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Neuer Studiengang ‚Data Science und Künstliche Intelligenz‘ der DHBW Karlsruhe startet im Herbst 2024

Vermittlung von Schlüsseltechnologien für die digitale Transformation von
Wirtschaft und Gesellschaft

Daten sind eine der wichtigsten Ressourcen in der digitalen Transformation
von Wirtschaft und Gesellschaft. Aus großen Datenmengen werden
Informationen und Wissen generiert. Data Science, Künstliche Intelligenz
und Machine Learning sind dafür die zentralen Schlüsseltechnologien. Sie
sind die Grundlage für die Entwicklung von automatisierten Diagnosen in
der Medizin, für die Erkennung von Fake News in sozialen Medien,
Entwicklung wirksamer Klimaschutzmaßnahmen, Chatbots, digitalen autonomen
Assistenten, für Prognosen von Schadenskennzahlen bei Versicherungen, die
Vorhersage von Trends in Geschäftsprozessen und vielen weiteren
innovativen Produkten und Dienstleistungen.

Lehrinhalte: Fundamentale Grundlagen für digitale Innovationen

Im interdisziplinären Studiengang Data Science und Künstliche Intelligenz
der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe mit der Studienrichtung
Business Management werden die notwendigen Grundlagen für ein breites Feld
an Einsatzgebieten für die Digitalisierung in der Wirtschaft und
Gesellschaft vermittelt.
Hierzu bietet die Hochschule Lehrveranstaltungen aus den Bereichen
Informatik, Mathematik, Machine Learning sowie Anwendungen von Data
Science und Künstlicher Intelligenz in verschiedenen Bereichen der
Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft an.
Im dritten Studienjahr können sich Studierende für eine Spezialisierung in
einem der beiden Profile Data Engineering und Analytics und Künstliche
Intelligenz und Intelligence Engineering entscheiden.

Attraktive Einsatzfelder nach Abschluss des Studiums

Nach drei Jahren schließen die Studierenden das Intensivstudium mit dem
Bachelor of Science ab. Sie verfügen dann über eine Expertise, um in einem
breit gefächerten Betätigungsfeld durchzustarten: In der Wirtschaft, der
Industrie, der Forschung und Lehre, der Medizin und im Gesundheitswesen,
im Energie- und Verkehrssektor, in der Stadtplanung und vielen anderen
gesellschaftlichen Bereichen, in denen die digitale Transformation eine
zentrale Rolle spielt.
Dabei können Sie unterschiedlichen Aufgaben nachgehen und Positionen im
Projektmanagement, in der Systementwicklung und der Entwicklung von
intelligenten KI-basierten Anwendungen, aber auch in strategischen
Unternehmensbereichen einnehmen.
Typische Berufsbilder sind: Data Scientist, Data Analyst, Intelligence
Engineer, KI- und ML-Spezialist*in, Data Project Manager, Data Engineer.

Das Studium startet in Kooperation mit renommierten Unternehmen wie zum
Beispiel: dmTECH GmbH, Netze BW, MLP, Robert Bosch GmbH und
Oberfinanzdirektion Karlsruhe am 1. Oktober 2024. Bewerbungen sind ab
sofort möglich.

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CARUS – Geschichte und Zukunft eines visionären Forschungsprojekts

In seinem neuen Buch „The Internet of Animals“ erzählt Martin Wikelski die
Geschichte von ICARUS – einem internationalen Großprojekt zur
wissenschaftlichen Beobachtung von Tierverhalten aus dem Weltraum. Das
Buch zeigt außerdem, wie wir Menschen von Tieren lernen können, unsere
Lebensgrundlagen zu erhalten.

Der Grundgedanke ist so logisch wie einleuchtend: Um das individuelle und
kollektive Handeln von Tieren zu verstehen, von ihnen zu lernen und ihre
zuverlässigsten Entscheidungsprinzipien gar für uns zu nutzen, reicht es
nicht aus, einzelne Tiere räumlich und zeitlich begrenzt zu beobachten.
Vielmehr muss in vielerlei Hinsicht groß gedacht werden – über
Lebensdauern, Art- und Ländergrenzen hinweg und manchmal sogar bis ins
Weltall.

