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Geschichte mit Hightech für alle erlebbar machen

Die Technische Hochschule Bingen und das Museum bei der Kaiserpfalz
Ingelheim arbeiten gemeinsam daran, Geschichte und Exponate mittels
Hightech erlebbar zu machen.

Bingen am Rhein / Ingelheim – Geschichte lebendig zu vermitteln kann bei
2000 Jahre alten empfindlichen Exponaten eine Herausforderung sein. Mit
der Technischen Hochschule Bingen hat das Museum bei der Kaiserpfalz
Ingelheim die perfekte Partnerin gefunden, um mit der Hilfe moderner
Technik Wissen zum Anfassen zu vermitteln.

„Im Museum bei der Kaiserpfalz vermitteln wir unseren Besuchern – und hier
vor allem den Jüngeren unter ihnen – das Wissen um die Geschichte unserer
Region mit Spaß und viel Platz für eigenes Ausprobieren oder „Handwerken“.
Entsprechend bieten wir für jede Zielgruppe ein abwechslungsreiches und
breit gefächertes Programm an“, so Dr. Isabel Kappesser, Leiterin
Sammlungsmanagement / Bildung und Kommunikation. Über ein 3D-Druckprojekt
der Kinderhochschule kam das Museumsteam auf die Idee, die TH Bingen
anzusprechen. Prof. Dr. Clemens Weiß, Professor für Chemie, und seine
Studierenden nahmen die Herausforderung an, die römischen Grabfiguren per
3D-Druck im Miniaturformat nachzubilden. Im Gegensatz zu den lebensgroßen
Originalen können die Besucher*innen die Minifiguren in die Hand nehmen
und Details von nah bestaunen. Das haptische Erlebnis ist insbesondere,
aber nicht nur, für Kinder und Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit
ein Gewinn.

Für die Nacht der Museen hatten sich die Beteiligten etwas Besonderes
ausgedacht: Figuren, die im Dunkeln leuchten. „Beim 3D-Druck kann man
unterschiedliche Verfahren und Materialien verwenden. Für die
Taschenlampenführung haben wir ein fluoreszierendes Material benutzt“,
erläutert Professor Weiß.

Während der Pfingstferien bietet das Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim
gemeinsam mit der Technischen Hochschule Bingen einen Workshop für Kinder
und Jugendliche an. Dort können die jungen Forschenden im so genannten
Tiefziehverfahren Gussformen herstellen, anschließend Gipsfiguren gießen
und diese kreativ gestalten. Dabei können sie sich von den Originalen vor
Ort inspirieren oder ihrer Fantasie freien Lauf lassen. So wird
gleichzeitig Spaß an Technik und Wissen zur Geschichte der Römer*innen in
unserer Region vermittelt.

Die Kooperationspartner haben noch viele Ideen für weitere Projekte. Dabei
spielen Münzen und Kriminalfälle eine Rolle. Mehr wird aber noch nicht
verraten. Auch beim Thema Barrierefreiheit eröffnen sich durch die Technik
neue Möglichkeiten. „Kultur und Technik lassen sich wunderbar verbinden,
um neue Zugänge zu erschließen“, sind sich Kappesser und Weiß einig. Die
Begeisterung, die man den Beteiligten anmerkt, lässt auf weitere spannende
Projekte hoffen.

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Gemeinsam durch das Blockchain-Labyrinth

Die Blockchain-Technologie wird Lieferketten nachhaltig verändern. Die
damit einhergehenden wirtschaftlichen Vorteile sollen aber kein Privileg
großer Konzerne sein: Damit auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von
der Innovationskraft der Blockchain profitieren, zeigt das neu gestartete
Projekt »DUH-IT« KMU aus Dortmund, Unna und Hamm den Weg durch das
Blockchain-Labyrinth – und wird damit zum Vorbild für zahlreiche andere
Regionen.

