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Neugier fördert Artenreichtum

Cyphotilapia gibberosa gehört zu den besonders neugierigen Buntbarschen im Tanganjikasee.  Adrian Indermaur  Universität Basel
Cyphotilapia gibberosa gehört zu den besonders neugierigen Buntbarschen im Tanganjikasee. Adrian Indermaur Universität Basel

Buntbarsche zeigen unterschiedlich stark ausgeprägte Neugierde. Die
Ursache dafür liegt in den Genen der Fische, wie Forschende der
Universität Basel im Fachmagazin Science berichten. Diese Eigenschaft
beeinflusst ihre Anpassungsfähigkeit an neue Lebensräume.

Das Neugierverhalten gehört zu den grundlegenden
Persönlichkeitseigenschaften von Tieren und diese beeinflussen unter
anderem ihre Überlebenswahrscheinlichkeit. Beispielsweise können
neugierige Individuen andere Bereiche in ihren Lebensräumen besiedeln als
vorsichtigere Artgenossen. Gleichzeitig setzen sie sich jedoch vermehrt
der Gefahr aus, entdeckt und dann gefressen zu werden.

Neugierverhalten als Evolutionsfaktor

Die Buntbarsche im afrikanischen Tanganjikasee zeigen eine
ausserordentliche Vielfalt an Gestalt, Ernährungsweisen, Lebensraum und
Färbung.  Diese ermöglicht es ihnen, verschiedene ökologische Nischen zu
besiedeln und sich auf diese Weise gegenseitig weniger Konkurrenz zu
machen. Schon lange vermuteten Forschende, dass auch Neugierde die Bildung
von neuen Arten und somit biologischer Vielfalt begünstigt. Ein
Forschungsteam um Prof. Dr. Walter Salzburger von der Universität Basel
hat nun am Beispiel der äusserst artenreichen Buntbarsche im Tanganjikasee
untersucht, welche Rolle Verhaltensunterschiede bei der Anpassung an
unterschiedliche ökologische Nischen spielen.

Während insgesamt neun Monaten erfasste Erstautorin Dr. Carolin Sommer-
Trembo am Südufer des Tanganjikasees in Sambia das sogenannte
Explorationsverhalten von 57 verschiedenen Buntbarscharten. Dafür
zeichnete die Zoologin per Video auf, wie sich die rund 700 im See
gefangenen Buntbarsche in einer für sie neuen Umgebung in Form von grossen
Versuchsbecken verhielten. Danach entliess sie die Tiere wieder in die
freie Wildbahn.

Zurück in Basel, bestimmte Sommer-Trembo auf Basis dieser Videos, welche
Bereiche des Versuchsbeckens jeder Fisch innerhalb von 15 Minuten
erkundete. «Insgesamt zeigten sich grosse Unterschiede im Neugierverhalten
zwischen den einzelnen Buntbarscharten, die sich auch unter
Laborbedingungen bestätigten», sagt sie. Eine genaue Analyse der Daten
ergab einen starken Zusammenhang zwischen dem Neugierverhalten und dem
Lebensraum sowie der Körperform der jeweiligen Buntbarschart. So sind
beispielsweise ufernah-lebende Arten mit gedrungener Körperform
neugieriger als längliche Arten, die sich im offenen Wasser aufhalten.
«Damit rückt tierisches Verhalten als treibende Kraft hinter wichtigen
evolutionären Prozessen in den Fokus», so die Evolutionsbiologin weiter.

Gezielte Mutationen machen die Fische neugieriger

Um die genetische Basis der beobachteten Verhaltensunterschiede bei
Buntbarschen zu untersuchen, entwickelten das Forschungsteam in
Zusammenarbeit mit Dr. Milan Malinsky von der Universität Bern ein neues
Verfahren zur Analyse der vorhandenen Genome, um die Daten von
verschiedenen Arten miteinander vergleichen zu können.

