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Soziale Arbeit an der SRH – dual und berufsbegleitend immer stärker nachgefragt

Die SRH Hochschule in Nordrhein-Westfalen bietet seit vielen Jahren das
Bachelor-Studium „Soziale Arbeit B.A.“ neben dem Präsenzstudium auch als
duales und berufsbegleitendes Studienmodell an. Diese Studienprogramme
finden nicht nur bei Studierenden, sondern auch bei den mittlerweile rund
80 Praxispartnern wie Städten, Kreisen, Institutionen, Organisationen und
Trägern immer größeren Anklang, da sie eine einzigartige Gelegenheit
bieten, voneinander zu profitieren.

Die dualen und berufsbegleitenden Studiengänge der SRH haben sich als
Erfolgsmodell erwiesen, indem sie eine symbiotische Beziehung zwischen
Studierenden und dem Praxispartner fördern. Studierende erhalten die
Möglichkeit, theoretisches Wissen direkt in der Praxis anzuwenden, während
die Praxispartner von frischen Ideen, Motivation und aktuellem Fachwissen
profitieren. „Unsere Studiengänge der Sozialen Arbeit ermöglichen es den
Studierenden, die Herausforderungen des beruflichen Alltags von Anfang an
zu verstehen und innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Gleichzeitig
bietet dies Städten und anderen Trägern und Institutionen die Chance,
engagierte Talente frühzeitig zu identifizieren und in ihre Teams zu
integrieren“, betont Petra Richter, Studiengangleiterin der Sozialen
Arbeit.

Die praxisnahe Ausbildung an der Hochschule ermöglicht es den
Studierenden, relevante Fähigkeiten zu erwerben, die nahtlos in ihre
berufliche Tätigkeit übergehen. Das duale Studium kombiniert Lernen mit
realen Arbeitsanforderungen, während das berufsbegleitende Studium es
Berufstätigen ermöglicht, ihre Karriereziele zu verfolgen, ohne ihre
beruflichen Verpflichtungen aufzugeben.

Die SRH lädt alle potenziellen Praxispartner dazu ein, sich als
Kooperationspartner zu engagieren und von den zahlreichen Vorteilen dieser
Zusammenarbeit zu profitieren. „Unsere Hochschule steht als strategischer
Partner zur Seite, um gemeinsam die Zukunft der Sozialen Arbeit zu
gestalten. Wir sind überzeugt, dass die enge Verzahnung von Theorie und
Praxis einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung qualifizierter
Fachkräfte leistet“, erklärt Richter. Sie ermutigt alle, die an einer
Kooperation interessiert sind, sich an die SRH zu wenden, um diese
einzigartige Bildungsmöglichkeit weiter auszubauen, gemeinsam eine
positive Wirkung auf die Soziale Arbeit und die Gesellschaft insgesamt zu
erzielen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

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ZHdK-Initiativen zum Internationalen Tag von Menschen mit Behinderungen

An der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) entstehen regelmässig
Projekte, die sich aktuellen Debatten widmen und Lösungen für die
Herausforderungen unserer Zeit anbieten. Zwei Initiativen aus dem
Industriedesign beispielsweise leisten zum Internationalen Tag von
Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember einen wichtigen Beitrag: mit
kostengünstigen Beinprothesen und einem Regenschutz für Menschen im
Rollstuhl.

Der 3. Dezember ist der Internationale Tag von Menschen mit Behinderungen.
Zwei ZHdK-Initiativen unterstützen diesen Aktionstag und gehen gezielt auf
zwei Lebenswelten körperlicher Beeinträchtigungen ein.

Erschwingliche und lokal produzierte Beinprothesen

Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO sind 35 bis 40 Millionen
Menschen weltweit auf orthopädische Produkte angewiesen. Dabei hat nur
jede zehnte Person Zugang zu erschwinglichen Hilfsmitteln wie Prothesen.
Die meisten kostengünstigen Prothesenlösungen sind dabei von
Spendengeldern abhängig, und bei zahlreichen Produkten mangelt es an
Funktionalität und Komfort.

