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LSO, Neujahrskonzert – Le Grand Tour d’Europe, KKL Luzern, 1.1.2024, besucht von Léonard Wüst

Luzerner Sinfonieorchester

Anu Tali die Taktgeberin

Harfenist Xavier de Maistre und Dirigentin Anu Tali mit spanisch aufrechter Haltung Foto Philipp Schmidli

Ausführende und Programm
Luzerner Sinfonieorchester
Anu Tali Leitung
Xavier de Maistre Harfe
Franz von Suppé (1819 ‒ 1895) Ouvertüre zur Operette «Leichte Kavallerie»
Joaquín Rodrigo (1901 ‒ 1999) Concierto de Aranjuez für Harfe und Orchester
Antonin Dvořák (1841 ‒ 1904) «Das goldene Spinnrad» Op. 109
Maurice Ravel (1875 ‒ 1937) «La Valse», Poème choréographique
Johann Strauss Jr. (1825 – 1899) Kaiser-Walzer» Op. 437

 

Vorab Informationen ab Homepage des Luzerner Sinfonieorchesters, des Residenzorchesters des  KKL Luzern

Ausgangspunkt ist Spalato, das heutige Split, wo Franz von Suppé geboren wurde. Allerdings mit wesentlich ambitionierteren, nämlich italienisch aristokratischen Taufnamen: Francesco Ezechiele Ermenegildo de Suppe..In seinem «Concierto di Aranjuez» entführt Joaquin Rodrigo sein Publikum in die Frühlingsresidenz der spanischen Könige auf den Höhen von Neukastilien, und die Musik evoziert dabei die spezifische Hofatmosphäre um die Wende zum 19. Jahrhundert.In die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg führt dann Ravels «La Valse» ‒ eine Apotheose und gleichzeitig ein letzter Abgesang auf den traditionellen Wiener Walzer aus einer nun definitiv untergegangenen Zeit.

Anstelle des kurzfristig verhinderten französischen Taktstockschwingers Bertrand de Billy übernahm die Estin Anu Tali, dies mit leicht abgeändertem Programm.

Festlicher Auftakt mit Franz von Suppé

Dirigentin Anu Tali
Dirigentin Anu Tali

Das Neujahrskonzert im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) des Luzerner Sinfonieorchesters unter der leitenden Hand von Anu Tali begann mit der festlichen Ouvertüre zur Operette “Leichte Kavallerie” von Franz von Suppé. Schon die ersten Töne versetzten das Publikum in eine feierliche Stimmung, die den Auftakt für einen Abend voller musikalischer Höhepunkte bildete.

Spanische Klänge mit Joaquín Rodrigo

Harfenist Xavier de Maistre und Dirigentin Anu Tali mit spanisch aufrechter Haltung Foto Philipp Schmidli
Harfenist Xavier de Maistre und Dirigentin Anu Tali mit spanisch aufrechter Haltung Foto Philipp Schmidli

Der Übergang zu Joaquín Rodrigos “Concierto de Aranjuez” für Harfe und Orchester faszinierte mit einem bemerkenswerten Wechsel der Stimmung. Der Harfensolist Xavier de Maistre entführte das Publikum in die sonnengetränkten Landschaften Spaniens. Rodrigo’s meisterhafte Komposition und de Maistres virtuoses Spiel verschmolzen zu einem eindrucksvollen Erlebnis, das die Zuhörer in eine Welt voller Emotionen entführte und diese zu einem langanhaltenden Applaus motivierten. Dafür belohnte uns der Solist mit einer kurzen Zugabe auf seiner Harfe.

Magische Klänge von Antonin Dvořák

Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch (1).jpg
Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch

Das Luzerner Sinfonieorchester setzte seine klangliche Reise nach der Pause fort mit Antonin Dvořáks “Das goldene Spinnrad” Op. 109. Die Musik entfaltete sich wie ein märchenhaftes Gewebe, gewoben aus lyrischen Melodien und dramatischen Höhepunkten. Unter Anu Talis Leitung fand das Orchester eine harmonische Balance zwischen den verschiedenen instrumentalen Texturen, was dem Stück eine magische Qualität verlieh.