In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und
Logistik IML und der Technischen Universität Dortmund können KMU in dem
Projekt »Blockchain in der Logistik: Innovationstransfer für die
Modellregion Dortmund-Unna-Hamm« (DUH-IT) erkunden, wie sie die
Blockchain-Technologie optimal in ihr Unternehmen integrieren können. Lab-
Besuche und Demonstrationen sollen die Potenziale der Technologie
veranschaulichen. Darauf aufbauend werden im Projekt grundlegende
Kompetenzen im Bereich der Blockchain-Technologie vermittelt. KMU erhalten
zudem Unterstützung bei der Auswahl und Gestaltung der idealen Blockchain-
Technologie für ihr Unternehmen. Das im März gestartete Projekt will so in
den kommenden drei Jahren über 1000 Unternehmen erreichen und sie durch
das Blockchain-Labyrinth führen – denn die Blockchain-Technologie lebt von
möglichst zahlreichen Anwendern, die gemeinsam ein Blockchain-Ökosystem
erschaffen.

»Das Projekt DUH-IT soll maßgeblich dazu beitragen, die
Zukunftstechnologie Blockchain in die regionale Wirtschaft zu tragen.
Diese ist durch ihr Branchenprofil insbesondere im Bereich Wasserstoff wie
gemacht für den Einsatz der Technologie – daher sind wir überzeugt, dass
die Blockchain hier rasch Potenziale heben wird«, betont Prof. Michael
Henke, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML.

Das Projekt, das vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz
und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen mit rund zwei Millionen Euro
gefördert wird, soll vor allem KMU in Dortmund, Unna und Hamm
unterstützen. Mit dem Kohleausstieg steht diese Region vor besonderen
wirtschaftlichen Herausforderungen, denen mit dem Aufbau einer
westfälischen Wasserstoffwirtschaft begegnet werden soll. Die Region soll
Vorreiter für klimaschonende Energieproduktion werden. Um die Produktion
von vor allem grünem Wasserstoff in der Region voranzutreiben, ist der
Einsatz der Blockchain zentral.

Die technologischen Eigenschaften der Blockchain-Technologie ermöglichen
eine lückenlose Nachweisführung für grünen Wasserstoff von der Erzeugung
bis zum Verbraucher. Das macht die Prozesse in der Wasserstoff-Supply-
Chain transparenter und nachverfolgbar. Nachweise und Zertifikate zur
Erzeugung und Verwendung von grünem Wasserstoff lassen sich sicher in
Blockchain-Netzwerken hinterlegen. Automatisierte Zahlungen zwischen
Wasserstoffproduzenten und Stromversorgern sind durch Smart Contracts
möglich. Ein Blockchain-Netzwerk für Wasserstoff ermöglicht die Abbildung
der gesamten Wertschöpfungskette.

Was für den Wasserstoff im Besonderen gilt, betrifft die Logistik im
Allgemeinen: Daher soll die Teilhabe von Unna und Hamm am Dortmunder
»Innovationsraum Logistik« gestärkt werden. Denn auch hier birgt der
Logistik-Sektor großes Potenzial, das durch den Einsatz von Blockchain in
der mittelständischen Logistik nutzbar gemacht werden soll.

Zur Projektförderung:

Mit dem Aufruf »Regio.NRW – Transformation« aus dem EFRE/JTF-Programm NRW
2021-2027 werden Projekte gefördert, die einen entscheidenden Beitrag dazu
leisten, regionale Transformationsprozesse mit Blick auf die spezifischen
Profile der Regionen erfolgreich zu gestalten. Insgesamt steht ein
Investitionsvolumen von rund 4,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Es speist
sich aus 1,9 Milliarden Euro EU-Mitteln des Europäischen Fonds für
Regionale Entwicklung (EFRE) und des Just Transition Fund (JTF) sowie der
Kofinanzierung des Landes Nordrhein-Westfalen und Eigenanteilen der
Projekte. Unterstützt werden Vorhaben aus den Themenfeldern Innovation,
Nachhaltigkeit, Mittelstandsförderung, Lebensqualität, Mobilität und
Strukturwandel in Kohlerückzugsregionen. Das Projekt DUH-IT wird mit rund
2 Millionen Euro aus diesem Fond gefördert. Projektpartner sind neben dem
Fraunhofer IML der Lehrstuhl für Unternehmenslogistik LFO und der
Lehrstuhl für Förder- und Lagerwesen FLW der TU Dortmund. Weitere
Informationen unter www.efre.nrw

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Buchvorstellung: Onur Erdur und Yvonne Albers zu Intellektuellen in der Postkolonie

Intellektuelle in der Postkolonie:
Libanon, Algerien, Frankreich 1960-1990

Buchvorstellung und Gespräch mit Yvonne Albers und Onur Erdur

Donnerstag, 06. Juni 2024, 18.00 Uhr

Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Gartensaal
Goethestraße 31, 45128 Essen

Viel ist derzeit von postkolonialer Theorie die Rede, vor allem negativ:
Manichäisch, sogar antiaufklärerisch sei ihr Ansatz. Selten wird dabei der
Kontext, in dem diese Theorien entstanden, Objekt genauer Betrachtung. Die
Arabistin Yvonne Albers und der Kulturwissenschaftler Onur Erdur haben nun
Bücher zu zwei solchen Entstehungskontexten vorgelegt.

