Zum Hauptinhalt springen

Lehrbuchwissen auf den Kopf gestellt: 3-in-1 Mikroorganismus entdeckt

Dr. Stefan Dyskma (li.) und Prof. Dr. Michael Pester neben einem Bioreaktor bei der DSMZ, in dem neuarti-ge „Sulfatreduzierer“ untersucht werden konnten.  Bildnachweis: DSMZ
Dr. Stefan Dyskma (li.) und Prof. Dr. Michael Pester neben einem Bioreaktor bei der DSMZ, in dem neuarti-ge „Sulfatreduzierer“ untersucht werden konnten. Bildnachweis: DSMZ

Ein Team von Forschenden des Leibniz-Instituts DSMZ-Deutsche Sammlung von
Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH und der TU Braunschweig konnte jetzt
zusammen mit der Universität Wien und der University of Wisconsin, USA,
zeigen, dass in der Natur eine unglaublich hohe Biodiversität
umweltrelevanter Mikroorganismen existiert. Eine Vielfalt, die das
Bekannte mindestens um das 4,5-fache übersteigt. Einen Vertreter dieser
neuartigen Bakterien konnten die Forschenden im Bioreaktor untersuchen und
haben dabei erstaunliche multifunktionale Eigenschaften entdeckt. Ihre
Ergebnisse haben sie in den renommierten Fachzeitschriften Nature
Communications und FEMS Microbiology Reviews veröffentlicht.

Die verborgene Welt der Mikroorganismen fällt häufig außer Betracht –
obwohl viele klimarelevante Prozesse von Mikroorganismen beeinflusst
werden, oft gepaart mit einer unglaublichen Artenvielfalt innerhalb der
Gruppen der Bakterien und Archaea („Urbakterien“). Sulfat-reduzierende
Mikroorganismen setzen, zum Beispiel, ein Drittel des organischen
Kohlenstoffs in marinen Sedimenten zu Kohlendioxid um. Dabei entsteht
toxischer Schwefelwasserstoff. Positiv ist, dass letzterer rasch durch
schwefeloxidierende Mikroorganismen als Energiequelle genutzt und
unschädlich gemacht wird.

„Auch in Seen, Mooren und sogar im menschlichen Darm spielen diese
Prozesse eine große Rolle, um Natur und Gesundheit im Gleichgewicht zu
halten“, sagt Prof. Michael Pester, Leiter der Abteilung Mikroorganismen
des Leibniz-Instituts DSMZ und Professor am Institut für Mikrobiologie der
TU Braunschweig. In einer Studie konnte der Stoffwechsel eines dieser
neuartigen Mikroorganismen näher beleuchtet werden und brachte eine bisher
unerreichte Multifunktionalität zu Tage.

Mikroorganismen stabilisieren Ökosysteme

Der Schwefelkreislauf ist einer der wichtigsten und ältesten
biogeochemischen Kreisläufe unseres Planeten. Er ist gleichzeitig eng mit
dem Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf verzahnt, was seine Bedeutung
unterstreicht. Angetrieben wird er hauptsächlich durch Sulfat-reduzierende
und Schwefel-oxidierende Mikroorganismen. Auf einer globalen Skala setzen
„Sulfatreduzierer“ durch ihre Aktivitäten rund ein Drittel an organischem
Kohlenstoff um, der jährlich den Ozeanboden erreicht. Schwefeloxidierer
konsumieren im Gegenzug rund ein Viertel des Sauerstoffs in marinen
Sedimenten.

Wenn diese Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten, können die
Aktivitäten dieser Mikroorganismen rasch zur Sauerstoffzehrung und
Akkumulation von toxischem Schwefelwasserstoff führen. Dadurch bilden sich
sogenannte Todeszonen, in denen Tiere und Pflanzen nicht mehr überleben
können. Dabei entsteht nicht nur ein ökonomischer Schaden, beispielsweise
für die Fischerei, sondern auch ein gesellschaftlicher Schaden durch
Zerstörung wichtiger Naherholungsgebiete. Daher ist es wichtig zu
verstehen, welche Mikroorganismen den Schwefelkreislauf im Gleichgewicht
halten und wie sie das tun.