Maurice Ravels “La Valse” – ein tanzendes Poem

Der Abend ging weiter mit Maurice Ravels “La Valse”, einem poetischen und zugleich tanzenden Poem. Anu Tali führte das Orchester durch die raffinierten rhythmischen Verschiebungen und dynamischen Kontraste dieses Meisterwerks. Die musikalische Erzählung entfaltete sich wie ein Wirbelwind, der das Publikum mit sich riss und in eine Welt voller Wagnisse und Eleganz entführte.

Walzerträume mit Johann Strauss Jr.

Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch
Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch

Der Höhepunkt des Abends erreichte seinen Gipfel mit Johann Strauss Jr.’s “Kaiser-Walzer” Op. 437. Die Leichtigkeit, mit der Anu Tali das Orchester durch die lebhaften Wirbel des Walzers führte, beeindruckte. Die musikalische Dynamik fesselte das Publikum, das sich in den mitreißenden Melodien verlor. Die künstlerische Interpretation brachte die zeitlose Schönheit von Strauss’ Komposition eindrucksvoll zur Geltung.

Fazit: Ein unvergessliches Neujahrserlebnis

Anu Tali die Taktgeberin
Anu Tali die Taktgeberin

Das Neujahrskonzert im KKL Luzern mit dem Luzerner Sinfonieorchester unter der inspirierenden Leitung von Anu Tali war zweifellos ein unvergessliches Erlebnis. Die sorgfältig ausgewählten Werke spiegelten nicht nur die Vielfalt der musikalischen Epochen wider, sondern zeigten auch die beeindruckende Bandbreite und Virtuosität des Orchesters.

Klangliche Brillanz und künstlerische Sensibilität

Die klangliche Brillanz des Orchesters unterstrich die meisterhafte Interpretation der Werke. Anu Tali zeigte nicht nur technisches Geschick in der Führung des Orchesters sowie gestenreiches Dirigat sondern auch eine tiefe künstlerische Sensibilität. Die Nuancen in den Interpretationen der unterschiedlichen Komponisten wurden feinfühlig herausgearbeitet, was dem Konzert eine bemerkenswerte Tiefe verlieh.

Harfensolist Xavier de Maistre begeistert

Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch
Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch

Besonders hervorzuheben ist die herausragende Leistung des Harfensolisten Xavier de Maistre im “Concierto de Aranjuez”. Sein Spiel war von einer beeindruckenden Virtuosität und gleichzeitig von einer emotionalen Tiefe geprägt, die das Publikum tief berührte. Die Zusammenarbeit zwischen de Maistre und dem Orchester schuf eine harmonische Symbiose, die das Konzert zu einem wahrhaftigen Höhepunkt machte.

Ich, wie auch viele andere Besucher,  kennen, bzw. kannten das Werk des spanischen Komponisten eher in der Adaption bekannter Jazzmusiker.

Dirigentin Anu Tali – eine inspirierende Kraft

Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch
Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch

Anu Tali erwies sich als inspirierende Dirigentin, die nicht nur technische Präzision, sondern auch eine tiefgreifende emotionale Verbindung zu den Werken demonstrierte. Ihre energiegeladene Präsenz auf der Bühne wirkte ansteckend und trug zur dynamischen Atmosphäre des Konzerts bei.

Das Publikum im KKL Luzern honorierte die herausragende Darbietung mit enthusiastischem Applaus zu einer stehenden Ovationen reichte es nicht ganz.. Die Magie des Neujahrskonzerts wurde durch die perfekte Symbiose zwischen Dirigentin, Orchester und dem Solisten geschaffen, und die Zuhörer wurden auf eine unvergessliche musikalische Reise, eben dem Konzert vorangestellten Titel entsprechend, auf eine «Grand Tour d’Europe» mitgenommen.