Albers’ Beirut und die Zeitschrift Mawaqif (2023) erzählt die Geschichte
linker arabischer Intellektueller anhand der titelgebenden
Kulturzeitschrift, die von 1968 bis 1994 zunächst in Beirut und dann im
Pariser Exil erschien. An ihr waren so bedeutende Denker wie Edward Said
und Sadiq Jalal al-Azm als Herausgeber beteiligt. Im Medium der
Zeitschrift spiegeln sich die politischen Umbrüche der arabischen Welt,
von der nationalen Unabhängigkeit über den Sechs-Tage-Krieg und die
iranische Revolution bis zum Bürgerkrieg im Libanon, an deren Ende die
Sozialfigur des Intellektuellen selbst fraglich geworden sein wird.

Onur Erdurs Schule des Südens (2024) wirft dagegen ein neues Licht auf die
Rolle, die die oft gewaltvolle Loslösung nordafrikanischer Länder von der
französischen Kolonialherrschaft in der Entwicklung der französischen
Philosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gespielt hat: Vom
Wehrdienst des jungen Soziologen Pierre Bourdieu im Algerienkrieg über
Michel Foucaults und Roland Barthes prägende Aufhalte in Tunis und
Casablanca bis zu Hélène Cixous oder Jacques Derridas algerischer
Herkunft, die immer wieder Gegenstand ihres Nachdenkens über Identität,
Herkunft und Zugehörigkeit wurde.
Die Veranstaltung bringt diese beiden unterschiedlichen Perspektiven ins
Gespräch, um danach zu fragen, was von ihrer grundstürzenden Befragung des
politischen Denkens heute bleibt.

REFERENT*INNEN
Yvonne Albers, Freie Universität Berlin
Onur Erdur, Humboldt-Universität zu Berlin

MODERATION
Morten Paul, Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)

TEILNAHME
Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

VERANSTALTER
Eine Veranstaltung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) im
Rahmen des 6. Essener Wissenschaftssommers.

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Bundesministerin für Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger weiht den GEOMAR-Neubau ein

Mit dem Einzug des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für
Ozeanforschung Kiel in den von der Staab Architekten GmbH entworfenen
Neubau ist auf dem Kieler Seefischmarkt ein einzigartiger Leuchtturm für
die Meeresforschung entstanden. Heute weiht Bettina Stark-Watzinger,
Bundesministerin für Bildung und Forschung, das Gebäude gemeinsam mit
Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Ulf
Kämpfer, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel, Professorin Dr.
Katja Matthes, Direktorin, und Frank Spiekermann, Verwaltungsdirektor des
GEOMAR, sowie etwa 200 geladenen Gästen feierlich ein.

„Weithin sichtbar, haben die Architekten dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für
Ozeanforschung Kiel einen einzigartigen Rahmen gegeben. Das Gebäude
spiegelt unseren Auftrag und unser Selbstverständnis wider: Unsere Welt
ist der Ozean. Hier werden wir unter optimalen Bedingungen auf nationaler
und internationaler Ebene maßgeblich dazu beitragen, den Ozean vom
Meeresboden bis in die Atmosphäre zu verstehen und nachhaltige Lösungen
für drängende gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Versammelt an
einem Standort werden wir unsere Zusammenarbeit übergreifend und
strategisch ausgerichtet über und mit allen Disziplinen vorantreiben.
Forschungsbereiche, wissenschaftliche Disziplinen, technische Einheiten
und Verwaltung werden schneller und selbstverständlicher planen,
entscheiden, umsetzen und voneinander lernen“, sagt Professorin Dr. Katja
Matthes, Direktorin des GEOMAR. „Wir sind dankbar und freuen uns, von
diesem neu geschaffenen modernen Campus globale Fragestellungen zu
adressieren und uns gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern in aller Welt
für den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Ozeans für kommende
Generationen einzusetzen.“

Heute weiht Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und
Forschung, den GEOMAR-Neubau nach fast 20 Jahren der Vorüberlegungen,
Planungen und Bautätigkeiten gemeinsam mit Daniel Günther,
Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Ulf Kämpfer,
Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel, Professorin Dr. Katja
Matthes, Direktorin, und Frank Spiekermann, Verwaltungsdirektor des
GEOMAR, sowie etwa 200 geladenen Gästen feierlich ein.

