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AI4Schools bringt Künstliche Intelligenz in die Schule

Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, ist Schirmherrin des Bildungsprojekts AI4Schools. Die Urkunde überreichte ihr Prof. Dr. Stefan Wrobel, Institutsleiter des Fraunhofer IAIS und Co-Direktor des Lamarr-Instituts.  Fraunhofer IAIS
Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, ist Schirmherrin des Bildungsprojekts AI4Schools. Die Urkunde überreichte ihr Prof. Dr. Stefan Wrobel, Institutsleiter des Fraunhofer IAIS und Co-Direktor des Lamarr-Instituts. Fraunhofer IAIS

Das Bildungsprojekt AI4Schools hat es sich zur Aufgabe gemacht,
Schüler*innen und Lehrkräften den Umgang mit Künstlicher Intelligenz sowie
das nötige Wissen über diese Technologie näher zu bringen. Am 14.
September 2023 übernahm Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für
Bildung und Forschung, offiziell die Schirmherrschaft für AI4Schools.
Überreicht wurde ihr die Urkunde in der Albert-Einstein-Schule in
Schwalbach am Taunus.  AI4Schools ist ein Projekt der Fraunhofer-Allianz
Big Data und Künstliche Intelligenz, der Roberta-Initiative des
Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme
IAIS und des Lamarr-Instituts für Maschinelles Lernen und Künstliche
Intelligenz.

Nur acht Prozent der Schüler*innen haben noch nie von ChatGPT gehört oder
gelesen – das ergab eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom im Frühjahr.
Mittlerweile dürfte dieser Prozentsatz noch weiter gesunken sein.
Künstliche Intelligenz ist längst in den Schulen angekommen. Doch was
genau sich dahinter verbirgt und wie KI funktioniert, das ist nicht allen
klar. »Künstliche Intelligenz ist für die Zukunft von Gesellschaft und
Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Schüler*innen und Lehrkräfte
gewinnen enorm, wenn sie den Umgang mit KI erlernen und sich mit dem Thema
konstruktiv auseinandersetzen können«, sagt Prof. Dr. Stefan Wrobel, Co-
Direktor des Lamarr-Instituts für Maschinelles Lernen und Künstliche
Intelligenz und Institutsleiter des Fraunhofer IAIS. »Neben den
Grundkompetenzen im Umgang mit KI vermitteln wir auch das nötige
Hintergrundwissen. Schüler*innen werden so bereits vor dem Eintritt ins
Berufsleben mit wichtigen Kompetenzen und Handwerkszeug ausgestattet, um
die Veränderungen in unserer zunehmend digitalisierten Welt souverän zu
meistern.«

Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung,
übernahm am 14. September offiziell die Schirmherrschaft für das
Fraunhofer-Projekt. Denn, so die Ministerin: »Künstliche Intelligenz ist
nicht erst seit ChatGPT ein Zukunftsthema. Deshalb müssen wir das KI-
Wissen und die KI-Kompetenz schon in der Schule stärken. Hier setzt das
Projekt AI4Schools an, das sowohl Schülerinnen und Schülern als auch
Lehrkräften einen praxisorientierten Einblick in dieses wichtige Thema
ermöglicht. Damit macht es Lust auf Zukunft und auf ein spannendes
Berufsfeld.«

In jeweils zweitägigen Schulungen vermitteln KI-Expert*innen von
Fraunhofer und dem Lamarr-Institut Oberstufen-Schüler*innen und
Lehrkräften KI-Basiswissen, machen praktische Programmier-Übungen und
diskutieren gemeinsam über wichtige Leitplanken für den Einsatz von KI in
Wirtschaft und Gesellschaft. An einem solchen Workshop, der jetzt mit 25
Schüler*innen an der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach am Taunus
durchgeführt wurde, nahm Ministerin Stark-Watzinger teil. Dabei kam sie
auch mit den Schüler*innen ins Gespräch und diskutierte mit ihnen
beispielsweise darüber, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz auf das
Lernen hat, und welche Chancen sich durch KI auf dem Arbeitsmarkt ergeben
können.

