Die Schlauchalge Vaucheria bursata gilt in Deutschland als ungefährdet Dr. Karl-Heinz Linne von Berg
Mit dem Portal „Algen Deutschlands“ wird es künftig leichter, Beobachtungsdaten von Algen zu erfassen und für den Naturschutz und die Roten Listen zu verwenden. Zu seinem Start im März 2024 enthält das Portal bereits 71.000 Nachweisdaten zu verschiedenen Gruppen von Süßwasseralgen. Beobachtungsdaten zu den marinen Makroalgen und den Dinoflagellaten Deutschlands sollen folgen. Geprüfte Daten werden für Zwecke des Naturschutzes, für wissenschaftliche Auswertungen und für die Erstellung der Roten Listen Deutschlands verwendet. Der Besuch des Webportals steht grundsätzlich allen Privatpersonen oder Institutionen offen, für die Nutzung wird keine Gebühr erhoben: https://algen.rotelistezentrum.de/
Das Portal „Algen Deutschlands“ führt Beobachtungs- und Sammlungsdaten aus ganz Deutschland zusammen. Mit seinem Start im März 2024 enthält es bereits rund 71.000 Datensätze zu insgesamt 106 Taxa, hauptsächlich Arten aus den Gruppen der Armleuchteralgen und Schlauchalgen. Daten zu limnischen Braun- und Rotalgen, Zieralgen und Kieselalgen sowie zu den marinen Makroalgen werden folgen. Sie stammen u.a. von Landesämtern, dem Leibniz Institute for Baltic Sea Research Warnemünde sowie von Privatleuten. In Vorbereitung der nächsten Roten Listen werden kontinuierlich weitere Daten eingepflegt.
Mit Hilfe des Portals wird erstmals auch eine Darstellung zur Nachweissituation der Dinoflagellaten in Deutschland vorbereitet. Die mikroskopisch kleinen, einzelligen Lebewesen sind stammesgeschichtlich weder mit den Pflanzen noch mit den Tieren näher verwandt. Sie kommen in allen Gewässertypen im Plankton vor und sind Hauptverursacher toxischer Algenblüten.
„Algen Deutschlands“ ist ein Portal für all diejenigen, die Nachweisdaten zu Algen online eingeben und sich dazu mit weiteren Fachleuten austauschen wollen. Registrierte Nutzer und Nutzerinnen können dort Einzelbeobachtungen punktgenau hochladen oder auch Kartier-/Artenlisten anlegen, die eine schnelle Dateneingabe zu mehreren Arten an einem Ort ermöglichen. Darüber hinaus bietet das Portal die Möglichkeit, sich die eigenen sowie die aggregierten Nachweisdaten anderer Beobachterinnen und Beobachter kartografisch darstellen zu lassen.
Das Portal wird vom Rote-Liste-Zentrum technisch betreut, fachliche Betreiberin ist die GEFD (Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands e.V).
„Algen Deutschlands“ ist das jüngste Mitglied einer Familie von Portalen, die das Rote-Liste-Zentrum in den letzten drei Jahren eingerichtet hat. Vergleichbare Plattformen gibt es bereits zu den Mollusken, den Flechten, den Moosen sowie den Netzflüglern Deutschlands. Auftraggeber ist das Bundesamt für Naturschutz, finanziert mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.
Rote Listen sind wissenschaftliche Fachgutachten und dienen insbesondere der Information der Öffentlichkeit über die Gefährdungssituation der Arten. Sie sind u.a. Datenquelle für gesetzgeberische Maßnahmen, Grundlage und Argumentationshilfe für raum- und umweltrelevante Planungen und zeigen Handlungsbedarf für die Erhaltung von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten auf. Die Roten Listen der Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands werden vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) herausgegeben. Das Rote-Liste-Zentrum koordiniert im Auftrag des BfN seit 2019 die Erstellung der bundesweiten Roten Listen. Es begleitet und unterstützt die jeweiligen Expertinnen und Experten fachlich, organisatorisch und finanziell. Das Rote-Liste-Zentrum ist im DLR Projektträger, Bonn, angesiedelt.
Genaues Messen für mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit – internationale Experten diskutieren am Center for Applied Energy Research zu Fragen des Messwesens in der Wasserstoffwirtschaft. Am 12. bis 13.03.2024 diskutierten am Center for Applied Energy Research (CAE) in Würzburg die Projektpartner des EU-geförderten Projekts „Metrology for the Hydrogen Supply Chain“ (Met4H2), d.h. Vertreter der europäischen metrologischen Staatsinstitute, Forschungseinrichtungen und ausgewählte Industriepartner, zu aktuellen Fragen der Messtechnik für das zukünftige Wasserstoff-Netz.