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger erklärt: „Die Ozeane
haben eine zentrale Bedeutung für das Leben auf unserem Planeten. Zum
einen für das Klima und die Biodiversität, zum anderen aber auch als
Wirtschafts- und Lebensraum. Daher müssen wir die Meere weiter erforschen,
um sie besser verstehen, schützen und nachhaltig nutzen zu können. Mit
seiner gezielten und umfangreichen Förderung stellt das Bundesministerium
für Bildung und Forschung hierfür die Weichen. Deutschland hat
international eine führende Rolle in der Meeresforschung. Das ist
zuvorderst der Verdienst der exzellenten Arbeit der Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler am GEOMAR. Mit dem Erweiterungsneubau verfügt das
GEOMAR jetzt auch über einen Meeresforschungscampus, der seiner
wissenschaftlichen Exzellenz gerecht wird: Groß, hell und zeitgemäß. Mit
jeder Menge Platz für neue Ziele und besten Bedingungen für innovative
Lösungen zum Schutz der Meere.“

Ministerpräsident Daniel Günther sagt: „Wir sind stolz, eines der besten
meereswissenschaftlichen Institute der Welt in Schleswig-Holstein zu
haben. Mit diesem neuen Campus sichert sich das GEOMAR langfristig einen
Spitzenplatz in der weltweiten Ozeanforschung. Er wird unser Land und die
Stadt Kiel als meereskundlichen Standort noch sichtbarer machen und viele
Talente und Expertinnen und Experten zu uns in den echten Norden führen.
Als Land zwischen zwei Meeren liegt uns sehr viel daran, hier beste
Arbeitsbedingungen zu bieten. Der maritime Bereich hat für Schleswig-
Holstein strategisch höchste Bedeutung. Daher haben wir als Land sehr
gerne in diese Erweiterung investiert.“

Seit dem Einzug Ende 2023 sind alle vier Forschungsbereiche des GEOMAR,
Verwaltung und zentrale Einrichtungen an einem Standort auf dem Kieler
Ostufer vereint. Die moderne Infrastruktur mit verschiedenen Laboren,
Klimakammern und Seewasser-Anschluss sowie Konferenzbereich, Bibliothek,
Rechenzentrum und zahlreiche Orte für den wissenschaftlichen Austausch
fördert die Exzellenz der wissenschaftlichen Arbeit am GEOMAR. Das von der
Staab Architekten GmbH entworfene Gebäude entwickelt eine Strahlkraft weit
über die Landeshauptstadt Kiel hinaus. Die Gesamtkosten für das Projekt in
Höhe von etwa 140 Millionen Euro (netto) werden zu 90 Prozent vom Bund und
10 Prozent vom Land Schleswig-Holstein getragen.

Zur Einweihungszeremonie ertönt passend zum Standort und zum Gebäude das
Typhon, das auch den Beginn der Kieler Woche lautstark ankündigt.
Natürlich darf eine Antwort der Forschungsschiffe des GEOMAR nicht fehlen
– denn von ihrem Heimathafen Kiel aus erforschen Wissenschaftler:innen des
GEOMAR das globale Ozean-System in seiner Gesamtheit vom Meeresboden bis
zur Atmosphäre.

Dr. Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel sagt: „Das
Signal des Typhons ist ohnehin schon Musik in meinen Ohren, weil wir damit
jährlich unsere einzigartige Kieler Woche eröffnen. Nun markiert es auch
noch den offiziellen Start für die Zukunftsfähigkeit der Ozeanforschung in
diesem modernen Neubau, zu dem ich herzlich gratuliere. Sowohl mit unserem
vielfältigen Sommerfestival als auch mit dieser hervorragenden
Forschungsstätte sind wir weit über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar – das
macht uns als Landeshauptstadt attraktiv und stärkt unseren Ruf als
Meeresschutzstadt. Diese Expertise ist für uns ein Glücksfall und soll
auch einfließen in den Entwicklungsprozess unseres geplanten
Meeresvisualisierungszentrums.