Mit der neuen Methode konnten die Forschenden eine genetische Variation im
Genom der Buntbarsche identifizieren, die eine nahezu perfekte Korrelation
mit dem Neugierverhalten zeigt: Arten mit einem «T» an einer bestimmten
Stelle der DNA sind neugierig, während Arten mit einem «C» wenig
explorativ sind.

Nahmen sich die Forschenden die entsprechende Region im Genom mittels der
Genschere CRISPR/Cas9 vor und bewirkten damit gezielte Mutationen, änderte
sich das Explorationsverhalten der Fische – sie wurden neugieriger.
Ausserdem konnte das Team mithilfe von künstlicher Intelligenz sowie mit
Informationen zur genetischen Variation, zum Körperbau und zum Lebensraum
das Explorationsverhalten von vorher nicht getesteten Buntbarscharten
vorhersagen.

Hinweise auf menschliche Eigenheiten?

Die von den Forschenden identifizierte Genvariation befindet sich in
unmittelbarer Nähe des im Gehirn aktiven Gens cacng5b. Dieses ist die
«fischige» Version eines Gens, das auch in anderen Wirbeltieren vorkommt.
Die menschliche Variante wird beispielsweise mit psychiatrischen
Krankheiten wie Schizophrenie und bipolaren Störungen in Zusammenhang
gebracht, die wiederum mit Persönlichkeitsstörungen korreliert sein
können.

«Wir interessieren uns zwar dafür, wie sich Persönlichkeitsmerkmale im
Tierreich auf Mechanismen der Biodiversität auswirken können», so Carolin
Sommer-Trembo. «Doch wer weiss: Vielleicht lernen wir am Ende auch etwas
über die Grundlagen unserer eigenen Persönlichkeit.»

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Europäischer Architekturpreis geht an die TU Braunschweig

Das Studierendenhaus der TU Braunschweig erhält den Preis der EU für zeitgenössische Architektur  Leonhard Clemens  TU Braunschweig
Das Studierendenhaus der TU Braunschweig erhält den Preis der EU für zeitgenössische Architektur Leonhard Clemens TU Braunschweig

Der Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies
van der Rohe 2024 geht an das Studierendenhaus der Technischen Universität
Braunschweig entworfen von den beiden Architekten Gustav Düsing und Max
Hacke. Der Preis gilt als die renommierteste europäische
Architekturauszeichnung. Das Studierendenhaus ist bereits mit zahlreichen
weiteren Preisen ausgezeichnet worden, unter anderen erhielt es 2023 den
Deutschen Architekturpreis, den DAM Preis für Architektur in Deutschland
2024 und den Architekturpreis des Bundes Deutscher Architektinnen und
Architekten (BDA) Niedersachsen.

Die Jury begründete die Auszeichnung, dass es dem Gebäude gelungen sei
„mit der Fähigkeit Grenzen und Vorurteile in Bezug auf Nachhaltigkeit zu
überwinden und durch eine sorgfältig ausgearbeitete und unnachgiebige
Struktur eine einladende und spielerische Umgebung für Studium,
Zusammenarbeit und Zusammenkunft zu schaffen. Es wurde eine klare
architektonische Idee verfolgt, überarbeitet und an ihre Grenzen gebracht.
Es ist mehr als ein Gebäude, eher ein vielseitiges System, das
technologischen Fortschritt mit einem flexiblen und wiederverwendbaren
Prinzip verbindet.“ Die Technische Universität Braunschweig fördere mit
der Architektur des Studierendenhauses ein Umdenken im aktuellen sozialen,
ökologischen und politischen Kontext.

