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Neues Portal „Algen Deutschlands“ geht mit Daten zu Süßwasseralgen an den Start

Die Schlauchalge Vaucheria bursata gilt in Deutschland als ungefährdet  Dr. Karl-Heinz Linne von Berg
Die Schlauchalge Vaucheria bursata gilt in Deutschland als ungefährdet Dr. Karl-Heinz Linne von Berg

Mit dem Portal „Algen Deutschlands“ wird es künftig leichter,
Beobachtungsdaten von Algen zu erfassen und für den Naturschutz und die
Roten Listen zu verwenden. Zu seinem Start im März 2024 enthält das Portal
bereits 71.000 Nachweisdaten zu verschiedenen Gruppen von Süßwasseralgen.
Beobachtungsdaten zu den marinen Makroalgen und den Dinoflagellaten
Deutschlands sollen folgen. Geprüfte Daten werden für Zwecke des
Naturschutzes, für wissenschaftliche Auswertungen und für die Erstellung
der Roten Listen Deutschlands verwendet. Der Besuch des Webportals steht
grundsätzlich allen Privatpersonen oder Institutionen offen, für die
Nutzung wird keine Gebühr erhoben: https://algen.rotelistezentrum.de/

Das Portal „Algen Deutschlands“ führt Beobachtungs- und Sammlungsdaten aus
ganz Deutschland zusammen. Mit seinem Start im März 2024 enthält es
bereits rund 71.000 Datensätze zu insgesamt 106 Taxa, hauptsächlich Arten
aus den Gruppen der Armleuchteralgen und Schlauchalgen. Daten zu
limnischen Braun- und Rotalgen, Zieralgen und Kieselalgen sowie zu den
marinen Makroalgen werden folgen. Sie stammen u.a. von Landesämtern, dem
Leibniz Institute for Baltic Sea Research Warnemünde sowie von
Privatleuten. In Vorbereitung der nächsten Roten Listen werden
kontinuierlich weitere Daten eingepflegt.

Mit Hilfe des Portals wird erstmals auch eine Darstellung zur
Nachweissituation der Dinoflagellaten in Deutschland vorbereitet. Die
mikroskopisch kleinen, einzelligen Lebewesen sind stammesgeschichtlich
weder mit den Pflanzen noch mit den Tieren näher verwandt. Sie kommen in
allen Gewässertypen im Plankton vor und sind Hauptverursacher toxischer
Algenblüten.

„Algen Deutschlands“ ist ein Portal für all diejenigen, die Nachweisdaten
zu Algen online eingeben und sich dazu mit weiteren Fachleuten austauschen
wollen. Registrierte Nutzer und Nutzerinnen können dort
Einzelbeobachtungen punktgenau hochladen oder auch Kartier-/Artenlisten
anlegen, die eine schnelle Dateneingabe zu mehreren Arten an einem Ort
ermöglichen. Darüber hinaus bietet das Portal die Möglichkeit, sich die
eigenen sowie die aggregierten Nachweisdaten anderer Beobachterinnen und
Beobachter kartografisch darstellen zu lassen.

Das Portal wird vom Rote-Liste-Zentrum technisch betreut, fachliche
Betreiberin ist die GEFD (Gesellschaft zur Erforschung der Flora
Deutschlands e.V).

„Algen Deutschlands“ ist das jüngste Mitglied einer Familie von Portalen,
die das Rote-Liste-Zentrum in den letzten drei Jahren eingerichtet hat.
Vergleichbare Plattformen gibt es bereits zu den Mollusken, den Flechten,
den Moosen sowie den Netzflüglern Deutschlands. Auftraggeber ist das
Bundesamt für Naturschutz, finanziert mit Mitteln des Bundesministeriums
für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Rote Listen sind wissenschaftliche Fachgutachten und dienen insbesondere
der Information der Öffentlichkeit über die Gefährdungssituation der
Arten. Sie sind u.a. Datenquelle für gesetzgeberische Maßnahmen, Grundlage
und Argumentationshilfe für raum- und umweltrelevante Planungen und zeigen
Handlungsbedarf für die Erhaltung von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten auf.
Die Roten Listen der Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands werden vom
Bundesamt für Naturschutz (BfN) herausgegeben. Das Rote-Liste-Zentrum
koordiniert im Auftrag des BfN seit 2019 die Erstellung der bundesweiten
Roten Listen. Es begleitet und unterstützt die jeweiligen Expertinnen und
Experten fachlich, organisatorisch und finanziell. Das Rote-Liste-Zentrum
ist im DLR Projektträger, Bonn, angesiedelt.

