Das saarländische Wirtschaftsministerium hat gestern in Zusammenarbeit mit
dem Saarland Informatics Campus den Journalismuspreis Informatik
verliehen. Die Gesellschaft für Informatik e.V. ist dieses Jahr erstmals
als Partner des Preises dabei. Ausgezeichnet wurden ein Hörfunkbeitrag des
Südwestrundfunks, ein Online-Video der Neuen Zürcher Zeitung, jeweils ein
Artikel aus dem Wirtschaftsmagazin „brand eins” und dem Magazin „MIT
Technology Review” sowie ein Youtube-Format zum Wissenschaftsjournalismus.
Der Journalismuspreis Informatik wurde 2006 erstmalig ausgelobt und ist
insgesamt mit 16.000 Euro dotiert. Die Preisgelder der Hauptpreise in den
drei jeweils mit 5.000 Euro dotierten Kategorien „Text“, „Audio“, und
„Video und Multimedia“ stiftet das Ministerium für Wirtschaft, Innovation,
Digitales und Energie. Zudem stiftet das Deutsche Forschungszentrum für
Künstliche Intelligenz in diesem Jahr erneut einen mit 1.000 Euro
dotierten Sonderpreis. Ziel des Journalismuspreises Informatik ist,
qualitativ hochwertige Berichterstattung über Themen der Informatik zu
fördern.
Schirmherr Jürgen Barke, saarländischer Minister für Wirtschaft,
Innovation, Digitales und Energie, beglückwünschte die Preisträgerinnen
und Preisträger und sagt: „Mit dem Journalismuspreis Informatik wollen wir
Chancen und Risiken der Digitalisierung der breiten Öffentlichkeit
zugänglich und verständlich machen. Die Auszeichnung würdigt dabei vor
allem die herausragende Arbeit von Journalistinnen und Journalisten. Aber
sie würdigt eben auch die Bedeutung der Berichterstattung über Themen der
Digitalisierung und künstlichen Intelligenz für unsere Gesellschaft und
die wirtschaftliche Transformation. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen
und Preisträgern herzlichst und ermutige sie gleichzeitig, weiterhin mit
Leidenschaft und Engagement über die Themen der Digitalisierung und
künstlichen Intelligenz zu berichten. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem
Wert für unsere Gesellschaft und trägt maßgeblich dazu bei, dass wir die
Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation gemeinsam
meistern können.“
Insgesamt bewertete die Jury in diesem Jahr 70 Beiträge, darunter 44 in
der Kategorie Text, 15 in der Kategorie Audio und elf in der Kategorie
Video und Multimedia. Die Jury des Journalismuspreises Informatik bilden
Peter Bylda, langjähriger Redakteur der Saarbrücker Zeitung und nun freier
Journalist, Peter Hergersberg aus der Redaktion des Wissenschaftsmagazins
MaxPlanckForschung, Isabel Münch, Fellow der Gesellschaft für Informatik,
Dr. Wolfgang Pohl, Geschäftsführer der Bundesweiten Informatikwettbewerbe,
Florian Possinger vom Saarländischen Rundfunk, Vera Sikes,
Fachbereichsleiterin im Bundesamtes für die Sicherheit in der
Informationstechnik und Leiterin des BSI-Standorts Saarbrücken, Dr.
Christel Weins, Naturwissenschaftlerin und Mitgründerin des
Journalismuspreises, der freie Technik- und Wissenschaftsjournalist Peter
Welchering und Prof. em. Dr. Dr. h.c. Reinhard Wilhelm, Informatik-
Professor der Universität des Saarlandes und langjähriger Leiter des
Leibniz-Zentrums für Informatik Schloss Dagstuhl.
Die prämierten Beiträge des Journalismuspreises Informatik 2023 im
Einzelnen:
Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis in der Kategorie „Audio“ geht an
das Radio-Feature „Clickworker – Ausgebeutet für künstliche Intelligenz“
von Christian Kretschmer, erschienen am 24. August 2023 im Südwestrundfunk
bei SWR2.
