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NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes weiht Neubau der Fakultät für Psychologie ein

Von links: Prof. Stefan Schulz-Hardt, Dekan Prof. Andreas Mokros, NRW-Ministerin Ina Brandes, Rektorin Prof. Ada Pellert und Baudezernent Wolfram Krunke  Volker Wiciok
Von links: Prof. Stefan Schulz-Hardt, Dekan Prof. Andreas Mokros, NRW-Ministerin Ina Brandes, Rektorin Prof. Ada Pellert und Baudezernent Wolfram Krunke Volker Wiciok

NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes und 150 Gäste haben am Montag (22.
April) die Eröffnung des modernen Psychologie-Gebäudes auf dem Campus der
FernUniversität in Hagen gefeiert. Der Neubau hat mit Blick auf
Nachhaltigkeit, Zeit- und Kosteneffizienz höchste Standards erreicht.

Gerade erst haben rund 180 Beschäftigte ihre Umzugskartons in den modernen
Büros ausgepackt. Doch schon längst hat das neue Gebäude der Fakultät für
Psychologie auf dem Campus der FernUniversität in Hagen Rekorde
aufgestellt. Es ist eines der wenigen öffentlichen Gebäude in Deutschland,
das zeit- und budgetgerecht fertigstellt wurde und besonders nachhaltig
ist. In nur knapp zwei Jahren vom Auftrag bis zur Bauabnahme wurde der
Neubau errichtet. Noch dazu ist er im März im Bewertungssystem
Nachhaltiges Bauen (BNB) mit Gold zertifiziert worden.

Bei einem großen Fest für die Psychologie hat Ina Brandes, Ministerin für
Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, das neue Gebäude
jetzt zusammen mit rund 150 Gästen eingeweiht. Das Land hat in den Neubau
rund 20 Millionen Euro investiert. „Schnell, nachhaltig und
eigenverantwortlich! Dieser Neubau hat gleich in mehrfacher Hinsicht
Vorbildcharakter für den Hochschulbau in Nordrhein-Westfalen", sagte
Ministerin Brandes. „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in
Nordrhein-Westfalen brauchen eine hervorragende Infrastruktur für Lehre
und Forschung. Ich freue mich sehr, dass die FernUniversität gezeigt hat,
wie effizient Hochschulbau funktionieren kann!“

Wolfram Krunke, Dezernent für Gebäudemanagement und Nachhaltigkeit, dankte
im Namen der Hochschulleitung allen Beteiligten, die sich im Großprojekt
engagiert haben. „Unser Gebäude für die Psychologie zeigt, dass modulares
Bauen – also Fertigbau – auch im Hochschulbereich sinnvoll sein kann.“
Wegweisend könnte das zukünftig auch für andere Universitäten sein. Daher
sind im Juni alle Kanzlerinnen und Kanzler zu einer bundesweiten Tagung
zum modularen Hochschulbau nach Hagen eingeladen.

Im Neubau der FernUniversität arbeiten zukünftig 11 Lehrgebiete der
Psychologie gemeinsam unter einem Dach. „Mit ihrer Gründung im Jahr 2018
ist die Fakultät für Psychologie zwar unsere jüngste Fakultät. Die Wurzeln
des Fachs reichen aber schon bis 1978 zurück“, sagte Rektorin Prof. Ada
Pellert. „Unsere Psychologie ist sehr leistungsstark und weiter im
Aufwind. Nun erhält sie modernste Bedingungen für ihre Forschung und
Lehre.“ Aktuell studieren rund 11.500 Menschen an der FernUni Psychologie.
Das ist in Hagen auch ohne NC möglich.