Abhilfe schaffen will das Sozialunternehmen «Circleg», das 2018 an der
ZHdK als Bachelor-Arbeit in Industriedesign zum Leben erwachte. Die
Initianten Fabian Engel und Simon Oschwald brachten in der Zeit nach ihrem
Studienabschluss das Projekt durch Forschung und Entwicklung zur Serien-
und Marktreife. Das mittlerweile aus 13 Personen bestehende Start-up – je
zur Hälfte in der Schweiz und in Kenia ansässig – setzt alles daran, eine
hochwertige Versorgung mit nachhaltig und lokal produzierten Prothesen
umzusetzen. Zudem will «Circleg» die Stigmatisierung von Amputationen in
der Gesellschaft verringern. «Circleg» ist mehrfach ausgezeichnet worden,
zuletzt mit dem «Design Preis Schweiz» in der Kategorie «Going Circular
Economy» und anlässlich des Swiss Green Economy Symposium mit dem
«Sustainable Development Goals Award».

In den letzten fünf Jahren hat «Circleg» ein umfassendes Netzwerk an
Produzenten, Lieferanten und Unterstützern in Ostafrika, der Schweiz und
Europa aufgebaut und gleichzeitig alle relevanten Spitäler mit Orthopädie-
Werkstätten in Ostafrika erschlossen. Mitte Oktober erfolgte nun der
Product Launch in Nairobi, zusammen mit lokalen Interessengruppen,
Prothesenträger:innen als Circleg Ambassadors und Podiumsdiskussionen über
die Bereitstellung einer ganzheitlichen prothetischen Versorgung in Kenia.
Die Produkteinführung in Kenia soll den Auftakt darstellen für die weitere
Etablierung auf dem afrikanischen Markt und darüber hinaus.

Mehr Informationen auf https://circleg.world

Smartes Modedesign: Regenschutz für Menschen im Rollstuhl

Geeignete und modische Kleidung finden, die auch den technischen
Anforderungen entsprechen: Gerade Menschen mit körperlichen
Beeinträchtigungen bereitet dies grosse Schwierigkeiten. Insbesondere bei
Outdoor-Bekleidung wie dem Regenschutz besteht ein großer Bedarf an neuen
und innovativen Lösungen.

Hier knüpft der Regenschutz «Para» an und trägt mit innovativen und
funktionalen Detail-Lösungen zur Individualisierung und Erleichterung der
Handhabung den spezifischen Anforderungen Rechnung. Beispielsweise ist das
Oberteil, vergleichbar mit herkömmlichen Regenjacken, kürzer geschnitten
und bietet generell eine bessere und verstellbare Passform. Oder die
Kapuze dreht sich mit dem Kopf mit und gewährleistet stets freies
Sichtfeld. Da Rollstuhlfahrer:innen im Schulterbereich mehr
Bewegungsfreiheit der Arme für die Fortbewegung brauchen, wurde am Rücken
ein Mesh-Einsatz eingenäht, der Elastizität bietet und jede Bewegung
mitmacht. An die Jacke lässt sich ein Beinschutz anknüpfen, der leicht und
selbständig anzuziehen und mit grossen Taschen versehen ist. Sämtliche
Verschlüsse sind auch bei eingeschränkter Beweglichkeit der Hände und
Finger rasch zu bedienen, die Reissverschlüsse haben grosse Laschen, alle
übrigen Verschlüsse bieten integrierte Magnete zur einfachen Bedienung. Im
Design setzt sich «Para» durch zahlreiche reflektierende Elemente in Szene
und lässt den Regenschutz sehr modisch aussehen.

Das Resultat ist ein fertig erstellter und marktreifer Design-Prototyp,
der auf die Bachelorarbeit der Industriedesign-Absolventin Tabea
Wschiansky zurückgeht. Als nächstes soll der Design-Prototyp in ein
marktfähiges Produkt umgesetzt werden – Ziel ist die Produktion und der
Verkauf von «Para», dafür ist Tabea noch auf der Suche nach
Kooperationspartnern und interessierten Investoren oder Institutionen.
«Para» wurde 2023 vom «James Dyson Award» als National Winner
ausgezeichnet, hinzu kamen Nominierungen im Rahmen der laufenden «Global
Design Graduate Show» von Arts Thread sowie für «Prototypes For Humanity»
und «Die Besten» von Hochparterre.