Begründung der Jury: Künstliche Intelligenz ist nicht frei von Problemen,
das ist weithin bekannt: Vom überbordenden Energiehunger der KI oder von
den Urheberrechts-Problematiken generativer Modelle haben viele schon
gehört. Weit weniger präsent in der aktuellen KI-Diskussion ist
paradoxerweise die globale Trainingsdaten-Industrie, in der Millionen von
Menschen in höchst prekären Arbeitsverhältnissen gefangen sind. Für
Hungerlöhne erledigen sie teils traumatisierende Arbeiten, durch die
moderne KI-Systeme überhaupt erst möglich werden. Christian Kretschmers
aufwendig recherchiertes Radio-Feature gibt diesen ausgebeuteten
„Clickworkern“ eine Stimme und lässt Menschen aus Kenia und Kolumbien zu
Wort kommen, die in einer von schlechter Bezahlung, Überwachung,
Konkurrenzdruck und psychischer Belastung geprägten Branche arbeiten. Der
Beitrag gibt durch gut platzierte O-Töne und Experteninterviews einmalige
Einblicke in eine problematische Industrie, die von Unternehmen und
Nutzern in den reicheren Ländern leichthin oder eher durch Unwissenheit
gebilligt und damit unterstützt wird. Er zeigt auch auf, dass es dringend
ein Umdenken im Umgang mit dem „Human in the Loop“ braucht, ohne den die
Entwicklung von KI-Systemen auf absehbare Zeit nicht möglich sein wird.
Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis in der Kategorie „Video und
Multimedia“ geht an den Video-Beitrag „Unsere heutige Online-
Verschlüsselung wird einem leistungsstarken Quantencomputer nicht
standhalten können“ von Pascal Burkhard und Jasmine Rüegg, erschienen am
21. Dezember 2023 online bei der Neuen Zürcher Zeitung.
Begründung der Jury: Pascal Burkhard und Jasmine Rüegg legen einen
Videobetrag vor, der aufrüttelt und beunruhigt. Sie warnen eindringlich
vor dem „Q-Day“, dem Tag, an dem Quantencomputer so leistungsstark werden,
dass sie Verschlüsselungsmethoden, für die selbst modernste Supercomputer
heutzutage tausende bis Millionen Jahre rechnen müssten, binnen weniger
Minuten knacken. Sensibelste Daten wie Finanz- und
Gesundheitsinformationen könnten dann abgegriffen werden. Der Beitrag
schafft es, trotz der kurzen Dauer von nur rund sechs Minuten verschiedene
Konzepte der Kryptographie und des Quantencomputings aufzugreifen und
fachlich korrekt, dabei dennoch anschaulich und leicht verständlich zu
erläutern. Die Thematik hat eine riesige Relevanz, und dank der
zugänglichen Präsentation adressieren die Journalisten mit ihrem Beitrag
ein breites Publikum und schaffen damit das notwendige Problembewusstsein.
In der Kategorie „Text“ hat die Jury in diesem Jahr entschieden, den Preis
in zwei gleichwertige Hauptpreise zu teilen (jeweils 2.500 Euro).
Ausgezeichnet werden Holger Fröhlich für den Artikel „Im Spinnennetz“,
erschienen am 1. Februar 2023 in der Wirtschaftszeitung „brand eins“, und
Wolfgang Stieler für den Artikel „Der Geist in der Maschine“, erschienen
am 11. Mai 2023 im Magazin „Technology Review“.
