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Post/Long-COVID könnte zu hohen Kosten durch Arbeitsausfälle führen

Mit einer Erkrankung an Post/Long-Covid könnten neben medizinischen auch
hohe indirekte Kosten durch Arbeitsausfall verbunden sein. In einer
Online-Befragung des RWI in Zusammenarbeit mit Long COVID-Deutschland
(LCD) lagen diese indirekten Kosten von an Post/Long-COVID-Erkrankten bei
durchschnittlich etwa 22.200 Euro pro Person. Alleine für die gut 1.000
Betroffenen, die an der Befragung teilnahmen, bezifferten sich die
indirekten Kosten der Erkrankung damit auf schätzungsweise rund 23
Millionen Euro. Zudem zeigt die Analyse, dass sich die Erkrankung mit
zunehmendem Schweregrad auch stärker auf Lebensqualität und finanzielle
Situation der Betroffenen auswirkt.

Das Wichtigste in Kürze:

• Mit einer Erkrankung an Post/Long-Covid könnten neben medizinischen auch
hohe indirekte Kosten verbunden sein. In einer Online-Befragung des RWI in
Zusammenarbeit mit Long COVID Deutschland (LCD) lagen die indirekten
Kosten von an Post/Long-COVID-Erkrankten durch Arbeitsausfall zum
Zeitpunkt der Erhebung bei durchschnittlich etwa 22.200 Euro pro Person.
Die durchschnittliche Krankschreibungsdauer betrug 237 Tage. Alleine für
die gut 1.000 Betroffenen, die an der Befragung teilnahmen, bezifferten
sich die indirekten Kosten der Erkrankung damit auf schätzungsweise rund
23 Millionen Euro.

• Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation entwickeln nach einer
Infektion mit SARS-CoV-2 rund 10 Prozent der Erkrankten anhaltende oder
neu auftretende gesundheitliche Beschwerden in Form von Long COVID. Halten
die Beschwerden länger als zwölf Wochen an, wird dieser Krankheitszustand
als Post-COVID-Syndrom bezeichnet. Für Deutschland liegen bislang keine
genauen Angaben zum Vorkommen des Post-COVID-Syndroms in der Bevölkerung
vor.

• Im Rahmen der Erhebung wurden 26 Symptome und ihre Ausprägung abgefragt.
Die Befragten wurden je nach Anzahl und Ausprägung ihrer Symptome in  drei
verschiedene Cluster eingeteilt: mildes, moderates und schweres Post-
COVID-Syndrom. Je nach Schweregrad der Erkrankung lagen die
durchschnittlichen indirekten Kosten zwischen 18.400 Euro pro Erkrankten
(bei einer durchschnittlichen Krankschreibungsdauer von 193 Tagen) und
24.200 Euro (bei einer durchschnittlichen Krankschreibungsdauer von 265
Tagen).

• Zu den besonders häufig als „häufig/stark“ ausgeprägten Symptomen
gehören chronische Erschöpfung, Zustandsverschlechterung nach Belastung
(Post-exertionelle Malaise, kurz PEM) sowie allgemeine Müdigkeit und
Kraftlosigkeit.

• Befragte, die dem Cluster „schweres Post-COVID-Syndrom“ zugeordnet
wurden, gaben deutlich stärkere Auswirkungen auf ihre finanzielle
Situation und die Versorgung von Kindern und Familie an als Befragte aus
dem Cluster „mildes Post-COVID-Syndrom“.

• Teil der Befragung war auch eine Abfrage zur Lebensqualität anhand des
sog. SF-36-Score, einem Zahlenwert zwischen 0 und 100. Bei Befragten ohne
Long/Post-COVID lag dieser bei rund 70 Punkten, bei Personen mit Long
/Post-COVID bei einem deutlich geringeren Wert von rund 37 Punkten.

• Die Studie basiert auf einer Online-Befragung, für die eigens ein
Fragebogen konzipiert wurde. Aufrufe zur Teilnahme erfolgten überwiegend
über die Internetseite von LCD sowie die LCD-Selbsthilfegruppe auf
Facebook. Die Erhebung wurde vom 26. Juni 2022 bis zum 31. Juli 2022
durchgeführt, von insgesamt 2.756 Teilnehmenden beantworteten 2.145 (rund
78 Prozent) mindestens die Hälfte aller Fragen. Die Angaben dieser
Personen bilden die Datengrundlage der Studie.

