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Pressemitteilung der Hochschule für Gesundheit in Bochum vom 26. Februar 2024

Austausch im World Café  Holger Jacoby  Gesunde Städte-Netzwerk
Austausch im World Café Holger Jacoby Gesunde Städte-Netzwerk

Soziale Ungleichheit als Herausforderung für den Öffentlichen
Gesundheitsdienst
Beim 6. Kompetenzforum des Gesunde Städte-Netzwerks widmeten sich
Expert*innen in Bochum der Frage, wie der Öffentliche Gesundheitsdienst
als Katalysator für sozialen Wandel fungieren kann

Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit sind untrennbar miteinander
verbunden. In einer gerechten Gesellschaft sollte niemand aufgrund seiner
wirtschaftlichen Verhältnisse von angemessener medizinischer Versorgung
und einem gesunden Leben ausgeschlossen sein. Leider ist die Realität oft
anders. Die soziale Ungleichheit erstreckt sich über viele Dimensionen des
Lebens, darunter Einkommen, Bildung, Zugang zu Gesundheitsversorgung und
soziale Integration. Wie sich dies auf die Gesundheit und das Wohlbefinden
der Bewohner*innen unserer Städte und Kommunen auswirkt, war Thema beim 6.
Kompetenzforum, das das Gesunde Städte-Netzwerk am 19. und 20. Februar
gemeinsam mit der Hochschule für Gesundheit (HS Gesundheit) und der Stadt
Bochum ausgerichtet hat. Der Titel der diesjährigen Veranstaltung lautete:
„Soziale Ungleichheit als Herausforderung in der Gesundheitsförderung des
Öffentlichen Gesundheitsdienstes“

In einem Dreiklang aus der Vorstellung erfolgreicher Praxis-Projekte,
fachlichen Inputs aus Wissenschaft und Verwaltung sowie kollegialem
Austausch bot das 6. Kompetenzforum den Teilnehmer*innen konkrete
Unterstützung für ihre Arbeit in der Gesundheitsförderung vor Ort, beim
Finden kreativer Problemlösungen und im Hinblick auf die Stärkung und
Ermutigung zum Weitermachen unter herausfordernden Bedingungen. „Die HS
Gesundheit betrachtet kommunale Gesundheitsförderung transdisziplinär.
Unsere Forschung fokussiert neben Versorgungsthemen insbesondere das Thema
‚Urban und Community Health‘, das ein erklärter Forschungsschwerpunkt bei
uns ist. Insofern bietet das Kompetenzforum hier an der Hochschule
hervorragende Vernetzungs- und Transfermöglichkeiten für Forschung und
kommunale Praxis“, sagte Prof.in Dr.in Eike Quilling, Vizepräsidentin für
Forschung und Transfer, in ihrem Grußwort. „Die Vernetzung bietet für
beide Bereiche und in beide Richtungen gedacht enormes Potenzial für
Wissenszuwachs und Weiterentwicklung und ist die Voraussetzung für
notwendige gesellschaftliche Transformation. Die Kooperation mit dem
Gesunde Städte-Netzwerk im Rahmen des Kompetenzforums ist sinnvoll und
darf gerne eine Wiederholung finden.“

Die eingeladenen Referent*innen und Expert*innen widmeten sich besonders
der Frage: Wie kann der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) als
Katalysator für den sozialen Wandel fungieren? Dr. Johannes Nießen,
Errichtungsbeauftragter des Bundesinstituts für Prävention und Aufklärung
in der Medizin (BIPAM) und Kommissarischer Leiter der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA): „Zur Überwindung sozialer Ungleichheit
im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention braucht es passgenaue
Angebote und Netzwerke der Akteure vor Ort. Denn sie kennen die
Herausforderungen und Bedürfnisse in den Kommunen am besten. Deshalb wird
mit dem zukünftigen BIPAM eine engere Zusammenarbeit mit dem Öffentlichen
Gesundheitsdienst angestrebt. Mit der Zielsetzung, den ÖGD durch die
Aufbereitung und Bereitstellung von Daten, das Vernetzen von Best
Practices sowie die Entwicklung von Standards zu unterstützen.“