Einblicke in die vielfältigen Forschungsthemen des GEOMAR

Beispiele für aktuelle Themen des GEOMAR lernen Gäste nach der
Einweihungszeremonie kennen. Hierzu zählt die Erforschung von Ansätzen für
die Aufnahme und Speicherung von Kohlendioxid im Ozean zur Minderung des
Klimawandels, etwa in der am GEOMAR koordinierten und vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten
Forschungsmission „Marine Kohlenstoffspeicher als Weg zur
Dekarbonisierung“ (CDRmare) der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM),
sowie in vielen weiteren nationalen und internationalen Projekten.

Ebenfalls vorgestellt werden Arbeiten zur Bergung von Munitionsaltlasten
aus Ost- und Nordsee mit dem am GEOMAR koordinierten Forschungsverbund
CONcepts for conventional MArine Munition Remediation in the German North
and Baltic Sea (CONMAR, Konzepte zur Sanierung konventioneller
Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee) der DAM-Forschungsmission „Schutz
und nachhaltige Nutzung mariner Räume“ (sustainMare). Zudem werden
Forschungsarbeiten zu Rohstoffquellen und dem Schutz der Tiefsee im
Projekt „MiningImpact“ der europäischen Joint Programming Initiative
Healthy and Productive Seas and Oceans (JPI Oceans) sowie das Engagement
des GEOMAR in Bezug auf Prozesse bei der Internationalen
Meeresbodenbehörde (ISA) präsentiert. Neue Ansätze für die Nutzung und
Aufbereitung von Mess- und Beobachtungsdaten werden anhand Digitaler
Zwillinge zur Erforschung von Was-wäre-wenn-Szenarien und verschiedener
Datenplattformen gezeigt. Der Technologietransfer des GEOMAR stellt sich
mit den Aspekten Künstliche Intelligenz, etwa dem Roboter-Spürhund SPOT-
KI, und Ozeanbeobachtung vor.

Ein besonderer Schwerpunkt gilt der Forschung in Cabo Verde, wo das GEOMAR
seit nahezu 20 Jahren eng mit Wissenschaft, Politik und Gesellschaft
zusammenarbeitet. Seit 2017 wird das Ocean Science Centre Mindelo (OSCM)
als Basis für Feldforschung im tropischen Nordostatlantik,
wissenschaftlichen Austausch sowie universitäre Ausbildung und
Netzwerkbildung mit Westafrika betrieben. So wird in Mindelo auch das
internationale Masterprogramm „Climate Change and Marine Sciences“ für
junge Forschende aus Westafrika angeboten, welches das BMBF im Rahmen des
West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use
(WASCAL) fördert. In dieser mit dem Auftriebsgebiet global wie regional
bedeutenden Meeresregion planen das GEOMAR und seine internationalen
Partner unter enger Einbindung der regionalen Expertise die ganzjährige
Forschungsmission „Die Zukunft der Auftriebsgebiete im tropischen
Atlantischen Ozean“ (Future of Tropical Upwelling Regions in the Atlantic
Ocean, FUTURO). Die Bedeutung der Forschung in Cabo Verde und des OSCM für
die Region unterstreicht auch die musikalische Umrahmung der
Einweihungsfeier.

„Dieser Tag der Freude ist auch ein Tag des Rückblicks“, erklärt GEOMAR-
Direktorin Professorin Dr. Katja Matthes. „Wir danken denjenigen, die das
GEOMAR über die Jahrzehnte zu einer international führenden Einrichtung
gemacht haben. Wir sind stolz auf die Bestnoten und die Motivation, die
wir bei Begutachtungen erhalten und werden weiterhin mit Neugier und
Gestaltungswillen die Entwicklung und Verzahnung der Kieler
Meereswissenschaften vorantreiben. Für ihre fortwährende Unterstützung
danken wir heute insbesondere dem Bundesministerium für Bildung und
Forschung und dem Land Schleswig-Holstein.“