• Der Fragebogen wurde überwiegend von Frauen ausgefüllt, nur 22 Prozent
der Befragten waren Männer. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei
42,9 Jahren. Die Teilnehmenden waren nach eigenen Angaben in der Mehrheit
an Long/Post-COVID erkrankt.

• Die Ergebnisse der Analysen sind aufgrund der Art, wie der Fragebogen in
Umlauf gebracht wurde, nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung oder
alle Long/Post-COVID-Erkrankten. Zudem handelt es sich bei den Analysen um
Korrelationen und nicht um Kausalzusammenhänge. Gleiches gilt für die
Kostenanalyse. Sie ist nur eine Momentaufnahme der Kosten innerhalb der
Analysestichprobe, weil ein großer Teil der Betroffenen zum Zeitpunkt der
Befragung noch krankgeschrieben war.

„Unsere Analyse zeigt, dass eine Erkrankung an Long/Post-COVID nicht nur
die Lebensqualität vieler Betroffener stark einschränkt, sondern auch
gesamtwirtschaftlich mit hohen Kosten verbunden sein könnte“, sagt RWI-
Gesundheitsökonom Alexander Haering. „Die Integration Post-COVID-
Erkrankter in ihr soziales und berufliches Umfeld ist eine enorme
gesellschaftliche Herausforderung. Unsere Analyse gibt einen Einblick in
schweregradabhängige Krankheitsfolgen und zu erwartende Ausfälle durch
langwierige Arbeitsunfähigkeiten“, ergänzt Dr. Claudia Ellert von Long
COVID Deutschland (LCD).

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Factsheets zu verschiedenen Projekttypen im Kohlenstoffmarkt

Gemeinsame Pressemitteilung von Öko-Institut, CCQI und Stiftung Allianz
für Entwicklung und Klima

Um einen wirksamen Beitrag zur Erreichung der Ziele des Pariser
Klimaschutzabkommens und der Nachhaltigkeitsziele zu leisten, müssen
Emissionsgutschriften im freiwilligen Kohlenstoffmarkt von hoher Qualität
sein. Transparente und vertrauenswürdige Informationen über die Qualität
der Emissionsgutschriften aus unterschiedlichen Projekttypen können
verschiedenen Akteuren und Akteurinnen helfen, den Markt auf eine höhere
Qualität und für eine bessere Implementierung der Nachhaltigkeitsagenda
der Vereinten Nationen auszurichten und damit die Finanzierung von mehr
Klimaschutz sicherzustellen.

Die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima hat daher mit der Expertise
der Carbon Credit Quality Initiative (CCQI), in der das Öko-Institut
Partner ist, sechs von insgesamt zwölf Factsheets veröffentlicht. Diese
bereiten die Forschungsergebnisse zu unterschiedlichen Projekttypen
verständlich auf und machen diese damit der interessierten Öffentlichkeit
leicht zugänglich. Bislang konnten Nutzende mit Hilfe einer Suchmaske
bereits verschiedene Qualitätsaspekte vergleichen. Jetzt sind in den
Factsheets Informationen zu den Projekten verständlich aufbereitet und
prägnant zusammengefasst.

Informierte Entscheidungen über die Qualität von Emissionszertifikaten

„Mit den Factsheets wird interessierten Akteuren ein Werkzeug an die Hand,
sich über die Projekttypen zu informieren und qualifizierte Entscheidungen
zu treffen“, so Peter Renner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Allianz
für Entwicklung und Klima. „Bei dem Projekt handelt es sich um ein
wissenschaftsbasiertes Vorhaben zur Kommunikation, die uns als Stiftung
sehr am Herzen liegt und mit der wir eine Übersicht über die
Qualitätsmerkmale und -risiken der gängigen Projekttypen geben“, so Dr.
Olivia Henke, Vorständin der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima.

Die CCQI ist eine gemeinsame Initiative des Environmental Defense Fund
(EDF), des World Wildlife Fund US (WWF-US) und des Öko-Instituts, einer
der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und
Beratungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Alle Bewertungen
stammen aus der Anwendung der CCQI-Methode. Das Öko-Institut leitet den
Bewertungsprozess und wird dabei von Forschenden von Carbon Limits, dem
Greenhouse Gas Management Institut (GHGMI), INFRAS und dem Stockholm
Environment Institute (SEI) unterstützt.