Daran knüpfte Prof. Dr. Andreas Mokros in seiner Festrede an. Der Dekan
der Fakultät für Psychologie hob die Effizienz des Lehrmodells und die
internationale Vernetzung in der Forschung hervor – nicht zuletzt durch
eine Kooperation mit der University of Namibia. Außerdem betonte er die
lokale Verankerung am Standort Hagen: Dort sind Mitglieder der Fakultät an
Projekten wie „FernUni trifft Schule“ und der „Charta der Vielfalt“
beteiligt. Damit folgen sie einen berühmten Ausspruch des Psychologen Kurt
Lewin: „Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie.“

Prof. Dr. Stefan Schulz-Hardt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Psychologie, lobte das innovative Lehr- und Lernsystem (Blended Learning).
Die hohe Qualität von Forschung und Lehre der Hagener Fakultät sei durch
die enge Verzahnung und Abstimmung mit der Fachgesellschaft gewährleistet.
Dementsprechend hat die Fakultät für Psychologie als eine der ersten
Institutionen das DGP-Qualitätssiegel für ihren Bachelorstudiengang
erhalten.

Psychologie zum Anfassen bot der Film zur Einweihung mit vielen Statements
von Studierenden und Beschäftigten. Zudem erhielten die Gäste beim Tag der
offenen Tür Einblicke in Labore, Konferenzräume, Open Spaces und Büros.
Profitieren wird übrigens nicht nur die Fakultät für Psychologie von den
neuen Möglichkeiten, sondern die gesamte FernUniversität. Die Seminarräume
stehen hochschulweit zur Verfügung. Zudem werden durch die Umzüge der
Psychologie an vielen Stellen auf dem Campus Räume frei, von denen andere
Bereiche profitieren.

Zahlen und Fakten
Auf einer Gesamtfläche von gut 2700 Quadratmetern bietet der Neubau:
•       81 Büros für 11 Lehrgebiete und den Zentralbereich mit insgesamt
rund 180 Beschäftigten
•       5 Laborräume mit insgesamt 12 Kabinen sowie 1 EEG-Kabine
(Faradayscher Käfig)
•       5 Konferenz-/Seminarräume
•       6 Desk-Share Bereiche mit je 6 Arbeitsplätzen und 1 Fokusraum
•       3 Open Lounges

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Teddy und Co. müssen ins Krankenhaus

Drei Tage lang kommen Kita-Kinder mit ihren plüschigen Freunden in das Teddy-Krankenhaus im Dresdner Universitätsklinikum.  MFD / Stephan Wiegand
Drei Tage lang kommen Kita-Kinder mit ihren plüschigen Freunden in das Teddy-Krankenhaus im Dresdner Universitätsklinikum. MFD / Stephan Wiegand

Teddy, Stoff-Dino, Kuschelwolf – wenn sich die plüschigen Begleiter von
Kindern wehgetan haben, müssen sie ins Krankenhaus. Das öffnet in dieser
Woche (23. bis 25. April) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Dresden wieder seine Türen. Studierende der Medizinischen Fakultät an der
TU Dresden organisieren zum 20. Mal das beliebte Teddy-Krankenhaus. Die
Idee: Wenn Kinder spielerisch erfahren, was bei einem Arztbesuch passiert,
haben sie weniger Angst, wenn sie selbst mal krank sind. Die
Medizinstudierenden wiederum erfahren in der Praxis, wie sie medizinisch
komplizierte Sachverhalte einfach und verständlich kommunizieren.

Bis zu 20.000 Kinder aus Dresden und Umgebung haben in den vergangenen 20
Jahren an dem Projekt teilgenommen. In diesem Jahr sind 1.048 Kinder aus
60 Kitas dabei. Unterstützt wird das Projekt von zahlreichen Sponsoren.
„Das Projekt greift auf unterschiedlichen Ebenen an – für unsere
Medizinerinnen und Mediziner in der Kinderklinik ist es wichtig, wenn
Kinder weniger angstvoll zu uns kommen. Für die Studierenden ist es eine
wichtige praxisnahe Erfahrung in ihrer Ausbildung. Wir sind stolz, dass
das Teddykrankenhaus auf eine solch lange Tradition zurückblickt“, sagt
Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum.