Anke Horn, Schulleiterin der Albert-Einstein-Schule, gefällt besonders das
Konzept des Bildungsprojekts, da es sich sowohl an Schüler*innen als auch
an Lehrkräfte wendet. »Mit dem Workshop-Modul AI4Students erlangen die
älteren Schüler*innen wertvolle Kompetenzen und Kenntnisse im
Zukunftsthema Künstliche Intelligenz. Die im Workshop-Modul AI4Teachers
ausgebildeten Lehrkräfte können wiederum im Nachhinein selbst Workshops
durchführen, womit das wichtige Thema KI nachhaltig an der Schule
verankert und damit allen Schüler*innen zugänglich gemacht werden kann.«

Klaas Wiggers ist Studiendirektor am Willms-Gymnasium in Delmenhorst, der
Schule, die als AI4Schools-Partnerschule maßgeblich an der Entwicklung des
Projekts beteiligt war. Er freut sich, dass die Bundesbildungsministerin
die Schirmherrschaft für  AI4Schools übernimmt, denn: »Künstliche
Intelligenz fordert mit ihrer Innovationsgeschwindigkeit die deutschen
Schulen heraus. Darum sind wir besonders stolz, das Projekt seit zwei
Jahren begleiten und beraten zu dürfen, um so die heutige
Schüler*innengeneration auf ihr künftiges Berufsleben vorbereiten zu
können.«

Langjährige Erfahrung und Wissen stehen hinter AI4Schools: Beteiligt am
Projekt ist die Fraunhofer-Allianz Big Data und Künstliche Intelligenz,
die über umfassende Expertise in der angewandten KI-Forschung verfügt.
Ebenfalls engagiert sich das Lamarr-Institut für Maschinelles Lernen und
Künstliche Intelligenz – eins von fünf universitären KI-Kompetenzzentren
bundesweit, die als Teil der KI-Strategie der Bundesregierung dauerhaft
gefördert werden – mit seiner Spitzenforschungskompetenz an AI4Schools, so
wie auch die Roberta-Initiative, die seit mehr als 20 Jahren Schüler*innen
und Lehrkräften MINT-Kenntnisse vermittelt.

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Schweinehaltung: Weniger Ammoniak-Emissionen aus dem Stall

Mit einfachen bautechnischen Maßnahmen lassen sich die Emissionen von Schadgasen aus Mastschweineställen deutlich reduzieren – so ein Zwischenergebnis der Universität Hohenheim aus dem Verbundprojekt EmiMin.  Universität Hohenheim / Lilly Wokel
Mit einfachen bautechnischen Maßnahmen lassen sich die Emissionen von Schadgasen aus Mastschweineställen deutlich reduzieren – so ein Zwischenergebnis der Universität Hohenheim aus dem Verbundprojekt EmiMin. Universität Hohenheim / Lilly Wokel

Projekt mit Beteiligung der Uni Hohenheim zeigt: Auf dem Markt verfügbare,
baulich-technische Maßnahmen können Emissionen verringern.

Bereits einfache Maßnahmen wie die Kühlung der Gülle oder eine
Verkleinerung ihrer Oberfläche haben nachweisliche Effekte: Die Emission
von Schadgasen, insbesondere von Ammoniak aus Mastschweineställen lässt
sich reduzieren. So ein Zwischenergebnis der Universität Hohenheim in
Stuttgart im Verbundprojekt „EmissionsMinderung Nutztierhaltung“, kurz
EmiMin. Mit gut 2 Mio. Euro Förderung aus Bundesmitteln ist das
Teilprojekt an der Universität Hohenheim ein Schwergewicht der Forschung.
Video zum Hohenheimer Projektteil:
https://www.youtube.com/watch?v=J-d8QSGH9bE

Im Übermaß produziertes Ammoniak und klimawirksame Gase wie Methan,
Kohlendioxid und Lachgas aus der Nutztierhaltung können Mensch, Tier und
Umwelt belasten. Doch bereits mit relativ einfachen Maßnahmen lassen sich
diese unter praxisüblichen Haltungsbedingungen reduzieren, so ein
Zwischenergebnis im Verbundvorhaben „EmissionsMinderung Nutztierhaltung“
(EmiMin).

Prof. Dr. Eva Gallmann, Agrartechnikerin an der Universität Hohenheim,
erforscht mit ihrem Team, wie sich durch auf dem Markt verfügbare,
baulich-technische Maßnahmen, insbesondere Ammoniak-Emissionen in
Mastschweineställen verringern lassen. Das Augenmerk der Forscherinnen
liegt auf der Kühlung der Gülle und einer Verkleinerung des Güllekanals,
auch in Kombination mit weiteren Maßnahmen zum Beispiel bei der Fütterung.