Die jetzt publizierten Ergebnisse zeigen, dass die Artenvielfalt der
Sulfat-reduzierenden Mikroorganismen sich über mindestens 27 Phyla
(Stämme) erstreckt. Bisher waren Vertreter aus nur sechs Phyla bekannt.
Zum Vergleich: Im Tierreich sind derzeit 40 Phyla bekannt, wobei die
Wirbeltiere nur einem Phylum, den Chordata, angehören.

Neu entdeckte multifunktionale Bakterienart

Einen Vertreter dieser neuartigen „Sulfatreduzierer“ konnten die
Forschenden dem wenig erforschten Bakterien-Phylum der Acidobakterien
zuordnen und in einem Bioreaktor untersuchen.

Mit Hilfe modernster Methoden aus der Umweltmikrobiologie konnten sie
nachweisen, dass diese Bakterien sowohl aus der Sulfatreduktion sowie aus
der Atmung mit Sauerstoff Energie ziehen können. Diese zwei
Stoffwechselwege schließen sich in allen bisher bekannten Mikroorganismen
eigentlich aus. Gleichzeitig konnten die Forschenden belegen, dass die
sulfatreduzierenden Acidobakterien komplexe pflanzliche Kohlenhydrate wie
Pektin abbauen können – auch das ist eine Eigenschaft, die für
„Sulfatreduzierer“ bisher unbekannt war. Dadurch stellten die Forschenden
das Lehrbuchwissen auf den Kopf. Sie zeigen, dass komplexe
Pflanzenbestandteile unter Sauerstoffausschluss nicht – wie bisher gedacht
– nur durch ein koordiniertes Zusammenspiel verschiedener Mikroorganismen
abgebaut werden können, sondern auch über eine Abkürzung durch eine
einzige Bakterienart.

Ebenfalls neu ist die Erkenntnis, dass diese Bakterien dazu sowohl Sulfat
als auch Sauerstoff nutzen können. Wie sich die neuen Erkenntnisse auf das
Zusammenspiel des Kohlenstoff- und Schwefelkreislaufs auswirken und wie
sie mit klimarelevanten Prozessen verzahnt sind, untersuchen die
Forschenden der DSMZ und der TU Braunschweig derzeit

  • Aufrufe: 36

Laser für die Landwirtschaft: LZH zeigt innovative Ideen auf der AGRITECHNICA

Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln: Mit Lasertechnik können Unkräuter präzise und selektiv abgetötet werden.  Foto: LZH
Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln: Mit Lasertechnik können Unkräuter präzise und selektiv abgetötet werden. Foto: LZH

Nachhaltiger, effizienter, zukunftsfähiger: Photonische Anwendungen können
dazu beitragen, die Agrarwirtschaft zu modernisieren. Ideen dazu zeigen
das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) und Niedersachsen ADDITIV auf der
Agritechnica vom 12. bis zum 18. November in Hannover.

Im Fokus stehen die lichtbasierte Schädlings- und Unkrautbekämpfung mit
dem Laser sowie die Additive Fertigung. Das LZH wird gemeinsam mit
Niedersachsen ADDITIV am Gemeinschaftsstand des Agrotech Valley in Halle
24, Stand A08 ausstellen.

Keine Chemie, keine Resistenzen: Unkrautbehandlung mit dem Laser

Mit Lasertechnik können Unkräuter präzise und selektiv behandelt werden.
Der Laserstrahl kann ganz gezielt sensible Pflanzenteile treffen, so dass
unerwünschte Pflanzen letal geschädigt oder im Wuchs gehemmt werden – die
Nutzpflanzen im direkten Umfeld werden davon nicht beeinträchtigt. Das
Verfahren ist dabei nicht nur ökologisch nachhaltiger als der Einsatz von
chemischen Pflanzenschutzmitteln. Es ist auch ein wichtiger Beitrag zur
Vermeidung von Herbizid-Resistenzen, eine der drängendsten
Herausforderungen der modernen Landwirtschaft. Gesteuert wird die
Laserbehandlung mit künstlicher Intelligenz (KI): Per Bilderkennung werden
Nutzpflanze und Unkraut unterschieden und die Zielpunkte für den Laser
festgelegt.