Ein gelungener Start ins neue Jahr

Insgesamt bot das Neujahrskonzert des Luzerner Sinfonieorchesters im KKL Luzern ein beeindruckendes Programm, das die künstlerische Exzellenz des Orchesters und die Leitung von Anu Tali unterstrich. Dieser festliche Abend war zweifellos ein gelungener Start ins neue Jahr für alle Liebhaber klassischer Musik.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Vanessa Böscch und www.sinfonieorchester.ch

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Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch

Anu Tali Leitung Foto Kaupo-Kikkas

Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch

Xavier de Maistre Solist Harfe

Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch

Neujahrskonzertimpression vom Vanessa Bösch

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Stadttheater Sursee, Die Herzogin von Chicago, Premiere 6. Januar 2024, besucht von Léonard Wüst

Herzogin von Chicago

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Produktion und Besetzung:
Katrin Gurtner Künstlerische Leitung Eigenproduktionen
Giuseppe Spina Regisseur
Harald Siegel Musikalische Leitung
Peter Meyer Chorleitung
Solisten, Chor, Kinderchor & Ballett  über folgende Links:
https://www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=525848
http://www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=525849
https://www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=525850
https://www.stadttheater-sursee.ch/dynasite.cfm?dsmid=525851

Wie alle Jahre wieder durfte der Präsident der Musik- und Theatergesellschaft Sursee, Daniel Gloor, im vollbesetzten Theatersaal, nebst dem «gewöhnlichen» Fussvolk, viel lokale und regionale Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft begrüssen und zeigte sich erfreut, dass man dieses Jahr mit dem Kulturpreis der Stadt Sursee ausgezeichnet worden sei, man habe immerhin, wie er verschmitzt meinte, ganze 223 Jahre darauf geplanget. Anmerkung des Autors: Am 14. Dezember 1800 wurde sie als Verein mit dem anfänglichen Namen „Theater- und Freundschaftsgesellschaft” gegründet und besteht seither ununterbrochen.

Da passte es doch gut, dass auch der ebenfalls anwesende Kulturminister des Kantons Luzern, Regierungsrat Armin Hartmann, ein paar launige Worte an das Auditorium richtete, bevor die Bühne dann für die einzig wirklich wichtige Sache des Tages freigegeben wurde.

Und schon erscholl aus dem Orchestergraben die furiose Ouvertüre und das Duell Csárdás gegen Charleston nahm seinen Lauf. Später wechseln sich Walzer im Dreivierteltakt, Csárdás, Jazz, Foxtrott, Charleston und selbst exotische Westernklänge in lockerer Folge ab, je nachdem, wer der beiden gegensätzlichen Parteien Europa, traditionell, oder die USA, fortschrittlich, auf der Bühne grad dominiert.

Das Bühnenbild von David Leuthold wird offen, d.h. ohne Spielunterbruch,  umgestaltet,. Das erste Bild als Belle Époque Café in Budapest , während das zweite und dritte an einen Thronsaal in irgendeinem Schloss in Südeuropa nachempfunden sind, zuerst nach alter Väter Sitte, dann von Mary Lloyd  «amerikanisiert» ausgestaltet

Ein festlicher Abend voller Charme: Die Gräfin von Chicago begeistert das Publikum

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die Operette “Die Gräfin von Chicago” entführte das Publikum in eine Welt des Glanzes und der Romantik. Unter der musikalischen Leitung von Harald Siegel, souveräner Regie von Giuseppe Spina und einer beeindruckenden Besetzung wurde die Aufführung zu einem festlichen Ereignis. Die mitwirkenden Künstler, angeführt von Tereza Kotlanova als Mary Lloyd, Emanuel Heitz als Erbprinz von Sylvarien und Raphaela Felder als Prinzessin Rosemary, lieferten eine mitreißende Darbietung ab.

Tereza Kotlanova als bezaubernde Mary Lloyd: Charme und stimmliche Brillanz

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Tereza Kotlanova verkörperte die Hauptrolle der Mary Lloyd mit unwiderstehlichem Charme und stimmlicher Brillanz. Ihr nuancenreiches Spiel und ihre klare, ausdrucksstarke Stimme verliehen der Figur eine unvergleichliche Lebendigkeit. Kotlanova beherrschte die Bühne mit einer Mischung aus Eleganz und Humor, was die Zuschauer in den Bann zog. Ihre überzeugende Performance trug maßgeblich zum Erfolg der Aufführung bei.

Emanuel Heitz als Erbprinz von Sylvarien: Ein galanter Liebhaber

In der Rolle des Erbprinzen von Sylvarien brillierte Emanuel Heitz mit seiner charmanten Darstellung eines galanten Liebhabers. Seine Bühnenpräsenz und sein geschicktes Spiel schufen eine glaubwürdige Chemie zwischen den Hauptfiguren. Heitz verstand es, die romantischen und humorvollen Elemente seiner Rolle gekonnt zu vereinen und trug somit entscheidend zur Dynamik der Aufführung bei.

