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens getragen: Gesellschafter
sind das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das
Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover, die
Universitätsmedizin Rostock sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum
Neubrandenburg. Die DGFG ist in ihrer Aufbaustruktur, der Freiwilligkeit
der Unterstützung durch die Netzwerkpartner:innen und ihrer Unabhängigkeit
von privaten oder kommerziellen Interessen einzigartig in Deutschland.
Quellen:
[1] Zahlen aus dem DGFG-Netzwerk Stand 24.05.2024
[2] Gewebevigilanzbericht des Paul-Ehrlich-Instituts / 2022, S.13:
https://www.pei.de/SharedDocs/
[3] Zahlen zur Gewebespende 2023: https://gewebenetzwerk.de/gewe
auf-rekordniveau/
[4] Zahlen aus dem DGFG-Netzwerk: Im März standen 2.450 Patientinnen und
Patienten auf der Warteliste für eine Augenhornhauttransplantation.
[5] Zahlen aus dem DGFG-Netzwerk
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