„Ziel der CCQI ist es, Marktteilnehmenden und der interessierten
Öffentlichkeit eine Möglichkeit zu bieten, Qualitätsunterschiede bei
Kohlenstoffzertifikaten besser nachvollziehen zu können“, so Dr. Lambert
Schneider, Forschungskoordinator für internationale Klimapolitik am Öko-
Institut. Dazu haben die beteiligten Institute einen methodischen Ansatz
entwickelt, der es ermöglicht, unterschiedliche Qualitätsmerkmale mithilfe
eines Kriterienkatalogs zu beleuchten.

In den Factsheets werden die Ergebnisse entlang der relevanten
Qualitätsziele dargestellt, zu denen Zusätzlichkeit, die robuste
Quantifizierung der Emissionsminderungen, die Gewährleistung der
Dauerhaftigkeit der Minderungen, Vereinbarkeit des Projekts mit der
Erreichung von Netto-Null-Emissionen, Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung
und, wo es relevant ist, die doppelte Ausgabe von Zertifikaten aufgrund
indirekter Überlappung zwischen Projekten, zählen.

Die ersten sechs Factsheets finden Sie auf der Webseite der Stiftung unter
www.allianz-entwicklung-klima.de , die weiteren sechs Factsheets werden
bis Ende des Jahres 2023 veröffentlicht und dann ebenfalls online zu
finden sein. Die Factsheets und weitere detaillierte Informationen zu den
Qualitätsrisiken der Projekttypen finden sich auf der Website der Carbon
Credit Quality Initiative unter www.carboncreditquality.org .

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Für mehr Sicherheit: Klinikum stärkt die Stimme von Patientinnen und Patienten

Das Anliegen, Qualität und Sicherheit fest und zuverlässig im
Versorgungsalltag zu verankern, ist eine Selbstverständlichkeit für jede
Gesundheitseinrichtung und ganz besonders für ein Krankenhaus der
Maximalversorgung. Darauf verweist das Universitätsklinikum Carl Gustav
Carus Dresden im Vorfeld des Welttags der Patientensicherheit, der 2023
auf den 17. September fällt. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss
das Bewusstsein für Qualität und Sicherheit in allen Bereichen der
Institution verlässlich verankert sein und alle Beteiligten müssen immer
wieder sensibilisiert werden.

Unerlässlich sind dafür adäquate Strukturen und Prozesse eines Qualitäts-
und medizinischen Risikomanagements, das seit mehr als zwei Jahrzehnten
integraler Bestandteil des Dresdner Uniklinikums ist. Wichtige Impulse
liefern übergeordnete Initiativen, wie der jährliche Welttag der
Patientensicherheit, die an diese Thematik im Alltag erinnern und
sichtbare Zeichen setzen. Da sich die Anforderungen an die Patientinnen-
und Patientensicherheit stetig wandeln, müssen die dazu notwenigen
Maßnahmen kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt werden. Ein
Beispiel am Dresdner Uniklinikum ist der Ausbau der Digitalisierung von
Rückmeldungen seitens der Behandelten, ihren Angehörigen und auch der
Belegschaft.

„Das Verdienst von Welttagen ist es, den Fokus der öffentlichen
Wahrnehmung auf wichtige Themen zu richten – dazu gehört auch die
Patientensicherheit“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand
des Dresdner Uniklinikums. „Es wäre jedoch schade, wenn der Tag lediglich
zur Imagepflege genutzt wird. Es geht längst nicht mehr um Grundlegendes
wie das Tragen von Patientenidentifikationsarmbändern oder Anleitungen zur
richtigen Händehygiene, sondern um ein gelebtes, sich kontinuierlich
verbesserndes Qualitätsmanagement. Genau das gibt es hier im Uniklinikum
seit mehr als 20 Jahren. Darauf sind wir zu Recht stolz!“

Dem Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement (QRM) des Uniklinikums
gelingt es in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten des Klinikums mit
vielen ganz unterschiedlichen Maßnahmen, mögliche Risiken in der
Krankenversorgung frühzeitig zu identifizieren und ihnen mit Lern- und
Vorbeugemaßnahmen zu begegnen. Viele dieser Aktivitäten werden von den
Patientinnen und Patienten in der Regel nicht unmittelbar wahrgenommen.
Und doch spielen sie, wie auch ihre Angehörigen, eine wichtige Rolle im
Sicherheitskonzept ihrer Versorgung und Betreuung. Und diese Rolle kann
und soll noch mehr Gewicht erhalten. Deshalb trifft das diesjährige Motto
des Welttags der Patientensicherheit „Die Stimme der Patientinnen und
Patienten stärken!“ den Kern der klinikumsinternen Aktivitäten rund um die
Digitalisierung des Qualitätsmanagements. Der Welttag ist für das
Universitätsklinikum unter diesem Aspekt Anlass, für die etablierten
Kommunikationskanäle des Service-, Ideen- und Beschwerdemanagements
aufmerksam zu machen. So liefern die Erfahrungen der Patientinnen und
Patienten wichtige Erkenntnisse, um aus den internen Abläufen zu lernen
und daraus gegebenenfalls Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.