Diese Erkenntnis war 2001 die Geburtsstunde von ICARUS, der „International
Cooperation for Animal Research Using Space“. Doch es sollte fast 20 Jahre
dauern, bis im September 2020 mit ICARUS tatsächlich ein weltraumbasiertes
Tierbeobachtungssystem den wissenschaftlichen Betrieb aufnahm – als
gemeinsames Projekt des Max-Planck-Instituts (MPI) für Verhaltensbiologie
und der Universität Konstanz in Kooperation mit der russischen
Raumfahrtbehörde Roskosmos und dem Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR). Zu verdanken ist dies dem Engagement Martin Wikelskis,
der das Projekt initiierte und unermüdlich vorantrieb. Er ist
geschäftsführender Direktor des MPI für Verhaltensbiologie und
Honorarprofessor an der Universität Konstanz.

Forschungsanekdoten aus erster Hand
In einem erzählerischen Sachbuch beschreibt Wikelski nun die Geschichte
des ICARUS-Projekts, das als große Vision einer Handvoll befreundeter
Forschender in einem kleinen Dorf in Panama seinen Ursprung nahm und
inzwischen Realität ist. In „The Internet of Animals: Was wir von der
Schwarmintelligenz des Lebens lernen können“ berichtet er aus erster Hand
über die Ursprünge und Entstehung des Projekts sowie den Durchbruch für
die Verhaltensforschung, den der Start von ICARUS bedeutete. Zusätzlich
vermittelt das Buch auf leichtverständliche Art überraschende Fakten über
verschiedenste Tiere, von denen wir bisher glaubten, sie gut zu kennen.

So legt Wikelski in dem Buch unter anderem dar, wie Landvögel über
Hunderte von Kilometern Ozeane überwinden, welch enorme Distanzen Bienen
zurücklegen, um Blütenstaub zu transportieren, und ob Elefanten einen
nahenden Tsunami erkennen. Er schildert faszinierende Erlebnisse rund um
den Globus mit Libellen und Füchsen, Seelöwen, Meerechsen, Walhaien und
Nashörnern und zeigt, wie uns Wissen über das Verhalten von Tieren dabei
helfen kann, unsere eigenen Lebensgrundlagen zu erhalten.

„Dieses Buch ist meine Art, die uns abhandengekommene Verbindung zur
Tierwelt und dem darin enthaltenen Wissen wiederzubeleben“, so Wikelski.
„Wir alle haben unsere Erfahrungen mit Tieren – seien es Haustiere oder
andere Tiere. Indem ich wissenschaftliche Erkenntnisse und diese
alltäglichen Erfahrungen zusammenbringe, möchte ich zeigen, wie nahe
unsere beiden Welten beieinanderliegen und wie viel wir von Tieren lernen
könnten, wenn wir nur zuhören würden – bzw. könnten.“

Internationale Zusammenarbeit in herausfordernden Zeiten
Auch die Geschichte von ICARUS selbst bleibt spannend – denn ein
internationales Kooperationsprojekt dieser Größenordnung ist nicht nur
schwer auf die Beine zu stellen, es unterliegt auch den Entwicklungen des
politischen Weltgeschehens. So übermittelten nach dem Start des ICARUS-
Projekts im Jahr 2020 leichte, an Tieren angebrachte Sensoren ihre Daten
zunächst an eine Antenne und Computer auf dem russischen Modul der
Internationalen Raumstation ISS, bevor sie von dort zu den Forschenden
gelangten. Diese Zusammenarbeit mit Roskosmos ermöglichte es, das
Verhalten und die Wanderungen von Tausenden von Tieren auf der ganzen Welt
zu beobachten – sogar an schwer zugänglichen Orten wie über Ozeanen, in
Wüsten und in Regenwäldern. Als jedoch im März 2022 der russische Krieg
gegen die Ukraine begann, musste die Partnerschaft zwischen der deutschen
und der russischen Raumfahrtbehörde eingestellt werden – das unerwartete,
zwischenzeitliche Aus für ICARUS.

Doch die Erfolgsgeschichte von ICARUS wird fortgeschrieben: Das Projekt
wird auf Basis von Satelliten anstelle der ISS weitergeführt. Die gesamte
Technik eines neuen Empfängersystems konnte auf einem kleinen Satelliten –
einem sogenannten CubeSat – untergebracht werden. Bereits im Juni 2023
startete ein solcher CubeSat von Kalifornien aus ins All. Mit ihm wird das
ICARUS-Team in den nächsten Monaten wichtige Tests durchführen. 2025 soll
dann mit dem neuen Empfängersystem die zweite ICARUS-Generation gestartet
werden. Das Ziel: ein „Internet der Tiere“ etablieren, das Auskunft
darüber gibt, wie sich Ökosysteme und das Klima verändern und wie die
Tiere auf diese Veränderungen reagieren – um aus diesem riesigen Schatz an
Informationen zu lernen.