Beide Verfahren überprüfen sie an zwei Standorten auf ihre Wirksamkeit.
Dabei wird jeweils ein Stall-Abteil mit eingebauter Minderungsmaßnahme mit
einem Referenzabteil ohne Minderungsmaßnahme verglichen. „Erste Ergebnisse
zeigen, dass beide Methoden nicht nur die Emissionen vermindern, sondern
auch das Stallklima verbessern“, sagt Prof. Dr. Gallmann. „So sorgt
ausgeklügelte Tierhaltungstechnik für gute Luft im Stall. Das ist gut für
Tiergesundheit und Wohlbefinden – und gut für die Umwelt“.

Hauptproblem Ammoniak

Vor allem geschlossene, wärmegedämmte Mastschweineställe mit
Vollspaltenböden haben ein höheres Emissionspotenzial für Ammoniak. „Dort
wird die Gülle meist die ganze Mast über unterhalb des Spaltenbodens
gelagert. Diese große Oberfläche zusammen mit der langen Lagerdauer und
der großen Lagermenge sowie den vergleichsweise hohen Temperaturen im
Stall begünstigen die Emission von Ammoniak“, erklärt Lilly Wokel,
Doktorandin im Fachgebiet Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme an der
Universität Hohenheim.

Deswegen interessieren sich die Forscherinnen vor allem für die
Möglichkeiten der Gülle-Kühlung und der Güllekanal-Verkleinerung in
geschlossenen Mastschweineställen, bei denen der Austausch mit der
Umgebungsluft über Ventilatoren erfolgt. Sie setzen dabei vor allem auch
auf Umbaulösungen für bestehende Ställe. „Nach unseren Messungen im
direkten Vergleich der Stall-Abteile mit und ohne Minderungstechnik zeigen
sich Minderungspotenziale zwischen 10 und 60 Prozent für Ammoniak“, so
Prof. Dr. Gallmann. „Im Detail hängt dies natürlich auch stark von der
Jahreszeit und der Mastphase ab und schwankt über den Jahresverlauf.“

Gülle-Kühlung mindert Emissionen

Einen hohen Einfluss auf die Bildung von Schadgasen hat die Temperatur der
Gülle: „Durch Absenken der Gülletemperatur auf unter 15 °C können die in
der Gülle ablaufenden chemisch-biologischen Prozesse reduziert werden, was
zu einer deutlichen Minderung der Emissionen beiträgt“, erläutert Lilly
Wokel.

Eine Möglichkeit, die Temperatur in der Gülle zu senken, sind
Kühlleitungen, die bereits beim Bau des Stalls in den Boden des
Güllekanals einbetoniert werden. In bestehenden Ställen kommen Kühlrippen
zum Einsatz, die im Güllekanal in der Gülle schwimmen. „Sie sind gut
nachzurüsten und haben einen positiven Effekt auf das Stallklima“, so die
Wissenschaftlerin.

Dabei zirkuliert gekühltes Wasser in einem geschlossenen Kreislauf durch
die Rippen und nimmt die Wärme aus der Gülle auf. Über eine Wärmepumpe
wird diese wieder abgegeben und kann in anderen Bereichen des Stalles
genutzt werden, zum Beispiel als Heizung für Liegeflächen oder in der
Ferkelaufzucht. So lässt sich der für die Kühlung benötigte Energiebedarf
teilweise kompensieren.

Verkleinerung des Güllekanals durch den Einbau von Güllewannen

Eine etwas größere bauliche Veränderung erfordert die Einrichtung eines
Teilspaltensystems in Kombination mit einer Verkleinerung der Gülle-
Oberfläche. Dabei werden die Buchten der Tiere in verschiedene
Funktionsbereiche eingeteilt. Mit unterschiedlich gestalteten Liege-,
Fress- und Kotbereichen sollen die Tiere animiert werden, nur in einem
kleinen Bereich, der mit Spalten ausgestattet ist, zu harnen und zu koten.

„Denn Schweine legen ihren Kotbereich in der Regel entfernt vom
Ruhebereich an und, wenn sie die Möglichkeit haben, auch entfernt vom
Futterbereich“, weiß Prof. Dr. Gallmann. „Wenn ich diese Funktionen
entsprechend zuordne und für jede Funktion genügend Platz vorsehe, dann
machen sie das von sich aus.“ So kann durch saubere Buchten zusätzlich die
verschmutzte bzw. emittierende Oberfläche verkleinert und die Bildung von
Schadgasen reduziert werden.