Digitale Feedback-Option erhöht Zahl an Hinweisen, Ideen und Beschwerden
„Um die Möglichkeit der Rückmeldung unserer Patientinnen und Patienten und
auch ihrer Angehörigen zu erleichtern, haben wir im Uniklinikum das
digitale Feedback erfolgreich eingeführt. Über diesen Weg erhielten wir
allein im vergangenen Jahr rund 30.000 Rückmeldungen. Darunter waren zu
einem knappen Drittel konkrete Hinweise, Ideen und auch kritische
Anmerkungen“, sagt Prof. Maria Eberlein-Gonska: „Den Erfolg unserer Arbeit
messen wir aber nicht an der Anzahl der Rückmeldungen, sondern an den
Maßnahmen, die wir daraus abgeleitet haben. Diese sind vielfältig:
Angefangen von einer besseren Ausschilderung im Gelände, über Hinweise zur
Händedesinfektion des Personals beziehungsweise leere
Desinfektionsspender, über defekte Patientenrufmöglichkeiten, ausstehende
Arztbriefe für den weiterbehandelnden Arzt bis hin zu unzureichender
Erreichbarkeit in den Ambulanzen“, führt die Expertin für Qualitäts- und
Medizinisches Risikomanagement weiter aus, die den gleichnamigen Bereich
am Uniklinikum seit seiner Gründung leitet.

„Patientinnen und Patienten halten sich aus Sorge vor Konsequenzen häufig
zurück, insbesondere negative Rückmeldungen an die Beschäftigten im
Krankenhaus zu geben. Wir hingegen sehen in den auch kritischen Hinweisen
ein wichtiges Potential, unsere Abläufe zu hinterfragen und gegebenenfalls
sicherer beziehungsweise einfacher und eindeutiger zu gestalten“, sagt
Andreas Hanel, Diplompflegewirt und Risikomanager im Bereich QRM: „Wir
freuen uns deshalb über jede Rückmeldung, die uns hilft, unsere Prozesse
besser und sicherer zu gestalten!“

Das Service-, Ideen- und Beschwerdemanagement geht mit den zunehmenden
Möglichkeiten der Digitalisierung mit und greift Hinweise aus dem
digitalen Feedback ebenfalls auf. Und so funktioniert es: Über einen QR-
Code, der im Klinikum auf Plakaten, Visitenkarten und Tischaufstellern zu
finden ist, können die Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige
mit ihren eigenen Smartphones Rückmeldungen zur Behandlung und zum
gesamten Aufenthalt im Dresdner Uniklinikum geben. Ziel ist es, die
Schwelle für Feedbacks jeglicher Art möglichst gering zu halten und sie –
ganz im Sinne des Tenors des diesjährigen Sicherheitstages – als Partner
bei der Verbesserung der Strukturen und Abläufe zu verstehen.

„Gerade beim Thema der Sicherheit können uns Patientinnen und Patienten
wichtige Hinweise geben, denn sie sind die Profis in der Beobachtung
unserer Abläufe“, sagt Prof. Eberlein-Gonska. Von den 8.593 Rückmeldungen
aus dem Jahr 2022, die mit einem Kommentar versehen waren, stand das Thema
„Wartezeit“ an der Spitze der Meldungen, dicht gefolgt von den
Themengebieten „Kommunikation und Information“ sowie „Aufnahme- und
Entlassmanagement“. Darüber hinaus wird Patientinnen und Patienten, die
sich an das Service-, Ideen- und Beschwerdemanagement wenden, bei ganz
konkreten Fragestellungen die Möglichkeit eines Gesprächs mit den
Behandelnden in den jeweiligen Kliniken vermittelt, um Unklarheiten oder
Missverständnisse auszuräumen.