„Migration im Tierreich ist weniger durch genetische Veranlagung bestimmt
als durch erlerntes Wissen. Wie Insekten, Raubkatzen oder Meeressäuger
sich bewegen, untereinander kommunizieren und agieren, hat das Potenzial,
die Zukunft unseres Planeten zu verändern“, so Wikelski. Er ist überzeugt:
Dank des „Internets der Tiere“ werden wir in der Lage sein, besser mit dem
Klimawandel umzugehen, uns vor Naturkatastrophen zu schützen oder den
Wildtierhandel sowie die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen – und
somit nicht nur den Artenschutz, sondern unser aller Leben auf der Erde zu
verbessern.



Faktenübersicht:

- Neues erzählerisches Sachbuch von Martin Wikelski über die Geschichte
des ICARUS-Projekts
- Titel: The Internet of Animals. Was wir von der Schwarmintelligenz des
Lebens lernen können
- Verlag (deutsche Ausgabe): Piper Verlag (EAN: 978-3-89029-561-9)
- Erscheinungsdatum: 29. Februar 2024

- 2025 soll mithilfe von Satelliten der wissenschaftliche Betrieb der
zweiten ICARUS-Generation starten.

- Das neue ICARUS-System wird von der Max-Planck-Gesellschaft gefördert.
Gebaut wird es von TALOS und neosat. Die Weltraum-Mission 2025 von ICARUS
wird in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum SPACE der Universität der
Bundeswehr München (UniBW) und dem Münchner Startup OroraTech
durchgeführt.

- Martin Wikelski ist Direktor am Max-Planck-Institut für
Verhaltensbiologie und Honorarprofessor an der Universität Konstanz. 2021
erhielt er den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg – unter anderem
für seine Verdienste um die Wissenschaftskommunikation.

- Am 20. März 2024 wird Wikelski ab 19:00 Uhr in der Buchhandlung Osiander
Konstanz (Kanzleistraße 5, 78462 Konstanz-Altstadt) eine Lesung halten.

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Hochschulallianz Ruhr zieht zum Applied Excellence Department ins Postgebäude und bezieht die "Alte Druckerei"

Die Hochschulallianz Ruhr (HAR), bisher am Berliner Platz in Herne angesiedelt, zieht mit der neuen Initiative der Allianz-Hochschulen, dem Applied Excellence Department (AED), und dem ruhrvalley DeepTech Innovationsnetzwerk zusammen. Die neue Geschäftsstelle befindet sich in der Bebelstraße 20 in Herne, dem Postgebäude.
Die Hochschule Bochum, die Fachhochschule Dortmund und die Westfälische Hochschule, die drei großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften im Ruhrgebiet, kooperieren bereits seit vielen Jahren in den Bereichen Studium, Forschung und Transfer unter dem gemeinschaftlichen Dach der Hochschulallianz Ruhr. Durch impulsgebende Forschung und deren Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft sowie wichtige Beiträge zur Fachkräftesicherung ist die HAR Transformationsgestalterin für die Region. Durch den nun erfolgten örtlichen Zusammenschluss der unterschiedlichen Einrichtungen und Projekte unter einem Dach im Herzen von Herne können die entstandenen Synergien optimal genutzt werden.
Professor Andreas Wytzisk-Arens, Sprecher des HAR-Lenkungskreises, freut sich über die räumliche Konsolidierung der gemeinsamen Initiativen: "Wir arbeiten auf allen Ebenen seit Jahren als regionale Hochschulen vertrauensvoll zusammen. Eine noch bessere Vernetzung der großen gemeinsamen Vorhaben an einem zentralen Standort im Ruhrgebiet ist der logische nächste Schritt."
Anmietung der "Alten Druckerei"
Ein weiteres Highlight für die Allianz ist die Anmietung der "Alten Druckerei" des bekannten Literaturhauses in Herne. "Die "Alte Druckerei" ist ein wunderschöner Raum für Kreativität und Innovation. Wir freuen uns sehr, dass wir die Möglichkeit haben, exzellente Forschung und innovative Lehre an diesem Ort zu vereinen und in Austausch und Dialog mit unseren Partnerinnen und Partnern und der Stadtgesellschaft gehen zu können", sagt Daniela Rings, Geschäftsstellenleiterin der HAR und des AED. Auch Elisabeth Röttsches vom Literaturhaus Herne begrüßt den Umzug in die Räumlichkeiten des Traditionshauses: "Ich freue mich sehr, dass die "Alte Druckerei" ein Ort der Lehre und des wissenschaftlichen Austauschs sein wird."