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Internationale Experten diskutieren am CAE zu Fragen des Messwesens in der Wasserstoffwirtschaft

Die Referenten des Workshops begeisterten mit ihrer langjährigen Erfahrung und Fachwissen die Teilnehmer zu aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Wasserstoffsektor.  Martina Vornberger  ©CAE
Die Referenten des Workshops begeisterten mit ihrer langjährigen Erfahrung und Fachwissen die Teilnehmer zu aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Wasserstoffsektor. Martina Vornberger ©CAE

Genaues Messen für mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit – internationale
Experten diskutieren am Center for Applied Energy Research zu Fragen des
Messwesens in der Wasserstoffwirtschaft.
Am 12. bis 13.03.2024 diskutierten am Center for Applied Energy Research
(CAE) in Würzburg die Projektpartner des EU-geförderten Projekts
„Metrology for the Hydrogen Supply Chain“ (Met4H2), d.h. Vertreter der
europäischen metrologischen Staatsinstitute, Forschungseinrichtungen und
ausgewählte Industriepartner, zu aktuellen Fragen der Messtechnik für das
zukünftige Wasserstoff-Netz.

Zur Etablierung der Wasserstoffwirtschaft in Europa ist zur Erzeugung,
Transport, Speicherung und Verwendung von Wasserstoff erweiterte
messtechnische Expertise notwendig. Diese wird benötigt um einen sicheren
Betrieb der Wasserstoffinfrastruktur und eine zuverlässige und genaue
Abrechnung des Energieträgers Wasserstoffs zu gewährleisten. Am CAE wird
dazu im Rahmen des Projekts Met4H2 eine anwendungsnahe Messanlage zur
Untersuchung der Leistungsfähigkeit von Dichtungsmaterialien entwickelt.
Dabei sollen Messungen vor allem auch bei hohen Gasdrücken durchgeführt
werden können, welche beispielsweise zur effizienten Speicherung von
Wasserstoff nötig sind.
Die Projektergebnisse fließen letztendlich in die praktische Anwendung und
in die Arbeiten von Normungsgremien ein.

Im Anschluss an das Met4H2-Projekttreffen veranstaltete das CAE einen
eintägigen internationalen Workshop zum Thema „Thermal Management in the
Hydrogen Supply Chain – Applications and Measurement Techniques“. Der
Workshop nahm dabei besonderen Bezug auf die analytischen
Herausforderungen im Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur und richtete
sich insbesondere an Interessengruppen aus der Industrie. Die Referenten
des Workshops begeisterten mit ihrer langjährigen Erfahrung und Fachwissen
die Teilnehmer zu aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im
Wasserstoffsektor.
Die Reihe der Vorträge befasste sich mit Themen wie Sicherheitsaspekte in
der Wasserstoffversorgung, relevante Messtechnik und Materialeigenschaften
unter Wasserstoffeinfluss sowie den Einfluss von Wasserstoff auf den
Energiesektor als Ganzes.
Der verantwortliche CAE-Wissenschaftler, Dr. Frank Lotter, zeigte sich
begeistert zu beiden Veranstaltungen: „Mit dem Met4H2-Projekt erarbeiten
wir gemeinsam ein solides messtechnisches Fundament für die
Wasserstoffwirtschaft der Zukunft.
Die Veranstaltungen vor Ort ermöglichten uns, das CAE als internationalen
Ansprechpartner zu messtechnischen Fragestellungen des Wasserstoffsektors
zu etablieren.“

Institutsprofil:
Das Center for Applied Energy Research e.V. (CAE) zielt mit seinen
Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten darauf ab, Ideen in Kooperation
mit Wirtschaftsunternehmen und weiteren Forschungspartnern in die Praxis
zu überführen und so einen möglichst großen Beitrag für ein nachhaltiges,
CO2-emissionsfreies und wirtschaftliches Energiesystem zu leisten. Das CAE
bildet dabei eine Brückenfunktion zwischen grundlagenorientierter
Forschung und marktnaher Entwicklung. Das Institut ist Mitglied im
ForschungsVerbund Erneuerbare Energien (FVEE) und der ZUSE-Gemeinschaft.