Unter den Spaltenbereichen befinden sich V-förmige Wannen, die eine
kleinere Oberfläche haben als ein herkömmlicher Güllekanal. Werden diese
Wannen zudem möglichst häufig entleert, wird nicht nur die Oberfläche noch
weiter verkleinert, sondern auch die im Stall gelagerte Güllemenge
deutlich reduziert.

Relevantes Reduktionspotenzial auf die Emission von Ammoniak

Beide untersuchten Maßnahmen besitzen ein relevantes Potenzial die
Emission von Ammoniak zu reduzieren. „Wir sehen aber auch, dass die
Rahmenbedingungen eine große Rolle spielen“, erklärt Lilly Wokel: „Vieles
hängt von den baulichen Gegebenheiten ab, beispielsweise wie gut die Gülle
abfließen kann, oder ob sich festes Material vielleicht an den Kühlrippen
anstaut. Aber auch, wie oft gereinigt wird oder wie das Verhalten der
Tiere im Stall gesteuert werden kann, spielt eine Rolle.“

Als Nächstes werden die Daten der Optimierungsphase ausgewertet. Die
Forscherinnen haben untersucht, ob die Kombination mit weiteren
Fütterungsmaßnahmen oder der Zusatz von saurer Molke zur Gülle eine
weitere Verringerung der Emission ermöglichen, auch und vor allem für die
Stall-Abteile ohne bauliche-technische Maßnahme. „Schließlich müssen wir
der Praxis auch taugliche Lösungen anbieten, die in einem ersten Schritt
schnell und vergleichsweise günstig zu realisieren sind.“

HINTERGRUND: Projekt EmissionsMinderung Nutztierhaltung (EmiMin)

EmiMin startete am 1. Juli 2018 und ist auf fünf Jahre ausgelegt. Die
Verbundpartner neben der Universität Hohenheim sind das Kuratorium für
Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL), das auch die
Projektleitung innehat, die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die
Universität Bonn, das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie
e.V. (ATB) und das ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften in
Köln. Die Förderung des Projektes EmiMin erfolgte aus Mitteln des
Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank im
Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).
Das Vorhaben wird mit insgesamt rund 9 Mio. Euro gefördert, wovon gut 2
Mio. Euro auf die Universität Hohenheim entfallen.

Weitere Informationen
- Projekt-Homepage: https://www.ktbl.de/themen/emimin
- Erklärfilm zum Hohenheimer Teilprojekt:
https://www.youtube.com/watch?v=J-d8QSGH9bE
- Alle Erklärfilme der Projektpartner:
https://www.youtube.com/playlist?list=PLGZJQF1fm-u_V64qTCBxxrG_t8dahM0Ga
- Expertenliste zu Tierschutz / Tierwohl unter https://www.uni-
hohenheim.de/expertenliste-tierschutz-tierwohl

HINTERGRUND: Einsatz von Tieren im Projekt

Die baulich-technischen Maßnahmen zu EmiMin wurden auf vier
landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsstationen in jeweils zwei Stall-
Abteilen in Deutschland erprobt. Die Schweine wurden dort unter
praxisüblichen Bedingungen gehalten und zählten nicht als Versuchstiere.
An der Universität Hohenheim lagen laut der Versuchstiermeldung 2021
Schweine mit 58 Tieren an siebter Stelle. Hühner waren mit 1.939 Tieren
das häufigste Versuchstier.

Die Universität Hohenheim ist Erstunterzeichnerin der 2021 gestarteten,
bundesweiten Initiative Transparente Tierversuche. Sie legt an die
Durchführung von Tierversuchen sehr strenge Maßstäbe: Bereits 2017 hat sie
sich eine Leitlinie gegeben, in der sie sich weiterhin zu deren
Notwendigkeit bekennt, aber auch zur Verpflichtung, diese zu reduzieren,
abzumildern und transparent darüber zu informieren. Mehr dazu: https://www
.uni-hohenheim.de/tierversuche

HINTERGRUND: Schwergewichte der Forschung

37,6 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler:innen der
Universität Hohenheim 2022 für Forschung und Lehre. In loser Folge
präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende
Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 350.000
Euro für apparative Forschung bzw. 150.000 Euro für nicht-apparative
Forschung.
Mehr Schwergewichte der Forschung: www.uni-hohenheim.de/drittmittelstarke-
forschungsprojekte

