RWI: Viele kennen Wirkungsweise und Folgen des CO2-Preises nicht
Im Jahr 2021 wurde in Deutschland die sogenannte CO₂-Bepreisung fossiler
Kraft- und Brennstoffe eingeführt, um deren Verbrauch zum Zwecke des
Klimaschutzes zu reduzieren. Allerdings lassen die Kenntnisse der
Bürgerinnen und Bürger zur Wirkungsweise und Höhe der CO₂-Bepreisung und
der für sie daraus resultierenden individuellen finanziellen Konsequenzen
zu wünschen übrig. ...
... Das ist das Ergebnis einer Erhebung unter mehr als 6.000 Haushalten
aus dem Jahr 2022. Die Auswertungen des RWI – Leibniz-Institut für
Wirtschaftsforschung im Rahmen des von der E.ON Stiftung geförderten
Projektes „Sozialökologisches Panel – Fortführung und Weiterentwicklung“
ergeben, dass sich die überwiegende Mehrheit der Befragten eher schlecht
über die CO₂-Bepreisung informiert fühlt. Dies bestätigt sich vor allem
durch das mangelnde Wissen über die individuellen finanziellen
Konsequenzen.
Das Wichtigste in Kürze:
• Die Kenntnisse der Bürgerinnen und Bürger zur Wirkungsweise und Höhe der
CO₂-Bepreisung und der für sie daraus resultierenden individuellen
finanziellen Konsequenzen lassen zu wünschen übrig. Das zeigen die
Ergebnisse einer von der E.ON Stiftung im Rahmen des Projekts
„Sozialökologisches Panel – Fortsetzung und Weiterentwicklung“ geförderten
Erhebung, die das RWI ausgewertet hat. Hierzu wurden im Jahr 2022 mehr als
6.000 Haushalte befragt. Die sogenannte CO₂-Bepreisung fossiler Kraft- und
Brennstoffe wurde im Jahr 2021 in Deutschland eingeführt, um deren
Verbrauch zum Zwecke des Klimaschutzes zu reduzieren. Dieser
Preisaufschlag auf fossile Energieträger wird in den kommenden Jahren
sukzessive erhöht.
• Die Ergebnisse zeigen, dass sich die überwiegende Mehrheit von rund 62
Prozent der Befragten eher schlecht oder sehr schlecht über die CO₂-
Bepreisung informiert fühlt. Dies bestätigt sich auch durch das mangelnde
Wissen der Befragten über die individuellen finanziellen Konsequenzen:
Über 80 Prozent der Befragten wissen zwar, dass der CO₂-Preis auf fossile
Kraft- und Brennstoffe wie Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas aufgeschlagen
wird. Allerdings schätzen sie die für sie aus dem CO₂-Preis folgende
Kostenbelastung nicht korrekt ein. Während die durchschnittliche
Kostenbelastung pro Woche für das Pendeln zur Arbeit beispielsweise bei
1,02 Euro liegt, liegt die mittlere Schätzung der Befragten bei knapp 20
Euro, im Höchstwert sogar bei 200 Euro. Überdies vermuten viele Befragte
irrtümlich, dass der CO₂-Preis auch auf weitere Güter wie Kerosin oder
Plastiktüten erhoben wird.
• Eine Mehrheit von 60,7 Prozent der Befragten ist sich darüber im Klaren,
dass ein wesentliches Ziel der CO₂-Bepreisung der Schutz des Klimas ist.
Knapp 30 Prozent der Antwortenden glauben aber auch, dass damit
Steuereinnahmen erzielt werden sollen – ein Ziel, das laut Politik
explizit nicht mit der CO₂-Bepreisung verfolgt werden soll. Denn: Die
Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung sollen laut Koalitionsvertrag der
Ampelregierung in Form einer „Klimageld“ genannten Rückzahlung an alle
Bürgerinnen und Bürger zurückgegeben werden.
„Diese empirischen Ergebnisse stellen die Effektivität der CO₂-Bepreisung
in Frage“, sagt RWI-Energieexperte Manuel Frondel. „Politik und
Wissenschaft sind gleichermaßen gefordert, durch bessere Kommunikation und
höhere Transparenz die Wirksamkeit dieses Klimaschutzinstrumentes zu
fördern.“
Der Geschäftsführer der E.ON Stiftung, Stephan Muschick ergänzt: „Wann
kommt endlich das versprochene Klimageld?“ Mit Blick auf die Differenz
zwischen geschätzten und tatsächlichen Kosten für Privatpersonen sagt
Stephan Muschick: „Wüssten die Menschen, dass die privaten Kosten als
Folge des CO₂-Preises meist viel geringer ausfallen als befürchtet, könnte
das die Akzeptanz dieser Maßnahme erhöhen. Zur Wahrheit gehört aber auch,
dass der CO₂-Preis eine Lenkungswirkung entfalten soll. Und das kann er
nur, wenn er so hoch ist, dass Menschen ihr Verhalten ändern und auf
klimafreundlichere Alternativen umsteigen. Umso wichtiger ist, dass diese
Alternativen auch einfach und bequem vorhanden sind und das Klimageld
zügig zur Realität wird. Davon profitieren ärmere und klimafreundlich
lebende Menschen im Übrigen besonders.“
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