Das CAE leistet mit seinen Arbeitsgruppen „Klimaneutrale Gebäude und
Quartiere“, „Smarte Funktionale Materialien“, „Advanced Thermal
Management“, „Sensorik für die Energie- und Wasserstofftechnik“ und
„Energiesystemmanagement und Technologieintegration“ notwendige
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Industrie und setzt neue
Innovationsimpulse. In einem eigenen Innovation Hub werden die
Zukunftsthemen „Wasserstofftechnologie“ und „Digitalisierung in der
Energietechnik“ gesondert unterstützt und Synergieeffekte erzielt. Im CAE
eigenen „Guided Makerspace“ erhalten junge Unternehmen schnellen und
unbürokratischen Zugang zu wissenschaftlichen Maschinen und
Versuchsständen sowie zu Experten der CAE-Kernkompetenzfelder.

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Infarktmarker im Blut nach Herzoperation: OP-Effekt oder Herzinfarkt?

Dr. med. Tim Knochenhauer, Assistenzarzt, an der Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg (Direktor: Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner)  UKE
Dr. med. Tim Knochenhauer, Assistenzarzt, an der Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg (Direktor: Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner) UKE

Mehr Patientensicherheit durch neue Biomarker: Forscher des Universitären
Herz- und Gefäßzentrums Hamburg erhalten renommierte Dr. Rusche-
Projektförderung der Deutschen Stiftung für Herzforschung

Pro Jahr werden in Deutschland rund 88.100 Herzoperationen (2021)
durchgeführt. Allein zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit (KHK) und
des Herzinfarkts sind für das Jahr 2021 über 36.000 Bypass-Operationen
(isoliert und kombiniert) und zur Behandlung von Aortenklappenerkrankungen
über 13.200 operative Eingriffe (isoliert und kombiniert) zu verzeichnen
(Deutscher Herzbericht 2022).
Im Rahmen einer herzchirurgischen Operation kann es zu einer
Herzmuskelverletzung kommen, wodurch kardiale Biomarker wie beispielsweise
das hochsensitive Troponin in das Blut freigesetzt und dort nachgewiesen
werden können. Troponin kann dabei auf eine Minderdurchblutung des
Herzmuskels hindeuten, die auf eine mechanische Verletzung des Herzmuskels
im Zuge des chirurgischen Eingriffs, aber nicht unbedingt auf einen
Herzinfarkt zurückführen ist. „Im klinischen Alltag ist es extrem wichtig,
einen im Zuge der Operation erwartbaren Anstieg kardialer Biomarker wie
Troponin von einem unerwünschten Troponin-Anstieg nach einem Herzinfarkt
in zeitlicher Nähe zur Herz-OP sofort unterscheiden zu können“, betont der
Herzchirurg Prof. Dr. Armin Welz, Vorsitzender des Wissenschaftlichen
Beirats der Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF). „Wir fördern
deshalb innovative Forschung zur Entwicklung schneller und spezifischer
Diagnoseverfahren in diesem Bereich – aktuell im Rahmen der Dr. Rusche
Projektförderung.“ Infos zur Forschungsförderung unter
https://www.herzstiftung.de/forschung-und-foerderung

Dynamik kardialer Biomarker während Herz-OP besser verstehen
Um mehr Erkenntnisse für ein effizienteres Testverfahren zu gewinnen,
untersucht ein Forscher-Team um Dr. med. Tim Knochenhauer, Assistenzarzt
an der Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Universitären
Herz- und Gefäßzentrum Hamburg (Direktor: Prof. Dr. Dr. Hermann
Reichenspurner), die Dynamik kardialer Biomarker nach herzchirurgischen
Eingriffen. Das Forschungsvorhaben „B-ACS – Biomarkers After Cardiac
Surgery“ wurde mit der renommierten Dr. Rusche-Projektförderung der DSHF
auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-,
Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) ausgezeichnet (Dotation: 60.000 Euro).
„Unser Ziel ist es, die Dynamik neuer und etablierter Biomarker bei
herzchirurgischen Eingriffen noch besser zu verstehen. Nur so können wir
nach einer Operation eine relevante Herzmuskelschädigung infolge einer
Minderdurchblutung des Herzens, beispielsweise einen Herzinfarkt,
schneller und gezielter feststellen und behandeln“, erklärt Dr.
Knochenhauer zum Dr. Rusche-Förderprojekt.