Ein Beispiel dafür war Anfang des Jahres das Thema nächtliche Ruhestörung,
das eine Mitarbeiterin aus der Pflege meldete. Da sich die Quelle des
Lärms nicht auf Anhieb ermitteln ließ, startete der Bereich Qualitäts- und
Medizinisches Risikomanagement eine Recherche. Nach der Befragung
unterschiedlicher Bereiche und Rückfragen an die im Schichtdienst
arbeitende Pflegekraft stellte sich heraus, dass ein Dienstleister seine
Anlieferungen in die frühen Morgenstunden verlegt hatte. Da dies mit einer
unvermeidbaren Geräuschkulisse verbunden war, bat das Uniklinikum das
Unternehmen darum, dieses Zeitfenster nicht weiter zu nutzen. Seitdem ist
der für die Genesung der Patientinnen und Patienten so wichtige Schlaf
wieder sichergestellt.

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Für mehr Sicherheit: Klinikum stärkt die Stimme von Patientinnen und Patienten

Das Anliegen, Qualität und Sicherheit fest und zuverlässig im
Versorgungsalltag zu verankern, ist eine Selbstverständlichkeit für jede
Gesundheitseinrichtung und ganz besonders für ein Krankenhaus der
Maximalversorgung. Darauf verweist das Universitätsklinikum Carl Gustav
Carus Dresden im Vorfeld des Welttags der Patientensicherheit, der 2023
auf den 17. September fällt. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss
das Bewusstsein für Qualität und Sicherheit in allen Bereichen der
Institution verlässlich verankert sein und alle Beteiligten müssen immer
wieder sensibilisiert werden.

Unerlässlich sind dafür adäquate Strukturen und Prozesse eines Qualitäts-
und medizinischen Risikomanagements, das seit mehr als zwei Jahrzehnten
integraler Bestandteil des Dresdner Uniklinikums ist. Wichtige Impulse
liefern übergeordnete Initiativen, wie der jährliche Welttag der
Patientensicherheit, die an diese Thematik im Alltag erinnern und
sichtbare Zeichen setzen. Da sich die Anforderungen an die Patientinnen-
und Patientensicherheit stetig wandeln, müssen die dazu notwenigen
Maßnahmen kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt werden. Ein
Beispiel am Dresdner Uniklinikum ist der Ausbau der Digitalisierung von
Rückmeldungen seitens der Behandelten, ihren Angehörigen und auch der
Belegschaft.

„Das Verdienst von Welttagen ist es, den Fokus der öffentlichen
Wahrnehmung auf wichtige Themen zu richten – dazu gehört auch die
Patientensicherheit“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand
des Dresdner Uniklinikums. „Es wäre jedoch schade, wenn der Tag lediglich
zur Imagepflege genutzt wird. Es geht längst nicht mehr um Grundlegendes
wie das Tragen von Patientenidentifikationsarmbändern oder Anleitungen zur
richtigen Händehygiene, sondern um ein gelebtes, sich kontinuierlich
verbesserndes Qualitätsmanagement. Genau das gibt es hier im Uniklinikum
seit mehr als 20 Jahren. Darauf sind wir zu Recht stolz!“

Dem Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement (QRM) des Uniklinikums
gelingt es in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten des Klinikums mit
vielen ganz unterschiedlichen Maßnahmen, mögliche Risiken in der
Krankenversorgung frühzeitig zu identifizieren und ihnen mit Lern- und
Vorbeugemaßnahmen zu begegnen. Viele dieser Aktivitäten werden von den
Patientinnen und Patienten in der Regel nicht unmittelbar wahrgenommen.
Und doch spielen sie, wie auch ihre Angehörigen, eine wichtige Rolle im
Sicherheitskonzept ihrer Versorgung und Betreuung. Und diese Rolle kann
und soll noch mehr Gewicht erhalten. Deshalb trifft das diesjährige Motto
des Welttags der Patientensicherheit „Die Stimme der Patientinnen und
Patienten stärken!“ den Kern der klinikumsinternen Aktivitäten rund um die
Digitalisierung des Qualitätsmanagements. Der Welttag ist für das
Universitätsklinikum unter diesem Aspekt Anlass, für die etablierten
Kommunikationskanäle des Service-, Ideen- und Beschwerdemanagements
aufmerksam zu machen. So liefern die Erfahrungen der Patientinnen und
Patienten wichtige Erkenntnisse, um aus den internen Abläufen zu lernen
und daraus gegebenenfalls Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.