Dr. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamtes in Frankfurt am Main,
betonte: „Die Gesundheit der Menschen zu schützen und zu fördern, ist eine
Kernaufgabe der Gesundheitsämter. Sie müssen weiter gestärkt werden und
sich zukünftig noch besser mit anderen kommunalen Einrichtungen gemeinsam
für die Bevölkerungsgesundheit einsetzen.“ In diesem Zusammenhang sei es
sehr wichtig, dass Gesundheitswissenschaftler*innen aus dem Public Health
Bereich stärker in den ÖGD strukturell verankert werden. Problemlagen
müssten identifiziert, Maßnahmen geplant und evaluiert werden. Dafür seien
systematische Analysen und eine umfassende Auswertung gesundheits-,
sozial- und umweltbezogener Daten unerlässlich. „Es bedarf einer
nationalen Public Health Strategie in enger Verzahnung mit dem ÖGD“, so
Peter Tinnemann.

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes, sagte: „Die anstehenden Reformen im Öffentlichen
Gesundheitsdienst, die Novellierung des Präventionsgesetzes und der Aufbau
eines Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit bieten - bei
entsprechendem politischen Willen - die einmalige Chance, nachhaltige
Fundamente der in Deutschland nach wie vor fehlenden Infrastruktur für
Prävention und Gesundheitsförderung zu legen.“

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weist diesbezüglich
darauf hin, dass sie sich im Prozess der Errichtung des Bundesinstituts
für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM) befindet.

Fazit: Das 6. Kompetenzforum des Gesunde Städte-Netzwerkes hat lebhafte
Diskussionen unterschiedlichster Akteure auf diesem Gebiet vorangetrieben.
Das Netzwerk sieht es als Aufgabe, die angestoßenen
Umstrukturierungsprozesse im ÖGD im Gang zu halten und bestenfalls zu
beschleunigen.

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Projekt „Freiheit und Freiheitsentzug“ unter den Gewinnerteams des Hochschulwettbewerbs im Wissenschaftsjahr

Anika Radewald und Dr. Aaron Bielejewski gehören zum Forschungsteam des preisgekrönten Projektes „Freiheit und Freiheitsentzug“.  Fotomontage: Jacob Müller
Anika Radewald und Dr. Aaron Bielejewski gehören zum Forschungsteam des preisgekrönten Projektes „Freiheit und Freiheitsentzug“. Fotomontage: Jacob Müller

Preisgekröntes Projekt des Zentrums für kriminologische Forschung Sachsen
e. V. an der TU Chemnitz gibt Strafgefangenen eine Stimme –
Kommunikationsideen der Forschenden des ZKFS überzeugten bei bundesweitem
Hochschulwettbewerb zum Thema „Freiheit“

Das Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen e. V. (ZKFS), ein An-
Institut der Technischen Universität Chemnitz (TUC), gehört zu den zwölf
Gewinnern, die sich im Hochschulwettbewerb des Wissenschaftsjahres 2024
zum Thema „Freiheit“ unter knapp 160 Einrichtungen durchsetzen konnten.
Mit dem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro können die Chemnitzer
Forschenden nun bis Ende des Jahres ihr Projekt „Freiheit und
Freiheitsentzug“ umsetzen. Dabei gehen sie der Frage nach, welche
Einstellungen und welches Verständnis von Freiheit Strafgefangene haben.
Dies will das Projektteam um Prof. Dr Frank Asbrock, Direktor des ZKFS und
Professor für Sozialpsychologie an der TUC, in Interviews mit inhaftierten
Personen in Justizvollzugsanstalten in Chemnitz, Dresden und Leipzig
herausfinden. Die Interviews werden im Anschluss von Schauspielerinnen und
Schauspielern nachgestellt.