Vom 23. bis 25. April öffnet das Dresdner Teddykrankenhaus in der Kinder-
und Frauenklinik des Universitätsklinikums Dresden. Über 1.000 Kinder
kommen mit ihren plüschigen Freunden – der Stoff-Dino hat sich den Kopf
angeschlagen, der Plüsch-Bär hat einen gebrochenen Arm und der Kuschelwolf
hustet. Diesen und vielen anderen Beschwerden nimmt sich das Team aus 150
Studierenden der Medizinischen Fakultät an der TU Dresden an. Sie kommen
aus den Bereich Human- und Zahnmedizin, aus der Psychologie, der Carus
Akademie und vom Modellstudiengang Humanmedizin in Chemnitz. Mit großer
Sorgfalt erklären sie den Teddyeltern, was bei einem Arztbesuch wichtig
ist. Ganz wie bei den regulären Patientinnen und Patienten zählt dazu eine
umfangreiche Untersuchung inklusive Abtasten und Abhören. Auch ein
Ultraschallgerät gibt es in der Teddyklinik. Im Vorführ-OP-Saal wird ein
XXL-Bär am Bein operiert. Schließlich erhalten die Kinder ein Rezept,
damit es Dino, Wolf und Bär bald wieder besser geht.

Was nach Spiel und Spaß klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Wenn Kinder
krank sind und zum Arzt oder zur Ärztin oder sogar ins Krankenhaus müssen,
ist die Angst oft groß. Eine ungewohnte Situation verbunden mit Schmerzen
oder Unbehagen macht ein ungutes Gefühl. Oftmals löst der bloße Anblick
von Ärztinnen und Ärzten in weißen Kitteln, die einem mit Spritzen und
bitteren Pillen zu Leibe rücken, Unwohlsein und sogar Panik bei den
Kleinen hervor. Dies wollen die Studierenden den Kindern nehmen. „Da beim
Teddykrankenhaus nicht die Kinder selbst, sondern ihre Kuscheltiere die
Kranken sind, haben die Kinder die Möglichkeit, das Geschehen aus der
Elternrolle heraus zu erleben. Sie können Fragen stellen, Einfluss auf das
weitere Vorgehen nehmen und sich ungezwungen mit dem ärztlichen Handeln
vertraut machen. Viele Kinder sind sehr neugierig in dieser Situation.
Nicht nur für sie, sondern auch für uns Studierende ist dies eine
spannende Erfahrung“, sagt Nele Weber, die im zweiten Semester
Humanmedizin studiert. „Wir unterstützen sehr, dass unsere Studierenden
möglichst früh und schnell einen intensiven Praxisbezug erleben. Das
Teddykrankenhaus gibt ihnen die Möglichkeit, auf einer ganz speziellen
Ebene medizinisches Wissen zu vermitteln und gleichzeitig Empathie und
Geduld zu trainieren – auch darauf kommt es später im oft anstrengenden
medizinischen Alltag an“, sagt Prof. Esther Troost, Dekanin der
Medizinischen Fakultät.

Das Angebot ist nicht nur Dank des Engagements der Studierenden möglich.
Zahlreiche Sponsoren unterstützen das Teddy-Krankenhaus mit Sach- und
Geldspenden und sind über die Jahre treue Begleiter. Darunter sind die
Dresdner Kinderhilfe, die Techniker Krankenkasse, MLP
Finanzdienstleistungen AG, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank,
Apogepha, Schneider + Partner GmbH, die Deutsche Ärzte Finanz, der
Marburger Bund Sachsen, die Apotheke am Universitätsklinikum Dresden,
REWE, das Café Eisold an der Uniklinik, Putzi – DENTAL-Kosmetik GmbH & Co.
KG, Copyland, Rogg-Verbandstoffe, die GERL. Akademie, die Netzmanufaktur
GmbH, das Deutsche Rotes Kreuz, die UKD Service GmbH und die Ostsächsische
Sparkasse. „Wir sind sehr dankbar, dass uns so viele Sponsoren
unterstützen und damit unser Projekt wertschätzen“, sagt Nele Weber. So
wird es möglich, dass die Kinder „Medizin“ und „Therapie“ für die
Plüschfreunde in Form von Obst und Gummibärchen sowie Zahncreme und
Malstiften erhalten.