Künstliche Intelligenz: Ein Muss für die für die digitalisierte
Landwirtschaft

Auf KI-gestützte Lasertechnik setzt das LZH auch bei der
Schädlingsbekämpfung. Die LichtFalle ist ein autonom fahrendes System, das
Insekten per LED-Leuchtfläche anlockt und dann mit dem Laser unschädlich
macht. Ein integriertes Kameramodul erkennt automatisch anhand von
Bilddaten, ob es sich bei einem Insekt um einen Schädling oder Nützling
handelt – der Anwender erhält dank Live-Monitoring eine digitale
Entscheidungshilfe für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die
lichtbasierte Schädlingsbekämpfung kann so den Einsatz chemischer Mittel
verringern und eine effizientere und ressourcenschonendere
Lebensmittelproduktion ermöglichen.

Additive Fertigung: Viel Potenzial für die Agrarbranche

Die Möglichkeiten für die Landwirtschaft, von Additiver Fertigung zu
profitieren, sind vielfältig. So lassen sich etwa Ersatzteile für
Landmaschinen zeitnah im 3D-Drucker herstellen. Stark beanspruchte Geräte
und Bauteile können mittels Auftragsschweißen repariert oder vor
Verschleiß geschützt werden. Auf der Agritechnica zeigt das Projektteam
von Niedersachsen ADDITIV mit konkreten Beispielen, wie der 3D-Druck im
Agrarbereich einen echten Mehrwert schafft.

Besonderes Highlight: Auf dem „Branchentreff Agrar 4.0“, den Niedersachsen
ADDITIV am 15. November ausrichtet, haben Unternehmensvertreter:innen
Gelegenheit zum Austausch und zum Netzwerken. Mehr Informationen zum
Branchentreff gibt es unter https://niedersachsen-additiv.de/.

  • Aufrufe: 27

Naturnahrung oder Trockenfutter: Was ist besser und was dürfen Hunde nicht essen?

Tiernahrung Symbolbild
Tiernahrung Symbolbild

Wenn Sie sich gerade einen Hund zulegen wollen, ist eine der wichtigsten Fragen: „Was soll Ihr Hund fressen?“. Die Meinungen von Hundebesitzern sind geteilt: Einige bevorzugen ausschliesslich Naturnahrung, da sie der Meinung sind, dass Futter reine Chemie und reines Marketing ist; andere hingegen kaufen Futter, das auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmt ist. Lassen Sie uns herausfinden, was das Beste für Ihren Vierbeiner ist. Besuchen und kaufen Sie Hundelebensmittel auf unserer Website https://delikatswiss.ch/ - Ihr Link für qualitativ hochwertige Produkte.

 

Was dürfen Hunde essen? – Ist Trockenfutter gesund oder nur bequem?

Wer denkt, dass nur Faule ihre Hunde mit Trockenfutter füttern, der irrt. Natürlich ist es bequemer, das Futter auf https://delikatswiss.ch/ zu kaufen und in einen Napf zu füllen, als mehrmals am Tag Fleisch zu erhitzen, Gemüse zu schneiden und Brei zu kochen. Aber es geht nicht nur um Bequemlichkeit. Trockenfutter enthält alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe, die für eine ausgewogene Ernährung erforderlich sind. Natürlich ist es besser, hochwertigem Futter den Vorzug zu geben, dessen Entwickler ständig verbesserte Rezepturen einführen und hochwertige Rohstoffe verwenden.