Die Filmaufnahmen sollen im Rahmen einer interaktiven Ausstellung
präsentiert werden, die sich künstlerisch und wissenschaftlich mit dem
Thema „Freiheit und Freiheitsentzug“ auseinandersetzt. „Wir möchten damit
zu einem öffentlichen Dialog über die scheinbare Selbstverständlichkeit
von Freiheit und ihren Entzug anregen und eine wissenschaftliche Debatte
über Freiheit und Demokratie in die Gesellschaft tragen“, sagt
Projektmitarbeiterin Anika Radewald vom ZKFS. Ihr Kollege Dr. Aaron
Bielejewski ergänzt: „Die geplante Ausstellung soll an leicht zugänglichen
Orten in Chemnitz stattfinden, um eine breite Beteiligung der
interessierten Öffentlichkeit zu gewährleisten.“

Begleitend zur inhaltlichen Projektarbeit besuchen die Chemnitzer
Forschenden in den kommenden Monaten Schulungen und Veranstaltungen von
Wissenschaft im Dialog (WiD), bei denen sie sich auch mit den anderen elf
Gewinnerteams aus Detmold, Freiburg, Halle, Jena, München, Nordhausen,
Nürnberg, Oldenburg, Passau, Regensburg und Tübingen vernetzen können. Los
geht es Mitte März mit einem Auftakt-Workshop zum Thema
Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Weitere Workshops
folgen, unter anderem zu den Themen Social Media, Storytelling und
Veranstaltungsorganisation. Über ihre Fortschritte, Schwierigkeiten und
Highlights bei der Projektumsetzung informieren die Teams regelmäßig auf
Instagram und der Website des Hochschulwettbewerbs
(www.hochschulwettbewerb.net).

Der Hochschulwettbewerb wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) in
Kooperation mit dem Bundesverband Hochschulkommunikation und der
Hochschulrektorenkonferenz ausgerufen und vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahres gefördert.

Hintergrund: Wissenschaftsjahr 2024 – Freiheit

Das Thema des Wissenschaftsjahres 2024 ist Freiheit, denn sie ist von
grundlegendem Wert und heute in lange nicht vorstellbarer Weise bedroht.
Zwei bevorstehende Jahrestage unterstreichen ihre Bedeutung für
Deutschland: 75 Jahre Grundgesetz und 35 Jahre Mauerfall. Das
Wissenschaftsjahr 2024 beschäftigt sich deshalb mit verschiedenen
Dimensionen von Freiheit. Was genau ist Freiheit? Hängen Freiheit und
Demokratie zusammen? Wo fängt Freiheit an? Mit vielfältigen Angeboten zum
Mitmachen bietet das Wissenschaftsjahr einen Rahmen, um
generationenübergreifend über Freiheit, ihren Wert und ihre Bedeutung zu
diskutieren – miteinander und mit der Wissenschaft. Über Freiheit von
heute, morgen und weltweit. Das Wissenschaftsjahr ist eine Initiative des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit
Wissenschaft im Dialog (WiD) – der Organisation der Wissenschaft für
Wissenschaftskommunikation in Deutschland. Mehr Informationen zum
Wissenschaftsjahr: www.wissenschaftsjahr.de

Social Media-Kanäle des ZKFS: Instagram: @zkfs_chemnitz ; X (ehemals
Twitter) bzw. „X“:  @zkfs_chemnitz ; Bluesky: @zkfs.bsky.social

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HELICAP-Projekt verlängert: Eltern stärken, Kinder schützen

Forschungsgruppe HELICAP
Forschungsgruppe HELICAP

DFG unterstützt wegweisende Forschung zur Stärkung der
Gesundheitskompetenz der Bevölkerung für weitere drei Jahre.