20 Jahre Teddy-Krankenhaus
Seit 20 Jahren gibt es das Format an der Hochschulmedizin Dresden. Bis zu
20.000 Kinder haben bisher daran teilgenommen. Die Anmeldung für Kitas und
Privatpersonen startet jeweils im Januar. Zudem ist das Team treuer
Teilnehmer bei der Langen Nacht der Wissenschaften. Am 14. Juni können
Kinder mit ihren plüschigen Freunden ohne Anmeldung zum Stand des Teddy-
Krankenhauses in das Haus 21 kommen.

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Universität Zürich erwirbt bedeutende Zürcher Handschrift Richard Wagners

Arbeitsmanuskript «Eine Mitteilung an meine Freunde» von Richard Wagner  Zentralbibliothek Zürich
Arbeitsmanuskript «Eine Mitteilung an meine Freunde» von Richard Wagner Zentralbibliothek Zürich

Der Universität Zürich ist der spektakuläre Ankauf einer bedeutenden
Handschrift Richard Wagners (1813 bis 1883) gelungen. In Mitteilung an
meine Freunde nimmt der Komponist eine autobiografisch-künstlerische
Standortbestimmung vor und blickt in die Zukunft. Das in Zürich
entstandene Manuskript nun an der UZH wissenschaftlich weiter untersucht.

Zürich war eine wichtige Station in Richard Wagners Biografie und
Schaffen. Nach dem gescheiterten Dresdner Maiaufstand im Jahr 1849 gegen
den sächsischen König Friedrich August II., an dem sich der Komponist
beteiligte, lebte Wagner nach seiner Flucht von 1849 bis 1858 im Zürcher
Exil. Die Zeit in Zürich brachte Wagner eine Wende und Neuorientierung in
Leben und Werk. Hier arbeitete er nicht nur an seiner berühmten Tetralogie
«Der Ring des Nibelungen», sondern verfasste auch wegweisende musik- und
dramentheoretische Schriften.

Rückkehr nach Zürich nach 170 Jahren

Das originale Arbeitsmanuskript einer dieser Schriften mit dem Titel Eine
Mitteilung an meine Freunde ist nun nach rund 170 Jahren an ihren
Entstehungsort zurückgekehrt. Die UZH hat die Handschrift beim
Auktionshaus Sotheby’s erworben. Ermöglicht haben dies Zuwendungen der UBS
Kulturstiftung in Zürich, der Bareva Stiftung in Vaduz und der UZH
Foundation, der Stiftung der Universität Zürich.

«Der Kauf der Wagner-Handschrift ist für Zürich, die UZH und für die
Wissenschaft von grosser Bedeutung», sagt UZH-Rektor Michael Schaepman.
Begeistert über den gelungenen Ankauf ist auch Laurenz Lütteken. «Solche
hochkarätigen Handschriften Wagners sind sonst kaum auf dem freien Markt
verfügbar», sagt der Musikwissenschaftler und Co-Direktor des
Musikwissenschaftlichen Instituts der UZH. Dort gehört das Werk Richard
Wagners zu den Schwerpunkten der Forschung.

Autobiografische und künstlerische Standortbestimmung

Die Mitteilung an meine Freunde entstand im August 1851 in Zürich im Haus
«Zum Abendstern» im Quartier Enge (heute etwa an der Adresse
Lavaterstrasse 76), kurz vor Wagners Umzug in die Vorderen Escherhäuser
(heute am Zeltweg 11). Erschienen ist der Text im selben Jahr als Beigabe
und Vorwort zu den Libretti der Opern «Der fliegende Holländer»,
«Tannhäuser» und «Lohengrin».

Die Schrift ist eine Art autobiografische Standortbestimmung, bezogen auf
die Werke vor der Revolution und das grosse nach-revolutionäre
«Ring»-Vorhaben. «Wagner nimmt eine Deutung seines bisherigen Schaffens
vor, fasst aber auch pointiert zusammen, was das ‹Musikdrama› künftig
leisten soll», sagt Laurenz Lütteken. Ganz am Ende steht daher auch eine
Skizze der in Arbeit befindlichen Tetralogie, ausserdem wird der Plan
einer Aufführung «im Laufe dreier Tage mit einem Vorabende» entworfen, an
einem «eigens dazu bestimmten Feste». Es ist also zugleich die erste
Skizze der Festspielidee, die Wagner dann später mit dem «Ring des
Nibelungen» umsetzte.