Text: Stuhlemmer

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Weltfriedenstags am 21.9.2023: Prof. Dr. Stefan Rohdewald zur Lage in der Ukraine

Prof. Dr. Stefan Rohdewald  Antje Gildemeister/Universität Leipzig
Prof. Dr. Stefan Rohdewald Antje Gildemeister/Universität Leipzig

Am 21. September jährte sich der von den Vereinten Nationen ausgerufene
Weltfriedenstag – der die Idee des Friedens sowohl innerhalb der Länder
und Völker als auch zwischen ihnen beobachten und stärken soll. Damit, wie
zwischen Russland und der Ukraine Frieden wiederhergestellt werden
beziehungsweise wie der Krieg Russlands gegen die Ukraine überhaupt
irgendwie „ausgehen“ kann, beschäftigt sich bereits seit Beginn des
russischen Angriffskriegs Prof. Dr. Stefan Rohdewald. Im Interview äußert
sich der Historiker über die Chancen auf Frieden aus geschichtlicher
Perspektive.

Herr Prof. Rohdewald, vor fast eineinhalb Jahren sagten Sie im Interview,
dass eine Machtbalance zwischen den Kriegsparteien einen Friedensschluss
begünstigen würde, Russland und die Ukraine aber noch weit entfernt von
einem Punkt der Einigung seien. Wie beurteilen Sie das aus heutiger Sicht?

Prof. Dr. Stefan Rohdewald: Tatsächlich ist weiterhin kaum von einer
bevorstehenden Einigung auszugehen, solange Russland weiter neue Gebiete
(Charkiv) angreift und die besetzten Gebiete nicht räumt. Jedenfalls hat
die Ukraine bis heute bewiesen, gegen den umfassenden Angriff auf die
eigene Existenz außerordentlich starken und nachhaltigen Widerstand
mobilisieren zu können, sodass bei weiterer und natürlich stärkerer
Unterstützung das Bestehen des Staates nicht in Frage steht. Das weiterhin
durch Russland angestrebte Ziel der Auflösung der ganzen Ukraine in
Russland ist mit großen Opfern verunmöglicht worden. Ein Friedensschluss
ist aktuell erklärtermaßen nicht im Interesse Russlands, das weiterhin –
und mit Raketenangriffen praktisch jede Nacht, darüber wird ja kaum noch
berichtet – immer wieder alle Regionen der Ukraine angreift. Aktuell hat
sich weitgehend ein Stellungskrieg entwickelt, der auf Jahre fortgeführt
werden könnte – falls nicht doch ein markanter Durchbruch, hoffentlich
seitens der ukrainischen Kräfte, alles wieder in Bewegung bringt.

Anstelle eines baldigen Friedens sehen die drei baltischen Staaten in
Russland eine ernsthafte Bedrohung und fürchten, Sie seien als nächstes
dran, wenn Russland den Krieg gegen die Ukraine gewinnt. Wie lässt sich
diese Angst historisch erklären?

Mit dem Pakt zwischen der Sowjetunion und NS-Deutschland 1939, der den
Anfang des Zweiten Weltkriegs bedeutete, wurden die baltischen Staaten
besetzt, die Bevölkerung zu großen Teilen deportiert beziehungsweise für
die eigene Armee mobilisiert – ein durch und durch völkerrechtswidriges
Szenario, das aktuell die Ukraine trifft. Die Vereinten Nationen (UNO),
die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) haben nach
dem Krieg mithin auch auf Initiative der Sowjetunion die Ächtung des
Angriffskriegs und die Unverletzlichkeit staatlicher Grenzen zum Kern der
globalen und europäischen Friedensordnung gemacht. Das Handeln Russlands
in Georgien seit 2008, in der Ukraine seit 2014 und in extremer Zuspitzung
seit 2022 hat zum Ziel, diese Prinzipien aufzuheben: Dann gilt das
Faustrecht und kleinere Nachbarstaaten des neoimperial handelnden
russischen Staates müssen das Schlimmste befürchten. Die NATO müsste auf
jede, auch hybride, etwa durch Wagnertruppen, Verletzung der territorialen
Integrität dieser Staaten umgehend – natürlich nicht nuklear – reagieren,
sonst geht ihre Glaubwürdigkeit sehr rasch verloren und der Spielraum
Putins wird weiter größer: Dies ist aktuell die größte Angst im Baltikum,
aber auch in Polen und Rumänien.