„Ich bin sehr stolz, mit dem Studierendenhaus einen internationalen
architektonischen Leuchtturm an der TU Braunschweig zu haben, der
europaweit so viel Beachtung findet“, sagt Angela Ittel, Präsidentin der
TU Braunschweig. „Fantastisch ist zum einen, dass das Studierendenhaus aus
einem Wettbewerb unter unseren wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen in der
Architektur hervorgegangen ist und mit seiner hervorragenden und
zukunftsweisenden Architektur die Qualität der Architekturausbildung an
der TU Braunschweig belegt. Zum anderen wird mit dem Studierendenhaus ein
Gebäude ausgezeichnet, das nur für unsere Studierenden da ist und mit
seinen flexiblen Möglichkeiten als Lernort die Zusammenarbeit und den
Austausch in hervorragender Weise fördert. Ein wahres Aushängeschild für
den attraktiven Studienstandort TU Braunschweig.“

Das Studierendenhaus wurde aus insgesamt 362 Arbeiten aus 38 Ländern,
davon 36 aus Deutschland, ausgewählt, die zwischen April 2021 und Mai 2023
fertiggestellt wurden und sich an der Ausschreibung beteiligt hatten. Im
Februar dieses Jahres hatte eine internationale Jury die fünf Finalisten
bekannt gegeben, unter denen sich auch das Studierendenhaus als einziger
Beitrag aus Deutschland befand. Das Studierendenhaus ist erst das zweite
Hochschulgebäude, das den Preis erhält. Im Jahr 2022 wurde das Town House
der Kingston University London mit dem EUmiesAward ausgezeichnet.

Die jüngsten Preisträger
Die beiden Berliner Architekten Gustav Düsing und Max Hacke sind die
jüngsten Preisträger der EUmiesAwards. Beide Architekten waren als
wissenschaftliche Mitarbeiter in der Architektur tätig. Sie gewannen 2017
den internen Wettbewerb, den die TU Braunschweig unter den
wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen der Fakultät Architektur,
Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften ausgelobt hatte.

Die Jury betonte, dass die in die engere Wahl genommenen und die
prämierten Arbeiten ein untrennbares Ganzes bilden. Sie ermöglichen ein
besseres Verständnis der Art und Weise, wie zeitgenössische Architektur
mit Nachhaltigkeit, sozialer Gleichheit, technologischem Fortschritt,
Gesundheit und Wohlbefinden, kulturellem Erhalt, Resilienz und Anpassung,
wirtschaftlicher Machbarkeit und Globalisierung im Rahmen einer ethischen
und ideologischen sowie pragmatischen Praxis umgeht.

Neben dem Mies van der Rohe-Award wurden zwei weitere
Architekturnachwuchspreise vergeben. Die Preisträger*innen wurden am 25.
April im CIVA, dem Informations-, Dokumentations- und Ausstellungszentrum
für Stadt, Architektur, Landschaft und Stadtplanung in Brüssel, Belgien,
im Rahmen der European Conferences on Architectural Policies (ECAP) unter
der belgischen EU-Ratspräsidentschaft bekannt gegeben.

Preisverleihung in Barcelona am 14. Mai
Die Preisverleihung findet am 14. Mai 2024 im Mies van der Rohe-Pavillon
in Barcelona im Rahmen des EUmies Awards Days statt. Auf dem Programm
stehen Vorträge der Preisträger*innen und Finalist*innen, Diskussionen mit
Architekt*innen, Bauherr*innen, politischen Entscheidungsträger*innen und
Jurymitgliedern, sowie eine Ausstellung der 362 Gebäude, die an den
EUmiesAwards 2024 teilgenommen haben. Die Veranstaltung bildet den Auftakt
zu den Barcelona Architecture Weeks.

Über den Mies van der Rohe Award
Mit diesem Preis für zeitgenössische Architektur zeichnet die Europäische
Union gemeinsam mit der Mies van der Rohe Fundation alle zwei Jahre
herausragende Leistungen in der europäischen Architektur aus. Neben dem
mit 60.000 Euro dotierten Hauptpreis vergibt sie einen Sonderpreis an
Nachwuchsarchitekt*innen, der mit 20.000 Euro dotiert ist.

Seit 2001 lobt die EU-Kommission den Preis alle zwei Jahre gemeinsam mit
der Fundació Mies van der Rohe aus. Die Auszeichnung wurde erstmals 1988
vergeben und trug bis 1998 den Namen „Mies-van-der-Rohe-Preis“. Inzwischen
hat sich die modernere Kurzform „EUMiesAward“ durchgesetzt.