Rückblick: Aus zwei Standorten wird ein weltweit führendes
Forschungszentrum

Mit dem Einzug ins neue Gebäude endete die Phase einer räumlichen
Aufteilung des heutigen GEOMAR. Seine Wurzeln reichen zurück bis zur
Gründung des „Laboratorium für die Internationale Meeresforschung“ durch
Otto Krümmel im Jahr 1902. Ein erstes „Institut für Meereskunde“ entstand
1937 in Kitzeberg als Institut der Christian-Albrechts-Universität zu
Kiel. Nach einem Bombenangriff, bei dem der damalige Leiter Hermann
Wattenberg und neun weitere Kollegen ums Leben kamen, setzen die
Forschenden ihre Arbeit unter der Leitung von Georg Wüst ab 1946 in der
Hohenbergstraße in Kiel-Düsternbrook fort.

Neben seinem Schwerpunkt auf der physikalischen Ozeanographie deckte das
„Institut für Meereskunde“ eine Bandbreite chemischer und biologischer
Fragestellungen ab. Im Jahr 1968 wurde es in ein Institut der „Blauen
Liste“ (der späteren Leibniz-Gemeinschaft) überführt und damit unter die
Trägerschaft des Landes Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik
Deutschland gestellt. 1972 erhielt es sein eigenes Gebäude mit Aquarium
und Seehundbecken direkt an der Kiellinie.

Mit erstarkendem Interesse an meeresgeologischen Themen ab den 1960er
Jahren entstanden an der Kieler Universität mehrere Initiativen, die das
Wissen über den Meeresboden und bis ins Erdinnere reichende Prozesse
erweiterten. Schließlich empfahl eine Arbeitsgruppe der Geokommission des
Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 1984 die Gründung eines
eigenen Instituts. Dieser Empfehlung folgend, sprach sich der Schleswig-
Holsteinische Landtag im Juli 1987 einstimmig für ein „Forschungszentrum
für Marine Geowissenschaften GEOMAR“ als Stiftung des öffentlichen Rechts
in Kiel aus. Zum Gründungsdirektor wurde Professor Dr. Jörn Thiede
berufen.

Keimzelle des damaligen GEOMAR war das Gebäude 4 auf dem Seefischmarkt.
Der neue Zweig wuchs schnell und dehnte sich auf weitere Gebäude auf dem
Gelände aus. 1996 wurde nach nur vier Jahren Bauzeit Gebäude 8 fertig
gestellt.

Die Idee einer Zusammenlegung der beiden Standorte war bereits 2004 bei
der Gründung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR aus
dem Institut für Meereskunde (IfM) und dem Forschungszentrum für Marine
Geowissenschaften GEOMAR präsent. Der Wechsel von der Leibniz- in die
Helmholtz-Gemeinschaft erforderte jedoch einen Neustart des
Planungsprozesses. Schließlich konnte 2012 ein Architektur-Wettbewerb
ausgelobt werden, in dessen Rahmen die Staab Architekten GmbH mit ihrem
Entwurf überzeugte.

Der erste Spatenstich für den Neubau wurde am 27. März 2017 gefeiert. Am
28. September 2021 wurden das Zentrale Probenlager und das Parkhaus
eingeweiht. Für einen Rückschlag sorgte der bei Dacharbeiten am 13.
September 2022 ausgebrochene Brand, der noch vor dem Umzug
Sanierungsarbeiten an der Fassade und in einigen Innenräumen erforderte.
Dennoch konnte der Umzug bis Ende 2023 weitgehend abgeschlossen werden.
Als letzter Baustein des Projekts wird im Frühjahr 2025 die 1400 Meter
lange Seewasserleitung in Betrieb genommen.

Fakten zum GEOMAR-Neubau

•       5 Türme, Länge insgesamt 128 Meter, Breite insgesamt 63 Meter,
Höhe bis 26 Meter
•       Nutzfläche: ca. 15.500 Quadratmeter
•       21 Konferenz- und Besprechungsräume
•       230 Büros für etwa 500 Mitarbeitende
•       166 Labore und 18 Klimakammern
•       Seewasserleitung: ca. 1.400 Meter
•       Seewasserbecken: 200 Kubikmeter
•       2 Liegeplätze für Forschungsschiffe
•       eine der größten meereswissenschaftlichen öffentlichen
Bibliotheken Deutschlands
•       Rechenzentrum mit aktuell fünf Petabyte Speicherplatz

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