Digitale Feedback-Option erhöht Zahl an Hinweisen, Ideen und Beschwerden
„Um die Möglichkeit der Rückmeldung unserer Patientinnen und Patienten und
auch ihrer Angehörigen zu erleichtern, haben wir im Uniklinikum das
digitale Feedback erfolgreich eingeführt. Über diesen Weg erhielten wir
allein im vergangenen Jahr rund 30.000 Rückmeldungen. Darunter waren zu
einem knappen Drittel konkrete Hinweise, Ideen und auch kritische
Anmerkungen“, sagt Prof. Maria Eberlein-Gonska: „Den Erfolg unserer Arbeit
messen wir aber nicht an der Anzahl der Rückmeldungen, sondern an den
Maßnahmen, die wir daraus abgeleitet haben. Diese sind vielfältig:
Angefangen von einer besseren Ausschilderung im Gelände, über Hinweise zur
Händedesinfektion des Personals beziehungsweise leere
Desinfektionsspender, über defekte Patientenrufmöglichkeiten, ausstehende
Arztbriefe für den weiterbehandelnden Arzt bis hin zu unzureichender
Erreichbarkeit in den Ambulanzen“, führt die Expertin für Qualitäts- und
Medizinisches Risikomanagement weiter aus, die den gleichnamigen Bereich
am Uniklinikum seit seiner Gründung leitet.

„Patientinnen und Patienten halten sich aus Sorge vor Konsequenzen häufig
zurück, insbesondere negative Rückmeldungen an die Beschäftigten im
Krankenhaus zu geben. Wir hingegen sehen in den auch kritischen Hinweisen
ein wichtiges Potential, unsere Abläufe zu hinterfragen und gegebenenfalls
sicherer beziehungsweise einfacher und eindeutiger zu gestalten“, sagt
Andreas Hanel, Diplompflegewirt und Risikomanager im Bereich QRM: „Wir
freuen uns deshalb über jede Rückmeldung, die uns hilft, unsere Prozesse
besser und sicherer zu gestalten!“

Das Service-, Ideen- und Beschwerdemanagement geht mit den zunehmenden
Möglichkeiten der Digitalisierung mit und greift Hinweise aus dem
digitalen Feedback ebenfalls auf. Und so funktioniert es: Über einen QR-
Code, der im Klinikum auf Plakaten, Visitenkarten und Tischaufstellern zu
finden ist, können die Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige
mit ihren eigenen Smartphones Rückmeldungen zur Behandlung und zum
gesamten Aufenthalt im Dresdner Uniklinikum geben. Ziel ist es, die
Schwelle für Feedbacks jeglicher Art möglichst gering zu halten und sie –
ganz im Sinne des Tenors des diesjährigen Sicherheitstages – als Partner
bei der Verbesserung der Strukturen und Abläufe zu verstehen.

„Gerade beim Thema der Sicherheit können uns Patientinnen und Patienten
wichtige Hinweise geben, denn sie sind die Profis in der Beobachtung
unserer Abläufe“, sagt Prof. Eberlein-Gonska. Von den 8.593 Rückmeldungen
aus dem Jahr 2022, die mit einem Kommentar versehen waren, stand das Thema
„Wartezeit“ an der Spitze der Meldungen, dicht gefolgt von den
Themengebieten „Kommunikation und Information“ sowie „Aufnahme- und
Entlassmanagement“. Darüber hinaus wird Patientinnen und Patienten, die
sich an das Service-, Ideen- und Beschwerdemanagement wenden, bei ganz
konkreten Fragestellungen die Möglichkeit eines Gesprächs mit den
Behandelnden in den jeweiligen Kliniken vermittelt, um Unklarheiten oder
Missverständnisse auszuräumen.

Ein Beispiel dafür war Anfang des Jahres das Thema nächtliche Ruhestörung,
das eine Mitarbeiterin aus der Pflege meldete. Da sich die Quelle des
Lärms nicht auf Anhieb ermitteln ließ, startete der Bereich Qualitäts- und
Medizinisches Risikomanagement eine Recherche. Nach der Befragung
unterschiedlicher Bereiche und Rückfragen an die im Schichtdienst
arbeitende Pflegekraft stellte sich heraus, dass ein Dienstleister seine
Anlieferungen in die frühen Morgenstunden verlegt hatte. Da dies mit einer
unvermeidbaren Geräuschkulisse verbunden war, bat das Uniklinikum das
Unternehmen darum, dieses Zeitfenster nicht weiter zu nutzen. Seitdem ist
der für die Genesung der Patientinnen und Patienten so wichtige Schlaf
wieder sichergestellt.

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