Normaler OP-Effekt oder Gefahr für das Herz in Verzug?
In der alltäglichen Diagnostik eines Herzinfarktes ist die Untersuchung
von im Blut messbaren Biomarkern, vor allem dem hochsensitiven kardialen
Troponin, längst etabliert. Serielle Troponinmessungen können inzwischen
mit hoher Genauigkeit einen Herzinfarkt bestätigen oder ausschließen.
Alternative Ursachen für einen Troponinanstieg im Blut nach
herzchirurgischen Operationen sind beispielsweise die mechanische
Manipulation am Herzmuskel oder die Operation am nicht-schlagenden Herzen
unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine.
Aktuell hat die Europäische Gesellschaft für Herz-Thorax-Chirurgie (EACTS)
in einem Konsensuspapier (1) zum Myokardinfarkt im zeitlichen Umfeld einer
Herzoperation (perioperativer Myokardinfarkt, kurz „PMI“) eine Empfehlung
mit Grenzwerten etablierter kardialer Biomarker (Kreatinkinase „CK“, die
MB-Unterform „CK-MB“ und Troponin) publiziert. Grenzwerte („Cut-off-
Werte“) sind für eine Unterscheidung zwischen negativem oder positivem
Befund wichtig. „Allerdings beziehen sich die Empfehlungen ,nur‘ auf die
etablierten Biomarker, nicht aber auf weitere weniger etablierte Marker.
Diese möchten wir im Rahmen der Diagnosestellung eines PMI erforschen “,
sagt Dr. Knochenhauer. Auch seien viele der diagnostischen Empfehlungen
aufgrund der aktuellen Datenlage verbunden mit einer Troponinkontrolle zum
Zeitpunkt postoperativ und 24 Stunden später. Eine Myokardischämie gelte
es jedoch so früh wie möglich, bereits in der frühen postoperativen Phase,
festzustellen, um die Sterblichkeit und das Therapieergebnis („Outcome“)
nach einer Bypassoperation zu verbessern, betont der Arzt und Forscher am
UKE. „Ein perioperativer Herzinfarkt ist mit einer hohen Sterblichkeit
verbunden und erfordert eine unmittelbare Therapie mit rascher
Verbesserung der Durchblutung.“
Zur Diagnose des PMI ist die Zusammenschau mehrerer Befunde (Biomarker,
Symptomatik, EKG, Echokardiographie) notwendig. Für Ärzt:innen stellt ein
PMI zudem eine Herausforderung dar, „weil die typischen Herzinfarkt-
Symptome aufgrund von Narkose, Sedierung im Zuge der Operation fehlen oder
Schmerzen im Brustkorb aufgrund des Eingriffs fehlinterpretiert werden
könnten“, erklärt Dr. Knochenhauer. Die B-ACS-Studie soll zur schnelleren
Diagnose des PMI beitragen und dabei helfen, weitere bisher nicht-
etablierter Biomarker zu identifizieren.