Raphaela Felder als bezaubernde Prinzessin Rosemary: Eleganz und Anmut

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Raphaela Felder beeindruckte als Prinzessin Rosemary mit ihrer Eleganz und Anmut. Ihr stimmliches Können verlieh der Figur eine emotionale Tiefe, die die romantische Handlung intensivierte. Felder überzeugte nicht nur durch ihre gesangliche Leistung, sondern auch durch ihre schauspielerische Ausdrucksstärke. Die Interaktion zwischen ihr, Kotlanova, Banz und Heitz bildete das Herzstück der Inszenierung.

Die Nebenrollen überzeugen: Ruben Banzer, Jurij Leopold, Stefan Wieland, Timothy Löw, Andreas Fitze

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die Nebenrollen wurden von einer talentierten Gruppe von Künstlern verkörpert, die die Vielfalt der Charaktere zum Leben erweckten. Ruben Banzer als Mr. Bondy, Jurij Leopold als Drole Primas, Stefan Wieland in den Doppelrollen als König Pankraz und Mr. Lloyd, Timothy Löw als Marquis Perolin und Andreas Fitze als Graf Bojazowitsch trugen mit ihren individuellen Interpretationen zu einem harmonischen Gesamtbild bei. Ihre schauspielerische Vielfalt und stimmliche Ausdrucksstärke trugen zur Dynamik und Unterhaltsamkeit der Inszenierung bei.

Harald Siegel als Dirigent: Meisterhaftes Zusammenspiel

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die musikalische Leitung von Harald Siegel führte das Orchester und den Chor mit Präzision und Einfühlungsvermögen. Das Zusammenspiel zwischen den Orchesterklängen und den gesanglichen Darbietungen der Solisten war meisterhaft. Siegels Dirigat verlieh der Aufführung die nötige Tiefe und emotionale Resonanz, sodass die Musik als eigenständiger Erzählstrang wirkte und die Handlung unterstützte. Wie der musikalische Leiter beim vorangegangenen Mediengespräch erläuterte, bedinge dieses Werk eine sehr grosse Orchesterbesetzung, der man so, umständehalber, nicht ganz nachkommen könne, aber der «Graben» sei rappelvoll. Dazu sei das auf der Bühne agierende Quartett nicht bloss Dekoration, sondern spiele auf ihren jeweiligen Instrumenten, die da waren. Der Primas, logisch, mit der Violine, dazu Bass, Piano und, der neuen Musik geschuldet, das Saxophon.

Dieser Primas übrigens, schlicht genial gegeben von Jurij Drole, war nicht nur instrumental auf der Höhe, nein, er trug auch sängerisch und darstellerisch viel zur Inszenierung auf den Brettern, die die Welt bedeuten bei.

Chor und Kinderchor: Stimmungsvolle Kulisse und bezaubernder Akzent

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Der Chor, geschult von Peter Meyer, geführt von  den jeweiligen Stimmführer*innen in den diversen Stimmlagen, schuf eine stimmungsvolle Kulisse, die die Handlung unterstützte und verstärkte. Besonders bemerkenswert war der Kinderchor, der mit entzückender Unbeschwertheit und beeindruckender Präzision agierte. Die Einbindung der Kinder verlieh der Aufführung einen bezaubernden Akzent und trug zur festlichen Atmosphäre bei.

Gute Einbindung der diversen Balletteinlagen

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori
Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die fünf jungen Damen und die zwei Herren erhielten dieses Jahr erheblich mehr «Auslauf», waren nicht nur erforderliches Beigemüse und Lückenfüller. Die Choreografien, jederzeit makellos ausgeführt, waren fliessend und wo nötig, perfekt synchron, nicht wie manchmal in früheren Jahren etwas gezwungen angespannt und hölzern.