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Ukraine Support Tracker: Europas Hilfen zeigen wenig Dynamik

Militärhilfen: Europa vs. USA  Kiel Institut für Weltwirtschaft
Militärhilfen: Europa vs. USA Kiel Institut für Weltwirtschaft

Neue Hilfen Europas an die Ukraine haben in den letzten Monaten kaum
zugelegt, obwohl die der USA komplett zum Erliegen gekommen sind.
Insgesamt haben europäische Länder im Januar und Februar 2024 Hilfen in
Höhe von rund 6 Mrd. Euro an die Ukraine zugewiesen, den Großteil davon
für das Militär. Dies zeigt die jüngste Aktualisierung des Ukraine Support
Trackers, die Hilfen bis zum 29. Februar 2024 erfasst. Europas
Unterstützung in den letzten Monaten reicht bei Weitem nicht aus, um die
Lücke der ausgebliebenden US-Hilfen zu schließen, die vor allem im Bereich
Munition und hier insbesondere bei Artilleriegranaten klafft.

Das neue US-Hilfspaket, das am Wochenende vom Kongress gebilligt wurde,
ist also von entscheidender Bedeutung, aber in den Zahlen noch nicht
enthalten.

Der Ukraine Support Tracker hat seinen Schwerpunkt auf die Messung von
Hilfszuweisungen verlagert. Dabei handelt es sich um konkrete Hilfen, die
bereits geliefert wurden oder zur Lieferung vorgesehen sind. Diese
methodische Verbesserung ist durch bessere und transparentere Daten der
Regierungen möglich geworden. Bisher lag der Fokus aufgrund der Datenlage
auf Zusagen für künftige Hilfen, die in der Regel weniger konkret waren.

„Europa war eindeutig nicht in der Lage, die schwindende US-Hilfe zu
ersetzen. Dies gilt insbesondere bei Munition, da der europäische
Verteidigungssektor nur sehr langsam Produktionskapazitäten aufgebaut hat.
Nach unserer vorläufigen Einschätzung enthält das neue US-Paket rund 23
Mrd. Euro an Militärhilfe für die Ukraine, die das Land auch dringend
benötigt, die aber nur vorübergehend Entlastung bringen. Sollten die USA
Ende 2024 oder 2025 keine weiteren Unterstützungspakete verabschieden,
wird die Ukraine im Jahr 2025 höchstwahrscheinlich mit dem gleichen
Versorgungsengpass wie jetzt konfrontiert sein“, so Christoph Trebesch,
Leiter des Ukraine Support Trackers, anlässlich der jüngsten
Aktualisierung.

Stand 29. Februar haben die europäischen Geber und die EU seit der
Invasion Russlands in der Ukraine vor 2 Jahren Gesamthilfen von 89,9 Mrd.
Euro für militärische, humanitäre und finanzielle Unterstützung
zugewiesen. Die USA kommen auf 67 Mrd. Euro. Seit Sommer 2023 liegen die
Hilfszuweisungen Europas durchweg über denen der USA, da der US-Kongress
seit über einem Jahr keine neuen Ukraine-Hilfen gebilligt hatte.

Europa bei Militärhilfen gleichauf mit USA

Die EU-Hilfsdynamik der Monate Januar und Februar ist vor allem durch
militärische Hilfen getrieben. Deutschland hat mit 2,4 Mrd. Euro sein
größtes militärisches Hilfspaket seit fast einem Jahr auf den Weg
gebracht. Dazu gehören Flugabwehrsysteme, 155-mm-Artillerie und
entsprechende Munition.

Schweden hat mit 0,7 Mrd. Euro sein größtes Militärpaket überhaupt
zugewiesen, das vor allem Kampfausrüstung umfasst. Hohe Militärhilfen
wurden außerdem von den Niederlanden (0,5 Mrd. Euro) und Großbritannien
(0,4 Mrd. Euro) zugewiesen.