Über die Hochschulallianz Ruhr
Die Hochschule Bochum, die Fachhochschule Dortmund und die Westfälische Hochschule in Gelsenkirchen, die drei großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften im Ruhrgebiet, arbeiten seit langem in den Bereichen Studium, Forschung und Transfer unter dem gemeinschaftlichen Dach der Hochschulallianz Ruhr, um ihre enormen Potenziale noch besser und systematischer zu nutzen. Zur Koordination der Aktivitäten haben die drei Hochschulen eine zentrale Geschäftsstelle in Herne eingerichtet.
Das AED ist eine Initiative der Allianzhochschulen und versteht sich als Impulsgeber für die nachhaltige Transformation der Ruhrregion. Ziel ist der Aufbau eines gemeinsamen Fachbereichs und die Entwicklung und der Transfer praxistauglicher, postfossiler vernetzter Energie- und Mobilitätslösungen für das Ruhrgebiet. Hierzu gehört auch die Ausbildung der hierfür erforderlichen Fachkräfte. Dazu werden die drei Hochschulen in einem neuartigen, innovativen Modell eng mit Kommunen, Unternehmen und Verbänden der Region verknüpft.
Das ruhrvalley DeepTech Innovationsnetzwerk wurde 2017 von den Mitgliedern der Hochschulallianz Ruhr gegründet und besteht aus Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie dem ruhrvalley Cluster e.V. Auch hier wird gemeinsam an zukunftsweisenden Lösungen für eine postfossile und vernetzte Gesellschaft gearbeitet. Forschungsintensive Technologien sind die Basis, substanzielle Innovationen aus der Forschung sind das Ziel.
Die Cluster der Hochschulallianz Ruhr werden durch die in Essen ansässige Stiftung Mercator gefördert.
Das Applied Excellence Department wird vom Ministerium für Kultur und Wirtschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
Das ruhrvalley-Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

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Statement: Homeoffice nach Corona – Karrierechance oder Karrierekiller?

Prof. Dr. Veronika Kneip und Prof. Dr. Regine Graml verweisen zum
Frauentag am 8. März auf stereotype Denkmuster als Karrierehindernis bei
Heimarbeit.

Ein Nebeneffekt der Corona-Pandemie bestand darin, dass die Arbeit aus dem
Homeoffice für viele Beschäftigte zum „New Normal“ geworden ist. Für
Frauen nährten die fortschreitende Digitalisierung und flexible
Arbeitszeitmodelle die Hoffnung, dass sich dadurch neue berufliche Chancen
ergeben könnten. „Das Arbeiten von Zuhause ist nicht automatisch eine
Karrierechance.“ So umreißen Prof. Dr. Veronika Kneip und Prof Dr. Regine
Graml die Ergebnisse ihrer Literatur-Studie „career@home“, auf die sie
anlässlich des bevorstehenden Frauentags am 8. März verweisen (1). Als
Grund für Nachteile vor allem für Frauen analysierten die
Wirtschaftswissenschaftlerinnen der Frankfurt University of Applied
Sciences (Frankfurt UAS), dass trotz der generellen Akzeptanz von Arbeiten
im Homeoffice ein kultureller und struktureller Wandel in vielen
Unternehmen noch aussteht.