Den Weltfriedenstag gibt es bereits seit 1981. Wie haben sich die
Bedingungen/Voraussetzungen für weltweiten Frieden in den letzten 50
Jahren verändert – und wie verhält sich der Krieg Russlands gegen die
Ukraine hierzu?

1979 war die Sowjetunion in Afghanistan einmarschiert – und 1981 wurde das
Kriegsrecht in Polen verhängt. Dennoch inszenierte sich die Sowjetunion
als friedliebend und sah die Förderung der Friedensbewegung sowie auch des
UNO-Weltfriedenstages als eine propagandistische Priorität. Mit dem Ende
des Kalten Krieges ist die Welt nicht einfacher geworden – der
Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist aber seit dem Genozid an der
muslimischen Bevölkerung Bosniens durch serbische Truppen der radikalste
Bruch mit den Prinzipien der europäischen Friedensordnung nach 1945.
Russland hat ganz ausdrücklich zum Ziel, eine eigene imperiale
Einflusszone in Europa (wieder)herzustellen – dem Frieden wird jetzt und
langfristig nur gedient sein, wenn dies verhindert werden kann.

Sie waren gerade auf Ukrainetagungen in Warschau und Vilnius unterwegs.
Wie werden die Chancen auf Frieden von internationalen
Wissenschaftler:innen eingeschätzt?

Abgesehen von einer immer möglichen plötzlichen Veränderung der Lage –
auch ein Sturz Putins etwa durch ein Komitee zur Rettung der Nationalen
Interessen ist zum Beispiel, bei weiteren Misserfolgen, nie völlig
auszuschließen – erscheinen aktuell höchstens ein koreanisches oder ein
israelisches Szenario wahrscheinlich. Selbst ein Vertrag mit Putin wäre
schwerlich glaubwürdig, zumal er alle harten Abkommen gebrochen hat,
einschließlich des jüngsten ukrainisch-russischen Grenzvertrages von 2003.
Nur ein Führungs- und radikaler Politikwechsel in Moskau könnte das
notwendige Vertrauen wiederherstellen. In Korea herrscht ein
Waffenstillstandsabkommen, das den Status Ouo von 1953 ohne
Friedensschluss bisher stabilisiert hat. Israel kann sich nur durch eigene
Kraft und sicherheitspolitische Unterstützung weniger Partner sicher
fühlen: Die Existenz des Staates ist seit Jahrzehnten dauerhaft durch die
Nachbarstaaten bedroht und insbesondere durch Iran bis heute sehr klar
existenziell gefährdet. Die kürzlich in Vilnius begonnenen Gespräche über
Sicherheitsgarantien für die Ukraine seitens zahlreicher Staaten folgen im
Prinzip dem internationalen Schutz Israels und müssen nun mit sehr
konkretem Inhalt geführt werden.


Prof. Dr. Stefan Rohdewald hat seit 2020 den Lehrstuhl für Ost- und
Südosteuropäische Geschichte am Historischen Seminar der Universität
Leipzig inne. Der Historiker ist am Exzellenzclustervorhaben New Global
Dynamics im Rahmen der zweiten Wettbewerbsphase der Exzellenzstrategie von
Bund und Ländern beteiligt. Die Schwerpunkte seines Forschungsprofils
sind: Verflechtungsgeschichte des östlichen Europa und des Nahen Ostens;
Erinnerungsdiskurse; Stadtgeschichte; Sport-, technik- und
wissensgeschichtliche Verflechtungen zwischen Ost und West;
Transkulturalität, Transkonfessionalität.

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Meilenstein in der Gesundheitsbildung: Ernst-Abbe-Hochschule Jena eröffnet hochmodernes Skillslab

Thüringens Wissenschaftsstaatssekretär Carsten Feller (links im Bild) bei einer simulierten Reanimation im Labor für Rettungswesen  Marie Koch  EAH Jena
Thüringens Wissenschaftsstaatssekretär Carsten Feller (links im Bild) bei einer simulierten Reanimation im Labor für Rettungswesen Marie Koch EAH Jena

Die Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) Jena feierte am 18.09.2023 die Eröffnung
ihres hochmodernen Skillslabs, das zu den größten und modernsten
Simulationsräumen Deutschlands zählt. Dieser interdisziplinäre
praxisbezogene Lernraum, der für alle Studiengänge des Fachbereichs
Gesundheit und Pflege zugänglich ist, setzt neue Maßstäbe in der
Ausbildung angehender Fachkräfte.