Erste Untersuchungen bei Patient:innen nach Bypass- und Herzklappen-
Operation
In einer Pilotphase der B-ACS Studie von April bis November 2022 wurden
bereits 412 Patient:innen nach herzchirurgischem Eingriff (Bypass
-/Herzklappen-OP) eingeschlossen und untersucht. In dieser Kohorte konnten
Knochenhauer und Kolleg:innen bereits signifikante Unterschiede in der
Troponinveränderung nach der Operation zwischen Patient:innen mit und ohne
aufgetretenem Herzinfarkt nachweisen. Zudem konnten sie zeigen, dass die
höchsten Troponinwerte im Durchschnitt vier Stunden nach herzchirurgischem
Eingriff nachzuweisen waren. Überdies wiesen männliche und weibliche
Patient:innen innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Operation zu allen
untersuchten Zeitpunkten signifikante Unterschiede zwischen den
Troponinwerten auf, wobei bei Frauen höhere Werte gemessen wurden.
Basierend auf der Pilotstudie wird nun eine Fortführung der Studie
geplant, um auch eine Nachbeobachtung der Studienteilnehmenden zu
ermöglichen und eine Biobank mit Blut- und Gewebeproben aufzubauen. Die
hierfür gewonnenen Biomaterialien sollen zur Erforschung noch nicht
etablierter Biomarker und deren Nutzen für eine schnellere und spezifische
Diagnostik eines Herzinfarktes nach herzchirurgischem Eingriff verwendet
werden. Die Hamburger Herzforscher planen, die Studienkohorte auf über
1.500 Teilnehmende zu erweitern.
(wi)

Literatur

(1) Gaudino M. et al, cardiothorac Surg 2024; doi:10.1093/ejcts/ezad415.

Forschung nah am Patienten
Dank der finanziellen Unterstützung durch Stifterinnen und Stifter,
Spender und Erblasser kann die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit der von
ihr 1988 gegründeten Deutschen Stiftung für Herzforschung (DSHF)
Forschungsprojekte in einer für die Herz-Kreislauf-Forschung
unverzichtbaren Größenordnung finanzieren. Infos zur Forschungsförderung
der Deutschen Herzstiftung: https://www.herzstiftung.de/forschung-und-
foerderung

Die 2008 eingerichtete „Dr. Rusche-Projektförderung“ ist mit 60.000 Euro
dotiert und wird jährlich von der DSHF zusammen mit der Deutschen
Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vergeben.
Benannt ist der Stiftungsfonds nach dem Internisten Dr. Ortwin Rusche
(1938 bis 2007) aus Bad Soden, der die DSHF in seinem Testament bedachte,
um Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Herzchirurgie zu fördern.
Bewerben können sich junge Wissenschaftlerinnern und Wissenschaftler, die
in Deutschland auf dem Gebiet der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie tätig
sind. Infos unter: https://www.dshf.de

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Neue Übungspuppen für die Aktion „Schülerinnen und Schüler retten Leben“

Das Schulsanitäter-Team zeigt sein Können: „Prüfen – Rufen – Drücken“.  Franziska Holten  © UKR
Das Schulsanitäter-Team zeigt sein Können: „Prüfen – Rufen – Drücken“. Franziska Holten © UKR

Das Projekt „Schülerinnen und Schüler retten Leben“ ist aus vielen Schulen
in Stadt und Landkreis Regensburg nicht mehr wegzudenken. Initiiert vom
Universitätsklinikum Regensburg (UKR) und vom Rettungszentrum Regensburg
(RZR), werden hier junge Menschen mit den Grundlagen der Wiederbelebung
vertraut gemacht. Um die Ausbildung der Schüler kontinuierlich und an
möglichst allen Schulen zu gewährleisten, werden immer wieder neue
Übungspuppen benötigt, die durch Spenden finanziert werden.
Stellvertretend für alle teilnehmenden Schulen wurden heute neue
Reanimationspuppen an die Realschule am Judenstein in Regensburg
übergeben.

„Zeit spielt die entscheidende Rolle bei einem Herzstillstand. Ist jemand
in der Nähe, der das Einmaleins der Wiederbelebung beherrscht, erhöht das
die Überlebenschancen des Betroffenen entscheidend, da jede Sekunde
zählt“, erklärt Professor Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik für
Anästhesiologie des Universitätsklinikums Regensburg sowie Vorsitzender
des Rettungszentrums Regensburg und Initiator des Projektes. Im Ernstfall
können selbstverständlich nicht nur Erwachsene, sondern auch Schulkinder
und Jugendliche diese Aufgabe erfolgreich übernehmen. Doch wie auch bei
Erwachsenen benötigen sie fundierte Kenntnisse und Übung, um im Fall der
Fälle entscheidende lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen. Aus diesem
Grund haben Rettungszentrum und Universitätsklinikum Regensburg 2017 in
Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis Regensburg das Projekt
„Schülerinnen und Schüler retten Leben in Stadt und Landkreis“ gestartet.
Weil neben den Schülern auch die Ausrüstung immer auf dem neuesten Stand
sein muss und um möglichst allen Schulen die Teilnahme an diesem Projekt
zu ermöglichen, wurde vor etwa einem Jahr eine weitere Spendenkampagne
gestartet, um neue Rettungspuppen zu finanzieren. Das Ergebnis ist
beeindruckend: mit einer Spendensumme in Höhe von 6.100 Euro wurden 112
neue Übungspuppen und Ersatzmaterialien angeschafft und übergeben.
Symbolisch für alle teilnehmenden Schulen erhielt heute die Realschule am
Judenstein in Regensburg ihre neue Übungsausstattung.