 

Darüber hinaus gibt es Situationen, in denen Trockenfutter notwendig ist:

 

  • Es gibt Futtermittel, die gegen Hautausschläge und Haarausfall helfen.
  • Trächtigkeit. Trächtige Vierbeiner benötigen vor allem eine angemessene Ernährung. Die Hersteller haben sich auch um diese Tiergruppe gekümmert und Futtermittel entwickelt, die auf die Besonderheiten dieser Erkrankung zugeschnitten sind.
  • Übergewicht. Hunde mit überflüssigen Pfunden oder Stoffwechselstörungen benötigen ebenfalls ein spezielles Futter. Es enthält alle notwendigen Elemente, aber gleichzeitig kann ein solches Futter den Kaloriengehalt der Nahrung reduzieren.
  • Wenn Sie sich für Trockenfutter entscheiden, empfehlen wir Ihnen, einen Tierarzt zu konsultieren, der das Futter individuell auf die Bedürfnisse Ihres pelzigen Freundes abstimmt.

 

Denken Sie daran: Wenn das Futter den Bedürfnissen Ihres Hundes entspricht, wird Ihr Tier ein gesundes und langes Leben führen. Einmal im Jahr müssen die Tiere einer Kot- und Blutuntersuchung unterzogen werden, um festzustellen, ob ihre Ernährung geeignet ist und was ihnen fehlt. Man sollte nicht abrupt von Naturnahrung auf Tierfutter umstellen und wieder zurück – das ist ein grosser Stress für das Tier. Wenn Sie sich für eine Futterumstellung entscheiden, sollten Sie 2 Wochen nach der Einführung des neuen Futters die Tests.

Naturnahrung – Was essen Hunde?

Naturnahrung heisst so, weil sie aus Lebensmitteln besteht, die uns vertraut sind. Denken Sie aber nicht, dass natürliches Essen eine Brühe mit kleinen Knochen und Gerste oder in Wasser eingeweichtes Brot beinhaltet. Hüttenkäse, gedünstetes Fleisch, Gemüse ohne Nitrate – das ist Naturnahrung. Wenn Sie Ihrem Hund all dies bieten können, ist das wunderbar.

 

Als Nächstes müssen Sie eine Diät erstellen, denn das Essen sollte nicht nur gesund, sondern auch ausgewogen sein. Ein erwachsener Hund braucht beispielsweise 6-8 g Eiweiss pro 1 kg Körpergewicht. Wenn es mehr sind, kann sich das negativ auf die Leberfunktion auswirken.

 

Ausserdem sollten Sie bedenken, dass Hunde keine Abwechslung brauchen. Ihre Verdauung ist so ausgelegt, dass die Nahrung umso schneller vom Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird, je vertrauter sie ist, ebenso wie Spurenelemente und Vitamine.

Was essen Hunde gerne?

Die Basis sind mageres Fleisch, Gemüse und Milchprodukte. Kohlenhydratreiches Getreide kann als Zusatzstoff verwendet werden. Die Ernährung des Hundes sollte bestehen aus:

 

  • Rind, Pute, Huhn, Kaninchen – das Fleisch sollte roh gegeben werden, aber immer gefroren oder mit kochendem Wasser behandelt.

 

  • ●	Innereien (Herz, Lunge, Leber) – können einmal pro Woche gegeben werden.
    ● Innereien (Herz, Lunge, Leber) – können einmal pro Woche gegeben werden.
    Innereien (Herz, Lunge, Leber) – können einmal pro Woche gegeben werden.
  • Gekochter Seefisch – abwechselnd mit Fleisch.
  • Getreide, insbesondere Hirse, Buchweizen und Reis.
  • Rohes Gemüse und Obst – Hunde können Karotten, Zucchini, Äpfel, Dill und Petersilie fressen.
  • Vitamine – auch darauf müssen Sie bei der Fütterung mit Naturfutter achten.

 

Machen Sie sie mit Joghurt, Kefir oder Hüttenkäse glücklich. Milch sollte jedoch nicht gegeben werden – sie wird vom Magen-Darm-Trakt schlecht aufgenommen.