Zur Etablierung der Wasserstoffwirtschaft in Europa ist zur Erzeugung, Transport, Speicherung und Verwendung von Wasserstoff erweiterte messtechnische Expertise notwendig. Diese wird benötigt um einen sicheren Betrieb der Wasserstoffinfrastruktur und eine zuverlässige und genaue Abrechnung des Energieträgers Wasserstoffs zu gewährleisten. Am CAE wird dazu im Rahmen des Projekts Met4H2 eine anwendungsnahe Messanlage zur Untersuchung der Leistungsfähigkeit von Dichtungsmaterialien entwickelt. Dabei sollen Messungen vor allem auch bei hohen Gasdrücken durchgeführt werden können, welche beispielsweise zur effizienten Speicherung von Wasserstoff nötig sind. Die Projektergebnisse fließen letztendlich in die praktische Anwendung und in die Arbeiten von Normungsgremien ein.
Im Anschluss an das Met4H2-Projekttreffen veranstaltete das CAE einen eintägigen internationalen Workshop zum Thema „Thermal Management in the Hydrogen Supply Chain – Applications and Measurement Techniques“. Der Workshop nahm dabei besonderen Bezug auf die analytischen Herausforderungen im Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur und richtete sich insbesondere an Interessengruppen aus der Industrie. Die Referenten des Workshops begeisterten mit ihrer langjährigen Erfahrung und Fachwissen die Teilnehmer zu aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Wasserstoffsektor. Die Reihe der Vorträge befasste sich mit Themen wie Sicherheitsaspekte in der Wasserstoffversorgung, relevante Messtechnik und Materialeigenschaften unter Wasserstoffeinfluss sowie den Einfluss von Wasserstoff auf den Energiesektor als Ganzes. Der verantwortliche CAE-Wissenschaftler, Dr. Frank Lotter, zeigte sich begeistert zu beiden Veranstaltungen: „Mit dem Met4H2-Projekt erarbeiten wir gemeinsam ein solides messtechnisches Fundament für die Wasserstoffwirtschaft der Zukunft. Die Veranstaltungen vor Ort ermöglichten uns, das CAE als internationalen Ansprechpartner zu messtechnischen Fragestellungen des Wasserstoffsektors zu etablieren.“
Institutsprofil: Das Center for Applied Energy Research e.V. (CAE) zielt mit seinen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten darauf ab, Ideen in Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen und weiteren Forschungspartnern in die Praxis zu überführen und so einen möglichst großen Beitrag für ein nachhaltiges, CO2-emissionsfreies und wirtschaftliches Energiesystem zu leisten. Das CAE bildet dabei eine Brückenfunktion zwischen grundlagenorientierter Forschung und marktnaher Entwicklung. Das Institut ist Mitglied im ForschungsVerbund Erneuerbare Energien (FVEE) und der ZUSE-Gemeinschaft.
Das CAE leistet mit seinen Arbeitsgruppen „Klimaneutrale Gebäude und Quartiere“, „Smarte Funktionale Materialien“, „Advanced Thermal Management“, „Sensorik für die Energie- und Wasserstofftechnik“ und „Energiesystemmanagement und Technologieintegration“ notwendige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Industrie und setzt neue Innovationsimpulse. In einem eigenen Innovation Hub werden die Zukunftsthemen „Wasserstofftechnologie“ und „Digitalisierung in der Energietechnik“ gesondert unterstützt und Synergieeffekte erzielt. Im CAE eigenen „Guided Makerspace“ erhalten junge Unternehmen schnellen und unbürokratischen Zugang zu wissenschaftlichen Maschinen und Versuchsständen sowie zu Experten der CAE-Kernkompetenzfelder.