Entstehung des Texts wird nun erforscht

Das umfangreiche Autograf von Wagners bedeutender Schrift, das nun in der
Zentralbibliothek Zürich (ZB) aufbewahrt wird, kehrt nicht einfach nur an
seinen Entstehungsort zurück, sondern wird die UZH-Forschenden weiter
beschäftigen. Denn der Text ist bisher nur im Erstdruck sowie in der
Fassung der gesammelten Schriften und Dichtungen Richard Wagners
verfügbar. Die Handschrift lässt dagegen eine intensive Arbeit erkennen.
Das Manuskript ist mit dunkelbrauner Tinte geschrieben und mit
umfangreichen Streichungen, Korrekturen, Überarbeitungen und Ergänzungen
versehen. Die Entstehung des Textes zu untersuchen und nachzuzeichnen ist
nun ein umfangreiches Forschungsvorhaben der Musikwissenschaftlerinnen und
-wissenschaftler der UZH. Diese Analysen werden neue Erkenntnisse und
Einblicke in das Werk, das Denken und das Wirken Richard Wagners in Zürich
ermöglichen.

Nach Abschluss der Forschungsarbeiten wird die Handschrift durch die ZB
verfügbar gemacht werden. Das Arbeitsmanuskript der Mitteilung an meine
Freunde ist eine weitere Perle in der bedeutenden Wagneriana-Sammlung an
der ZB, die Musik- und Textmanuskripte, Musikdrucke, Druckschriften und
Briefe umfasst.

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Leider nicht zum Lachen: Warum sich aggressiver Humor für CEOs auszahlt

Prof. Dr. Andreas König, Top-Management-Forscher an der Universität Passau  Universität Passau
Prof. Dr. Andreas König, Top-Management-Forscher an der Universität Passau Universität Passau

Eine internationale Studie, geleitet von Wirtschaftswissenschaftlern der
Universität Passau, hat untersucht, wie sich CEO-Humor, also Humor von
Vorstandsvorsitzenden, auf das Ansehen ihres Unternehmens unter
Informationsintermediären wie Journalisten oder Analysten auswirkt. Manche
Typen von CEO-Humor könnten eine andere Wirkung haben als bislang
angenommen.

Dass Humor eine enorme zwischenmenschliche Wirkung hat, ist in der
Psychologie gut untersucht. Umso mehr erstaunt es, dass dieser Faktor in
der Kommunikation des Spitzenmanagements weitgehend unerforscht ist. Hier
setzt eine Studie eines internationalen Forschungsteams an, die im Februar
im renommierten Fachjournal Academy of Management Review unter dem Titel
„Good Fun or Laughingstock? How CEO Humor Affects Infomediaries’ Social
Evaluations of Organizations” erschienen ist. Geleitet wurde das Team von
Prof. Dr. Andreas König, Top-Management-Forscher an der Universität
Passau, sowie seinen ehemaligen Doktoranden Dr. Benno Stöcklein und Dr.
Dominik Bong. Ko-Autoren sind zudem Prof. Nathan J. Hiller, PhD (Florida
International University) und Prof. Cecily D. Cooper, PhD (University of
Miami).

Das Forschungsteam unterscheidet vier Typen von CEO-Humor. Zwei davon sind
positiv:
•       Affiliativer, verbindender CEO-Humor. Der oder die CEO macht sich
über andere auf liebevolle Art und Weise lustig und hebt sie dadurch
positiv hervor.
•       Selbsterhöhender CEO-Humor, also Humor als besondere Form der
Selbstdarstellung. Der oder die CEO erhebt sich auf lustige Art über seine
eigene Position.