Prof. Steffen Teichert, Rektor der EAH Jena, betonte in seiner
Eröffnungsrede: „Das Skillslab ist ein bedeutender Schritt in unserer
Vision, hochqualifizierte Gesundheitsfachkräfte auszubilden, die in der
Praxis sofort einsatzbereit sind. Es bietet unseren Studierenden eine
einzigartige Chance, in einer realistischen Umgebung zu lernen und zu
üben, was ihre Kompetenzen erheblich stärken wird."

Thüringens Wissenschaftsstaatssekretär Carsten Feller sagte, ein Skillslab
gehöre in der Ausbildung von Gesundheits- und Pflegefachkräften heute zum
Standard. „Trotz Akademisierung der Gesundheitsfachberufe, die wir als
Land unterstützen, ist der hohe Praxisbezug der Ausbildung jederzeit
gewährleistet und wird sogar noch verstärkt“, so Feller. Das neue
Skillslab leiste dazu einen wesentlichen Beitrag. So könnten in der
Einrichtung künftig praktische Fertigkeiten (wie das Legen venöser
Zugänge, Anlegen von Verbänden, Reanimation, Entbindungen, Versorgung bei
Herzinfarkten und Schlaganfällen) vermittelt und geübt, aber
beispielsweise auch die interdisziplinäre Kooperation zwischen
unterschiedlichen Fachbereichen (z. B. Rettungswesen, Pflege,
Physiotherapie) oder die Zusammenarbeit von ärztlichem und nichtärztlichem
Personal trainiert werden. Angesichts dieser Bedeutung hat das Thüringer
Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft
(TMWWDG) den Bau und die Gestaltung des Skillslabs mit insgesamt 3,9
Millionen Euro aus dem Programm „Investitionen in die Lehre“ unterstützt.

Das Skillslab wurde speziell für die primärqualifizierenden Studiengänge
Rettungswesen/Notfallversorgung, Physiotherapie, Ergotherapie und
Hebammenwissenschaft/Midwifery entwickelt. Diese berufsfeldspezifische
Lernumgebung bietet eine beeindruckende Palette hochmoderner Technologie,
darunter Patientensimulatoren für realistische Geburts- und
Reanimationsübungen, gerätegestützte Physiotherapieausrüstung und kreative
Lernräume für die Ergotherapie, inklusive eines Brennofens für das
Arbeiten mit Ton. Zur Ausstattung gehört auch eine Simulationswohnung mit
einer Gebärwanne für die Praxisübung von Wassergeburten. Eine klassische
Bad- und Wohnraumausstattung ermöglicht zudem die interdisziplinäre
Simulation verschiedenster Lernsituationen, von häuslichen Notfällen bis
zur ambulanten Pflege.

Der Neubau des Skillslabs befindet sich direkt unter der Carl-Zeiss-Mensa
im Herzen des Campus der EAH Jena. Die Idee, das Untergeschoss der Mensa
in ein Zentrum für fachpraktisches Fertigkeitentraining umzuwandeln, geht
auf Dr. Ralf Schmidt-Röh, den ehemaligen Geschäftsführer des
Studierendenwerkes Thüringen (STW), und Prof. Steffen Teichert zurück. Das
schon seit Jahren etablierte Skillslab des primärqualifizierenden
Studiengangs Pflege bleibt in seinen vertrauten Räumen im Haus 5.

„Mit dem Skillslab schaffen wir nicht nur eine außergewöhnliche
Ausbildungsmöglichkeit, sondern auch eine Plattform für interdisziplinäres
Lernen und Zusammenarbeiten", sagte Prof. Johannes Winning, Dekan des
Fachbereichs Gesundheit und Pflege.

Das Skillslab erstreckt sich über eine Fläche von etwa 1400 m² und wurde
von Oktober 2021 bis März 2023 gebaut. Verantwortlich für den Bau war das
Studierendenwerk Thüringen; die Genehmigung sowie Finanzierung wurde
TMWWDG sichergestellt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf knapp 4,5
Millionen Euro, wobei die EAH Jena zusätzlich ca. 500.000 € für die
Ausstattung zur Verfügung stellte. Das neue Skillslab der Hochschule
markiert einen bedeutenden Fortschritt in der Ausbildung angehender
Gesundheitsfachkräfte und stärkt die Position der Hochschule als eine der
führenden Bildungseinrichtungen in diesem Bereich.

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