Fazit: Ein opulentes Spektakel mit bezaubernden Darbietungen

Laien und Profis stehen in «Die Herzogin von Chicago» Seite an Seite auf der Bühne Foto Roberto Conciatori
Laien und Profis stehen in «Die Herzogin von Chicago» Seite an Seite auf der Bühne Foto Roberto Conciatori

“Die Gräfin von Chicago” erwies sich als opulentes Spektakel, das durch bezaubernde Darbietungen, stimmungsvolle Musik und eine gelungene Inszenierung bestach. Die mitwirkenden Künstler, angeführt von der gebürtigen Pragerin Tereza Kotlanova, Emanuel Heitz und Raphaela Felder, lieferten eine mitreißende Performance ab. Harald Siegels meisterhafte musikalische Leitung und das engagierte Spiel des Chors und Kinderchors trugen maßgeblich zum Erfolg des Abends bei. Eine gelungene Aufführung, die das Publikum in eine Welt des Glanzes und der Romantik entführte und es dazu animierte, dem langanhaltenden Schlussapplaus die verdiente stehende Ovation folgen zu lassen.

Natürlich bedient das Werk, trotz Aufbruch in modernere Zeiten, die Operetten üblichen Stereotype, wie: das Paar kriegt sich, dann doch nicht, dann bekommt der falsche die falsche, bevor sich nach turbulenten Wirren, doch noch alles zum vielbesungenen Happy End fügt. Ob das an und für sich sehr treue Sorser Operettenpublikum diesen Ausflug in modernere Zeiten goutieren wird, lässt sich noch nicht schlüssig abschätzen, die Vorverkauszahlen stimmten aber durchaus zuversichtlich, so Daniel Gloor im Vorabgespräch.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Roberto Conciatori www.stadttheater-sursee.ch

www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch

www.maxthuerig.ch   www.marinedllapolli.ch

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

Die Herzogin von Chicago Szenenfoto von Roberto Conciatori

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Datenbank FOGS gegen illegalen Wildtierhandel am Start

Der globale illegale Wildtierhandel bedroht rund 6.000 geschützte Arten
und ihre Populationen. Mit der Referenzdatenbank FOGS und neuen
Analysemethoden unterstützt das Leibniz-Institut zur Analyse des
Biodiversitätswandels (LIB) Behörden und Artenschutzverbände darin,
konfisziertes Material von Wildtieren verschiedenen Arten und Populationen
zuzuordnen. Das FOGS-Datenportal steht nun zur Verfügung.
Ergänzend kommen am 22. und 23. Februar 2024 Vertreterinnen und Vertreter
aus Artenschutz, kriminalistischer Ermittlung, Wissenschaft und Politik
zum Austausch im Museum Koenig Bonn beim FOGS - Symposium „Wildlife Crime
in Deutschland“  zusammen.

Zunächst startet FOGS (Forensic Genetics for Species Protection) mit
europäischen Wirbeltierarten, die für den illegalen Handel relevant sind.
Das Ziel ist, diese Technologie später auch für den weltweiten Artenschutz
anzuwenden. Viele heimische Vogelarten und einige Exoten, wie
Graupapageien und der Hyazinth-Ara sowie einige Waranarten, wurden in die
Datenbank aufgenommen. Um diese aufzubauen, hat das Forschungsteam in der
fünfjährigen Projektzeit, die nun ausläuft, mehr als 4.000 Proben von
Wild- und Zootieren genutzt.

„Mit FOGS haben wir ein Instrument geschaffen, den illegalen Händlern von
Wildtieren auf die Spur zu kommen und hierüber bedrohte Arten zu
schützen“, erläutert Albia Consul, Projektkoordinatorin am Museum Koenig
Bonn des LIB. Dank einer Vielzahl hinterlegter molekulargenetischer Proben
ermöglicht die Datenbank den Zollämtern und Naturschutzbehörden,
konfisziertes Beweismaterial für strafrechtliche Ermittlungen gerichtsfest
zu identifizieren.

Die Referenzproben lassen eine schnelle und genaue Bestimmung von Arten,
ihrer geografischen Herkunft und Zugehörigkeit zu Populationen zu. Albia
Consul: „Wir haben ein gutes Grundgerüst geschaffen. Das Datenportal ist
aber natürlich nur so gut, wie es auch genügend Referenzproben gibt und
sollte fortlaufend erweitert werden.“

„Der Wildtierhandel ist mittlerweile der viertgrößte Sektor der
organisierten Kriminalität. Wir setzen hier mit unserer wissenschaftlichen
Expertise, mit Aufklärung und mit dem Aufbau eines Netzwerkes von Akteuren
aus unterschiedlichen Fachbereichen im Kampf gegen den illegalen Handel
an", betont Albia Consul.