Dr. med. Tim Knochenhauer, Assistenzarzt, an der Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg (Direktor: Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner) UKE
Mehr Patientensicherheit durch neue Biomarker: Forscher des Universitären Herz- und Gefäßzentrums Hamburg erhalten renommierte Dr. Rusche- Projektförderung der Deutschen Stiftung für Herzforschung
Pro Jahr werden in Deutschland rund 88.100 Herzoperationen (2021) durchgeführt. Allein zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit (KHK) und des Herzinfarkts sind für das Jahr 2021 über 36.000 Bypass-Operationen (isoliert und kombiniert) und zur Behandlung von Aortenklappenerkrankungen über 13.200 operative Eingriffe (isoliert und kombiniert) zu verzeichnen (Deutscher Herzbericht 2022). Im Rahmen einer herzchirurgischen Operation kann es zu einer Herzmuskelverletzung kommen, wodurch kardiale Biomarker wie beispielsweise das hochsensitive Troponin in das Blut freigesetzt und dort nachgewiesen werden können. Troponin kann dabei auf eine Minderdurchblutung des Herzmuskels hindeuten, die auf eine mechanische Verletzung des Herzmuskels im Zuge des chirurgischen Eingriffs, aber nicht unbedingt auf einen Herzinfarkt zurückführen ist. „Im klinischen Alltag ist es extrem wichtig, einen im Zuge der Operation erwartbaren Anstieg kardialer Biomarker wie Troponin von einem unerwünschten Troponin-Anstieg nach einem Herzinfarkt in zeitlicher Nähe zur Herz-OP sofort unterscheiden zu können“, betont der Herzchirurg Prof. Dr. Armin Welz, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF). „Wir fördern deshalb innovative Forschung zur Entwicklung schneller und spezifischer Diagnoseverfahren in diesem Bereich – aktuell im Rahmen der Dr. Rusche Projektförderung.“ Infos zur Forschungsförderung unter https://www.herzstiftung.de/forschung-und-foerderung
Dynamik kardialer Biomarker während Herz-OP besser verstehen Um mehr Erkenntnisse für ein effizienteres Testverfahren zu gewinnen, untersucht ein Forscher-Team um Dr. med. Tim Knochenhauer, Assistenzarzt an der Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg (Direktor: Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner), die Dynamik kardialer Biomarker nach herzchirurgischen Eingriffen. Das Forschungsvorhaben „B-ACS – Biomarkers After Cardiac Surgery“ wurde mit der renommierten Dr. Rusche-Projektförderung der DSHF auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) ausgezeichnet (Dotation: 60.000 Euro). „Unser Ziel ist es, die Dynamik neuer und etablierter Biomarker bei herzchirurgischen Eingriffen noch besser zu verstehen. Nur so können wir nach einer Operation eine relevante Herzmuskelschädigung infolge einer Minderdurchblutung des Herzens, beispielsweise einen Herzinfarkt, schneller und gezielter feststellen und behandeln“, erklärt Dr. Knochenhauer zum Dr. Rusche-Förderprojekt.
Normaler OP-Effekt oder Gefahr für das Herz in Verzug? In der alltäglichen Diagnostik eines Herzinfarktes ist die Untersuchung von im Blut messbaren Biomarkern, vor allem dem hochsensitiven kardialen Troponin, längst etabliert. Serielle Troponinmessungen können inzwischen mit hoher Genauigkeit einen Herzinfarkt bestätigen oder ausschließen. Alternative Ursachen für einen Troponinanstieg im Blut nach herzchirurgischen Operationen sind beispielsweise die mechanische Manipulation am Herzmuskel oder die Operation am nicht-schlagenden Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Aktuell hat die Europäische Gesellschaft für Herz-Thorax-Chirurgie (EACTS) in einem Konsensuspapier (1) zum Myokardinfarkt im zeitlichen Umfeld einer Herzoperation (perioperativer Myokardinfarkt, kurz „PMI“) eine Empfehlung mit Grenzwerten etablierter kardialer Biomarker (Kreatinkinase „CK“, die MB-Unterform „CK-MB“ und Troponin) publiziert. Grenzwerte („Cut-off- Werte“) sind für eine Unterscheidung zwischen negativem oder positivem Befund wichtig. „Allerdings beziehen sich die Empfehlungen ,nur‘ auf die etablierten Biomarker, nicht aber auf weitere weniger etablierte Marker. Diese möchten wir im Rahmen der Diagnosestellung eines PMI erforschen “, sagt Dr. Knochenhauer. Auch seien viele der diagnostischen Empfehlungen aufgrund der aktuellen Datenlage verbunden mit einer Troponinkontrolle zum Zeitpunkt postoperativ und 24 Stunden später. Eine Myokardischämie gelte es jedoch so früh wie möglich, bereits in der frühen postoperativen Phase, festzustellen, um die Sterblichkeit und das Therapieergebnis („Outcome“) nach einer Bypassoperation zu verbessern, betont der Arzt und Forscher am UKE. „Ein perioperativer Herzinfarkt ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden und erfordert eine unmittelbare Therapie mit rascher Verbesserung der Durchblutung.“ Zur Diagnose des PMI ist die Zusammenschau mehrerer Befunde (Biomarker, Symptomatik, EKG, Echokardiographie) notwendig. Für Ärzt:innen stellt ein PMI zudem eine Herausforderung dar, „weil die typischen Herzinfarkt- Symptome aufgrund von Narkose, Sedierung im Zuge der Operation fehlen oder Schmerzen im Brustkorb aufgrund des Eingriffs fehlinterpretiert werden könnten“, erklärt Dr. Knochenhauer. Die B-ACS-Studie soll zur schnelleren Diagnose des PMI beitragen und dabei helfen, weitere bisher nicht- etablierter Biomarker zu identifizieren.