Der Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen und Entscheidungen
stellt für die Mehrheit der Bevölkerung eine enorme Herausforderung dar.
Die deutschlandweite Forschungsgruppe HELICAP (Health literacy in early
childhood allergy prevention) setzt seine Arbeit zur Stärkung der
Gesundheitskompetenz insbesondere von Eltern allergiekranker Kinder und
mit einem erhöhten Allergierisiko fort. Die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Förderung für das Projekt unter
gemeinsamer der Leitung der Universitätsmedizin Magdeburg und der
Pädagogischen Hochschule Freiburg um weitere drei Jahre verlängert.
HELICAP setzt auf eine interdisziplinäre Herangehensweise. Mit 20
Expert:innen aus den Bereichen Gesellschafts-, Gesundheitswissenschaften
und Medizin an insgesamt sechs deutschen Hochschulstandorten werden
verschiedene Perspektiven kombiniert. Ziel ist es, die wissenschaftlichen
Grundlagen in diesem Feld zu verbessern und die Gesundheitskompetenz von
Eltern nachhaltig zu fördern.

Im Fokus: Stärkung der Gesundheitskompetenz

Die Forschungsgruppe wird gemeinsam von Prof. Dr. Christian Apfelbacher,
Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung
(ISMG) an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und von Prof. Dr.
Eva Maria Bitzer, stellvertretende Leiterin am Institut für Alltagskultur,
Bewegung und Gesundheit an der Pädagogischen Hochschule Freiburg
koordiniert. Co-Sprecher Prof. Apfelbacher betont: „Die Stärkung der
Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung ist essenziell für eine
verbesserte Versorgung.“ Gleichzeitig habe sich gezeigt, dass die
Komplexität des Gesundheitswesens und die Vielzahl an Gesundheits- und
Krankheitsinformationen viele Menschen überfordern. „Über die Hälfte der
deutschen Bevölkerung hat Schwierigkeiten damit Gesundheitsinformationen
zu finden, zu verstehen, zu bewerten und für selbstbestimmte
gesundheitsbezogene Entscheidungen anzuwenden. Studien zeigen, dass eine
höhere Gesundheitskompetenz mit besserer Gesundheit einhergeht. Besonders
wichtig ist die Stärkung der Gesundheitskompetenz für Eltern
allergiekranker Kinder bzw. von Kindern mit einem Allergierisiko, da
nahezu jedes fünfte Kind an einer allergischen Erkrankung leidet“, erklärt
der Epidemiologe.

Fünf Teilprojekte für umfassende Erkenntnisse

HELICAP konzentriert sich in der zweiten Förderphase in fünf Teilprojekten
auf die zwei Themenfelder der Frühkindlichen Allergieprävention und
COVID-19 bei Kindern mit Allergien. „Beide Themen sind von großer Relevanz
für die öffentliche Gesundheit. Ganz konkret geht es darum, Maßnahmen zur
Förderung von Gesundheitskompetenz zu entwickeln, indem wir Faktoren
identifizieren, die gesundheitsförderliche Entscheidungen verhindern,
soziale und ökologische Bedingungen berücksichtigen und wissenschaftliche
Evidenz kritisch beleuchten. Der Einbezug von Eltern und Betroffenen in
die Forschung ist dabei von zentraler Bedeutung“, so Apfelbacher.

Die fünf Teilprojekte von HELICAP umfassen Evidenzsynthesen zu
Interventionen, die Translation von Wissen durch Versorgungsakteure,
ethnografische Studien zur Fürsorgepraktiken, die Verbindung von
Nutzerperspektive und Angebot sowie die Epidemiologie elterlicher
Gesundheitskompetenz und Allergieprävention.

Die Förderverlängerung ermöglicht einen stärkeren interventionellen
Charakter von HELICAP. Prof. Apfelbacher erklärt: „Unsere Erkenntnisse
tragen nicht nur zu einem besseren Verständnis von
Gesundheitsentscheidungen bei, sondern ermöglichen auch die Entwicklung
gezielter Maßnahmen.“

Forschungsschwerpunkte in Magdeburg

In Magdeburg liegt die wissenschaftliche Koordination des HELICAP-
Projekts. Zudem werden dort zwei Teilprojekte umgesetzt. In dem Projekt
„Lebende Systematische Übersichtsarbeiten“ geht es darum, ein Evidenz-
Ökosystem zu den HELICAP-Themen zu schaffen. Unter dem Titel
„Gesundheitsfachkräfte“ wird in dem zweiten Teilprojekt unter der Leitung
von Dr. Julia von Sommoggy gemeinsam mit Hebammen an der Entwicklung einer
Bildungsmaßnahme zu Gesundheitskompetenz und frühkindlicher
Allergieprävention gearbeitet.