Seit Juli 2019 haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des LIB im
Rahmen des Projektes FOGS an einer öffentlich zugänglichen Datenbank
gearbeitet. Über genetische Methoden kann Material gefährdeter Tierarten
sicher identifiziert werden. Möglich wird dies über die gekoppelte Analyse
zweier molekularer Marker. Der hohe genetische Informationswert macht eine
Zuordnung eines Individuums zu einer Population möglich.

In FOGS haben LIB-Forschende erstmals systematisch die neue SNPSTR-
Technologie (single nucleotide polymorphisms short tandem repeats
–Technologie) auf Wildtiere angewendet. Bei dieser Technologie werden
kurze, sich im Genom eines Organismus oft hintereinander wiederholende
DNA-Abschnitte (STRs) mit punktuellen genetischen Veränderungen (SNPs)
kombiniert. Diese Methode erlaubt Elternschaftsanalysen und die
Differenzierung von Populationen. „Mit einigen zusätzlichen molekularen
Möglichkeiten können wir bald Aussagen dazu treffen, ob zum Beispiel Tiere
aus legalen Zuchten stammen oder illegale Wildfänge sind“, beschreibt
Albia Consul die Dimension dieses Verfahrens.

SNPSTR-Marker ermöglichen es außerdem, die Herkunft von unbekannten Tieren
auf Populationslevel zu bestimmen. So können Wilderei-Hotspots
identifiziert und beschlagnahmte Tiere in ihre Ursprungspopulation
zurückgebracht werden.

Mit dem Launch des FOGS-Datenportals ist die Forensik noch nicht
abgeschlossen. Albia Consul: „Ein großes Ziel wäre für uns, am LIB ein
Forensikzentrum einzurichten, um im direkten Austausch mit den Behörden
schnell auf illegalen Wildtierhandel reagieren und ihn somit gezielt zu
bekämpfen zu können.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das FOGS-
Projekt im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt
seit Mitte 2019 mit 1,5 Mio. Euro gefördert.

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„Der Krieg gegen die Ukraine ist ein Kampf gegen Zivilgesellschaft und Demokratie“

Zum zweiten Jahrestag des russischen Angriffs auf das gesamte Gebiet der
Ukraine spricht Osteuropahistoriker Prof. Dr. Dietmar Neutatz von der
Universität Freiburg im Interview über Motive Wladimir Putins, die Rolle
des Westens und schwierige Szenarien für ein Kriegsende

Herr Neutatz, welche Bilanz ziehen Sie nach zwei Jahren Krieg in der
Ukraine?

Die Ukraine hat es 2022 geschafft, den russischen Versuch zu vereiteln,
sie handstreichartig als souveränen und unabhängigen Staat zu liquidieren.
Sie hat die russischen Truppen weiträumig zurückwerfen können und ihnen
große Verluste zugefügt. 2023 hat sie dann den Versuch unternommen, mit
einer Gegenoffensive die russischen Truppen aus den besetzten Gebieten
ganz zu verdrängen. Das ist ihr nicht gelungen – unter anderem, weil die
Unterstützung durch die westlichen Länder nicht schnell genug und auch
nicht in dem Ausmaß erfolgt ist, wie es notwendig gewesen wäre. Das hat
den Russen Zeit gegeben, in den besetzten Gebieten ein tief gestaffeltes
System von Befestigungen und Minenfeldern einzurichten. Je länger dieser
Krieg dauert, desto prekärer wird die Situation der Ukraine, weil es ihr
schwerer fällt als der russischen Seite, die Verluste an Menschen und an
Material zu ersetzen. Die Zeit spielt für Wladimir Putin, das weiß er,
darauf setzt er. Es besteht auch das Risiko, dass in den westlichen
Ländern die Unterstützungsbereitschaft für die Ukraine sinkt. Die
Hoffnung, durch die schmerzhafte Wirkung von Sanktionen in Russland eine
Gegenbewegung zu Putins Kriegspolitik zu fördern, hat sich bisher nicht
erfüllt, und es gibt auch keine Anzeichen, dass das in absehbarer Zeit der
Fall sein wird.