Während mobiles Arbeiten von Unternehmen zunächst rein als
Krisenintervention gesehen wurde, stellten viele Arbeitgeber fest, dass
mehr Aufgaben als zuvor angenommen – insbesondere auch anspruchsvolle
Aufgaben – aus dem Homeoffice erledigt werden können. Inzwischen fordern
Arbeitnehmer*innen selbstbewusst Homeoffice-Tage ein und das mobile
Arbeiten ist fest in den Dienstvereinbarungen vieler Unternehmen
verankert. „Insbesondere Frauen müssen sich dabei jedoch bewusst sein,
dass sich die Arbeit aus dem Homeoffice negativ auf ihre Karriere
auswirken kann“, so Veronika Kneip. Hintergrund ist das sogenannte
Flexibilitäts-Stigma: Dieses leitet sich aus dem nach wie vor weit
verbreiteten Stereotyp des idealen Arbeitnehmers ab, der sowohl zeitlich
als auch örtlich allzeit verfügbar ist. Diese Art der ständigen
Verfügbarkeit dient Führungskräften häufig unbewusst als Indikator für
qualitativ hochwertige Arbeit und hohes Engagement. Dem gegenüber wird
jede Art von flexibler Arbeit als ein Bruch mit dem Ideal und Abweichung
vom vermeintlichen Optimum angesehen.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Arbeiten von Frauen im
Homeoffice anders gesehen wird als bei Männern. „Frauen im Homeoffice wird
eine geringere Produktivität als Männern zugeschrieben. Daraus ergeben
sich weitere Benachteiligungen für Gehalt und Karriere“, erläutert Regine
Graml. Inwieweit solche negativen Folgen auftreten, hängt nicht zuletzt
von dem tatsächlichen oder auch nur vermuteten Grund für die Arbeit in
flexiblen Settings ab. Entscheidend ist dabei das „wahrgenommene
Engagement“, je nachdem, ob berufliche oder private Gründe für flexibles
Arbeiten angeführt oder angenommen werden. Dabei wird Frauen häufig per se
unterstellt, dass sie flexible Arbeitsformen primär nutzen, um einen Fokus
auf Aufgaben in ihrem privaten Umfeld zu legen und dass damit ein
geringeres Engagement in der beruflichen Tätigkeit einhergeht.

Im Zuge der Normalisierung der Homeoffice-Tätigkeit und der generell
steigenden Akzeptanz im Zuge der Corona-Pandemie zeichnet sich hier zwar
eine leichte Trendwende ab. „Allerdings sind die oben genannten
stereotypen Denkmuster nach wie vor mächtig“, so Kneip. „Im Rahmen unserer
Forschung kommen wir zu dem Schluss, dass es eines zusätzlichen Wandels
der Unternehmenskultur und -struktur bedarf, damit das mobile Arbeiten
nicht mit einem Karriereknick einhergeht. Dabei geht es vor allem um eine
Konsistenz zwischen formalen und informalen Praktiken: Viele Unternehmen
bieten zwar flexible Arbeitsmodelle an und bekennen sich offiziell zu
individuellen Arbeits- und Lebensmodellen, halten informell jedoch am
traditionellen Bild des idealen Arbeitnehmers fest. Dies geht vielfach
damit einher, dass es keine transparenten Kriterien und Prozesse für
Karriereentwicklungen gibt. Das birgt die Gefahr, dass Anwesenheitszeit
weiter mit Engagement gleichgesetzt und entsprechend honoriert wird.“

Damit die ‚face time‘ im Büro nicht länger über Karrierechancen
entscheidet, müssen Unternehmen ihre Personalentwicklungs- und
Leistungsbeurteilungsysteme entsprechend anpassen, Karrieremöglichkeiten
transparent machen und eine moderne Unternehmenskultur entwickeln, die
nicht mehr vom Idealbild des allzeit verfügbaren (männlichen)
Arbeitnehmers geprägt ist.

Zur Person:
Prof. Dr. Veronika Kneip ist seit 2020 Professorin für Allgemeine
Betriebswirtschaft insbesondere Human Resource Management und Organisation
an der Frankfurt UAS. Zuvor war sie als Direktorin im Management der
Frankfurt School of Finance & Management tätig. Sie ist Prodekanin des
Fachbereichs Wirtschaft und Recht und forscht zu den Bereichen Leadership,
Digitalisierung, Wirtschaftsethik und Diversität.

Prof. Dr. Regine Graml M.A. hat die Professur Allgemeine
Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalmanagement und Organisation
am Fachbereich Wirtschaft und Recht der Frankfurt UAS inne. Sie forscht
und lehrt zu Leadership, Kultur und Gender. Prof. Graml hat über zehn
Jahre einschlägige Berufserfahrung in der Wirtschaft, sowohl in der
Industrie als auch im Beratungs- und Dienstleistungssektor.
Beide Wissenschaftlerinnen sind Direktoriumsmitglieder des Instituts für
Mixed Leadership (IML) der Frankfurt UAS.

Gern stehen Prof. Dr. Veronika Kneip und Prof. Dr. Regine Graml für
Interviews, Fragen und weitere Statements rund um das Thema zur Verfügung.

(1) Graml, Regine/Kneip, Veronika (2023). Gender Gap in Work-from-Home
career prospects. How does flexible work impact career development?,
Conference “New work, new problems?”, Luzern, 07-08.09.2023

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 3: Wirtschaft und
Recht, Prof. Dr. Veronika Kneip, Telefon: +49 69 1533-2957, E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. | Prof. Dr. Regine Graml, Telefon: +49 69
1533-2918, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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