Ziel der Aktion „Prüfen – Rufen – Drücken“ ist es einerseits Lehrkräfte
am Universitätsklinikum Regensburg als Multiplikatoren zu schulen,  damit
diese ihre Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse wiederholt sowohl
theoretisch als auch durch praktische Übungen an den Übungspuppen mit den
Grundlagen der Wiederbelebung vertraut  machen und sie so für die
Reanimation zu sensibilisieren. „Wir wollen Barrieren abbauen und die
Schüler durch regelmäßiges Training ermutigen, im Notfall selbst die
Initiative zu ergreifen. Denn man kann nur einen Fehler bei einem Herz-
Kreislauf-Stillstand machen, nämlich nichts zu tun, bis professionelle
Hilfe eintrifft. Es ist so einfach durch ‚Prüfen – Rufen – Drücken‘ ein
Leben zu retten, und ihr könnt dies auch“, appelliert Professor Graf an
die Schülerinnen und Schüler.

Jährliche Auffrischung der Kenntnisse

Im Projekt „Schülerinnen und Schüler retten Leben“ werden Schüler ab der
siebten Jahrgangsstufe mindestens einmal jährlich in Theorie und Praxis
zur Herz-Kreislauf-Wiederbelebung geschult. Um dieses praktische Training
durchzuführen und weitere Ersthelfer auszubilden, wurden weitere
Übungspuppen benötigt und durch drei Spender finanziert. „Dieses Projekt
liefert einen sehr wertvollen Dienst an unserer Gesellschaft. Kinder
lernen von klein auf, was es bedeutet, sich für ihre Mitmenschen
einzusetzen, ihnen zu helfen. Ich möchte den Lehrern und Schülern danken,
dass sie dieses Projekt mit großem Engagement unterstützen“, so Landrätin
Tanja Schweiger. Insgesamt 31 Gymnasien, Realschulen, Mittelschulen,
Förderschulen, FOS/BOS, Wirtschafts- und Berufsschulen beteiligen sich an
diesem Projekt. „Wir sind allen Spendern und allen Beteiligten sehr
dankbar. Ihr Einsatz ist es, der den Schülern Wertvolles fürs ganze Leben
mitgibt und im Ernstfall Menschenleben retten kann. Die große Bereitschaft
zu helfen zeigt uns, dass uns unsere Mitmenschen zum Glück nicht egal
sind“, resümiert Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Realschule am Judenstein: Schüler und Lehrer voller Eifer dabei

Bereits seit 2021 stehen „Prüfen – Rufen – Drücken“ auch auf dem Lehrplan
des Biologieunterrichts der Schüler der 7. Jahrgansstufe der Realschule am
Judenstein. „Wir wollen gezielt unsere Schülerinnen und Schüler mit dem
Thema Wiederbelebung vertraut machen. Soziale Empathie ist ein wertvolles
Rüstzeug für ihre weitere Zukunft und da gehört Hilfe für Menschen in
Notsituationen dazu“, erklärt Michael Kessner, Direktor der Realschule am
Judenstein in Regensburg. Aus diesem Grund steht auch für die
Abschlussklassen eine Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse im Rahmen
der Aktionswoche „Fit for Life“ auf dem Programm. Wie hoch der Stellenwert
an der Schule ist, verdeutlicht auch der Umstand, dass auch 15 Lehrkräfte
an einer Wiederbelebungs-Fortbildung am UKR teilgenommen haben, um mit
ihrem Wissen die Ausbildung neuer Schulsanitäter zu unterstützen.

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