Was hat sich in diesen zwei Jahren an der Haltung Russlands verändert?

Grundsätzlich nichts. Das Ziel der Politik Putins ist nach wie vor, die
Ukraine als unabhängigen, westlich orientierten, souveränen Staat zu
beseitigen. Das ist Teil des Konzepts einer imperialistischen Politik
Russlands. Putin möchte als derjenige Herrscher in die Geschichte
eingehen, der Russland wieder zu einer imperialen Großmacht geführt hat
und der die Dominanz Russlands über die Länder, die einst zum
Herrschaftsbereich der Sowjetunion gehörten, wiederhergestellt hat. Seit
mehr als zehn Jahren wird die russische Bevölkerung und insbesondere die
Jugend im Sinne von imperialer Expansion und Kriegsverherrlichung
indoktriniert. Putin hat die russische Gesellschaft von langer Hand mental
auf einen Krieg vorbereitet.

Neben diesem imperialen Motiv gibt es aber noch ein zweites, das im Westen
viel zu oft übersehen wird: Dieser Krieg ist ein Kampf gegen
Zivilgesellschaft und Demokratie. Durch die „Orangene Revolution“ in der
Ukraine hat Putin die Angst entwickelt, dass diese Selbstermächtigung der
Zivilgesellschaft, die Orientierung hin auf Demokratie und den Westen, auf
Russland überschwappen. Das will er mit allen Mitteln verhindern – denn
sollte das der Fall sein, würde es seine Herrschaft und das diktatorische
Regime, das er in den letzten 23 Jahren sukzessive aufgebaut hat,
gefährden. Schon allein aus diesem Grund muss in Putins Logik die
demokratische, westorientierte Ukraine zerstört werden. Da das 2022 nicht
wie geplant geklappt hat und Putin sichtbare Erfolge brauchte, hat er
kurzfristig umdisponiert und Teile der Ukraine annektiert. Das ist aber
nur ein Zwischenziel. Das sollte allen bewusst sein, die der Ukraine
raten, sie möge sich doch durch den Verzicht auf Gebiete Frieden erkaufen:
Das wäre kein dauerhafter Friede.

Wie schätzen Sie das Gewicht der USA und der EU im andauernden Konflikt
ein?

Die Ukraine ist auf die Unterstützung durch die USA und die Europäische
Union angewiesen. Ohne diese Unterstützung könnte sie dem russischen Druck
nicht lange standhalten. Allerdings hat die Ukraine bisher immer nur
gerade so viel vom Westen bekommen, um die Lage stabilisieren zu können,
aber nicht genug, um diesen Krieg erfolgreich zu beenden. Wenn der Westen
die Ukraine so unterstützen möchte, dass sie diesen Krieg nicht verliert,
dann müsste er auch sein überlegenes Wirtschaftspotenzial effizienter zum
Einsatz bringen. Denn eigentlich ist die Situation paradox: Russland hat
nur einen Bruchteil der Wirtschaftskraft der westlichen Industrieländer,
schafft es aber trotz der Sanktionen, in der Rüstungsproduktion die Nase
vorne zu haben. Der Westen müsste Russland klarmachen, dass es mit seiner
völlig unterlegenen Wirtschaftskraft mittelfristig eigentlich gar keine
Chance hat, diesen Krieg zu gewinnen. Aber dazu müssten im Westen eben
auch entschlossenere Entscheidungen getroffen werden.

Was sind denkbare Perspektiven für die Beendigung des Krieges?

Kriege enden, wenn eine Seite kapituliert oder beide Seiten zu der
Einschätzung gelangen, dass die Fortsetzung des Krieges keine Vorteile
mehr bringt. Beides ist im Moment nicht abzusehen. Man kann sich
verschiedene Szenarien ausdenken, wie dieser Krieg beendet werden könnte.
Das Worst-Case-Szenario wäre, dass die Ukraine gezwungen ist zu
kapitulieren und den russischen Forderungen nachzugeben. Das hätte
unabsehbare Folgen, denn es würde Putin ja in seiner Politik bestärken.
Das wäre auch gefährlich für die anderen Nachbarn Russlands, insbesondere
die baltischen Länder, auch wenn sie NATO-Mitglieder sind, denn Putin
könnte zu der Einschätzung kommen, dass die NATO wegen dieser kleinen
Länder schon keinen großen Krieg führen oder gar einen Atomkrieg riskieren
würde.