Mehr Informationen auf https://showcasedesign.zhdk.ch/personen/2023/para/

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Rätsel um historischen Tsunami entschlüsselt: GEOMAR-Forschende rekonstruieren Vulkanausbruch mithilfe von 3D-Seismik

Zwei Scherbretter, eine Signalquelle und 15 Messkabel, die hinter dem Forschungsschiff geschleppt werden: Mit dieser Spezialtechnik wurde ein dreidimensionales Abbild des heute unter der Wasseroberfläche liegenden Vulkans Kolumbo erstellt.  Thies Bartels  Thies Bartels / GEOMAR
Zwei Scherbretter, eine Signalquelle und 15 Messkabel, die hinter dem Forschungsschiff geschleppt werden: Mit dieser Spezialtechnik wurde ein dreidimensionales Abbild des heute unter der Wasseroberfläche liegenden Vulkans Kolumbo erstellt. Thies Bartels Thies Bartels / GEOMAR

Die Explosion des Unterwasservulkans Kolumbo in der Ägäis
hat im Jahr 1650 einen Tsunami ausgelöst, von dessen Riesenwellen und
gewaltigem Zerstörungspotential Zeitzeugen eindrückliche Berichte
hinterlassen haben. Eine Gruppe von Forschenden unter der Leitung von Dr.
Jens Karstens vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat den
Krater nun mit Spezialtechnik vermessen und die historischen Ereignisse am
Computer rekonstruiert. Dabei fanden sie heraus, dass nur die Kombination
aus einer Hangrutschung, gefolgt von einer explosiven Eruption die
Augenzeugenberichte erklären kann. Ihre Ergebnisse erscheinen heute im
Fachmagazin Nature Communications.

Von der Insel Santorini aus war der Ausbruch schon einige Wochen zu
beobachten gewesen, die Farbe des Wassers habe sich verändert, das Wasser
gekocht, berichtete die Bevölkerung über die Ereignisse im Spätsommer des
Jahres 1650. Rund sieben Kilometer nordöstlich der griechischen
Mittelmeerinsel hatte sich ein Unterwasservulkan aus dem Meer erhoben und
warf glühende Felsbrocken aus. Flammen und Blitze waren zu sehen,
Rauchfahnen verdunkelten den Himmel. Dann zog sich plötzlich das Wasser
zurück, nur um kurz danach auf die Küsten zuzurasen und diese mit bis zu
20 Meter hohen Wellen zu verwüsten. Ein gewaltiger Knall war mehr als 100
Kilometer weit zu hören, Bimsstein und Asche gingen auf die umliegenden
Inseln nieder, und eine tödliche Giftgaswolke forderte etliche
Menschenleben.

„Diese Einzelheiten vom historischen Ausbruch des Kolumbos kennen wir,
weil es zeitgenössische Berichte gibt, die im 19. Jahrhundert von einem
französischen Vulkanologen zusammengetragen und veröffentlicht worden
sind“, sagt Dr. Jens Karstens, mariner Geophysiker vom GEOMAR Helmholtz-
Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Wie aber ist es zu diesen verheerenden
Ereignissen gekommen? Um das herauszufinden, sind er und seine
Kolleg:innen aus Deutschland und Griechenland 2019 in die griechische
Ägäis gefahren, um den Vulkankrater mit Spezialtechnik zu untersuchen.
Karstens: „Wir wollten verstehen, wie der Tsunami damals zustande gekommen
ist und warum der Vulkan so heftig explodiert ist.“

Von Bord des inzwischen außer Dienst gestellten Forschungsschiffes
POSEIDON erstellten sie dafür mithilfe von 3D-Seismik ein
dreidimensionales Abbild des heute 18 Meter unter der Wasseroberfläche
liegenden Kraters. Dr. Gareth Crutchley, Koautor der Studie: „Damit können
wir in das Innere des Vulkans hineingucken.“ Im 3D-Modell zeigte sich
nicht nur, dass der Krater einen Durchmesser von 2,5 Kilometern und eine
Tiefe von 500 Metern hat, was auf eine wahrlich gewaltige Explosion
schließen lässt – im Profil war auch erkennbar, dass eine Flanke des
Kegels stark deformiert ist. Crutchley: „Dieser Teil ist mit Sicherheit
abgerutscht.“ Nun gingen die Forschenden detektivisch vor, indem sie die
verschiedenen Mechanismen, die den Tsunami ausgelöst haben könnten, mit
den historischen Augenzeugenberichten verglichen. Dabei kamen sie zu dem
Schluss, dass diese nur durch eine Kombination aus einer Hangrutschung,
gefolgt von der Explosion des Vulkans erklärt werden können. Ihre
Ergebnisse erscheinen heute in dem Fachmagazin Nature Communications.