An der Forschungsgruppe HELICAP (Fkz.: 409800133) sind die Universitäten
Magdeburg, Regensburg und Mainz, die Pädagogische Hochschule Freiburg
sowie die Medizinischen Hochschulen in Hannover und Brandenburg beteiligt.

Weitere Informationen zu HELICAP sind auf der Homepage verfügbar:
www.helicap.org

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christian Apfelbacher, Institut für Sozialmedizin und
Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Telefon.: +49-391/67-24300, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..de


Kontakt für Studieninteressierte:

Eva-Maria Skiba, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für
Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg, Telefon: +49-391/67-24356, eva-
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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HiChol – ein Forschungsnetzwerk für seltene cholestatische Lebererkrankungen

Die Hochschulstandorte Magdeburg, Hannover und Düsseldorf forschen
gemeinsam für ein besseres Verständnis genetischer Cholestasen und zu
neuartigen Therapien.

In diesem Jahr rückt der Rare Disease Day am 29. Februar die
Herausforderungen seltener Erkrankungen wieder in den Mittelpunkt der
Öffentlichkeit. Auch an der Universitätsmedizin Magdeburg wird mit dem
Ziel geforscht, seltene Erkrankungen besser zu verstehen und zu behandeln.
Unter anderem in dem interdisziplinären Forschungsverbund HiChol
(Hereditäre Intrahepatische Cholestasen). Dort untersuchen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler genetisch bedingte cholestatische
Lebererkrankungen, um zugrundeliegende Veränderungen in Genen zu
identifizieren, diese Krankheitsbilder besser zu verstehen und mögliche
therapeutische Ansätze zu entwickeln.

Professorin Verena Keitel-Anselmino, Direktorin der Universitätsklinik für
Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie Magdeburg, leitet den
Verbund bereits seit Mai 2019. Sie betont: „Die Arbeit im HiChol Netzwerk
trägt dazu bei, das Verständnis für seltene genetische cholestatische
Lebererkrankungen zu vertiefen und die Grundlage für eine verbesserte
Versorgung zu schaffen.“ Weltweit sind rund 300 Millionen Menschen von
einer seltenen Erkrankung betroffen, wobei etwa 72 Prozent davon genetisch
bedingt sind. Hereditäre Cholestasen, Störungen der Gallebildung oder
-sekretion aus der Leber in den Darm aufgrund genetischer Veränderungen,
variieren von milden bis zu schwerwiegenden Krankheitsbildern. Betroffen
sind sowohl Kinder als auch Erwachsene.

Die Zusammenarbeit an den Standorten Magdeburg, Hannover und Düsseldorf
ermöglicht dem Verbund verschiedene genetische Varianten zu analysieren
und ihre Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf besser zu verstehen. Die
Forschungsarbeiten umfassen die Anwendung verschiedener Methoden, von
Zellkulturen über Organoidmodelle bis hin zu computerbasierten
Vorhersagemodellen. Ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerks ist ein
multizentrisches Patient:innenregister, das es ermöglicht, den Einfluss
der genetischen Varianten auf den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit
von Therapien zu erfassen.

Forschungsverbund HiChol

Der Forschungsverbund HiChol ist Teil der „translationsorientierten
Verbundvorhaben im Bereich der Seltenen Erkrankungen“, gefördert durch das
Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen von Research 4 Rare.
Es werden deutschlandweite Expertisen zusammengeführt, die durch eine
problemlösungsorientierte und interdisziplinäre Zusammenarbeit neue
Erkenntnisse zu Seltenen Erkrankungen erarbeiten. Die Erforschung Seltener
Erkrankungen verspricht auch modellhafte Erkenntnisse, die auf andere
häufigere Erkrankungen übertragen werden können. Weitere Informationen
unter https://www.research4rare.de/.

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