Zwei Typen von CEO-Humor sind negativ:
•       Selbsterniedrigender CEO-Humor. Der oder die CEO macht sich über
eigene Schwächen lustig und erniedrigt damit seine eigene Position.
•       Aggressiver CEO-Humor. Der oder die CEO erniedrigt andere, indem
er sich auf deren Kosten lustig macht.

Das Kernargument der Forschenden ist, dass sich CEO-Humor zum einen direkt
auf mentale und emotionale Zustände, sogenannte States of Mind, von
Informationsintermediären wie Journalistinnen und Journalisten oder
Analystinnen und Analysten auswirkt. Zum anderen entspricht oder
widerspricht CEO-Humor (abhängig vom Humortyp) tief verankerten
Rollenerwartungen an CEOs. Die Forschenden argumentieren, dass sich daher
beide Formen von positivem CEO-Humor positiv auf das Ansehen des
Unternehmens auswirken.

Besonders spannend wird es bei den negativen Humorarten: Hier argumentiert
das Team, dass im Falle von CEO-Humor beide Formen anders wirken als
bislang für den Humor von Führungskräften angenommen und normativ gewollt.
So ist Humor, der eigene Schwächen offenbart, zwar gesellschaftlich gerne
gesehen. Auch die Praxis-Literatur für das mittlere Management rät dazu,
diese Form von Humor einzusetzen, um Nähe herzustellen. Doch im Falle von
CEOs könnte sich dieser Humor negativ auswirken. „Auch wenn wir es anders
wollen: Wer als CEO zu häufig Schwäche zeigt, den oder die bestraft der
Aktienmarkt“, so Prof. Dr. Andreas König.

Aggressiver CEO-Humor wiederum verstößt gegen gesellschaftliche Normen,
verletzt die Vorbildfunktion und erniedrigt die Menschen, über die sich
solcher Humor lustig macht. „Dennoch können wir argumentativ zeigen, dass
sich diese Form von CEO-Humor leider auszahlt – zumindest für Bewertungen
hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens“, sagt Prof. Dr.
König. „Es ist bedauerlich, aber nach wie vor herrscht ein
ellenbogenartiges Führungsrollenverständnis, das der Kapitalmarkt – und
auch die Medien – belohnen.“

„Mit unserer Studie wollen wir keinesfalls sagen, dass CEOs auf
aggressiven Humor setzen sollen“, betont Prof. Dr. König. Vielmehr gehe es
den Forschenden darum, zu erklären, weshalb gewisse Formen von Humor im
Falle von CEOs eine andere Wirkung haben als bislang angenommen.

Die Studie entstand im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojekts zu
Humor von Top-Führungskräften von Prof. Dr. König und Prof. Dr. Björn
Schuller (TU München / Imperial College London). Neben der konzeptionellen
Arbeit geht es dem Team darum, Humor in der externen Kommunikation von
Führungskräften maschinell (algorithmisch) und multimodal zu erfassen und
zu messen. Hierzu verwendet das Team unter anderem Pressekonferenzen von
Fußball-Trainern.

Über das Autoren-Team

Prof. Dr. Andreas König ist Inhaber des Lehrstuhls für BWL mit Schwerpunkt
Strategischem Management, Innovation und Entrepreneurship und
stellvertretender Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs 2720 „Digital
Platform Ecosystems“ an der Universität Passau. Er forscht zu Innovation,
organisationalem Wandel, Strategic Leadership und Strategic Communication.
Einen Fokus legt er auf den Umgang mit diskontinuierlichem technologischem
Wandel, vor allem im Kontext der digitalen Transformation und dem Aufstieg
der künstlichen Intelligenz. Dr. Benno Stöcklein ist heute Head of Human
Resources von FUTRUE, einem internationalen Gesundheitskonzern. Dr.
Dominik Bong, der ebenfalls bei Prof. Dr. König promovierte, ist heute
Head of Business Improvement bei Zalando.

Prof. Dr. König kooperiert mit international renommierten
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich der Top-Management-
Forschung. Dazu zählen Nathan J. Hiller, Management-Professor an der
Florida International University, und Cecily Cooper, Management-
Professorin an der Universität Miami.

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