Insgesamt beläuft sich die militärische Unterstützung Europas, gemessen an
den Zuweisungen, auf 42 Mrd. Euro. Dies ist vergleichbar mit den
Zuweisungen der USA von 43,1 Mrd. Euro. Insgesamt entfallen 95 Prozent
aller militärischen Hilfszuweisungen an die Ukraine in Höhe von 88 Mrd.
Euro auf die beiden Wirtschaftsblöcke.

„Europa hat in den letzten Monaten aufgeholt und ist nun bei der
Militärhilfe mit den USA auf Augenhöhe. Es war jedoch nicht in der Lage,
die große Lücke zu schließen, die die USA hinterlassen haben, insbesondere
bei der Munition. Für den Rest des Jahres 2024 könnte die westliche
Unterstützung wieder das Niveau von Anfang und Mitte 2023 erreichen, aber
wie es danach weitergeht, ist noch sehr ungewiss“, so Trebesch.

Die lange Phase ohne neues US-Hilfspaket macht sich insbesondere bei
schwerer Munition bemerkbar, die bislang vornehmlich von den USA kam.
Seitens der EU werden vor allem Flugabwehrsysteme bereitgestellt, außerdem
Haubitzen und Kampffahrzeuge wie Panzer.

Über den Ukraine Support Tracker

Der Ukraine Support Tracker erfasst und quantifiziert militärische,
finanzielle und humanitäre Hilfen an die Ukraine seit dem 24. Januar 2022
(aktuell bis Februar 2024). Berücksichtigt sind 41 Länder, spezifisch die
EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7, Australien, Südkorea,
Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, die Türkei, China, Taiwan, Indien und
Island. Erfasst sind Hilfe von den Regierungen dieser Länder, die diese an
die ukrainische Regierung gemacht haben; Hilfen der EU-Kommission und der
Europäischen Investitionsbank sind separat aufgeführt; private Spenden
oder solche internationaler Organisationen wie des IWF sind in der
Hauptdatenbank nicht enthalten. Ebenso nicht mitgezählt sind Hilfen an
Nachbarländer der Ukraine wie Moldawien oder andere Länder – etwa für die
Aufnahme von Geflüchteten.

Datenquellen sind Bekanntgaben offizieller Regierungsstellen und Berichte
internationaler Medien. In Sachmitteln geleistete Hilfe wie zum Beispiel
Medizingüter, Lebensmittel oder militärisches Gerät werden anhand von
Marktpreisen oder Angaben aus früheren Hilfskampagnen geschätzt. In
Zweifelsfällen werden die höheren verfügbaren Werte angesetzt.

Der Ukraine Support Tracker wird laufend erweitert, korrigiert und
verbessert. Anregungen dazu sind sehr willkommen und können gerne an
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. geschickt werden.

Mehr Informationen und die kompletten Daten finden Sie auf der Webseite:
https://www.ifw-kiel.de/de/themendossiers/krieg-gegen-die-ukraine/ukraine-
support-tracker/
.

Mehr zur Methodik des Ukraine Support Trackers steht in einem vertiefenden
Kiel Working Paper (https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/the-ukraine-
support-tracker-which-countries-help-ukraine-and-how-26300/
).

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Bericht des Reanimationsregisters: Weitere Anstrengungen zur Steigerung der Ersthelfenden-Reanimationsquote nötig

Die Quote der Ersthelfenden, also die Anzahl an bereits begonnenen Wiederbelebungsmaßnahmen vor Eintreffen des Rettungsdienstes, betrug im vergangenen Jahr 50 Prozent und lag damit vergleichbar zu 2022.  Dr. Christian Hermanns/DGAI
Die Quote der Ersthelfenden, also die Anzahl an bereits begonnenen Wiederbelebungsmaßnahmen vor Eintreffen des Rettungsdienstes, betrug im vergangenen Jahr 50 Prozent und lag damit vergleichbar zu 2022. Dr. Christian Hermanns/DGAI

Deutschland kann bei der Ersthelfenden-
Reanimationsquote nicht zu den skandinavischen Ländern aufschließen. Diese
Bilanz lässt sich nach dem Jahrestreffen des Deutschen
Reanimationsregisters ziehen, das unter der Trägerschaft der Deutschen
Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) steht. Im
Rahmen des Jahrestreffens in Düsseldorf wurden die aktuellen Zahlen der
außerklinischen Reanimation im Notarzt- und Rettungsdienst aus dem Jahr
2023 vorgestellt.