Die Kombination von 3D-Seismik und Computersimulation erlaubte es den
Forschenden zu rekonstruieren, wie hoch die Wellen gewesen wären, wenn sie
von der Explosion allein ausgelöst worden wären. Karstens: „Danach wären
an einer Stelle sechs Meter hohe Wellen zu erwarten, wir wissen aber aus
den Berichten der Zeitzeugen, dass sie hier 20 Meter hoch waren.“ Außerdem
soll sich das Meer an einer anderen Stelle zunächst zurückgezogen haben,
in der Computersimulation kommt aber zuerst ein Wellenberg an der Küste
an. Die Explosion allein kann das Tsunami-Ereignis also nicht erklären.
Als jedoch die Hangrutschung in das Modell mit einbezogen wurde, passten
die Daten mit den historischen Beobachtungen zusammen.

Jens Karstens erklärt: „Der Kolumbo besteht zu großen Teilen aus Bimsstein
mit sehr steilen Hängen. Der ist nicht sehr stabil. Während der Eruption,
die ja schon einige Wochen in Gange war, ist laufend Lava ausgestoßen
worden. Darunter, in der Magmakammer, in der viel Gas enthalten war,
herrschte ein enormer Druck. Als dann eine Flanke des Vulkans abgerutscht
ist, hatte das einen Effekt, als wenn man eine Sektflasche entkorkt: Das
Gas aus dem Magmasystem konnte sich durch die plötzliche Entlastung
ausdehnen, und es kam es zu der gewaltigen Explosion.“ Vergleichbares
könnte beispielsweise auch bei der Eruption des Anfang 2022 ausgebrochenen
Unterseevulkans Hunga Tonga geschehen sein, der ebenfalls einen Tsunami
ausgelöst hat und dessen Vulkankrater eine ähnliche Form aufweist wie der
des Kolumbo.

Damit liefert die Studie wertvolle Erkenntnisse für zu entwickelnde
Monitoring-Programme aktiver Unterwasservulkane wie das Programm SANTORY,
das von Koautorin Professorin Dr. Paraskevi Nomikou von der Nationalen und
Kapodistrias-Universität Athen (NKUA) geleitet wird. „Wir hoffen, auf der
Basis unserer Ergebnisse neue Ansätze für vulkanische Tsunamis entwickeln
zu können“, sagt Jens Karstens, „vielleicht wird es irgendwann ein
Frühwarnsystem geben, das mit Daten in Echtzeit arbeitet. Das wäre mein
Traum.“

Über marine 3D-Reflexionsseismik
Die 3D-Seismik ist eine geophysikalische Messmethode, bei der man es sich
zunutze macht, dass Schallwellen an Schichtgrenzen teilweise reflektiert
werden. So können Querschnittsprofile von geologischen Strukturen
unterhalb des Meeresbodens erstellt werden. Bei der marinen 3D-
Reflexionsseismik werden, im Gegensatz zur 2D-Reflexionsseismik mehrere
Messkabel (Empfänger) parallel hinter dem Forschungsschiff geschleppt. Das
Ergebnis ist ein dreidimensionales Abbild, ein so genannter seismischer
Würfel, der es erlaubt, den Untergrund im Detail, Schnitt für Schnitt zu
analysieren.

Originalpublikation:
Karstens J, Crutchley GJ, Hansteen TH et al. (2023): Cascading events
during the 1650 tsunamigenic eruption of Kolumbo volcano. Nature
Communications
DOI: 10.1038/s41467-023-42261-y
https://www.nature.com/articles/s41467-023-42261-y

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ZO.RRO 2: TU Ilmenau will Glasproduktion klimafreundlich machen

Das ZO.RRO-2-Projekt der TU Ilmenau will die Glasproduktion klimafreundlicher machen  picture alliance/ZB
Das ZO.RRO-2-Projekt der TU Ilmenau will die Glasproduktion klimafreundlicher machen picture alliance/ZB

In einem großangelegten Forschungsprojekt unter der Leitung der
Technischen Universität Ilmenau soll die Glasproduktion in Thüringen
klimafreundlicher gemacht werden. Gemeinsam mit Forschungseinrichtungen,
Energieverbänden und Industrieunternehmen arbeiten Wissenschaftler der
Universität daran, die Glasherstellung von klimaschädlichem Gas auf
regenerative Energiequellen umzustellen und so nachhaltiger und
wirtschaftlicher zu machen. Das auf drei Jahre angelegte Projekt ZO.RRO 2
wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit knapp 2,9
Millionen Euro gefördert, von denen die TU Ilmenau gut 1,3 Millionen Euro
erhält.

Angesichts der Klimakrise ist die Dekarbonisierung der Wirtschaft,
insbesondere der Energiewirtschaft, das Gebot der Stunde.
Produktionsverfahren, die die Atmosphäre mit dem klimaschädlichen
Kohlendioxid belasten, müssen hin zu klimafreundlichen Methoden umgestellt
werden. Damit weniger Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, sollen
schädliche Energiequellen wie Gas, Öl oder Kohle durch kohlenstoffarme
erneuerbare Energieträger wie Wind- und Solarkraft ersetzt werden.