  • Aufrufe: 28

UN-Klimakonferenz: Klimawandel bedroht auch Herz und Kreislauf

Deutsche Herzstiftung warnt vor gesundheitlichen Folgen des Klimawandels
für Herz-Kreislauf-Patienten und fordert Politik zu mehr Anstrengungen zum
Schutz vor akuten Folgen extremer Hitze und Luftverschmutzung auf

Der Klimawandel zeigt seine Wirkung längst auch in Deutschland: häufige
Extremwetterlagen mit hohen Temperaturen, mehr Hitzetote, Wassermangel,
Dürre und Waldbrände. Vor allem extreme Hitze stellt eine Bedrohung für
die Gesundheit der Menschen dar. Seit rund 20 Jahren treten selbst in
Mitteleuropa immer häufiger längere Hitzeperioden auf. „Hitzewellen mit
Temperaturen über 30 Grad Celsius sind besonders für verletzliche
Bevölkerungsgruppen fatal und lebensbedrohlich. Dies trifft vor allem
Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, Ältere sowie chronisch Kranke mit
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenleiden, Krebs und Diabetes, wenn
Schutzmaßnahmen ausbleiben“, warnt der Kardiologe Prof. Dr. Thomas
Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und
Chefredakteur der Patientenorganisation anlässlich der Weltklimakonferenz
der Vereinten Nationen (UN) in Dubai. Die Gefahr für Herz und Kreislauf,
die von Hitzeereignissen ausgeht – etwa vermehrt Herzinfarkte und
Schlaganfälle –, verstärkt sich zudem durch weitere Faktoren wie
Luftverschmutzung. Vertreter der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen
Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) appellieren daher an die
Politik, konsequent Maßnahmen zum Klimaschutz umzusetzen wie das
Verringern von Feinstaub und Treibhausgasen. Darüber hinaus müssen
konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung erfolgen. Dazu gehören: Aufklärung
der Bevölkerung über die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels
und erforderliche Verhaltensmaßnahmen, Umsetzen von Hitzeaktionsplänen
sowie Investitionen in spezielle Infra-Strukturen wie z. B.
Hitzeleitstellen, Hitzewarn- und Alarmsysteme für Risikogruppen.
Anlässlich des UN-Klimagipfels informiert die Herzstiftung Menschen mit
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Interessierte in dem kostenfreien Ratgeber
„Überleben – Hitze, Klimawandel und andere Probleme“ über die Folgen des
Klimawandels für die kardiovaskuläre und seelische Gesundheit und gibt
darin Tipps zur Vorsorge und zum richtigen Umgang mit den
Klimaveränderungen. Der Ratgeber kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400
oder unter https://herzstiftung.de/bestellung bestellt werden.

Hitzeereignisse sind eine gravierende Bedrohung für die Gesundheit
Mit großer Sorge verfolgt die Deutsche Herzstiftung die Auswirkungen der
Klimaveränderungen auf das Wohl und die Gesundheitssituation von Millionen
Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen
chronischen Leiden in Deutschland. Anlass dazu geben allein die
Sterblichkeitszahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) in den Sommermonaten
der Jahre 2018 bis 2020 und 2022 mit ungewöhnlich hohen Temperaturen. Die
Schätzungen des RKI ergeben eine hitzebedingte Übersterblichkeit von 8.700
Sterbefällen 2018 und 6.900 im Jahr 2019 sowie 4.500 hitzebedingte
Todesfälle im Sommer 2022 (1). „Hitzeereignisse stellen eine massive
Bedrohung für die Gesundheit der Menschen in Deutschland dar“, warnt
Herzspezialist Meinertz, vor seiner Emeritierung langjähriger Ärztlicher
Direktor des Universitären Herzzentrums Hamburg.