Die Quote der Ersthelfenden, also die Anzahl an bereits begonnenen
Wiederbelebungsmaßnahmen vor Eintreffen des Rettungsdienstes, betrug im
vergangenen Jahr 50 Prozent und lag damit vergleichbar zu 2022. „Leider
konnte trotz zahlreicher unterschiedlicher Aktivitäten keine weitere
Steigerung beobachtet werden“, bedauert Prof. Dr. Matthias Fischer,
Mitglied des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters.

Mit über 480.000 Datensätzen und allein 40.000 neuen Fällen aus dem Jahr
2023 ist das Deutsche Reanimationsregister die größte notfallmedizinische
Datenbank im deutschsprachigen Raum. Die von den teilnehmenden Notarzt-
und Rettungsdienststandorten eingepflegten Daten für das Jahr 2023, sowie
die einer Referenzgruppe von 46 Notarzt- und Rettungsdiensten, bilden die
Grundlage des jährlichen Berichts. Die Referenzgruppe setzt sich aus
Standorten zusammen, deren Daten eine besonders hohe Qualität aufweisen.
Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik mit 84,6
Millionen Einwohnenden ergibt sich daraus die aktuelle Ersthelfenden-
Reanimationsquote von 50 Prozent.

Schulungen, Aufklärung, Telefon-Reanimation

„Im europäischen Vergleich hinken wir damit weiterhin deutlich hinter den
skandinavischen Ländern her, die eine Quote von über 70 Prozent erreichen.
Das zeigt, dass wir unsere Anstrengungen weiter intensivieren müssen“,
bilanziert Prof. Dr. Fischer.

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V.
(DGAI), die Trägerin des Reanimationsregisters ist, setzt sich mit
Aktivitäten wie der Woche der Wiederbelebung, die jährlich im September
stattfindet, oder den Bad Boller Reanimations- und Notfallgesprächen seit
Jahren aktiv für eine Verbesserung der Reanimationsversorgung ein. Neben
Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen ist die Steigerung der Telefon-
Reanimationen, bei denen Rettungsleitstellen den Anrufer bei der
Durchführung der Herz-Druck-Massage unterstützen, ein wichtiger Schritt,
um die Quote zu steigern.

Da der Herz-Kreislauf-Stillstand zu den zeitkritischsten und komplexesten
Krankheitsbildern in der Notfallmedizin zählt, sollten diese Ergebnisse
ein Ansporn sein, das Qualitätsmanagement im Rettungsdienst weiter
voranzutreiben, so Prof. Dr. Matthias Fischer, der auch Mitglied im
Wissenschaftlichen Arbeitskreis Notfallmedizin der DGAI ist.

Die DGAI ruft alle Beteiligten dazu auf, Schulungs- und
Aufklärungsmaßnahmen zu intensivieren und die Telefon-Reanimationen weiter
auszubauen, um die Überlebenschancen bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-
Stillstand zu erhöhen. Seit Jahren fordern die Expertinnen und Experten in
diesem Zusammenhang auch das regelmäßige Training aller Altersgruppen in
Reanimationsmaßnahmen. „Die Bemühungen, alle Bevölkerungsschichten und
Altersgruppen zu befähigen, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand helfen zu
können, müssen ausgebaut und, wo möglich, gesetzlich verankert werden“,
erklärt Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des
Reanimationsregisters und Sprecher der DGAI-Sektion Notfallmedizin. Die
Wiederbelebungs-Ausbildung von Schülerinnen und Schülern müsse fester
Bestandteil der Lehrpläne werden. Zusätzlich müssten Schulungsangebote
aber auch allen anderen Altersgruppen zur Verfügung gestellt werden, „denn
jeder kann ein Leben retten“, so Gräsner.

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