Erste Untersuchungen bei Patient:innen nach Bypass- und Herzklappen- Operation In einer Pilotphase der B-ACS Studie von April bis November 2022 wurden bereits 412 Patient:innen nach herzchirurgischem Eingriff (Bypass -/Herzklappen-OP) eingeschlossen und untersucht. In dieser Kohorte konnten Knochenhauer und Kolleg:innen bereits signifikante Unterschiede in der Troponinveränderung nach der Operation zwischen Patient:innen mit und ohne aufgetretenem Herzinfarkt nachweisen. Zudem konnten sie zeigen, dass die höchsten Troponinwerte im Durchschnitt vier Stunden nach herzchirurgischem Eingriff nachzuweisen waren. Überdies wiesen männliche und weibliche Patient:innen innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Operation zu allen untersuchten Zeitpunkten signifikante Unterschiede zwischen den Troponinwerten auf, wobei bei Frauen höhere Werte gemessen wurden. Basierend auf der Pilotstudie wird nun eine Fortführung der Studie geplant, um auch eine Nachbeobachtung der Studienteilnehmenden zu ermöglichen und eine Biobank mit Blut- und Gewebeproben aufzubauen. Die hierfür gewonnenen Biomaterialien sollen zur Erforschung noch nicht etablierter Biomarker und deren Nutzen für eine schnellere und spezifische Diagnostik eines Herzinfarktes nach herzchirurgischem Eingriff verwendet werden. Die Hamburger Herzforscher planen, die Studienkohorte auf über 1.500 Teilnehmende zu erweitern. (wi)
Literatur
(1) Gaudino M. et al, cardiothorac Surg 2024; doi:10.1093/ejcts/ezad415.
Forschung nah am Patienten Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter, Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF) Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos zur Forschungsförderung der Deutschen Herzstiftung: https://www.herzstiftung.de/forschung-und- foerderung
Die 2008 eingerichtete „Dr. Rusche-Projektförderung“ ist mit 60.000 Euro dotiert und wird jährlich von der DSHF zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vergeben. Benannt ist der Stiftungsfonds nach dem Internisten Dr. Ortwin Rusche (1938 bis 2007) aus Bad Soden, der die DSHF in seinem Testament bedachte, um Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Herzchirurgie zu fördern. Bewerben können sich junge Wissenschaftlerinnern und Wissenschaftler, die in Deutschland auf dem Gebiet der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie tätig sind. Infos unter: https://www.dshf.de
Das Projekt „Schülerinnen und Schüler retten Leben“ ist aus vielen Schulen in Stadt und Landkreis Regensburg nicht mehr wegzudenken. Initiiert vom Universitätsklinikum Regensburg (UKR) und vom Rettungszentrum Regensburg (RZR), werden hier junge Menschen mit den Grundlagen der Wiederbelebung vertraut gemacht. Um die Ausbildung der Schüler kontinuierlich und an möglichst allen Schulen zu gewährleisten, werden immer wieder neue Übungspuppen benötigt, die durch Spenden finanziert werden. Stellvertretend für alle teilnehmenden Schulen wurden heute neue Reanimationspuppen an die Realschule am Judenstein in Regensburg übergeben.