Klimawandel gefährdet mit schädlichem Doppel aus Hitze und
Luftverschmutzung
Der Klimawandel wirkt sich in vielfältiger Weise aus, vor allem aber über
zwei Einflussgrößen: Luftverschmutzung und zunehmende Hitze. Hitze und
Luftschadstoffe beeinflussen sich dabei gegenseitig. So bilden sich
aufgrund von Sonneneinstrahlung, Hitze und Trockenheit vermehrt Feinstaub
und der gasförmige Schadstoff Ozon. Feinstaub und gasförmige Schadstoffe
gelangen über die Atemwege (Bronchien) in die Lungenbläschen. Diese
Fremdgase und Fremdstoffe aktivieren in den unteren Atemwegen Fresszellen,
die Fremdkörpermaterial in den Atemwegen beseitigen. Dies führt zu einer
Entzündungsreaktion. Die Fresszellen bilden zudem aus den eingeatmeten
Gasen und Partikeln freie Radikale, hochreaktive Moleküle, die
körpereigene Stoffe mit Sauerstoff verbinden. Die dadurch verstärkte
Entzündungsreaktion greift auf das gesamte Lungengewebe und später auf den
gesamten Körper über. Diese „Low-Level-Entzündungsreaktion“ ist die
Antwort des Körpers auf einen chronischen Entzündungsreiz und lässt die
Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) in allen Gefäßen fortschreiten. „Gerade
bei Menschen, die bereits Gefäßschäden aufweisen und die chronischer
Luftverschmutzung ausgesetzt sind, kann sich die Situation so
verschlechtern, dass es vorzeitig zu Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt“,
erläutert Meinertz und fügt hinzu: „Aber auch der akute Kontakt mit stark
verschmutzter Luft kann ernsthafte Folgen für das Herz-Kreislauf-System
haben. Abgase, insbesondere von Dieseltreibstoff, können die Blutplättchen
von Patienten mit koronarer Herzkrankheit, kurz KHK, aktivieren und so zum
Entstehen eines Herzinfarktes beitragen.“ Nach Expertenschätzungen ist bei
ca. fünf Millionen Menschen in Deutschland eine KHK bekannt.

Warum sind hohe Temperaturen gefährlich für Herz und Kreislauf?
Unser Organismus kann normalerweise für seine Kühlung sorgen und sich vor
Hitze schützen: durch Erweitern der Gefäße und durch Schwitzen. Bei Hitze
werden die Blutgefäße der Haut beispielsweise weit gestellt, damit Wärme
nach außen abgegeben werden und der Körper abkühlen kann. Hierdurch sinkt
zugleich der Blutdruck, was das Herz dazu veranlasst, schneller zu
schlagen. Zur Regulation der Temperatur dient außerdem das Schwitzen. Mit
dem Verdunsten des Schweißes verliert der Körper Flüssigkeit und
Elektrolyte (Blutsalze, etwa Kalium und Natrium) – der Körper trocknet
aus, wenn der Verlust nicht durch Trinken ausgeglichen wird. Ohne diesen
Ausgleich verändern sich die Fließeigenschaft und die Gerinnungsfähigkeit
des Blutes. „Das kann bei Hitze das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfälle,
Venenthrombosen und Lungenembolien erhöhen“, so Meinertz. Hält eine
Hitzeperiode länger an, sind unsere natürlichen Kühlsysteme im
Dauereinsatz. Ein gesunder Mensch toleriert das mehr oder weniger gut.
„Aber Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen wie Bluthochdruck oder
Herzschwäche können anhaltende Hitzephasen mit über 30 Grad Celsius
erhebliche gesundheitliche Schwierigkeiten bereiten“, erklärt Kardiologe
Meinertz.

Klimaschutz ist Gesundheitsschutz
Gegen die Klimakrise sind Maßnahmen zum Schutz des Klimas und zur
Anpassung an das veränderte Klima gleich wichtig. Zum Klimaschutz müssen
Treibhausgase und Feinstaub verringert werden. Das hilft unserer
Gesundheit, der Umwelt und dem Klima – und auch der Wirtschaft, weil sich
die Maßnahmen langfristig auch ökonomisch auszahlen. Beispiele für
notwendige Maßnahmen zur Klimaanpassung sind:

- die Aufklärung der Bevölkerung über die Risiken von Klimaveränderungen
und über notwendige Verhaltensmaßnahmen (bei chronischer Erkrankung und
Hitzewelle z. B. Konsultation des Arztes hinsichtlich
Medikamentenanpassung; bei Lungen-/Atemwegsproblemen medizinische
Vorkehrungen bei Wohnort in Waldbrandregion),
- das Umsetzen von Hitzeaktionsplänen sowie Investitionen in spezielle
Infrastrukturen, beispielsweise klimatisierte öffentliche Räume,
Hitzeleitstellen oder Hitze-/Extremwetterwarn- und Alarmsysteme,
- eine Stadtplanung für möglichst viele Grünflächen und Luftschneisen
gegen besonders hohe Temperaturen in den Innenstädten sowie Ausrichten der
Verkehrsinfrastruktur zugunsten öffentlicher Verkehrsmittel, Rad- und
Fußwege.

„Bei einigen der genannten Handlungsempfehlungen besteht in Deutschland
allerdings ein großer Nachholbedarf“, sagt der Internist Dr. Ludwig
Brügmann, Gründungsmitglied der Deutschen Allianz Klimawandel und
Gesundheit (KLUG). Nur wenige Kommunen hätten bislang Hitzeaktionspläne
verabschiedet und umgesetzt. Deutschland sei bundesweit auf große Hitze
nicht vorbereitet – „im Gegensatz zu Frankreich, wo Hitzeschutz gesetzlich
verankert ist, sodass die Kommunen verpflichtet sind, bei großer Hitze
klimatisierte öffentliche Räume und Trinkwasser kostenlos zur Verfügung zu
stellen und gefährdete Bevölkerungsgruppen zu warnen und zu betreuen“, so
Brügmann. Vorreiter in Sachen Hitzeschutz sei hierzulande Berlin.

Wer sich um das Klima kümmert, ändert oft positiv den Lebensstil
Nach dem Prinzip „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“ lassen sich
Verhaltensänderungen für Klimaschutz teilweise gut mit
gesundheitsförderlichen Effekten verbinden. „Wer sich durch einen neuen
Lebensstil gegen den Klimawandel engagiert, verbessert zugleich durch
Umstellung der Ernährung, etwa auf die herzgesunde Mittelmeerküche, und
vermehrte körperliche Aktivität seinen Gesundheitszustand“, sagt Prof.
Meinertz. Die Politik müsse allerdings die Basis dafür schaffen, dass
Verhaltensumstellungen sowie Maßnahmen der Klimaanpassung kein Privileg
nur für finanziell besser gestellte Bevölkerungsgruppen sind. Nur dann ist
eine nachhaltige umwelt- und klimaverträgliche Entwicklung – noch –
möglich und machbar.
(wi)

Literatur:
(1) Winklmayr C. et al., Heat-related mortality in Germany from 1992 to
2021Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 451-7; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0202

Service-Tipp
In der Broschüre „Überleben – Hitze, Klimawandel und andere Probleme“ (50
Seiten) informieren Kardiologen, ein Internist und ein Psychokardiologe
über die Folgen von Klimawandel und Luftverschmutzung für die
kardiovaskuläre und seelische Gesundheit. Die Experten zeigen, welchen
Herausforderungen sich jeder Einzelne, Mediziner und politische
Entscheider für die Bewältigung der Klimakrise stellen müssen und geben
Herz-Kreislauf-Patienten Tipps zur Vorsorge und für den richtigen Umgang
mit den Klimaveränderungen. Der Ratgeber kann kostenfrei bestellt werden
unter Tel. 069 955128-400 oder unter https://herzstiftung.de/bestellung

Der Ratgeber „Herzkrank jedem Wetter trotzen gibt wichtige Tipps zu Fragen
wie: Warum ist Hitze – aber auch Kälte – fürs Herz gefährlich? Wie können
sich Patienten – gerade bei Herzinsuffizienz oder mit Herzimplantaten –
auf Reisen schützen? Und warum sollte auch auf Medikamente bei Hitze
besonders geachtet werden? Der Ratgeber kann kostenfrei bestellt werden
unter Tel. 069 955128-400 oder unter https://herzstiftung.de/bestellung

  • Aufrufe: 34