Begründungen der Jury: Das Internet ist nur kostenlos, weil andere damit
Geld verdienen. Dieses bekannte, aber ungemütliche Faktum wird bei der
Nutzung von Online-Anwendungen wie Suchmaschinen, sozialen Netzwerken oder
Navigationsapps oftmals verdrängt. Denn wer solche Dienste verwendet, wird
selbst zur Ware – und zwar auf einem globalen, „AdTech“ genannten
Schattenmarkt. Holger Fröhlich analysiert in seinem packend geschriebenen
Artikel die Missstände dieses entfesselten Marktes für personalisierte
Werbung und zeigt etwa auf, wie in Millisekunden vollkommen automatisiert
detaillierte Persönlichkeitsprofile an hunderte Datenhändler weltweit
versteigert werden. Der Artikel sensibilisiert für ein höchst relevantes
Problem und wendet sich damit an einen großen Adressatenkreis. Die
umfassende Recherche wird durch zahlreiche Beispiele lebendig und zeigt
auch positive Gegenbeispiele auf, die belegen, dass die AdTech-Branche
nicht zwingend derart räuberisch sein muss.
Sind große Sprachmodelle nur ein stochastischer Papagei, oder steckt mehr
in den wortgewaltigen Maschinen? Wolfgang Stielers Beitrag erläutert
anhand zahlreicher wissenschaftlicher Beispiele, wie Forscherinnen und
Forscher verschiedener Disziplinen versuchen, dieser philosophischen Frage
auf den Grund zu gehen. Dabei zeigt er auf, dass die Debatte darum, ob und
wie viel ‚echte‘ Intelligenz in den gerade so gehypten großen
Sprachmodellen steckt, kein reines Problem der Informatik mehr ist. Es
bedarf gesellschaftlicher Auseinandersetzung und Regulierung. Der Beitrag
nimmt sein Publikum ernst und mutet ihm zuweilen eine hohe Faktendichte
zu, bringt dadurch aber höchst aktuelle Entwicklungen der Informatik
fachlich spannend auf den Punkt.
Der mit 1.000 Euro dotierte Sonderpreis des Deutschen Forschungszentrums
für Künstliche Intelligenz (DFKI) prämiert den Videobeitrag „Wir haben KI
die Zukunft der Menschheit generieren lassen“ von Cedric Engels, Carolin
Riethmüller, Mick Mahler, Jonas Bradtke, Marian Knittler, Pascal Rausch,
Hannes Gabelmann, Manuel Zilleken und Jakob Göß, erschienen am 16. April
2023 bei dem Kanal „Dr. Whatson“ auf der Plattform Youtube.
Begründung der Jury: Dem Team des YouTube-Kanals „Dr. Whatson“ rund um
Moderator und Geschäftsführer Cedric Engels gelingt es auf bemerkenswerte
Weise, komplexe Inhalte verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen
kompakt und verständlich auf den Punkt zu bringen. In dem hier prämierten
Beitrag zeigen sie, wie man durch den Einsatz diverser KI-Tools eine
Arbeit, die noch vor rund einem Jahr Monate in Anspruch genommen hätte,
binnen einer Woche bewältigen kann. Das Team produzierte einen
Animationsfilm, bei dem fast alle Produktionsschritte, von der Konzeption
über den Text bis hin zur Erstellung des Bildmaterials und der Animation
mit Hilfe von KI-Systemen durchgeführt wurden. Der Film ist eine Werkzeug-
Schau mit Wow-Effekt und die Ergebnisse sind für Zuschauerinnen und
Zuschauer jeden Alters höchst beeindruckend.
Über die Gesellschaft für Informatik e.V.
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist die größte Fachgesellschaft
für Informatik im deutschsprachigen Raum. Seit 1969 vertritt sie die
Interessen der Informatikerinnen und Informatiker in Wissenschaft,
Gesellschaft und Politik und setzt sich für eine gemeinwohlorientierte
Digitalisierung ein. Mit 14 Fachbereichen, über 30 aktiven Regionalgruppen
und unzähligen Fachgruppen ist die GI Plattform und Sprachrohr für alle
Disziplinen in der Informatik. Die GI hat sich Ethische Leitlinien
gegeben, die ihren Mitgliedern als Orientierung dienen. Weitere
Informationen finden Sie unter www.gi.de