Das günstigste Szenario wäre ein militärischer Erfolg der Ukraine, der
Russland dazu zwingt, sich aus den annektierten Gebieten zurückzuziehen.
Das wäre für Putin eine Blamage, ein sichtbares Scheitern seiner Politik,
und würde mit großer Wahrscheinlichkeit auch das Ende seiner Herrschaft
bedeuten. Mit einer neuen, hoffentlich demokratisch orientierten Regierung
wäre dann möglicherweise ein dauerhafter Friede möglich.

Dazwischen gibt es unterschiedliche Szenarien, die auf Kompromisse
hinauslaufen. Bei all diesen Gedankenspielen muss man sich aber klar sein,
dass Kompromisse in der gegenwärtigen Situation mit großer
Wahrscheinlichkeit eben keine Dauerlösung wären, sondern dass nach einer
Zeit des Kräftesammelns wieder Krieg losbrechen würde. Die Situation ist
auch deswegen so schwierig, weil Putin ja Gebiete annektiert hat, die das
russische Militär noch gar nicht kontrolliert. Das heißt, die Ukraine
müsste, wenn sie auf Putins Bedingungen für Friedensverhandlungen
einginge, auch auf solche Gebiete verzichten. Das wäre gegenüber der
eigenen Bevölkerung kaum vertretbar nach all den Opfern, die erbracht
worden sind.

Wie könnte eine stabile Ordnung nach dem Krieg aussehen?

Der Beginn dieses Krieges war eine Aggression Russlands gegen ein
Nachbarland. Niemand hat Russland bedroht, kein Nachbarland hat
Gebietsansprüche gegenüber Russland, sondern Russland ist ganz eindeutig
der Aggressor und hat seit der Annexion der Krim eine Expansionspolitik
betrieben. Daraus folgt, dass eine Friedensordnung so beschaffen sein
müsste, dass die Nachbarländer Russlands dauerhaft und glaubwürdig vor
künftigen potenziellen Aggressionen Russlands geschützt sind. Für die
Ukraine würde das entweder die Mitgliedschaft in der NATO oder
vergleichbare Sicherheitsgarantien bedeuten, die so glaubwürdig
konstruiert sein müssten, dass Russland sie ernst nimmt.

Ein wirklicher dauerhafter Friede setzt aber voraus, dass Russland,
insbesondere die russische Führung, sich von der imperialistischen
Ideologie verabschiedet, die sie gegenwärtig verfolgt und im Volk
verbreitet. Russland muss akzeptieren, dass es kein Recht auf Dominanz
über diejenigen Länder hat, die bis 1991 von der Sowjetunion beherrscht
worden waren. Das ist unter einer Führung Putins nicht wirklich
vorstellbar, weil seine Herrschaft im Grunde seit etwa 2010 genau auf
dieser Vision beruht, sondern günstigstenfalls erst, wenn eine
Nachfolgeregierung wieder rechtsstaatliche und demokratische Verhältnisse
hergestellt hat. Ein demokratisches Russland, das wieder zu einer
friedlichen Politik zurückkehrt, müsste seinerseits so in eine
Friedensordnung eingebunden werden, dass es keine revisionistischen
Reflexe entwickelt, sondern sich auch selbst gut aufgehoben fühlt. Das ist
eine extrem schwierige Herausforderung; ob das gelingen wird, ist
fraglich. Und überhaupt muss über diesen Szenarien der Vorbehalt stehen,
dass die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind. Momentan sehe ich
nicht, dass dieser Krieg schnell beendet werden kann.

•       Prof. Dr. Dietmar Neutatz ist Professor für Neuere und
Osteuropäische Geschichte am Historischen Seminar der Universität
Freiburg, er forscht und lehrt unter anderen zur Geschichte Russlands und
der Sowjetunion vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Zu seinen Schwerpunkten
gehören die Sozial-, Alltags- und Kulturgeschichte des Stalinismus,
Konstitutionalismus und Antikonstitutionalismus im Russischen Reich, die
Geschichte der Russlanddeutschen sowie Helden und Heroisierungen.

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