Derzeit setzt die Glasindustrie in Deutschland zum Schmelzen von Glas zu
90 Prozent Gas und nur zu 10 Prozent Strom ein. In Thüringen, wo die
Glasindustrie ein bedeutender Wirtschaftszweig ist, wird von 41 Glaswannen
derzeit nur eine mit Strom geheizt. Um ihre Produktion zu dekarbonisieren
und wirtschaftlicher zu arbeiten, ist die Thüringische Wiegand-
Glashüttenwerke GmbH, einer der größten Hersteller von Behälterglas
Deutschlands, dabei, ihre Produktion auf voll-elektrische Schmelzwannen
umzustellen, die mit regenerativen Energiequellen wie Wind und Sonne
geheizt werden.

Das Forschungsprojekt ZO.RRO 2 („Zero Carbon Cross Energy System for Glass
Industry“) bereitet den Wiegand-Glashüttenwerken den Weg zur Umstellung
und macht ihre Elektroenergieversorgung nachhaltig und wirtschaftlich.
Doch vollelektrische-Schmelzwannen für Produktionsmengen von über 150
Tonnen pro Tag zu betreiben, ist nicht einfach: Werden die Wannen nicht
durchgängig gleichmäßig und ausfallsicher beheizt, wird nicht nur die
enthaltene Glasschmelze zerstört, auch sie selbst könnten unbrauchbar
werden. Da Sonnen- und Windenergie nicht stetig verfügbar ist, ist ihr
Betrieb daher nicht unproblematisch. Weil zudem die Betriebe nicht den
gesamten Strom, der für die Glasherstellung benötigt wird, auf ihrem
Werksgelände selbst erzeugen können, müssen für eine effektive
Dekarbonisierung auch die Rahmenbedingungen stimmen: An den
Produktionsstandorten muss die Energieversorgung zuverlässig und die
erneuerbare Energie stetig und in ausreichender Menge verfügbar sein, und
dies bei wettbewerbsfähigen Energiepreisen. Auch hierfür wird das
ZO.RRO-2-Projekt Lösungen erarbeiten.

Doch nicht nur die Glasherstellung selbst, für die die Hüttenwerke die
meiste Energie benötigen, könnte klimafreundlicher und wirtschaftlicher
betrieben werden: Auch vorverarbeitende Schritte bei der Glasverarbeitung
wie Mischen, Zerkleinern und Vermengen des Glases und die
Nachverarbeitung, Formgebung, Kühlung und Verpackung, könnten mit Strom
aus erneuerbaren Energiequellen betrieben werden – ebenfalls ein Ziel von
ZO.RRO 2..

ZO.RRO 2 will nicht nur die Glasproduktion klimafreundlicher machen, das
Projekt hat die Industrie insgesamt im Blick. Am Beispiel der
Glasindustrie in Thüringen möchten die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler herausfinden, ob die gewonnenen Erkenntnisse auf andere
energieintensive Industriebranchen übertragbar sind, ob also generell
industrielle Produktionsprozesse über eine effizientere Energieversorgung
dekarbonisiert werden können. Neben dem Umweltschutz betrachten die
Forscher auch wirtschaftliche Aspekte der Industrie: Sie wollen
herausfinden, ob eine Umstellung des deutschen Stromnetzes von
Wechselstrom auf Gleichstrom die energetische Effizienz der Versorgung
energieintensiver Industrie erhöhen und somit die Produktion
wirtschaftlicher machen würde.

Partner des Forschungsprojekts „Zero Carbon Cross Energy System for Glass
Industry (ZO.RRO 2)“
Geförderte Partner:
       Technische Universität Ilmenau (Konsortialführer)
       Fraunhofer IOSB-AST – Institutsteil Angewandte Systemtechnik
       IfE GmbH – Ingenieurbüro für Energiewirtschaft
       KoCoS Messtechnik AG
       TEAG Thüringer Energie AG
       TEN Thüringer Energienetze GmbH und Co KG
       TMZ Thüringer Mess- und Zählerwesen Service GmbH
       Wiegand-Glashüttenwerke GmbH
Assoziierte Partner:
       HEINZ GLAS GmbH & Co. KGaA
       50Hertz Transmission GmbH
       HM Heizkörper GmbH Heating Technology

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