„Zeit spielt die entscheidende Rolle bei einem Herzstillstand. Ist jemand in der Nähe, der das Einmaleins der Wiederbelebung beherrscht, erhöht das die Überlebenschancen des Betroffenen entscheidend, da jede Sekunde zählt“, erklärt Professor Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Regensburg sowie Vorsitzender des Rettungszentrums Regensburg und Initiator des Projektes. Im Ernstfall können selbstverständlich nicht nur Erwachsene, sondern auch Schulkinder und Jugendliche diese Aufgabe erfolgreich übernehmen. Doch wie auch bei Erwachsenen benötigen sie fundierte Kenntnisse und Übung, um im Fall der Fälle entscheidende lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen. Aus diesem Grund haben Rettungszentrum und Universitätsklinikum Regensburg 2017 in Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis Regensburg das Projekt „Schülerinnen und Schüler retten Leben in Stadt und Landkreis“ gestartet. Weil neben den Schülern auch die Ausrüstung immer auf dem neuesten Stand sein muss und um möglichst allen Schulen die Teilnahme an diesem Projekt zu ermöglichen, wurde vor etwa einem Jahr eine weitere Spendenkampagne gestartet, um neue Rettungspuppen zu finanzieren. Das Ergebnis ist beeindruckend: mit einer Spendensumme in Höhe von 6.100 Euro wurden 112 neue Übungspuppen und Ersatzmaterialien angeschafft und übergeben. Symbolisch für alle teilnehmenden Schulen erhielt heute die Realschule am Judenstein in Regensburg ihre neue Übungsausstattung.
Ziel der Aktion „Prüfen – Rufen – Drücken“ ist es einerseits Lehrkräfte am Universitätsklinikum Regensburg als Multiplikatoren zu schulen, damit diese ihre Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse wiederholt sowohl theoretisch als auch durch praktische Übungen an den Übungspuppen mit den Grundlagen der Wiederbelebung vertraut machen und sie so für die Reanimation zu sensibilisieren. „Wir wollen Barrieren abbauen und die Schüler durch regelmäßiges Training ermutigen, im Notfall selbst die Initiative zu ergreifen. Denn man kann nur einen Fehler bei einem Herz- Kreislauf-Stillstand machen, nämlich nichts zu tun, bis professionelle Hilfe eintrifft. Es ist so einfach durch ‚Prüfen – Rufen – Drücken‘ ein Leben zu retten, und ihr könnt dies auch“, appelliert Professor Graf an die Schülerinnen und Schüler.
Jährliche Auffrischung der Kenntnisse
Im Projekt „Schülerinnen und Schüler retten Leben“ werden Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe mindestens einmal jährlich in Theorie und Praxis zur Herz-Kreislauf-Wiederbelebung geschult. Um dieses praktische Training durchzuführen und weitere Ersthelfer auszubilden, wurden weitere Übungspuppen benötigt und durch drei Spender finanziert. „Dieses Projekt liefert einen sehr wertvollen Dienst an unserer Gesellschaft. Kinder lernen von klein auf, was es bedeutet, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen, ihnen zu helfen. Ich möchte den Lehrern und Schülern danken, dass sie dieses Projekt mit großem Engagement unterstützen“, so Landrätin Tanja Schweiger. Insgesamt 31 Gymnasien, Realschulen, Mittelschulen, Förderschulen, FOS/BOS, Wirtschafts- und Berufsschulen beteiligen sich an diesem Projekt. „Wir sind allen Spendern und allen Beteiligten sehr dankbar. Ihr Einsatz ist es, der den Schülern Wertvolles fürs ganze Leben mitgibt und im Ernstfall Menschenleben retten kann. Die große Bereitschaft zu helfen zeigt uns, dass uns unsere Mitmenschen zum Glück nicht egal sind“, resümiert Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer
Realschule am Judenstein: Schüler und Lehrer voller Eifer dabei
Bereits seit 2021 stehen „Prüfen – Rufen – Drücken“ auch auf dem Lehrplan des Biologieunterrichts der Schüler der 7. Jahrgansstufe der Realschule am Judenstein. „Wir wollen gezielt unsere Schülerinnen und Schüler mit dem Thema Wiederbelebung vertraut machen. Soziale Empathie ist ein wertvolles Rüstzeug für ihre weitere Zukunft und da gehört Hilfe für Menschen in Notsituationen dazu“, erklärt Michael Kessner, Direktor der Realschule am Judenstein in Regensburg. Aus diesem Grund steht auch für die Abschlussklassen eine Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse im Rahmen der Aktionswoche „Fit for Life“ auf dem Programm. Wie hoch der Stellenwert an der Schule ist, verdeutlicht auch der Umstand, dass auch 15 Lehrkräfte an einer Wiederbelebungs-Fortbildung am UKR teilgenommen haben, um mit ihrem Wissen die Ausbildung neuer Schulsanitäter zu unterstützen.